Stadtbau: Jetzt ist Sachlichkeit gefragt!

Man sollte das Ganze sachlich betrachten. Seit geraumer Zeit ist die Stelle des Stadtbau-Geschäftsführers vakant. Fast ein Jahr ist es mittlerweile her, seit Martin M. Daut seinen Hut nehmen musste (Hintergründe). Die Stelle wurde kürzlich neu ausgeschrieben. Es gab rund 50 Bewerbungen. Nun geht’s an die Vorstellungsgespräche. „Höhere Anforderungen als vor elf Jahren, als Daut Stadtbauchef wurde“ hat man dieses Mal an die Bewerber gestellt, sagt Oberbürgermeister Hans Schaidinger. Das ist wirklich lobenswert. Gesucht wird also nach einer „gestaltungsfreudigen Persönlichkeit“ mit „betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt“ und „Erfahrung im Umgang mit der Mieterschaft eines kommunalen Wohnungsunternehmens“. Sechs (andere Quellen sprechen von sieben) Bewerber haben diesen knallharten und ziemlich konkreten Anforderungen standgehalten. Unter ihnen auch: CSU-Stadträtin Petra Betz. Will Geschäftsführerin werden: Petra Betz. Foto: Archiv/ StaudingerDie ehemalige Bürgermeisterin fuhr bei der Kommunalwahl die meisten Stimmen für die CSU ein. Sogar mehr als der Oberbürgermeister selbst. Trotzdem musste sie ihren Bürgermeister-Posten räumen. Die SPD beanspruchte einen Posten für Joachim Wolbergs und in der CSU hatte Gerhard Weber die Mehrheit der Fraktion auf seiner Seite (Mehr dazu). Nun mögen manche unken, dass Petra Betz den Geschäftsführerposten angesichts dieser Opfer schon sicher hat, dass ihr der Posten zugeschanzt werden soll, quasi als Entschädigung. Eine Frechheit! Eine Unverschämtheit! Wie kann man nur zu einer solchen Annahme kommen? Kann sie was dafür, dass sie in der CSU ist? Vielleicht ist Petra Betz ja die Richtige, um Ruhe und Frieden in die Stadtbau zu bringen. Die jüngste Vergangenheit der städtischen Tochtergesellschaft kann man nur als krisengeschüttelt bezeichnen: eine Korruptionsaffäre bei der Wohnungsvergabe und eine fragwürdige Vergabe bei Bauaufträgen sind nur zwei Beispiele (Eine kleine Zusammenfassung hier.). Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Stimmung unter den Mitarbeitern der Stadtbau – gelinde gesagt – angespannt ist. Eine Mobbing-Affäre unter Beteiligung des Oberbürgermeisters ist da nur ein Punkt. Da sind in der Geschäftsführung unabhängige, zupackende Persönlichkeiten mit Rückgrat gefragt. Und nachdem der Aufsichtsratsvorsitzende (Schaidinger) entweder vieles nicht weiß („Ich wurde selektiv informiert.“) oder nicht zuständig ist („Verantwortlich ist die Geschäftsführung.“), wird es Zeit, dass die Geschäftsführung eigenverantwortlich handelt und den Aufsichtsratsvorsitzenden selbständig und umfassend informiert. Immerhin wurde das Kommunikationsverhalten zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat in der Vergangenheit sogar schon von gerichtlicher Seite kritisiert. Das wäre nun leicht zu ändern mit einer Geschäftsführerin Betz. Sie trifft den Aufsichtsratsvorsitzenden regelmäßig – in der CSU-Fraktion oder im Stadtrat. Sollte all das nicht überzeugen: Es gibt ja auch noch andere Bewerber. Möglicherweise besser qualifiziert. Außerdem entscheidet das nicht die CSU allein. Es gibt einen Aufsichtsrat. Dort sitzen vier Stadträte der CSU (Petra Betz, Astrid Freudenstein, Helgit Kadlez, Erich Tahedl), zwei von der SPD (Christa Meier, Lothar Strehl), eine Stadträtin der Grünen (Margit Kunc) und ein Stadtrat der Freien Wähler (Günther Riepl). Bei einem Patt entscheidet die Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden: Oberbürgermeister Hans Schaidinger. Kein Grund also, Nepotismus zu befürchten. Sollte das nämlich der Fall sein, steht mit Sicherheit die Koalition auf der Kippe. Also abwarten und beobachten. Ganz sachlich! (Ent)spannende Lektüre!

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Kommentare (9)

  • kardinal

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    Wieso stehen so wichtige Personalien jetzt plötzlich in der MZ?
    Die sind doch sonst so diskret.

  • Tobias M. Fritz

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    Ich find das alles super :)))

  • Herbert E. Brekle

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    Könnte eine Stadtbaugeschäftsführerin Betz noch Mitglied im Stadtrat sein? Wohl nicht.

