Todesschüsse: Gutachten lässt weiter auf sich warten

Gut einen Monat nach dem Tod des Studenten Tennessee Eisenberg sind die Ermittlungen immer noch nicht abgeschlossen. Mit einem ballistisches sowie einem toxikologischen Gutachten des Landeskriminalamts München hatte der Leitende Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel ursprünglich bereits vor über einer Woche gerechnet. Beides liegt nach Auskunft der Staatsanwaltschaft noch nicht vor. „Anscheinend dauert es aber noch acht bis 14 Tage“, so Ruckdäschel am Dienstag. Am 30. April wurde der 24jährige Tennessee Eisenberg im Rahmen eines Polizeieinsatzes erschossen. Zuvor soll er seinen Mitbewohner und anschließend die hinzu gerufenen Polizeibeamten mit einem Messer bedroht haben. Weder verbal, noch mit Schlagstock und Pfefferspray sei der 1,84 Meter große, 70 Kilo schwere Student zu stoppen gewesen, so die Schilderung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Ruckdäschel geht von einer Notwehrsituation aus. Mittlerweile ist nun nicht mehr von zwölf, sondern von 13 Kugeln die Rede, von denen Eisenberg getroffen wurde. „Er wurde regelrecht durchsiebt“, so die Rechtsanwälte der Familie. Ein Sachverständiger kommt indes zu dem Schluss, dass der Getötete selbst nach einem Herzschuss noch kurzzeitig handlungsfähig gewesen sei. Acht Polizeibeamte sollen sich zu diesem Zeitpunkt im Treppenhaus aufgehalten haben, in dem Eisenberg starb. Zwei Polizisten sollen insgesamt 16 Schüsse abgegeben haben. Das ballistische Gutachten soll insbesondere die Frage klären, welcher Beamte wann und von wo aus geschossen und wo Eisenberg sich zu diesem Zeitpunkt befunden hat. Auch der bayerische Landtag wird sich mit dem Fall beschäftigen. Die SPD fordert Aufklärung über die Wirkung der eingesetzten Munition. Sollte Tennessee Eisenberg nach den zahlreichen Treffern noch handlungsfähig gewesen sein, zeige dies, dass die Polizei über keine mannstoppende Munition verfüge. Die Landtagsgrünen fordern Aufklärung darüber, weshalb keine Einsatzalternativen in Frage kamen, zum Beispiel der Einsatz von psychologisch geschultem Personal.

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Kommentare (7)

  • Hans

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    Jeder Bürger in unserer Demokratie sollte ein großes Interesse daran haben, dass die Umstände welche zur Tötung von Tennessee Eisenberg führten, lückenlos aufgeklärt werden. Wenn sich die Befürworter der Polizei so sicher sind, dass die Polizisten hier nur ihre notwendige Arbeit getan haben, so werden besonders auch diese Personen eine lückenlose Aufklärung begrüßen. Jeder kann einen kleinen Beitrag in Form einer Spende leisten um diese Aufklärung tatsächlich zu ermöglichen. Informationen unter http://www.tennessee-eisenberg.de.

  • hansdampf

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    Ein wenig hätte man den Beitrag schon abändern können, lieber Hans, bevor er vom letzten Artikel zum Thema übernommen wurde.

  • Hans

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    Der Getötete kann sich nicht mehr selbst verteidigen, diese Aufgabe müssen andere übernehmen. Sich dabei alleine auf die Behörden zu verlassen wäre naiv. Wer sich gegen lückenlose Klärung stellt, der stellt sich gegen die Grundlagen der Demokratie. Jeder kann einen kleinen Beitrag in Form einer Spende leisten um diese Aufklärung tatsächlich zu ermöglichen. Informationen unter http://www.tennessee-eisenberg.de.

