SOZIALES SCHAUFENSTER

Ausgelagerte Dienstleistungsgesellschaften

Zwei-Klassengesellschaft (nicht nur) an der Uniklinik

Ausgelagerte Dienstleistungsgesellschaften an Kliniken sind keine Seltenheit. Die Beschäftigten trifft das aktuell doppelt. Neben einer generell schlechteren Bezahlung gibt es für sie auch keine Corona-Boni. Am Uniklinikum, wo rund 400 Menschen über eine ausgelagerte GmbH angestellt sind, kam es deshalb am Mittwoch zu Protesten.

Sie sorgen für Sauberkeit, desinfizieren die Krankenzimmer oder fahren die Patienten. Einen Bonus gibt es bisher nicht. Foto: bm

Die Kritik ist nicht neu. Bereits vergangenen Sommer forderten die Beschäftigten der Uniklinik Regensburg (UKR) und der angegliederten Krankenhausdienstleistungsgesellschaft KDL GmbH die Zahlung der Corona-Boni für alle Beschäftigten des Krankenhauses. Auch eine solidere Personaldecke steht im Forderungskatalog. Da sich aus Sicht der Gewerkschaft ver.di bislang aber kaum etwas verändert hat, kam es am Mittwoch wieder zu Aktionen vor den Kliniken. Hintergrund war die an diesem Tag in Berlin stattfindende Konferenz der Gesundheitsminister. Am UKR beteiligten sich rund 200 Beschäftigte.

„Kein Bonus, aber Corona“

„Wir sind wichtig.“ Das ist die zentral Botschaft von Nelly Nentschuk. Sie ist Betriebsratsvorsitzende der KDL (Krankenhaus Dienstleistungsgesellschaft). Ihre Kolleginnen und Kollegen arbeiten in der Reinigung, für den Fahrdienst des Uniklinikums oder auch in der Küche. Vielfältige Aufgaben seien das, sagt Nentschuk. Ein Rad müsse da ins andere greifen. Die Beschäftigten der KDL und der Klinik seien ein Team, ergänzt Gewerkschaftssekretärin Karin Wagner. Aber es gebe „Beschäftigte erster und zweiter Klasse“. Für die KDL-Beschäftigten gilt nämlich ein anderer, schlechterer Tarifvertrag.

„Wir sind wichtig“, sagt KDL-Betriebsrätin Nelly Nentschuk. Das müsse endlich anerkannt werden. Foto: bm

Insgesamt sind rund 400 Menschen über die KDL am Uniklinikum beschäftigt. Diese wurde 2006 als ausgelagerte Dienstleistungs GmbH gegründet. Ein ähnliches Modell wie am Kreisklinikum in Wörth (unser Bericht) mit seiner DKLR GmbH. Dort sind rund 30 Beschäftigte von der Auslagerung betroffen. Sie erhalten rund 15 Prozent weniger Lohn als die Beschäftigten nach TVÖD.

Solche Ausgliederungen sind nicht selten. Und sie sind der Gewerkschaft ver.di ein Dorn im Auge. Gewerkschaftssekretärin Karin Wagner spricht in diesem Zusammenhang von einer „grundsätzlichen Fehlentwicklung“ im Gesundheitssektor. Die Ausgliederungen an zahlreichen Krankenhäusern würden mit Kostenersparnis gerechtfertigt werden. Das gehe aber zu Lasten der Menschen. So auch bei den Corona-Boni. „Wir bekommen keinen Bonus, aber Corona“, ruft ein Mann während der Kundgebung vor dem Uniklikikum.

KDL-Beschäftigte: Doppelt schlechter gestellt

Der Freistaat Bayern habe vor mittlerweile einem Jahr als erstes Bundesland 500 Euro für besondere Leistungen in Aussicht gestellt, erinnert Wagner. Die KDL-Beschäftigten gehen aber dabei leer aus. Auch zwei weitere Bonus-Zahlungen des Bundes sind laut Wagner an ihnen vorbeigezogen.

Reinigungskräfte, die direkt am UKR beschäftigt wären, hätten Boni problemlos erhalten können. Servicegesellschaften wie die KDL aber gelten als eigener Betrieb. Deshalb bleiben diese Beschäftigten außen vor. Aufgrund unklare Rechtslage befürchtete das Uniklinikum, Zuwendungen an Angestellten des Tochterunternehmens an den Bund zurückzahlen zu müssen – und zahlte deshalb keine Boni aus.

