SOZIALES SCHAUFENSTER

Städtischer Blindkauf wird erneut teurer

Nochmal 700.000 für den Sanierungsfall Maxstraße

Die Stadt Regensburg muss einen weiteren hohen sechsstelligen Betrag in das frühere HVB-Gebäude in der Maximilianstraße 26 investieren. Damit belaufen sich die Sanierungs- und Umbaukosten für den „Blindkauf“ der Stadt Regensburg mittlerweile auf rund vier Millionen Euro. Bereits der Kaufpreis war laut Branchenkennern deutlich überhöht.

„Werthaltiges Gebäude“ von „strategischer Bedeutung“ oder städtisches Millionengrab? Das frühere HVB-Gebäde in der Maxstraße. Foto: Archiv

Ein defekter Aufzug, der Austausch der Hebeanlage, neue Zäune und der Rückbau weiterer asbesthaltiger Bauteile – am kommenden Dienstag sollen die Stadträte im Bau- und Vergabeausschuss der Stadt Regensburg weitere 700.000 Euro bewilligen, um das Gebäude in der Maximilianstraße 26 zumindest so weit herzurichten, dass es ohne Gesundheitsgefährdung von städtischen Behörden genutzt werden kann. Insgesamt wurden bislang rund vier Millionen Euro für die Sanierung der derzeit weitgehend leerstehenden Immobilie bewilligt, die sich seit Januar 2015 im Eigentum der Stadt Regensburg befindet. Ein Blindkauf ohne vorheriges Gutachten.

Geplant als Standort fürs RKK-Hotel

Das frühere HVB-Gebäude (5.000 Quadratmeter Büroräume auf 1.900 Quadratmetern Grundfläche), jahrelang Firmensitz der Kapitalgesellschaft GKM des Kapfelbergers Reinhard Listl, hatte die Stadt ursprünglich erworben, um an dieser Stelle ein Hotel für das damals noch geplante Kultur- und Kongresszentrum am Ernst-Reuter-Platz zu errichten. Offiziell nicht bestätigten Angaben zufolge lag der Kaufpreis zwischen 13 und 14 Millionen Euro, für eine Immobilie, deren Wert Branchenkenner auf „deutlich unter elf Millionen“ taxieren.

Ungeachtet dessen sprach Wirtschafts- und Finanzreferent Dieter Daminger seinerzeit von einer „strategischen Bedeutung“ des Gebäudes für die Stadtentwicklung, dieses werde „seine Werthaltigkeit auch in Zukunft behalten“. Seitdem steckt die Stadt in regelmäßigen Abständen immer wieder sechs- bis siebenstellige Beträge in den maroden Bau.

Bereits 2015 wurden 520.000 Euro in den städtischen Haushalt eingestellt, um den völlig unzureichenden Brandschutz auf Vordermann zu bringen. Anschließend mehrten sich die Nachrichten über Schadstoffbelastung in dem Gebäude. Das städtische Umweltamt musste wegen überhöhter Formaldehydwerte ausziehen. Recherchen von regensburg-digital ergaben außerdem, dass die Bewohner von Mieteinheiten im obersten Stockwerk ab August 2016 mit Wasser aus Kanistern versorgt werden mussten. Das Gesundheitsamt hatte eine entsprechende Anordnung verhängt.

„Wir wollten das unbedingt haben.“

„Kein ungebührlicher Schaden.“ Bürgermeister Jürgen Huber. Foto: Archiv/ Staudinger

Die Stadt Regensburg hatte das Problem zunächst heruntergespielt, auch gegenüber den Betroffenen. Im März 2018 schließlich räumten die zuständigen Stellen der Verwaltung Handlungsbedarf ein. Der Stadtrat musste 2,8 Millionen Euro bewilligen: für die komplette Sanierung der Trinkwasserleitungen, wo unter anderem Keime und Blei festgestellt wurden, für eine umfassende Schadstoffsanierung, insbesondere wegen überhöhter Formaldehydwerte und um Elektrotechnik und Sanitäranlagen instand zu setzen. Nun haben sich diese Kosten um weitere 700.000 Euro erhöht – unter anderem ist von Asbestbelastungen die Rede. Zusätzlich soll das Gebäude für den Behördenverkehr auf Vordermann gebracht werden.

