Einzelhandel

Arcaden-Center contra Altstadt: Verwaltung sieht „Besorgnis erregende“ Entwicklung

Das Amt für Stadtentwicklung sorgt sich zunehmend um den Einzelhandel in der Altstadt. Das geht aus einem Bericht an den Stadtrat hervor. Hintergrund sind verschiedene Geschäftsansiedlungen in den Arcaden.

Ansiedlung von Zara, Vergrößerung von H&M, dazu zwei weitere Billig-Textiler: Die Arcaden werden für den Einzelhandel in der Altstadt zunehmend ein Problem. Foto: Aigner

Es liest sich wie ein schlechter Witz. Das Beratungsunternehmen bulwiengiesa kommt im Auftrag der Regensburg Arcaden (genauer gesagt: der CGI Grundstück GmbH & Co. Regensburg Arcaden KG) zu dem Ergebnis, dass der Umzug des Textilhändlers Zara vom Neupfarrplatz in die Regensburg Arcaden für den Einzelhandel in der Regensburger Altstadt verträglich und insgesamt eine sinnvolle Ergänzung sein wird.

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Gutachten fällt ganz im Sinne des Auftraggebers aus

Ebenfalls als verträglich für die Altstadt stufen die von den Arcaden beauftragten Berater die Vergrößerung von H&M in den Arcaden auf 2.200 Quadratmeter (plus 800 Quadratmeter) ein. Und wenig überraschend analysiert bulwiengiesa im Auftrag der Arcaden auch, dass die geplante Ansiedlung der Billig-Textiler Pull & Bear und Bershka (zum Zara-Konzern Inditex gehörig) in den Arcaden gleichfalls keine schädlichen Auswirkungen auf den Einzelhandel in der Altstadt haben wird.

Überhaupt würden die Arcaden mit zahlreichen positiven Synergieeffekten für die Altstadt einhergehen, während sich für das Einkaufscenter „kaum Synergien“ ergeben würden, resümiert bulwiengiesa über seine Auftraggeber. Diese Ansicht allerdings vertreten „eines der größten unabhängigen Beratungs- und Analyseunternehmen“ (bulwiengiesa über bulwiengiesa) allerdings vergleichsweise exklusiv.

„Faszination Altstadt“ mit später Erkenntnis

Wie aus dem Sachstandsbericht des Amts für Stadtentwicklung hervorgeht, der am Dienstag im Planungsausschuss des Regensburger Stadtrats vorgelegt wurde (hier geht es zu der Vorlage), sieht man dort die derzeitige Entwicklung als „Besorgnis erregend“ an. Und auch Ingo Saar, städtisch subventionierter Geschäftsführer des Vereins „Faszination Altstadt“, wird in der Vorlage mit ernsten Befürchtungen zitiert.

Die Vorgängerorganisation dieses Vereins, die „Aktionsgemeinschaft Altstadt“, hatte übrigens den Bau der Arcaden überhaupt erst möglich gemacht, als sie im Jahr 2000 den von Zuckerbrot und Peitsche flankierten Überredungskünsten des damaligen Oberbürgermeisters und Arcaden-Lobbyisten Hans Schaidinger nachgab, die bereits ausreichend gesammelten Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen deren Bau einstampfte und sich zu einer „Pressure Group“ pro Arcaden umfunktionieren ließ (ein Hintergrundbericht dazu vom Februar).

Absolvierte während seiner Zeit als OB einen Werbeauftritt für die geplanten Arcaden in Würzburg: Hans Schaidinger. Foto: Archiv/Staudinger

Einfangen ließ sich der Verein mit einem Vertragswerk, das zum Teil nie umgesetzt wurde, dessen Zusage einer kostenlosen Parkstunde man kürzlich aufgab (wohl im Gegenzug für zusätzliche Fördergelder) und dessen tatsächlich im Rahmen des Bebauungsplans für die Arcaden fixierten Festlegungen, folgt man der aktuellen Verwaltungsvorlage, das Papier nicht wert zu sein scheinen, auf das sie geschrieben wurden.

