SOZIALES SCHAUFENSTER

Betäubungsmittel nachgewiesen

Vorwurf Mord: Baumer-Verlobter erneut in Haft

Erst monatelang vermisst, dann im September 2013 tot aufgefunden: Maria Baumer (26).

Wende im Fall der 2013 tot aufgefundenen Maria Baumer. Mit neuen Laboruntersuchungen haben die Ermittler ein Betäubungsmittel nachgewiesen, das ihr damaliger Verlobter bereits bei anderen Taten verwendet hatte. Christian F. sitzt nun erneut in Untersuchungshaft.

Strafverteidiger Michael Haizmann spricht von einer „Achterbahnfahrt“. Erst Ende 2018 wurde das Ermittlungsverfahren gegen seinen Mandanten mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt, nachdem zuvor über vier Jahre wegen möglichen Totschlags gegen ihn ermittelt und seine Wohnung mehrfach durchsucht worden war. Sechs Wochen saß Christian F. auch in Untersuchungshaft. Am Mittwochvormittag wurde der 36jährige nun erneut verhaftet und dieses Mal lautet der Vorwurf Mord.

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Ein verräterisches Medikament

Über sieben Jahre nach dem Verschwinden von Maria Baumer und mehr als sechs Jahre, nachdem Pilzsammler die sterblichen Überreste der 26jährigen in einem Waldstück entdeckt hatten, hat die Staatsanwaltschaft Regensburg „aufgrund neuer Ermittlungserkenntnisse“ einen erneuten Haftbefehl erwirkt. Erstmals nachgewiesene Spuren des Medikaments Lorazepam (Handelsname: Tavor) an einem Kleidungsstück und Haaren von Maria Baumer sind der neue Beweis, von dem die Ermittler glauben, damit die Täterschaft von Christian F., dem damaligen Verlobten Baumers, belegen zu können.

Christian F.. bei seiner Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs im Dezember 2016. Foto: as

2016 war der Krankenpfleger und ehemalige Domspatz vom Landgericht Regensburg wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern (damalige Internatsschüler der Domspatzen) und einer „wehrunfähigen“ Frau zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Wie sich bei dem Prozess herausstellte, hatte Christian F. dabei das Medikament Tavor eingesetzt, um seine Opfer zu betäuben und damit gefügig zu machen.

Google-Suche: „Der perfekte Mord“

Wie Staatsanwalt Thomas Rauscher, Gruppenleiter bei den wiederaufgenommenen Ermittlungen, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag bekannt gab, hätten die Ermittlungen ergeben, dass kurz vor dem Verschwinden von Maria Baumer auf dem PC des Beschuldigten mehrere Google-Suchen in Zusammenhang mit Tavor durchgeführt worden seien, unter anderem in Zusammenhang mit „letale Dosis“ und „der perfekte Mord“. Indizien, die F.s Verteidiger in einem Schriftsatz damit gerechtfertigt habe, dass sein Mandant zu diesem Zeitpunkt Medizinstudent gewesen sei und in diesem Zusammenhang recherchiert habe.

Pressekonferenz der Ermittler am Donnerstag: Thomas Rauscher, Clemens Prokop und Harald Weinberger. Foto: om

Was den „dringenden Tatverdacht“ weiter bestärke, sei das „äußerst manipulativen Nachtatverhalten“ von Christian F. Unter anderem hatte er behauptet, Maria Baumer habe nach ihrem Verschwinden mehrfach bei ihm angerufen – ein Verbindungsnachweis des Telefonanbieters aber weist keine solchen Anrufe aus. Eine Facebook-Nachricht, die Baumer ihrem Verlobten nach ihrem Verschwinden angeblich noch geschrieben haben soll, stamme von der IP-Adresse seines Computers. „Es gibt deutliche Hinweise, dass er sie selbst geschrieben hat.“

Neue Labormethoden

Nach Auswertung von 163 Hinweisen und 329 Spuren ist sich Harald Weinberger, Leiter der „Ermittlungsgruppe Maria“ auch abseits dessen sicher: „Es gibt keinen belegbaren Hinweis, dass Maria Baumer nach dem 26. Mai 2012 (dem Tag ihres Verschwindens, Anm. d. Red.), nochmal lebend gesehen wurde.“

