SOZIALES SCHAUFENSTER

Gesprächsrunden mit OB-Kandidaten & Co

Viel Übereinstimmung und ein Missverständnis

Ein Diskussionsabend der etwas anderen Art fand am Dienstagabend im Degginger statt. Zehn OB-Kandidaten oder deren Vertreter wagten den Dialog  mit den Bürgern. In vier Diskussionsrunden kam dabei zumindest ein kleiner Ideenaustausch zustande.

“Der Welterbetitel ist auch identitätsstiftend”, sagt SPD-Fraktionschef Klaus Rappert.

Unsicherheit – das ist wohl das anfänglich vorherrschende Gefühl bei den etwa 50 Anwesenden. Keine Stuhlreihen, die auf ein Podium ausgerichtet sind und eben auch kein Podium, auf dem die zehn geladenen OB-Kandidaten (beziehungsweise deren Vertretungen) Platz finden könnten. Am Dienstagabend im Degginger ist schon auf den ersten Blick alles ein wenig anders. Transition Town, Forum Kreativwirtschaft, Fridays for Future und die Regensburger Gemeinwohlökonomie-Gruppe haben zu einem Diskussionsabend mit Politikern und Bürgern geladen.

Vier große Tischformationen sind zurechtgerückt, Tafeln zur Mitschrift daneben platziert und einige Personen haben bereits mit einem Getränk Platz genommen. Doch als Martin Hoff von Transition Town gegen 19.15 Uhr die Veranstaltung eröffnet kehrt eine entspannte Atmosphäre ein. Hoff erklärt zunächst kurz das Procedere. In vier Runden von jeweils 20 Minuten sollen alle Interessierten mit den Kandidaten der Parteien ins Gespräch kommen können. Nach jedem Gong geht es dann – wie beim Speed-Dating – für die Politikerinnen einen Tisch weiter.

Wie schon bei einigen vergangenen Podiumsdiskussionen werden die Politiker aber zunächst einzeln von Hoff auf die Bühne geholt. Sie alle sind auf das Format gespannt und freuen sich „heute endlich auch mal zuhören zu können“, wie Benedikt Suttner (ÖDP) sagt. Die wichtigen Themen wie ein „Klimaschutz ohne wenn und aber“ (Suttner), eine nachhaltigere Stadtentwicklung und soziale Gerechtigkeit sollen heute in kleineren Runden mit den Bürgern diskutiert werden.

Die erste Runde: Verkehrswende ohne Zwang, mit Tempo-30

Für Klimaschutz sind dabei alle zehn Diskutanten. „Aber eine Verkehrswende ohne Zwang“, fordert Horst Meierhofer (FDP) und spricht sich bei seiner Vorstellung bereits dafür aus, „die optimalsten Möglichkeiten zu schaffen, sich freiwillig ohne Auto fortbewegen zu können“. In der anschließenden ersten Gesprächsrunde sitzen Meierhofer und Suttner an einem gemeinsamen Tisch, während Astrid Freudenstein (CSU) und Ingo Frank (DIE PARTEI) nebenan mit Wählern ins Gespräch kommen wollen. Der FDP-Politiker spricht sich für weitere Tempo-30-Zonen um die Altstadt herum und gegen eine dritte Röhre am Pfaffensteiner Tunnel aus und ist damit durchaus auf ÖDP-Kurs.

Auf Tafeln werden die wichtigsten Diskussionspunkte und Vorschläge festgehalten.

Das kommt gut an. Doch seien es oftmals nur kleine Bausteine, die die Politik anpacke, wie ein Mann meint. „Die Politik muss jetzt größer denken, denn der Klimawandel wird uns enorm viel kosten, wenn wir nicht Handeln.“ Um all das schaffen zu können, braucht es laut Meierhofer aber einen Einklang von „qualitativem Wachstum und Nachhaltigkeit“. Das dürfe kein Widerspruch sein, befindet er. Ebenso dürfe das Auto auch nicht gegen alle anderen Verkehrsteilnehmer ausgespielt werden. „Ich bin dafür, Autos weiter aus der Stadt zu bekommen. Doch erst wenn wir ein funktionierendes Park-and-Ride-System geschaffen haben, können wir darüber reden die kostenlose Stunde in den Parkhäusern abzuschaffen.“

Der ÖDP geht das jedoch alles zu langsam. „Das Parken muss endlich teurer werden als der RVV“, stellt Suttner klar. Nur dann würden mehr Menschen auf das Auto verzichten wollen. Wirtschaftswachstum ist aus Sicht der ÖDP zudem nicht mehr das Maß, nach der eine Gesellschaft streben sollte.