Bereits im vergangenen Jahr gab es bei einigen Stadträten lange Gesichter, als besagte 2,8 Millionen beschlossen werden mussten. Als Fehlentscheidung wollten aber insbesondere die Stadträte von Koalition und CSU den Kauf nicht interpretieren. „Wir wollten das damals unbedingt haben“, erklärte damals Margit Kunc (Grüne), Hermann Vanino (CSU) räumte ein, dass man den Kauf „ausdrücklich begrüßt“ habe und Bürgermeister Jürgen Huber schließlich vertrat die Ansicht, dass der Stadt „kein ungebührlicher Schaden“ entstanden sei.

Städtische Büros statt mondänes Hotel

Dass man das Gebäude damals ohne vorheriges Gutachten erworben habe, um bereits vor dem Kauf die nun festgestellten erheblichen Mängel beim Preis geltend machen zu können, bezeichnete Wirtschafts- und Finanzreferent als „realitätsfern“. Und der Hoffnung darauf, die Mängel nachträglich beim Verkäufer geltend machen zu können erteilte schließlich der Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes Gunter Schröder eine Absage. Man habe das Gebäude laut Kaufvertrag ja so erworben „wie es liegt und steht“.

Inklusive der neuerlichen 700.000 Euro, die kommenden Dienstag zweifellos bewilligt werden, belaufen sich die Kosten für die „werthaltige“ und „strategisch bedeutsame“ Immobilie nun auf mittlerweile gut 18 Millionen Euro. 

Nach dem Bürgerentscheid gegen ein Kultur- und Kongresszentrum auf dem Ernst-Reuter-Platz ist allerdings der ausschlaggebende Grund für den Kauf weggefallen. Nach erfolgter Sanierung werden nun vorerst städtische Büros an der Maximilianstraße untergebracht – aktuellen Plänen zufolge soll das Amt für Integration und Migration dort untergebracht werden.

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Kommentare (17)

  • Renate Uebler

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    Dafür kann man schon ein paar Millionen mehr zahlen.

  • Lothgaßler

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    Die Stadträte sollten den Mut finden die Empfehlungen der Verwaltung zu hinterfragen. Das hier ging entweder auf mangelnde Professionalität zurück, oder es steckte Absicht dahinter. Wusste der Stadtrat beim Kauf, dass ein Risiko für umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen bestand? Bei einem Kauf „wie es liegt und steht“ ist doch jedem klar, dass Risiken bestehen. Es gibt Grund genug wiederholt Herrn Daminger und andere Referenten kritisch zu hinterfragen: Sind das die richtigen Leute für die Zukunft?
    Nachdem der Bau kaum für Dritte interessant sein dürfte, wird die Stadt drauf hocken bleiben. Entweder es findet sich eine umfangreiche Nutzung, oder die Bürgerinnen und Bürger werden eines Tages lesen, dass der Stadtrat den Abriss beschlossen hat, um das Grundstück veräußern zu können.

    Eine Idee: In dem Gebäude könnte doch ein Bürgertreff samt Räumlichkeiten für bürgerliches Engagement eingerichtet werden, über mehrere Stockwerke mit unterschiedlichen Räumen (Technik und Größe). Das Gebäude läge zentral, wäre gut zu erreichen und ein Großteil der Wünsche aus der Bürgerbeteiligung könnte – nicht erschrecken Stadträte – verwirklicht werden!

  • Interessiert

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    18.000.000 EUR/1900 m² = 3400 EUR/m². Zuviel für eine Top-Lage?

  • Stefan Aigner

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    18 Millionen geteilt durch 1.900 ergibt bei mir 9.473,70. Nimmt man die Bürofläche von 5.000 qm kommt man auf 3.600 Euro pro qm. Das halte ich für teuer.

  • dünnster Künstler

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    Nachdem in der Grasgasse ohnehin ein weiteres Hotel gebaut wird und am Stobäusplatz auch noch zwei und noch eines in der Landshuterstraße geplant ist und weitere im Westen… hatte das Planunungsamt schon in den „Beteiligungswerkstätten“ die dezentrale RKK_Lösung für die Kongresstadt eingebracht: Ein RKK ohne in das RKK selbst integriertes Hotel mit einer Aussenstelle mit kleineren Konferenzräumen in der Maxstraße und anzumietenden Räumen in der IHK. Die Kongressgäste sollten den öffentl. Raum durchschreiten: http://europabrunnendeckel.de/download/vollcornform/plaene_mai_kl/DSC09452.jpg