Dass der Nachweis des Medikaments, mit dem Baumer laut Einschätzung der Ermittler mindestens betäubt, wenn nicht direkt getötet wurde, erst jetzt möglich war, erklärt Rauscher mit neuen Labormethoden. Die im Wald verscharrte Leiche der jungen Frau war mit Branntkalk überschüttet worden und in entsprechend schlechtem Zustand, entsprechend gering seien die Rückstände von Tavor an Baumers Kleidung und Haaren, so Rauscher. „Mit den heutigen technischen Möglichkeiten kann man auch deutlich geringere Spuren nachweisen.“

Ohne Todesursache kein Tötungsdelikt?

Für Clemens Prokop, den Leiter der Regensburger Staatsanwaltschaft, ist der heute verkündete Ermittlungserfolg auch eine Botschaft an alle Täter nicht aufgeklärter Kapitalverbrechen: „Keiner kann sich sicher sein.“ Bereits im Juli habe die Kripo deshalb ihre Ermittlungen wiederaufgenommen, sei nochmals allen Spuren und Hinweisen nachgegangen und hofft – Stand heute – die Ermittlungen im Februar 2020 endgültig abschließen zu können.

Hält die These der Ermittler für „rein spekulativ“: Strafverteidiger Michael Haizmann. Foto: as

F.s Verteidiger Michael Haizmann hat derweil die Akten angefordert, um sich wieder in den Fall einzuarbeiten. Er bezeichnet die Annahmen der Ermittler derzeit als „rein spekulativ“. Bis heute sei keine eindeutige Todesursache von Maria Baumer festgestellt worden. „Wie kann es da ein Tötungsdelikt geben?“

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Kommentare (19)

  • SG..

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    @ der Kingergärtner der Regensburger Domspatzen
    Für mich ist dieses damaliges Domspatzenthema eigentlich immer noch nocht nicht anständig aufgeklärt worden. Dieser Domspatz hatte doch damals einen Zugang zu vielen kleinen Domspatzen….
    ‚Siehe Beiträge …
    https://www.regensburg-digital.de/zwei-jahre-auf-bewaehrung-fuer-den-kindergaertner-der-domspatzen/19122016/

    https://www.regensburg-digital.de/bewaehrungsstrafe-gegen-den-ehemaligen-domspatzen-christian-f-steht-bevor/27112016/

  • agnes

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    Daß der Typ nicht ganz dicht ist, sieht man an seiner Verurteilung. Ein Horror für die Familie von Frau Baumer….. jahrelang mit dem Ex-Verlobten getrauert, gehofft, gelitten.

  • agneta

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    Warum muss/sollte ein Medizinstudent „der perfekte Mord“ googeln??

  • XYZ

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    Das bestätigt bei dieser vita dass Domspatzen zur Unterordnung und sublimen Gewalt erzogen wurden. Traten ja auch vor Hitler auf. Musikalisch sind sie auch nicht gerade so begeisternd, es mangelt am seelischen Impetus und der Empathie.

  • R.G.

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    @agnes

    Wenn ich Ihr Pseudonym richtig einordne, wissen Sie sehr gut, welche unfairen Anwürfe gegen die leidgeprüfte Familie des Opfers immer wieder versucht wurden. Die Intensität der Bemühungen, gleichzeitig der verscharrt aufgefundenen Frau ein Vorleben anzudichten, stand gleichfalls ziemlich einzigartig da, in den vergangenen Jahren.

    Wahrscheinlich wollte man gezielt die Öffentlichkeit in die gewünschte Richtung leiten.
    Von jemandem weg, der gut vernetzt sein muss.

    Einzelne Foristen hielten dennoch in unterschiedlichen Portalen wacker die Fragen aufrecht, und damit die Erinnerung an eine patente junge Frau.

