Nahost-Konflikt in Regensburg
Seit Freitagmittag herrscht im Nahen Osten eine Waffenruhe. Einen Tag zuvor ĂŒbten rund 300 Menschen auf dem Domplatz Kritik an der israelischen Regierung. Am Mittwoch kam es vor der Synagoge zu einer von der Stadt organisierten Mahnwache.

Die rund 300 Menschen auf dem Domplatz ĂŒben Kritik an Israel. Manche sprechen von âethnischer SĂ€ubering”. Foto: bm
âStoppt das Morden der Kinder in PalĂ€stinaâ, steht auf einem Schild, das eine junge Frau vor ihrer Brust hĂ€lt. Links und rechts neben ihr wehen schwarz-weiĂ-grĂŒn gestreifte Fahnen mit einem roten Dreieck. Es ist das Symbol jenes Flecken Erde, der derzeit wieder fĂŒr zahlreiche Schlagzeilen sorgt. Nachdem die Hamas Raketen auf israelisches Staatsgebiet abgefeuert und Israel sich verteidigt hat, ist der Nahost-Konflikt wieder einmal in eine Welle der Gewalt ausgeartet.
Die Folgen sind auch hierzulande seit Tagen zu erleben. Hass und Aufrufe zum Mord gegen JĂŒdinnen und Juden. Brennende Israelfahnen vor deutschen Synagogen. Bereits am Mittwochabend zeigten sich OberbĂŒrgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Ilse Danziger, Vorsitzende der JĂŒdischen Gemeinde in Regensburg, betroffen. Bei einer Mahnwache erklĂ€rten sie ihr UnverstĂ€ndnis ĂŒber die antisemitischen VorfĂ€lle.
âAntisemiten kriechen aus ihren Löchernâ
âErschreckend viele Antisemiten kriechen aus ihren Löchernâ, beklagt Danziger tags darauf auch am Karavan-Denkmal. âAntisemiten vom linken Rand, von rechtsextremer Seite, aus muslimischen Kreisen und aus der scheinheiligen bĂŒrgerlichen Mitte.â Der Anlass fĂŒr die Kundgebung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) am Donnerstagnachmittag ist auch eine Pro-PalĂ€stina-Kundgebung nur wenige Schritte entfernt auf dem Domplatz.

Vor dem Karavan-Denkmal wollen am Donnerstag rund 50 Menschen ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Foto: om
Dort zeigt sich der Protest gegen die israelische Regierung allerdings deutlich anders als zuletzt in Neukölln oder Frankfurt. Laut eigener Aussage sei die Demo von mehreren an der Uni Regensburg studierenden PalĂ€stinensern organisiert worden. Politisch wolle man sich nicht geben. âEs geht um die Menschenrechteâ und âdie Freiheit PalĂ€stinasâ. Das steht auch auf zahlreichen Schildern der ĂŒber 300 zumeist jungen Teilnehmer. âMit dieser Demo richten wir uns gegen die israelische Siedlungspolitik, gegen Zionismus, gegen Rassismus und Rechtsextremismusâ, erklĂ€rt eine Jurastudentin mit Schwerpunkt auf Völkerrecht in ihrer Anfangsrede. Seit 73 Jahren werde PalĂ€stina unterdrĂŒckt durch den israelischen âApartheidsstaatâ.
âMörder, Mörder, Netanyahu.â
Vergleiche etwa mit dem ehemaligen Apartheidsregime SĂŒdafrikas oder die Gleichsetzung mit dem Holocaust â auch dieser findet sich auf einem Schild â sind es, die laut Experten wie dem Antisemitismusbeauftragten des Landes Berlin, Samuel Salzborn, antisemitische Bilder transportieren und verstetigen. Immer wieder skandieren die Menschen auf dem Domplatz am Donnerstag angeheizt von einem Mann mit Megafon: âMörder, Mörder, Netanyahu.â Auf weiteren Schildern wird gefordert: âStoppt das Töten der Kinder in PalĂ€stina.â Auch das ist ein seit Jahren wiederkehrendes Motiv dieser Proteste. Der Vorwurf, der Staat Israel ziele darauf ab, Kinder zu töten oder nehme es zumindest bewusst in Kauf, mĂŒsse als antisemitisch gewertet werden, erklĂ€rt Salzborn im ARD-Faktenfinder.
âWir wollen auf das Leid der PalĂ€stinenser aufmerksam machenâ, heiĂt es hingegen auf dem Domplatz. Auch gehe es hier nicht um eine Religion. âWir wollen friedlich die israelische Politik kritisieren.â Netanyahu sei als MinisterprĂ€sident dafĂŒr verantwortlich, dass wieder einmal Menschen in den palĂ€stinensischen Gebieten getötet und verletzt wĂŒrden. âIn StĂ€dten werden arabische Menschen verfolgt, geduldet von der Polizeiâ, sagt ein Ă€lterer Mann im Nachgang zur Kundgebung.
Mit Terror nichts am Hut
Die Hamas, die seit 2007 nach einem international ĂŒberwiegend als Putsch bezeichneten Konflikt im Gazastreifen regiert, findet in den Reden und den Parolen keine ErwĂ€hnung. Auf Nachfrage erklĂ€rt einer der Veranstalter, mit Terror wolle man nichts zu tun haben. âDie Menschen werden von allen Seiten unterdrĂŒckt.â Die internationale Staatengemeinde schaue weg. âIst die Welt stumm und dumm? Die bringen Kinder umâ, ruft ein Mann, den Vorwurf auf Israel gerichtet. Die Menge skandiert mit.

Immer wieder rufen die Teilnehmerinnen âFree Palastine” und “Mörder, Mörder, Netanyahu”.
Schon im Vorfeld hatten die Veranstalter in den Sozialen Medien deutlich darauf hingewiesen, dass man einen friedlichen Protest und keine Anfeindungen gegen Juden oder gar brennende Fahnen wolle. Insgesamt herrscht auf der SĂŒdseite des Doms eine emotionale, aber nie aggressive Stimmung wie sie in den letzten Tagen in einigen StĂ€dten vorgeherrscht hatte. Aus vielen spricht die eigene Betroffenheit. Einige erzĂ€hlen gegenĂŒber unserer Redaktion von ihren Familien vor Ort und dem jahrzehntelangen Konflikt. Viele der Anwesenden sind aber vor allem aus SolidaritĂ€t da. Fahnen Tunesiens, des Irak und des Libanon sowie einiger anderer Staaten des Nahen Ostens sind zu sehen. Ein beliebtes KleidungsstĂŒck ist das sogenannte PalĂ€stinensertuch (Kufiya).
StaatsgrĂŒndung Israels: Ein âTag der Trauerâ?
Man wolle in Frieden leben, beteuern die Veranstalter. Doch unter der israelischen Besatzung und deren UnterdrĂŒckung sei das nicht möglich. âWe canÂŽt breathe since 1948.â Der von der Black Lives Matter-Bewegung entliehene Ausspruch verweist auf das GrĂŒndungsjahr des Staates Israel. Es sei der Tag âder groĂen Trauerâ. So nennt es die Jurastudentin. Denn damals seien viele PalĂ€stinenser vertrieben worden.

Ein Demonstrant will in Israel Pogrom, Holocaust und Apartheid erkennen. Foto: bm
Bereits wenige Stunden nachdem David Ben Gurion am 14. Mai 1948 den Staat Israel auf dem ehemaligen britischen Mandatsgebiet ausgerufen hatte, erklĂ€rten mehrere arabische Staaten dem neugegrĂŒndeten Staat den Krieg. Das ursprĂŒnglich vorgesehene Staatsgebiet wurde hierdurch ausgeweitet und mehrere hunderttausend Menschen der arabischen Bevölkerung flohen in die NachbarlĂ€nder. In den Folgejahren kam es immer wieder zu teils kriegerischen Auseinandersetzungen. Dass in den Medien und von der Politik in Deutschland dabei oft von einem Konflikt gesprochen werde, stöĂt den Demonstrierenden auf. Die âerzwungene ethnische Vertreibung der PalĂ€stinenserâ und der âzionistische Siedlungsbauâ mĂŒssten gestoppt werden.
âErschreckend viele Expertenâ
Ilse Danziger betonte am Mittwochabend bei der gemeinsamen Mahnwache mit der Stadt Regensburg: âIsrael verteidigt sich.â Und das sei sein Recht. Der Nahost-Konflikt dĂŒrfe nicht herhalten, âum Menschen in Deutschland fĂŒr die israelische Politik in die Verantwortung zu ziehenâ. Genau das geschehe aber immer wieder. âFurchtbarâ sei dabei auch immer âwie viele Nahost-Experten es dann plötzlich wieder gibtâ. Jeder meine, etwas dazu sagen zu können. So auch zuletzt die Fridays for Future-Aktivistin Greta Thunberg. âBei vielen fehlt das absolute Grundwissen. Die sollten sich erstmal informieren.â
Danziger nimmt schon seit lĂ€ngerem âauf breiter FlĂ€cheâ einen zunehmenden Judenhass war. Vieles werde wieder sagbarer. Auch dass offen gegen Juden gehetzt werden könne, sei eine âfurchtbare Entwicklung in Deutschland. Jetzt bekommen wir es gerade von allen Seiten ab.â Die Querdenker-Demonstrationen hĂ€tten mit zahlreichen antisemitischen VerschwörungserzĂ€hlungen rund um die Corona-Pandemie âihr erstes beigetragen.â Die Situation in Israel trage es auch wieder von anderer Seite âvoll hier reinâ.