“Überall grün, nur nicht im  Stadtrat”

Dann erklingt der Gong, Musik läuft leise im Hintergrund und die erste Runde ist beendet. Während sich einige ein weiteres Getränk an der Bar holen, bereden sich schon die ersten darüber, was sie von diesem Konzept halten. Die Rückmeldung ist auch unter den OB-Kandidaten durchaus positiv. Es beginnt die nächste Runde.

Eine Koalition der “extremen Mitte”? Ingo Frank (DIE PARTEI) und Silvia Gross (Freie Wähler). Foto: Bothner

Stefan Christoph von den Grünen und Silvia Gross, die Ludwig Artinger für die Freien Wähler vertritt, sitzen neben Ingo Frank, der die „PARTEI der extremen Mitte“ repräsentiert, an einem gemeinsamen Tisch. Etwas weiter ist Klaus Rappert – er vertritt Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer – bereits in ein intensives Gespräch mit einem Bürger vertieft.

Für Frank steht fest: „Wir wollen überall grün, nur nicht im Stadtrat.“ Gefragt wurde kurz zuvor, wie die Parteien die steinerne Stadt grüner und damit klimaverträglicher gestalten wollen. Öffentliche Trinkbrunnen, wie von Gross vorgeschlagen, können sich grundsätzlich alle vorstellen. Doch brauche es laut Christoph auch „grüne Orte der Begegnung.“ Leider stelle die Altstadt hier besondere Anforderungen. „Der Denkmalschutz macht es schwer, Fassaden zu begrünen und Bäume zu pflanzen“, erklärt Christoph. Der Vorschlag eines Anwesenden, „man könnte doch mit begrünten künstlerischen Skulpturen und Elementen arbeiten“, wird von den drei Kandidaten sehr positiv aufgenommenen.

“Einfach mal zu hören können.” (Benedikt Suttner)

Nach 20 Minuten erklingt wieder der Gong und die zweite Runde ist beendet. Manche nutzen die Zeit für eine schnelle Zigarette und andere sprechen über die „angenehme Atmosphäre“.

Freudenstein wird auf den  Zahn gefühlt

Dann sitzen sich Irmgard Freihoffer (Linke) und Astrid Freudenstein (CSU) gegenüber, flankiert von Ingo Frank. Die studierte Medienwissenschaftlerin Freudenstein, die, wie sie sagt, aus der Kultur- und Sozialpolitik kommt, hatte sich in einer vorherigen Runde bereits für einen kostenlosen ÖPNV ausgesprochen, was von allen positiv gesehen wird. Leo von Fridays for Future wittert hier allerdings ein Plagiat. „Ich bin mir nicht sicher, ob die CSU nicht bei den Grünen abgeschrieben hat“, äußert er sich daher am Ende des Abends in einer Abschlussrunde. „Ich weiß gar nicht, ob die Grünen das so fordern“, widerspricht die CSU-Politikerin und ergänzt dann noch schmunzelnd: „Das habe ich vom CSU-regierten Augsburg übernommen.“

Astrid Freudenstein amüsiert sich über einen Bierdeckel der Partei DIE PARTEI.

In der dritten Diskussionsrunde selbst geht es unter anderem um die Vergabepraxis in den Kommunen. Dabei stellt sich für eine der Teilnehmerinnen die Frage: „Warum setzt die Stadt hier nicht mehr auf gemeinwohlorientierte Unternehmen?“ Sowohl Freudenstein als auch Freihoffer sind sich einig, dass mehr getan werden müsste. „Es müssen jedoch die geltenden Gesetze angepasst und den Kommunen mehr Spielräume gewährt werden“, sagt Freudenstein. Das sei Aufgabe der EU. Ein anderer Teilnehmer nimmt daraufhin die Bundestagsabgeordnete direkt in die Verantwortung. „Warum speisen Sie das dann nicht über den Bundestag in die EU ein? Sie sitzen doch an einer viel wirkungsvolleren Position.“ Keine Widerworte.