  • Ronald McDonald

    |

    @ Stefan Aigner

    Irgendwie sind Sie „SS-fixiert“:
    „… ein Betäubungsmittel nachgewiesen, dass [sic!] ihr damaliger Verlobter bereits … verwendet hatte“.
    Immerhin haben Sie „Branntkalk“ richtig geschrieben, während Ihre Print-Kollegin Isolde Stöcker-Gietl auf der Titelseite der heutigen „MZ“ von „einer mit Brandkalk [sic!] verätzten Leiche“ journaillistisierte.

  • Stefan Aigner

    |

    @Ronald

    Wird korrigiert. Danke.

  • XYZ

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    Die Justiz hat in diesem Fall die Spezialprävention sträflich vernachlässigt, obwohl im ersten Fall dieTatsachen erwiesen waren. Bewährungsstrafe. War ja ein ehemaliger Domspatz. Dann kam die nächste Straftat. Das System ist wohl wie zu vergangenen Zeiten immer noch auf Generalprävention wie etwa zu Verkehrs-Delikten zentriert, obwohl fast alle Kriminologen deren Wirksamkeit mehr als anzweifeln.

  • XYZ

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    Hat man den damaligen Straftäter einst einfach laufen lassen? Gab es Bewährungsauflagen
    wie etwa regelmässige Teilnahme an psychoanalytischen Sitzungen im BKH? Um seinem gewalttätig geprägten ‚ego‘ zu begegnen? Alles anscheinend – bis heute – unbekannt.

  • XYZ

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    Wenn ich mir das Foto so anschaue: eine freundliche und lebensfrohe und sozial engagierte Frau, und die In Strafkommentare vertieften Strafrichter bemerken anscheinend nichts.

  • XYZ

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    R.G. 12.12, 23.41
    Muschenried/Winklarn nahe der Grenze ist mir sehr wohl bekannt. Die Einwohner in dem kleinen Ort kennen sich alle, da kann man nichts ‚andichten‘. Die ‚Gerichte‘ haben die ‚Gerüchte‘ nicht erkannt. Und den Ersttäter zur Zweittat laufen lassen, wie’s aussieht.

  • SG...

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    @ Der Kindergärtner der Regensburger Domspatzen
    Wenn Sie jetzt schon an der Anklageschrift ausführlich schreiben, dann wird das bestimmt ein 1A Indizienprozess werden.
    https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.verdaechtiger-googelte-der-perfekte-mord-regensburg-festnahme-im-fall-maria-baumer-26-verlobter-in-u-haft.54ae8a2a-9a35-444d-8b40-6f6a8f88f23a.html
    https://www.merkur.de/bayern/maria-baumer-regensburg-mordfall-aktenzeichen-xy-verdaechtiger-verhaftung-bayern-zr-13297574.html

    Ominös finde ich aber bis heute die damalige Verfahrensweise zum Thema Domspatzen, etc. Warum damals nur ein Geldstrafe zum Thema ausgesprochen wurde, ist mir bis heute ein Rätsel – 9.000 Euro Schmerzensgeld für Bewährung
    https://www.regensburg-digital.de/teilgestaendnis-plus-9-000-euro-bewaehrungsstrafe/21112016/

  • Hutzelwutzel

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    Kommentar gelöscht. Bitte keine Hobbydetektive.

  • Hutzelwutzel

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    Beim Branntkalk – so etwas ist nicht einmal in aller ländlichsten Gebieten noch im Einsatz – hätte man längst die Herkunft feststellen können. Außerdem lassen sich bei Branntkalk immer Mikrospuren am Transportbehältnis, -gefährt finden, das Zeugs haftet auch sehr lange an Kleidungsstücken und hinterlässt bei Verwender*Innen trotz Schutzkleidung kleinste Spuren an der Haut, den Schleimhäuten und den Augen. Wie weit war man damals bei der Forensik „gegangen!“?

  • R.G.

    |

    @hutzelwutzel

    Branntkalk kannte ich erzählweise aus Berichten über Behandlung von Gruben, in die man bei Massenerschießungen Menschen geworfen hatte, und aus den traurigen Geschichten von Heimatvertriebenen, ganz häufig von Teilnehmern am Brünner Todesmarsch, die mit ansehen hatten müssen, wie schwach gewordene Familienmitglieder am Wegrand erschossen und mit Kalk überschüttet worden waren.

