SOZIALES SCHAUFENSTER

Kolumne

Ein (Donau)lied für den Abwasserkanal

Im „Donaulied“ wird die Vergewaltigung eines Mädchens hymnisch besungen. Jetzt hat eine Passauer Studentin eine Petition dagegen gestartet, die binnen kürzester Zeit über 30.000 Menschen unterschrieben haben. Ziel: Kein Donaulied mehr in Bierzelten und Kneipen in Passau. Mittlerweile gibt es eine ähnliche Petition auch für die Regensburger Dult. Im Internet wird die Initiatorin dafür teils aggressiv attackiert. Schließlich handle es sich bei dem Donaulied ja um Tradition. Eine Einordnung.

Von Martin Stein

Ich bin nicht besonders heilig, an sich. Semi-heilig, allerhöchstens, und auch das nur zeitlich begrenzt, aber meistens nicht mal das. Mit meinem Sündenkonto wurden bislang höchstens hohe kirchliche Würdenträger heiliggesprochen, und da hab ich mich karrieremäßig falsch orientiert. Politisch korrekt bin ich auch eher selten. Unter den Vertretern der reinen Lehre, egal welcher, fühle ich mich als durchschnittlich Viertelheiliger nicht besonders wohl, und generell bin ich kein Mensch für die Orthodoxie.

Eigentlich bin ich wirklich so ein Fossil aus lang vergangenen Zeiten. Ich gendere nicht. Beim Nachdenken über schützenswerte Minderheiten finde ich an sich hauptsächlich mich selber unterrepräsentiert. Und meinetwegen kann jemand seine Gießkanne heiraten, aber er soll bitteschön nicht von mir verlangen, dass ich die korrekte Terminologie drauf habe.

Trotzdem finde ich es ziemlich übel, dass man drüber diskutieren muss, ob man ein Lied, in dem die Vergewaltigung einer schlafenden Frau besungen wird, in Bierzelten singen soll.

Zum langsam Mitschreiben: Nein, soll man nicht. Man haut auch keinen Bedienungen mehr auf den Arsch. Man putzt sich nach dem großen Geschäft den Hintern ab. Auch wenn Corona vorbei ist, sollte man das Händewaschen trotzdem nicht völlig einstellen. Und bei den allermeisten Menschen ist es überaus sinnvoll, das sie sich vollständig bekleidet in der Öffentlichkeit bewegen.

Für diese und weitere wertvolle Ratschläge, wie man sich im Jahr 2020 benimmt, wenden Sie sich vertrauensvoll an die Redaktion.

Aber hier nun gerne auch in mehreren leicht fasslichen Schritten die Argumentation zum sogenannten Donaulied, dessen Titel an sich schon eine Zumutung für ein so legendenträchtiges Fließgewässer ist. Vielleicht ist ja das Lied für das Niedrigwasser der letzten Jahre mit verantwortlich. Ich als Fluss von Reputation würde es mir sauber verbitten, für so ein Lied herhalten zu müssen.

Viele finden, wir haben gerade Wichtigeres zu tun, als uns mit diesem Thema zu befassen. Schon klar. Hat man ja irgendwie immer. Das ist irgendwie wie Fensterputzen: Man hat dauernd was Besseres zu tun, und irgendwann kann man nicht mehr durchschauen. Wobei es bei näherer Betrachtung ganz erstaunlich wenig Zeit und Mühe erfordert, dieses Lied nicht zu singen.

Viele haben dieses Lied schon gesungen. Die Allermeisten sind relativ unbeschadet daraus hervorgegangen. Wenn es aber alle lustig finden, dieses Lied zu singen, dann werden es einige auch gerechtfertigt finden, wie in dem Lied zu handeln. Warum auch nicht. Ein Riesenspaß offensichtlich. Und gerade auf und nach den Volksfesten ist die Anzahl der sexuellen Übergriffe, ob in Wort oder Tat, derart massiv, dass man sich fragt, inwieweit man das noch sangestechnisch fördern muss.