Rappert und Thurow: Keine Freunde fürs Leben

Ein Aspekt, der an diesem Abend stets präsent ist, ist die soziale Gerechtigkeit. Auch die Brücke, vertreten durch Thomas Thurow, setzt im Wahlkampf auf dieses Thema. Denn „nur dann können alle anderen Themen wie Umweltschutz und Verkehrswende überhaupt klappen.“ Doch konkreter werden die Kandidaten an diesem Punkt nicht.

Gut vorstellen kann sich Thurow, ebenso wie dessen ehemaliger Parteikollege Klaus Rappert (SPD), in der Stadt Wasserläufe wie den Vitusbach wieder an die Oberfläche zu holen. „Wir wollen Wasser wieder erlebbar machen.“ Hier habe die Brücke bei der SPD abgeschrieben, meint Rappert. „Wir waren einfach schneller“, entgegnet Thurow, der in der gemeinsamen Gesprächsrunde mit Rappert nur schwer zu Wort kommt. Es ist durchaus ein angespanntes Verhältnis zwischen den beiden zu spüren.

“Eine rein politische Affäre”

Einen interessanten Punkt haben sich die Veranstalter dann für den Schluss des Abends aufgehoben. „Wie ein Regensburger Medium (es geht um regensburg-digital, Anm. d. Red.) in mehreren Artikeln (hier, hier und hier) mittlerweile aufgegriffen hat, scheint es aktuell Unklarheit darüber zu geben, wie es zwischen der Stadt und Transparency International steht“, erklärt Hoff. Die Organisation wendet sich gegen Korruption und bietet Kommunen Hilfe zur Prävention an.

Für Rappert habe die Presse allerdings etwas missverstanden. „So lange die juristische Aufarbeitung dauert, müssen wir hier noch warten.“ Das Interesse an einer Zusammenarbeit sei nach wie vor gegeben. „Eine rein politische Affäre“ ist das Ganze aus Sicht der CSU-Kandidatin Freudenstein und für Freihoffer ist es “nicht damit getan, Wolbergs medial hinzurichten“. Die Brücke, betont Thurow zum Schluss, habe aus 2014 gelernt. „Wir stehen für Transparenz.“

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Kommentare (20)

  • Mr. T.

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    „So lange die juristische Aufarbeitung dauert, müssen wir hier noch warten.“
    Bullshit, oder? Das sind doch zwei paar Schuhe. Transparaenz muss sobald wie möglich in die Stadt hinein! Das wäre die Versorge. Das nächste wäre die Aufarbeitung. Und da könnte auch die Stadt ihre eigene Aufarbeitung vorantreiben – genauso wie die Staatsanwaltschaft die juristische.
    Aber so will man erst mal die Wahl abwarten, um das nicht zum Thema zu machen Und dann abwarten was rauskommt. Danach kann man dann je nach Gerichtsurteil nur das maximal notwendige machen. Das stinkt!

  • R.G.

    |

    “„So lange die juristische Aufarbeitung dauert, müssen wir hier noch warten.“

    Wenn der Pharao Schnupfen hat, müssen alle Gespräche im ganzen Land eingestellt werden?
    Gibt es irgendwo in Regensburg ein Wurmloch in die Zeit vor unserer Zeitrechnung?

    Richtig ist, die Welt muss sich weiterdrehen dürfen, während vor Gericht mit einem suspenierten Oberbürgermeister einer Provinzkleingroßstadt konkrete Fragen geklärt werden, die seine Dienstführung in der Vergangenheit betreffen.

    Richtlinien FÜR ALLE, wie man Korruption, Bestechung verhindern und vermindern kann, sind schon lange überfällig und selbstredend sofort nötig, faule Ausreden, weshalb man eine transparentere, durchschaubarere Stadtverwaltung noch immer nicht wolle, Aufschieberitis, werden von den Bürgern als solche registriert.

