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Beiträge mit Tag ‘Gewerkschaft’

Es war ein Schwärmen über die positive Lage der bayerischen Metall- und Elektroindustrie: Der Bayern-Chef der IG Metall war auf Stippvisite in Regensburg, um sich bei den BMW-Beschäftigten umzuhören. Schließlich stehen bald Tarifverhandlungen an. Eines scheint aber schon festzustehen: Das Problem „Lohndumping per Werkvertrag“ wird bei diesen Verhandlungen keine Rolle spielen. Noch nicht zumindest.
Was tun bei Werkverträgen? Die IG Metall braucht noch etwas Zeit, sagt Jürgen Wechsler. Foto: Archiv

Was tun bei Werkverträgen? Die IG Metall braucht noch etwas Zeit, sagt Jürgen Wechsler. Foto: Archiv

Der Ort für die Pressekonferenz ist kurzfristig verlegt worden. In der BMW-Zentrale in München habe es „Irritationen“ darüber gegeben, dass die IG Metall in den Räumen des Betriebsrats auf dem Werksgelände in Regensburg eine Pressekonferenz abhalten wollte. Und so empfängt der bayerische IG Metall-Chef Jürgen Wechsler die Medien im Gewerkschaftshaus in der Richard-Wagner-Straße. Erst danach fährt er ins Werk, um dort mit den Betriebsräten und Vertrauensleuten zu sprechen. Im Vorfeld der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie – die Friedenspflicht endet am 30. April – habe man es wohl vermeiden wollen, dass auf BMW-Grund all zu deutliche Aussagen fallen könnten, vermutet Wechsler. Verstehen könne er solche Befürchtungen zwar nicht, aber bei BMW sei man in dieser Hinsicht „eben etwas konservativ“.

„Kein Grund zur Bescheidenheit“

Tatsächlich sind es keine konfrontativen Kampfansagen, die Wechsler am Mittwoch an die Arbeitgeber richtet. Er lobt die hohe Auslastung der Betriebe, die in der Region Regensburg sogar noch höher sei als im Rest von Bayern, wo er sie auf 80 Prozent beziffert. Er wolle alle beruhigen, die versuchten, eine „Eintrübung der wirtschaftlichen Lage“ herbeizureden. „Wir stehen vor keiner Rezession und vor keinem Abschwung.“ Für die erste Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern am 19. März wolle er nun über Gespräche in den Betrieben ausloten, welche Forderungen man stellen werde. „Ich nenne heute keine Zahlen“, so Wechsler. Es gebe jedoch „keinen Grund zur Bescheidenheit“. Neben Inflationsausgleich und Produktivitätszuwachs müssten die Beschäftigten aber auch angemessen an den Gewinnen beteiligt werden. Und gerade für BMW sei es eines der besten Jahre in der Konzerngeschichte. Ins selbe Horn stößt der Regensburger Betriebsratsvorsitzende Werner Zierer. 360 Millionen wolle BMW bis 2015 in neue Anlagen investieren. Und auch für die Belegschaft gebe es „positive Prognosen“. Über die Vereinbarung zur „strategischen Flexibilität“ habe man voraussichtlich Neueinstellungen und Übernahmen von Leiharbeitern „im dreistelligen Bereich“ erreicht, sagt er. Über die genaue Zahl werde derzeit noch verhandelt.

Strategische Flexibilität und Werkverträge

Die „Betriebsvereinbarung zur strategischen Flexibilität“, auf die sich BMW AG und Gesamtbetriebsrat im vergangenen Sommer geeinigt haben: Einen möglichen Umsatzeinbruch von bis zu 30 Prozent will BMW damit abfedern können, ohne die Stammbelegschaft zu verkleinern. Schichten verringern, Bänder ruhen lassen, Arbeitszeitkonten abbauen, Kurzarbeit und schließlich – im schlimmsten Fall – die Entlassung sämtlicher Leiharbeiter. So könnten die Arbeitsplätze der BMW-eigenen Beschäftigten bis 2017 gesichert werden, lautete die damit verbundene Botschaft. Unklar ist allerdings, ob sich diese Vereinbarung auch auf den Umgang des Unternehmens mit Werkverträgen auswirkt.