Arcaden: Folgenlose Verstöße gegen städtebaulichen Vertrag

Wie das Amt für Stadtentwicklung feststellt, werde von den Arcaden zwar der „Rahmen des Bebauungsplans im Wesentlichen eingehalten“, es sei aber „festzustellen, dass hinsichtlich der Flächenaufteilung der Verkaufsflächengrößen (in den Arcaden, Anm. d. Red.) zunehmend vom städtebaulichen Vertrag abgewichen“ wird.

So werden die dort fixierten Grenzen für größere Geschäfte – jenseits der 250 Quadratmeter – um mittlerweile rund zehn Prozent überschritten. Kleine Geschäfte werden zunehmend weniger.

Mit dem Umzug von Zara, der Ansiedlung der beiden neuen Geschäfte und der Vergrößerung von H&M steigt der Anteil von Textilern in den Arcaden zudem auf 60 Prozent. Und dass das Versprechen Schaidingers an die Faszination bzw. Aktionsgemeinschaft Altstadt, demzufolge sich in den Arcaden lediglich 20 Prozent „altstadtelevantes Sortiment“ finden sollte, keinerlei Rolle spielt, kann man daran ablesen, dass es in der Verwaltungsvorlage überhaupt nicht erwähnt wird. Es waren Zusagen ohne Wert.

„Schädigende“ Auswirkungen für den Standort Altstadt?

Für den Einzelhandel in der Altstadt bedeutet der Umzug von Zara in die Arcaden gemäß den Prognosen der von den Arcaden beauftragten Gutachten ein Umsatzminus von 8,9 Millionen Euro im Bereich Bekleidung/Textil – 8,3 Prozent. Ein Wert, der just knapp unter der Grenze von zehn Prozent liegt, ab der „zahlreiche Gutachten und gerichtliche Urteile“, wie es in der Vorlage heißt, „wesentliche“ oder gar „schädigende“ Auswirkungen für den Standort sehen.

Konkret formuliert: „dauerhafte Frequenz- und Umsatzverluste, welche in irreversible Betriebsaufgaben, Leerstandsbildung, Angebot- und Funktionseinschränkungen münden“. Lägen Vorschädigungen eines zentralen Versorgungsbereichs vor, könne diese Schwelle auch unter zehn Prozent liegen, warnt das Amt für Stadtentwicklung.

Arcaden-Gutachter sehen keine Probleme

Das von den Arcaden beauftragte Gutachterunternehmen teilt solche Befürchtungen nicht. Weder den Umzug von Zara, noch die Vergrößerung von H&M und auch nicht die Neuansiedlung von Pull & Bear und Bershka würden ernsthafte Gefahren für den Einzelhandelsstandort Altstadt bergen, so das Fazit von bulwiengiesa.

Selbst dann bleibe die Altstadt „der dominierende Angebotsstandort in der Innenstadt für den zentrenrelevanten Sortimentsbereich Bekleidung mit einem Umsatzvolumen von 99,2 Mio. Euro gegenüber 60,2 Mio. Euro in den Regensburg Arcaden“. Insgesamt werde mit dem Vorhaben die oberzentrale Versorgungsfunktion Regensburgs gestärkt und ausgebaut. „Aus gutachterlicher Sicht ist daher die Ansiedlung der beiden Konzepte in den Regensburg Arcaden sinnvoll und unter den vorliegenden Umständen zu empfehlen.“

Angst um Altstadt-H&M

Beim Amt für Stadtentwicklung, wo erst kürzlich mit Anton Sedlmeier dessen langjähriger Leiter Schaidinger-Weggefährte in Pension gegangen ist und durch Dr. Volker Höcht abgelöst wurde, mag man so viel Optimismus nicht vorbehaltlos teilen.