Es benehmen sich nach wie vor viel zu viele Männer so, als hätten sie das Jahrhundert verwechselt. Wer das alles, was da passiert, nicht so tragisch findet, der soll sich nur mal die eigene Frau, Freundin oder Tochter auf der anderen Seite des Zauns vorstellen.

Aber muss man immer alles verbieten? Eigentlich nicht. Hätte aber auch mal ein Festwirt sagen können, dass er so einen Mist unter seinem Zeltdach nicht hören will. Und die Sache wäre erledigt. Ich glaube nicht, dass er deshalb auch nur eine Mass Festbier weniger ausgeschenkt hätte. Und wenn man es schon spielen und singen muss, dann halt in der entschärften Version. In Gottes Namen, die ist immer noch primitiv genug, um allen unterirdischen Ansprüchen genüge zu tun. Und wenn sich sogar Mickie Krause bemüßigt fühlt, da einen Text in dezent geglätteter Form aufzuführen… das ist ja, als würde John Rambo irgendwann im Film sagen, also, Leute, schön langsam wird mir das hier zu blutig.

Tradition ist auch ein großes Schlagwort der Befürworter. Das Donaulied, diese uralte Sangesperle, ohne die je eine echte traditionelle bayerische Freude direkt unmöglich ist! Das muss man doch noch akzeptieren können, samt der kulturellen Besonderheit, dass damals halt weder Konsens noch Zurechnungsfähigkeit beim Beischlaf vorausgesetzt wurden. Eine liebe Zeit, trotz der Vorkommnisse – menschlich halt.

Wenn mir diese Vokalfäkalie als bayerisches Kulturgut aufgetischt wird, dann beleidigt mich das als Bayer, der übrigens auch selber in einer Blaskapelle mitgespielt hat, wenn auch nicht besonders gut. Ist lange her, aber wenn das so ein traditionelles Lied ist, dann hätte ich das doch bestimmt auch im Bierzelt gespielt… Hab ich aber nicht. Eigenartig. Vielleicht haben wir damals ja die falschen Traditionen gepflegt, wir Ahnungslosen? Bestimmt wird man nach einer Betrachtung des traditionellen musikalischen Umfelds klüger, in dem das Donaulied üblicherweise so stattfindet. Da offenbart sich gleich die tiefe Liebe des Bayern zu seiner heimatlichen Geschichte.

„Hey Baby“, mit dem seinerzeit Kaiser Franz um seine Sisi anhielt. „Hulapalu“, das sich König Ludwig II. von ein paar hübschen Tölzer Sängerknaben vorflöten ließ, wenn nur der Mond zuschaute. Und nicht zu vergessen das zutiefst bajuwarische „Viva Colonia“, das das kampferprobte bayerische Expeditionskorps im 19. Jahrhundert mit auf den gefährlichen Zug in fremde Kulturen begleitete…

Das Donaulied ist so traditionell wie eine vollgeschissene Lederhose. Die hat‘s auch vor 100 Jahren schon gegeben, aber deshalb muss man sie trotzdem nicht wieder anziehen.

Und, wie schon erwähnt, wenn das mit der Tradition so wichtig wäre, dann könnte man ja eine der älteren, vergewaltigungsloseren Varianten singen. Dumm genug wär’s immer noch, aber so bleibt es halt auch nur ein Musterbeispiel für eine verlogene Argumentation.

Apropos Argumentation: Wenn sich eine junge Dame einbildet, sich von so einem Lied angegriffen fühlen zu dürfen, dann prasselt natürlich des ganze Programm der Unfickbarkeits-Ressentiments über sie herein. Als wär’s ein Reflex, wie das HeyHeyHey nach ZickeZacke. Und natürlich linksgrünversifft, die Alte. Wo’s eh schon so viele Lieder gibt, die man nicht mehr singen darf; so 80, 90 Jahre alte Werke oft…

Wenn man sich dann allerdings die Facebook-Profile der Angreifer anschaut, dann versteht man schon, dass diese eine Ächtung des Beischlafs mit einer Bewusstlosen als erhebliche Einschränkung ihrer Möglichkeiten empfinden müssen. Sehr oft zu hören auch: „Die soll sich nicht so anstellen.“ „Die soll sich nicht so anstellen“ ist als Satz der kleine Bruder von „Die ist doch selber schuld“, und sowas kann man dann in Gerichtsakten nachlesen.

