SOZIALES SCHAUFENSTER

Erfolgreiches Debüt

DEZ-Bühne soll neuer Ort der Regensburger Kultur werden

Am vergangenen Freitag war es so weit. Nach langer Abstinenz fiel der Vorhang für das erste Stück des Turmtheaters auf der neugeschaffenen Bühne im Donaueinkaufszentrum. Von Schauspielern und Publikum schien dabei eine gewisse Schwere abzufallen.

Liebt er sie oder liebt er sie nicht? Hypolite (r.) beauftragt Eric eigentlich, für ihn mit Pauline Schluss zu machen. Foto: bm

Die Freudentränen lassen Undine Schneiders Augen im Scheinwerferlicht noch mehr strahlen. Soeben hat die Chefin des Regensburger Turmtheaters zusammen mit zwei Kollegen das erste Stück seit März aufgeführt – und das vor rund 100 Zuschauern. Nun steht sie in einem roten Abendkleid auf der Bühne, bedankt sich bei all jenen, die das am Ende überhaupt ermöglicht haben und freut sich sichtlich über die gelungene Premiere der DEZ-Bühne. Die Räumlichkeiten am Watmarkt in der Altstadt, wo das bei vielen Regensburgern beliebte Turmtheater eigentlich beheimatet ist, sind in Corona-Zeiten einfach zu klein geworden. „Mit dem derzeit geltenden Konzept brauchen wir eigentlich gar nicht erst öffnen“, erklärte Schneider Anfang Juli gegenüber regensburg-digital. 63 Personen – eine Auslastung von etwa 80 Prozent – , das sei die kritische Marke ab der sich der Betrieb erst trage. „Darunter zahlen wir trotz Subventionen drauf. Und daher bleiben wir lieber geschlossen.“

Am vergangenen Freitag steht die 47-Jährige nun als Pauline in dem Stück „Trennung frei Haus“ des Franzosen Tristan Petitgirard endlich wieder auf der Bühne. „Das Theater. Die letzte Bastion, wo es keine Gesetze gibt. Auch hier ist das Rauchen verboten“, führt Eric, gespielt von Fritz Barth, in das Stück ein. Eine E-Zigarette qualmend, stellt er sich und seine Agentur der etwas anderen Art dem Publikum vor. Eric ist Gründer und einziger Mitarbeiter von „Ex und Hopp“, deren Klienten ihn dafür bezahlen, mit den Lebenspartnern Schluss zu machen. „Wir haben die unterschiedlichsten Angebote parat“, erklärt Eric mit einem süffisanten Schmunzeln. Der Klassiker: „Es liegt nicht an dir“, gepaart mit der Übergabe eines Blumenstraußes und den persönlichen Sachen der verlassenen Person. Oder auch mal in der Diskothek, gegen die laute Musik anschreiend.

Irrungen und Wirrungen im Minuten Takt

Dann klingelt sein Telefon und der nächste Auftrag schneit herein. „Ah Sie zeigen Mut“, freut sich Eric zunächst über den Wunsch seines neuen Mandanten. Als er jedoch seiner Ex Pauline, gespielt von Undine Schneider, gegenüber steht weiß er nicht recht, wie ihm geschieht. Da ist es auch nicht besonderes hilfreich, dass sein Auftraggeber und Paulines Noch-Freund Hypolite, gespielt von János Kapitány, es sich doch anders überlegt und plötzlich vor der Türe steht. Da er nicht weiß, dass Eric der engagierte Trennungsspezialist ist, beginnt eine lustige Achterbahn der Unwahrheiten, Geständnisse, eines nicht ganz ernst gemeinten Heiratsantrages und dem Aufflammen einer alten Liebe.

„Trennung frei Haus“ ist eine romantische Komödie mit allerlei Irrungen und Wirrungen, die durchaus mit gewissen Klischees spielt, diese aber auch immer wieder amüsant umzukehren versucht. So etwa als Pauline ihren eifersüchtigen Partner Hypolite – er mag es gar nicht, Hypo genannt zu werden – wieder aufmuntern möchte. Mit leicht ironischem Unterton „mein armes, starkes Alpha-Tier“ nennend, streichelt sie ihm sanft über den Kopf und drückt ihn wie ein weinerliches Kind an ihre Brust. Immer mehr verstricken sich alle drei Charaktere im Laufe des Stückes in ihren Erzählungen. Bis es schließlich keinen Ausweg mehr gibt und eine Kettenreaktion eintritt. Ein Geheimnis bleibt dann aber doch bis zum Schluss verborgen.