    @ Lothgassler:
    1.Der Abriss von Gebäuden ist in der Regel nicht die billigste und ökologischte Lösung: http://europabrunnendeckel.de/download/http://europabrunnendeckel.de/download/abendbaltt_08.01.19.jpg
    2. Das Gebäude Maxtr.26 ist im Vergleich zur zentral gelegenen, brutalistischen und funktionalistischen Forumarchitektur des von allen Seiten zugänglichen Kepler Areals, das vom preisgekrönten Architekten Werner Wirsing geplant wurde, sehr viel schlechter für die Weiterentwicklung von Ideen aus den Beteiligungswerkstätten geeignet. In die Maxstraße soll die Stadt wie geplant Büros oder ein Amt himeinbauen. Das passt, wenn der Kaufpreis nicht so dermaßen daneben wäre… Hier ein Plan der Plateauebene mit ein paar Anmerkungen von mir: http://europabrunnendeckel.de/download/plateauebene_wirs-142-8.jpg
    Zu dieser Gelegenheit noch eine Zeichnung von Prof. Ernst Ulrich Scheffler Ausblick vom Wirsing Turm zur Maxtraße 26! : http://europabrunnendeckel.de/download/SKM_C25817101619540.jpg

  • X

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    Die bürokratische Verwaltung hatte wohl keine Kenntnis von der Bewertung von Gebäuden und Grundstücken, ein neutrales Gutachten scheint nicht vorzuliegen

  • Altbayer..,

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    Der in Finanzgebaren doch so erfahrene oberbürgermeister hat wie man sagt dieses tolle Geschäft im Hofbräuhaus per Handschlag abgeschlossen. Die in der Verwaltung tätigen Mitarbeiter besitzen zwar Sachkunde machen die Stadtratsvorlagen am Ende immer imSinne der jeweiligen Politik.

    Es scheint allerdings nicht das einzige Groschengrab der derzeitigen Politik zu sein. Auch in der Gerickestraße bahnt sich ein ähnliches Disaster an. Das alte Bosch Gelände hat ebenfalls die Qualität für Schlagzeilen. Bemerkenswert ist hierbei dass ausgerechnet sozialdemokratischer Politiker durch überteuerte Käufer der Stadt Regensburg die Grundstückspreise in die Höhe treiben. Die Beweggründe hierfür Sind sicherlich nicht gut. Sozialpolitik zu erklären.

  • Barnie Geröllheimer

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    Mein Gott, da wird bei der Stadt soviel Geld für Öko-Sozi-Multikulti und Überpersonalisierung verballert, dass der Mehrpreis und und die Sanierungskosten dagegen in der Größe von Erdnüssen erscheinen.

  • Lothgaßler

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    @dünnster Künstler:
    Der Link http://europabrunnendeckel.de/download/http://europabrunnendeckel.de/download/abendbaltt_08.01.19.jpg führt zu nix (page not found).
    Davon abgesehen befindet sich dieses Gebäude im Eigentum der Stadt und muss einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Ich kann nicht erkennen, dass die Stadt tatsächlich ein Nutzungskonzept entwickelt hätte, die wollte das Gebäude eigentlich nur einer Zwischennutzung zuführen und dann an einen Investor weitergeben (wg. Hotel).
    Wirklich teuer ist der Leerstand!
    Ich erwarte, dass die Stadt kein großes Engagement zur Nutzung dieses Gebäudes entwickelt, sondern diese Immobilie möglichst schnell und geräuschlos wieder loswerden will. Eine bürgerlich-künstlerische Nutzung wäre RKK-schädlich (ein Argument pro RKK würde geschwächt) und eine Nutzung durch die städtische Verwaltung wohl eher nicht notwendig (besteht dort wirklich Raumnot?). Investoren wollen Geld verdienen: Abriss + Neubau ist ein gutes Geschäft, wenn der Abriss vom Vorbesitzter bezahlt wird.

  • Ex Regensburger

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    BARNIE: „Überpersonalisierung“ ist bei der Stadt Rgbg. nicht der Fall. Viele städtische Angestellte u. Beamte arbeiten am Anschlag. Wenn ein Amt neue Stellen beantragt, beginnt das Spießrutenlaufen. Das kann dauern u. muß durch x Ausschüsse u. Stellen. Nur wenn die Leute vor lauter Überstunden schon vom Stuhl kippen, gibt es neue Mitarbeiter. Also bitte keine platten Allgemeinplätze verbreiten. Und für „Öko“ zu viel Geld, inwiefern?
    Klingt eher nach einer rechten Grundposition, aus der auf die verhassten linksgrünen Themen (Ökologie, Soziales, Ausländerpolitik) aus der Hüfte geschossen wird.

    Was das HVB-Gebäude anbelangt: Kann die Stadt da nicht „versteckte Mängel“ geltend machen?

