SOZIALES SCHAUFENSTER

43 Millionen Euro

Der Sportpark Ost kommt

Am Mittwoch legte der Sportausschuss mit einem Maßnahmenbeschluss die Grundlage für den Sportpark Ost. Nach derzeitigen Planungen werden Leichtathletikhalle und Hallenbad bis Jahresanfang 2025 fertig und knapp 43 Millionen kosten.

Der Siegerentwurf des Sportpark Ost (Behnisch Architekten) besteht aus zwei Gebäudeteilen. Links das Hallenbad. Foto: bm

Nachdem der Bau einer Leichtathletiktrainingshalle und eines neuen Hallenbads im Stadtosten schon seit Jahren diskutiert werden, sollen beide nun kommen. Am Mittwoch hat der Sportausschuss gegen die Stimme der ÖDP die Baumaßnahme beschlossen. Heute soll der Beschluss des Finanzausschusses folgen und nächste Woche wird das 43-Millionen-Projekt im Stadtrat verabschiedet.

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Geplant wird seit 2017

Vor fast genau vier Jahren, im September 2017, hat der Stadtrat beschlossen neben der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne (PLK) im Stadtosten eine Leichtathletikhalle zu bauen. Ein Jahr später folgte auf Grundlage der „neuen Bäderstrategie“ des Stadtwerks Regensburg der Beschluss, auf dem Gelände auch ein Hallenbad zu errichten. In einer Stadtratsvorlage vom Juli 2019 heißt es:

Es wurde festgestellt, dass durch die zeitgleiche, abgestimmte Planung und Realisierung von Schwimmbad und Leichtathletiktrainingshalle bauliche, energetische und organisatorische Synergien genutzt werden können. Für die Maßnahme ist eine Budgetobergrenze von 19,2 Mio. Euro netto (…) vorgesehen.“

Diese Passage findet sich wortgleich auch in der aktuellen Vorlage des Sportausschusses. Nur die Budgetobergrenze fehlt. Von den ursprünglich angepeilten Kosten ist zwei Jahre später keine Rede mehr.

Projekt deutlich teurer als ursprünglich angenommen

Stadtwerk-Chef Manfred Koller präsentiert am Mittwoch den neuen Kostenrahmen für das ambitionierte Bauvorhaben. Das Stadtwerk wird die Sportstätten später betreiben. Knapp 43 Millionen Euro sollen Leichtathletikhalle und Hallenbad kosten. Dabei betont Koller, dass in dieser Kalkulation bereits substantielle Einsparungen enthalten seien. Denn eine Kostenschätzung im September 2020 sei noch von 47 Millionen ausgegangen.

Um acht Millionen konnte man eigentlich das Budget drücken, doch dann kamen noch Zusatzleitungen ins Spiel, die berücksichtigt werden sollen. So müsse das Stadtwerk etwa den Baugrund selbst von Altlasten befreien, was zuvor nicht vorgesehen war, heißt es in der Vorlage. Auch Wünsche von Vereinen wie ein Kraftraum samt Sportgeräten oder Schutznetze für Baseballer, die die Halle auch nutzen sollen, kamen noch hinzu.

Stadtwerk-Geschäftsführer Manfred Koller stellte das Projekt ausführlich vor. Foto: bm/Archiv

Damit komme man eben auf die aktuelle Kostenschätzung von 43 Millionen Euro. Zuschüsse durch Förderprogramme von Bund und Freistaat werden noch geprüft, seien laut Stadtwerk aber „wahrscheinlich“. Der Baustart ist für November 2022 vorgesehen. Anfang 2025 sollen die Gebäude fertig sein.

Möglich sind auch kleinere Outdoor-Sportanlagen

Auf einer Fläche von knapp 20.000 Quadratmetern werden ein Hallenbad mit drei Becken (Schwimmer-, Nichtschwimmer- und Lehrschwimmbecken) mit Sauna und eine Leichtathletikhalle samt Tribüne (199 Personen) und Kraftraum entstehen, die sich ein gemeinsames Foyer mit Gastronomie teilen.

