Statistik: Mehr Fahrradunfälle

„Die müssen sich alle aufeinander einstellen“

Die Botschaft ist banal, aber sie muss ab und an wiederholt werden: Mehr Fahrradunfälle bedeuten nicht automatisch, dass Radfahrer rücksichtsloser werden, sondern einfach nur mehr. Die Polizei hat am Freitag die Unfallstatistik für das Stadtgebiet vorgestellt. Die Freigabe der Fußgängerzone für Radler sehen die Beamten nicht als Problem.

hunnenplatz

Die Bemerkung kann sich Wolfgang Mache dann doch nicht verkneifen. Viele junge Erwachsene, die mit dem Rad unterwegs sind, hätten ein „ausgeprägt gestörtes Verhältnis zur Straßenverkehrsordnung“, sagt der leitende Polizeidirektor bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz für das Regensburger Stadtgebiet. Waren es nämlich in der Vergangenheit noch Unfälle mit dem Pkw, bei denen die meisten Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren verletzt wurden, so haben 2014 Unfälle mit Fahrrädern den Spitzenplatz in dieser Altersgruppe eingenommen. „Falsche Richtung, über ’n Bürgersteig und dann vielleicht noch über die rote Ampel“ – so laufe das eben häufig, so der Leiter der Polizeiinspektion Regensburg Süd.

Mehr Unfälle, mehr Verletzte

Generell bildet das Thema Fahrradfahrer einen der Schwerpunkte bei der Pressekonferenz am Freitag. An 326 Unfällen waren der polizeilichen Statistik zufolge Fahrradfahrer beteiligt – über 50 mehr als im Vorjahr. Dabei wurden 284 Radler verletzt, 36 davon schwer. 

Als ein Anzeichen für zunehmende Rücksichtslosigkeit unter den Fahrradfahrern wollen aber weder Mache noch seine Kollegen – Paul Karl von der Polizeinspektion Nord und Hermann Hirsch, zuständiger Sachbearbeiter für den Verkehr im Stadtgebiet – diesen Anstieg verstanden wissen. Die ersten Monate 2014 seien sehr mild gewesen. „Entsprechend waren auch mehr Radfahrer unterwegs und eine Zunahme des Radverkehrs zieht auch eine Unfallsteigerung nach sich“, sagt Hirsch.

Anteil der Fahrradfahrer bei sechs Prozent

Betrachtet man die Gesamtunfallzahlen nimmt sich der Anteil der Fahrradfahrer trotz der Steigerung ohnehin eher gering aus: 5.355 Unfälle gab es 2014 in Regensburg, der Großteil davon (3.123) Kleinunfälle beim Ein- und Ausparken.

Im Zehnjahresvergleich ist die Zahl der Unfälle in Regensburg um rund 30 Prozent gestiegen. Immer mehr Ein- und Auspendler (70.000 bzw. 16.000), mehr Studenten (30.000) und Touristen (900.000 pro Jahr) sowie eine wachsende Einwohnerzahl (155.000) mit entsprechend mehr Kraftfahrzeugen (85.000) sieht die Polizei als mögliche Gründe für diese Entwicklung.

Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Unfälle mit Fahrradbeteiligung übrigens „nur“ um knapp 20 Prozent. Und davon passierten wiederum die meisten an den großen Einfallstraßen. Das Benutzen des Radwegs in falscher Richtung – „Geisterradler“ – und Unachtsamkeit von Autofahrern beim Abbiegen seien die häufigsten Ursachen.

 Fahrradhelme: „Bitte keine Ideologie.“

Keinen Unfallschwerpunkt für Fahrradfahrer bildet übrigens die Fußgängerzone in der Altstadt, die – nach einer ersten Probephase – ab April nun auch offiziell für Fahrradfahrer freigegeben wird. Hier komme es in der Regel allenfalls zu Behinderungen oder Gefährdung von Fußgängern, so Mache. Es seien eben sowohl Lieferverkehr wie auch Fahrradfahrer und Fußgänger in der Fußgängerzone unterwegs. „Die müssen sich eben jetzt aufeinander einstellen und miteinander klarkommen.“

Heftige Diskussionen mit den Radfahrverbänden erwartet Hermann Hirsch mit Blick auf das Tragen von Helmen. Diese hätten immer Angst vor einer Helmpflicht, weil dann vielleicht weniger Menschen auf das Fahrrad zurückgreifen könnten. „Deshalb wird mit Ideologie gegen Helme argumentiert.“ Das aber 20 Prozent der Leichtverletzten bei Radunfällen einen Helm getragen hätten, während dies nur bei acht Prozent der Schwerverletzten der Fall gewesen sei, könne man ebenso wenig wegdiskutieren wie entsprechende Aussagen aus der Unfallchirurgie des Uniklinikums. Von dort wird regelmäßig davor gewarnt barhäuptig mit dem Rad unterwegs zu sein. „Wir fordern keine Helmpflicht“, sagt Mache und ergänzt in Anlehnung an eine gemeinsame Kampagne von Polizei und Verkehrswacht, „aber den Kopf sollte man sich lieber wegen was anderem zerbrechen als beim Fahrradfahren.“

