Immer rüder: XXXLutz knöpft sich Zeitung vor!

XXXLutz: Mit rotem Stuhl - und rüdem Stil? Foto: XXXLutzKevin Costner war unbewaffnet. Zur Neueröffnung einer Filiale konnte XXXLutz den merklich in die Jahre gekommenen Filmstar gewinnen, um wieder einmal Geld für irgendeinen guten Zweck zu sammeln. Und die Leute bezahlten reichlich Eintritt (25 Euro), um ins Möbelhaus zu kommen und dieses Ansinnen zu unterstützen. XXXLutz kündigte am Ende des Abends schließlich an, noch Geld dazu zu legen. „Dass es bei Ihnen nicht nur im Profit geht, zeigt dieser Abend“, freute sich auch Kevin Costner. „Tatsächlich?“, könnte nun ein verärgerter Lkw-Fahrer fragen, der gerade mehr als zehn Stunden am Stück für den österreichischen Konzern im Einsatz war. So etwas passierte im Juli hunderte Male. So etwas ist unter Umständen strafbar. Und so etwas ist bei XXXLutz keine Ausnahme. Bis heute.

Die rigide Personalpolitik des österreichischen Konzerns, der vor zwei Jahren die Hiendl-Gruppe geschluckt hat, stand bis vor kurzem im Fokus der Öffentlichkeit. Der „ultrabrutale Umgang“ mit den Mitarbeitern rief verdi-Chef Frank Bsirske auf den Plan. Zahlreiche Medien reagierten. Der Konzern gab sich wortkarg, duckte sich weg und vergab weiter profitträchtige Anzeigen- und Prospektaufträge an diverse Medien. Die Berichterstattung wurde gefälliger. XXXLutz machte weiter wie gehabt.

Bei einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Passau am Montag kam heraus: Auch im September mussten die Angestellten in mindestens 300 Fällen deutlich zu lange arbeiten. Gesetzeswidrig. Folge eines massiven Personalabbaus: Von ehemals 128 Lkw-Fahrern sind 102 geblieben. Im Verkauf bei XXXL Hiendl Passau wurde die Quote der Vollzeitbeschäftigten auf unter 30 Prozent reduziert. Betriebsräte, die sich dagegen wehren, werden mit Gehaltskürzungen im vierstelligen Bereich gegängelt oder mit Abfindungen im sechsstelligen Bereich geködert, um den Betrieb zu verlassen. Etwas hat sich allerdings geändert bei XXXLutz: Der Umgang mit den Medien. Zumindest mit den kritischen.

Dem Passauer Monatsmagazin Bürgerblick (Auflage 2.000 Stück) flatterte jüngst eine Unterlassungserklärung ins Haus. Streitwert: 125.000 Euro. Deutlich zu viel für einen Medienzwerg. Die von XXXLutz beauftragte Münchner Kanzlei spricht von „unwahren Tatsachenbehauptungen“, die das Magazin getan haben soll. Es geht um einen Artikel, den der Bürgerblick in seiner Septemberausgabe unter der Überschrift „Die mit dem rüden Stil“ veröffentlichte – und der nahezu wortgleich seit August bei regensburg-digital.de zu lesen ist.

Bürgerblick-Herausgeber Hubert Denk gibt sich kämpferisch. Er sieht in dem Vorgehen von XXXLutz einen Versuch der Einschüchterung. Die geforderte Unterlassungserklärung hat sein Rechtsanwalt in sämtlichen Punkten abgelehnt. Auf seinem Online-Auftritt berichtet Denk weiter aktuell über die neusten Sauereien bei XXXLutz Passau. Der Bayerische Journalistenverband unterstützt Denk zufolge dieses Vorgehen. Medien, die den Konzern im Auge behalten, sind auch dringend notwendig. Was aus den einstigen Hiendl-Häusern geworden ist, wird nämlich immer undurchsichtiger – auch für die Kunden. In Passau wurde das Möbelhaus mittlerweile in diverse Einzelgesellschaften aufgesplittet. Der Name XXXL Hiendl ist nur noch eine leere Hülle. Dort arbeitet niemand mehr. Mit wem man als Kunde das Geschäft macht ist kaum noch zu durchschauen. Weiterer Nebeneffekt der Aufsplittung: Die Mitbestimmung bei XXXLutz Passau wird erschwert. Die Wahl eines Gemeinschaftsbetriebsrats wollte das Unternehmen mit Verweis auf die Splitterfirmen verhindern. Vor Gericht blitzte man am Montag damit ab. Dieses Mal.

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Kommentare (4)

  • Tusche Peter

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    Zunächst einmal Kompliment und Anerkennung für diejenigen, die sich weder einschüchtern, noch kaufen, noch nötigen lassen. Andere, die sich sonst gerne als Menschenfreunde darstellen lassen (Ottfried Fischer) sind da weniger nachdenklich. Aber Geld ist halt für manche alles.
    Aber Lutz ja kein Einzelfall. In fast allen Ketten kann man ähnliche Vorgehensweisen recherchieren.
    Das ist der Preis für die Zerschlagung qualifizierter Klein-Fachgeschäfte. Aus ehemaligen Fachkaufleuten wurden Regalauffüller gemacht.
    Dies verändern können nur die Käufer durch eine Veränderung Ihres Kaufverhaltens. Ich jedenfalls kaufe bei Hiendl nicht mal mehr einen Kerzenstummel. Ich kann jedem -im Interesse der Solidarität mit deren Verkäuferinnen und Verkäufer- nur gleiches empfehlen.

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