XXXLutz holzt im Firmendickicht

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Ein verworrenes Firmendickicht (PDF) – das ist, neben der rigiden Praxis gegenüber Betriebsräten, kennzeichnend für XXXLutz. Die Möbelhäuser, die der (nach eigenen Angaben) weltweit zweitgrößte Möbelkonzern bei seiner Einkaufstour quer durch Europa aufkauft, werden systematisch in mehrere Einzelgesellschaften zerteilt. Die Konstruktion ist oft so verworren, dass der Konzern bisweilen selbst den Überblick verliert, doch dazu später. Diese Praxis des Zerschlagens größerer Möbelfirmen in kleinere Gesellschaften ließ sich etwa bei den Hiendl-Häusern beobachten, die XXXLutz 2007 aufgekauft hat. Ein spürbarer Personalabbau bzw. Abbau der Vollzeitbeschäftigten ging damit einher. Hiendl ist kein Einzellfall und beileibe keine Ausnahme.

10.000 Beschäftigte ausgegliedert

Der Gewerkschaft verdi zufolge hat der nach eigenen Angaben weltweit zweitgrößte Möbelhändler im Jahr 2009 rund 10.000 Beschäftigte in mehrere hundert Dienstleistungsgesellschaften ausgegliedert. „Diese Gesellschaften mit den Beschäftigten haben kein Vermögen“, so der für das Unternehmen zuständige verdi-Gewerkschaftssekretär Dirk Nagel.

„Niemand arbeitet bei XXXLutz“

„Fragen Sie mal die Kunden von XXXLutz, wer sie im Möbelhaus beraten hat und wer die Ware ausliefert“, so Nagel. „Wenn die Antwort XXXLutz lautet, ist das falsch. Alle Beschäftigten arbeiten in für Lutz tätigen Dienstleistungsgesellschaften. Niemand bei XXXLutz.“ Die Folge dieser Zerschlagungen: Es ist wesentlich einfacher, diese kleineren Gesellschaften zu schließen und gegebenenfalls unbequeme Beschäftigte loszuwerden. Aktuell finden bereits erste Teilbetriebsschließungen statt.

Lutz-Sprecher: „…es wird eben nur besser“

An einem Frankfurter Standort der von XXXLutz aufgekauften Einrichtungshauskette Mann Mobilia wurde Ende Januar die „3E Dienstleistungs GmbH und Co KG“, zuständig für die Auslieferung, geschlossen. Der Betriebsrat wurde äußerst kurzfristig, 14 Tage vor der Schließung, informiert. Die Aufgaben der 16 betroffenen Beschäftigten übernimmt nun ein externes Unternehmen – bei Bedarf leichter los zu werden und mit weniger Verpflichtungen für XXXLutz als es eigene Angestellte wären. „Für unsere Kunden ändert sich nichts, es wird eben nur besser“, sagt ein Unternehmenssprecher. Und natürlich wird auch für XXXLutz alles besser. Ob es auch für die Beschäftigten „besser“ wird, ist nicht absehbar. Man führe noch Gespräche. Die zahlreichen Arbeitsgerichtsprozesse und die Konsequenz, mit der XXXLutz solche Prozesse etwa am Standort Passau durchgezogen hat, wirken jedoch wenig vertrauenerweckend.

Zufriedene Mitarbeiter – mit allen Mitteln

Zufriedene Mitarbeiter sei eines der wichtigsten Ziele, lässt das Unternehmen immer wieder verlauten. Das ist tatsächlich glaubwürdig. Unzufriedene oder unbequeme Mitarbeiter wird man, das zeigen zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit, früher oder später los – mal mit Zuckerbrot, mal mit Peitsche. Erst kürzlich berichtete auch der Spiegel über die Lutz-Praxis, Betriebsräte mit Gehaltskürzungen zu gängeln oder mit hohen Abfindungen zu ködern.

