Städtischer Hotelerwartungsraum

„Wir wollten das unbedingt haben!“

Einstimmig bewilligte der Bau- und Vergabeausschuss am Dienstag 2,8 Millionen Euro zur Schadstoffsanierung des Gebäudes in der Maximilianstraße 26. Einige Frage blieben offen. Einen Fehlkauf vermag man bei der Koalition nicht zu erkennen.

Vernehmliches Zähneknirschen bei der Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses am Dienstag im Neuen Rathaus zu Regensburg. Wie berichtet, muss die Stadt erneut Geld in das frühere HVB-Gebäude in der Maximilianstraße 26 stecken. Wegen erhöhter Formaldehyd-Werte und belastetem Trinkwasser sowie Umbauten, um das Ausländeramt künftig in dem Gebäude unterzubringen, sollten die Stadträte 2,8 Millionen Euro locker machen, um die 2014 erworbene Immobilien zu sanieren.

„Das ist schon blöd, wie das gelaufen ist.“

Bereits der (nie offiziell bestätigte) Kaufpreis zwischen 13 und 14 Millionen Euro, für den die Stadt das Gebäude Ende 2014 von dem Kapfelberger Unternehmer Reinhard Listl erworben hatte, wird von Experten als „deutlich überhöht“ eingestuft. Für notwendige Sanierungen beim Brandschutz wurden dann wenig später Mittel in Höhe von 520.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Und nun die neuerliche Ausgabe von 2,8 Millionen.

„Das ist schon blöd, wie das gelaufen ist“, bringt Brigitte Schlee (CSU) am Dienstag die generelle Stimmung im Sitzungssaal auf den Punkt. Denn dem Kauf zugestimmt haben damals nicht nur die Stadträtinnen und Stadträte der Koalition, sondern auch der CSU. „Wir haben das damals ausdrücklich begrüßt“, sagt Hermann Vanino.

Als Hotelstandort im Zuge der Planungen für ein Kultur- und Kongresszentrum war die 1.900 Quadratmeter große Fläche mit der rund 5.000 Quadratmeter fassenden Immobilie damals vorgesehen. „Wir wollten das unbedingt haben“, so Margit Kunc (Grüne). Dass der Kauf ein Fehler gewesen sein könnte, vermag Kunc allerdings nicht zu erkennen. Zwar sei die aktuelle Entwicklung „schon ärgerlich“, aber es sei doch gut gewesen, dass sich die Stadt mal ein so zentral gelegenes Gebäude gesichert habe und kein Privater. Und wenn man so eine Immobilie eben habe wolle und es dabei Konkurrenten gebe, „dann ist eben ein Preis zu bezahlen. Das mag uns nicht schmecken, aber das ist so.“

RKK-Hotel „dauert noch 15 oder 20 Jahre“

Offene Fragen gibt es dennoch einige. Warum bei einer ersten Untersuchung des Gebäudes keine überhöhten Werte festgestellt wurden, bei einer späteren aber schon, will Benedikt Suttner (ÖDP) wissen. „Wurde das Gebäude vor dem Kauf durch einen Gutachter bewertet?“, fragt Richard Spieß (Linke). Beide Male sind die anwesenden Fachleute der Verwaltung blank. Die Antworten sollen nachgereicht werden.

Ob sich denn eine so hohe Investition überhaupt rentiere, wenn man das Gebäude doch irgendwann sowieso abreiße, um das RKK-Hotel dort zu bauen, hakt Spieß nach. „Wäre es nicht sinnvoller und kostengünstiger, das einfach leerstehen zu lassen?“ Das sei zwar eine berechtigte Frage, meint Bürgermeister Huber. Aber die Stadt brauche dringend Büroraum. Und das sei zunächst einmal völlig unabhängig von irgendwelchen RKK-Plänen. Margit Kunc meint in diesem Zusammenhang gar, dass diese Investition auf jeden Fall „abgewohnt werden kann“. Und ohnehin werde das mit dem Kultur- und Kongresszentrum und dem Hotel dort nicht in den nächsten zwei oder drei Jahren passieren, wie Spieß annehme. „Man muss davon ausgehen, dass das noch 15 oder 20 Jahre dauert“, so Kunc. Eine Bemerkung, die für vernehmliches Stutzen unter den Koalitionspartnern sorgt.