Mein Liebling ist ja „Und sowas lernen’s heute in der Schul!“ Ja, das muss man sich mal vorstellen. Da kommt die kleine Veronika-Chantall aus der Schule heim und erzählt dem Papa, dass die Frau Lehrerin gemeint hat, dass Vergewaltigung nicht in Ordnung ist. „Ja du blödes Kracherl du, schaust ned gleich, dassd in dein Zimmer kommst! Und wehe, du erzählst der Mama was!“

Ein bisschen berechtigt ist vielleicht der Einwand, dass die Wirte gerade andere Sorgen haben als dieses Lied. Ok. Ganz klar. Und noch zwei Wochen vor Corona hätte mit der Initiatorin der Petition ein vernünftiger Austausch in beleidigungsfreier Gesprächsatmosphäre stattgefunden. Sowieso.

Übrigens, und das sage ich als Gastronom, nicht nur im Bezug auf das völlige Ausufern sexueller Belästigungen und Vergewaltigungen, sondern auch, was Prügeleien, Sachbeschädigungen Lärmbelästigungen undsoweiter angeht: Wenn auf den Volksfesten bei den Festwirten die gleichen strengen Maßstäbe angelegt würden wie etwa bei den Barbetreibern, dann dürfte in der gesamten Republik nicht ein einziges Bierzelt je wieder errichtet werden. Es ist halt irgendwie Konsens, dass man sowas zweimal im Jahr erträgt. Die Nachbarn vernageln ihre Fenster und fahren in Urlaub, normale Wirtschaften in den Einflugschneisen der Volksfeste sperren während der Zeit gleich ganz zu, und die Polizei entwickelt kreative Nichteinsatzkonzepte, um die Kriminalstatistik im Rahmen zu halten. Aber natürlich bin ich eh ein alter Spaßmuffel und hab von sowas keine Ahnung. Ist ja auch, trara, Tradition.

Ach ja, zuletzt natürlich, die Rapper und ihre bösen Texte! Da sagt wieder keiner was!

Doch, tut man schon. Aber es ist im Grunde wie immer: Man kann den einen Dreck nicht mit dem anderen rechtfertigen. In Afrika verhungern die Kinder, und die Amis bringen die Schwarzen um, und überhaupt, geh doch rüber in die Sowjetunion. Diese Argumentation ist nun tatsächlich traditioneller als das ganze Donaulied. Aber andersrum wird viel eher ein Schuh draus: Ich brauch meinem Kind nichts von Anstand erzählen, wenn ich ihm am Wochenende mit sechs Mass im Genick irgendwas vor-ohohoh-lalalalle. Und wenn wir zuerst mal das tatsächlich abstellen können, dann schaffen wir es auch noch, Bushido beizubringen, wie man mit Messer und Gabel isst. Ganz bestimmt.

Foto: Archiv/ Günter Staudinger
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Kommentare (31)

  • Mr. T.

    |

    Vorschlag zur Güte: eine Dult-Saison ohne Übergriffe und man darf das Lied wieder singen

    Ansonsten wieder mal eine grandiose Schreibe! Danke! Da macht Lesen wieder Spaß!

  • Tom

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    On point geschrieben. Danke!

