Aus dem Redaktionstagebuch

Deutscher mahnt ab

Der Vorsitzende der AfD-Jugendorganisation „JA Ostbayern“ Thomas Richard Deutscher fordert von unserer Redaktion eine Unterlassungserklärung. Worum es geht und warum wir hier nicht nachgeben.

Etwas Arbeit hat uns Anfang dieser Woche die AfD gemacht, genauer gesagt der Vorsitzende der „Jungen Alternative“ (JA) in Ostbayern Thomas Richard Deutscher. Wegen unseres Artikels über den neuen Vorstand der JA Ostbayern vom 5. Mai 2019 (hier abrufbar) forderte Deutscher über seinen Kölner Rechtsanwalt Jochen Lober von uns bis Mittwoch eine Unterlassungserklärung sowie die Übernahme der Rechtsanwaltsgebühren, die sich – bei einem angesetzten Streitwert von 10.000 Euro – auf knapp 900 Euro belaufen. Über unseren Medienanwalt Nils Pütz haben wir Herrn Lober nun mitgeteilt, dass für beides „kein Raum besteht“. Worum geht es?

Im Rahmen unserer Recherchen haben wir uns auch mit Deutschers früherer, im Sommer 2018 aufgelösten Death Metal Band „Slaughterer“ befasst und mit einem (am Ende nie erschienenem) Album, das unter anderem auf deren Homepage angekündigt war. Titel: „Lanius vult“ („Der Schlächter will“).

„Auf ewig Adolf Hitler“ – wie könnte man zu dieser Deutung kommen?

Unter anderem auf dem Entwurf für das Cover (aber zum Beispiel auch auf einem damals flankierend angekündigten T-Shirt) ist zentral das Eiserne Kreuz dargestellt. Im oberen Teil sind Flugzeuge mit der Kennung der Wehrmacht abgebildet. Im unteren Teil des Bildes sind vorwärts stürmende Panzer zu sehen, wobei der linke die Aufschrift „Aeternum_018“ (dt. „Auf ewig 018“) trägt.

Die Zahl 18 gilt in rechtsextremen Kreisen gemeinhin als Zahlencode für AH – Adolf Hitler. Beispiele: die neonazistische britische Terrororganisation „Combat 18“ oder „Sturm 18“, ein Nebenprojekt der Rechtsrock-Band Sturmwehr.

„Aeternum_018“. Welche Deutung drängt sich für den unbefangenen Betrachter dieses Coverentwurfs wohl auf?

Vor diesem Hintergrund – dem Gesamteindruck des Covers und rechtsextremen Zahlencodes – sowie der Tatsache, dass sich Deutscher im Kontext der Band mehrfach mit rechten Symbolen gezeigt hat (Eisernes Kreuz, Kekistan-Flagge) und diversen Äußerungen des JA-Vorsitzenden auf Facebook sind wir in dem Artikel zu folgendem Schluss gekommen:

„So überlässt es die Band geschickt der Interpretation der Betrachter, ob auf dem Albumcover der Schriftzug ‚Auf ewig Adolf Hitler‘ (18 ist Zahlencode für AH, Adolf Hitler) zu finden ist.“

Das Wesen von Zahlencodes

Deutscher fühlt sich dadurch zu Unrecht in die „Auf ewig Adolf Hitler“-Ecke gedrängt. Schließlich, so lässt er uns mitteilen, stehe das „Aeternum_018“ auf dem mit NS-Symbolik überfrachtetem Cover-Entwurf eben nicht dafür, sondern sei ein Kürzel des Künstlers nebst Jahreszahl. Tatsächlich haben wir diese – mit Deutscher ausdrücklich abgestimmte – Deutung des Schriftzugs durch die Band bereits Tage vor der Unterlassungsforderung nach einem längeren Gespräch mit einem früheren Bandmitglied – das vor allem abseits der offiziellen Erklärung recht erhellend war – veröffentlicht. Allerdings sehen wir keinerlei Grund – wie von Deutscher gefordert – deshalb unseren Artikel zu verändern bzw. in Teilen zu löschen.

Fühlt sich fälschlicherweise in die „Auf ewig Adolf Hitler“-Ecke gedrängt: Thomas Deutscher. Foto: Witzgall

Es gehört zum Wesen von solchen Zahlencodes, verschiedene Interpretationsmöglichkeiten offenzulassen und bei Bedarf eine völlig harmlos anmutende Erklärung nachzuliefern. Und selbst wenn es sich bei „Aeternum_018“ tatsächlich um ein Künstler-Kürzel handeln sollte, so spielt das in unseren Augen keine Rolle. Im Gesamtkontext des Covers – Eisernes Kreuz, Wehrmachtsflugzeuge, Panzer – wurde eine Interpretation als „Auf ewig Adolf Hitler“ wenigstens billigend in Kauf genommen, wenn sie nicht sogar gewollt war.

Wir haben nichts zurückzunehmen

Wir sehen keinerlei Grund, uns Deutschers Deutung anzuschließen oder uns – was im Endeffekt gefordert wird – zu eigen zu machen und bleiben bei unserer Darstellung. Jeder Betrachter des Cover-Enturfs und Leser unseres Textes ist in der Lage, sich selbst ein Bild von der politischen Einstellung des JA-Vorsitzenden zu machen.

Die Gewerkschaft ver.di hat uns Rechtsschutz zugesagt. Wir sind gespannt, ob es Deutschers Rechtsanwalt gelingt, eine Einstweilige Verfügung gegen unsere Redaktion zu erwirken und werden gegebenenfalls dagegen vorgehen.