    Schiebt Wolbergs nicht die Schuld dafür in die Schuhe, dass IHR jetzt immer noch nichts (wann denn, am Sanktnimmerleinstag?) für korruptionsarme / korruptionsärmere Bedingungen tun wollt. Er hat sich für SEINE möglichen Handlungen zu verantworten, nicht für EURE NICHTHANDLUNGEN!

  • Falsche Richtung

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    „Der ÖDP geht das jedoch alles zu langsam. „Das Parken muss endlich teurer werden als der RVV“, stellt Suttner klar“

    Nee, anders rum – der RVV muss billiger werden als das Parken.

  • altstadtkid

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    Vor allem nachdem das Kurzstreckenticket für 1,10 beim RVV zu Jahresbeginn abgeschafft wurde, das kostet jetzt 3,00. Es gibt noch eine Alternative für 2,50, hab aber den Namen vergessen.
    Preissteigerung über 100% :o(

  • Giesinger

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    Zitat vom Zitat:
    „So lange die juristische Aufarbeitung dauert, müssen wir hier noch warten.“
    Bullshit, oder?
    —————-
    Zwischendurch gebe ich Ihnen mal wieder Recht, @Mr.T.

    Meine erste Empfehlung zum Thema Bullshit:

    ISBN 97835 18 464 908
    Kostet auch nur € 5.-
    Ist von Harry G.Frankfurt.

    Jetzt noch meine Meinung:
    Auch studierte, vermutlich eigentlich gscheide Leute wollen es sich offenbar einfach machen und wollen Politiker werden?!?

    Gähn..!!!

  • Peter Kern

    |

    RVV: Ich war auch entsetzt, als ich feststellen musste, dass es das Altstadtticket nicht mehr gibt. Trotz RVV-App gab es keine Infos darüber. Da stand ich blöd an der Bushaltestelle, verkniff mir die überteuerte Fahrt und und fuhr Auto. Ich bin keine hippen 20 oder 30 mehr, wo alles noch ein Abenteuer ist. Bus fahren ist kein Vergnügen, umständlich und dauert mit den Laufwegen dazu einfach viel zu lang. Normalerweise fahr ich Rad. Manchmal geht das nicht, aus unterschiedlichsten Gründen. Der Bus ist dann das letzte, woran ich denke, um irgendwohin zu kommen.

    Und liebe Politiker: Teures Parken ist nicht die Lösung. Da macht ihr es euch mal wieder zu einfach. Es gibt Menschen, die müssen mit dem Auto in die Stadt, weil sie z.B. älter sind, schlecht gehen können etc.

    Der RVV-Hype ist ja ganz lustig. Aber er kann auch nur einem Teil der Menschen weiterhelfen, es werden niemals 100% im Bus sitzen.
    Und die Preisgestaltung derzeit ist aus meiner Sicht ein Skandal erster Güte. Preise runter ist die richtige Maßnahme, um eine Busfahrt attraktiver zu machen, und zwar nicht um 10%, sondern mindestens um die Hälfte.
    Und Parkplätze braucht es auch, und zwar preiswerte. Sonst fahr ich gleich nach Neutraubling zum Einkaufen.

  • Julian86

    |

    Zur Aussage Meierhofers “Nachhaltigkeit und Wachstum”

    Hier erkennt man die Technikgläubigkeit der FDP, die über das komplexe Ganze hinwegsehen will. Da die ökologischen Grenzen der Belastbarkeit bereits erreicht/überschritten sind, sollte sich auch die lokale Politik – wie Suttner, ÖDP – mit der Renaissance der Wachstumskritik konkret im Rahmen der Stadtentwicklung auseinandersetzen.

    Sehr aufschlussreich, ein konkreter Überblick
    “Nachhaltiges Wachstum” oder “Postwachstumsgesellschaft”?
    Bund demokratischer Wissenschaftler/Innen
    https://www.bdwi.de/forum/archiv/themen/oekologie/6029226.html

  • hihghwayfloh

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    @Falsche Richtung & @altstadtkid:

    Ja, das bisherige Innenstadt-Ticket wurde vom RVV abgeschafft, dafür kann man alternativ (via Streifenkarte) die Kurzstreckenvariante nehmen (3 Haltestellen ab Einstieg) und muss dafür nur einen Streifen Abstempeln. Oder man wählt eben die normale Variante und stempelt 2 Streifen wenn man weiter fahren möchte. Rechnet man das auf 5 Fahrten um (Streifenkarte im Vorverkauf kostet 10 Euro im Bus 12 Euro) rentiert es sich schon.