  • KW

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    Chapeau für diesen Kommentar!
    Frage mich nur warum es eine Petition für Passau und eine weitere für Regensburg gibt? Kommen dann noch welche für Nürnberg, München und jedes weitere Kaff?
    Warum nicht eine für ganz D oder besser den ganzen deutschsprachigen Raum!
    Aber OK, da müssten sich die Petenten halt besser untereinander absprechen. Ich habe natürlich bei beiden unterschrieben.
    Und auch prompt eine schlechtes Gewissen bekommen weil mir “Bobby Brown” immer noch so gut gefällt. Zum Glück konnte damals in Deutschland kein Mensch gscheit Englisch (lol), sonst hätte man Frank Zappa vermutlich nie im Radio gespielt.

  • Robert

    |

    Danke dafür Martin Stein .

    Das mit der Schule war bei mir anders.
    In der neunten Realschulklasse wurde ich als etwa 15jähriger Junge mit diesem Volkslied, das die Vergewaltigung einer Schlafenden als erstrebenswert und schön besingt, zum ersten Mal konfrontiert. Wir waren damals, 1978, eine gemischte Klasse aus Mädchen und Jungs. Wenn ich mich recht entsinne, haben die (gefühlt) coolen Typen das Lied angestimmt, fast alle kannten es und sangen mit, auch der Herr Lehrer. Nur die jungen Frauen hatten keine Lust dazu – verständlicherweise denke ich mir heute.

    So gesehen, hätte sich ja Einiges getan in den Schulen.
    Die coolen Typen, die sich vor allem für Sex-Objektes und ihr Ego interessieren, sind freilich nicht (kaum?) weniger geworden.

    @Mr. T.: ihr gütlicher Vorschlag ist ein Schmarren.

  • Regensburger

    |

    Von der Petition hatte ich schon vor einigen Tagen erfahren. Nach dem Lesen des Gastbeitrags habe ich heute meine Unterschrift spendiert.
    Eine “Kleinigkeit” ist mir dabei auf der Seite openpetition.de aufgefallen.
    Vorweg muss auch aber feststellen, dass das Eine mit dem Anderen nichts bzw. nicht viel zu tun hat und ich auch nicht die Absicht habe, weder das Eine noch das Andere zu relativieren. Das einzig verbindende zwischen beiden Petitionen ist das Thema Gewalt bzw. Androhung von Gewalt.

    Das Eine : die Petition “#Bierzeltsexismus Aktion gegen das Donaulied” hat bisher knapp 31.000 Unterschriften zu verzeichnen.

    Das Andere : vor einigen Wochen habe ich aus gegebenem Anlass und auch weil es mich seit Jahrzehnten beschäftigt und zutiefst beunruhigt die Petition “Keine neuen Atomwaffenbomber für Deutschland – Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland und Europa” unterschrieben. Diese Petition läuft schon wesentlich länger, hat allerdings nur 663 Unterzeichner.

    Anscheinend ist unser Wahrnehmungshorizont sehr eingeschränkt.

  • Tröster

    |

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Chapeau!

  • R.G.

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    In Zeiten von KO Tropfen gibt es keinen Zweifel.
    Ein Lied zur Verherrlichung von Vergewaltigung einer/eines Wehrlosen darf nicht gesungen werden.

    Männer, Frauen, setzt euch hin, textet, komponiert einen Aufruf gegen Gewalt, mit einem Refrain, der zum Rufen der Polizei auffordert, schon wenn man den Beginn von Gewalt beobachtet .

    PS: Herr Stern, Sie sind ein Stern!

  • Camillo

    |

    Ja mei … IQ < 90 + Herdentrieb + Bier = "Donaulied" plärren + Häuser vollbrunzen … Und wenns "Donaulied" verboten wird, findens was Anderes.

  • Untertan Giesinger

    |

    Über manche Themen lese ich nur so hinweg.
    Aber,@KW:

    Frank Zappa kann ich nicht überlesen!

    Sollten Sie und andere mal was anderes, als “Bobby Brown” brauchen, ich habe alles zu Hause!
    (Das sollte jetzt aber bitte keine Einladung zu Sex-Abenteuern sein. )

  • Berthold

    |

    Mir hat das Lied noch nie gefallen. Und zu KW: Frank Zappa war in den 80ern in Bayern auf dem Index, wurde im öffentlich rechtlichen nicht gespielt

  • Altstadtkid

    |

    FZ läuft immer noch im Radio, obwohl jetzt alle perfekt englisch sprechen, war halt auch sein einziger Chart Hit irgendwie,oder?