  • Jemand

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    Zum Zeit des Kaufs vor ein paar Jahren wären 3600 Euro pro Quadratmeter in der Lage schon teuer gewesen und es scheint plausibel, dass das damals seitens der Stadt nicht sehr durchdacht abgelaufen ist. Aber Quadratmeterpreise in der Größenordnung sind aufgrund der Preissteigerungen der letzten Jahren in Regensburg m.E. keine Seltenheit und der „Schaden“ für die Stadt daher zum Glück geringer. Vielleicht ärgert sich der Verkäufer inzwischen sogar, nicht noch ein bißchen mit dem Verkauf gewartet zu haben.

  • Bertl(Original)

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    Wer weiß, ob der Verkäufer Reinhard Listl aus Kapfelberg familiäre Beziehungen zum Bauunternehmen Listl in Kapfelberg hat? Die Klausel „wie es liegt und steht“ im Kaufvertrag ist bei gebrauchten Immobilien üblich. Jedoch bei einem Objekt dieser Größe und der – so darf man annehmen – Beteiligung von qualifizierten Referenten sowie von verantwortungsbewußten Stadträten hätte schon ein Gutachten über das zu erwerbende Objekt Voraussetzung sein müssen. Allein ein Wunschdenken ohne Überprüfung auf Grundlage von handfesten Unterlagen sollte nicht zum Verbraten von öffentlichen Geldern führen. Bei den Stadträten fällt mir das Wort unbedarft ein, bei dem Referenten sind es Gedanken, die weitreichender sind.

  • Eingeborener

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    Der Hotelkauf ist ein Kollateralschaden beim Plan, das ,welterbe ‚ Altstadt durch einen RKK-Bau noch mehr auszuschlachten, und noch mehr von Groß und Kotz nach Regensburg zu locken .. Danke CSU, SPD und GRÜNE :Euer Regensburg der Reichen braucht Hotels für noch mehr Reichtum, nicht Wohnungen . Das Personal kommt dann vom Land.

  • Luminosity

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    Es gibt diverse Vereine, die sich eine Zentrale Location in Regensburg wünschen würden. Tatsächlich wäre eine Freigabe für Kultur und Stadtmiteinander hier denkbar.
    Wenn man bedenkt dass in der Maxstraße neben McD. und diversen Leerständen, mittlerweile mindestens drei 1-Euroläden ansässig sind, darf man den Wert der Immobilie auf Grund der sich drastisch verschlechternden Lage wohl noch deutlich reduzierter ansetzen.

  • Hansemann52

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    In den Augen der Politiker der Stadt Regensburg aus CSU, SPD und Grünen handelt es sich bei diesen Ausgaben, wohl nur um Peanuts,. Es sind ja -nur- Steuergelder, die der Bürger unserer Stadt aber bezahlen muss. Es wird Zeit, das die „alten“ Zöpfe aller Coleur (=Stadträte, Bürger- und Oberbürgermeister) -hoffentlich- bei der nächsten Wahl die politische Bühne räumen müssen, damit wieder sinnvolle und Bürgernahe Politik betrieben werden kann.
    Ich glaube, dass unsere Stadtoberen selbst ein Sanierungsfall sind.
    ES REICHT!!!

  • mkv

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    Götz Eisenreich über das Verschwinden u.a. des öffentlichen Raums

    „Die Kapitalisierung des Bau- und Wohnungsmarktes hat die urbane Substanz der Städte beinahe ruiniert. Das, was da durch Kommerzialisierung und Privatisierung des öffentlichen Raumes zerstört worden ist, lässt sich nicht dadurch wiederherstellen, dass man ein Stück Altstadt und ein paar Fachwerkfassaden wiederherstellt. Verloren gegangene Urbanität kann nicht als Folklore künstlich wiederhergestellt werden. Demokratie basiert auf Mündigkeit und kritischer Urteilsfähigkeit, das heißt der Fähigkeit, sich seines Verstandes ohne Anleitung durch andere zu bedienen. Solche Haltungen erwirbt man durch Lesen und intellektuellen Austausch. In den vergangenen Jahren haben Millionen Deutsche, darunter auch das Gros der Studierenden, sich entschieden, keine Bücher mehr zu lesen und sich stattdessen voll und ganz ihren Smartphones zu widmen. Laut Statistik holen sie diese im Schnitt alle 18 Minuten aus der Tasche, …“
    https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/der-giessener-essayist-gotz-eisenberg-uber-die-furie-des-verschwindens_19907570

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