Einerseits rechnet man dort damit, dass im bisherigen Zara-Standort am Neupfarrplatz mit einem längeren Leerstand zu rechnen sei – ganz im Gegensatz zu den Arcaden-Gutachtern übrigens. Und: „Eine Nachbelegung könnte weiterhin mit einem Verlust an Verkaufsflächen einhergehen, da meist nur noch die Erdgeschosszone von den Einzelhandelsunternehmen belegt wird.“

Zum anderen befürchtet man, dass angesichts der Vergrößerung von H&M in den Arcaden, vor allem aber wegen der generellen Umstrukturierung bei dem schwedischen Moderiesen, der derzeit (ähnlich wie der Zara-Konzern Inditex) seine Filialstruktur „optimiert“ und wegen der hohen Ladenmieten in der Altstadt der momentane Standort in der Königsstraße „das Nachsehen gegenüber den Shoppingcentern haben könnte“.

Verwaltung: Besorgt, aber hilflos

Vor diesem Hintergrund teile man die Befürchtung von „Faszination Altstadt“-Geschäftsführer Ingo Saar, derzufolge die Umsatzverschiebung von 8,3 Prozent zu Lasten der Altstadt „bedenklich“ sei, da man sich erst am Anfang eines immer härteren Wettbewerbs befinde. „Ein Wettbewerb, bei dem Einkaufszentren durch Quersubventionierung jedem gewünschten Mieter den roten Teppich ausrollen können. Auf dieses Instrument kann ein einzelner Vermieter in der Altstadt nicht zurückgreifen.“

Man sehe aber „derzeit keine Möglichkeit, korrigierend einzugreifen“, so die Stadtverwaltung. Die Ansiedlungen seien „formal als noch vertretbar einzuschätzen“, so die Formulierung. Die daraus sprechende Hilflosigkeit liegt, darauf lassen die weiteren Ausführungen in der Vorlage schließen, insbesondere an den schwammigen und wenig verbindlichen Festlegungen im städtebaulichen Vertrag mit den Arcaden.

Im Fall von Zara kommt hinzu, dass der Inditex-Konzern keine Alternative bot – entweder Arcaden oder weg aus Regensburg, habe die Ansage des Expansionsleiters gegenüber der Stadt gelautet.

Vorgeschriebenes Gutachten mit vorhersehbarem Ergebnis

Zum anderen sind der Verwaltung aber auch die Hände gebunden wegen des Gutachtens, das die CGI Grundstück GmbH & Co. Regensburg Arcaden KG zwar gemäß dem städtischen Einzelhandels- und Zentrenkonzept vorlegen musste, das aber nunmal ganz im Sinne des Auftraggebers zu dem Ergebnis kommt, dass das alles für die Altstadt gar nicht so schlimm sei.

Den grundsätzlichen Fehler scheint man ohnehin Anfang der 2000er gemacht zu haben, als unter Ägide Schaidingers die Arcaden angesiedelt wurden, die seitdem, auch dazu gab es in der Vergangenheit Untersuchungen, wie eine Art Stadtmauer für den Einzelhandel in der Altstadt fungieren.

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Kommentare (22)

  • Roche-Dirac

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    Bei den Ärzten heisst es: Wer heilt hat Recht.
    Analog könnte man sagen: Wer Geschäft macht hat Recht.
    Die Arcaden sind nicht aufzuhalten, gilt wohl auch fürs DEZ.
    Wenn die Kinobranche demnächst abschmiert, wonach es aussieht, können sich die Arcaden auch gleich noch den Cinemaxx-Komplex einverleiben.
    Die Zeit der normalen Einzelhändler, nicht nur in Regensburg, geht zu Ende. Wer nichts besonderes, keine “Events” etc. anbieten kann, wird verschwinden.

    Ein gutes Beispiel wie es läuft oder laufen kann zeigt die Firma Garhammer in dem Bayerwald-Örtchen Waldkirchen, wohl mittlerweile gut bekannt durch die massive Print- und auch Online-Werbung. Diese Firma ist eigentlich, ja eigentlich ein ganz normaler Textiler, aber sie bieten eben was Besonderes. Extrem persönlichen Service, Shows, gehobenen Restaurantbetrieb etc. pp. usw.
    Wieso ist sowas in Regensburg nicht möglich? Diese Frage sollten sich die Unternehmer und Entrepreneurs hier schon stellen.