OB warnt vor einem âAuseinanderfallen der Gesellschaftâ
Danziger, die ĂŒberregional gut vernetzt ist, bekommt auch aus anderen Gemeinden und vom Zentralrat der Juden in Deutschland viel mit. Es sei âerschreckend und traurigâ. âMan kann das gar nicht wiedergeben, wie bösartig manche Menschen sind.â Vor allem in den Sozialen Medien entlade sich der Hass.
Danziger sieht die Politik in der Pflicht und fordert, das Thema mehr in die Bildung, auch von GeflĂŒchteten, einzubauen. In der Ausbildung der GeflĂŒchteten mĂŒsse âmehr Wert auf die demokratische Vermittlungâ gelegt werden. Gleichzeitig mĂŒsse die Gesellschaft klarer gegen Antisemitismus einstehen. Das fordert auch die OberbĂŒrgermeisterin am Mittwochabend. Man mĂŒsse sich immer wieder âklar gegen Hass, Hetze und ein Auseinanderfallen der Gesellschaftâ auf die StraĂe stellen. âAuch gegen antimuslimische Hetze, das ist ganz klarâ, betont das Stadtoberhaupt. Deshalb sei man in Regensburg mit allen im Dialog. Das dĂŒrfe man nicht abreiĂen lassen.
Dieser Wunsch nach einem friedvolleren Miteinander ist auch am Donnerstag auf dem Domplatz prĂ€sent. âWir wollen Frieden fĂŒr PalĂ€stinaâ lautet die zentrale Forderung. âWir wollen friedlich nebeneinander existieren,â betonen die Veranstalter im Nachgang gegenĂŒber unserer Redaktion.


Harry
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Ich finde es ziemlich erschreckend, dass eine “Jurastudentin mit Schwerpunkt auf Völkerrecht” in dem Kontext von einem “Apartheidsstaat” spricht (wenn das die wörtliche Rede war). Auch der Vergleich mit der Black-Lives-Matter-Bewegung ist in meinen Augen nicht zu rechtfertigen, allein schon das “since 1948” sollte deutlich machen, dass der Vergleich nicht zu ziehen ist, weil die Geschichte von der systematischen UnterdrĂŒckung Schwarzer Menschen deutlich lĂ€nger geht â wie freilich auch die Verfolgung von JĂŒd:innen. Und dieser “Kindermörder”-Vorwurf lĂ€sst sich aber einerseits genauso an die Hamas richten (“Schutzschild”taktik), andererseits sehe ich das Wort selbst in der gleichen Tradition wie z.B. das “Brunnenvergifter”, und wenn das keine antisemitische Tradition sein soll …
MaSlos
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‘A*’ und ‘B*’ schlagen sich mal wieder die SchĂ€del ein. (est. since 1948)
Zitat: ‘Gleichzeitig mĂŒsse die Gesellschaft klarer gegen Antisemitismus einstehen’ (*A)
Zitat: ‘Auch gegen antimuslimische Hetze, das ist ganz klar’ (*B)
Und ich soll wieder fĂŒr alle(s)(A*+B*) VerstĂ€ndnis haben.
FĂŒhle mich gerade ein klein wenig ĂŒberfordert!
joey
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es kommt nun leider an die OberflĂ€che, was ich im Privaten schon lange erfahren muĂte – und hier auch immer erwĂ€hnt habe: JudenhaĂ in migrantischen Kreisen. In meinem Erfahrungsbereich waren es Deutsche mit “stolzer” tĂŒrkischer Abstammung (“reinrassig ohne Vermischung” wie bei mir) und russische oder ukrainische “Traditionen”.
Hier sind ja nicht Ukrainer, sondern “SĂŒdlĂ€ndische”, unterstĂŒtzt von Linksextremisten die das hier als Vehikel nutzen. Die “bĂŒrgerliche Mitte” (Danziger) ist das jetzt nicht.
Lösung: wir sind Deutschland. Parallelgesellschaften mĂŒssen bekĂ€mpft werden. Der EinfluĂ des tĂŒrkischen Staates muĂ strengstens unterbunden werden. Wir sprechen Deutsch auf Schulhöfen und singen die deutsche Nationalhymne ein wenig öfters.
Und die jĂŒdischem Gemeinden im System des Zentralrats der Juden in Deutschland sollten ihre Israel FĂ€hnchen wegwerfen. Manchmal wundert es mich nicht, daĂ immer wieder was durcheinander geht.
Nochmal zur Klarstellung: die Hamas schieĂt (ungezielt) breit auf Zivilisten.
Fabian
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@Harry
Der Apartheid-Vorwurf ist nicht kontrovers fĂŒr irgendjemanden, den Menschenrechte wirklich interessieren. Man mag das als Deutscher unangenehm finden, aber das ist die RealitĂ€t.
Schutzschilde: Ich halte das gröĂtenteils fĂŒr einen voreingenommenen Talking Point. Das wird oft behauptet und allermeistens widerlegt. Und es ist natĂŒrlich eine MonstrositĂ€t, wenn es tatsĂ€chlich passiert.
Ich wĂŒrde mir etwas mehr Skepsis zutrauen, was das israelische MilitĂ€r angeht. Die sind kein Akteur, der sich um KollateralschĂ€den groĂ schert. In der aktuellen Eskalation hat es das GebĂ€ude, das unter anderem die BĂŒros der Presseagentur AP hatte, zerstört, mit nur einer Stunde Evakuierzeit. Angeblich seien Hamas-Geheimdienstler dort auch gewesen. Diese Linie ist doch stark anzuzweifeln, da auch AP ein Interesse hat, nicht in der NĂ€he von Terroristen zu sein und es laut eigenen Erkenntnissen auch nicht war.
Wir wissen alle, was passieren wĂŒrde, wenn die MachtverhĂ€ltnisse von Hamas und Israel umgekehrt wĂ€ren, und das ist besser so, dass die offen genozidale Hamas unterlegen ist. Aber deswegen darf man nicht das Leid der PalĂ€stinenser so leichtfertig wegwischen und einen Antisemitismus konstruieren, wo es nue geht.
Ich hÀtte auch George W. Bush oder Barack Obama Kindermörder genannt, wenn ich Verwandte an deren Panzer- und Drohnenverbrechen verloren hÀtte.
Mr. T.
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Es scheint, als wolle man sich die 2000-jÀhrige christliche Tradition des Antisemitismus nicht von Muslimen wegnehmen lassen.
Es ist nicht zu entschuldigen, dass Araber ihren Zorn an in Deutschland lebenden Juden auslassen, aber es ist noch weniger zu entschuldigen, wenn sich ganz Deutschland erst dann um Juden sorgt, wenn der Hass von auĂen kommt. Vielleicht ist das aber auch nur ein willkommener Anlass, um antimuslimische Ressentiments auszuleben.
auch
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Ist es heute denn ĂŒberhaupt noch möglich, gegen die Politik des Staates Israel zu protestieren, ohne von vorne herein als âantisemitischâ abqualifiziert zu werden?
joey
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@auch
ja, aber nicht anlĂ€Ălich der Angriffe der Hamas “Kindermörder” und Holocaust rufen bzw bei Leuten dabei sein, die sowas machen.
RatisBoo!ner
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Mr. T.: Das erste Pogrom gegen eine jĂŒdische Gemeinde in Europa fand 1066 im muslimischen Granada statt. Antisemitismus ist also auch dem Islam nicht wesensfremd, selbst wenn das ihren antichristlichen Stereotypen widerspricht.
Wenn ich mich richtig erinnere, gab es schon zahlreiche Mahnwachen gegen Antisemitismus (leider immer wieder notwendig) und da spielte der immigrierte niemals eine Rolle.
Taxifahrer
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Mich nervt diese Globalisierung der Proteste.
Mr. T.
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GĂŒnther Herzig, danke, freut mich!
RatisBoo!ner, ich habe weder behauptet, dass es keinen muslimischen Antisemitismus gibt, noch dass es bislang kein Anti-Antisemitischen Bestrebungen gegeben hĂ€tte. Allerdings ist es schon komisch, dass auf einmal C-Politiker aufwachen und ihr Herz fĂŒr jĂŒdische Probleme entdecken, als muslimischer Antisemitismus wieder sichtbarer wird. Auf einmal werden Abschiebungen gefordert und dabei ganz vergessen, dass man die Antisemiten in ihren eigenen Reihen nicht mal abschieben kann.