Davon wird eine Fläche von 4.200 Quadratmetern noch für eventuelle Parkplätze freigehalten, doch Koller hofft, dass die geplante Quartiersgarage am Gelände der PLK auch für den Sportpark Ost genutzt werden kann. Abgesehen von etwa 23 Parkplätzen für Bedienstete oder Lieferanten könnte der Bereich überwiegend anderweitig (sportlich) genutzt werden. Sportamtsleiter Johann Nuber schweben beispielsweise eine Skateanlage, Basketballkörbe, ein großes Schachbrett und eine beleuchtete Outdoor-Laufstrecke vor.

Gebäude sollen nachhaltig werden

Der Stadtwerk-Chef verspricht außerdem attraktive Gebäude (Behnisch Architekten) für einen angenehmen Aufenthalt. Das Hallenbad werde mit einer großen Fensterwand ins Grüne ausgerichtet und werde insgesamt dem Farbkonzept „Grün“ folgen. Die Leichtathletikhalle wird gelb gestaltet und durch Oberlichter viel mit Tageslicht ausgeleuchtet. Die Kombination aus mechanischer und natürlicher Lüftung, eine begrünte Außenfassade aus Holzständern, LED-Lampen und PV-Anlagen auf dem Dach sollen für Nachhaltigkeit sorgen.

Der Umgriff des Geländes mit Hallenbad und Leichtathletikhalle. Bild: Behnisch Architekten/das Stadtwerk Regensburg

Im Koalitionsvertrag ist der Sportpark Ost als Projekt der aktuellen Regierungskoalition explizit genannt. Weil die Haushaltslage vor allem wegen einbrechender Steuereinnahmen aufgrund der Corona-Pandemie mittlerweile angespannter ist als in den Jahren zuvor, blieb die Halle im letzten Investitionsprogramm aber unberücksichtigt.

Hallenbad notwendig, …

Was das Hallenbad angeht, betont Koller, dass es in der Stadt einen „permanenten Verteilungskampf“ zwischen Vereinen, dem Schulsport und der Öffentlichkeit um Wasserflächen gebe. Das Westbad und das Hallenbad in der Gabelsbergerstraße, das spätestens 2025 saniert werden muss, seien sehr gut ausgelastet. So betrage die Vorlaufzeit für einen Schwimmkursplatz derzeit bis anderthalb Jahre. Im Vergleich zu anderen Städten biete Regensburg weniger Wasserflächen an.

Da diese Notwendigkeit eines Hallenbades im Stadtosten fraktions- und parteiübergreifend gesehen wird und zudem die gemeinsame Abwicklung beider Sportanlagen viel wirtschaftlicher ist, entschied sich die Koalition doch, Bad und Sporthalle als Gemeinschaftsbau voranzubringen. Sowohl sportliche als auch wirtschaftliche Gründe sprächen dafür, so vorzugehen, sagte Sportbürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein kürzlich der Mittelbayerischen Zeitung. Diese Argumentation teilen viele.

…gemeinsamer Bau sinnvoll

Durch den gemeinsamen Bau können „Synergieeffekte genutzt sowie kostensteigernde und zeitintensive Reibungsverluste vermieden werden“, so SPD-Fraktionschef Dr. Thomas Burger kürzlich einer Pressemitteilung. Für Brücke-Stadtrat Thomas Mayr würde eine Aufspaltung der beiden Projekte mehrere Millionen Mehrkosten verursachen. Grundsätzlich halte man eine finanzielle Deckelung auf 45 Millionen Euro für sinnvoll. Die Brücke hätte schon vor einem Jahr genau das gefordert, aber sei damit gescheitert. Nun würden die Vorschläge seiner Fraktion „eins zu eins übernommen“. Das sei „Copy und Paste. Plagiat“, beschwert sich Mayr.

Für ÖDP-Stadtrat Joachim Graf ist das Hallenbad ein „Must-have“, die Leichtathletikhalle aber nur ein „Nice-to-have“ und derzeit zu teuer. Die Grünen wiederum spechen von einem „zentralen Vorhaben im Stadtosten“, so Stadtrat Daniel Gaittet. Er sei froh, dass abgesehen von der ÖDP nicht mehr darüber geredet werde, ob sondern wie man den Bau realisieren wird.

Gelbes und grünes Farbkonzept. Bild: Behnisch Architekten/das Stadtwerk Regensburg

Energiekonzept klimaneutral?