„Kein ungebührlicher Schaden“

In nichtöffentlicher Sitzung soll nun – auf Anregung von Jürgen Eberwein (CSU) – noch darüber beraten werden, ob nicht der Voreigentümer für die zunehmend zutage tretenden Mängel haftbar gemacht werden kann. Eine Hoffnung, die sich wohl zerschlagen dürfte. Bereits in einer öffentlichen Sitzungsvorlage 2015 heißt es recht deutlich dazu, dass die Stadt das Gebäude seinerzeit erworben habe, „wie es liegt und steht“. Juristisch bedeutet das: Der Verkäufer haftet allenfalls für besonders schwerwiegende Mängel.

Jürgen Huber ist sich ungeachtet dessen sicher, dass der Kauf und die nun auflaufenden Kosten nicht zu einem „ungebührlichen Schaden“ für die Stadt führen würden. Und ob das Gebäude nun irgendwann abgerissen wird für ein Hotel oder ob das Hotel in dás bestehende Gebäude kommen könne – wie Günther Riepl (Freie Wähler) anregt – ja, ob überhaupt ein Hotel dort hin komme, das könne man derzeit noch gar nicht sagen. „Erst bei den weitergehenden Planungen wird man sehen, was im Detail gemacht wird.“

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Kommentare (5)

  • Lothgaßler

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    „Erst bei den weitergehenden Planungen wird man sehen, was im Detail gemacht wird.“ (stammen diese Wort von Jürgen Huber?)
    Ja freilich, wenn man das Gebäude unbedingt haben wollte, ohne eine klare Vorstellung wofür, dann kauft man halt mal ein, so als würde man mit Immobilien spekulieren. Dann spielen Jahre und Jahrzehnte keine Rolle mehr, wie Fr. Kunc so frei daherschwätzt.
    Die Stadt wird selbst kein Hotel errichten und Betreiben, das kann jetzt schon mit Sicherheit gesagt werden. Was im Detail gemacht wird, das wird erst bei endgültiger Festlegung der Nutzung bekannt sein. Solls ein Verwaltungsbau sein und bleiben, dann hat die Stadt das Heft in der Hand. Solls ein Hotel werden, dann wird der Investor/Hotelbetreiber seine Vorstellungen gegenüber der Stadt vertreten, d.h. die Stadt hat relativ wenig zu bestimmen. So schön und praktisch scheint mir der Bau für ein Hotel nicht, also wird der Abriss kommen!
    An Frau Kunc noch ein Wort: Das Gelände für den beabsichtigten RKK-Standort wird für 99 Jahre gepachtet. Sollte das Hotel mit 20 Jahren Verspätung fertiggestellt werden, dann wirds sehr eng mit dem Verwöhnen von RKK-Gästen, denn es darf unterstellt werden, dass ein RKK-Gebäude keinesfalls 99 Jahre stehen wird. Bei üblicher Schlamperei und absehbarer Betonzweckbauarchitektur wird das Gebäude vielleicht 20 bis 30 Jahre stehen, bevor über Sanierung bzw. Abriss (so manchem Betonbau/ mancher Brücke droht dergleichen) gesprochen wird.
    @Joey: Was sagen Sie als Fachmann?

  • Joachim Datko

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    Zu Thea Schmittler 08:48 „[…] zig Millionen für RRK-,Hotelpläne usw. rausschmeißen wollen ,aber für den ÖPNV keinerlei Ideen haben. Regensburg braucht nicht mal einen Winter um das Chaos perfekt zu machen.“

    Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist in Regensburg bestens ausgerüstet. Ich bin fast täglich mit dem ÖPNV unterwegs und sehr zufrieden. Man könnte an der einen oder anderen Stelle sogar noch etwas einsparen.