„Die Leute müssen einfach mal wieder lustig sein“

Das kurzweilige, wenn auch manchmal etwas seichte Stück scheint beim Publikum gut anzukommen und erntet viele Lacher, was Schneider doppelt freuen dürfte. „Die Leute müssen einfach mal wieder lustig sein und lachen können“, hatte sie ein paar Tage vor der Premieren am Telefon erklärt. Die vergangenen Monate sollten endlich einmal vergessen werden. Und so scheint nicht nur den Schauspielern, die das rasante Stück mit viel Schwung und Leidenschaft spielen, eine Last abzufallen.

Sichtlich erleichtert und froh über die gelungene Permiere. Undine Schneider bedankt sich bei Unterstützerinnen und Unterstützern.

Dass es überhaupt dazu kam, sei zahlreichen Personen zu verdanken, wie Schneider in ihrer Dankesrede nach dem Stück erklärt. Die Gespräche mit dem Ehepaar Vielberth, den Begründern des Donaueinkaufszentrums, die beide ebenfalls am Freitag im Publikum sitzen, seien gleich sehr positiv gewesen. „Als ich zum ersten Mal hier in den leeren Räumen im DEZ stand, begann der Kopf sofort zu grübeln und eigentlich wusste ich gleich, dass das mehr ist als ein Ort für das Turmtheater.“ Es folgten Gespräche mit den zuständigen Behörden und dem Kulturreferenten Wolfgang Dersch. Das Stadttheater half bei dem notwendigen Bühnenequipment aus. Auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) und die Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Kerstin Radler, sowie deren Mann, Bürgermeister Ludwig Artinger, hätten schnell ihre Unterstützung zugesagt. Alle drei sind an diesem Abend ebenfalls anwesend.

Konzerte, Theater, Ausstellungen: 80 Veranstaltungen bis Jahresende

Als das Projekt DEZ-Bühne dann allmählich konkreter wurde, sei man sofort in Kontakt mit weiteren Kulturschaffenden wie dem Statt-Theater und dem Impro-Theater getreten. „Das hier bietet zahlreiche Möglichkeiten für viele Künstlerinnen und Künstler“, so Schneider. Das spiegelt auch das aktuelle Programm wieder. So finden demnächst auch Auftritte von Steffi Denk & Sepp Haslinger, ein Konzert von Susi & Die Spiesser sowie eine Aufführung der „Feuerzangenbowle“ statt. Insgesamt gibt sich das Programm recht heiter, mit einem Hang zum Boulevard-Stück.

Bis zu 200 Personen können mit ausreichend Abstand Platz nehmen.

Insgesamt 80 Veranstaltungen sind bis Jahres Ende unter dem Gewächshaus-Glasdach des ehemaligen Dehner-Gartencenters geplant. Mit ausreichend Platz zwischen den Stühlen, die in Zweier- und Dreier-Gruppen angeordnet sind, können so corona-konform bis zu 200 Personen Platz finden. Im hinteren Teil ist auch ein kleiner Verkaufsstand für Getränke und Snacks eingerichtet. An den Wänden sind zudem Kunstwerke regionaler Künstlerinnen und Künstler ausgestellt.

Schon kurz nach der Fertigstellung des damals modernsten Einkaufscenters Europas im Jahr 1967 fanden in dem ehemaligen Quelle-Zelt regelmäßig Konzerte von weltbekannten Bands wie Suzie Quatro und Uriah Heep statt. Der heutzutage eher ungewöhnliche Ort hat durchaus seine Vorteile, wie eine Besucherin am Freitag feststellt. „Kostenlose Parkplätze direkt vor der Türe und eine gute Busanbindung.“ Das habe durchaus Charme. Und so könnte die DEZ-Bühne vorerst zu einer wichtigen Adresse der stark gebeutelten Regensburger Kulturszene werden. Der Anfang ist jedenfalls gemacht.

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Kommentare (4)

  • Verwundert

    |

    Tolle Sache und ein großes Lob an alle Unterstützer.
    Nur bei dem Wort „Kulturschaffende“ aus der sozialistischen und nationalsozialistischen Geschichte schaudert es mich…

  • Burkhard

    |

    klingt ja super.😀👍 Mal schauen wo ich Karten bekomme kann 🤔

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu “Verwundert” – Der Nazi und der Kommunist haben sich auch die Zähne
    geputzt. Deshalb müssen wir davon nicht Abstand nehmen.

  • Verwundert

    |

    Kommentar gelöscht. Jetzt wird es endgültig themenfremd.

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