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Kommentare (11)

  • da_Moartl

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    Oh Mann, wann geht dieser Wolfgang Mache endlich in den Ruhestand! Was hat das Radweg-Benutzen gegen die Richtung mit der Unfallstatistik zu tun??? Und was in dieser tollen Statistik überhaupt nicht untersucht – oder jedenfalls nicht vorgestellt – wurde, ist die Frage, in wieviel % der Fälle die Radfahrer schuld waren und in wieviel Autofahrer. DAS wäre mal interessant! Aber lieber verpasst man einer Studentin oder einer alten Frau einen Strafzettel, die von den Arcaden satte 50m am Cinemax vorbei in der falschen Richtung radelt.

  • Peter Holstein

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    @da_Moartl: Um Schuld geht es gar nicht, sondern um den Wunsch, möglichst wenig Unfälle zu haben. Da hilft es schon, sich an die Regeln im Straßenverkehr zu halten.
    Wenn man dies partout nicht machen möchte, sollte man wenigstens drei mal mehr für andere mitdenken.

    Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass man in Regensburg Radfahrer in der Altstadt nicht ausbremsen muss.

  • Sebastian Wild

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    Es gibt ja immernoch §1 StVO und der gilt für alle Verkehrsteilnehmer: Der stärkere hat auf den schwächeren Rücksicht zu nehmen.
    Deshalb radle ich grundsätzlich z.B. in der jetzt freigegebenen Fußgängerzone nur im Schrittempo und entsprechend vorsichtig. Gegenüber dem Fußgänger bin ich der stärkere Verkehrsteilnehmer im Sinne des §1.
    Allerdings kann und darf das kein Freibrief für den Schwächeren sein zu tun was er will und gerade in der Fußgängerzone wird das trotz aller Vorsicht und Schrittempo immermalwieder sehr eng weil die Leute einfach nicht schauen. Da sind die Augen irgendwo in den Schaufenstern oder sonst wo. Daß hier Radfahrer oder auch Lieferverkehr, Taxen oder der Altstadtbus fahren können scheint den Leuten oft nicht bewusst zu sein. Die Taxler oder die Altstadtbusfahrer können das sicherlich bestätigen, denen wird es nicht viel anders gehen als mir.
    Ich habe oft genug Leute in alle Ruhe vor dem Bus hergehen sehen und die haben es nichtmal gemerkt das der hinter ihnen fährt…

    Das andere Problem sind aber auch die restlichen Berechtigten da drinnen, etwa Liefer- und Zustellverkehr und mitunter auch Handwerker. Ich habe zwar Verständnis das die da reinfahren um zuzustellen oder der Handwerker weil er dort arbeitet und Material und Werkzeug braucht, wofür ich mitunter aber kein Verständnis habe ist die wilde Parkerei die die zum Teil an den Tag legen weil die zusätzlich Engstellen und Gefahrensituationen schafft.

    Kein Verständnis habe ich auch für die schwarzen Radfahrerschaafe denen es nicht schnell genug gehen kann und die deshalb mitunter wie die gestörten dort herumpreschen.

    Bushaltestellen sind auch so eine Sache wie mein Vorschreiber erwähnte.
    Auch hich hätte da trotz Langsamfahrt (weil ich damit rechne) schon mehrfach bald mal Leute angefahren weil die sobald der Bus in Sicht kommt wie blind losrennen und auch nichts mehr außer dem Bus achten.
    Die andere Seite ist die Gleichgültigkeit der Busfahrer, die obwohl sie mich beim anfahren der Haltstelle sehen müssen trotzdem beim stehenbleiben die Türen sofort aufmachen und die Leute rauslassen obwohl in klar sein muss das da ein Radfahrer kommt. Dabei sind die doch für die Sicherheit ihrer Fahrgäste verantwortlich.

    Und dann ist da noch die bautechnische Situation an vielen Haltestellen. Da wird selbst bei Neubauten immernoch der Radweg quer durch die Haltestelle gelegt, wie etwa in der Alberstraße (Linie 6,11 stadauswärts), oder Hbf Süd.
    Und wer die Radwegplanung (die inzwischen zweimal verschlimmbessert wurde) am neuen Uni ZOB gemacht hat der hat auch völlig versagt.

    Es gibt sogar Stellen wo bei der Neugstaltung Radfahrer und Fußgänger völlig ignoriert wurden, etwa die Holzgartenstraße beim DEZ, die seitem fast keine Fußwege und Zebrastreifen mehr hat.

