Ersatzbrücken: UNESCO hat vorerst keine Einwände/ Schaidinger verwahrt sich gegen Greipl-Kritik (Video)

Hans Schaidinger zur BayernLB: „Grassierende Entschuldigungsgeilheit“. Foto: Archiv/ StaudingerAm Montagmorgen kam die Nachricht aus Sevilla: Das UNESCO-Welterbekomitee hat keine Einwände zum bisherigen Vorgehen der Stadt Regensburg in Sachen Ersatztrasse. „Wir können damit unseren Planungsprozess mit gutem Gewissen fortsetzen und werden dabei natürlich stets in direktem Kontakt mit der UNESCO bleiben. Einen Fall Dresden wird es in Regensburg nicht geben“, sagt ein zufrieden wirkender Hans Schaidinger. Als nächster Schritt steht nun ein zweistufiger Wettbewerb, bei dem Brückenvarianten für Ost- und Westtrasse erarbeitet werden sollen. Der Regensburger Bericht wurde laut Schaidinger ohne Diskussion in Sevilla verabschiedet. Die Brückenpläne waren lediglich ein Teil davon. Unter anderem hat die Stadt die UNESCO auch über die Ausschreibung am Donaumarkt, den Umbau des Parkhauses am Dachauplatz und Planungen für das Gelände am Peterstor informiert. Als Zustimmung für eine neue Brücke ist das Placet der UNESCO zwar nicht zu werten, aber doch als Teilerfolg für die städtischen Planer. Ausdrücklich wurde der UNESCO durch die Stadt mitgeteilt, dass man eine Tunnellösung (O-Ton Schaidinger: „Ein städtebauliches Monstrum.”) nicht weiterverfolgen wolle und sich auf die beiden Brückenvarianten konzentrieren will. Das wurde von den Welterbehütern akzeptiert. Auch interpretiert Schaidinger die Stellungnahme der UNESCO dahingehend, dass man dort „ausdrücklich die Notwendigkeit einer neuen ÖPNV-Route anerkennt”. Zur Vorbereitung des städtebaulichen Wettbewerbs für beide Brückenvarianten sollen nun eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine detaillierte Verkehrsuntersuchung durchgeführt werden. Auf Basis dieser Untersuchungsergebnisse kann – ein positives Feedback der UNESCO vorausgesetzt – der Wettbewerb durchgeführt werden. Die Wettbewerbsergebnisse sollen dann wiederum durch das Welterbezentrum und ICOMOS begutachtet werden. Schaidinger verwahrte sich gegen die Kritik von Generalkonservator Professor Egon Greipl gegen die Brückenpläne (Video). Greipl hatte am vergangenen Donnerstag die Planungen für eine Westtrasse erneut ausdrücklich abgelehnt. „„Der Architektenwettbewerb um die Errichtung einer Westtrasse wird absehbar zu einem negativen Ergebnis führen. Die finanziellen Aufwendungen für diesen Wettbewerb wären im Rahmen der Instandsetzung der Steinernen Brücke besser angelegt gewesen“, so Greipl gegenüber regensburg-digital.de. Zudem stellte Greipl klar, dass die UNESCO für die denkmalrechtliche Erlaubnis eines Brückenbaus nicht zuständig ist. anzeige1

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Kommentare (6)

  • Bernhard Segerer

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    Ich bezweifele noch immer das eine Ersatztrasse notwendig ist, aber in Sachen Westtrasse gäbe es zumindest eine relativ rampenlose Lösung, die anscheinend bis jetzt niemand in Betracht gezogen hat: eine Zugbrücke! Damit könnte man eine sehr niedrige Brücke bauen und das Versorgungsschiff das einmal im Jahr zur Staustufe muss kann auch durch.

  • Veits M.

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    Zitat:
    Auch interpretiert Schaidinger die Stellungnahme der UNESCO dahingehend, dass man dort „ausdrücklich die Notwendigkeit einer neuen ÖPNV-Route anerkennt”.

    Nach OB Schaidinger alle Regensburger zu Welterbe-Schützern ernannt hat: Es wäre ein Schritt der Transparenz, die vorstehende Stellungnahme der UNESCO in Netz zu stellem, damit sich jeder seine eigenes Bild machen kann.

    Das Umweltinformationsgesetz sollte diesen Schritt der Information der Bürgerschaft möglich machen. Freiwillig!

