Brückenstreit: Zerlegt die Koalition den Tunnel?

Ein Verfechter der Westtrasse: SPD-Fraktionschef Norbert Hartl bei einer Bürgerversammlung zum Regensburger Brückenstreit. Foto: ArchivEr hält die Tunnellösung (Nachtrag der Redaktion: als Ersatz für die Steinerne Brücke) für gefährlich. Das hat SPD-Fraktionschef Norbert Hartl durch die Mittelbayerische Zeitung der Öffentlichkeit mitteilen lassen. Einen vierseitigen Fragenkatalog an die Verwaltung hat die SPD deshalb für die nächste Sitzung des Planungsausschusses vorbereitet, um die Machbarkeitsstudie der Freien Wähler, initiiert von Stadtrat Günther Riepl, auseinander zu nehmen. Sicherheitsbedenken stehen dabei im Vordergrund: Das Seilbahnunglück in Kaprun und der Tunneleinsturz in Köln dienen Hartl als plakative Beispiele, um seine Bedenken zu untermauern. Ebenso hat Hartl die – bei den Ersatzbrücken permanent im Raum stehende – Frage nach der Durchsetzbarkeit auf den Tunnel umgemünzt: „Wer garantiert, dass Gebäude unter denen der Tunnel verläuft, nicht beschädigt werden?” Da sei mit Widerstand aus der Bevölkerung zu rechnen. Tatsächlich fällt es momentan leicht, Vorschläge von Günther Riepl in Frage zu stellen. Für den von ihm initiierten Antrag, ein 70.000 Euro günstiges Provisorium für die Protzenweiherbrücke auf den Weg zu bringen, blieb Riepl den Beweis der Machbarkeit schuldig und musste sich von Oberbürgermeister Hans Schaidinger als „Demagoge” bezeichnen lassen. Damit ist seine Glaubwürdigkeit angekratzt. Das wird auch in dem SPD-Fragenkatalog genüsslich angeführt. Was den Tunnel anbelangt, ist allerdings auch das Verhalten von Verwaltung und SPD-CSU-Koalition wenig vertrauenerweckend. Die Argumente von Riepl sind Stadtverwaltung, Parteien und Medien seit 1998 bekannt. Damals hatte Riepl diesen Vorschlag erstmals präsentiert – ohne nennenswerte Resonanz, geschweige denn ernsthafter Prüfung. Diese Prüfung durch die Stadtverwaltung ist bis heute unterblieben. Dass die Koalition sich dieser Verweigerungshaltung angeschlossen hat, weckt wenigstens Zweifel daran, dass man sich mit der Tunnellösung überhaupt ernsthaft beschäftigen will. Eines hat Riepl mit der Machbarkeitsstudie geschafft: Das Thema wird bei der nächsten Sitzung des Planungsausschusses im September diskutiert (Der Antrag der Freien Wähler). Allerdings werden die Freien Wähler in eine Verteidigungshaltung gedrängt. „Die Gutachter, die an der Machbarkeitsstudie beteiligt waren, müssen etwas zu unseren Bedenken sagen”, fordert Hartl. Der interessanteste von ihnen dürfte Professor Alfred Haack sein, der seine Unterschrift im Namen der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen (STUVA) unter die Studie gesetzt hat. Nach einer Anfrage unserer Redaktion will sich Haack im Lauf des morgigen Tages zu dem SPD-Fragenkatalog äußern.

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Kommentare (15)

  • torschtl

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    alte brücke weg – neue brücke hin – sämtliche probleme gelöst

  • Roswita Hallhuber

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    Ach torschtl…

    Du bist wohl ein Erstsemester und noch nicht lange in Regensburg.
    Leb´ Dich doch erst mal hier ein!

  • torschtl

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    Roswita, da muss ich dich leider enttäuschen. Ich bin gebürtiger Regensburger und definitiv kein Erstsemester.
    Aber erklären kann mir das sowieso keiner, warum man jetzt sone bescheurte einspurige Tunnellösung in Betracht zieht?
    Da war jahzehnte lang ne Brücke und jetzt soll da keine mehr hin? Lieber wartet man bis noch der letzte Laden in Stadtamhof zusperrt und entscheidet sich dann – mancher mags vermuten – für eine Brücke!

  • hansdampf

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    Öhm ich glaub die Steinerne Brücke einfach so wegreißen und ne neue hinpflanzen is nicht…

  • aha

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    @torschtl

    „da war jahrzehntelang eine brücke“????????

    am protzenweiher vielleicht. da soll auch wieder eine brücke hin. darum geht es auch nicht.
    der tunnel – um den es schon seit jahren geht – kommt als ersatz für die steinerne in betracht!!!

  • torschtl

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    lol. vertschuldigung… war ich wohl zu voreilig. aber ich kann mir ja auch meinen #fail eingestehen.