  • joey

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    @Lotgaßler
    danke für die Anfrage.

    Ich kenne das Gebäude nicht von Innen und auch keinen Vertrag. Grundsätzlich ist Regensburgs Innenstadt schon seit dem Mittelalter „teuer“. Wer „was“ machen will, braucht Grundstücke, die gibt es nicht per Parlamentsbeschluß oder nachwachsend durch die Gärtnerei.
    Regensburg wächst in Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft. Dadurch wird die Anforderung an kommunalen Flächen und Räumen jedweder Art steigen. Irgendeine Verwendung findet sich sicher.

    Jedes Gebäude kann man umnutzen. Früher hat man einfach viele Kompromisse gemacht, dadurch sind viele historische Gebäude entstanden/erhalten geblieben. Heute ist vieles eine Lohnkostenfrage (wie schnell kommts „Mädchen“ durch die Zimmer). Es ist auch eine Frage der Sparsamkeit mit dem kostbaren Grundstück: wie effektiv und dicht kann ich Räume organisieren (Architektur ist mehr als „nur Kunst).

    Kunst: die Fassade ist postmodern. Derzeit Out. Mir paßt aber leidlich diese eher handwerklich spannungsarme Architektur, wenn ich mir vorstelle, daß sonst evtl. NeoBauhaus oder sonstwas kommen könnte. Es gibt Schlimmeres in Regensburg, was man beseitigen sollte.

    Vermutlich kommt irgendwann ein Abbruch, allen Mahnungen zu Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit zum Trotz. Regensburg hat Geld und ein hohes Repräsentationsbedürfnis als moderne Stadt – sonst bräuchte man den ganzen RRK Zirkus nicht. Architektur ist auch eine Denkmälerei: Macht und menschliches Leben ist vergänglich, aber „von Margit Kunc (etc.) soll was bleiben“.
    Das ist ein sehr menschliches Grundverhalten seit der Steinzeit. So drüber stehen wir aufgeklärten Menschen heute auch nicht.

  • Jahrhundertplaner

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    Jetzt ist es raus, warum das Gebäude in der Maxstrasse so schnell gekauft wurde. Man benötigt dringend Büroräume für die Stadtverwaltung. Das Gebäude ist nicht weit weg vom Rathaus, die Stadt war auch schon als Mieter drin, es ist also gut geeignet. Eigentlich verständlich und nachvollziehbar. Aber warum hat man das nicht so kommuniziert? Wäre der Preis für eine Büronutzung doch etwas zu hoch gewesen? Stattdessen erzählte man den Bürgern, man brauche das Gebäude als Kongresshotel Standort für das geplante RKK, um so den Stadträten die Kaufentscheidung zu erleichtern. Offenbar mit Erfolg: schwuppdiwupp war das Haus “wie es liegt und steht” gekauft! Ob es überhaupt jemals als als Hotel genutzt wird, steht jedoch in den Sternen.

    Inzwischen stellt sich heraus, das Gebäude ist schadstoffbelastet und muss für viel Geld dringend saniert werden. Jetzt fragen einige Stadträte mit Recht, ob sich das denn noch rentiert, wenn es doch in ein paar Jahren zum Hotel umgebaut oder vielleicht sogar abgerissen werden muss. Damit ist die Stadtspitze in Erklärungsnot und argumentiert nun, dass das RKK noch lange auf sich warten lässt, und man das Haus ja noch viele Jahre als “Interims-Büroräume” für die Stadtverwaltung nutzen kann. Im Stadtrat debattiert man dann stundenlang über Sinn und Unsinn des Kaufs und dessen Modalitäten, um am Ende die Sanierung für 2,8 Millionen einstimmig zu beschließen.

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