  • Alfons

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    Wo ist eigentlich das Problem? Dann gibts halt weniger Geschäfte in der Altstadt. Vielleicht laufen dann auch weniger Leut rum. Wär eigentlich eine Verbesserung. Und wenn was leer steht muss man sich Umnutzungen überlegen. Da gibts bestimmt Leute mit tollen Ideen. Ist halt für den Immobilienbesitzer nicht mehr soviel zu verdienen, wär auch nicht schlecht.

  • Madame

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    Die altstadt regensburgs blutet schon seit Jahren aus, Bedingt durch die hohen mieten und vorstellungen durch strassenfeste. Unzählige kneippen fressmeilen verschandeln auch das weltkulturerbe durch die hinterlassenschaften. sprich dreck. Immer mehr stadtbewohner können die mieten nicht zahlen, um nur einzelne mangelerscheinungen zu nennen. Das ist
    das verschulden der landespolitik und stadtparlaments. Jetzt nach der plandemie kommts noch dicker. Nämlich sparen sparen. Die pleitewelle ist unausweichlich und zwar fast in allen sparten deskonsums. Alte Steine können die altstadt nicht retten. Das weltkulturerbe lebt durch menschen lebendigen grünflächen erholungsgebieten theater ua. Es wird dunkel in old rengschburg und das im winter

    .

  • Daniel Schellhorn

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    Stimme Alfons zu.
    Vielleicht setzt heutzutage auch wieder ein Umdenken ein.
    Diese ganzen Billig- und Müllgeschäfte (auch teure Modeketten verkaufen nur billig produzierten Müll zu hohen Preisen) braucht eigentlich niemand. Stattdessen ist eine Stadt doch zum Leben und zum Austausch da. Zumindest so meine naive Vorstellung einer schöneren Welt…

  • Charlotte

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    @ Roche-Dirac

    Ihre Argumentation hinkt und ist etwas unschlüssig. Ich selbst und Freundeskreis inclusive kaufen nie in den Arcaden ein, weil es dort !! eben nur große Modeketten mit Billigprodukten und keine Beratung gibt.

    Ganz anders in vielen inhabergeführten Läden in der Altstadt. Da gibt es persönliche, professionelle und fachkundige Beratung. Das kostet halt auch ein wenig, und da sehe ich schon wieder die Onlinefraktion, die den letzten Cent rausholen will und nur auf Schnäppchen-Jagd ist.

    Gehobene Gastronomie und Weltkulturerbe mit wunderschöner Altstadt gibt es praktisch gleich nebenan und mittendrin.

    Grundsätzlich: Natürlich war die Ansiedelung der Arcaden ein strategischer Fehler und unnötig.Dez und Altstadt reichen völlig aus für das Konsumbedürfnis. Anstatt dessen wäre endlich eine Strategie für die Altstadt notwendig: arbeiten, wohnen und Kultur und einkaufen mit einem Schuss Gastronomie und Veranstaltungen. Nicht hilfreich sind die Masse an Partylocations und Spaß-Events, die den öffentlichen Raum belegen und Regensburg’s Altstadt weder als Wohnraum, Arbeitsstätte noch als Einzelhandelszone wahrnehmen lässt. Auch die aktuelle Ausweitung der Freisitze ist komplett kontraproduktiv. Nein, Regensburg ist eben kein großes Oktoberfest und zwar gefühlt den ganzen Sommer hindurch incl. Adventszeit.