    Ich hoffe dass ich mit dieser Information weiterhelfen konnte.

  • highwayfloh

    |

    Und noch eine Ergänzung:

    Wer regelmäßig Bus fahren möchte / muss, dies auch vor 9 Uhr kann ja mal das Monats- bzw. Jahresabo in Betracht ziehen. Bei letzterem kann man zwölf Monate fahren, muss aber neuerdings nur für 9 Monate bezahlen, dies auch nicht auf einmal sondern in entsprechenden Monatsraten.

    Hier mal die Webseite zum Tarifangebot des RVV mit Tariffinder:

    https://www.rvv.de/Tarife.n7.html

  • highayfloh

    |

    @Peter Kern,

    es tut mir leid Ihnen sagen zu müssen, dass Sie – wie auch alle anderen, welche den “kostenfreien” ÖPNV fordern, einem Irrtum unterliegen und einem Trugschluss aufsitzen.

    Fakt ist, dass der ÖPNV in Regensburg in Vergleich zu anderen Regionen und Städten in Deutschland und auch im internationalen Vergleich durchaus günstig ist. Man darf nämlich nicht vergessen, dass längst nicht alle tatsächlich anfallenden Kosten auf den Ticketpreis umgelegt werden, sondern auch noch mittels Steuergeldern subventioniert wird.

    Da komme ich gleich zu einem wichtigen Punkt:

    Jeder, der selbst bei den Gemeindetickets schwarz fährt (respektive generell schwarz fährt) schädigt somit die ehrlichen Fahrgäste zweimal! Die zahlen Ihren Fahrpreis und zusätzlich werden die dadurch entstehenden Verluste über erhöhte Zuzahlungen aus dem allgemeinem Steueraufkommen aufgefangen. Gleiches gilt für Vandalismus-Schäden etc. Es braucht sich dann auch keiner beschweren, wenn es dann langfristig eine Fahrpreisanpassung gibt.

    Auch wir Busfahrer, das Reinigungspersonal, die Mechaniker, die dahinterstehende Verwaltung, die Busunternehmen arbeiten nicht für “lau”, geschweige denn, dass man einen Bus “geschenkt” bekommt, sowie den Sprit, die notwendigen Versicherungen (auch die für die Fahrgäste) etc. etc. .

    Echter kostenloser ÖPNV würde dann nämlich bedeuten, dass all dies, was im Hintergrund mit dran hängt, ebenso für “lau” erfolgen muss, doch wovon sollen alle daran beteiligten dann leben? Dies kann in logischer Konsequenz nur bedeuten, dass die Lebenskosten (auch die individuellen Lebensgestaltungswünsche) der Beteiligten, dann eben von der Allgemeinheit zu tragen wären. In Folge müssten wahrscheinlich diverse Steuern erhöht bzw. neue Steuern eingeführt werden.

    Von daher ist es Irrglaube anzunehmen, dass es “kostenlosen / kostenfreien ÖPNV” geben kann und geben wird. Das was es nämlich ist, ist, dass man die kosten dann nicht mehr direkt und anteilig zu spüren bekommt, eben über den Fahrpreis, sondern dann indirekt über andere Methoden herangezogen wird, damit die Kosten gedeckt werden können.

    Noch ein paar Punkte der mir tagtäglich sauer aufstößt, wenn viele über den RVV und den damit verbundenen Beschäftigten schimpfen:

    Mit welchem Recht missbrauchen viele Fahrgäste den Bus als Schnell-Restaurant und persönlichen Abfalleimer? Kann sich niemand vorstellen, wie “toll” es ist, wenn man gebrauchte Taschentücher, Essensreste etc. etc. mühsahm zwischen der Bestuhlung hervorholen muss, damit sich auch die nächsten Fahrgäste wohlfühlen und ebenso einen zumindest besenreinen Bus vorfinden? Dafür geht so manche wohlverdiente Pause drauf und das wird uns Busfahrern (weibliche Kolleginnen eingeschlossen) NICHT bezahlt!

