Nach Werbe-Schaltung für Rassisten-Club

Kritik an PNP-Verlegerin: „Gewissenlos und kompetenzfrei“

Halbseitige Werbung in der Wochenendausgabe. Einnahmen: 10.000 bis 15.000 Euro.

Halbseitige Werbung in der Wochenendausgabe. Einnahmen: 10.000 bis 15.000 Euro.

Nach der islamfeindlichen Anzeige eines rassistischen Vereins in der Passauer Neuen Presse rumort es verlagsintern. Die Verlegerin höchstpersönlich soll das Erscheinen abgesegnet haben, heißt es in einem Brief, der mit „PNP-Verlagsbelegschaft“ unterzeichnet ist.

Nach der Anzeigenschaltung für den Rechtsaußen-Verein „Die Deutschen Konservativen e.V.“ in der Passauer Neuen Presse (PNP) gerät jetzt auch die Verlegerfamilie ins Zwielicht. Wurde das Erscheinen der islamfeindlichen Hetzanzeige von ganz oben angeordnet? Das legt zumindest ein Bericht der Süddeutschen Zeitung nahe. Es nun nach dem öffentlichen Supergau so aussehen zu lassen, als wäre die Anzeige ohne Wissen der höheren Verlagsinstanzen ins Blatt gegangen, ist eine Täuschung der Öffentlichkeit“, heißt es demnach in einem Brief, der mit „PNP-Verlagsbelegschaft“ unterzeichnet ist. Der Inhalt des Briefes deute auf einen „Verlagsinsider“ hin, so die SZ.

Dubiose Spendensammler mit einschlägigem Rassisten an der Spitze

Vergangene Woche hat Regensburg Digital als zunächst einziges Medium von der Anzeigenschaltung der „Deutschen Konservativen“ in der PNP berichtet – ein zwielichtiger Verein, der vom Verfassungsschutz in der Vergangenheit dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet wurde. Halbseitig hatte der Verein in der PNP-Gesamtausgabe für eine islamfeindliche „kostenlose Broschüre“ geworben. Als Motive darf man durchaus gezielte Hetze, aber auch Adressbeschaffung vermuten. Der Verein geriet schon mehr wehen seines unseriösen Gebahrens beim Einwerben von Spenden in die Kritik. Der Vorsitzende Joachim Siegerist wurde unter anderem wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass verurteilt. Ein Staatsanwalt beschrieb ihn im Rahmen eines Verfahrens als „quasi gewerblichen Volksverhetzer“.

Als mehrere Medien – darunter Bayerischer Rundfunk, Süddeutsche Zeitung und das NDR-Medienmagazin ZAPP – nachhakten – distanzierte sich die Redaktion von der Anzeige. Man sei darüber „sehr unglücklich“, so Chefredakteur Ernst Fuchs, der auf die Verantwortung der Anzeigenabteilung verwies. Dort sei die Anzeige juristisch geprüft worden, aber offenbar habe man deren „politische Brisanz nicht erkannt“.

Der PNP-Hausjurist ist der Verlegerinnen-Gatte

Hausjurist der PNP ist Mario Tucci, Ehegatte der ohnehin sehr umstrittenen Verlegerin Simone Tucci-Diekmann. Tucci werden umstrittene Texte und Anzeigen zur Prüfung vorgelegt. Normalerweise erfahre davon auch seine Ehefrau, so ein „Verlagskenner, der mit internen Vorgängen vertraut ist“ gegenüber der SZ. Eine Stellungnahme des Verlegerehepaars gibt es dazu bislang nicht. Die komplette Verantwortung für die Veröffentlichung der Anzeige übernimmt derzeit der Leiter der Anzeigenabteilung. Er habe „die politische Brisanz nicht erkannt“, lautet der altbekannte Sermon.

Die „PNP-Verlagsbelegschaft“ spricht in dem erwähnten Brief hingegen von einer „gewissenlose(n) und journalistisch kompetenzfreie(n) Entscheidung der Verlegerin, die offenbar rein finanziellen Interessen geschuldet“ gewesen sei. Der Bundestagsabgeordnete Christian Flisek (SPD) hat gegenüber der Süddeutschen Zeitung nun vorgeschlagen, dass die PNP die Einnahmen für die Anzeige spenden solle. Der Preis wird auf eine Summe zwischen 10.000 und 15.000 Euro geschätzt.

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Kommentare (4)

  • wahon

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    Die PNP ist und war schon immer ein rechtslastiges Blatt. Die Chefredaktion ist nur „unglücklich“ über das Erscheinen der rechtsextremen Anzeige, d.h. inhaltlich stimmt sie sicher mit dem Anzeigentext weitgehend überein.

  • Lothgaßler

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    Ich kenn das Kapfinger-Blatt seit meiner Kindheit. Damals wie heute stramm auf CSU-Kurs, sehr „katholisch“ und von oben herab gesteuert. Den Passauer-Katholizismus hat Sigi Zimmerschied schon erklärt.
    „Die Deutschen Konservativen e.V.“ beginnen ihre Eigenwerbung (http://www.konservative.de/Wir-ueber-uns) wie folgt: „1980 wurde die „Bürgeraktion Demokraten für Strauß“ gegründet, um Franz Josef Strauß bei seiner Kandidatur zum Bundeskanzler zu unterstützen.“
    Bei diesem Gründungsmythos passt der Stallgeruch. Gut möglich aber auch, dass noch mehr dahintersteckt.

  • Aufbruch nach Rechtsaußen » Regensburg Digital

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    […] Spendensammeln wird kritisiert. Bis heute arbeitet Helmes bei den „Deutschen Konservativen“ mit dem Vereinsvorsitzenden Joachim Siegerist zusammen, einem verurteilten und von einem Staatsanwalt al…, der auch Vorworte für Helmes’ Büchern verfasst. Daneben veröffentlicht Helmes Beiträge […]

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