Gscheidhaferl
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Die Mehrzahl der Diskussionen kommt mir doch reichlich absurd vor.
Um was geht es? Israel und eine palĂ€stinensiche Miliz haben (im Rahmen eines Konflikts, der bereits mehr als ein halbes Jahrhundert andauert) mal wieder GrĂŒnde gefunden, aufeinander einzuschlagen. Wieder einmal gab es viel zu viele Tote. Wie nicht anders zu erwarten, macht jede Seite die jeweils andere dafĂŒr verantwortlich. Die Situation ist hochgradig vergiftet und polarisiert. Entsprechend wird auch in der Diaspora protestiert. Deutsche Juden werden mit unangenessenen VorwĂŒrfen und Anfeindungen konfrontiert. Bei den Protesten wird aber auch nicht unbedingt differenziert, was davon vielleicht legitim sein könnte. Es genĂŒgt der Verweis auf antisemitische Parolen, um den ganzen Protest zu diskreditieren. So weit, so vorhersehbar.
In den Medien kommen meistens auch nur die Unversöhnlichen zu Wort. Als ob es keine Israelis gĂ€be, die das Vorgehen des eigenen Landes gegen die PalĂ€stinenser kritisch sehen und fĂŒr Versöhnung eintreten wĂŒrden. Als ob es keine PalĂ€stinenser gĂ€be, die es satt haben von der Hammas skrupellos instrumentalisiert zu werden. Schwarz-WeiĂ lĂ€sst sich eben einfacher verkaufen.
Und als SahnehĂ€ubchen dann noch die aus GrĂŒnden der Stastsraison empörte deutsche Politik (mit Ausnahme der völlig charakterlosen AfD natĂŒrlich). Gegen eine politisch und ökonomisch unbedeutende Minderheit wie die PalĂ€stinenser ist das kein HeldenstĂŒck.
Es kann doch niemanden wirklich verwundern, dass hier kaum mehr jemand differenziert und besonnen agiert. Alle schieĂen von ihrer jeweiligen Posiition aus immer wieder ĂŒber das Ziel hinaus. Und die eigentlichen Profiteure sind die Hardliner auf beiden Seiten (in PalĂ€stina und Israel), die sich mit ihren mörderischen Possen in den Augen ihrer jeweiligen AnhĂ€nger wechselseitig legitimieren.
Es war absehbar, was die ZwangsrĂ€umungen in Ostjerusalem bewirken wĂŒrde. Es war absehbar, wie Israel auf den Raketenbeschuss reagieren wĂŒrde. Die Toten waren absehbar und einkalkuliert. Und es war absehbar, dass es bei Protesten im Ausland zu anti-jĂŒdischen VorfĂ€llen kommen wird.
Und es ist leider auch absehbar, dass uns dieser tragische Konflikt noch lange Zeit erhalten bleiben wird. Ungeachtet der billigen Empörung und der mitunter böswilligen VerkĂŒrzungen auf allen Seiten; ob bei den PalĂ€stinensern, auf Seiten Israels oder auf Seiten der internationalen Gemeinschaft, die sich letztlich auch nur dafĂŒr interessiert, wie sie von dem Konflikt profitieren kann.
Ich fĂ€nde, gemeinsame Proteste (ĂŒber Religions- und NationalitĂ€tsgrenzen hinweg) gegen das zynische BlutvergieĂen wĂ€ren die schönste und beste Antwort, die unsere Gesellschaft geben könnte. Aber wenn ich sowas öffentlich Ă€uĂern wĂŒrde, gĂ€be ich mich leider nur der LĂ€cherlichkeit preis, oder?
Wolf-RĂŒdiger WeiĂ
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Es geht um das “hic et nunc”, um das sofortige Aufhören mit dem gegenseitigen Beschuss und der gegenseitigen Schikane, vor allem mit der unertrĂ€glichen Landnahme durch Israel.
Dennoch beschĂ€mt es mich als Deutscher, dass Synagogen Polizeischutz brauchen. Mal wieder den “Nathan” lesen!!!
R.G.
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@Gscheidhaferl
“Die Mehrzahl der Diskussionen kommt mir doch reichlich absurd vor.”
Das lĂ€sst anklingen, sie besĂ€Ăen einen Bildungsvorsprung.
So das wahr ist, haben Sie dadurch soziale Verantwortung, die sich darin ausdrĂŒckt, anderen Hinweise auf gute, einfĂŒhrende, erklĂ€rende Literatur zum Thema zu geben.
Weiser/in ist man, um bei Bedarf zu unterweisen. Von oben herabgucken gilt nicht. ; )
Andreas
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Man sollte nicht unterschlagen, woran sich die Proteste in Israel ursprĂŒnglich entzĂŒndet haben: An der ZwangsrĂ€umung von HĂ€usern, die arabischen Einwohnern Ost-Jerusalems (“PalĂ€stinensern”) durcch Israelis weggenommen werden sollten.
Dagegen wurde protestiert und die Hamas hat den Protest genutzt um sich und ihre Raketen in Stellung zu bringen. Das Verhalten der Hamas ist unverzeihlich aber die extrem gnadenlose Haltung rechtsnationalistischer Kreise in Israel ist das auch.
Die Kompromissbereiten auf beiden Seiten wurden im wahrsten Sinne des Wortes eliminiert und jetht steuert das auf eine groĂe Katastrophe zu.
Madame
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Der Hass zwischen Juden und Muslime gehört nicht auf Deutschlands strassen.Das sieht man wieder, was Religionen aus Menschen wilde Tiere macht
Gscheidhaferl
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@Andreas
Ich glaube, Ihre ErklĂ€rung greift zu kurz. Das war der Grund, warum ich daran erinnert habe, dass wir es hier mit einem Konflikt zu tun haben, der wenigstens ins Jahr 1948 zurĂŒckreicht.
Ich weiĂ zudem nicht, auf welche groĂe Katastrophe der Konflikt noch zusteuern sollte. Der Konflikt ist eine einzige, riesige Katastrophe. Und ich fĂŒrchte, die entscheidenden Akteure haben gar kein Interesse ihn zu beenden. Insofern ist meines Erachtens nicht von einem Ende mit Schrecken, sondern von einem Schrecken ohne Ende auszugehen. Zumindest bis auf Weiteres.
Auch weil viele nicht bereit sind, sich den Konflikt wirklich unfassend anzusehen. Jeder pickt sich nur die Ausschnitte heraus, die geeignet sind, die eigenen Thesen zu stĂŒtzen.
Und die Politik in Deutschland ist vielleicht sogar froh, wenn es zu judenfeindlichen AusfĂ€llen kommt. Da kann sie sich groĂartig empören, ohne ernsthaft negative Konsequenzen fĂŒrchten zu mĂŒssen. Und mit etwas GlĂŒck kann damit auch darĂŒber hinweggetĂ€uscht werden, dass darĂŒber hinaus keine konstruktiven Schritte zur dauerhaften Befriedung unternommen werden. Vielleicht aber der eine oder andere Waffendeal mit der einen oder anderen Konfliktpartei. Wenn dann mal wieder keiner so genau hinschaut.
joey
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@Gscheidhaferl
die Hamas hat tausende von Primitivraketen gehortet und diese nun abgefeuert. Dieses Zeug ist per se eine Waffe gegen Zivilisten: die Dinger schlagen irgendwo in StÀdten ein und sind nicht geeignet, militÀrische Ziele zu bekÀmpfen.
Die Hamas ist eine Diktatur/UnterdrĂŒckung, die im eigenen Volk foltert und mordet, wer nicht genug jubelt. Das “Strafrecht” ist absolut homophob und intolerant (islamische Gesetze).
Ich wĂŒrde von Deutschen eher Demos gegen Hamas (und Fatah) erwarten.
BeschuĂ ist keine politische Ausdrucksweise. Wer das auch nur beschönigt oder entschuldigt, muĂ wohl als UnterstĂŒtzer zĂ€hlen.
Gscheidhaferl
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@joey
Vielleicht lesen Sie erstmal, was ich geschrieben habe.
Andreas
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@Gscheidlaberl:
Der Anlass fĂŒr die jetzige Eskalation war die versuchte ZwangsrĂ€umung arabischer Einwohner aus HĂ€usern in Ostjerusalem, basierend auf angeblichen BesitzverhĂ€ltnissen aus 1948.
Dass die Ursachen tiefer liegen ist eine Binse und allgemein bekannt.
Und die groĂe Katastrophe auf die das zusteuert ist ein Ă€uĂerst blutiger BĂŒrgerkrieg im Inneren Israels. Denn neu an diesem Konflikt ist, dass auch die Araber, die in Israel leben, in groĂer Zahl zur Gewalt greifen und sich mit den zionistischen Extremisten StraĂenschlachten liefern. Der Hamas gelingt es in weit stark zunehmendem AusmaĂ, diese PalĂ€stinenser, die ja StaatsbĂŒrger Israels sind, zu Gewaltexzessen zu animieren.