  • Veits M.

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    Was nun, Herr Schaidinger?

    Zitat aus der MZ vom 30.06.2009:

    „Anders sieht es Prof. Michael Petzet, Präsident von Icomos, einem Gremium, das die Unesco bei Fragen des Denkmalschutzes berät. „Meines Wissens sind die zwei Varianten nicht unter die Lupe genommen worden“, sagt er. Die Stadt habe die Unesco lediglich darüber informiert, dass ein Wettbewerb vorbereitet werde.“

    Was stimmt nun? Hat die Stadt grünes Licht für die Pläne betreffend die beiden Brückenvarianten? Logischerweise kann nur eine Darstellung zutreffen.

    Es wäre nicht das erste Mal, dass das Stadtoberhaußt die Bürgerschaft nicht mit der Wahrheit bedient. Auch im Zusammenhang mit den Umbauplänen des fürstlichen Schlosses nahm der OB den privaten Besusch eines Offiziellen der UNESCO/ICOMOS zum Anlass, frech sinngemäß zu behaupten, das Hotel-Projekt habe den Welterbe-Segen. All das ist aktenkundig(BayVGH.

    Transparenz bleibt das A und O in der Demokratie.

    Warum sich Regensburg (sprich: die Verwaltung)so schwer damit tun, wissen die Götter.

  • Veits M.

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    Zum welterbe-gemäßen Umgang mit der historischen Stadtlandschaft wurde von der UNESCO das sog. WIENER MEMORANDUM erarbeitet, wie es nachfolgend verlinkt ist.

    Es lohnt sich allemal diese Seiten durchzustudieren, um so sehen, ob und wie das SEIN dem SOLLEN entspricht bzw. davon abweicht.

    http://www.europaforum.or.at/data/media/med_binary/original/1123228358.pdf

  • grace

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    Frage: Ist es in Bayern möglich, einen OB, der gelogen hat, aus dem Amt zu entfernen?

  • Reinhold Breuer

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    Denkmalschädigend sind die vielen Busse in der engen Goldene-Bären-Straße und Keplerstraße. Sie stören direkt viele Denkmalbesucher. Sie tragen dort vermeidbar zu schädlichen Feinstaubwerten bei, den schlechtesten der ganzen Stadt. Auch das stört viele Denkmalbesucher. Die Domarbeiten zeigen, dass Denkmäler auch selbst an schlechter Luft Schaden nehmen.

    Wenn Busse mehr Fahrgäste anziehen und wenn ein beträchtlicher Teil der Busse von der denkmalreichen Goldene-Bären-Straße und Keplerstraße verlagert werden an den denkmalarmen Kanal, entlastet das Denkmäler und Denkmalbesucher.

    Nur weil ein zuständiger Fachberater mit Generalstitel und mit unbekannten Privatverbindungen in seinen alten Wohnort dies ebenso stoisch ignoriert wie die Denkmalbelastung durch den provisorischen Eisernen Steg, müssen die UNESCO, die Politiker und die Bürger der Stadt die Ignoranz durchaus nicht übernehmen.

    Am Kanal belasten die verlagerten Busse auch weniger Anwohner und weniger stark. Die Last von kaum 300 Bussen und 1.000 PKW ist verglichen mit über 3.000 LKW und über 30.000 PKW auf der Weißenburgstraße ohnehin federleicht für die anwohnenden Busgegner. Lieber verbrämen diese ihr beschämend kleines Eigeninteresse mit „Denkmalschutz“, „Naturschutz“ oder „Zerstörung von Spielplatz und Auwald“ (am Schopperparkplatz??).

    Um die Brückenrampe an der Altstadt möglichst flach zu halten, sollte endlich z.B. mit Dr. Birkl juristisch geklärt werden, ob unter Beachtung der geplanten Verlagerung des Yachthafens eine nicht mehr realistische Einstufung des Donaunordarms hinter dem Wehr als „Wasserstraße“ noch zwingende Folgen für die HW-Vorsorge beim Busbrückenbau haben muss und wie eine realistische Einstufung erreicht werden kann. Auch für einen Flussaltarm ohne Schiffsverkehr müssen ja wohl nicht unbedingt dieselben Anforderungen gelten wie für die eigentliche Schifffahrtsstraße im Fluss.

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