Ersatzbrücke: VCD contra ödp

Die Forderung der ödp, die Wettbewerbspläne für eine Ersatztrasse einzustampfen und so die dafür benötigten 600.000 Euro einzusparen, sorgen für Kritik vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Der VCD-Kreisvorsitzende Peter Seywald gehört zu den Befürwortern einer Ersatztrasse. Er zeigt sich über die Kehrtwende bei der Partei verwundert. „Es ist schon bemerkenswert, dass die ödp einst in Anspruch nahm, seit 1997 für die Westtrasse eingetreten zu sein, und heute die Beendigung des zwingend notwendigen Planungsverfahrens fordert“, so Seywald. Er führt unter anderem eine Pressemitteilung aus dem Jahr 2003 an, in der sich ödp-Stadtrat Joachim Graf für die Westtrasse stark gemacht hatte. Seywald: „Diese vom langjährigen ödp-Stadtratsmitglied Joachim Graf getroffenen Aussagen haben auch heute noch unverändert Gültigkeit, und es stünde gerade einer Partei, die sich der Ehrlichkeit im Politikbetrieb verpflichtet fühlt, gut an, nicht in Populismus zu verfallen, sondern sich auch bei kritischen Gegenstimmen zu ihrer Position zu bekennen.“ Der so Gescholtene lässt das nicht auf sich sitzen. „Die ursprünglichen Vorstellungen eines filigranen Stegs für Fußgänger und Radfahrer sowie für eine Busspur – so sympathisch sie auch sein mochten – sind durch die Realität doppelt überholt“, kontert Graf in einer aktuellen Pressemitteilung. Die ersten Pläne hätten gezeigt: Durch die geforderte Überfahrtshöhe käme die filigranste Konstruktion nicht ohne gewaltige Auffahrtsrampen auf beiden Seiten aus. Das sei für das Stadtbild nicht akzeptabel, so Graf. Das Fazit des Stadtrats: „Von den Plänen für einen solchen Lieschen-Müller-Steg muss man sich verabschieden.“ Während Seywald die Untersuchungen der Stadt Regensburg anführt, die ergeben haben, dass „ohne Ersatztrasse für die Steinerne Brücke keine Lösung für ein dem früheren Zustand gleichwertiges ÖPNV-Angebot geschaffen werden kann“, verweist Graf auf die – vom Verein Donauanlieger vorgeschlagene und bislang nicht im Detail untersuchte „Bürgertrasse“.

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Kommentare (4)

  • Reinhold Breuer

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    @Stadtrat Graf
    Das 1. Brückenmodell der Stadt weist wenig Wölbung auf. Daher sind die Rampen noch hoch. Frau Schimpfermann hat mir öffentlich Prüfungen zugesagt, wie mit einer noch behindertengerechten Brückenwölbung die Schiffsdurchfahrt altstadtfern, die Hochwassersicherung nach Sperrung und die Rampenhöhe minimal eingeplant werden kann.

    Die Stadtratsdiskussion um eine Klappbrücke ergäbe ohne Brückenwölbung ja gar keinen Sinn. (Am 2.Juni waren die Abbildungen des Modells ohne Hinweis in regenburg-digital daher ebenso irreführend wie das Herbeischreiben eines Trends am 24.Februar.)

    Dennoch scheint mir die Klappidee übertrieben. Wenige Meter Anhebung des am tiefsten abgesenkten Brückenteils an der Altstadtrampe sollte bei HW-Alarm genügen. Stadtrat Graf bitte ich, mit Kollegen sicher zu stellen, dass der Planungswettbewerb sich gerade an HW-Experten wendet; denn deren Ideen können sich stärker auf das Stadtbild auswirken als die „üblichen“ Aspekte der Brückengestaltung zum Denkmalschutz.

    Die HW-Experten sollten u.a. erfahren, wie lang die Vorwarnzeit ist, um eventuell mobile Elemente der HW-Sicherung zu holen und zu installieren (Motoren, Schwerlastkräne u.ä.). Statt eines beweglichen Brückenteils ist aber auch dessen besonders strömungssichere Formung denkbar und eine strömungsoptimierte ins HW eintauchende Trasse. Eine 3. Alternative wäre, die Eratztrasse mit Fördermitteln zugleich als Schutz der Steinernen vor HW zu bauen: Schließlich sind mehrere steinerne Brücken aus damaliger Zeit durch spätere HW, Eistreiben, Baumstämme u.ä. zerstört worden.

    Ob das über 50jährige, hässliche Billigprovisorium „Eiserner Steg“, das den einzigartigen Ausblick dem Brückengänger durch monströse Eisenträger vorenthält, dennoch erhalten bleiben soll, kann entschieden werden, wenn wir die Vor- und Nachteile der Busbrücke für Fußgänger und Radler ausgiebig ausprobiert haben. Vielleicht ändert die Erfahrung meine Meinung.
    Vgl. http://www.mittelbayerische.de/forum/showthread.php?p=1442#post1442

  • Roswita Hallhuber

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    @Reinhold Breuer

    Ich finde, Sie müssen sich nicht mit Aussagen wie „Frau-
    Schimpfermann-hat-mir-öffentlich-Prüfungen-zugesagt“ wichtig machen.
    Wir alle wissen doch, was „Zusagen“ von Seiten der Stadt wert sind (schauen Sie mal lieber nach, ob noch alle Ihre Bäume im Garten stehen, oder ob die Geranien auf Ihrem Balkon noch Gnade finden vor kritischen Beamtenblicken!)