Wenn ein solcher BĂŒrgerkrieg ausbricht, ist das was in den letzten Tagen passiert ist, nur ein kleiner Auftakt gewesen. Wir mĂŒssten dann wieder mit einer groĂen FlĂŒchtlingswelle rechnen.
Eleonore
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Nahost-Konflikt in Regensburg?
Gibâs es denn bei uns nicht genĂŒgend Konflikte die aufgearbeitet werden mĂŒĂten?
R.G.
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@Joey
Zu dem Thema, hoffte ich Ihre Gedanken lesen zu dĂŒrfen.
Nicht wie sonst ein ZwiegesprÀch mit einem User, sondern Ihr Wissen, auf dem Hintergrund Ihrer eigenen Biographie.
Mir ist in diesem Jahr sowohl bei einer aus den islamischen LĂ€ndern zugewanderten FlĂŒchtling (aufgewachsenen ohne jedweden Kontakt zu Juden) ein mit der Muttermilch eingegebener Judenhass miterlebbar begegnet, als auch bei einer Israelin einer Versöhnungsbewegung nachv Deutschland, einer Patriarchin einer Sippe aus der dortigen Siedlerbewegung, ein unbĂ€ndiger Hass gegen die PalĂ€stinenser, vermischt mit ihrem Kampf gegen Nazis. Dabei begriff ich, wie entfernt von der Wirklichkeit die Beschreibungen in unseren Nachrichten ausfallen, zu oft wie ein auf rein sachlichen Inhalten beruhendes Problem lediglich zweier Seiten.
Mich interessiert Ihre EinschĂ€tzung, ob in der TĂŒrkei bei linken Oppositionsparteien oder Angehörigen von Minderheiten, Kopten, Kurden, Hellenen/Griechen, Armeniern ein gleich hasserfĂŒlltes Bild gegenĂŒber Menschen aus Israel besteht, wie es allgemein in islamischen LĂ€ndern “Pflicht” sein soll.
Was meinen Sie, wird mit dem Leben in Deutschland das Bild der Zuwanderer versöhnlicher, schaukelt es sich eher noch auf?
Gscheidhaferl
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@Andreas
Mit dem Verweis auf 1948 (StaatsgrĂŒndung Israels) wollte ich nicht auf die angeblichen BesitzverhĂ€ltnisse hinsichtlich der gerĂ€umten HĂ€user hinaus. Das war wahrscheinlich missverstĂ€ndlich.
Ja, natĂŒrlich ist es eine Binsenweisheit, dass der Konflikt weiter zurĂŒckreicht. Aber wer berĂŒcksichtigt das denn wirklich? In der Regel wird doch nur auf die jĂŒngsten Ereignisse fokussiert. Die Empörung ĂŒber die judenfeindlichen AusfĂ€lle sind doch ein gutes Beispiel dafĂŒr. NatĂŒrlich sind diese Vorkomnisse inakzeptabel. Aber es ist nicht sachdienlich die HintergrĂŒnde auszublenden. Da reicht – wie Sie selbst ja auch zurecht monieren – die offizielle Wahrnehmung noch nicht mal bis zu den RĂ€umungen.
Und die sind auch nicht richtig eingeordnet, wenn sie lediglich als ‘einfache’ Eigentumsstreiterei betrachtet werden. Es geht – wie ich Ihnen nicht sagen brauche – um die Vereinnahmung Jerusalems.
Ja, Sie haben auch Recht, dass die Gewalt wieder einmal zu eskalieren droht. Aber eben: Wieder einmal.
Darum ist fĂŒr mich die eigentliche Katastrophe eher, dass trotz all dem jahrzehnte langen Leid offenbar immer noch keiner der wesentlichen Akteure ernsthaft an einer dauerhaften Befriedung interessiert ist.
Israel meint sie nicht nötig zu haben und die Hamas weiĂ, dass sie gewaltsam letztlich nichts Entscheidendes ausrichten kann. Beide Seiten treiben hier ein zynisches Spiel, das noch viele Leben kosten (und natĂŒrlich wieder zu groĂen Fluchtbewegungen fĂŒhren) wird.
Nur gibt in Europa offenkundig eben auch kein hinreichende Bereitschaft, dem entgegenzuwirken. Damit erweist man weder den PalĂ€stinensern, noch Israel einen Dienst. Ganz im Gegenteil. Und dann kann man sich eigentlich die wohlfeile Empörung sowie Auslandsreisen des Aussenministers schenken, die nichts auĂer irrefĂŒhrende Bilder fĂŒr den deutschen Wahlk(r)ampf bringen.
Und Sie sehen ja, der eigentlich relativ differenzierte Protest in Regensburg geht dabei unter.
R.G.
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@”Nahost-Konflikt in Regensburg?
Gibâs es denn bei uns nicht genĂŒgend Konflikte die aufgearbeitet werden mĂŒĂten?”
Es ist ein Konflikt, zu dem ein unmittelbares Nachbarland der EU, am Landweg die TĂŒrkei, direkt Stellung beziehen wird. Mit Worten oder Waffen.
HartnÀckig
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@ RG
Danke fĂŒr den Kommentar.
Ich kann das leider nur bestĂ€tigen. Habe das nicht nur einmal erlebt, dass Araber ganz massiv gegen Juden grundlos gehetzt haben. Das passt nicht zusammen. Sich in Deutschland Schutz ( Asyl ) zu erwarten, weil man in der Heimat – aus welchen GrĂŒnden auch immer – verfolgt ist, und in Deutschland Verfolgung ( ja das kann man sehr wohl auch verbal ) aktiv gegen Juden praktizieren.
Und ich schreibe das, obwohl ich sehe, dass der Staat Israel alles andere als mit Samthandschuhen gegen die Palistinenser vorgeht !
Dies wiederum lĂ€sst den SchluĂ zu, dass es auch in Israel genĂŒgend Menschen gibt, denen der Friedenswille gĂ€nzlich fehlt !!!
R.G.
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@HartnÀckig
Selbst in einer multinationalen Umgebung, in relativ sicherer Umgebung aufgewachsen, hege ich den Verdacht, dass ein Teil des rassistischen Hasses erst in den FlĂŒchtlingskonserven nach Ankunft gemacht worden sein könnte, was Sippen, die sich die gleichen Gene mit mir teilen, anbelangt.
Da sind die im Weltkrieg evakuierten, zu Beginn in StĂ€llen von Bauern eingepfercht gewesenen alten Verwandten, alle zwar von den Pfaffen zwangsweise bigott gemacht aber doch bald integriert. Ein Teil von ihnen spĂ€ter an Lager weitergereicht, damit sie fĂŒr guten Lohn in der Schwerindustrie im Hochofen oder in Bergwerken arbeiten und mit spĂ€testens vierzig tot umfallen sollten.
In den gleichen Lagern erfolglos auf Auswanderung nach Amerika Wartende, alle “hĂŒbschen” Knaben ĂŒbergriffigen Priestern, oder als Alternative Rechtsnationalen als Miterziehern, ausgesetzt.
Bereits beim Ausfassen der Hilfen mussten sich Knaben und MĂ€dchen, MĂŒtter und VĂ€ter getrennt anstellen. Die Familie wurde entwertet. Um satt zu werden, galt es sich einer Kirche oder Partei einzuordnen; am Ende der Veranstaltungen fasste man Nahrung zum Mitnehmen aus.
WĂ€hrend in der Landschaft meiner Ahnen die BerufstĂ€tigkeit der Frau, eine Idee von Gleichberechtigung, Kindergarten und Bildungspflicht vor Jahrhunderten “erfunden” wurde, haben alle im Lager GeprĂ€gten – bis in die Siebziger Jahre waren einige da, in unterschiedlichen europĂ€ischen LĂ€ndern – ein ekelig bösartig Verhalten gegenĂŒber Frauen, AndersglĂ€ubigen, Andersdenkenden und Andersliebenden (nein, es sind nicht anders Liebende, sie lieben wie ich tief) gelernt.
Eine nun öffentliche Kartei der Amerikaner zeigt, dass die gleichen Leute in den ersten Nachkriegsjahren noch weltoffen gewesen waren.
Ich gehe eigentlich mit der inneren Mission herum, ankommende Menschen so schnell als möglich als Familien oder familienĂ€hnliche Gemeinschaften zu integrieren. Wir können es uns nicht leisten, sie in MassenunterkĂŒnften radikalisieren zu lassen.
Joey, wie sehen sie das, ist der Antisemitismus eine seit frĂŒhester Kindheit mitgegebene Option, und sich erst unter ungĂŒnstigen Bedingungen nach der Emigration als identitĂ€tsstiftendes Element verfestigende fanatische Mission?
R.G.
