SOZIALES SCHAUFENSTER

Probleme mit Planer

Wöhrdbad-Sanierung: Die Kosten steigen

Die Probleme mit dem Architekturbüro, das mit den Planungen für die Sanierung des Wöhrdbads betraut war, haben Folgen. Die ursprünglich mit „rund sechs Millionen Euro“ veranschlagten Kosten werden auf knapp 7,5 Millionen steigen. Mindestens.

Im Sommer 2022 soll das Wöhrdbad wieder öffnen, verspricht das Stadtwerk. Foto: pm

Die gute Nachricht zuerst. „Trotz der umfangreichen Nacharbeiten steht außer Frage, dass das sanierte Wöhrdbad zum Start der Freibadsaison im kommenden Jahr eröffnen können wird.“ Das sagt Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk auf Nachfrage unserer Redaktion. Damit bleibt es bei der Verzögerung von einem Jahr, die im Wesentlichen durch Unstimmigkeiten mit dem planenden Architekten verursacht wurde. Gottschalk bestätigt aber auch: Entgegen erster Annahmen wird die im September 2020 begonnene Sanierung des Regensburger Kultbades teurer als geplant.

Ende August: „Kostenrahmen kann im Wesentlichen gehalten werden.“

Noch Ende August war man bei der städtischen Tochter davon ausgegangen, „dass der Kostenrahmen im Wesentlichen gehalten werden kann“. Doch wie hoch wurde dieser Kostenrahmen zu Beginn der Arbeiten veranschlagt? In öffentlichen Verlautbarungen der Stadtwerk GmbH war bislang etwas ungenau von „rund sechs Millionen Euro“ die Rede.

Etwas konkreter benannt wurde das Investitionsvolumen bei einer Sitzung des Planungsausschusses Ende Oktober 2020. Laut einer Vorlage des Sportamts ging man damals von 6,341 Millionen Euro aus. Und aktuell beziffert Gottschalk den „ursprünglich geplanten Kostenrahmen“ auf 6,75 Millionen Euro. Aktuell gehe man nun „von einer ca. zehnprozentigen Kostensteigerung aus“. Es werden also knapp 7,5 Millionen Euro werden, mit denen – die wesentlichen Maßnahmen – der Neubau eines Funktionsgebäudes und die Erneuerung der Bädertechnik zu Buche schlagen werden. Stand Oktober 2021.

„Da war die Berechnung vielleicht nicht so gut.“

„Da war die Berechnung vielleicht nicht so gut“, rechtfertigte Stadtwerk-Geschäftsführer Manfred Koller die Kostensteigerung am Rande einer Sitzung des Finanzausschusses Ende September. Es habe sich beim Wöhrdbad um einen Altbau gehandelt. „Da hat man ein bisserl Schwierigkeiten, das wirklich alles festzustellen. Da können die Kosten dann auch mal steigen“, so Koller.

Was Koller gegenüber den Stadträtinnen nicht erwähnt, aber Gottschalk gegenüber unserer Redaktion durchaus herausstellt, sind die Probleme mit dem Tiroler Architekturbüro, das für die wesentlichen Planungen verantwortlich war. Wie zunächst exklusiv von regensburg-digital Ende August berichtet, kam es Mitte Juli zum Zerwürfnis zwischen den österreichischen Planer und dem Regensburger Stadtwerk. Über die Gründe herrscht Streit zwischen den Beteiligten. Während das Architekturbüro davon spricht, dass man die Zusammenarbeit wegen ausbleibender Zahlungen beendet habe, macht das Stadtwerk „mangelhafte Leistungserbringung“ geltend, deretwegen man Gelder zurückbehalten habe.

Insider sprechen von einem „kompletten Desaster“

Insider sprachen gegenüber unserer Redaktion von einem „kompletten Desaster“, das es auf der Wöhrdbad-Baustelle gegeben habe. „Da wurden einige Leitungen komplett vergessen. Der Beton muss wieder aufgerissen werden.“ Kurzzeitig sei sogar über einen Abriss und nochmaligen Neubau nachgedacht worden, „weil das vielleicht billiger kommt als die Fehler zu beheben.“ Offiziell bestätigt werden solche Aussagen allerdings nicht.

