Erinnerungen einer starken Frau

„Es wundert mich, dass ich ein, wenn auch schweres, aber langes Leben erlebe“, schreibt Inna Bikeschkina am Beginn ihrer Autobiographie. Fast genau vor einem Jahr hat regensburg-digital.de ein Porträt der ehemaligen NS-Zwangsarbeiterin veröffentlicht. Hana Pfalzova, die seit mehreren Jahren federführend das Projekt „Medizinische Hilfe für NS-Opfer auf der Krim“ betreut und Inna Bikeschkina dabei kennenlernte, hat nun ihre Autobiographie übersetzt und vor kurzem als Buch herausgegeben. Die Lebenserinnerungen der heute 90jährigen mit dem Titel „Wind im Gesicht“ stehen stellvertretend für hunderttausende Frauen aus der ehemaligen Sowjetunion, deren familiäre und freundschaftliche Beziehungen durch Krieg und Verschleppung zerstört wurden. Es ist aber auch der Bericht einer der letzten Überlebenden der NS-Diktatur, die auch unter dem Sowjetregime leiden musste. 1941 wurde Inna, damals 22 Jahre alt, nach Deutschland verschleppt und in Nürnberg beim Rüstungskonzern Diehl als Zwangsarbeiterin eingesetzt. Nach ihrer Befreiung und Rückkehr in die Sowjetunion wurde sie dort mehrfach der Kollaboration mit den Nazis beschuldigt und als Spionin verdächtigt. Sie wurde aus der Partei ausgeschlossen und damit jeder beruflichen Perspektive beraubt. Ihr Halbbruder starb in einem Arbeitslager im Norden Russlands. Auch die große Liebe ihres Lebens, Sergej, den Inna bei Diehl in Nürnberg kennengelernt hatte, wurde nach seiner Rückkehr wegen vermeintlicher Zusammenarbeit mit den Deutschen zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt. Vor diesem Hintergrund ist der ungebrochene Optimismus und Lebenswillen, der aus Bikeschkinas Schilderungen spricht, bezeichnend. „Ich war kämpferisch, lief meinem Glück nach, auch wenn ich es nie erreichte“, schreibt sie am Ende des Buches, dass nie vorwurfsvoll, dafür authentisch und emotional Einblick in das Leben einer starken Frau bietet, die von den Nazis minderwertiges Leben betrachtet wurde, als Arbeitskraft, die man rücksichtslos ausbeuten konnte. Inna Nin Wind im Gesicht Autobiographie von Inna Bikeschkina, einer ehemaligen Diehl-Zwangsarbeiterin Pro BUSINESS Verlag ISBN: 978-3-86805-609-9 Das Buch ist bei pax christi Regensburg oder online erhältlich.

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Kommentare (1)

  • Neuromancerr

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    Ich kann jetzt beim besten Willen hier keine Animositäten gegen Herrn W. entdecken.
    Spaß beiseite:
    Es wundert mich immer wieder warum alle schreien „Nie wieder Faschismus“.
    Aber wo ist denn z.B. der MZ Artikel über dieses Buch???
    Es ist das Verdienst von r-digital dass viele Themen nicht unter den Tisch fallen!
    Gerade so wichtige nicht wie dieses Buch!

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