SOZIALES SCHAUFENSTER

Planungen für Prinz-Leopold-Kaserne

Vorzeigeviertel mit vielen Unwägbarkeiten

Die Planungen für die ehemalige Prinz-Leopold-Kaserne werden konkreter. Bis Ende 2024 müssen die ersten 368 Wohnungen stehen, damit die Stadt nicht Gefahr läuft, auf den günstigen Kaufpreis noch ein paar Millionen drauflegen zu müssen. Ein Großteil der positiv klingenden Planungen ist allerdings nach wie vor im Schwange.

„Ein Innovationsquartier für grünes, soziales und innovatives Leben und Arbeiten“ sollen die Prinz-Leopold- und Pionierkaserne im Stadtosten von Regensburg werden. Foto: Bilddokumentation Stadt Regensburg

Die Uhr tickt für die Prinz-Leopold-Kaserne. 2019 hat die Stadt Regensburg das Areal vom Bund erworben – zum Vorzugspreis. Doch bis Ende 2024 müssen die ersten 368 öffentlich geförderten Wohnung stehen, sonst könnten Nachzahlungen im Millionenbereich fällig werden. Insgesamt 580 Wohnungen sollen es im ersten Bauabschnitt werden – mit Größen zwischen 40 und 110 Quadratmetern. Errichten soll sie die Stadtbau GmbH, 100prozentige städtische Tochter. Und derzeit sei man zeitlich „im Soll“, sagt Geschäftsführer Götz Keßler am Freitag im Planungsausschuss des Regensburger Stadtrats.

Die Stadt hat sich viel vorgenommen für das neue Viertel im Osten von Regensburg (unser Bericht). Energieautark, grün und bezahlbar soll es werden, durchschnittlich vier bis fünf Geschosse hoch, sechs bis sieben an ein paar dominanten Stellen – mit gewerblichen, gastronomischen und kulturellen (Zwischen)nutzungen im Erdgeschoss. „Wir wollen hier ein Stück Stadt bauen“, lautet der Plan von Architekt Robert Neuberger, der das Projekt für die Stadtbau betreut.

Photovoltaik und Power to X

Viel Zeit hat man sich Neuberger zufolge für die Planung der Dachflächen genommen. Keßler spricht von Kraftwerksdächern, die langfristig dafür sorgen sollen, dass allenfalls in Ausnahmefällen Energie von außen ins Viertel fließt. Durch Überstände und Pergolaaufbauten sollen 110 Prozent der Fläche für Photovoltaik nutzbar gemacht werden – überschüssige Energie im Sommer soll durch Power to X zunächst in Form von Methan, langfristig Wasserstoff, gespeichert werden und auch im Winter über ein Nahwärmenetz dafür sorgen, dass das Viertel energieautark bleibt.

Das Vorgehen der Stadt ist in mehrfacher Hinsicht ein Novum, wenn man die „Quartiere“ betrachtet, die in den letzten Jahren im Stadtgebiet entstanden sind. Zum einen ist der Anteil an öffentlich gefördertem Wohnraum mit gut 60 Prozent beispiellos hoch. Zum anderen unterscheidet sich die städtische Gestaltung – mit verschiedensten Nutzungen im Erdgeschoss – deutlich von Planungen wie etwa dem Marina-Quartier, das eher ein Schlaf- und Wohnquartier ohne nennenswerte gewerbliche und kulturelle Infrastruktur geworden ist. Die geplante eigenständige und klimaneutrale Energieversorgung schließlich hält, was für das Nibelungenareal nur versprochen, aber am Ende nicht umgesetzt wurde.

Stadtteilhaus – bislang nix Konkretes

Im Zentrum des Viertels soll es einen fünf Hektar großen Park geben – mit Anschluss an den Ostpark im Westen und an eine mögliche Unterführung zum Pürkelgut im Osten. Allerdings geht es dabei, wie beim Verkehrskonzept immer wieder auch um Flächen, die sich derzeit nicht im Eigentum der Stadt befinden. Ähnlich ist es mit dem geplanten und am Freitag erwähnten Stadtteilhaus – mit Bibliothek, VHS, Räumen für Vereine und verschiedenen anderen soziokulturellen Nutzungen, heißt es. Die Planungen dafür stecken, abseits positiv klingender Formulierungen noch in den Kinderschuhen. Befürchtungen des Bürgervereins Süd-Ost, dass dadurch die Stadtteilbibliothek in der Alfons-Auer-Straße gefährdet sein könnte oder Fragen dazu, wie sich das alles auf das „Begegnungszentrum“ in der Guerickestraße auswirken wird, bleiben deshalb unbeantwortet.