  • KW

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    @Altsatdtkid
    “Dancing Fool” war meine ich auch noch ein Hit. Habe aber Zappa gefühlt wirklich schon lange nicht mehr im Radio gehört.
    @Camillo
    Ich befürchte, das hat nur relativ wenig mit dem IQ zu tun.
    @Berthold
    Ja, das kann natürlich sein. Als FJS noch König von Bayern war wurde ja auch gerne mal der Scheibenwischer vom BR abgeschaltet. Wirklich schlimme Zeiten.
    Zum Glück habe ich damals noch im “Zonenrandgebiet” Bayerns gewohnt und konnte somit “Radio 3 Südfunk Stuttgart” aus dem benachbarten Ausland (BW) empfangen, da lief auch Zappa.

  • Holzhackerbua

    |

    Tradition?
    Ich bin in den 1970er und 1980er Jahren in der tiefsten Oberpfalz auf dem Land aufgewachsen und habe Bierzelte mit der Muttermilch aufgesogen. In den 1990ern war ich in Regensburg, natürlich auf der Dult, auf dem Adlersberg und dem Bürgerfest. Ich denke, ich kenne jede Bierzelthymne zwischen 1977 und 2007 bis zum Erbrechen.
    Ein “Donaulied” ist mir gänzlich unbekannt.

  • Mr. T.

    |

    Zappa, der übrigens viele Hits hatte, ist ein schlechtes Beispiel. Auf dem Index war er wohl auch nicht. Er besingt hier den Sexist Bobby Brown und hält damit der damaligen Sexualmoral den Spiegel vor. Das ist aber in etwa so, wie wenn Gerhard Polt den reaktionären, chauvinistischen Spießer gibt. Das ist nicht unbedingt Verherrlichung.
    Jeanny von Falco wäre ein besseres Beispiel. Das wurde auch eine Zeit lang boykottiert. Hier wird zumindest mit der Vorstellung einer Vergewaltigung gespielt.
    Das Donaulied in der bekannten Form hingegen ist eine völlig platte und unzweideutige Verharmlosung einer Vergewaltigung, die eine soclhe vor allem als völlig normal hinstellt und nicht mal in den Zweifel einer Unrechtmäßigkeit zieht. Jegliche Absenz von Kunst lässt hier auch die Kunstfreiheit ins Leere laufen.
    Und jetzt stellt man sich mal vor, eine Frau hat ähnliches im wehrlosen Zustand mal erlebt und wird dann durch das zufällige Hören dieses Lieds im entsprechenden, völlig kritiklosen Zusammenhang dann wieder retraumatisiert.
    Der gute Geschmack alleine sollte ausreichen, auf das Singen dieses primitiven Texts zu verzichten. Aber der ist leider nicht jedem gegeben.

  • Julian86

    |

    Sexismus (in Liedern) und (struktureller) Rassismus

    Von Terre des Hommes gibt es ein aufklärendes Video mit dem Titel:
    #unhatewomen – Es ist Zeit, etwas zu ändern.

    In Bristol haben gegen Rassismus Protestierende die Statue eines Sklavenhändlers in ein Hafenbecken geworfen. Der Bürgermeister sah die Statue als “persönlichen Affront”.
    ZEIT

  • Untertan Giesinger

    |

    KW
    8. Juni 2020 um 15:50 | #

    @Altsatdtkid
    “Dancing Fool” war meine ich auch noch ein Hit. Habe aber Zappa gefühlt wirklich schon lange nicht mehr im Radio gehört.
    —————-
    Noch nie bei uns im Radio!

    Wer darüber sich mit mit mit unterhalten will, der erreicht mich.