Und an dieser Stelle führt ein Punkt in der Sitzung des Sportausschusses zu längeren Diskussionen: das Energiekonzept. Die Grünen haben einen Änderungsantrag vorgelegt, demzufolge aus dem Satz „…ein Konzept für eine möglichst CO2-neutrale und auf erneuerbaren Energien basierende Energieversorgung für den Sportpark Ost zu erstellen bzw. ein fachkundiges Büro hierfür zu beauftragen“ das Wort „möglichst“ gestrichen werden soll. Das Energiekonzept soll zudem zu einem späteren Zeitpunkt dem zuständigen Ausschuss zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Koller geht bisher davon aus, dass Leichtathletikhalle und das energieintensive Hallenbad über das noch zu realisierende Energiekonzept der PLK (Wärmenetz 4.0) versorgt werden können. Seine Bitte an die Stadträte: „Sorgen Sie dafür, dass dort (PLK) ein Konzept passiert, dass CO2-neutral ist und Wärme für uns übrig hat.“ Es wäre die beste Lösung, wenn sie der Sportpark Ost an das Netz des neuen Quartiers anschließen könnte, so Koller. Und wenn dieses klimaneutral werde, dann gelte das auch für Hallenbad und Halle.

Sollte diese Variante nicht klappen, werde das Stadtwerk auf alle Fälle die Wärmeversorgung mit dem Kriterium „Klimaneutralität“ ausschreiben. Den nötigen Strom könne die Rewag selbst zu 100 Prozent regenerativ liefern. Über das Energiekonzept wird – wie von den Grünen gewünscht – zu einem späteren Zeitpunkt noch beraten werden.

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Kommentare (11)

  • Burgweintinger

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    Soso, die ÖDP hat dagegen gestimmt…, hat denn die ÖDP auch gegen das Jahnstadion gestimmt (da hat doch sicher der ÖDP Kollege Fischer was dagegen gehabt)…

    Da wird mal was für den Breitensport gemacht, dann passt es den ÖDPlern wieder nicht…, deshalb werden sie immer nur eine belächelte Randerscheinung bleiben…

  • Andi

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    Wenn das Hallenbad in der Gabelsbergerstrasse erhalten bleibt wies im Koalitionsvertrag steht. Wird Zeit für ein Drittes Bad in der Stadt. Im Whördbad kannst ja nur im Hochsommer gehn (kein Dach)

  • Robert Fischer ÖDP

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    Da war der Kollege Fischer noch nicht in der ÖDP.
    Und der Fischer hätte nichts dagegen gehabt, wenn wir das alte Stadion zweitligatauglich gemacht hätten, aber da waren die Bauflächen in der Stadt ja schon aufgeteilt.
    Fürs neue Stadion hätte ich zumindest gefordert das Dach und die Parkplätze mit Solarzellen zu bebauen und die Parkflächen regendurchlässig zu machen.

    Soweit ich weiß war die ÖDP kritisch gegenüber dem Jahnstadion-Bau.

    In der Diskussion zum Sportpark Ost war ich nicht beteiligt.

  • Burgweintinger

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    Herr Fischer, wenn Sie nicht beteiligt waren in der Diskussion, würde mich trotzdem Ihre Haltung zum Sportpark Ost interessieren. Teilen Sie die Meinung des Kollegen?

  • Krimhild

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    Ein fachkundiges Büro für ein Konzept zu beauftragen, reicht nicht!

    Auch für das nahegelegene Nibelungenareal wurde 2013 ein solches beauftragt. Das damalige Ergebnis (Empfehlung: Wärmepumpen) des Fachbüros wurde aber sowohl von der Stadtverwaltung also auch vom Stadtrat ignoriert. Stattdessen kamen die BTT-Blockheizkraftwerke des großzügigen Parteienspenders Tretzel zum Zug. Diese verbrennen fossiles Erdgas und wurden seinerzeit vom Spendenempfänger Wolbergs und seinem Macher Hartl irreführenderweise als “innovativ” angepriesen.

    Hoffentlich hat die Verwaltung und der Stadtrat in Regensburg in Sachen CO2-neutrale und auf erneuerbaren Energien basierende Energieversorgung inzwischen dazugelernt.