Im Grunde könne man dazu nicht viel sagen, meint Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Man müsse schauen, wie groß das werden könne und was es kosten solle. „Das wird alles erst ein bisschen später kommen.“ Dass es, auch das befürchtet der Bürgerverein, ähnlich laufen könne wie beim sogenannten, aber faktisch nicht existenten „Quartierszentrum“ in der Nibelungenkaserne, weist die Oberbürgermeisterin zurück. „Dort war nie ein Stadtteilhaus geplant.“

Es dauert noch mindestens zehn Jahre

Der ursprüngliche Bebauungsplan über insgesamt 33 Hektar wurde aufgrund verschiedener Unwägbarkeiten mittlerweile in fünf Teilbereiche aufgeteilt. Die Begründungen dafür sind teils eher knapp und dürftig. Eine Rolle spielt unter anderem, dass sich mit dem Ankerzentrum in der Zeißstraße und einem Schrottplatz in der Dieselstraße beispielsweise zwei größere Gebäudekomplexe vor Ort befinden, die noch auf längere Zeit genutzt werden sollen. Ein Teil der Flächen des Bebauungsplanumgriffs gehört zudem Privatinvestoren, mit denen noch verhandelt wird, zum Beispiel dem Immobilien Zentrum Regensburg. Es fehlen noch Gutachten zu Altlasten und Naturschutz.

Insofern wird es noch weitaus länger dauern, bis das Viertel als Ganzes fertiggestellt sein wird – Bauwerber gibt es im hohen zweistelligen Bereich. Vor diesem Hintergrund ist eine der größten Herausforderungen, die für die gewünschte Energieautarkie notwendige Vernetzung über alle Teilabschnitte auch hinzubekommen. Am Freitag ist von mindestens zehn Jahren die Rede, die es noch dauern wird, bis das neue Viertel fertig ist. Wie sich die momentanen Pläne bis dahin konkret entwickeln, ist dabei vielfach noch nicht absehbar. „Es wird sich in diesem Prozess immer wieder alles Mögliche ändern“, so die Oberbürgermeisterin. Sie verspricht regelmäßige Berichte im Planungsausschuss.

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Kommentare (11)

  • Madame

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    Ich bin gespannt wer glücklicher mieter von diesen wohnungen wird? Die deutschen hocken meist in alten wohnungen…. unbezahlbar dürfen sie auch nicht sein.
    Wie es ist leute mit gute geldverhältnissen.

    . und natürlich die neuen deutschen auch. Leute mit weniger einkommen …

  • Piedro

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    Kommentar gelöscht. Das Forum moderieren wir.

  • Ute Renner

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    Ob es die Stadtbau GmbH schafft? Angeblich stehen bereits 300 Wohnungen leer, aber warum werden diese nicht belegt?

  • R.G.

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    @Ute Renner
    Leerstand nach Ableben=während der Erbregelung,
    und sanierungsbedürftige Wohnungen eingeschlossen?

    Hinterfragbar wäre, wie lange es von Ableben oder Auszug der Mieter bis Wiedervermietung dauert,
    welche Zeit davon durch rechtliche Regelungen im Bereich der Mieter blockiert ist, und ab wann die Sanierung und Wiedervermietung der Wohnung= der Vorgang in Händen der Stadtbau ist. Derzeit muss mit längeren Wartezeiten auf Handwerker gerechnet werden bzw. dass diese gar keine Lust haben, für niedrig entlohnte kommunale Aufträge zu bieten, weiters ist Baustoffmangel gegeben.
    ______________________________________________
    Apropos Baustoffmangel, Bemerkung in eigener Sache:
    Wussten Sie, dass in Gebieten, wo der Hurrikan oder Hagelunwetter wüteten, Dächer über den Winter nicht saniert werden können, weil schlicht passende Dachziegel nirgends aufgetrieben werden können?

  • Mr. B.