  • Untertan Giesinger

    |

    Zum Holzhackerbuam, 8. Juni 2020 um 16:25

    Dieses volldepperte “Lied” kenne ich nur aus meiner Grundschulzeit.
    ÜBEL!
    (Nicht die Grundschulzeit)
    Man sollte sowas gar nicht groß zum Thema machen.

  • Piedro

    |

    Gut, zur Abwechslung mal ein wenig Senf von mir; fernab jeglicher, wie auch immer gearteten bajuvarischen Traditionsverbundenheit stellt sich mir die Frage, ob dieser Schenkelklopfer vorväterlicher Primitivität tatsächlich im heimeligen Ambiente eines zeitgenössischen Bierzelts seinen Volkschor findet, oder ob das eher eine Ausnahme ist.

    Eine einzige Darbietung ist es schon wert zu meinen, dass dieser Schund nicht hin zu nehmen ist. Tatsächlich war dergleichen die meiste Zeit der deutschen Traditionsgeschichte eh verboten, weshalb das Liedgut eine Vielzahl an einfallreichen, allgemeinverständlich verbrämten Texten anzubieten hat, in denen Beeren gepflückt und Pilze gefunden werden, dass die Pflaumen um so blauer werden. Als jemand, der dieses Stück Liedgut nie hörte entschied ich mich, mir das zumindest akustisch zu ersparen. Als Besucher eines bayrischen Stammesgebietes stimmte es mich befremdlich, dergleichen im Gebänk vernehmen zu müssen, als Besucherin möchte ich keinesfalls von den Protagonisten dieser Darbietung umgeben sein, die sich vermutlich nüchtern nicht zur gemeinsamen Intonation hinreißen ließen.

    Was mich verwundert ist nicht, dass Personen, die Vergewaltigung als kulturelles Erbe verstehen möchten, sich unflätig gegen jede/n aussprechen, der auch nur den Ruch von Feminismus hat. Wenn eine Frau diesen Abkömmlingen genetischen Volksguts dann auch noch das singen verbieten will ist wohl wirklich gut. Da muss selbstverständlich gedingst werden, und zwar dringend! Aber da fällt zumindest ein Teil der Kommentatoren als Teilnehmer aus, wenn die Frau nicht betäubt oder zumindest eingeschlafen ist.

    Als Wirt könnte man sich die Frage stellen, ob sowas besser nicht gespielt wird, oder spontan angestimmt, ehe der Mageinhalt über das Nordende entsorgt wird, als Veranstalter könnte man sich überlegen dafür zu sorgen. Dazu bräuchte es keine Petition, nur ein wenig Zivilcourage und gesundes Volksempfinden, es reicht wenn die meisten Leute einfach nicht nur deppert sind.

    Von Freiheit der Kunst sollte keiner Reden – außer Beuys vielleicht, aber der schweigt trotzdem, oder Personen, die Judenwitze für schützenswert halten. Wer meint hier völkisches Kulturgut auf dem Altar linksgrünen Gutmenschentums darzubringen, auf das der bayuvarische Mann auf alle die gesungene Legitimation für Vergewaltigung verliere, der liegt sichtig. So schauts aus. Wer meint er müsste trotzdem die Goschen aufreißen und die Welt mit seiner Singstimme beglücken, obwohl ihm kein dümmerer Text einfällt, der kriegt vielleicht rote Ohrwascheln, weil das einem Deppen halt gut steht. Oder es trifft ihn weiter südlich, wenn er es nicht nur singend überreißt.

    Ich habe das wirklich gern gelesen. Dann las ich den Text dieser Volkstümlichkeit. Ganz so platt hätte ich’s dann doch nicht erwartet, aber mei… Bayern halt. Die brauchen so pseudolyrische Ergüsse, weil die heimischen Gegenwartsprimitivos nicht mehr auf der Pfanne haben als ein volkstümliches Outfit. Wer wirklich deftige Kost will, der wende sich gen Wien, wo das Wort ordinär seit vielen Jahren zeitgenössisch von den Hinnichen definiert wird. Selbst denen wäre es zu heikel eine Vergewaltigungshymne anzustimmen, und das liegt nicht daran, dass sexuelle Gewalt nicht tief in der Kultur des Landes verwurzelt ist.