    Genauso verhält es sich mit Vandalismus-Schäden? Wieso hat keiner mehr Achtung vor fremden Eigentum und behandelt es entsprechend sorgfältig und pfleglich? Nein, stattdessen wird geschimpft: “Mit welch dreckigen und kaputten Bussen immer gefahren wird!”

    Ja glaubt den wirklich jemand Ernsthaft, dass wir Busfahrer und die Busunternehmer die Busse vermüllen und kaputt machen, damit wir Euch ärgern können?

    Genauso will niemand begreifen, dass es eben Verkehrsbedingt oder wie auch immer auch zu Verspätungen kommen kann. Wenn eine Linie dann einen 10 Minuten Takt hat, und man eine Haltestelle kommt, und zusieht, dass man gleich wieder weg kommt, weil man die Verspätung wieder einigermaßen aufholen möchte und der nachfolgende Kollege / die nachfolgende Kollegin im Nacken sitzt, dann wird fälschlicherweise postuliert, dass man 2 Minuten zu früh losgefahren sei, obwohl man 8 Minuten Verspätung in Wahrheit hat. Es macht sich leider keiner mehr die Mühe, Fahrpläne mal im Zusammenhang zu lesen und auch zu verstehen.

    Und von daher kann ich das pauschale Geschimpfe auf den ÖNPV nicht nachvollziehen.

  • highwayfloh

    |

    Noch was zu diesem Thema:

    Was ebenso oftmals Missverstanden wird:

    Wenn man als Busfahrer/in zuweilen etwas “unwirsch” reagiert, ist es der konkreten Siutaiton geschuldet, weil man wirklich nicht Zeit hat sich auf längere Diskussionen einuzlassen. Darüber hinaus – für mein Dafürhalten zu wenig bekanntgemacht:

    Es gelten Beförderungsbestimmungen und jeder Fahrgast der einen Bus betritt, sich im Vorverkauf eine Fahrkarte erworben hat oder eine solche im Bus erwirbt, geht einen Beföderungsvertrag mit den entsprechend gültigen Bestimmungen ein, auch mit dem Betreten eines Busses und allerspätensens mit dem Erwerb der Fahrkarte im Bus.

    Und unanbhängig der Lackierung… und ob “im Auftrag” “RVV ” “SMO” gefahren wird, ist an jedem Bus der Eigentümer genannt und dieser hat, kann und darf eigene Beförderungsbestimmungen erlassen. Diese dürfen jedoch nicht schlechter sein, als es die Gesetzeslage zugrundelegt. Das ist aber kein Freibief für alle Fahrgäste!

    “SMO” “das-stadwerk-mobilität” hat für sich entschieden, dass in deren Bussen bezüglich des Konsums von Nahrungsmitteln und damit einhergender Verschmutzung der Betriebsmittel (Busse) “Narrenfreiheit” herrscht. OK, deren Entscheidung.

    Das Problem:

    Die Subunternehmer, welche im Auftrag die gleichen Linien zuweilen Bedienen, haben damit sozuagen die “Arschkarte” gezogen… weil es dann eigentlich unnötige Diskussionen gibt… , warum in “unseren” Bussen, es eben NICHT aktzepiert wird usw. usf.

    Und genau an diesem Punkt ist auch der Fahrgast selbstverpflichtet, sich entsprechend zu informieren und zwar eigenständig! Komischwerweise sind alle fähig sich den günstigsten Handy-Tarif-Vertrag zu holen, aber in Punkten auf die es wirklich ankommt, da ist es nicht der Fall, und das finde ich äusserst traurig und erbärmlich!

    Zum Abschluss möchte ich aber eines ausdrücklich betonen und klarstellen:

    Busfahrer zu sein heisst für mich persönlich in erster Linie, dass ich der Schutzengel meiner Fahrgäste bin.

    Dies kann ich aber nur dann sein, wenn mir wiederum von Seiten der Fahrgästen die Flügel NICHT(!) von vornherein gebrochen werden!

    Es geht NICHT darum, ein Feindbild aufzubauen, ganz im Gegenteil…!

  • Peter Kern

    |

    @ highwayfloh

    “@Peter Kern,
    es tut mir leid Ihnen sagen zu müssen, dass Sie – wie auch alle anderen, welche den „kostenfreien“ ÖPNV fordern, einem Irrtum unterliegen und einem Trugschluss aufsitzen.”