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PlĂ€doyers von Goran Bregovic und Ogni Radivojevic fĂŒr das Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen und Ethnien, wie sie es als Kinder noch am Balkan erlebt hatten:
https://www.youtube.com/watch?v=vsXsTYfrQIw
https://www.youtube.com/watch?v=ISGealhpxQY
“written as a metaphor for the three religions coexisting in Sarajevo: Christianity, Judaism and Islam”
http://www.theblues-thatjazz.com/en/rock/92-goranbrgovic/23931-goran-bregovic-three-letters-from-sarajevo-opus-1-2017.html
https://www.wrti.org/post/goran-bregovi-reconciles-religion-music-three-letters-sarajevo
joey
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@R.G.
ich bin da pessimistisch. Viele Muslime und orthodoxe Christen bleiben im Privaten “TĂŒrken und Russen”, sind also Parallelgesellschaft Sie werden bestĂ€rkt durch diverse staatliche russische und tĂŒrkische EinflĂŒsse. Deswegen fordere ich mehr “deutsch” ein, wie es in den klassischen EinwanderungslĂ€ndern als “amerikanisch” auch lange verlangt wurde. Eine klare Ăbernahme der hiesigen StaatsrĂ€son.
Dieses Deutschland von heute ist friedlich und tolerant in umgekehrter Folge der NS Zeit. Da meinen fast alle Einwanderer der obigen Gruppe, daĂ sie das nichts angeht, weil ihre GroĂvĂ€ter nicht dabei waren oder gar Opfer…
Seit dem Auftauchen der AfD hat man das Thema Einwanderung und seine Folgen einfach nicht diskutiert. Der offene JudenhaĂ der “SĂŒdlĂ€nder” zwingt uns nun dazu…
Nein, alles bleibt wie vorher. Beim nĂ€chsten Vorfall hören wir dann die gleichen EntrĂŒstungen und Entschlossenheiten der Innenminister: “Abschieben”.
wahon
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Die Menschenrechte sind unteilbar. Wer den Anspruch auf die Menschenrechte von der Staatsangehörigkeit, der NationalitÀt, der Kultur oder der Religion abhÀngig macht, handelt gegen das Prinzip der universellen HumanitÀt.
Die islamischen Staaten und der Staat Israel sind “Religionsstaaten”, d.h. allein die Religion bestimmt die Staatsverfassung und die Gesetze: Menschen, die die “richtige” Religion haben, werden bevorzugt gegenĂŒber den Menschen, die die “falsche” oder keine Religion haben. Mit HumanitĂ€t hat das nichts zu tun.
Erst wenn die arabischen Staaten und der Staat Israel auf den religiösen Staatszweck verzichten, sich eine allein an den Menschenrechten orientierte Verfassung geben und die Staatspolitik sich danach ausrichtet, wird der Nahe Osten eine Chance auf eine friedliche Entwicklung bekommen.
Piedro
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Die Juden waren im PalĂ€stina des vorletzten Jahrhunderts (im osmanischen Reich) eine Minderheit. In der vorletzten Dekade des 19. Jahrhunderts unterstĂŒtzte Edmond Rothschild den aufkeimenden Zionismus und kaufte Land in PalĂ€stina, um das jĂŒdisch zu besiedeln. Erst danach etablierte sich die Vorstellung eines biblischen Anspruchs der Juden auf die Region. Ăber gewalttĂ€tige Konflikte ist aus dieser Zeit noch nichts bekannt.
WĂ€hrend des WK2 und danach unterstĂŒtzten verschiedene Organisationen die illegale Einwanderung von Juden, bewaffnete Milizen etablierten sich. In den frĂŒhen Verhandlungen ĂŒber einen jĂŒdischen Staat in PalĂ€stinenser war deren Entwaffnung eine Grundbedingung, die abgelehnt wurde. Stattdessen begann eine Phase terroristischer AnschlĂ€ge, vor allem gegen die arabische Bevölkerung, es gab regelrechte Massaker, aber auch gegen britische StĂŒtzpunkte. So wurde der Druck auf die Briten erhöht, die letztlich froh waren das beinahe bedeutungslos gewordene PalĂ€stina los zu werden. Schon die StaatgrĂŒndung war gewissermaĂen ein Gewaltakt.
Geplant war ein Zwei-Staaten-Modell, dem der junge Staat Israel weiterhin mit dem errichten (militanter) jĂŒdischer Siedlungen begegnete. Die nach dem Angriff arabischer NachbarlĂ€nder besetzten Gebiete wurden annektiert. Die de facto-Ausweitung des Staatsgebietes wirkt sich in jĂŒngster Zeit immer deutlicher auf Ost-Jerusalem aus, wo das Völkerrecht ebenso missachtet wird wie in anderen Teilen der Region.
Schon 1948 wurden an die 300000 PalÀstinenser aus ihrer Heimat vertrieben, zionistische Milizen töteten zerstörten ganze Dörfer und massakrierten die Bevölkerung.
Seit 1950 hat sich Israel per Gesetz ermĂ€chtigt, palĂ€stinensischen Landbesitz zu konfiszieren. Das geschieht seither regelmĂ€Ăig, um illegal errichtete Siedlungen zu legitimieren. 1947 gehörten den PalĂ€stinensern 93 Prozent des Landes als öffentliches oder privates Eigentum, die restlichen 7 Prozent waren in der Hand der jĂŒdischen Gemeinschaft. Heute betrĂ€gt der Anteil privaten palĂ€stinensischen Grundeigentums nur noch 15 Prozent des Territoriums, das 1947 PalĂ€stina ausmachte, 10 Prozent davon entfallen auf das Westjordanland und den Gazastreifen.
1967 verlangte die UN, dass Israel sich aus den besetzten Gebieten zurĂŒckzieht und der GrĂŒndung eines PalĂ€stinenserstaates zuzustimmen. Die PLO (von der UN als Vertreter des palĂ€stinensischen Volkes akzeptiert) stimmte zu, dem Staat Israel sein Existenzrecht zuzusprechen. Im Gegenzug forcierte Israel das Errichten jĂŒdischer Siedlungen in den besetzten Gebieten, gerne auch unter Vertreibung der ansĂ€ssigen Bevölkerung. Das setzt sich bis heute fort. Die Aneignung palĂ€stinensisch bewohnter HĂ€user (und StraĂenzĂŒge) in Ostjerusalem hat den bewaffneten Konflikt wieder befeuert, ebenso natĂŒrlich andere Faktoren, wie die Unterversorgung palĂ€stinensischer Anbaugebiete mit Wasser.
Die Hamas ist das Resultat dieser anhaltenden MissstĂ€nde, die Lesart der Terrororganisation ist eine westliche. Die UN hat die Hamas bisher nicht so eingestuft. Viele LĂ€nder verstehen sie als eine Befreiungsarmee, die gegen UnterdrĂŒckung kĂ€mpft, oder versagen sich einer Beurteilung.
Die “rechten”, fundamentalistischen Juden haben in Israel wachsenden Einfluss. Es gibt nichts und niemanden, der sich ihnen entgegen stellt. Der Staat spielt ihnen in die HĂ€nde wo es nur geht. Es gibt zwar zivile Bewegungen, die sich dem Irrsinn entgegen stellen, ich persönlich halte sie sogar fĂŒr die Mehrheit. Die politische Mehrheit wird jedoch von den KrĂ€ften gehalten, die den Konflikt lieber weiter befeuern als ihn befrieden. Diese KrĂ€fte gibt es natĂŒrlich auch im arabischen Ausland, ohne die wĂ€re die Hamas als militĂ€risches PhĂ€nomen völlig bedeutungslos. Bis dahin ist sie nicht mehr und nicht weniger als die Konsequenz von UnterdrĂŒckung und Entrechtung. Der “Islamismus” ist hier nur aufgesetzt, es geht war auch um Religion, aber vor allem um das Recht eines Volkes auf einen eigenen, funktionierenden Staat. Was die Hamas fordert ist das, was die UN schon in den 60ern und 70ern gefordert hat.
Mein Fazit: dieser Konflikt wird sich nicht ohne massive Einflussnahme auf die israelischen Hardliner lösen lassen, und darauf wird verzichtet. Die Konsequenz könnte ein weiterer, staatenĂŒbergreifender Konflikt mit der Atommacht Israel sein.
R.G.
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@wahon
Das mag schon so sein, dass … und… solche Staaten sind.
Im Moment geht es aber um unsere FĂ€higkeit die Aufmerksamkeit bei uns zu halten. Welcher Staat ist hier?
Was möchten wir in unserem, fĂŒr unseren Staat sein?
Ich wĂŒrde mir ja wĂŒnschen, wir wĂ€ren wieder mehr deutsch, schweizerisch, österreichisch, sĂŒdtirolerisch, europĂ€isch.
In unserem Wohnblock sprechen die Zugewanderten ein schönes und verstĂ€ndliches Deutsch, die Jugendlichen der “Ureinwohner” von hier dafĂŒr konsequent eine Art Denglisch mit wöchentlich neu erfundenen KĂŒrzeln.