Werkvertrag: Gleiche Arbeit für weniger Geld

Seit 2008 gilt der Grundsatz (nicht nur) bei BMW: Leiharbeitnehmer erhalten dasselbe Grundgehalt wie festangestellt Beschäftigte. Bei Werkverträgen gilt das nicht. Anstatt Beschäftigte selbst einzustellen – ob nun fest oder als Leiharbeiter – wird die entsprechende Arbeit komplett an eine andere Firma vergeben, von der diese Dienstleistung dann einkauft wird – meist zum Pauschalpreis. Für die Löhne der Beschäftigten ist dann dieses externe Unternehmen zuständig. Die Beschäftigten arbeiten zwar im BMW-Werk, aber verdienen gerade mal den für Zeitarbeit vorgeschriebenen Mindestlohn.
Wie viele Beschäftigte sind über Werkverträge bei BMW? Das weiß weder der Betriebsratsvorsitzende Werner Zierer, noch die IG Metall, noch die Arbeitsagentur. Foto: as

Wie viele Beschäftigte sind über Werkverträge bei BMW? Das weiß weder der Betriebsratsvorsitzende Werner Zierer, noch die IG Metall, noch die Arbeitsagentur. Foto: as

„Wir befürchten, dass die Vereinbarungen zur Leiharbeit zunehmend mit Werkverträgen umgangen werden könnten“, so Werner Zierer. Mit der Geschäftsführung befinde man sich derzeit in „intensiven Diskussionen“. Es gebe Bereiche, in denen nichts gegen Werkverträge spreche, so Zierer, etwa Grünanlagenpflege oder Winterdienst. Es sei aber zu befürchten, dass dies auch in der Produktion am Fließband der Fall sei.

„Alternativen zur regulierten Zeitarbeit“

In Regensburg, wo insgesamt rund 10.000 Menschen beschäftigt sind, wurden 2011 zumindest Teile der Qualitätskontrolle und Nachbearbeitung an externe Firmen via Werkvertrag vergeben. Und hier sind wiederum Leiharbeiter beschäftigt, die anstelle des üblichen Grundgehalts teilweise nur den Zeitarbeitsmindestlohn erhalten (Unser Bericht vom Oktober 2011). BMW ist dabei keine Ausnahme. Zahlreiche Unternehmen bedienen sich der Methode „Werkvertrag“. Das von den Arbeitgeberverbänden mitfinanzierte ZAAR-Institut an der LMU München berät Unternehmen sogar dabei, wenn es darum geht „Alternativen zur regulierten Zeitarbeit“ umzusetzen.

Genaue Zahlen kennt nicht einmal die Arbeitsagentur

Das Problem: Wo und in welchem Umfang Arbeitnehmer über Werkverträge beschäftigt sind, wissen weder der Betriebsrat noch die Gewerkschaft. Auch die Arbeitsagenturen hätten in Deutschland keinen Überblick darüber, wie viele Mitarbeiter von Werkverträgen betroffen seien, sagt Wechsler. Im Gegensatz zu Österreich etwa: Dort gibt es eine Meldepflicht. Wie die IG Metall damit umgehen will, ist derzeit noch unklar. Man sei noch „am Sammeln“, so Wechsler. Seine Vorstellung sei, dass Mitarbeiter in Werkverträgen mindestens genau so bezahlt würden, wie „normale“ Leiharbeiter. In diesem Jahr werde das Thema bei den Tarifverhandlungen voraussichtlich noch keine Rolle spielen. Das brauche noch Zeit. Ähnlich sei das auch bei der Leiharbeit gewesen. „Aber wer die IG Metall kennt, der weiß, dass wir Forderungen, die wir einmal gestellt haben, auch umsetzen.“

Kommt ein Lohndumping-Pranger?

Rekordzuwachs bei den Mitgliedern: Der Regensburger IG Metall-Bevollmächtigte Jürgen Scholz. Foto: as

Rekordzuwachs bei den Mitgliedern: Der Regensburger IG Metall-Bevollmächtigte Jürgen Scholz. Foto: as

Wenn man diese vollmundige Ankündigung ernst nimmt, dürfte das in Regensburg umso leichter sein. Wie der hiesige IG Metall-Vorsitzende Jürgen Scholz verkündete habe man in diesem Jahr mit fast 1.700 Neumitgliedern einen Rekord aufgestellt. In Frankfurt hat der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG-Metall, Detlef Wetzel, diese Woche angekündigt, im Frühjahr einen Report zu veröffentlichen, um Unternehmen, die die Leiharbeit-Regelungen mit Methoden a la Werkvertrag umgehen, an den Pranger zu stellen.
„Zukunft der Arbeit“

Konfliktfeld: Lohndumping per Werkvertrag

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Über Werkverträge wird dieser Grundsatz von vielen Unternehmen umgangen. Wie eine Gewerkschaft das eindämmen soll? Das ist ein zentrales Thema bei einer aktuelle Fachkonferenz der IG Metall in Regensburg. Der bayerische Bezirksleiter Jürgen Wechsler spricht von einem „heftigen Konflikt“ darüber mit den Arbeitgebern und räumt außerdem ein: „Wir als Gewerkschaft stehen da im Moment noch etwas blank da.“

Öffentlicher Dienst

Warnstreiks am Donnerstag

Am Donnerstag erreicht die Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst Regensburg. Betroffen werden davon vor allem Kindertagesstätten sein. „Wenn die Arbeitgeber von Bund und Kommunen nicht einmal ein Angebot vorlegen, bleibt uns nichts anderes übrig als Zeichen zu setzten“, sagt der Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft ver.di.

