SOZIALES SCHAUFENSTER

Endgültige Pleite des IZ-Partners

Niemand will die SiWo-Bau haben

Allen Bemühungen des vorläufigen Insolvenzverwalters zum Trotz: Kein Investor will beim früheren Generalunternehmer des „Immobilien Zentrum Regensburg“ einsteigen, auch einstige Subunternehmer und Bauherren wollen nicht mehr mit der SiWo-Bau GmbH zusammenarbeiten.

„Wohnen in den Obstgärten“: Das von der SiWo-Pleite betroffene Baugebiet des IZ am Brandlberg. Foto: Herbert Stolz

„Erhebliche Fehlkalkulationen vor allem bei zwei Bauprojekten und entsprechende Baumängel, die die Firma belastet haben und zur Zahlungsunfähigkeit führten“ sind es, die laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Ivo-Meinert Willrodt zur finanziellen Schieflage der SiWo-Bau GmbH geführt haben. Dem vorläufigen Insolvenzverfahren folgt nun die endgültige Pleite: Voraussichtlich am 1. August wird das Insolvenzverfahren über den früheren Generalunternehmer des „Immobilien Zentrum Regensburg“ eröffnet. Das teilt die damit beauftragte PLUTA Rechtsanwalts GmbH auf Nachfrage mit.

„Erfahrungen in der Vergangenheit“: Keine neuen Verträge

Hintergrund dafür, dass sich trotz intensiver Suche kein Investor fand, ist laut Rechtsanwalt Willrodt die Tatsache, „dass viele Subunternehmer und Bauherren teilweise schon vor der Insolvenz Verträge mit der SiWo Bau gekündigt haben. „Einige Unternehmer wollen keine neuen Verträge abschließen bzw. die alten Verträge aufgrund der Vorfälle in der Vergangenheit nicht wiederaufnehmen.“

Betroffen von der Pleite sind unter anderem mehr als 80 Häuslebauer am Brandlberg. Hier zeigte sich das „Immobilien Zentrum Regensburg“ (IZ) zuletzt verhandlungsbereit und versprach Ende Mai, kurz nach der Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens, „gesonderte Angebote“, bei denen für die Bauherren „keine Mehrkosten in Bezug auf die vertraglich fixierten Baukosten entstehen“. Aktuell sieht es so aus, als ob für die Betroffenen am Brandlberg damit eine tragbare Lösung gefunden wurde – zumindest für die Häuslebauer. Ein Bad Abbacher Unternehmen soll nun die Fertigstellung der Gebäude übernehmen. Wie es dagegen für die Handwerker aussieht, die noch auf ihr Geld warten, ist bislang nicht bekannt.

Funkstille in Olching

Gesellschaftsrechtlich gehört die SiWo-Bau nicht zum IZ. Allerdings gab es bis zuletzt engste Verflechtungen. Jahrelang residierte der so gepriesene Garant des IZ für schlüsselfertiges Bauen am gleichen Firmensitz – drei Monate vor der Pleite wechselte man die Adresse. Der langjährige IZ-Vorstand und SiWo-Alleingesellschafter Ulrich Berger schied aus der Führungsspitze der IZ-Gruppe aus – acht Tage vor der Pleite. Bereits seit Jahren hatte die SiWo schon eine negative Bilanzsumme in Millionenhöhe ausgewiesen.

„Leben in Olching“ – so wurde das Projekt für den Verkauf beworben.

Beteiligungen des IZ an der „Immobilien Zentrum Fürstenfeldbruck GmbH“, bei der knapp 20 Bauherren von der SiWo-Pleite betroffen sind, wurden einen Monat vor der Pleite abgestoßen. Dort, in Olching bei Fürstenfeldbruck, herrscht derzeit Funkstille, was eine eventuelle Lösung zwischen Häuslebauern und IZ betrifft. Man scheint noch zu verhandeln.

Nach außen hin wurde bei diesem Bauprojekt stets den Eindruck erweckt, als ob das IZ Regensburg dahinter stehen würde. Es wurde auf der Firmenseite beworben, Exposés trugen das IZ-Logo und es gab besagte gesellschaftsrechtlichen Verflechtungen. Zuletzt aber hatte das IZ jedwede Verantwortung für dieses Projekt von sich gewiesen. Ende Mai hieß es noch:

„Der Form halber möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die SiWo-Bau GmbH wie auch die Immobilien Zentrum Fürstenfeldbruck GmbH keine gesellschaftsrechtliche Verbindungen mit der Immobilien Zentrum Unternehmensgruppe in Regensburg haben.“

So sehen die Hofgartenhäuser in Olching aktuell aus.