Letzte Woche belieferte mich ein Lieferant mit neuer TÀtowierung, er trÀgt nun am Hals das Christenkreuz. Sein Arbeitskollege geht mit der Kippa. Beide hÀtten das in ihrem Herkunftsland nicht gekonnt.
Uns aber bedeutet das gar nicht mehr genug, wir verteidigen den Schatz der Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit als Grundsteine unseres Zusammenlebens kaum.
@Joey
Ich bin mir darin mit Ihnen einig, dass das Einfordern einer gemeinsamen IdentitÀt, voran des Gebrauchs der deutschen Sprache in der Schule ein wichtiger Baustein wÀre, sich als Einheit jenseits des weiterhin bestehenden, meist aus der Herkunftskultur ableitenden Unterschiedlichen, verstehen zu können.
In einem Blog einer mir etwas bekannten schweizerischen Familie konnte ich die Entwicklung ihres kleinen Sohnes vom “AuslĂ€nder” zum stolzen Amerikaner in New Jersey ĂŒber Jahre mitlesen. Man bietet in den USA in der Schule tĂ€gliche gemeinsame Rituale.
Meine Vorfahrin wurde bis in ihre letzten Jahre genötigt, ihr Geburtsland zu besuchen, ihr Gatte las ihr Nachrichten von dort vor, und schier alle brachten ihr Souvenirs mit. Sie wollte nichts mehr davon hören oder wissen. Ihre IdentitĂ€t als Individuum hatte mit Ăberschreiten der Grenze begonnen, niemand konnte deutscher – mit dramatischem Akzent – fĂŒhlen und trĂ€umen, als sie es tat.
Bleiben wir bei uns, ermuntern wir weitere BĂŒrger, auszusprechen welche Angst wir in Wirklichkeit um uns selbst spĂŒren, wenn im Nahen Osten wieder ein Krieg beginnt. Es ist persönliches Interesse, eine Befriedung der Situation zu wĂŒnschen.
Frieden erreichen wir nicht mit Abwertung anderer Staatsformen – wĂ€hrend wir uns ĂŒbrigens im eigenen Land nachlĂ€ssig gegenĂŒber unseren Werten darstellen.
Wie mĂŒssten wir dann ĂŒber aus den HeimatlĂ€ndern mitgeschleppte Konflikte sprechen lernen? Wo sollen die Begegnungsorte sein?
Im öffentlichen Raum, in den inzwischen zubetonierten Parks?
Ein Bekannter, er stammt aus Saudi Arabien, ging ĂŒber Jahre in eine Begegnung mit MĂ€nnern Abrahamitischer Religionen, Christen, Juden, Moslems unterschiedlicher Schulen, Bahaii. Das fand in einem katholischen GebĂ€ude statt. Durch Geldmangel wurde das Projekt gestrichen. Seither baut er rasant ab, was sein VerstĂ€ndnis fĂŒr demokratische Werte betrifft. Die Versöhnung fĂ€llt ihm nicht billig zu, es ist bei ihm eine Lebensaufgabe, die er nur in stĂ€ndiger Diskussion schaffen kann. Sein Frau bis zur Scheidung, ab da sein Sohn, fordern das von ihm ein, er soll ein dialogfĂ€higer Mensch sein, werden.
joey
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@Piedro
da haben Sie aber noch vergessen, daĂ Israel viele gepl. Vernichtungskriege ĂŒberstehen muĂte und gewonnen hat.
Deutschland ist nach 45 gestutzt worden. Das wird von links immer wieder gerechtfertigt, weil D ja einen Angriffskrieg gefĂŒhrt hat und die Opfer/Sieger das Recht… Die deutschen Vertriebenen haben sich damit abfinden mĂŒssen.
Weder Schlesien noch PalĂ€stina ist irgendwie faktisch restituierbar – was ja auch die Argumentation gehen die aktuellen “RĂŒckenteignungen” in Ostjerusalem ist.
Und dann kann man noch ĂŒber die geeignete politische Strategie sprechen. Gewalt darf nicht dazu gehören. Ich schlage vor: die Linken in D kĂ€mpfen erst mal fĂŒr Demokratie bei den PalĂ€stinensern und damit gegen die Hamas Terrordiktatur. Wenn dann ein Gandhi gewĂ€hlt wurde, kann sich Nethanjahu politisch nicht mehr rechtfertigen.
UnabhĂ€ngig von jedweder Situation in Israel: Jeder Jude in Deutschland kann sich darauf verlassen, daĂ ich ihn mit meinem Leben verteidigen wĂŒrde – mein Eid aus MilitĂ€rzeiten gilt noch. Wenn wir in D dazu nicht bereit sind, können wir uns die ganze Mahnmalerei und Erinnerungskultur sparen. Das wĂ€re sonst eine glatte LĂŒge.
R.G.
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@Piedro
Bitte geben Sie fĂŒr Ihre GeschichtserklĂ€rung, eigentlich ĂŒber den Zionismus, Ihre persönlichen Quellen an.
Mit Herrn Michael Bothner als Redakteur des Eingangstextes, haben wir eine wissenschaftliche Zugangsweise vorgelegt erhalten, als ersten Schritt durch ihn die Beschreibung des Istzustandes, wertfrei…
Das kann man als privater Kommentator aufnehmen, und nachsehen, durch welche Autoren oder Gruppen die nachfolgenden Postings belegt werden können, konkret meine ich die angebliche tragende Rolle Edmond Rothschilds, bei Ihnen ist diese” In der vorletzten Dekade des 19. Jahrhunderts unterstĂŒtzte Edmond Rothschild den aufkeimenden Zionismus und kaufte Land in PalĂ€stina, um das jĂŒdisch zu besiedeln. ”
“Ăber gewalttĂ€tige Konflikte ist aus dieser Zeit noch nichts bekannt.”
Ich greife vorerst die Rolle Leo Pinskers heraus, weil wir dabei auf Rothschilds lediglich finanziell unterstĂŒtzende Rolle treffen. Quelle: Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Zionismus
“1884 wurde Pinsker ein FĂŒhrer der osteuropĂ€ischen âZionsfreundeâ und ĂŒbernahm damit deren Ziele in PalĂ€stina. Durch die zum Teil unerwarteten praktischen Probleme der Siedler trat das ursprĂŒngliche Ziel Pinskers, einen jĂŒdischen Nationalstaat aufzubauen, jedoch zunĂ€chst zurĂŒck: Die Selbstorganisation der Zionsfreunde drohte zu scheitern und musste Spenden von reichen Gönnern annehmen. Vor allem das Engagement von Edmond Rothschild (1845â1934) verhalf ihr zum Fortbestand und verĂ€nderte sie zu einem philanthropischen Hilfswerk ohne nationale AnsprĂŒche.[16]”
Da Rothschilds derzeit, in der Corona.-Krise, von Rechten und anderen Randgruppen, fĂŒr alles von ihnen Ungeliebte als Verursacher herhalten sollen, bitte ich darum, die Rolle des Edmond exakter aus Texten zu belegen.
Nach der Zeile “WĂ€hrend des WK2 und danach unterstĂŒtzten verschiedene Organisationen die illegale Einwanderung von Juden,”
atme ich mal tief durch, ich denke, da ist noch was an Entwicklung drin, nach der VerkĂŒrzung…
Dennoch bitte ich, sich stark unserer Rolle in den LÀndern Mitteleuropas zu besinnen: Wie können wir ein friedliches Zusammenleben der Religionen hinbekommen?
Es geht um unser Hier und Jetzt.
Piedro
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@joey
Nö, die Angriffe auf Israel habe ich nicht vergessen. Ich stelle auch nicht das Recht auf Verteidigung in Frage. Allerdings bin ich der Meinung, dass diese Kriegsgefahr von Anfang an in Kauf genommen wurde, weil die ebenfalls berechtigten Interessen der palĂ€stinensischen Bevölkerung, die bei der StaatsgrĂŒndung seitens der Briten und der UN noch relevant waren, negiert werden sollten. Es ist nicht fraglich, ob militĂ€rische Angriffe VölkerrechtsverstöĂe rechtfertigen – das tun sie nicht.
An die ehemals deutschen Ostgebiete muss ich in dem Zusammenhang auch denken. Es gibt ja immer noch Gestalten, die diese “heim ins Reich” bringen wollen. Ăbertragen auf Israel ist das noch krasser: dort wird der Anspruch von manchen aus biblischen Texten abgeleitet. Politisch wird dieser Anspruch ebenso rĂŒcksichtslos durchgesetzt wie militĂ€risch.
