SOZIALES SCHAUFENSTER

"Marina Furiosa"

Der Bestecher lud zum Festbankett

Der wegen Bestechung des Oberbürgermeisters vorbestrafte Baulöwe Thomas Dietlmeier lud zum inoffiziellen Eröffnungsabend mit Festschmaus ins Marinaforum. Es kamen Bürgermeister, Stadträte und Spitzenleute der Verwaltung inklusive des Antikorruptionsbeauftragten. Auch Hans Schaidinger und die Führung von MZ und Wochenblatt ließen es sich schmecken. Nur der Gastgeber fehlte und wurde tunlichst nicht erwähnt.

Am Donnerstag wurde der große Saal des Marinaforums mit einem kleinen Festschmaus eingeweiht. Fotos: Stadt Regensburg

„Sex Bomb, sex bomb – you’re my sex bomb“ wummert die Big Band Convention Ostbayern von der Bühne, während Bürgermeister Jürgen Huber mit seiner Tanzpartnerin sichtlich gut gelaunt über die verwaiste Tanzfläche im fast leeren großen Saal des Marinaforums schwoft. Nicht, dass nichts los wäre hier. Es ist Donnerstag, kurz vor 23 Uhr, schon seit fast fünf Stunden wird heute getafelt und gefeiert. Doch gerade ist das Gros der knapp 200 geladenen Gäste unterwegs und lässt sich durch das neue Veranstaltungszentrum am Alten Schlachthof führen.

Der Toskanische Festtagsbraten konnte wegen des längerem „Get Together“ im Foyer und einiger Reden erst etwas verspätet serviert werden, und bevor das edel angerichtete Nachspeisen-Buffet im „Kleine Forum“ eröffnet wird, haben Forumsleiter Klaus Blobner und seine Chefin Sabine Thiele von der Regensburg Tourismus GmbH (RTG) noch zu einer kleinen Führung durch das „nachhaltigste Veranstaltungszentrum Bayerns“ gebeten.

Nachhaltig: vom Handtrockner bis zum Granderwasser

„Get Together“ im Foyer. Foto: Stadt Regensburg

Möbel aus Altholz, Plastikabfällen und Lumpen, eine restaurierte Secondhand-Theke auf der einen, modernste Technik in den Sälen, aber auch Toiletten (die im Waschbecken integrierten Handtrockner werden nicht von jedem sofort entdeckt) auf der anderen Seite – diese Mischung aus Alt und Neu ist es, die für Thiele ein wesentliches Charakteristikum des Marinaforums ausmacht: Ein altehrwürdiges Gebäude, in dem früher Rinder und Schweine unter der historischen Zollingerdecke über Betonboden zur Schlachtbank getrieben und heute die Gäste über das edle Stäbchenparkett aus deutscher Eiche in Schiffsbodenoptik zum Buffet geleitet werden.

Daneben bietet die RTG mit der „Green Score Card“ ein „Bewertungs- und Messtool“ für „nachhaltiges Handeln“ und – auch das läuft unter dem Punkt Nachhaltigkeit – durch sämtliche Leitungen im Marinaforum vom Trinkhahn bis zur Klospülung läuft „selbst erzeugtes Granderwasser“, ein esoterischer Humbug aus Österreich, der aber durchaus ein gewisses Publikum anziehen dürfte.

Dass das Ganze Einiges gekostet hat, ist bekannt. 2011 hat die Stadt Regensburg das Schlachthof-Areal – rund sieben Hektar – samt der Hallen für den (bislang nicht bestätigten) Preis von 2,6 Millionen Euro verramscht. Anschließend hat man über die 100prozentige Tochter RTG den Innenausbau (8,125 Millionen Euro) und die Technik (eine Million) des Marinaforums finanziert und mietet es jetzt 25 Jahre lang für 300.000 Euro jährlich zurück.