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Kommentare (18)

  • Weichser

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    Das ist nur leider nicht die erste Insolvenz eines vom IZ beauftragten Bauunternehmens und auch in Sachen gesellschaftsrechtliche Verflechtungen zwischen dem IZ und an Projekten beteiligten Unternehmen ist dies alles nicht unbedingt neu. Ich erlebe hier ein DejaVu und erschrecke immer wieder, dass das IZ mit diesem Geschäftsmodell bzw. Vorgehen noch immer Erfolg hat. Im Zeitalter von Google & Co. bleiben solche Geschichten eigentlich nicht verborgen, aber in Zeiten der Wohnungsnot und des unbedingten Wunsches nach einem Eigenheim ist man eben geneigt, die Bedenken und Infos zum IZ auf die Seite zu schieben… ich würde dies heute nach gemachten Erfahrungen so nicht mehr wagen.

  • Mr. T.

    |

    Der Immobilienmarkt in Regensburg ist eben mittlerweile ganz anders als früher. Da mussten Bauträger noch was vorweisen, um Kunden zu gewinnen. Mittlerweile ist das wichtigste, dass man einen Claim zum Schürfen bekommt. Aus diesem Grund haben die Digger auch so viel in die Wahl des Sherriffs investiert. Wenn man erst mal den Boden hat, geht’s ab wie in Klondike. In Rattlesnail City fallen einem dann die Nuggets wie von selbst in die Tasche.
    Und wenn man dann noch einen Generalunternehmer hat, der einem so billig baut, dass er sogar im größten Goldrausch noch pleite geht, ist der Western perfekt. Gut, wenn dann der Sherriff auch noch wenig Zeit und viel zu tun hat.

  • XYZ

    |

    Dazu ist am Rande zu erwähnen: so was wie bei dem IZ gabs offensichtlich bei der BTT nicht, keinerlei Zivilprozesse laut mündlicher Verhandlung, alle zufrieden – bis auf die StA.

  • Markus Frowein

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    Ich würde mit niemandem zusammenarbeiten, der Klotzghettos als „Wohnen in den
    Obstgärten“ deklariert, auch nicht mit deren Mutter- oder Tochtergesellschaften …

  • Jürgen

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    Wohnraummangel
    Bauplatzknappheit
    und eine Stadt die das Bauträgerprinzip für den „Stein der Weisen“ hält.
    Ich mag es (bin befangen) lieber klassisch:
    Ich bin BauHERR
    habe MEINEN Architekten
    und baue auf MEIN Grundstück.
    Statt „schlüsselfertige“ schlechte Qualität und „alles aus einer Hand“!

  • Meier mit „ei“

    |

    @Jürgen
    Aus aktuellen Erzählungen weiß ich, dass das leider oft auch nicht mehr funktioniert. Es wird immer schwieriger, Handwerker zu bekommen, die die Ausführungen auch noch sehr schlecht machen. Man braucht also eine sehr enge Kontrolle des Baus. Eine Bauaufsicht kostet viel Zeit und noch mehr Geld. Das können sich viele finanziell nicht leisten.
    Ein weiteres großes Problem: Auf sehr gute Handwerker folgen in Zukunft oft nur noch schlechte Handwerker. Das höre ich von Betriebsinhabern.
    Außerdem: 200.000 Betriebe in Deutschland haben im Moment keinen Nachfolger.

  • GSH

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    …und in der MZ vom 03. Juli 2019 steht der Artikel, dass das IZ das neue Stadtviertel an der Uni baut und Frau OB lacht beim Spatenstich fröhlich in die Kamera mit den Managern des IZ.

    Das IZ hat nix mit SiWo zu tun. Wir wissen es.

    Konsequenz schaut anders aus, Stadt Regensburg und Frau OB.

  • DJ Samoth

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    Die Politiker gehen gern auf die Spatenstiche und Richtfeste der Bauträger, lassen ein schönes Foto machen und schwingen große Reden. Sie nehmen Spenden an, trinken Sekt und essen vom Buffet. Dann sollten Sie den Bauträgern auch helfen, wenn die sich beim Abzocken verrechnet haben und die Käufer um ihr Erspartes bangen müssen.