    Hallo highwayfloh,

    ihre Argumente verstehe ich alle. Ganz anschließen kann ich mich deshalb aber noch nicht.
    Ich habe keinen kostenfreien ÖPNV gefordert, sondern eine Halbierung der Preise. Vielleicht fahren dann ja doppelt so viele Leute wie heute, und die Busse wären besser ausgelastet??
    Damit erst wäre ja der ökologische Zweck erfüllt!

    Und zu den Preisen: Wenn ich 5 Euro für drei Kilometer zahlen muss, um einmal in die Stadt und zurück zu kommen, sorry, so viel Geld will ich nicht ausgeben für ein unbequemes Verkehrsmittel, dem ich ständig hinterher rennen muss.
    Die Kostenstruktutur dahinter ist mir als Kunde völlig egal. Ich rechne ja auch nicht nach, was der Hopfenbauer verdient, wenn ich ein Bier trinke (was im übrigen auch zu wenig ist).

    Die Themen Schmutz, Vandalismus, Pöbeln sind auch in meinen Augen ein großes Ärgernis, gehören aber hier nicht her.

    Dass der RVV Planänderungen, Kostenänderungen nicht rechtzeigtig bekanntgibt, ist in meinen Augen auch extremst schwach. Platz wäre genug, in jedem Bus, an jeder Haltestelle könnten Infoplakate aufgehängt werden. Aber dafür reicht es in den Chefetagen dort auch nicht.

    Schöne Grüße!

  • highwayfloh

    |

    @Peter Kern:

    Sie rechnen falsch! Lesen Sie bitte dies bezüglich auch meine anderen Kommentare durch und nutzen Sie den von mir verlinkten Tarif-Finder. Darüber können Sie sich, das für Sie am günstigsten zu erwerbende Ticket erfahren. Ihre Aussage, dass Sie für 3 km 5 Euro zahlen müssen ist schlichtweg falsch!

  • Mr. T.

    |

    Kostenfreier oder deutlich günstigerer ÖPNV bedeutet ja nicht, dass dann alle dort für lau arbeiten müssen, sondern dass einfach nur die Subventionen für den ÖPNV steigen müssen. Bezahlt werden sollen die Busfahrer und alle anderen, die dafür sorgen, dass es läuft, natürlich angemessen. Es muss halt so günstig sein, dass kaum jemand mehr überlegt, vielleicht doch lieber das Auto zu nehmen weils auch nicht viel mehr kostet, aber flexibler ist.

  • highwayfloh

    |

    @Mr.T.:

    Das Problem an der ganzen Geschichte ist aber dies:

    Diejenigen die einen “billigen / kostengünstigen / kostenfreien” ÖPNV fordern vergessen eben, dass sie dann ebenso (eventuell sogar _MEHR_ als jetzt) für den ÖPNV behzahlen werden und müssen! Denn das Geld, welches der ÖPNV benötigt, _WIRD_ reingeholt… dann eben indirekt, über Steuern… dann werden eben die UST oder sonstige Steuern um ein paar Prozentpunkte mal wieder erhöht. Es _IST_ eben der damit einhergehende IRRTUM zu glauben, das, was man nicht direkt spürt, nicht mehr vorhanden ist.

  • highwayfloh

    |

    @Mr.T.:

    Natürlich nutze ich um den Dienst anzutreten, ebenso mein Privat-Auto.

    Aber:

    Wer mal ehrlich sämtliche Kosten für die Nutzung des privaten PKWs – insbesondere bei Kurzstrecken – ehrlich und gesamtumfänglich aus- und umrechnet, der wird erkennen, dass sich der ÖPNV doch als Alternative anbietet.

    Gut, natürlich gibt es diverse Dinge, die man persönlich dann einbeziehen muss:

    Der ÖPNV ist:

    – fahrplangebunden
    – Vorgaben- und streckenabhängig
    – kann NICHT individuell nach jeweiligen persönlichen Bedürfnissen fahren.