    Traurig, dass Maria im Grunde wie ein Kriegsopfer verscharrt wurde.

  • Serenissima

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    @xyz
    Sie ordnen das zeitlich falsch ein. Maria Baumer verschwand 2012. Erst im Zuge der Ermittlungen hierzu fand man belastendes Material in Sachen Domspatzen bei ihrem Verlobten. Dafür wurde er dann 2016 verurteilt. Da war Maria Baumer längst tot, Bewährung hin oder her.

    @Hutzelwutzel
    Maria Baumer war über ein Jahr verschwunden, bevor man die Leiche und damit den Branntkalk fand. Egal wer es war, beim Täter waren dann sehr wahrscheinlich keine Spuren davon mehr zu finden. Auf über ein Jahr ist alles gründlich abgeduscht…

  • PostScriptum

    |

    Herr oder Frau XYZ hat die vergangenen Kommentare genutzt, um weise und überaus berechtigte Pauschalkritik an der Justiz zu üben und uns allen die Augen zu öffnen.

    Ja, wenn das Opferfoto nun eine mürrische und sozial isolierte Frau gezeigt hätte, hätte ein Tatnachweis sicherlich in weiter Ferne gelegen. Aber bei einer solchen freundlichen und lebensfrohen und auch noch sozial engagierte Frau (das sieht man am Foto besonders gut!) ist doch kein Raum für Zweifel! Dummerweise macht das viele Lesen kurzsichtig, sodass man es den Richtern wohl nicht vorwerfen kann, wenn sie das Bild nicht richtig eingeordnet hatten. Man müsste halt einfach das Lesen von Strafkommentaren verbieten.
    Die mutmaßliche Tötung der Maria Baumer soll im Mai 2012 stattgefunden haben. Das Urteil gegen den nunmehr erneut Tatverdächtigen, mit welchem eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe verhängt wurde, erging im Jahre 2016. Wäre die Justiz nicht so auf Verkehrs-Delikte zentriert, so hätte sie 2016 problemlos vier Jahre in der Zeit rückwärts reisen können, um dann die schreckliche „nächste“ Straftat zu verhindern. (Was fast alle Kriminologen mehr als bestätigen werden!)
    Freilich mag in dem schönen Muschenried/Winklarn ein Jedermann schon immer Alles gewusst haben. Wenn sich in einem beschaulichen Dörflein die faulgasigen Gerüchte derart massieren, entsteht bekanntermaßen ein so genannter Gehirnfurz eines solchen Ausmaßes, dass auch ein Richter im fernen Regensburg das riechen sollte. Immerhin hat es auch Herr oder Frau XYZ gleich erschnuppert.
    Daher: Vielen Dank, liebe Alphabetendsperson, für so erhellende Gedanken! Bitte bewerben Sie sich bei der bayerischen Justiz und retten Sie dieselbe!

    Ein Dank gilt auch Herrn Hutzelwutzel für seine erhellenden Anmerkungen. Auch wenn die Leiche erst im Herbst 2013 gefunden und damit der mutmaßliche Einsatz des Branntkalks bekannt wurde, ist ganz sicher richtig, dass sich auch dann noch Spuren des Calciumoxids an den Schleimhäuten etc. hätten finden lassen müssen. Die Haut (schleimig oder nicht) und Kleidungsstücke speichern solche wasserlöslichen Substanzen über Dekaden; da sind Seife und Waschmaschine hilflos!

    Die Kommentare zeigen, dass es immer wichtig und gewinnbringend ist, seine Meinung ungeachtet der störenden Faktenlage in die Welt zu posten.

  • XYZ

    |

    Postscriptum 15.17
    Stimmt dass ich es zeitlich falsch eingeordnet habe. Es gibt aber einfach zu bedenken dass gewalttätige Anlagen nicht erkannt wurden, weder seitens der Chorleitung noch der Richter.
    Es gibt immer eine Täter-Opfer-Beziehung die sich dann auswirkt wenn man nicht rechtzeitig – soweit möglich – gegensteuert. Da waren alle blind. Aber danke!

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