SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für Mai, 2011

Die Kinder sehen die PR-Aktion pragmatisch – es ist heiß und sie langweilen sich. Sozialpädagoge Frank Preußner lockt mit Eis, und so wird die Litfaßsäule schließlich fertig. Seit über zehn Jahren plakatiert der a.a.a. einmal im Jahr die runde Werbefläche am Arnulfsplatz, heuer mit einem ganz besonderen Thema: Der Arbeitskreis für ausländische Arbeitnehmer feiert sein 40. Jubiläum. In der Osterbetreuung haben die Kinder unter Aufsicht ehrenamtlich engagierter Kunstlehrer Bilder gemalt und Plakate gefertigt, die nun für alle sichtbar am Arnulfsplatz prangen. Nicht nur das kreative Talent der Kinder, sondern auch die Eckpunkte der Feierlichkeiten rund um die 40-Jahr-Feier sind dort ausgestellt.

40 Jahre Weltkulturarbeit

Weltkulturarbeit – eine Anspielung auf das Weltkulturerbe soll der von den beiden beim a.a.a. beschäftigten Sozialpädagogen Barbara Schießl und Frank Preußner geprägte Begriff sein: eine Erinnerung daran, dass sich der Arbeitskreis seit fast einem halben Jahrhundert aktiv für die kulturelle Integration arbeitet und kontinuierlich expandiert. Das Kerngebiet der Hausaufgabenbetreuung für Kinder mit Migrationshintergrund ist mittlerweile so erfolgreich, dass die vorhandenen 25 Plätze bei weitem nicht mehr ausreichen, und eine Warteliste eingerichtet werden musste. Es gibt eine Kooperation mit der Pestalozzi-Grundschule, wo Kinder aus allen Kulturen Projekte machen und miteinander spielen. Auch Jugendliche fallen nicht durch das Raster – um sie kümmert sich Barbara Schießl in den Räumen des Zentrums für junge Kultur in der Weingasse, bietet beispielsweise Bewerbertrainings an oder vermittelt Qualifizierungsmaßnahmen. Sogar Deutschkurse für Mütter hat der a.a.a. im Programm.

Spart der Freistaat?

Das Jubiläums-Sommerfest am 27. Mai wird man in den Räumen in der Erhardigasse zelebrieren, die der Arbeitskreis im vergangenen Herbst beziehen konnte und die von der Stadt Regensburg finanziert werden. Auch die Räume in der Weingasse bezahlt die Stadt, ebenso wie einen Zuschuss für die Personalkosten. Offenbar ist die Arbeit des a.a.a. dem Stadtrat „quer durch alle politischen Fraktionen“ einiges wert, so Preußner: „Ich bin der Stadt sehr dankbar für die finanzielle Unterstützung“, die ja auch eine Zustimmung für die wertvolle Arbeit sei, die man leiste. Insgesamt darf der Arbeitskreis mit rund 70.000 Euro pro Jahr von der Stadt Regensburg rechnen. Nicht ganz so großzügig gibt sich derweil das bayerische Sozialministerium. Gab es hier bislang zumindest in den meisten Jahren eine Förderung von etwa 10.000 Euro, vernimmt man für 2012 laut Preußner „Signale aus dem Ministerium, dass Förderschwerpunkte verändert werden sollen und wir dann eventuell leer ausgehen“. Was das bedeutet, ist beim a.a.a jedem klar. Die wegfallenden 10.000 Euro des Sozialministeriums lassen sich nicht durch Bratwurstverkäufe auffangen: „Das ist für uns dann nicht mehr zu stemmen“, resümiert Preußner. Schon alleine deshalb, weil der Eigenbeitrag des Arbeitskreises jährlich ebenfalls 10.000 Euro beträgt, die durch Spenden und Aktionen erbracht werden müssen – eine Verdoppelung des Eigenbeitrages ist wenn überhaupt nur noch mit Spenden schaffbar, denn für die teilnehmenden Kinder und deren Familien sollen die Beiträge niedrig bleiben. Dass eine Institution, die seit 40 Jahren wertvolle Integrationsarbeit leistet und die mittlerweile die dritte Generation an Kindern mit Migrationshintergrund betreut, nach wie vor um finanzielle Förderung des Sozialministeriums kämpfen muss, ist Frank Preußner unverständlich. „Aber immerhin“, sagt er und spielt damit auf die neuen Räume in der Erhardigasse mit funktionierender Heizung, ordentlichen Toiletten und schließenden Fenstern an, „sind wir jetzt schöner verpackt“. Spendenkonto des Arbeitskreises für ausländische Arbeitnehmer: Konto-Nummer: 25866 Sparkasse Regensburg Bankleitzahl: 750 500 00

In eigener Sache: Drei Jahre unabhängiger Journalismus

„Diese Zeitschrift ist ganz ohne Kapital gegründet worden, nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern weil kein Kapital da war.“

Was der deutsche Autor und Publizist Erich Mühsam 1911 als Vorwort in der ersten Ausgabe der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Kain“ geschrieben hat, gilt auch für regensburg-digital.de. Seit drei Jahren gibt es unser unabhängiges und chronisch unterfinanziertes Online-Magazin. Und nach wie vor gilt: Wir brauchen Geld. Unterstützen Sie uns jetzt.

