Die Solidarität der Sonntagsredner

Ist es euphemistisch? Polemisch? Oder einfach nur frech? Die Solidarität der Eltern mit den streikenden Erzieherinnen münzt Oberbürgermeister Hans Schaidinger flugs zu seinen Zwecken um. Das Wort „Gebührenerhöhung” vermeidet das Stadtoberhaupt tunlichst – nein: er fordert nun die „Solidarität” der Eltern bei der Finanzierung der (ohnehin nur leicht gestiegenen) Gehälter von Erziehern und Betreuerinnen (mehr dazu). Dabei geht es um eine vergleichsweise lächerliche Summe von 300.000 Euro, die nun jährlich an Mehrkosten anfallen. Das bringe eine Kommune nicht um, sagt Schaidinger heute sogar selbst zu einer Tageszeitung. Insbesondere dann nicht, wenn man etwas davon abwälzt. Vor dem Hintergrund, dass 600.000 Euro für einen zweifelhaften Brückenwettbewerb, 500.000 Euro für einen „Ordnungsservice” oder 1,5 Millionen Euro jährliche Leasingraten plus 500.000 Euro an Mobiliar fürs neue PPP-Verwaltungszentrum anfallen, stellt sich die Frage, warum es dann bei 300.000 Euro die „Solidarität” von Familien braucht, die ohnehin oft genug knapp bei Kasse sind. Solidarisch wäre es, wenn eine Kommune das gemeinsam schultert. Aber hier wird nicht gefragt, es wird zur Kasse gebeten und mit Begrifflichkeiten um sich geworfen, von denen man offenbar nichts versteht. Und wenn im kommenden Jahr ein paar Familien mehr den – gerade groß beworbenen – 100-Euro-Schulgutschein der Stadt in Anspruch nehmen müssen, ist das sogar noch ein schöner Werbeeffekt. Wie das auf Familien wirkt, die bei der Stadt als Bittsteller antanzen müssen, ist erst einmal wurscht. Bis zu den nächsten euphemistischen Sonntagsreden werden sie’s schon vergessen haben … (Ent)spannende Lektüre!

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (7)

  • trojan

    |

    Kennt Herr Aigner den Unterschied zwischen Äpfeln und Birnen?
    Vermutlich nicht.

  • verwunderter bürger

    |

    äpfel und birnen?
    geld ist geld. kommunale ausgaben für kinderbetreuung halte ich für sinnvoller als für einen völlig überdimensionierten neuen tempel für einige völlig überbesetzte teile (z.b. bauordnungsamt, ordnungsamt ) der verwaltung. insofern: die 300.000 euro tragen wir (kinderlos) gerne mit. eine altstadt-gängeltruppe (ordnungsdienst), einen sinnlosen brückenwettbewerb (wenigstens im osten, aber auch im westen wird es wohl nix) und das verwaltungszentrum sollen doch die zahlen, die darin einen sinn sehen. ach so – wir haben eine repräsentative demokratie. leider unter einem OB, der das wort solidarität als er noch in der ju war vermutlich gar nicht aussprechen konnte und jetzt solchen schwachsinn von sich gibt. ich kann dem kommentar von herrn aigner nur zustimmen.

  • heima

    |

    Die Klein-Kinderbetreuung ist notwendig.
    Die Ausbildung unserer Kinder, ohne Kosten für unsere Kinder, einschl. deren Studium ist dringend erforderlich.
    Stattdessen streiten sich unsere Politiker über unwichtige Themen, daran ist auch Hr. Schaidinger beteiligt.

  • Ueberdruessiger

    |

    Oh mei Datko,

    skandier´ halt nicht ununterbrochen und bis zum Erbrechen Deinen unreflektierten Wortdurchfall!

    Es geht hier um Kindererziehung, das ist, lass Dir das gesagt sein, etwas Wichtiges. Ein wenig mehr davon hätte auch Dir vielleicht nicht geschadet.

    Es geht nicht um Art. 13 GG, es geht nicht um Kaminkehrer.

    Dein Geschwafel kotzt mich an!

  • Orka

    |

    Zum Zitat des Herrn Aigner: „…münzt Oberbürgermeister Hans Schaidinger flugs zu seinen Zwecken um.“ ist festzustellen, das er die Situation wieder mal nciht begriffen hat. Es geht nicht um die Zwecke des OB, es geht nicht um des Geld des Hans Schaidinger. Es geht um Geld der steuerzahler, also auch des Herrn Aigner. man könnte also sagen der Ob münzt zu Zwecken des Hern Aigner um.

    aber jetzt mal zu Sache, es gibt Eltern die können und sollen auch die erhöhten Beiträge zahlen und Solidarität üben. Es muss nicht sein, dass die Steuerzahler die Kinder gutsituierter Mitbürgerinnen und Mitbürger Subwentionieren. Es sind deshalb angemessene Gebürhen festzusetzen. Aber es muss auch soziale Staffelungen bis zum 0 Euro Beitrag für diejenigen geben, die nicht so gut situiert sind.
    Jeder soll die Last tragen, die seine (finanziellen) schultern zu tragen in der
    Lage sind.
    zum Kommentar „völlig überbesetzte teile (z.b. bauordnungsamt, ordnungsamt ) der verwaltung“ nur soviel, Wenn der Schreiber bei der KFZ Zulassung dann zwei Tage braucht um sein Auto anzumelden oder wenn er eine Stunde in der Schlange stehen muss um seinen Personlausweis zu beantragen wäre das Geschrei auch groß und die Zeiten in denen man in Behörden als Mitarbeiter Däumchen drehen kommte sind seit mehreren Jahrzehnten vorbei.

  • britt

    |

    Selbstverständlich münzt Schaidinger das zu seinen Zwecken um. Von Gebührenerhöhung zu reden kommt schlecht an, dann redet er lieber von Solidarität. Ob nun gestaffelt oder nicht Eine Erhöhung trifft erst einmal alle. Bei unwichtigeren Dingen als Kinderbetreuung wird kein solches Gewese gemacht.

Kommentare sind deaktiviert