Die Beschäftigten des UKR und der KDL wollen zusammenhalten. Man sei ein Team, betont man am Mittwoch. Foto: bm

Dabei hätten gerade die KDL-Beschäftigten den Bonus gut gebrauchen können, meint Wagner. 12,63 Euro müsste der Mindestlohn sein, um später eine Rente oberhalb der Grundrente zu erhalten. Davon sei man derzeit aber noch immer ein gutes Stück entfernt. Der Bonus hätte vielen zumindest aktuell finanziell ein wenig geholfen.

Letztlich müsse es um die Wiedereingliederung solcher Gesellschaften in die Kliniken gehen. Die Krankenhausfinanzierung dürfe dem nicht im Weg stehen, fordert Wagner. „Krankenhäuser funktionieren heute wie Fabriken, sie müssen dem ökonomischen Druck standhalten und das schlägt sich nieder auf die Arbeitsbedingungen.“ Da verwundere es dann nicht, dass viele der Beschäftigten nicht mehr bis zur Rente in der Branche bleiben wollen. Das jedenfalls ergab eine bundesweite nicht representative Umfrage von ver.di unter 12.000 Mitgliedern der Branche. Die ohnehin zugespitze Personalsituation werde sich weiter vereschärfen.

Kollegen teilen ihren Corona-Bonus

Bereits vergangenen Sommer hat ver.di eine Petition mit 1.800 Unterschriften an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder übergeben. Die Forderung, Boni auch für Reinigungskräfte und andere zu zahlen, unterstützten damals schon vieleKolleginnen und Kollegen, die direkt am UKR beschäftigt sind. Auch am vergangenen Mittwoch stehen wieder viele Mitglieder des Pflege- und des medizinischen Personals an der Seite der KDL-Beschäftigten. Laut Reinhard Wiesent, Personalrat am UKR, hätten „viele Kolleginnen und Kollegen einen Teil ihres Bonus an die Mitarbeiter der KDL abgegeben“. Es sei einerseits traurig, dass das überhaupt notwendig sei, aber ein „tolles Zeichen des Miteinanders“.

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Kommentare (13)

  • Mr. B.

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    Ausgelagert! Hört sich immer “sehr menschlich” an!!!! Einfach nur Gewinnmaximierung, oder???
    Es geht um Menschen und z. B. nicht um “Bäume”!!

  • Franz

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    Ist ja bei den Barmherzigen Brüder auch so. Die Servicegesellschaft BBSG zahlt auch schlecht und den Corona Bonus gibt es auch nicht. Nur die Anforderungen werden immer mehr.
    Soviel zu Barmherzigkeit und Kirche

  • Kernel

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    So eine Frechheit und Schweinerei. Reicht doch wenn die Automobilkonzerne und Schlachtereien mit diesen Tricks arbeiten – muss es auch im Gesundheitsbereich sein?

  • Mr. B.

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    Zu Franz:
    “Barmherzigkeit und Kirche”
    Da haut es mich vom Hocker! Ganz ehrlich!

    Zu R.G.:
    Ja, da könnte sich doch auch bei uns die SPD dafür einsetzen.
    Zugleich könnten sie hier auch gleich zeigen, dass sie jetzt langsam wieder für den kleinen Mann/Frau auch da sind, wo ihre Prozentpunkte doch stetig fallen?

  • GSH

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    Die SPD als Kämpfer für Rechte von Arbeitnehmern? Da stelle ich mir doch die Frage, in welcher Regierung und zu welcher Zeit der angelsächsische Kapitalismus in Deutschland Einzug hielt? Wer war damals noch an der Regierung?

    Ja genau! Die Partie, die für die Rechte der Arbeitnehmer kämpfen wollte.

  • Realist oder Zyniker?

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    Und dann sieht man gleichzeitig, wie sich Reinigungskräfte von den Arbeitgebern überzeugen ääääh über den Tisch ziehen lassen. Die es auch überhaupt nicht nötig finden, sich gewerkschaftlich zu organisieren, die mit Arroganz und Eitelkeit davon sprechen, dass die Arbeitgeber “ja so nett” waren und eine Kritikerin in so einem Prozess regelrecht mobben, nur weil sie mal so ein wenig darauf hingewiesen hat, dass solche Auslagerungen eigentlich nur den Grund der Profitmaximierung haben. Und danach werden noch gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte von unzufriedenen aber unorganisierten dumm angemacht, als “ewige Nörgler” verschrien, gemobbt, nur weil der Arbeitgeber zum Thema gepiepst hat. Mein persönliches Gefühl: In den weniger gut bezahlten Dienstleistungsbereichen ist das Duckmäußertum durchaus verbreitet.