Der Gastgeber ist nicht da…

Doch das ist heute mal egal, denn erstens ist das Gebäude unbestreitbar schön geraten, wirkt in dem Steampunk-Outfit cool und irgendwie volksnah und zweitens gebe es gute Argumente, das oben beschrieben Finanzierungsmodell zu wählen, sagt Thiele. „Es selbst zu sanieren, wäre teurer gekommen“, ist sie überzeugt, „und wer weiß, ob man in 25 Jahren noch etwas mit dem Kobel anfangen kann“, schiebt sie etwas flapsig nach, als wir kurz nach 19 Uhr ein wenig ins Gespräch kommen. Lachend, geradezu ausgelassen begrüßt die RTG-Chefin dann wieder an der Eingangstür die Gäste, die jetzt nach und nach eintreffen.

Projektionen an der Außenfläche des Marinaforums gab es während aller Tage der Eröffnungsfeierlichkeiten. Foto: Stadt Regensburg

Eingeladen zu dem Abend mit Festbankett hat der wegen Bestechung des Oberbürgermeisters und Vorteilsgewährung vorbestrafte Bauträger Thomas Dietlmeier. Im März hat er einen entsprechenden Strafbefehl mit einem Jahr Haft auf Bewährung plus sechsstelliger Geldstrafe akzeptiert. Er ist Eigentümer und Bauherr des Marinaforums, dessen Vertragskonstrukt offenbar immer noch die Ermittlungsbehörden beschäftigt. Doch Dietlmeier, der als Kronzeuge der Staatsanwaltschaft in der weit verzweigten Korruptionsaffäre gilt, ist heute nicht da, er wird auch nicht erwähnt und es ist auch fraglich, ob sich jemand darüber gefreut hätte, dass der Einzige, der in der Korruptionsaffäre bislang ausgepackt hat sich hier ein Stelldichein gibt.

Dafür erscheinen sämtliche Vorstände des „Immobilien Zentrum Regensburg“ (IZ), aus dessen Führungsriege sich Dietlmeier vor einigen Monaten verabschiedet hat, und stoßen im Foyer mit den Stadträten, Führungsleute der Verwaltung und Landtagsabgeordneten an, die heute zum Feiern gekommen sind. Das Marinaforum ging bereits Anfang 2016 vom IZ in Dietlmeiers Eigentum über. Doch heute interessieren diese verworrenen Vertrags- und Eigentumskonstrukte nicht, wenngleich ein Stadtrat witzelt: „Wenn jetzt einer von denen verhaftet werden würde, wären wenigstens Kameras da.“

…dafür ein „Generalbevollmächtigter“.

Dank an Schaidinger fürs „Einfädeln“: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Foto: Stadt Regensburg.

Bei ihrer Festrede am späteren Abend bedankt sich Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer „ganz herzlich“ beim IZ und dessen neuem Vorstandsvorsitzendem Reinhard Griebl, der – das ergibt eine Nachfrage bei Stadt und RTG – neben seiner Geschäftsführerschaft bei rund 30 IZ-Töchtern nun auch noch als Dietlmeiers „Generalbevollmächtigter“ beim Marinaforum fungiert.

Heute ist man unter sich

Auch Alt-Oberbürgermeister Hans Schaidinger, der sich im Gegensatz zum gleichfalls geladenem, aber nicht erschienenem Norbert Hartl, Mahl und Feierlichkeit nicht entgehen lässt, muss seine Vorspeise kurz unterbrechen, um dem Dank der Bürgermeisterin zu lauschen, dafür, dass er „das Projekt (Marinaforum) eingefädelt“ habe. Schließlich habe man allenthalben „Erleichterung gespürt“, nachdem der Beschluss für dieses „kleine RKK“ 2013 gefallen war.