    Herbert E. Brekle

  • Adalbert Singhuber

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    Wenn nun „höhere Anforderungen als vor elf Jahren, als Daut Stadtbauchef wurde“ gestellt werden, stellt sich mir die Frage, welche Anforderungen vor elf Jahren an die Bewerber gestellt wurden? Abitur als einzige Voraussetzung?
    Frau Betz kann neben dem Abitur einen Führerschein und eine Banklehre nachweisen. Ist das die gesuchte Qualifikation? Ach ja, und Bürgermeisterin war sie. Doch qualifiziert sie dies wirklich als Stadtbau-Chefin? Möglicherweise ja. Herr Aigner hat die Stadtbau in seinem Artikel treffsicher – jedoch untertrieben – als „kriesengeschüttelt“ bezeichnet. Passt Frau Betz hier – Stichwort „Mobbing“ optimal hinein, weil ihr im Rahmen ihrer Tätigkeit als Bürgermeisterin Bespitzelungen und fragwürdige Nachforschungen aus dem Rathausbüro vorgeworfen und Vergleiche zur Hohlmeier-Affäre gezogen wurden (vgl. Artikel vom 01.02.2008 auf Regensburg Digital http://www.regensburg-digital.de/?p=153)?

    Der oder die künftige Stadtbau-Chef/in sollte nach meiner Auffassung am besten über ein Studium der Architektur oder der Immobilienwirtschaft verfügen. So ist es nach meiner Kenntnis zumindest sonst üblich.

  • rentner

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    Die Hauptsache das Parteibuch hat die Richtige
    Farbe u. die Spezlwirtschaft geht immer so weiter.
    Das weitere zeigt, was dann für ein Chaos raus-
    kommt – keine Ahnung – mein Name ist Hase.
    Nein, da gibts ja noch den charmanten Hans,
    der kann immer helfen!!!

  • Uwe Wöllner

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    Da ist jeder, der sich poe a poe nach oben arbeitet ja ein reiner Depp.
    Viva Republica Banana!
    Vor dem Herrn sind Gott sei Dank alle gleich und wie heißt es so schön bei Hesekiel 25,17:
    Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt von den Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer…

  • kardinal

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    Jaou, leck mir doch den Damm, Uwe, Alter!!
    Bissu auch hier im ollen Regensburg!
    Hau bloss ab hiee un dreh dich erst wieder um wenn du den Main Richtung nord überquert un´n Biää inne Hand hältst!
    Das is hiää nix!

    Dein Knut Hansen
    (c/o kardinal)

  • Matthias Beth

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    Ist ja schon erstaunlich wie Nibelungentreue zum Oberbürgermeister und versuchte Demontagen innerparteilicher Gegnerin Regensburg belohnt werden.
    War es nicht Frau Betz, die Ihren Ehemann an einem kalten klaren Samstag im Januar 2008 zu einer Schreinerei in Kneiting entsandte, um nachforschen zu lassen, welche CSU Mitglieder möglicherweise CSB Plakate dort kleben?
    Irgendetwas muss der Ehemann dann aber verwechselt haben, denn die darauf erfolgte Behauptung in der Presse von Frau Betz, die JU-Vorsitzende Frau Dräxelmeier habe CSB Plakate geklebt und ebenfalls die dazugehörigen Plakatständer bestellt, siehe Wochenblatt, Ausgabe 30. Januar 2008, erwies sich als haltlos.
    Ist dieses Verhaltensmuster die Qualifikation für einen Geschäftsführerposten der Stadtbau GmbH?

  • Fritz Ehrlich

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    Spezlwirtschaft zum Nachteil der Stadt sind hinlänglich bekannt. Donaumarkt, PPP Finanzierungsmodelle und dergleichen zerstören die guten Zukunftschancen unserer Stadt.

    Ein abgeschlossenes Studium Immobilienwirtschaft und -management dürften mindestens die Einstellungskriterien für diese Position sein. Eine Ausbildereignung, analog gute Mitarbeiterführungskenntnisse, wären besonders vorteilhaft, da der Aufsichtsratsvorsitzende diesbezüglich absolutes Versagen an den Tag gelegt hat. Anders kann ich die Aussagen des Regensburger Gerichtes und seine eigenen Aussagen nicht deuten. Neben der fachlichen Eignung ist auch eine soziale Intelligenz erforderlich.

    Leider sind viele Positionen in der Stadt Regensburg falsch besetzt. Wen wundert hier eigentlich noch was!

    Werden Ämter vererbt? Wie lange ist das schon Brauch? Wie lange dürfen wir noch auf die guten Sitten warten? SACHLICHKEIT UND VERNUNFT WAREN VON JE HER KEINE FRAGE, SONDERN PFLICHT

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