    Hier geht es offenbar um das Grundrecht ein Depp zu sein. Das befürworte ich grundsätzlich. Aber selbst der primitivste Depp darf auch Depp sein, wenn er keine Vergewaltigungsgesänge anstimmt. Er wird es trotzdem tun, weil er ein Depp ist. Ob er sich dabei gut vorkommt ist keine Frage von Gesetzen, sondern von Mitmenschen. Anderes, traditionelles Liedgut, wird auch nicht mehr in Bierzelten dargeboten, und dieser Verlust ist nicht nur hinnehmbar, den begrüße ich ausdrücklich.

  • Günther Herzig

    |

    Die Passauer Studentin hat Recht. Ich kannte das Lied nicht. Über so etwas sollte die Gesellschaft hinweg sein. Leider aber noch nicht. Ich bewundere, was sie tut und viele sehen es auch so.

  • El

    |

    Aufgewachsen und sozialisiert im tiefsten Niederbayern, habe ich – gefühlt – auf jedem Klassenausflug ab der 7. Klasse dieses Dreckslied hören müssen.
    Ich hab damals nicht kapiert, um was es eigentlich geht , mich nur sehr geschämt.

    Dass es sich um eine bagatellierte Vergewaltigung handelt, ist mir erst vor einigen Jahren ins Bewusstsein gesickert.
    Ob die gröhlenden Jungs, die ja nur in die Fussstapfen bzw. Liedzeilen ihrer Vorväter gejohlt haben, wirklich wussten, was sie taten, mag ich nicht beurteilen. Sie haben halt als eingefleischte Bajuwaren den Schmarrn übernommen, den die Alten vorgegeben haben.
    Spätestens die LehrerInnen, die bei den Busfahrten dabei waren, hätten es doch besser wissen müssen und das Singen untersagen.

    Ich finde es so Klasse, dass sich die jungen Studentinnen dafür einsetzen, dass dieser Dreck verschwindet.

    Es wird noch lange Jahre dauern, bis Vergewaltigung im Orkus verschwunden ist – bis dahin ist viel zu tun in allen Etagen der Macht und Ohnmacht.

    Die Petition ist ein Mosaiksteinchen auf dem Weg dorthin.

  • Manfred Schimchen

    |

    Bobby Brown läuft dauernd auf Bayern 1, so ändern sich die Zeiten

  • schneiderkarl

    |

    Dem Artikel kann ich weitgehend zustimmen, bis auf die letzten Absätze zu den Raptexten. Ich geh eher selten in Bierzelte und wie häufig und wo das Donaulied überhaupt noch gespielt wird und wieviele Leute und Männer im Alter, in dem man noch vom Lied zu Tat schreiten könnten, textsicher mitsingen können, weiß ich nicht.
    Ich würde aber vermuten, dass angesichts von YouTube und der verliehenen Preise für verkaufte Alben die Texte von Bushido und anderen deutlich weiter verbreitet sind, und zwar in einer Altersgruppe, in der die Fähigkeit ,zur Tat zu schreiten, etwas ausgeprägter ist und die Enthemmung vielleicht nicht durch Alk, aber andere bewusstseinsverändernde Substanzen evtl auch nicht gerade gering ist.
    Von daher erscheint mir das Verbannen des Donauliedes nicht prioritär gegenüber den ach so kühühünstlerischen Rapreimkünstlerprodukten, auch wenn ich es ekelhaft finde und das Anliegen der Petition berechtigt.

  • R.G.

    |

    @schneiderkarl
    Das Lied wird vermutlich nur der Anfang sein, moderne Liedtexte folgen.
    Herr Stein glaubt in seinem Artikel tatsächlich an eine Weiterentwicklung der Männer zum Besseren.