Leiharbeit bei BMW

Lohndumping per Werkvertrag – mit universitärer Anleitung

Im Oktober 2011 berichtete regensburg-digital darüber, wie bei BMW die tariflich vereinbarte gleiche Bezahlung von Festangestellten und Leiharbeitern unterlaufen wird. Das Stichwort lautet „Werkvertrag“. Mittlerweile schlägt das Thema breite mediale Wellen Zuletzt beim ARD-Magazin Monitor. Fragwürdig: Namhafte Jura-Professoren stehen Unternehmen wie BMW beratend zur Seite, wenn es darum geht, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit zu vermeiden. Motto: Wer zahlt, schafft an.

BMW: Halber Lohn für gleiche Arbeit

Eigentlich gibt es bei BMW eine klare Vereinbarung: Leiharbeiter sollen dasselbe Grundgehalt bekommen wie Festangestellte. Eigentlich. Über sogenannte Werkverträge mit externen Firmen arbeiten bei BMW Beschäftigte am Fließband für gerade 7,79 Euro die Stunde. Festangestellte verdienen etwa das doppelte Grundgehalt. Ein Regensburger hat sich nun beim Betriebsrat beschwert und damit eine kleine Welle losgetreten. Mittlerweile hat das Thema die Konzernspitze in München erreicht.

„Die Sprache der Straße“ – Druckerstreik beginnt

Den Druckern geht es gut. Zu gut, meinen die Arbeitgeber, die selbst betonen, wie schlecht ihr Geschäft laufe. Sie fordern deshalb: Mehr Arbeit für weniger Geld. Das sei alternativlos und sichere Arbeitsplätze. Betrachtet man aber die Druckereien in der Region, kann es so schlecht nicht laufen. „Argumente zählen bei Tarifauseinandersetzungen nicht“, sagt Gewerkschaftssekretärin Irene Salberg. Sie spricht von einem „Klassenkampf von oben nach unten“.

Brauerei Bischofshof: „Erpressung“ und „Effizienzen“

Mit harten Bandagen gegen Streikende: Brauereidirektor Hermann Goß (im Bild mit seinem Dienstherrn Gerhard Müller). Foto: Archiv Bei der Kirchen-Brauerei Bischofshof wird der Ton zunehmend rauer. Die Geschäftsführung hat am Donnerstag mit Kündigungen und der externen Vergabe von Dienstleistungen gedroht, sollte erneut gestreikt werden. Mehrere Angestellte sprechen gegenüber unserer Redaktion von „Erpressung“. Wie berichtet wurde […]

Bischofshof: Gewerkschaft droht mit Streik

Die Geschäftsführung der Kirchenbrauerei verweigert Verhandlungen über einen Haustarif. Jetzt droht die Gewerkschaft mit Streik. Foto: Archiv Die Brauerei Bischofshof liegt weiter im Clinch mit ihrer Belegschaft. Mit dem heutigen 1. April wurde rund ein Drittel der Beschäftigten des kirchlichen Unternehmens in eine neue Gesellschaft ausgegliedert. Diese „Bischofshof Logistik GmbH“ ist kein Mitglied des Arbeitgeberverbandes, […]

Streik! Bischofshof-Bier bleibt im Lager

Kurz nach sieben kommt die erste Reaktion der Bischofshof-Geschäftsleitung: Den Streikenden wird mitgeteilt, dass sie die Toiletten auf dem Brauerei-Gelände nicht benutzen dürfen. Zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass heute kein frisches Bischofshof-Bier ausgeliefert wird. Die komplette Logistik ist für den ganzen Tag in den Warnstreik getreten. Rund 4.000 Kästen des kirchlichen Bieres bleiben im […]

400 streiken am Uniklinikum

Rund 600 Beschäftigte haben sich am Mittwoch nach Angaben der Gewerkschaft verdi in der Oberpfalz an den in 37 Städten laufenden bayernweiten Warnstreiks im öffentlichen Dienst beteiligt. Allein in Regensburg beteiligten sich rund 400 Beschäftigte des Uniklinikums, der Universität, des Wasserwirtschafts- und des Bauamts sowie vom Zentrum Bayern Familie und Soziales an der Kundgebung vor […]