    Dem ist entgegenzuhalten:

    Wer sich mal mit dem Streckennetzplan wirklich beschäftigt und sagt:

    Ich habe Standort A und möchte zum Standort B… der sollte sich aber nicht nur auf die
    Linie konzentrieren, welche durchgehend fährt, sondern eben auch in Betracht ziehen,
    dass eventuelle Verspätungen, dann eben auch durch Eigen-Initative aufgefangen werden können… .

    Z.B. wenn jemand lammentiert, dass die 17 stadteinwärts NICHT mehr über die Thundorfer zum Fischmarkt-Arnulfsplatz usw. fährt und derjenige schon in Oppersdorf eingestiegen ist…. . Der Fahrpreis ist der gleiche … also warum nicht in Stadt-am-Hof aussteigen, über die Steinerne gehen und von dort aus zum Fischmarkt und dann den Bus zum Arnulfs- / Bismarckpalatz / Justitzgebäude erwischen und nutzen OHNE zustätzlich was dafür bezahlen zu müssen?

    Nein! “Meine Linie hat und MUSS(!) mich dahin bringen, wo ich grade persönlich hin will und das innerhalb meiner Zeitplanung!” Das ist der Anspruch, den viele heute hegen, aber genau das ist der ÖPNV NICHT und kann es aus nicht leisten! ÖPNV ist dafür da eine Grundversorgung zu bieten, wobei sich die Nutzer auch selbst einbringen müssen um das für sie persönlich Optimale erreichen zu können.

  • Peter Kern

    |

    @highwayfloh:

    Ein Einzelticket kostet 2,50 Euro (auch nur, wenn ich nicht die RVV-App nutze, dann sind es nämlich 3 Euro!).
    Einmal hin und einmal her macht zusammen 5,00 Euro.
    Natürlich kann man irgendwelche Streifensachen kaufen, will ich aber nicht. Ich hab keinen Bock auf diese miesen Tricksereien von Bus und Bahn und Post und sonstigen Rabattschönrechnereien.

    Und so komme ich sogar für 2 km hin und her auf 5,00 Euro.

    Nix für ungut, diskutieren in einem Forum ist schwierig und umständlich, aber falsches Rechnen lasse ich mir als 5er-Schüler in Mathe nicht vorwerfen. :-)

    Nix für ungut.
    Und: der RVV bleibt für mich die letzte Transport-Möglichkeit, auch wenn Sie mit Sicherheit ein sehr freundlicher und zugänglicher Mensch sind (das meine ich ehrlich).

  • highwayfloh

    |

    @Peter Kern:

    Entweder sind Sie nicht willens oder vehememnt dagegen, die Informatorionen zu nutzen, welche ich gebe! Ich habe Ihnen jetzt _mehrfach_ ans Herz gelegt, den persönliichen Tarif-Finder zu nutzen und diesen auch verlinkt! Mehrfach habe ich auch darauf hin gewiesen, dass die Nutzung des Streifentickets deutlich billiger ist, als ein Einzelticket zu nutzen … dies Erfsahrungsgemäß in 85% der Fälle. Wollen oder können Sie diese Hinweise nicht vcerstehen oder nutzen?

  • highwayfloh

    |

    @all / alle :

    Nein, es besteht KEINE “mundgerechte, verdauungsgerechte Servierpflicht” seitens des ÖPNV… es besteht vielmehr eine eigenständige Informationspflicht der Fahrgäste für sich selbst! Wer dies NICHT tut, braucht auch hinterher nicht lammentieren, wenn er / sie / divers auf die Nase fällt!

  • R.G.

    |

    @highwayfloh.
    Sie argumentieren logisch, nur auf das erste Argument Kosten hin.
    @Peter Kern
    sagt aber, er hat keine Lust auf Streifentricksereien.
    Damit drückt er eben schon ein zweites Bedürfnis aus, Tarife sollen so einfach gestaltet sein, dass man nicht lauern mus, wo man (womöglich bei Regen oder Hitze) mit Gepäck aus- und umsteigen und neu warten und wieder einsteigen muss, um sein Ziel halbwegs gleich günstig wie bisher zu erreichen.

    Der Öffentliche Verkehr sollte schon den Vorteil bieten wollen, Kunden mit Sack und Pack, möglichst ohne unnötiges Umsteigen aus Kostengründen, an ihre Zielhaltestelle bringen zu wollen.

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