Die Folge: Die ursprünglich bereits für den zurückliegenden Sommer geplante Eröffnung des Wöhrdbads verzögert sich um ein Jahr. Ähnlich wie bei den Kostensteigerungen und den Problemen mit dem Architekturbüro flossen die offiziellen Informationen eher häppchenweise und erst auf Nachfragen.

„Exakte Zahl kann noch nicht benannt werden.“

Stadtwerk-Sprecher Gottschalk begründet die nun eingeräumte Kostensteigerung einerseits mit gestiegenen Materialpreisen, andererseits aber auch mit den „teilweise mangelhaften Planungen“ des Tiroler Architekturbüros. Man müsse „eine Reihe von Nacharbeiten tätigen, die so nicht im ursprünglichen Plan vorgesehen waren“. Ob es tatsächlich bei der „ca. zehnprozentigen Kostensteigerung“ bleibt, ist bislang nicht absehbar. Gottschalk: „Eine exakte Zahl kann aus heutiger Sicht (…) noch nicht abschließend genannt werden.“

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Kommentare (5)

  • xy

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    Business as usual. Man nenne mir ein öffentliches Bauprojekt, das nicht wesentlich teurer wurde als geplant. Es scheint Methode zu haben, derartige Projekte zunächst mit unrealistisch knapp kalkulierten niedrigen Kosten durch die Gremien zu bringen um dann die wahren Kosten nachzuberechnen.

  • Charlotte

    |

    Es wurde bereits kommentiert, seltsamerweise wird jedes Projekt der öffentlichen Hand teurer. Solange nicht auch Politiker, Mitarbeiter der Verwaltungen oder Geschäftsleitungen von Tochtergesellschaften für Fehlentscheidungen Konsequenzen ziehen müssen (wie in der Privatwirtschaft eben auch, da müssen sich halt manche bei vergeigten Projekten einen neuen Job suchen), werden weiterhin Steuergelder verschwendet.

    Keiner kommt auf die Idee, bei ausufernden Kosten parallel Einsparungen festzulegen. Dann gibt es eben manches nicht. Aber klar, das Geld, das ausgegeben wird, muss vorher ja nicht selbst verdient werden.

  • Holger Grunwald

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    Wie kann ein Architekt Leitungen vergessen? Der gewählte Herr hatte doch sicher auch wegen seiner Erfahrung und Kompetenz im Schwimmbadbau den Zuschlag erhalten?

  • Däumling

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    @Charlotte
    Das ist einfach falsch. Nicht alle Projekte der öffentlichen Hand werden teurer, es gibt sogar Baustellen die günstiger laufen als geplant.
    Kostenmehrungen entstehen am häufigsten durch Unwägbarkeiten in der Bausache, Sanieren ist immer etwas schwerer als neu Bauen. Geld für eine ordentliche Voruntersuchung mag aber keiner ausgeben, also wirds während der Bauphase gemacht um dann fest zu stellen das man mit Änderungen reagieren muss.
    Das Leistungsprogramm zu ändern um Einsparungen vorzunehmen geht oft genug nicht weil eine Funktion festgelegt ist. Bei einem Freibad kann man halt schlecht auf Umkleiden oder das Becken verzichten…

    @ Holger Grunwald
    Der Bauherr, hier die Stadtwerke, haben ja selber eine Bauabteilung. Diese werden mit Architekten, Ingenieuren, Bautechnikern und Bauzeichnern besetzt. Ich will hier nicht den Architekten in Schutz nehmen aber Leitungen laufen bei einem Fachplaner, dem sogenannten HLS Planer. Der Architekt hat zwar die Gesamtkoordination inne aber ob er fachlich ne Ahnung von Leitungen hat wage ich dennoch zu bezweifeln.
    Warum die Bauabteilung vom Auftraggeber nicht drüber schaut und mit eigenem Sachverstand arbeitet… vielleicht waren ja alle zu sehr mit dem eigenen Neubau der Stadtwerke beschäftigt?

Kommentare sind deaktiviert

drin