Tarifstreit bei Bischofshof: Tageszeitung hofiert treuen Anzeigenkunden

In den Verhandlungen um eine Auslagerung von Teilen der Bischofshof-Brauerei hat die Geschäftsführung Zugeständnisse gemacht. Im Bild: Brauereidirektor Hermann Goß und Bischof Gerhard Ludwig Müller.„Wir werden den Mitarbeitern bis zum Rentenalter nichts wegnehmen“, so Bischofshof-Geschäftsführer Hermann Goß. Das sei der „ausdrückliche Wunsch“ der Geschäftsführung und der Eigentümerin, der Diözese Regensburg. Bei der Pressekonferenz zur Jahresbilanz […]

Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Kirchen-Brauerei?

„Wenn sich heute unter ganz anderen politischen und ökonomischen Bedingungen ein so profanes Unternehmen wie eine Bierbrauerei im Besitz einer Diözese befindet, dann stellt sich der wache Zeitgenosse die Frage nach der Rechtfertigung einer solchen Verknüpfung von Kirche und Wirtschaftsunternehmen.“ Bischof Gerhard Ludwig Müller bei einer Predigt anlässlich des 360. Jubiläums der Brauerei Bischofshof Die […]

Citymail: „Ohne Hartz IV geht es nicht“

Simon Blengl ist Familienvater. Seit gut vier Jahren arbeitet er in Regensburg beim privaten Postzusteller Citymail. Dort verdient er pro zugestellter Sendung zwischen acht und 16 Cent. Das Sortieren der Post muss er zuvor ebenfalls übernehmen – unbezahlt. Akkordarbeit am untersten Level der Lohnskala. In einem „guten Monat“ kommt Blengl auf etwa 1.100 Euro. Citymail […]

„Der Arbeitgeber wäre blöd, mehr zu bezahlen“

„Die Tätigkeit ist extrem schwierig, die Arbeitsbedingungen sind grauenhaft und die Bezahlung ist saumäßig schlecht, aber die Mittelbayerische Zeitung ist hier keine Ausnahme.“ Auch Irene Salberg von der Gewerkschaft verdi hat den offenen Brief des MZ-Zustellers Thomas Reitemeyer an MZ-Herausgeber Peter Esser gelesen.Salberg, die bei verdi für den Fachbereich Medien zuständig ist, spricht von einem […]

„Drückebergerei”: Kein Sozialplan für gekündigte Glöckl-Mitarbeiter?

„Von einer Insolvenz ist nichts bekannt”, so Richter Dr. Albert Schmidbauer, Direktor am Regensburger Arbeitsgericht. Dennoch scheint die Glöckl Fleischwaren GmbH kein Geld für einen Sozialplan übrig zu haben. 25 Mitarbeiter hatten im vergangenen September überraschend ihre Kündigung erhalten. Die GmbH sei „nicht mehr überlebensfähig” hieß es seinerzeit. Man verhandle mit einem Investor um eine […]

„Mit Wertschätzung nichts zu tun!” Zoff um Erzieherinnen-Gehälter

Bürgermeister Weber bei einem Besuch im Kindergarten. Um die Gehälter von Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen wird aktuell gestritten. Foto: Jonas Jelinski Ist der Beruf der Erzieherin eine besonders schwierige fachliche Tätigkeit? Müssen Angestellte des Sozialpädagogischen Fachdienstes Entscheidungen treffen, um eine Gefährdung des Kinderwohls vermeiden? Die Stadt Regensburg beantwortet diese Fragen de facto mit nein – um […]

Niemand muss verhungern!? Die FDP und Hartz IV

Die jüngsten Tiraden Guido Westerwelles (FDP) gegen Hartz IV-Empfänger haben den Anstoß gegeben. Am Freitag luden die Sozialen Initiativen (SI) zu einem Runden Tisch zum Thema „Hartz IV”. Auf dem Podium: der Regensburger Bundestagsabgeordnete Horst Meierhofer für die FDP, daneben Christian Dietl vom DGB, Birgit Ehrl von der ARGE und Hans-Dieter Penke vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. […]

Streik: „Die Beschäftigten sind nicht alle Oberbürgermeister”

Der Winterdienst fiel nicht aus. An den ganztägigen Warnstreiks der städtischen Beschäftigten beteiligten sich in Regensburg zwar mehrere hundert Menschen: vom städtischen Bauhof über das Stadtgartenamt und die Straßenreinigung, bis hin zu Stadttheater, Klärwerk und der allgemeinen Verwaltung. Die Beschäftigten des Wasser- und Schifffahrtsamtes legten den Schiffsverkehr auf der Donau für mehrere Stunden lahm. Schnee […]

drin