  • Gscheidhaferl

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    Das sind doch Entwicklungen, die niemanden erntshaft überraschen können, oder? Insofern irritiert mich dieses Gegreine jetzt. Rund um die Altstadt wurde quasi systematisch ein Ring an Einkaufszentren geschaffen (Alex/DEZ, Arcaden, Köwe, Rennplatz etc.). Natürlich binden die Geld. Und ziehen zudem den Verkehr bis an den Altstadtrand. Natürlich hat das auf den Einzelhandel auch Domino-Effekte. Und wenn dann in der Altstadt noch unter Umständen überzogene Miet-/Pachterwartungen dazu kommen, ist der Kas eben schnell gebissen. Die Altstadtkaufleute (bzw. deren angebliche Interessenvertretung) haben ja auch gründlich mitgeholfen, andere Entwicklungsoptionen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Und die Verwaltung hatte dabei letztlich auch nix zu melden. Sie hat – und jetzt Frau OB sollten Sie vielleicht mal kurz aufmerken – schlicht mitumgesetzt, was ein damaliger OB mit entsprechendem Gestaltungswillen vorgegeben hat. Gell, da schaun’s jetzt schon, oder? Dass ein OB tatsächlich eine Linie vorgeben kann. War zwar in diesem Fall eine eher kontraproduktive, aber das ginge bestimmt auch in die positive(re) Richtung, mit genügend Fantasie und Entschlossenheit. Zur Not können Sie sich ja mal vom Friedl inspieren lassen. Der wird die Stadt-SPD wahrscheinlich bei der nächsten Wahl prozentual wahrscheinlich eh überholen…

    Mich würde ansonsten mal interessieren, wie die Altstadtbewohner zu den Entwicklungen stehen und wie deren Ansichten in die entsprechenden Beratungen miteinfließen. Und inwiefern die Immobilieneigentümer eingebunde sind. Hängt ja nicht zuletzt von deren Plänen und Interessen ab, in welche Richtung es in der Altstadt gehen wird.

  • Daniela

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    Ich hatte vor geraumer Zeit Kunstdrucke, von ‘Anno dazumal’, vor dem Krieg, von der Regensburger Altstadt in der Hand! Beim Betrachten fielen mir in Abbildungen von den Gassen, viele kleine Handwersläden auf. Bäckereien, Metzger, … . Und ich dachte bei mir ‘gute alte Zeit ‘, da war die Altstadt noch Lebensraum für Menschen… . Ich halte sonst nix von der vielgerühmten ‘ der guten alten Zeit ‘ und war etwas über mich selbst erschrocken, gewahr werdend meiner eigenen Gedanken.

    Aber es überkommt mich trotz allem Wehmut, mit erleben zu müssen, wie dieser ehemalige Lebensraum für Regensbürger zur “Touristenattraktionsmeile” verkommt.

    Leider habe ich auch keine Patentlösung! Aber Sie haben Recht, hier gehören sehr viel politische Anstrengungen investiert. Eben auch um es als Lebensraum zu erhalten.

  • Luchs

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    Wenn man die Attraktivität der Altstadt anhand von Kaufkraft und Miethöhe misst, sieht die Zukunft freilich düster aus, da helfen auch subventionierte Interessensvertreter nichts. Der Kampf gegen Onlinehandel, Einkaufszentren und sparende Konsumenten ist längst verloren und der hässliche Gürtel aus Hörgerätefilialen, Handyhüllenläden und Nagelstudios wird sich unaufhaltsam enger ziehen, wenn sich nichts ändert. Die Aufenthaltsqualität einer Stadt generiert sich nicht aus der Möglichkeit billige Fastfashion und sonstigen Mist zu kaufen, sondern aus dem Vorhandensein von Orten an denen man sich gerne aufhält und vor allem gern lebt! Also mehr Wohnungen, mehr Kultur und mehr Grün!

  • Dugout

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    @Madame:
    ” Jetzt nach der plandemie kommts noch dicker. ”

    Mal ein Tipp: Der Rest der dauerempörten Karawane ist schon lange weitergezogen und plärrt jetzt als Winnetou verkleidet aus Putins Enddarm.
    Also, bitte anpassen, sonst sind sie schnell draußen.