    ES TUT MIR LEID, LIEBE ROSWITA, asche auf mein haupt und gülle in die ohren!

    aber nich dass jetzt sympathien für mich entstehen, darum noch was abschließendes:
    Die Steinerne hat etz so lang ghalten, die schaffts nomml 1000 Jahr :P

  • Orka

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    Beri einem Tunnel hat Sicherheit oberste Priorität zu haben. Wobei es nicht nur um die objektive Sicherheit, sondern auch um die gefühlte Sicherheit geht. Und hier sehe ich das Problem, das die Planer nicht unterschätzen sollten. Es gibt Menschen, die laufen zu Fuss in den fünften Stock, weil sie es nicht aushalten in einem Aufzug. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Mitbürger auch mit einem solchen einspurigen Tunnel erhebliche Probleme haben könnten.
    Dieses psychologische Momentum muß man sehr genau beachten.

  • grace

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    Und vielleicht fällt uns ja der Himmel auf den Kopf. Was is dann mit der Brücke?

    ..die Frage auf die Wiederwahl der … umgemünzt: „Wer garantiert, dass die … wieder gewählt wird?” Da ist mglweise mit Widerstand aus der Bevölkerung zu rechnen.

    und mei, „torschtl“ hat auch nur vorgeschlagen, was andere so gern machen in Rgb:
    Abreissen, umsägen,zammhaun, umgraben..

  • grace

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    Aus der Anfrage Punkt 5.2.“Sind der Verwaltung Beispiele für eine solche Tunnellösung hinsichtlich Länge,Tunnelquerschnitt, Trassenführung und Nutzung bekannt?“
    es lohnt ein Blick in die Schweiz, u.a nach Zürich. die kriegen sowas seit Jahrzehnten ohne probleme hin. in ganz anderen technischen Dimensionen.
    Da is er schon wieder, der Tellerrand.

  • Arbeiterstimme

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    Hartl wird alt und sollte bald seinen Posten aufgeben. Er blickt einfach nicht mehr durch.Oder könnte er Brückendirektor werden können mit mtl. Salär??

  • sepp

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    @orka

    sicher sollt es schon sein das tunnel. de gefühlte sicherheit wird sicher besser, wenn ma so von kaprun und köln daherschwadroniert wia unser norbert. wenn des moi koa absicht is. wui da norbert a bissal panik macha?

  • Johannes Mühlbauer

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    Erschreckend ist doch eigentlich, dass Riepel seine Tunnel-Idee, unabhängig davon was man von dierser hält, schon 1998 vorgestellt hat und eine Prüfung durch die Stadt bis heute unterblieben ist. Ich vermute, eher aus politischem Kalkühl als von Sachverstand geleitet. Die Idee kam halt von einem aus der falschen Partei. Dass dieses Gebähren typisch für den OB ist braucht nicht erwähnt zu werden, aber dass Hartl und Wollbergs nun auch schon politische Augenklappen tragen, enttäuscht doch sehr. Von wegen Wohl der Bürger. Eine Prüfung und anschließende Abwägung hätte schon lange drin sein müssen.
    Schaidinger scheint seinen „Nachwuchs“ gut dressiert zu haben.
    Was soll nur aus unserer Stadt werden, wenn weder CSU noch SPD Politik für den Bürger machen?! Armes Regensburg: In den Fängen der Egomanen.
    Übrigens finde ich die Tunnel-Idee klasse, da diese unsere schone Stadt und die Donaus nicht so verunstaltet wie eine weitere Brücke. Ob man sich diese allerdings leisten kann und ob sie auch fachlich möglich ist, sollte mal ein unabhängiger Gutachter prüfen.

  • trojan

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    Meines wissens gab es eine Prüfung einer Tunnelidee schon vor Jahren, die Sache wurde aus Kostengründen isnbesondere wegen der Folgekosten und wegen der erheblichen Rampenbauwerke am Grieß verworfen.

    Herr Riepl wärmt hier also in jedem Sommerloch seine Idee neu auf, immer mal mit neuen Varianten.

  • bert

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    @trojan

    von der stadtverwaltung wurde eine wesentlich längere doppeltunnelvariante untersucht, nicht der riepl-vorschlag. wenn jetzt experten diesen vorschlag unterstützen, wäre eine vernünftige prüfung von der stadt angezeigt, damt die nicht unglaubwürdig wird. es gibt auch gutachten von verwaltungsleuten, die belegen, dass eine stadthalle am ernst-reuter-platz nicht geht. so viel zum aufwärmen

  • trojan

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    @ bert

    sie haben ja so recht, bloß, was für die Verwaltung gelten kann: Wer einmal flunktert dem glaubt man nicht mehr. Das, muß sich jetzt auch auf Herrn Riepl beziehen dürfen. Der Seitenhieb auf die Protezenweiher-Brückenmärchen des Herrn Riepl war schon angezeigt.

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