„Die Sprache der Straße“ – Druckerstreik beginnt

Den Druckern geht es gut. Zu gut, meinen die Arbeitgeber, die selbst betonen, wie schlecht ihr Geschäft laufe. Sie fordern deshalb: Mehr Arbeit für weniger Geld. Das sei alternativlos und sichere Arbeitsplätze. Betrachtet man aber die Druckereien in der Region, kann es so schlecht nicht laufen. „Argumente zählen bei Tarifauseinandersetzungen nicht“, sagt Gewerkschaftssekretärin Irene Salberg. Sie spricht von einem „Klassenkampf von oben nach unten“.

Icomos-Boss im Visier

„Wer ist Icomos? Eine Vereinigung eitler Besserwisser-Denkmalpfleger, der alle angehören, die als Staatsdiener schon immer für Denkmalpflege zuständig waren?“ Es ist ein Brandschreiben, das am Dienstag im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Es geht um die das Beratergremium der Unesco, Icomos, um desssen Seriosität und um einen alten Bekannten in Regensburg: den Präsidenten von Icomos Deutschland, Michael Petzet. Er hatte vor zweieinhalb Jahren maßgeblich dafür gesorgt einen Kritiker an den Brückenplänen der Stadt mundtot zu machen.

Schleierfahnder auf der Dult

Am Freitag ist es wieder so weit: Menschen hüllen sich in seltsame Gewänder aus Loden und Leder, Bier- und Gockerl-Marken werden zur inoffiziellen Währung bei Stadträten, Geistlichen und Geschäftsleuten, Volksvertreter und Ordungskräfte grübeln verwundert darüber nach, aus welchen Gründen in diesen zwei Wochen mehr Besoffene als sonst durch Regensburg stolpern. Die Maidult beginnt und das […]

Donaumarkt: Bald kommt die Abrissbirne…

Der Alte Schlachthof war das letzte Beispiel: Interessante und lukrative Flächen entwickelt die Stadt nicht selbst, sondern überlässt das privaten Investoren. Nun geht auch die Vermarktung des Donaumarkts in die entscheidende Phase. Zwar gibt es noch keinen Bebauungsplan, aber die europaweite Investorensuche hat offiziell begonnen. Am kommenden Mittwoch stellt sich Hans Schaidinger den Kritikern der aktuellen Bebauungspläne.

Pathologischer Judenhass vor Gericht

Die Berufungsverhandlung gegen den holocaustleugnenden Piusbruder Richard Williamson wirft ihre Schatten vorraus. Am Mittwoch stand Gerd Walther vor dem Amtsgericht in Regensburg. Er brüllte vor gut einem Jahr den Fernsehteams seine Thesen zum Massenmord an den Juden in die Mikros. Am Mittwoch durfte der gerichtsnotorische Antisemit sich über Stunden vor seinen Fans produzieren.

„Wer leichter glaubt, wird schwerer klug“

Er werde in Revision gehen. Er habe nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, Atheisten anzugreifen. Er wähnt sich in Besitz der absoluten Wahrheit. In einer Presseerklärung, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig lässt hat Bischof Gerhard Ludwig Müller am Dienstag den atheistischen Buchautor Michael Schmidt-Salomon zum wiederholten Mal scharf attackiert. Atheisten bedrohten das im Grundgesetz verankerte Lebensrecht, ließ Müller seinen Sprecher Clemens Neck verkünden. Schmidt-Salomon hat nun auf die Presseerklärung des Bischofs reagiert. Wir veröffentlichen seine Stellungnahme in voller Länge.

Mitläufer Killermann im Visier

Sebastian Killermann oder Hans Weber: In der Diskussion um einen Namenspatron geht es mittlerweile weniger um den Namen, sondern darum, wer schuld an der öffentlichen Debatte trägt. SPD-Fraktionschef Norbert Hartl erwägt, den Vorschlag für NS-Widerständler Weber zurückzuziehen. Unterdessen scheint eine Debatte um den Mitläufer Killermann ins Rollen zu kommen.

Jüngstes Gericht für Kirchensteuer

Ist katholisch, nur wer zahlt? Die Kirche in Deutschland meint “Ja” und darf sich in dieser Auffassung über tatkräftige staatliche Unterstützung freuen. In Bayern hat sich sogar das Innenministerium eingeschaltet, um die Austrittserklärung eines katholischen Kirchensteuerrebellen für unwirksam zu erklären. Nach wie vor gilt in Deutschland: Wer nicht zahlt, kommt in die Hölle. Dem Vatikan scheint hingegen mehr am Seelenheil seiner Schäfchen, denn an ihrer Wolle zu liegen. Im kommenden Jahr entscheidet das oberste weltliche Gericht in Deutschland darüber, ob katholisch nur sein kann, wer zahlt. Der Gang vors oberste Kirchengericht im Vatikan steht noch aus.

Zwölf Kugeln, 50 Demonstranten

„Diese Empörung, dieser Widerstand wird weitergehen.“ In einer kämpferischen Rede vor dem Regensburger Justizgebäude kritisierte Dr. Roland Weisser die „mangelnde Aufklärungsbereitschaft” im Fall Tennessee Eisenberg. Rund 50 Menschen hatten sich zu der Kundgebung anlässlich des Todestages des 2009 erschossenen Studenten versammelt.

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