WofĂŒr “die Linken” in D-Land kĂ€mpfen oder nicht, ist mir persönlich ziemlich wurscht. Leider stĂ€rkt die Repression diese Organisationen, nicht zuletzt, weil weite Teile der Bevölkerung auf deren UnterstĂŒtzung angewiesen ist. Viel brisanter ist die Haltung der deutschen Regierungen. Auf dem Demos wird SolidaritĂ€t mit PalĂ€stina gefordert. Der AuĂenminister verkĂŒndet SolidaritĂ€t mit Israel.
Seit 1967 fordert die UN die besetzten Gebiete zu rĂ€umen, stattdessen schafft man in Ostjerusalem völkerrechtswidrig weitere Fakten. Auf beiden Seiten wurden regelmĂ€Ăig Kriegsverbrechen festgestellt, beide Seiten verstoĂen ungeniert gegen das Völkerrecht, und was passiert? Man erklĂ€rt sich solidarisch. Jahr fĂŒr Jahr werden mehr illegale Siedlungen auf PalĂ€stinensergebiet gebaut und dann “enteignet”, werden mehr PalĂ€stinenser in Ostjerusalem enteignet, und was passiert? Sowohl seitens der deutschen Regierung als auch der UN: nĂŒscht.
DafĂŒr werden Kritik und Protest, auch, wenn sie nicht so abgrundtief deppert daher kommt wie aktuell auf diesen Demos, als antisemitisch gebrandmarkt, nicht nur seitens der israelischen Regierung. DAS regt mich auf, ich empfinde es als total pervers, den Holocaust als Schild gegen Kritik an VölkerrechtsverstöĂen zu verwenden. Dabei leben noch heute PalĂ€stinenser in libanesischen FlĂŒchtlingslagern, die dort alt geworden oder geboren wurden. (Nebenbei: alles Semiten…)
Ein Ghandi hĂ€tte in PalĂ€stina keine Chance. Entweder wĂŒrde er an der Grenze abgeknallt oder er verschwĂ€nde in einem Mossad-Keller. Abgesehen davon, dass Hass und Frustration von den Agitatoren der Hamas Jahr fĂŒr Jahr genĂ€hrt werden, und auf dem fruchtbaren Boden der UnterdrĂŒckung gedeiht.
Eine klare und konsequente Haltung der UN und der EU könnte vielleicht einiges bewirken und die moderaten, demokratischen KrÀfte in Israel stÀrken. Netanjahu ist schon lÀnger ein SeiltÀnzer, der sich schlicht nicht mehr halten könnte, wenn es nicht von diesen Seiten straff gehalten wird.
Nebenbei stĂŒtzt dieses Verhalten auch die Judenhasser in unserem Land, weil sie nicht wahrnehmen, dass Verbrechen Israels kritisiert, geschweige denn sanktioniert werden, man erklĂ€rt sich solidarisch, auch das nĂ€hrt Wut und Hass. Ein Trump kommt geflogen und erklĂ€rt Jerusalem zur israelischen Hauptstadt. NatĂŒrlich ohne ein MindestmaĂ an Bildung oder VerstĂ€ndnis, natĂŒrlich ein fatales Signal in beide Richtungen. Und die Reaktion aus Europa, aus D-Land auf diesen Affront? Gerade mal, dass man dieser Blödheit nicht zugestimmt hat. Jerusalem darf nach den VertrĂ€gen nicht die Hauptstadt sein, weil der Osten der Stadt nicht zu Israel gehört, daran Ă€ndert auch der dĂŒmmste Donald nichts. Aber auf einen VölkerrechtsverstoĂ mehr oder weniger kommt es wohl auch nicht mehr an.
Piedro
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@R.G.
Ich soll persönliche Quellen fĂŒr historische Fakten angeben? Warum? Der Aigner sperrt mich hier, wenn ich das alles mit Links belege. ;) Brisant finde ich, dass fĂŒr ein historisches Fakt, dass sich ganz leicht belegen lĂ€sst, eine Quelle bringen soll, weil Matschbirnen der Querfront die Rothschilds zum Feindbild machen. Das meine ich: man gerĂ€t schon in den Ruch des Antisemitismus, wenn man auf etwas tatsĂ€chliches hinweist. Sollen alle Mitglieder dieser Familienzweige, auch posthum, vor Kritik immunisiert werden, weil sie Juden sind/waren? Mir ist deren Abstammung so wurscht wie ihre Haarfarbe, beides hat nichts damit zu tun welche politische und wirtschaftliche Rolle sie spielten, vom amerikanischen BĂŒrgerkrieg bis heute. Welche AnsprĂŒche Herr R. mit dem finanzierten Landkauf verfolgte ist auch nebensĂ€chlich. Fakt ist: durch massive Aufwendungen auslĂ€ndischen Kapitals wurden in PalĂ€stina die Grundlagen fĂŒr eine weitgehende Entrechtung der Bevölkerung geschaffen, ob von Spendern beabsichtigt oder nicht. Kaum fĂŒnfzig Jahre spĂ€ter wurde der damit verbundene Anspruch bereits durch Terror gegen Briten und Araber verfestigt.
“Nach der Zeile âWĂ€hrend des WK2…”
Ja, das liest sich fĂŒr DeutschlĂ€nder ein wenig dingslich, da gebe ich Ihnen recht. Stimmt aber so, wie es da steht. Diese Organisationen brachten Vertriebene und GeflĂŒchtete nach PalĂ€stina, jĂŒdische Milizen zerstörten systematisch Radarstationen, damit die Schiffe nicht geortet und an der Landung gehindert wurden, denn die britischen Besatzer hatten ein Einwanderungskontingent festgelegt. Stellten sich Einheimische einer neuen Siedlung entgegen, wurden sie oft von den Milizen angegriffen und entweder massakriert oder vertrieben. Von den Briten hatten sie keinen Schutz zu erwarten. So leid es mir tut, das ist Geschichte.
Die Rolle der europĂ€ischen LĂ€nder habe ich im letzten Beitrag angedeutet. Auch Israel ist fĂŒr VölkerrechtsverstöĂe zur Rechenschaft zu ziehen. Auch israelische Kriegsverbrechen gehören untersucht und angeklagt. Darauf muss bestanden werden. Israel hat die Beobachter/Ermittler der UN nicht mal nach Gaza rein gelassen, als es um solche Untersuchungen ging. Jedes andere Land hĂ€tte sich danach Sanktionen gefangen. Israel darf sich ĂŒber Waffenlieferungen und eine Hauptstadt von Trumps Gnaden freuen. Ansonsten sind alle Hetzer gleich zu behandeln, ob sie zur deutschen Biomasse gehören oder nicht, ob sie den Tod “der Juden” fordern oder Menschen ertrinken lassen wollen. Aber das passiert natĂŒrlich nicht, statt den Rechtsstaat durchzusetzen denkt man laut darĂŒber nach, die Demonstrationen zu verbieten. Statt die Kritik der Demonstranten sachlich einzudampfen und sich damit auseinander zu setzen begnĂŒgt man sich mit Framing: Linksradikale und arabische Migranten. Da freut sich die Mitte, die sich nur ungern gegen “die Juden” positionieren wollte. Alle anderen bleiben ĂŒber. ZB Amnesty International. Die setzen sich regelmĂ€Ăig mit dem Thema Kriegsverbrechen auseinander. Hier könnte die Regierung mal ansetzen und sich um klare Worte bemĂŒhen, das könnte international wie hierzulande schon einiges bewirken.
Zu AI spendiere ich mal zwei Links: https://www.amnesty.de/2015/6/23/gaza-konflikt-kriegsverbrechen-auf-beiden-seiten
https://www.amnesty.de/informieren/aktuell/israel-besetzte-palaestinensische-gebi
Sie sehen, es geht nicht nur um “hier und jetzt”, dieses elende Trauerspiel zieht sich durch Jahrzehnte. Die Reaktion ist immer die gleiche: “Antisemiten” protestieren. “Linke” gehen auf die StraĂe. Und jetzt auch noch viele arabisch stĂ€mmige Menschen. DAS ist den Herrschaften in Berlin der gröĂere Dorn im Auge.
R.G.
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@Piedro
“Nebenbei stĂŒtzt dieses Verhalten auch die Judenhasser in unserem Land, weil sie nicht wahrnehmen, dass Verbrechen Israels kritisiert, geschweige denn sanktioniert werden”
Danke fĂŒr die Essenz.
Könnten Sie den Judenhassern mal erklÀren, dass der deutsche X. mit den Taten des Staates Israel genau gar nichts gemeinsam hat?
joey
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@piedro
1948 war allen Menschen dort klar, daĂ nach Abzug der britischen Truppen ein gegenseitiges Abschlachten beginnt.
Wem was im Orient gehört, ist eine schwierige Frage. Mir “gehört” ja auch ein Pferdehof direkt am schwarzen Meer. Ein osmanischer Pascha hat meinen Vorfahren ein komplettes Tatarendorf “geschenkt”, nachdem man ihm ein anderes “Geschenk” gegeben hat. Erst als die SS die Liegenschaften beschlagnahmt hat, wurde eine Art Grundbuch angelegt, die Deutschen verwenden die Schriftform auch fĂŒr Verbrechen. Gehört das Land den Tataren, dem Pascha, meinen Vorfahren, dem sowjetischen Nachfolgestaat oder den heute dort Lebenden?