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Kommentare (17)

  • Burgweintinger

    |

    Kommentar gelöscht. Bitte nicht persönlich werden.

  • Josef Keldenich

    |

    Das übliche AFD Opferrollen Getue. Man sollte immer wieder betonen, daß es sich bei der JA um eine als vom Verfassungsschutz, als Verdachtsfall eingestufte Jugendorganisation handelt.

  • R.G.

    |

    Nachdem der Wolf Kreide gefressen hatte, bestand er mit hoher Stimme darauf, eigentlich die Geißenmutter zu sein….

  • Mr. T.

    |

    Nicht nachgeben! Solchen Personen darf man nicht mal das Gefühl für den kleinsten Sieg gönnen! Danke!

  • Samson

    |

    Der Zusammenhang ist ja auch sehr an den Haaren herbeigezogen.🤣🤣🤣
    Ja nach dem Rechtsstaat schreien aber knöcheltief in der braune Soße stehen.
    Aber wir sind ja selber Schuld, haben wir uns ja „das Mahnmal der Schande“ ins Parlament gewählt.

  • Piedro

    |

    Ist der Herr D. sauer weil man ihn anhand seiner Perfomance als Nazi-Metaller für einen Nazi halten könnte, oder ist er sauer weil man ihn nicht Nazi genannt hat?

    Fast hoffe ich es könnte zu einem Prozess kommen – die Berichterstattung wäre bestimmt preisverdächtig und würde ihre Kreise ziehen, durch die gesamte Lügenpresse. :)

  • Mathilde Vietze

    |

    Das Spiel kennen wir: Wenn diesen Brüdern der Boden unter den Füßen
    zu heiß wird, verlegen sie sich auf die Mitleidsschiene und befördern sich
    selbst in die Opferrolle. Wo sie doch nur das Beste für das „elde Deutsch-
    tum“ wollen. und leider gibt es eine Reihe von Einfältigen, die auf diesen
    Mist hereinfallen.

  • Nazienkel

    |

    Diese peinlichen Ausreden, die AfDler für ihre neonazistischen Attitüden haben…

    Diese Vögel meinen ja immer wieder, mit ihren braunen Szeneanwälten Berichte zu unterbinden.

    Sehr gut, lasst Euch nicht beirren.

  • Günther Herzig

    |

    Ich hoffe, er bekommt durch einen Richter oder eine Zivilkammer, die nicht nachdenkt, die einstweilige Verfügung. Die Verfügung tut nicht weh und nach Widerspruch wird sich ein tolles Verfahren entwickeln. Man sollte diesem Individuum durch einen Antrag auf Setzung einer Frist zur Erhebung einer Hauptsacheklage Gelegenheit geben sich deutschlandweit, so gut es nur geht, zu blamieren. Ich freue mich auf die Fortsetzung der Geschichte. Ach ist das schön! Wenn das jetzt keine Beleidigung wäre, würde ich sagen……! Ich wiederhole das gern uncodiert in einem Verfahren. Wenn ich solche Geschichten lese, habe ich permanent Brechreiz, nicht ungünstig wenn man abnehmen will!

  • Günther Herzig

    |

    Frage an Herrn Deutscher: Haben Sie überhaupt gedient? Ich schon!

  • Anita

    |

    Das wars dann wohl mit der Karriere Tommi!

  • R.G.

    |

    Die Platzierung von Zeichen mehrfacher Deutungsmöglichkeit – eine Eigenschaft, die Symbolen an sich eigen ist – kombiniert mit Hinweisen, welche Auslegung die gewünschte ist.
    Logisch ausrechenbar führt das zu medialen Konflikten.

    Häufig erhielten Randgruppen mit Lust auf Auseinandersetzungen vor Gericht, auf einen Schlag größere finanzielle Zuwendungen.
    Wenn es sich nicht irgendwie lohnte, würde manche Nische nicht besetzt.

    Man rechnet fest mit einem Kürzeren finanziellen Atem bei freien, in deren Sprache „linken“ Blogs.

    Die Crowd entscheidet mit.

  • Ex Regensburger

    |

    Mit solchen Covers seid „ihr nicht das Volk“. Auf keinen Fall. Das ist gewaltverherrlichender Mist.

  • Mr. T.

    |

    Wenns denn wenigstens nur gewaltverherrlichend wäre …

  • Sir Sonderling

    |

    Was für ein jämmerlicher Judas, dieses Bürschlein.
    Erst auf dem Albumcover so ein Statement raushauen – um dann postwendend den Führer mittels eines Rechts-Anwalts zu verleugnen.
    18 würde sich im Grab umdrehen, wenn er denn eines hätte.

  • Giesinger

    |

    Anita
    17. Mai 2019 um 19:48 | #

    Das wars dann wohl mit der Karriere Tommi!
    ———————————
    „erstmal“ würde ich noch einfügen, @Anita.

    An die Redaktion: Eure Quelle würde mich noch interessieren, falls ihr sie preisgebt. Ist es das ominöse ehemalige Bandmitglied? Ist das an euch herangetreten? Interessiert mich jetzt gerade umso mehr, wegen der Geschehnisse in Österreich.

  • Stefan Aigner

    |

    @Giesinger

    Alle Informationen, die wir haben stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen. Man muss nur suchen. Da gibt es nichts hineinzugeheimnissen.

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