Der Konzern-Boss und der Kommunismus

Mit der Peitsche versuchte das Unternehmen in der Vergangenheit auch gegen kritische Medien vorzugehen. Während Lutz-Boss Richard Seifert von der „Wiederauferstehung des Kommunismus“ angesichts von Gewerkschaften und kritischer Berichterstattung philosophierte, hetzte das Unternehmen seine Rechtsanwälte auf diese unliebsamen Medien. Die Aussage „Im Verkauf bei XXXL Hiendl Passau wurde die Quote der Vollzeitbeschäftigten auf unter 30 Prozent reduziert”, wollte der Konzern regensburg-digital.de per Abmahnung und einem schlussendlichen Streitwert von 75.000 Euro untersagen lassen. Erfolglos. „Das Verbreiten wahrer Tatsachen ist aber grundsätzlich nicht rechtswidrig“, meinte dazu das Amtsgericht Regensburg in seinem Urteil vom 25. Februar 2010. Ebenso deutlich blitzte XXXLutz mit seinem Versuch ab, dem Passauer Magazin Bürgerblick seine kritische Berichterstattung zu untersagen.

XXXL-Anwälte: Verirrt im Firmendickicht

Und mal ganz abgesehen davon, dass Wahrheit nichts rechtswidrig ist, brachte die Gerichtsverhandlung gegen regensburg-digital.de auch zutage, dass der Möbelkonzern in seinem Konstrukt aus Einzel- und Untergesellschaften bisweilen selbst den Überblick verliert: Die Gesellschaft namens derer XXXLutz uns Aussagen über seine Beschäftigtenzahlen verbieten lassen wollte, verfügt nicht über einen einzigen Angestellten. Erst vor Gericht korrigierte Lutz-Anwalt Professor Johannes Kreile diesen nicht ganz unwesentlichen Fehler. Um bei der Klage gegen das Magazin Bürgerblick auf Nummer sicher zu gehen reichte die  von Lutz-Kanzlei deshalb gleich im Namen von sechs (!) Gesellschaften Klage ein und musste schließlich sämtliche Gerichts- und Rechtsanwaltskosten bei einem Streitwert von 360.000 Euro bezahlen. Ein Klacks für den Möbelriesen, ein schönes Drohszenario, mit dem es sich gegen kritische Medien vorgehen lässt.

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Kommentare (8)

  • Der Eigner von Lutz

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    weiter so! aber bitte mal auch was neues recherchieren …

  • Karl

    |

    Na endlich kommen mal wieder gesammelte Infos rüber. Auf Holzmann.de ist für meine Meinung auch schon der Euro des Schweigens gesunken. (Ösi-Euro).
    Ich war in Regensburg und kann immer noch feststellen, das mit bestec….ng alle Willig bleiben.
    Auch der „Ach so Gute BR“ der sich immer noch sein teures Hobby leisten kann.
    Die Bücklinge da drinnen helfen den derzeit Beschäftigten gar nix mehr.
    Ich habe immer noch Infos von drinnen, da stellt es einigen die Haare auf.
    Aber in den Zeiten der Arbeitslosigkeit sind viele für alles bereit.
    Ich hatte mich dazu entschieden diese „unmenschlichkeit“ nicht mit meiner Hände Arbeit zu
    unterstützen. Nochdazu weil der Standort Regensburg im Umsatz immer noch einer der Stärksten ist.
    Das Insiderwissen meinerseits ist zwar nicht mehr soooo aktuell, aber man trifft sich immer noch mit
    den restlich verbliebenen Kollegen. Sind nimmer viel. Rest da drin sind nur noch 400er Azubis und
    Praktikanten.