Da können Sie nun fast die ganze Welt revidieren oder eben nicht. Jerusalem ist seit Jahrzehnten unter Kontrolle der Israelis.
Gegen Polizeigewalt in den USA wurde breit demonstriert, gegen , die Hamas aber kriegt kein Wörtchen der Kritik. Da stimmt was nicht.
Die Politik des Zentralrats der Juden in Deutschland kritisiere ich auch. Ich kritisiere auch das orthodoxe Judentum wegen seiner Frauendiskriminierung, wie ich auch die kath. Kirche kritisiere (Religionskritik). Aber ich stelle mich nicht neben “SĂŒdlĂ€nder”, die in tĂŒrk. oder arab. Moscheen aufgehetzt wurden. Da lĂ€uft was anderes.
Piedro
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@R.G.
“Könnten Sie den Judenhassern mal erklĂ€ren…”
Nö. Ich kenne keine. Aber ich wĂŒrde manchen gern erklĂ€ren, dass SolidaritĂ€t mit Israel nicht einschlieĂen darf, dass permanente Menschen- und VölkerrechtsverstöĂe nicht ignoriert werden dĂŒrfen. Und anderen, dass SolidaritĂ€t mit PalĂ€stina nicht das geringste mit Sympathie fĂŒr die Hamas zu tun hat.
@joey
“1948 war allen Menschen dort klar…”
Arabische PalĂ€stinenser wurden schon vorher getötet und vertrieben. Von zionistischen FreischĂ€rlern. Was nach 1948 geschah muss jedoch der neu gegrĂŒndete Staat verantworten. Bis heute ist da leider einiges dazu gekommen. ZB wurde die Trinkwasserversorgung mehr als einmal gezielt zerstört. ZB wurden und werden Jugendliche ohne Gerichtsverfahren, ohne Anwalt, ohne Nachricht an die Eltern inhaftiert. Medizinische Einrichtungen vom Hilfsorganisationen wurden zerstört, damit Zivilisten nicht behandelt werden, Lieferungen in die besetzten Gebiete verhindert. Ach, besser gar nicht erst anfangen damit. Es ist, leider, sehr leider, ein Unrechtsstaat geworden, getrieben sowohl von fanatisch religiösen Juden, als auch von fanatisch religiösen Arabern. Daran lĂ€sst sich von auĂen nix Ă€ndern, aber die Position des Westens, speziell der EU und insbesondere D-Lands finde ich schlicht abscheulich.
“Jerusalem ist seit Jahrzehnten unter Kontrolle der Israelis.”
Das ist ja nicht unbedingt verwerflich. Verwerflich sind die systematischen Enteignungen und die Entrechtung der arabischen Bevölkerung in ihrer Hauptstadt.
“…die Hamas aber kriegt kein Wörtchen der Kritik. ”
Das sehen Sie falsch, die Hamas wird sehr wohl anhaltend kritisiert. Auch ihr werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung vorgeworfen. Von beiden Seiten sind sie belegt.
“Aber ich stelle mich nicht neben âSĂŒdlĂ€nderâ, die in tĂŒrk. oder arab. Moscheen aufgehetzt wurden. ”
Da samma schon zwei. Ich stelle mich auch nicht neben den Schwarzen Block “autonomer” Dogmatiker. Oder
neben Faschisten. Gleich, um welches Anliegen es geht. Trotzdem ist die Forderung nach SolidaritĂ€t mit PalĂ€stina nicht nur gerechtfertigt. Etwas mehr davon und etwas deutlichere Kritik, respektive Haltung gegen israelische Kriegsverbrechen und MenschenrechtsverstöĂe wĂ€ren angebracht. Ganz sachlich, möglichst konstruktiv, aber konsequent. Die deutsch-israelische Freundschaft soll ja so innig sein, dann wird sie das schon aushalten.
Was die einschlÀgigen Moscheen angeht: da ist es höchste Zeit, dass sich was Àndert. Möglichst, ehe der Bundesregierung im Rektum von Erdogan die Luft ausgeht.
R.G.
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Die Situation mit den “Gastarbeitern” vom Balkan ist mir Beispiel fĂŒr den Umgang mit alten Problemlagen.
Da arbeiten bei uns MĂ€nner aus dem ehemaligen Jugoslawien seit Jahrzehnten auf dem GerĂŒst als Fassader, vorrangig Kosovaren, Egypter-Roma, Sinti, TĂŒrken, Serben.
Es klappt gut, aber nur solange allen angeblich sicher KĂŒndigung droht, falls sie verbotene Inhalte diskutieren, voran die wie gestern erst verlorene/gewonnene Schlacht am Amselfeld (15. Juni 1389), und den nur beinahe so aktuellen Natobeschuss Serbiens (1999).
Ich trete fĂŒr eine geordnete Auseinandersetzung mit den Problemen in Nahost ein, parallel aber auch fĂŒr ein Leben, in besprochenen Bereichen frei von erzeugten Spaltungen durch erzwungene politische und religiöse Positionierung zu nicht gelösten Konflikten aus den HerkunftslĂ€ndern unserer Zuwanderer oder dem Land Israel.
Von meinen eigenen, teils in BĂŒrgerkriegslĂ€ndern verstreuten Verwandten weiĂ ich groĂteils genau, wer auf welcher Seite steht oder im Krieg stand. Mann muss das vor der Begegnung wissen, dass ein Kontakt mit jemandem von der einen Gruppe die TĂŒr zu allen anderen lebenslĂ€nglich verschlieĂt. Sie sortieren ihr Leben ausschlieĂlich nach den Zugehörigkeiten zu gemeinsamen Feindbildern.
Ich sehe, wenn Zuwanderer in Demonstrationen sich politisch positionieren, neben dem realen Anlass durchaus bei einigen Gruppen den Versuch einer gewohnten Positionierung im Kampf gegen einen erklÀrten Feind, den gleichen wie im Heimatland.
Wie soll man hier ankommen, wenn man immer den gleichen Konflikten verpflichtet, und gewissermaĂen vom Ausland aus, z.B. ĂŒber die Moschee oder das Gotteshaus kontrolliert wird, dass man es tue?
@Joey
Man behauptet, das GefĂŒhl vorrangig Amerikaner zu sein, wachse auf dem unausgesprochenen Gesetz, Politik und Religion aus den ĂŒblichen GesprĂ€chen auszuklammern.
Roland Hornung
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@ joey
Zustimmung !
joey
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@R.G.
ausklammern ist nicht die Lösung, weil sie nur ĂŒberdeckt. Es geht um die innere Anerkennung von Toleranz und Vielfalt. Auf meinen Baustellen arbeiten entweder Kosovaren oder Serben. Die ĂŒblichen Subunternehmer sind Clans. Judenhasser sind sie fast alle.
Judenhaà ist in Deutschland nicht nur verboten, es ist das Unmögliche. Das muà von jedem hier lebenden uneingeschrÀnkt akzeptiert werden, das muà eingefordert werden. Das ist Deutschland. Das unterscheidet uns von anderen LÀndern.
joey
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@Piedro
In Ost Jerusalem stehen Juden im britischen Grundbuch, die 1948 wild vertrieben wurden. Der Erwerb war vor 1948 ganz nach europÀischen Rechtsnormen (Kolonialismus ist nicht immer schlecht).
Bei anderen neueren Siedlungen ist die Lage anders, da wird munter neu enteignet, um Platz fĂŒr israelische Siedler zu schaffen. Es gibt dort ja auch einen demografischen Wettlauf: arabische Geburten vs jĂŒdische Einwanderung. WĂ€re Israel keine Demokratie, wĂ€re das egal. Das halte ich auch fĂŒr eine Perversion, aber es erklĂ€rt ein wenig, was da los ist. Da lĂ€uft ein ganz anderer Krieg ĂŒber Jahrzehnte.
Israel könnte Gaza und seine Bewohner eliminieren (macht es aber nicht), Hamas und Fatah haben Massenmord im Grundprogramm (machen es, wenn sie können). Das ist der Unterschied, warum ich Israel zunÀchst (!) verteidige. Nach westlichen Werten geht Israel so nicht, nach der RealitÀt in der Levante gilt das Recht des Starken.
In Frankreich sind viele Bereiche “judenfrei” gemacht worden, auch mit barbarischen Morden. Strafen waren gering, der TĂ€ter kann ja nichts dafĂŒr, soziokulturell… Juden haben wieder einen guten Grund fĂŒr Israel. Dem können und mĂŒssen wir in Deutschland deutlichst entgegentreten, wenn wir unsere MahnmĂ€ler ernst nehmen. Damit tun wir den PalĂ€stinensern indirekt auch einen Gefallen…