    Sie sind ein Technik-Freak. Zumindest entnehme ich das Ihrem Beitrag, der zu den intelligentesten in dieser Debatte gehört.
    Immerhin legen Sie was auf den Tisch.

    Allerdings prallen hier zwei Welten aufeinander: die Begeisterung des Ingenieurs für das Machbare, das politisch gewünscht ist, und der Ekel des Ästheten vor der Willkür, der wir durch den Stadtrat ausgesetzt sind.
    Denn wir dürfen ja nichts mitkriegen, weil „das beschließen wir im Koalitionsausschuss, die anderen werden nicht gefragt“ (Hartl).

    Ob nun Befürworter oder Gegner einer Ersatzbrücke: Jeder sollte sich mal fragen, ob er/sie sich bis zum jüngsten Tag mit seinen Mitbürgern streiten will nur wegen der Profilneurosen von ein paar Stadträten bzw. Bürgermeistern, die alles mögliche im Sinn haben, nur nicht das Wohl der Bürger.

    Ginge es um unser Wohl, es würde weniger gestritten.

    Die Wahrheit ist, dass wir DIESEN Stadtrat nicht brauchen, um uns einig zu werden!

    Ingenieurskunst hin, Ästhetik her: denen, die uns ständig gegeneinander aufhetzen, liegt nichts an an einem vernünftigen Miteinander.

    Woran ihnen etwas liegt, bleibt wohl hinter verschlossenen Türen.

  • Reinhold Breuer

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    Untenstehender Auszug aus einer aktuellen Presseerklärung spricht dafür, dass Frau Schimpfermann die erwähnte Zusage intern durchsetzt. Anlass zur Sorge gibt noch die Art der „Planungsvorgaben“. Werden HW-Experten unter den Brückenbauern ausdrücklich aufgefordert, mit geringsten Rampenhöhen auszukommen, oder gibt die Stadt die Rampenhöhen und die genaue Trassierung einfach vor und konzentriert den Wettbewerb auf „Denkmalschutz-Kosmetik“? Auch Stadträte können darauf bei der Wettbewerbsauslobung genau achten. Schließlich ist dieses Donaustück keine Schifffahrtsstraße, schon gar keine Europa-Wasserstraße. Selbst evtl. Reparaturen am Wehr oder Ausbaggerungen können auf Zeiten verschoben werden mit Niedrigwasserstand. Lange HW-Vorwarnzeit ermöglicht rechtzeitige Sperrung der Brücke und Eigensicherung des tiefsten Brückenteils. Aufgrund solcher Besonderheiten interessieren auch unterschiedliche Expertenmeinungen zu Normen/ Rechtsgrundlagen.

    „Mittwoch, 10.06.2009: Ersatztrasse für den Öffentlichen Personennahverkehr – Tiefbauamt bereitet Wettbewerb vor

    Der Verein ,Donauanlieger´ hat bei einem Spaziergang vom Schopperplatz zur Holzlände Vermutungen geäußert, dass die Ausschreibung für die Brückenplanung schon im vollen Gange sei.
    Dies ist nicht richtig: Zurzeit bereitet das Tiefbauamt der Stadt Regensburg eine Wettbewerbsauslobung für beide Trassenalternativen vor – fertige Plänen liegen der Stadtverwaltung noch nicht vor.

    Außerdem wird zunächst einmal die diesjährige Sitzung des Welterbekomitees Ende Juni im spanischen Sevilla abgewartet, da dort das Konzept zur weiteren Vorgehensweise vorgestellt wird. Die Stadt wird auf jeden Fall wie bisher weitere Schritte mit der UNESCO abstimmen. Daher basieren auch die Behauptungen zu Rampenlängen und Rampenhöhen allenfalls auf früheren Testentwürfen, die jedoch längst nicht mehr die aktuellen Planungsvorgaben widerspiegeln. …“
    http://www.regensburg.de/buerger/aktuelles/pressemitteilungen/index.php?I=3103

    Zum meinem letzten Beitrag 2 kleine Korrekturen: „Eine 3.Alternative ..“ kann entfallen und das Stegprovisorium ist sogar über 60 Jahre alt.
    Sicher kommt es nicht auf mich an. Doch versuchte ich, Anhängern des Eisernen Stegprovisoriums entgegen zu kommen, indem ich neue Ideen zum Denkmalschutz anregte und vorschlug, die Entscheidung über den Erhalt des Provisoriums auf unsere historisch lange Bank zu schieben. In Erinnerung an Teilnehmerberichte über den „Planungsdialog“ frage ich auch einmal: Sind Ersatztrassenskeptiker wirklich zu keinerlei Entgegenkommen bereit?

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