  • Braunschweiger

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    Das mit dem Firmengeflecht ist mir schon seit ca. 4 Jahren bekannt.
    Arbeite seit fast 25 Jahren bei dieser Firma.
    Vor 5 Jahren haben die „Ösis“ die Auslieferung ausgegliedert in NMS Service GmbH……
    Vor ca. 2 Jahren nochmals, wahrscheinlich war NMS zu teuer.
    Nunmehr arbeite ich bei B1 Zustell GmbH & CO.KG. Komischerweise ist die Firmenadesse Würzburg immer die selbe.
    September letzten Jahres haben die mich im Urlaub herzitiert um mich zu entlassen.
    Bin zu alt für die mit 58 Jahren in der Auslieferung.
    Ein finanzielles Angebot haben die nicht gemacht, sondern mich gefragt, was ich mir vorstelle.
    Hallo? Die wollen mich loswerden. Deshalb bin ich aufgestanden und gegangen.
    Inzwischen haben die Zeiten sich geändert. Mit der Wirtschaft geht es wieder aufwärts.
    Bei uns in Braunschweig machen die Umsatz ohne Ende.
    Es wird gemunkelt, 2 Möbelhäuser in Celle und bei Kassel zu übernehmen.
    Die Auslieferung soll dann über Braunschweig erfolgen.
    Die Auslieferung von Mömax Braunschweig soll schon im März von uns getätigt werden.
    Nur haben die ein Problem. Wir sind nur 10 Teams in Braunschweig.
    Unser Krankenstand bewegt sich permanent bei 15%. Und wer kann schon LKW 7.5 Tonnen fahren.
    Die 30jährigen bestimmt nicht und den Führerschein zahlen die Lutzis nicht.
    Also werde ich noch ein wenig gebraucht und erlebe mein 25.jähriges in dieser sch…. Firma.
    Auch wenn ich ein wenig gem… werde.
    Fahre fast nur noch mit Azubis raus. Die sind jung, nicht willig und haben keine Ahnung. Und keinen Führerschein.
    Aber das geht mir am A… vorbei. Meine Ärztin ist verständnisvoll.
    Übrigens haben schon einige bei uns einen Aufhebungsvertrag unterschrieben, die jünger sind als ich.
    Einen Betriebsrat gibt es schon seit 13 Jahren nicht mehr. Alois Kobler sei „Dank“
    Ich möchte mich auch mal gerne schmieren lassen von den Ösis,aber da habe ich in diesem Konzern vielleicht ein wenig zu viel Rückrat.
    An alle:
    Laßt euch nicht unterkriegen.
    Grüße aus Braus Braunschweig

  • Karl

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    Tja Braunschweiger.
    Machste was falsch. „Die“ wollen das du gehst. „Die“ können dich nicht gehen lassen (FS für 7,5)
    also….. Rechne zusammen wann du mit welcher Einzahlsumme in de Rentenkasse dann in Rente
    ohne Viel Abzüge gehen kannst….
    Dieser „Abfindungsbetrag“ in die Rentenkasse gezahlt, und bist dann 18(?) Monate Arbeitslos und danach
    giltest du als nicht mehr Vermittlungsfähig.
    Die Sonderzahlung wird nicht auf ALG gerechnet da der Betrag in die Rentenkasse gezahlt wurde.
    Die sollen schon was springen lassen. Rechne nach.

  • Ex-Lutzler

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    Habe mehrere Jahre in mehreren Häusern der Lutz-Kette gearbeitet.
    Bei einem (internen) Hauswechsel ändert sich auch der Arbeitgeber. Ergo:
    keine Bonität bei der Bank. Nix mit Altersvorsorge als Immobilienkauf.
    Der KOnzern brüstet sich immer mit Arbeitsplatzschaffung.
    JA, aber davon sind die meisten Aushilfen, Teilzeitkräfte oder gleich
    vom Arbeitsamt subventioniert.
    TOLL!
    Zitat aus einem Arbeitsvertrag: „Überstunden sind mit dem Grundgehalt abgegolten“

  • Karl

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    @Ex-Lutzler:
    Wenn das Arbeitsamt wenigstens bescheid wüßte!!!!
    Während dem Gespräch mit der SB“in (Wegen arbeitssuchend melden etc.) stellte sich heraus,
    das die Dame die vor mir saß eigentlich die Sachen Praktikanten und Co managt. Die
    wußte nichts davon jemals der Fa Lutz welche zugewiesen zu haben.
    Das läuft alles ohne Arge, weil dann keine Auflagen da sind und man XXXLVerdient an der
    Arbeitskraft und die Arbeitszeit „flexibler“ wird.

  • Ria Hinken

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    Ich habe zwar nur als Kundin schlechte Erfahrungen gemacht, wundere mich aber nicht über die hier beschriebene Firmenpolitik. Bin zufrieden, dass ich keinen Kauf getätigt habe. Hatte allerdings große Probleme, meine Kundendaten löschen zu lassen.

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