  • Hiergibtesnichtszusehen

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    Man ist besorgt kann aber nichts tun. Was für herrliche Umschreibung für das Versagen der Stadt. Während immer neue Leerstände und Schließungen die Altstadt unattraktiv machen, stehen an jeder Ecke Buden und Stände. Was schließen wir daraus? Stationäre Bäcker sind verpönt, lieber den zehnten Stand an jeder Ecke, so wie sonstige Bauchläden. Auch ein Hr. Saar wird mit seinen “gesponserten” Ideen die Stadt nicht beleben. Italienische Woche, ungarische Woche, Springbrunnen Woche usw. Die Altstadt lebt von einer Mischung aus Handel und Gastronomie. Es fehlt Grün, grüne Oasen, einladende Zonen, die nicht von debilen Kampfradlern zur “Tour d’Altstadt” umfunktioniert werden. Da kann aber die Frau OB nicht viel dazu sagen. Viele Jahre mit korrupten und inkompetenten Politikern, haben die Altstadt vor die Wand gefahren. Das böse Aufwachen kommt erst, wenn die Steuereinnahmen wegfallen. Ob die Bauchläden und Bäckerbuden das kompensieren werden?

  • Jonas Wiehr

    |

    Ach war das schön, als im September 2006 Papst Ratze-Bene in Regensburg war. Das Getöse der ewig kreisenden Hubschrauber war zwar nervig, aber so schön war die Altstadt nie. Keine zugeparkten Straßen, kein Verkehr, die Innenstadt gehörte denen, die hier wohnen und hier arbeiten. Das hat mit den Arcaden nur perifer zu tun, aber die Altstadt muss sich komplett neu aufstellen. Der Blick nach Kopenhagen könnte lohnen. Eine Stadt ist dann lebenswert, wenn sie das menschliche Maß respektiert. Wenn sie also nicht im Tempo des Automobils, sondern in jenem der Fußgänger und Fahrradfahrer tickt. In Kopenhagen gehören Kinder und Senioren – von denen es immer mehr gibt – zum Stadtbild. Alte Menschen meiden die Regensburger Innenstadt, auch weil zum Beispiel Autoposer ungehindert den Weißgerbergraben und die Schottenstraße mit Getöse hochpreschen können. Einfach mal 10 Minuten lang den Zebrastreifen an der Arnulfsapotheke beobachten! Gassen,- Jazz-, und Bürgerfeste retten die Altstadt nicht! Im Gegenteil, die sind nur Magnet fürs Umland. Bei schönem Wetter könnte die Altstadt das schönste Einkaufszentrum sein, aber, wie aktuell das Physik-Brimborium zeigt, Regensburg, Regensburg kann es nicht lassen, sich mit Eventitis und “Erreichbarkeit” zu prostituieren.

  • Altstadtkid

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    Das wußte man doch schon als die Arcaden gebaut wurden.Eine Stadt wie Regensburg verträgt keine 2 Großeinkaufszentren.
    In Würzburg wurde das selbe Projekt Arcaden am Bahnhof via Bürgerentscheid abgelehnt.
    In Regensburg unter OB Schaidinger wurde das Projekt von der Stadt noch angeschoben
    und hoch gelobt.Da war der Wurm schon drin….

  • Christa

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    Immer wieder und wieder, das gleiche:
    Ein Fuchs muss eben tun was ein Fuchs tun muss.
    UND: Füchse sind eben keine Rudeltiere!

  • Christa

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    Ich bitte um Verzeihung! Bitte das Gleiche groß schreiben. Ist auch ne große Sache. Zumindest sehr bemerkenswert.
    Ergänzung: Vielleicht könnte man ja die Arcaden einfach im Zuge des Stadtbahnbaus abreißen.
    Die Bahn passt ja eh nicht auf die Brücke. Dann könnte einfacher geplant werden.
    Ging ja damals auch als man für ne geplante Autobahn in der Ostnerwacht gewütet hat. Wobei die Eiserne Brücke und die Stadtbahn auch nicht… Ach herrje. Immer diese Brücken….