Zu den Gästen an den festlich gedeckten Tischen, die pflichtschuldig applaudieren, gehören Stadträtinnen und Stadträte von CSU, SPD, Grünen und CSB, Vertreter städtischer Tochtergesellschaften und führende Köpfe der Regensburger Stadtverwaltung inklusive des Antikorruptionsbeauftragten Thomas Fischer. Aber auch Martin Wunnike, Verlagsleiter der Mittelbayerischen Zeitung, und Herbert Zelzer, Herausgeber des Regensburger Wochenblatts, nebst Redaktionsleiter Christian Eckl dürfen auf Dietlmeiers Kosten tafeln. Heute wird nicht berichtet, sondern gefeiert. Heute ist man unter sich und klopft einander auf die Schulter.

Erst am darauffolgenden Freitag wird das Marinaforum für drei Tage zum „furiosen“ Steampunk-Spektakel für die breite Öffentlichkeit geöffnet, dem MZ und Wochenblatt wortgleich einen „Hauch von ‚In 80 Tagen um die Welt’“ bescheinigen. Dank wohl gewählter Bands, Künstler und Design wird das Festival auch recht gut angenommen, vor allem – Motto und Bands geschuldet – von jüngeren Besuchern.

Künstler im Steampunk-Outfit zur Erheiterung der Gäste. Foto: Stadt Regensburg

Auf Dauer wird das im oberen Preissegment angesiedelte Marinaforum aber wohl eher dem zahlungskräftigen Publikum vorbehalten bleiben. Zwar gewährt die RTG gemeinnützigen, ortsansässigen Vereinen einen Rabatt von 50 Prozent auf die nackte Miete der einzelnen Säle, allerdings unter der Auflage, dass keinerlei Eintrittsgelder verlangt werden dürfen. Da heißt es dann wohl, woanders schwofen.

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Kommentare (53)

  • Dieter

    |

    @anwohner

    Prinzipiell haben sie recht, aber ich wüsste nicht, dass sich auf RD an Belanglosigkeiten abgearbeitet wird. Das Granderwasser ist aber nur ein weiterer Kritikpunkt am Marina Quartier, den man ruhig ansprechen darf und auch sollte. Immerhin wird auch das von Ihren und meinen Steuergeldern bezahlt.
    Erstaunlich sind eher die verharmlosenden Kommentare. Ich empfehle mal einen Blick auf den Wikipedia Eintrag zu Grander (Jesus Erscheinung inklusive) und die Studien zu werfen.

  • Ex Regensburger

    |

    @Dieter u. @dugout: Jaja, „Blick auf die Studien“. Man möge das tun, aber auch auf die Positiv-Studien, die permanent ignoriert werden. Siehe meine Links weiter oben, z.B. zur B.A.U.M.-Expertise. Offenbar ging es bei dieser kleinen Investition um Kosteneinsparung und Wasserqualitätsgewinn. Aber egal, selbst wenn noch so viele gute Erfahrungen mit dem Grander-Wasser gemacht hätten, man will sich ja weiter in der Rolle gefallen, den „Eso-Schmarrn“ zu geißeln. Abgesehen davon: Es gibt eine Realität jenseits von zumeist interessengeleiteten Studien (ich liebe das Wort: „Evidenzblasiertheit“).

  • Mr. B

    |

    @Anwohner

    Großer Respekt an Sie für den Beitrag v. 20.04.2018.
    Genau so läuft es immer, wenn irgendwas (Unrechtmäßiges und wahrscheinlich mit Vorsatz begangenes Handeln zum Vorteil von…) aufdeckt werden könnte und man hierzu ein Ablenkungsthema positioniert, welches dann von „einschlägigen“ Zeitungen und Fernsehsendern über Tage und Wochen zum Hauptthema gemacht wird.

    Würde sich eine überwiegende Mehrzahl der mündigen Bürger auch für praktizierte Politik (egal ob auf der untersten oder obersten Ebene)
    allgemein interessieren und nicht nur um den eigenen steigenden Wohlstand z. T. auf Kosten anderer kümmern, könnten solche Ablenkungsthemen nicht lange platziert und diskutiert werden, weil sie dann ins Lächerliche für den „Platzierer“ laufen würden.

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