  • R.G.

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    @Realist oder Zyniker
    Wer stellt die Reinigungskräfte direkt ein? Macht da eine Subfirma die Vorauswahl?

  • R.G.

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    @
    Realist oder Zyniker?
    18. Juni 2021 um 09:08 | #

    Ich werde Ihnen jetzt ein Beispiel erläutern, es soll vorerst lediglich als Denkanstoß gelten und nicht gleich die konkrete Situation beschreiben.
    In einer bestimmten Phase kamen die zum Putzen bereiten Frauen zu einem Gutteil aus den Regionen etwa 200 km um Belgrad, besonders häufig um Pozarevac und Smederevo.
    Im Kommunistischen Jugoslawien war die arbeitende Frau durchaus in einer resoluten und selbstbewussten Position.
    Das änderte sich radikal, als Vorgesetzte in den deutschsprachigen Ländern ihre Idee von Balkankultur etablierten, man setzte Männer aus den Herkunftsregionen dem Gastarbeiter-Putzpersonal vor, überließ ihnen weitestgehend die Personalauswahl. Die selbstwirksame Frau aus der Zeit des Tito Kommunismus wurde für nie existent erklärt, man faselte von der Kultur des Kopftuchtragens und der willigen Unterordnung der Frauen am Balkan.
    Eine in Deutschland gegen Missstände auftretende Mitarbeiterin wurde nun zur Gefahr für zwei Systeme, den Gewinnern der Auslagerung von Dienstleistungen – einem gut bezahlten Führungspersonal – und den von ihnen ausgewählten, mit ihnen kooperierenden “Vorgesetzten” aus der angeblich so anderen Kultur.
    Kurios tragisch, wenn ein Nachkomme einer mit Kopftuch aufgetretenen Bayerischen Oma, den inzwischen zu Deutschen gewordenen Nachkommen der nicht mit Kopftuch unterwegs gewesenen Serbinnen erklärt, wie sie sich in Deutschland im Spitalsbereich zu ducken haben.
    Es wäre hilfreich, wenn man ausschließen könnte, dass es in Regensburg zu solchen doppelten Missständen kommt.

  • Gerald Gabriel

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    Herr Kielhorn…
    Das klingt schon komisch ,
    Wenn die SPD so was fordert…
    Gerade der Schröder und seine Hartz Brüder sind gewaltig am Sozialabbau beteiligt gewesen…imd ich bin stoiz darauf,
    In den letzten 20 Jahren schon viele Menschen überzeugen zu können,
    Gerade diese Partei nicht mehr zu beachten und zu wählen…und der Kampf geht weiter….

  • Mr. B.

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    Herr Kielhorn,
    Es stimmt doch, dass die SPD seit Schröder große Fehler für Arbeiter und Arbeiterinnen (manchmal kann man glauben im Auftrag von CSU/CDU und FDP) gemacht hat und längst das, für was sie mal als Partei gestanden ist, vergessen hat! Die SPD hat sich nach Schröder selbst überflüssig gemacht und auch unglaubwürdig!

  • Piedro

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    @Heinrich Kielhorn
    “Würde mich sehr wundern, wenn das nicht auf dem Schirm wäre.”
    Klar ist das auf dem Schirm. Nicht umsonst hat sich Herr Gabriel in Vaduz nen Ast gefreut, dass D-Land den größten Niedriglohnsektor Europas geschaffen hat. Mission accomplished. Ob da irgendwelche Regionalen oder Landessozen das ändern wollen ist inzwischen völlig wurscht. Alles, was die Sozialdemokratie ausgemacht hat, wurde erst von Schröder über Bord geworfen, und in den Folgejahren der CDU geopfert. So wurden aus Wählern Nicht-Wähler gemacht, von denen die Dümmsten inzwischen bei der AfD kreuzeln. Diese SPD ist nicht mal mehr so glaubwürdig wie die “Erinnerungslücken” ihres Kanzlerkandidaten. Schade um alle, die in der Basis noch immer ausharren. Mit Glück dürft ihr Juniorpartner der Grünen werden, und wenn dann die FDP im Boot ist werden die “Sozialdemokraten” dem Neoliberalismus eines Lindner die Stange halten. Sie meinen auf Landesebene etwas bewirken zu können? In Bayern? Dann wird der Amnästiepatient doch noch Kanzler.

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drin