  • Lothgaßler

    |

    Der Absprung des Bau-Entwicklers IZ vom klammen Bau-Ausführer Siwo-Bau ist schon bemerkenswert. Die zeitliche Nähe ist kein Zufall und das IZ war mit Sicherheit gut über die Lage der SIWO informiert, das sollte doch eines juristischen Blickes gewürdigt werden. War das IZ vor allen anderen informiert, wurden andere zeitig informiert? Aber seien wir ehrlich: Das GmbH-Imperium IZ hat schon seinen Sinn, und auch das Auslagern der Realwirtschaft-Risiken beim Bau hat Methode. Ein bisserl tragen die kleineren Bauunternehmer und Handwerker auch selber dazu bei: Warum so gern als Unterauftragnehmer unterwegs, warum nicht selber die Gewerke übergreifend (die kennen sich und wissen wem sie trauen können) als Paket (was, wann, wer) dem Kunden direkt anbieten?
    Bei einem Bau (Neubau, Renovierung) in Regensburg und Nähe (reichen 20 km?) sind die Kosten und Risiken so hoch, dass auf Beratung und Aufsicht durch Fachleute nicht verzichtet werden sollte. Das baut man einmal im Leben, und hoffentlich zahlts sich aus.
    Fragen sie Wolbergs: der war um seine Bauaufsicht froh und günstig wars auch noch (der Gag musste jetzt sein).

  • joey

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    @Meier mit „ei“
    der Handwerkermangel trifft alle, auch SIWO.

    Kern der Marktwirtschaft ist Wettbewerb, der Preisdruck erzeugt und damit Effizienz / technische Entwicklung treibt. Die soziale Marktwirtschaft verhindert, daß beim Preisdruck ökosoziale Mindestanforderungen unter die Räder kommen. Das hat gut funktioniert: Der Unterschied vom Trabi zum VW.
    Ein privater Bauherr übernimmt bei eigener Vergabe und Wettbewerbsnutzen ein Risiko, das er mit externer qualifizierter Bauleitung begrenzt. Das Honorar dafür muß geringer sein als der Wettbewerbsgewinn, dann ist das wirtschaftlich. Bei einem Projekt von z.B. 300.000 Euro sollte man sich eine Projektsteuerung leisten.

    Jeder Bauträger nutzt den Wettbewerb jeder Baustelle für sich, das damit verbundene Geschäftsrisiko wurde vom IZ hingegen an die SIWO ausgelagert.

    @Mr. T. hat Recht, diese Pleite darf nicht sein. Es gibt Geschäftsführer mit Pflichten: Wagnis und Gewinn ordentlich kalkulieren und Reserven vorhalten. Unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem ist auf Ordnung und Verantwortung angewiesen.

    Besonders in Regensburg häufen sich auffällige Fehlentwicklungen. Aber dafür ist keiner verantwortlich?

  • Barnie Geröllheimer

    |

    @Stefan Aigner:
    Es gibt keine negative Bilanzsumme, die ist immer positiv. Die Siwobau hatte seit Jahren aufgrund von Verlusten einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag und hätte deswegen, ohne die Patronatserklärung des Gesellschafters, den Geschäftsbetrieb vor Jahren einstellen müssen.

    Das System scheint ganz einfach: Der Bauträger geht mit einem bestimmten -für viele gerade noch stemmbaren – Preis für Haus und Grundstück an den Markt. Das Grundstück hat einen horrenden Preis. Zum Ausgleich wird dem Kaufwilligen ein Bauunternehmen präsentiert, das das Haus zu einem konkurrenzlos günstigen Preis herstellt. So wegen Menge, langer Geschäftsbeziehung und hervorragender Qualität…BlaBlaBla. Was macht der Kaufwillige? Natürlich er unterschreibt einen Bauvertrag. So freiwillig gezwungen, der Not gehorchend.
    Fehlkalklulationen? Eine Fehlkalkulation hat einen singulären Charakter. Hier wurden m.E. absichtsvoll unterdeckte Herstellungspreise abgegeben, um die Gewinne in der Vorstufe anfallen zu lassen. Man hat sich damit indirekt auch noch an den Zulieferern/Subunternehmern bedient, die von der Siwobau nicht mehr bezahlt werden konnten.
    Unsere Lokal-Politiker kuscheln nach wie vor mit dem IZ. Niemand hat sich kritisch zu den Vorgängen geäußert.