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    Ja, wenn man auch noch mit dem Immobilienzentrum verhandeln muss, dann kann das doch ganz schnell gehen, oder???

  • Reinhold Breuer

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    Die Wegewahl potentieller Radler ist oft weit umwegsensibler als die potentieller Autofahrer: Als Radweg akzeptiert wird eher, wo wenig Umweg ggü. Hauptstraßen nötig ist. Ein Diagonalweg auf eine Hauptkreuzung zu kann daher die Radumfahrung einer Hauptstraße attraktiver machen als insgesamt längere Rechteck-Radwege. Zwei Diagonalwege wurden hier (https://www.regensburg-digital.de/grossprojekt-soll-stadtosten-aufwerten/11082020/#comment-446101) modellhaft eingeplant für die Umfahrung eines Abschnitts der Landshuter Straße (morgens abgas- und lärmreich). Käme auf einer Radvorrangstraße (im Bsp. auf der Plato-Wild-Straße) wirksames Vorfahrtsrecht ggü. querenden Autos dazu (unterstützt durch intelligente Signaltechnik?), so könnte die Radfahrzeit bei Umfahrung klar kürzer sein als auf der Hauptstraße mit ggfs. „roter Radlwelle“ .

    Derartiges ist bei der Planung eines neuen Stadtviertels vielfach wirksamer planbar, solange weniger Gebäudestandorte und Wege festgelegt sind. Chancen für das Radwegenetz sollten daher ab ersten Entwürfen eines neuen Viertels stets Planungspflicht sein (inkl. Verlagerungspotential PKW->Rad in der Morgenspitze). Welche Radwege-Chancen für die Umgebung der Prinz-Leopold-Kaserne wurden bisher erwogen?

    Verlagerung von Fußverkehr von der Hauptstraße zur verkehrsabgewandten Seite neuer Hauptstraßen-Randbauten könnte eine weitere Aufgabe sein. Die Schauseite von Läden und Gastronomie mit Freisitzen u.ä. wäre im neuen Stadtviertel der abgas- und lärmarmen Hausseite vorbehalten.

  • joey

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    @Reinhold Breuer
    richtig.
    Aber: Schaufenster und auch Cafe Freisitze orientieren sich an der “Frequenz”, also “da wo was los ist”. Eine gelungene Fahrradstraße hat diese Frequenz, es wird aber auf “zwei Seiten” hinauslaufen. Der PKW Verkehr wird nicht verschwinden.

    Autos gezielt zu benachteiligen ist im Trend, aber trotzdem dumm. Ziel von Architektur muß sein, mit Wachstum Lösungen für alle zu finden. Gute Bike Straßen und (!) gute Anbindung für größere Fahrzeuge, z.B. auch Handwerk, Lieferungen, Entsorgung, ÖPNV, Behinderte, Senioren.
    Nicht alle können biken.

  • Claudia

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    Es ist mal wieder typisch, für ein Fleckchen Erde 1ha raufen sich in mehreren Artikel und zuletzt 40 Kommentaren plus 6 Parteien.
    https://www.regensburg-digital.de/bauerwartungs-biotop-die-fronten-bleiben/09072021/
    Für ein Vorzeigeviertel (das letzte) mit einer 25mal größeren Fläche, mit wesentlich größeren städtebaulichen und sozialen Problematik liegen nur 7 Kommentare vor. Auch kein Vertreter der Stadtratspartei und kein Naturschützer sind vor Ort und kümmern sich um den ‚Wilden Süd-Osten‘.

  • Reinhold Breuer

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    Bisher vorgelegte Pläne verbauen den diagonalen Radweg am Südende ohne Not. Wenn politischer Wille die vorgelegten Pläne modifiziert, kann noch Joeys “Lösung für alle” entstehen.

  • Heinrich

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    Man sollte noch einmal ernsthaft überlegen, ob die Kasernengebäude im Leopold-Areal wirklich abgerissen werden müssen. Andernorts in Deutschland (Münster) hat man sie erhalten. Kann es sein, dass die Bausubstanz ist besser ist, als die Verwaltung vorgibt? Ich plädierte für Umbau und Erhalt. Das würde die Fertigstellung des Viertels stark beschleunigen und den Wohnungsmarkt in Regensburg entlasten

Kommentare sind deaktiviert

drin