  • Günther Herzig

    |

    @Roche-Dirac
    21. September 2022 um 21:59 | #
    Neben den sicher nicht unbeachtlichen Beiträgen zum Beispiel auch, aber nicht allein, von Charlotte, 22. September 2022 um 10:56 | #
    gebe ich Ihnen Recht. Das Beispiel Garhammer in Garham ist überzeugend und hat überzeugt. Frey in Cham, Bad Kötzing, Schwandorf sind nicht nur dürftige Kopien, weil sie neue Konzepte noch weiter entwickeln. Frey sucht seit Monaten “Modeberaterinnen” und findet Sie nicht. Sie haben in Cham mehrere separate Räume für die Modeberatung geschaffen und werden für Kunden, die daran interessiert sind Termine anbieten, die sorgfältig vom Modehaus vorbereitet werden. Wer kennt das Modehaus Pollozek in Pfarrkirchen? Es gehört auch zu den wenigen, wie Frey, Garhammer, Wöhrl oder Breuninger, die eine andere Entwicklung des Einzelhandels voranbringen. Das hat auch damit was zu tun, dass in den alteingesessenen Modegeschäften in der Altstadt Kunden nicht die Beratung angeboten werden konnte, die Kunden erwarten.
    Gestern und vorgestern hat Wöhrl in seinem Stammhaus in Nürnberg nach einem umfangreichen Umbau einen 2-tägigen Event abgehalten, auf 6 Etagen mit vielen Attraktionen für alle, also auch die Kinder. Eine Besucherin stellte fest, es gebe Mode-Kaufhäuser, in denen man buchstäblich einen Tag verbringen kann, um alles zu entdecken, nicht jedoch in Regensburg.
    In Regensburg gibt es in der Ajltstadt nicht einmal mehr ansatzweise so etwas.
    Schon vor über 40 Jahren gingen in Regensburg, zum Beispiel in der Königstrasse die Mieten durch die Decke. Hauseigentümer werden niemals aufhören über Mieterhöhungen nachzudenken. Ich bin gespannt, wie sich für die nimmersatten Hauseigentümer jetzt die Grundsteuerreform auswirken wird. Dass die Altstadt verödet, ist den Eiferern aus dem linksgrünen Spektrum geschuldet, einer Kommunalpolitik, die für Besucher der Altstadt keine Konzepte finden konnte, weil die Verteufelung des Individualverkehrs das auch nicht zulässt. Zum Beispiel müsste es doch für diejenigen, die aus der Region kommen, um die Stadt zu entdecken und auch dort einzukaufen, einen unkomplizierten Shuttledienst, möglichst kostenfrei, geben, um von den Parkplätzen am Stadtrand dahin zu kommen (und zurück) wohin sie wollen.
    Einen Vorteil hätten die Einzelhandelsgeschäfte in der Innenstadt schon noch. Die junge Frau, die sich vielleicht ein Brautkleid für weit über 1000,00 € kauft, könnte das Modegeschäft einfach erreichen und auch davor parken, mit ihrem Lastenfahrrad!!!!!!!!!!!!
    Das Thema ist unerschöpflich. Ich will daran nichts ändern.

  • Manfred Meier

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    @Herzig:
    “Shuttledienst”
    Autobahndeckel bei Barmherzige Brüder, direkt an der Autobahnausfahrt + Linie 1. Bequemer gehts kaum. Oder muss der Shuttlebus bis zur Autotür vorfahren und den roten Teppich ausrollen?

    Wird nicht genutzt, weil die Parkhäuser am Altstadtrand noch bequemer sind.

    Inwiefern “Eiferern aus dem linksgrünen Spektrum” an einer (angeblichen) Verödung der Altstadt schuld sind, müssten Sie schon mal näher erläutern.

    Der MIV wird nicht “verteufelt”, er hat sich empirisch überall als nachteilig für __alle und alles__ in Innenstädten herausgestellt. Kontrollgruppen ohne ungezügelten MIV und Lieferverkehr gibt es genug in Europa, z.B. Koppenhagen. Niemand ist jemals auf die Idee gekommen, eine eingeführte Fußgängerzone wieder zurück zu nehmen. Warum nur? Stellen Sie sich mal die Steinerne Brücke mit Autoverkehr vor. Heute undenkbar.