  • Matthias Beth

    |

    Barnie Gröllheimer,
    ja, Sie haben das System korrekt beschrieben. Der Dumme in diesem von der Stadt Regensburg geförderten Modell ist immer der Käufer. Warum sollten sich die lokalen Politiker hier angagieren, diese haben doch hierfür Spenden erhalten, unter der Veröffentlichungsgrenze von 10.000 EUR. Hr OB suspendiert Wollbergs und Hr. MdL Dr. Rieger können hierbestimmt Auskunft geben!
    ja

  • Checker

    |

    Kommentar gelöscht. Ihre Aussage ist falsch. Die Grundstückspreise am Nibelungenareal waren per Ausschreibung festgelegt und öffentlich bekannt. Wir haben darüber sogar berichtet: 325 bzw. 450 Euro je Quadratmeter für die Bauplätze des frei finanzierten bzw. öffentlich geförderten Mietwohnungsbaus und 700 Euro je Quadratmeter für die der Eigentumswohnungen.

  • XYZ

    |

    Grund für die Insolvenz dürften Unterkalkulationen bei den Ausschreibungen und mangelnde Bauaufsicht gewesen sein: die Vertragspartner des insoweit wegen der gesellschaftlichen Verschachtelungen nicht haftenden IZ dürfens ausbaden. Einem fachlich kundigeren Bauträger wäre das nicht passiert.

  • Lothgaßler

    |

    Leben und Sterben der SIWO (Quelle: https://www.northdata.de/SiWo-Bau+GmbH,+Regensburg/HRB+15417):
    5.12.2012 geboren in Straubing (SIWO Bau Bogen)
    10.6.2016 Umzug nach Regensburg (SIWO Bau Regensburg) und neue Stiefväter (Geschäftsführung)
    26.2.2019 Umzug innerhalb Regensburgs

    Und im August 2019 steht die SIWO kurz vorm Grab.
    Besonders lange hat die GmbH nicht „gelebt“ und der Umzug nach Regensburg war scheinbar tödlich, insbesondere die Stiefväter haben die GmbH offensichtlich (vergleiche die Jahresabschlüsse nachfolgend) bis zum Kollaps geführt.
    Es ist doch sehr deutlich, dass die SIWO ab 2016 nicht aus eigener Kraft wirtschaftete. Jeder Selbständige würde zum Scheinselbständigen degradiert, warum lässt man diesen Unsinn bei GmbHs durchgehen?

    Jahresabschlüsse der GmbH (für jeden offen einsehbar unter https://www.bundesanzeiger.de/):
    2018: noch nicht veröffentlicht
    2017: Bilanzsumme 12,8 Mio, Bilanzverlust 7,4 Mio.
    Eine Überschuldung der Gesellschaft gemäß § 64 GmbHG ist nicht gegeben, da von Gläubigern für deren Darlehen bzw. aus Forderungsansprüchen aus zugesagten Darlehen bzw. von den Gesellschaftern für Ihre Rückforderungen für den Fall ihrer Inanspruchnahme Rangrücktrittserklärungen (§ 19 Abs. 2, § 39 Abs. 2 InsO) in Höhe von insgesamt 7.412.783,98 Euro mit aufschiebend bedingtem Forderungserlaß im Insolvenzfall vorliegen. Grundlage des Rangrücktritts der Gesellschafter sind selbstschuldnerische Bürgschaftsverträge bzw. Darlehensverträge.

    2016: Bilanzsumme 8,5 Mio, Bilanzverlust 5,1 Mio.
    Eine Überschuldung der Gesellschaft gemäß § 64 GmbHG ist nicht gegeben, da eine Patronatserklärung in Höhe von insgesamt 5.100.000 Euro vorliegt.

    2015: Bilanzsumme 1,3 Mio, Bilanzverlust 0,28 Mio
    (Bilanzabschluss als SIWO Bau Regensburg)

    2014: nichts veröffentlicht (SIWO Bau Bogen)
    2013: nichts veröffentlicht (SIWO Bau Bogen)
    2012: Bilanzssumme 0,057 Mio, Überschuss 0,016 Mio (SIWO Bau Bogen)

  • Mr. B.

    |

    @ Lothgaßler

    Da stellt sich bei mir schon auch die Frage, ob so ein relativ kleines Unternehmen, vermutl. unter dem Dachverband des sog. „Mutterkonzerns“, nicht mehr geprüft wird, was da alles abgeht, weil der „Mutterkonzern“ aufgrund seines großen Einflusses in der Politik und „ehrenwerten Stadtgesellschaft“ ( und der daraus resultierenden Vorteile) auch sowieso von zuständigen Stellen nicht mehr geprüft wird oder geprüft werden darf?

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