  • Charlotte

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    Aufgrund leerer Kassen, einer hoher Neuverschuldung und voraussichtlich hoher Ausgaben für künftige Klimaschutzmaßnahmen in der Stadt finde ich es ziemlich ambitioniert, dieses Projekt trotzdem stemmen zu wollen. Ich halte das Schwimmbad für sinnvoll und notwendig, ob jetzt auch noch eine Leichtathletikhalle sein muss, stelle ich massiv infrage. Mal abgesehen von der weiteren Bodenversiegelung…

  • Norbert

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    ‚Grundsätzlich halte man eine finanzielle Deckelung auf 45 Millionen Euro für sinnvoll.‘
    Da bin dann mal neugierig was hinten raus kommt.

  • Johann Brandl

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    Ich begrüße den Bau von Hallenbad und Leichtathletikhalle serh . Er ist für Regensburg und den Süd-Osten enorm wichtig. Was mir wie so oft aufstößt ist der lange Anlauf und die explodierenden Kosten für dieses Projekt. Eine von Anfang an kostengünstigere Variante wäre sinnvoller gewesen.

  • Ingrid

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    45 000 000 €uro sind kein Pappenstiel. Wieviel Sozialwohnungen könnte man damit bauen? 200-250 Wohnungen wären möglich. Aber damit gewinnt wohl keine Wähler?

  • Gscheidhaferl

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    …aber in der Jugendarbeit (für die sie auch zuständig ist) forderte Frau Freudenstein für verschiedene Projekte einen Finazierungsvorbehalt. Da ging es um wieviel Geld? 200.000 Euro? Davon will sie wahrscheinlich im Außenbereich des Ostparks lieber Sitzbänke aufstellen, die sie dann wieder so kompetent einweiht, wie in der Pandemie am Donaukanal.

  • Robert Fischer ÖDP

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    @Burgweintinger: sorry war im Stress und obwohl ich 2 Jahre im Stadtosten gewohnt habe, war ich in dem Thema nicht drin. Niemand aus meiner Stadtostenblase hat sich für das Thema interessiert. Jetzt musste ich das erst mal nachholen.

    Die ÖDP Sicht ist halt wachstumskritisch. Und man muss sich natürlich fragen, wo wollen wir unsere Wachstumsspielräume sinnvoll einsetzen. Mit immer mehr laufenden Kosten und steigenden Baukosten begeben wir uns in eine Spirale, in der wir als Stadt immer weiter wachsen müssen, um das zu bedienen. Da gebe ich zu, dass ich das Geld im Zweifel lieber für einen besseren ÖPNV ausgebe als für Prestigeobjekte.

    Dass wir weitere Wasserflächen brauchen ist wohl unstrittig. Aber wenn wir ehrlich sind, ist die Leichtathletikhalle eher kein Projekt für den Breitensport sondern in erster Linie ein Elitenprojekt unserer guten Leichtathleten. Und das meine ich gar nicht negativ, da in meinem Freundeskreis diese Leute auch vertreten sind.

    Die Turnhalle hätte man eventuell auch mit der Schule, die noch im Stadtosten gebaut werden soll kombinieren können. Dann wäre sicherer, dass die Halle auch für den Breitensport genutzt wird. Jetzt besteht schon ein wenig die Sorge, dass da der Amateursport gar nicht groß profitiert. Und ja, das ist beim Jahnstadion auch der Fall. Aber da gab es ja einen OB, der uns versprochen hat, dass da auch Großveranstaltungen reinkommen … Aber egal.

    Und wenn man ehrlich ist, wohnt im Stadtosten jetzt nicht unbedingt die Leichtathletikelite. Wenn man was für die Jugendlichen im Stadtosten machen möchte, wäre ein Skatepark und/oder ein Outdoor Gym viel zielgruppengerechter und günstiger.

    Stellt sich die Frage, was es dann dem Stadtosten bringt, wenn die Telis Finanz Sportler*innen dann immer vom Westen in den Osten pendeln müssen.
    Im politischen Spiel ist das vermutlich eher ein Prestigeprojekt der CSU, um Frau Freudenstein als nächste Bürgermeisterin zu positionieren. Das ist legitim, sollte man aber auch mal erwähnt haben finde ich.

    Unterm Strich ist es aus ÖDP-Sicht aufgrund unserer Wachstumskritik schon relativ konsequent da dagegenzustimmen.

    Gut möglich, dass ich mich an Herrn Grafs stelle aber enthalten hätte oder doch noch zugestimmt hätte, weil es sicherlich bessere Stellen zum sparen gibt als Sport.

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drin