    Wäre Regensburg eine zivilisierte Stadt, gäbe es längst versenkbare Poller an der Einfahrt zur Gesandtenstraße und zeitliche Befristung für Liefervekehr. Hier fährt praktisch den lieben langen Tag jeder rein, der meint, er müsste oder dürfte.

  • Günther Herzig

    |

    Sehr geehrter Herr Meier,
    ich kann nicht alles in einem Leserbrief wie in einemArtikel erklären. Ein Shuttledienst sollte natürlich die Leute aufnehmen können, da wo sie ihr Fahrzeug an einem öffetlichen Parkplatz (Dultplatz, Eisstadion Unterer Wöhrd) abgestellt haben. Dafür müssten auch neu Plätze ausgewiesen werden. Ein linksgrünes Spektrum verteufelt jede Beförderungsmöglichkeit außer die mit dem Fahrrad oder mit Linienbussen. Damit wird gerade Älteren, die auch Kunden in der Altstadt sein könnten, sogar zahlungskräftigen, die Teilnahme verweigert und entzogen. Oder wissen Sie nicht, wieviel gehbehinderte Personen es gibt, die nicht einmal mehr ein Fahrad besteigen können?

  • joey

    |

    Nein, ich muß nicht in der Altstadt oder überhaupt in Regensburg einkaufen, sondern gehe nach Schierling zu Moden Schweiss.
    https://www.moden-schweiss.de
    Das haben wir Landeier ja beim letzten Thread schon gesagt. Da kann man parken und kriegt Qualität. Garhammer ist übrigens in Waldkirchen und auch gut. Ach ja: meine Freiheit, kreative Alternativen zu besuchen liegt an meinem PKW.

    @Jonas Wiehr “die Innenstadt gehörte denen, die hier wohnen und hier arbeiten”: dann ist sie tot. In einem Dorf sind nur die, die da wohnen und arbeiten. Weitere Architektur- und Kulturgeschichte lesen Sie bitte in der Uni Bibliothek.

  • Daniela

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    “Im Fall von Zara kommt hinzu, dass der Inditex-Konzern keine Alternative bot – entweder Arcaden oder weg aus Regensburg, habe die Ansage des Expansionsleiters gegenüber der Stadt gelautet.”

    Ja dann ‘Auf Wiedersehen ‘. Meine Güte, was hab ich solche Unternehmen gefressen! Wer zum Teufel braucht Zara?
    Die gehen mit ihren Mitarbeitern um, wie es ihnen beliebt.
    Billig produzieren hochpreisig verkaufen!

    Ich bin mittlerweile auf dem Trip, ich brauche keine Riesencenter, mich nervt dieses Getue und diese Hektik nur noch.

    Also großzügig umgehen! Und die letzten kleinen ehrlichen Geschäfte stützen!

  • Spartacus

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    Gibt eh niemanden mehr der in den Geschäften arbeiten wird, ob das Geschäft jetzt in den Arcaden, DEZ oder am Neupfarrplatz steht ist vollkommen egal. Und immer weniger die das Geld haben um irgendwas dort zu kaufen sowieso.
    50+ Politiker*innen die seit jeher nur ein und dieselbe Strategie haben, haben da natürlich auch kein Gehenmittel.

    Willkommen im Untergang der Marktwirtschaft 🙂

  • Mr. B.

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    Daniela, Sie haben vollkommen recht!!!

  • „Das Signal zum Ausbluten der Altstadt“ » Regensburg Digital

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    […] Wie berichtet, hat auch die Stadtverwaltung vernehmbare Bedenken gegen die „Besorgnis erregende“ Umstrukturierung des Einzelhandelskonzepts in den Arcaden, die zulasten des Einzelhandels in der Altstadt gehen werde. Allerdings sehe man „derzeit keine Möglichkeit, korrigierend einzugreifen“, heißt es in der Vorlage. Die Ansiedlungen der drei Inditex-Läden sowie eine Erweiterung von H&M im Einkaufscenter seien „formal als noch vertretbar einzuschätzen“, so die Formulierung. […]

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