    Von den vielen Stellen wo Radwege gefährlich im Nichts enden oder fehlen in dieser Stadt (worüber sogar die MZ immermalwieder berichtet und wo sich trotzdem nichts tut) will ich schon garnichtmehr reden…

  • Mathilde Vietze

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    Die Mehrzahl der – auch jüngeren – Radfahrer verhält sich im
    Straßenverkehr vernünftig. Und nur deshalb, weil es eine Hand-
    voll Rüpel gibt, darf man nicht pauschalieren. Dann müßte man
    ja auch das Autofahren verbieten, denn auch da gibt es welche,
    bei denen man annehmen möchte, sie hätten ihren Führer-
    schein in der Lotterie gewonnen. Und erst recht gibt es bei den
    – leider oft Älteren – Fußgänger, die ohne sich umzuschau’n, über
    die Straße rennen und so Bus-, bzw. Pkw-Fahrer zur Voll-
    bremsung zwingen.
    Also bitte Schluß mit dem Pauschalurteil, daß „die Jungen un-
    vernünftig mit dem Fahrrad fahren.“

  • Franz Mahler

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    Ich gehe zu Fuß, fahre Auto, Motorrad und Fahrrad. Letzters mehrmals in der Woche und nicht nur einmal im Frühjahr bei schönem Wetter. Verkehrsrowdies mit Ellenbogenmentalität und Blindflieger, die in diesem Lande keinerlei Rücksicht auf andere nehmen, gibt es in jeder dieser Gruppen. Will das jemand bestreiten?

    Was ist mit den nicht gerade wenigen Radfahrern, die im Dunkeln vor allem im Frühjahr und Herbst immer ohne Licht unterwegs sind oder mit einer Funzel, die man erst aus einem halben Meter Entfernung sieht? (Es gibt inzwischen hervorragende lichtstarke LED-Zusatz-Lampen, die weniger kosten als eine Tankfüllung Benzin und erheblich weniger als ein neues Handy.)

    Passieren dadurch etwa keine Unfälle? Wie wäre es, wenn die Polizeibeamten die betreffenden Radfahrer anhalten würden, wenn sie schon mit dem Dienstwagen in der Dunkelheit an denen vorbeifahren oder sehen die Polizeibeamten das nicht? Wie wäre es mit paar Verkehrskontrollen mehr und nicht nur einmal im Jahr für zwei Stunden am Vormittag? Der Deutsche liebt doch Ordnung und Kontrolle. Ist vermutlich aber jetzt zu viel verlangt. Wer in Regensburg und der Oberpfalz 365 Tage lang im Jahr auf der Jagd ist nach hoch „gefährlichen“ und kriminellen Cannabispflanzen, hat dafür natürlich keine Zeit mehr. In der marktkonformen Demokratie muss auch die Polizei Prioritäten setzen.

    MfG

    Franz

  • Bert Lohse

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    Den Begriff des schwächeren Verkehrsteilnehmer gibt es hier nur im Verhältnis zwischen motorisierten Fz und den sog. schwächeren Verkehrsteilnehmer ( Radlfahrer, Fußgänger, Inlineskater). Unabhängig davon haben alle die einschl. Vorschriften zu beachten.

  • Regensburger Bürger

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    Mein lieber da_Moartl,
    aus Dir spricht der komplette Unverstand des gedankenlosen Geisterradlers, der es offenbar „lustig“ findet, wenn zwei Menschen (Masse je 70 kg) mit der Geschwindigkeit von 25 km/h (addiert sich somit zu 50 km/h) frontal aufeinanderprallen.

    Ja, das ist wirklich sehr „lustig“, mein lieber da_Moartl… es ist wirklich total doof, wenn der Geisterradler dafür auch noch geradestehen muss.

  • dazydee

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    Auch nicht wegdiskutieren lässt sich die Stuttgarter Unfallstatistik, nach der 35% der Verunfallten Radler keinen Helm trugen, aber nur 22% der Schwerverletzten und 28% der Leichtverletzten unter ihnen sind.
    http://www.polizei-bw.de/Dienststellen/PPStuttgart/ueber%20uns/StatistikenundBerichte/Ordner/2013/VuStatistik2013.pdf

    Oder die Statistik von Baden-Württemberg, nach der 30% der getöteten Radfahrer einen Helm trug, obwohl die Helmtragequote wesenltich niedriger ist.
    http://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/weniger-verkehrstote-und-verletzte/

    Die Statistiken lassen sich nicht wegdiskutieren, aber vielleicht streuen sie ganz kräftig, weil ein paar Dutzend Fälle noch keine sicheren Aussagen zulassen.

  • Regensburger Bürger

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    Wenn ich mir anschaue, wie der Durchschnittsradler seinen Helm (sofern vorhanden) trägt, dann wundert mich die hohe Helmträgerquote bei den Schwerverletzten nicht:
    Kinnriemen offen (wie die Römer in den Asterix-Heften) oder viel zu locker, Kinnriemen an der Gurgel statt unter dem Kiefer, extreme Neigung des Helms (meist nach hinten) und damit offene, ungeschützte Stirn, usw usf. – und dazu > 5 Jahre alte Schüsseln, in der Sonne gut brüchig gedörrt sowie den Helm nach einem Crash nicht getauscht, sondern aus Kostengründen weiterverwendet.
    Genausogut könnte man sich im Auto mit einem Ochsenstrick an den Sitz zurren und Luftballon vom Kindergeburtstag als Airbags verwenden – würde ähnlich viel Schutzwirkung bieten.

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