  • GuPoSa

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    Der Leitende Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel hat sich aus meiner Sicht mit seinen Aussagen disqualifiziert und sollte entweder seinen Hut nehmen oder zumindest wegen Befangenheit aus diesem Fall ausgeschlossen werden.
    Ein Sachverständiger kommt zu dem Schluss, dass der Getötete selbst nach einem Herzschuss noch kurzzeitig handlungsfähig gewesen sei.
    Ja wie handlungsfähig???
    Nach 12 Treffern, gesetzt den Fall dass der Letzte der finale Schuss war, wie handlungsfähig Herr Gutachter? Wurden die Schlagstockschläge und das Pfefferspray in ihrem Gutachten berücksichtigt, Herr Gutachter?? Oder wurde wegen der netten Gebühren dieses Gutachten erstellt??? Wer hat dieses Gutachten in Auftrag gegeben????
    Ich habe keine Erfahrungen mit 12 Kugeln im Leib und auch keine mit Pfefferspray oder Schlagstock. Meiner Meinung nach geht da nichts mehr, wobei für mich die entscheidende Frage ist, welchen Beweggrund hatte der erste Polizist für seine Aktion in dieser Situation oder war es ein Befehl zum Angriff.
    Zugegeben, die Version Schlagstock, Pfefferspray und der Angriff des Polizisten ist nicht offiziell gesichert.
    Das vorschnelle Gutachten, welches mir Spanisch vokommt und die Diskussion um die MannStoppMuntion dient meines Erachtens um von dem Einsatz abzulenken, bzw. in eine gewisse Richtung zu lenken .
    Das ballistische Gutachten wird uns nur sagen welche Treffer von den zwei, waren es zwei?, unterschiedlichen Waffen abgefeuert wurden und wo Tennessee gestanden haben könnte. In welcher Reihenfolge wo die Kugeln einschlugen bleibt sehr wahrscheinlich im Dunkeln.
    Das Landeskriminalamts München untersucht offensichtlich sehr genau. Das ballistische und das toxikologischen Gutachten wird also nicht einfach standardisiert erstellt. Ich hoffe nicht, dass die Zeit zum Schönschreiben für ein Gefälligkeitsgutachten aufgewendet wird.
    Die Polizisten und der Einsatzleiter sind aus meiner Sicht auch Opfer, Opfer ihrer mangelnden Qualifikation.
    Dennoch Recht ist Recht. Die Fakten gehören auf den Tisch und bei Fahrlässigkeit oder Schlimmeren hätte das Gericht ein hartes Strafmaß anzulegen, weil bis Dato keine Einsicht zu erkennen ist.
    Dafür leisten wir uns diesen Rechtsstaat und jeder sollte vor Gericht gleich behandelt werden, wenn es dazu kommt. Die Unschuldsvermutung und „Im zweifel für den Angeklagten“ muss dennoch gewahrt bleiben.
    Die Forderung der Landtagsgrünen über Aufklärung der Einsatzalternativen ist gut, hilft Tennessee aber nicht mehr. Die Klägerseite kann solche Fälle zur Beurteilung anführen.
    Mit dem Einsatz von psychologisch geschultem Personal wäre aus meiner Sicht das wertvolles Leben von Tennessee erhalten geblieben.

  • masterofdesaster

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    ein pathologe weiss nach wenigen minuten anhand der schusskanäle, wo die schüsse herkamen. also: es ist dem staat und der StA längst bekannt, was passiert ist.

    aber es wird nicht bekannt GEMACHT. hmhm was heisst das wohl ? den leuten im ministerium fällt wohl keine gute vertuschungsgeschichte ein.

    was wäre denn dabei, wenn man zugibt, dass da jemand durchgedreht ist ? es sind doch alles nur menschen. gut, man müsste die psychologische ausbildung der polizei öffentlich diskutieren. so aber schiessen die vermutungen ins kraut und man diskutiert, ob wir eine hinrichtungspolizei haben. was mit sicherheit nicht der fall ist, aber dank hermann, merk u co bekommen sie bald den ruf.

    so hat man informationspolitisch auch den eindruck, man sei in china. mehr kann man der demokratie und dem vertrauen in den staat gar nicht schaden.

    innenminister, sei ein (staats-)mann, komm heraus und stell dich der öffentlichkeit !

    der fall mannichl lässt auch noch grüßen. da war es aber einfacher, man hatte keine leiche zu verstecken. die jetzige aufgabe ist fast unlösbar. man müsste schon die hinterbliebenen sehr grosszügig entschädigen.

  • Jochen Schweizer

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    Interessant ist die Tatsache, dass offenbar 13 Schüsse auf eine Person abgegeben wurden die nur ein Messer hatte und das Gutachten hierzu liegt bis heute nicht vor. Die Geschosse, 9 mm Para, vermutlich Vollmantel, aus einigen Metern abgeben, aus einer Pistole des Hersteller Heckler&Koch, P7?, sind sofort im Körper wirksam, sei es durch das Auftreffen auf Knochen und Abgabe der Bewegungsenergie oder die Beschädigung/Durchtrennung von Arterien oder Venen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die ersten 12 Geschosse nur Muskelmasse trafen in Armen und Beinen und aus dem Körper wieder austraten ist doch sehr gering! Anhand der Schusskanäle im Körper sollte in wenigen Stunden ein Pathologe nachweisen können, ob die Schüsse auf eine stehende, kniende oder liegende Person abgegeben wurden und ob die Geschosse sich noch im Körper befinden oder wieder austraten. Bei diesem Zugriff sind offenbar Ereignisse eingetreten die nicht aufgeklärt werden sollen oder deren Aufklärung verzögert aus welchen Gründen auch immer verzögert werden soll.

  • 16 Schüsse auf Studenten « Thomas Bauer – Gedanken eines Lebenden

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    […] 16 Schüsse auf Studenten Posted on Juni 17, 2009 by thomasbauer 16 Schüsse auf Studenten Weder verbal, noch mit Schlagstock und Pfefferspray sei der 1,84 Meter große, 70 Kilo schwere Student zu stoppen gewesen, so die Schilderung von Polizei und Staatsanwaltschaft. *Regensburg-Digital* […]

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