  • DrMaison

    |

    Corona ist nicht vorbei. Ich bitte Sie diesen Unfug nicht zu verbreiten. Das sind Aussagen, die dazu führen, dass die Menschen keinen Abstand mehr einhalten, keine Masken mehr tragen und eine zweite Welle überaus wahrscheinlich machen.

  • Hthik

    |

    @Mr. T. 8. Juni 2020 um 10:33

    “Vorschlag zur Güte: eine Dult-Saison ohne Übergriffe und man darf das Lied wieder singen”

    Das ist genial.

    Man muss das natürlich auch im Verhältnis sehen, zu anderen Drogen, wie etwa die sicherlich vermutlich zahlreichen Übergriffe nach Marihuanakonsum. Ich weiß jetzt da gerade keine Zahl, aber die ist ja garantiert um ein Vielfaches höher, sonst würde die ganze Drogenpolitik, welche Substanzen wir streng reglementieren und welche nicht, ja nicht den geringsten Sinn ergeben. Das kann ja nicht sein.

    “Ansonsten wieder mal eine grandiose Schreibe! Danke! Da macht Lesen wieder Spaß!”

    Ich stimme zu, muss allerdings zugeben, dass ich mich möglicherweise nicht so recht in einen geistigen Zustand kurz vor der Alkoholvergiftung einzufühlen weiß, was man da als lustig empfinden mag.

  • Kanadier91

    |

    Oh nein wie dramatisch ein Lied das seit Jahrzehnten in Bierzelten gespielt wird Muss unbedingt verboten werden. Dann doch auch gleich Jenny von Falco nie wieder im Radio spielen und fertig ist die Gesellschaft, in der die politische Korrektheit alles diktiert. Achja und bitte allen, denen es gefällt, beim feiern mal über die Strenge zu schlagen, Haftstrafen androhen ;) was für eine verkrampfte, spießige Gesellschaft die Deutschen doch sind.

  • Paul

    |

    Bitte um eine Quellenangabe des Bildes.

    Sollte es nicht auch zukünftig unterlassen werden die zum Mord auffordernde Marseillaise in Deutschland zu spielen? (Fußballspiele und so)

    Ich erspare mir die Aufzählung weiterer Lieder die mir spontan für den Index enfallen würden.

  • Prokrastinator

    |

    @Kanadier und Paul: Jeanny wurde boykottiert und lange Zeit nicht gespielt und sollte als jugendgefährdend eingestuft werden.
    Die französische Nationalhymne, die im Zuge der französischen Revolution zu selbiger gemacht wurde, mit dem Donaulied zu vergleichen, ist ja wohl an kognitiver Schwäche kaum zu überbieten. Sie vergleichen also die Erkämpfung “demokratischer” Rechte mit einer Vergewaltigung. Sind Sie beide eigentlich auch Gegner des Straftatbestands der Vergewaltigung, egal ob in der Ehe oder allgemein? Oder funktionieren Ihre Posts nur auf der Grundlage: Man(n) wird sich doch wohl noch an er Vergewaltigung in einem Liedtext erfreuen dürfen?

  • 1984

    |

    Genau darauf wollte Kanadier91 doch hinaus dass Jeanny boykottiert wurde und (zurecht) jetzt natürlich im Radio läuft….hast du dir schon mal die Charts angeschaut? Da ist Capital Bra regelmäßig Nummer 1 und hör dir mal seine Texte an. Da ist das Donaulied völlig harmlos. Soll man dann am besten alles verbieten, was einem nicht passt?!

  • R.G.

    |

    “Da ist das Donaulied völlig harmlos. Soll man dann am besten alles verbieten, was einem nicht passt?!”

    Für das stärkere Geschlecht wird es sich harmloser anhören als für das schwächere. Vergewaltigungen treffen in der Regel nicht die körperlich Überlegenen.

    Die Studentin hat das Recht, ein Umdenken zu fordern.
    Für sie war eben genau das Lied der Auslöser für ihr Engagement.

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