SOZIALES SCHAUFENSTER

Foto: Archiv Bernhard Bachfisch

Gewichtheben hat in Regensburg Tradition. Waldemar Ertl war 1953 und von 1961 bis 64 deutscher Meister im Gewichtheben. 1976 schaffte es Bernhard Bachfisch zu den olympischen Spielen im kanadischen Montreal. Dort war er der erfolgreichste westdeutsche Gewichtheber. Der Schwabelweiser Bernhard Bachfisch kam 1970 zum Gewichtheben. Bei der Firma Pustet absolvierte er eine Berufsausbildung zum Buchbinder. Dort traf er auf seinen späteren Trainer Ignaz Schreder, der beim AC Regensburg die Gewichtheber fit machte. In leeren Wirtshaussälen stemmte Bachfisch beim AC Regensburg regelmäßig und mit viel Ehrgeiz die Gewichte. Bereits ein Jahr nachdem er mit dem Gewichtheben begonnen hatte, wurde Bachfisch Vize bei den deutschen Jugendmeisterschaften sowie Zweiter bei den Junioren. In diesem Jahr gelang sein erster deutscher Rekord in der A-Jugend.

Foto: Archiv Bernhard Bachfisch

In der Aktivenklasse stemmte er sich ebenfalls zum deutschen Vizemeister. Im selben Jahr durfte Bachfisch sich zum ersten Mal bei einem internationalen Wettkampf beweisen. Zu einem Vergleichskampf mit den Gewichthebern von Bulgarien wurde er in die deutsche Nationalmannschaft berufen. Enttäuschend war für Bachfisch, dass er bei der Nominierung für die olympischen Sommerspiele in München 1972 übergangen wurde, obwohl er sich in diesem zweiten Jahr seiner Laufbahn schon den deutschen Meistertitel in der Juniorenklasse und bei den Aktiven erkämpft hatte.

Förderung bei der Bundeswehr

Bald stellte sich heraus, dass die Berufsausbildung, das Gewichtheben und die Berufsaufbauschule schwer miteinander zu verbinden waren. Von der Bundeswehr wurden Bachfisch optimalere Bedingungen in Aussicht gestellt. Stationiert war er von 1974 bis 1981 in der Regensburger Rafflerkaserne. Bald wurde der Schwabelweiser das sportliche Aushängeschild dieser Fernmeldeeinheit. Einen Förderplatz für Leistungssport erkämpfte sein Kommandeur Oberstleutnant Timm für ihn nach den olympischen Spielen 1976 und seinem ersten Titel als Militärweltmeister im selben Jahr.

Foto: Archiv Bernhard Bachfisch

1981 wechselte Bachfisch an die Sportschule Sonthofen, wo er für zehn Spitzensportler im Gewichtheben und die Talentsuche zuständig war. Von 1972 bis 1983 wurde er in den Klassen Bantam- bzw. Federgewicht ununterbrochen deutscher Meister im Gewichtheben. Über 40 deutsche Rekorde stellte Bachfisch dabei auf. 1975 nahm er zum ersten Mal an einer Europa- und Weltmeisterschaft teil. Bis 1983 folgten seine Teilnahmen ohne Unterbrechung. Am Ende seiner sportlichen Laufbahn war er dreimal Militärweltmeister im Gewichtheben (1976, 1978 und 1979). Seine international besten Platzierungen erreichte er mit einem 4. Platz bei den Europa- und einem 5. Platz bei den Weltmeisterschaften. Zu seinen Erfolgen hatten Ignaz Schreder vom AC Regensburg und der Masseur Johann Mandl viel beigetragen.

Olympia 1976

Foto: Archiv Bernhard Bachfisch

Bei der Olympiade 1976 ging Bernhard Bachfisch davon aus, erneut nicht nominiert zu werden. Er erzählt von den lustigen Umständen seiner Nominierung: „Nach einem Trainingszyklus mit der Nationalmannschaft im Schwarzwald kam ich spät des Nachts nach Hause.“ Bernhard Bachfisch schlief tief und fest als am Morgen plötzlich das Telefon klingelte. „Mein Kommandeur Oberstleutnant Timm war am Telefon“, erzählt Bachfisch. „Er fragte mich, ob ich heute schon die Zeitung gelesen habe. Ich verneinte dies und dann erzählte mir der Offizier begeistert, dass ich für die olympischen Spiele nominiert worden bin. Oberstleutnant Timm gratulierte mir ganz herzlich.“ Nach dem Aufstehen zog Bachfisch los und organisierte sich eine Zeitung. Als er dort schwarz auf weiß von seiner Nominierung las, war die Überraschung riesengroß. 1976 wechselte Bernhard Bachfisch zu dem Verein SSV Jahn Regensburg um die besseren Trainingsmöglichkeiten dort zu nutzen. Auch dort war man auf den Olympioniken sehr stolz.

Strapazen vor dem Wettkampf

Foto: Archiv Bernhard Bachfisch

„Die zehn Tage vor dem Wettkampf waren sehr hart für mich“, erzählt Bachfisch. „Ich musste acht Kilogramm abnehmen, um das Wettkampfgewicht von 56 Kilogramm zu erreichen.“ Für einen durchtrainierten Gewichtheber eine Tortur. Er ernährte sich hauptsächlich von Astronautennahrung. Der Mannschaftsarzt wog Essen und musste das Trinken von Bernhard Bachfisch abmessen. Bereits bei der deutschen Meisterschaft, sie fand zehn Wochen vor dem olympischen Wettkampf statt, erreichte der Kraftsportler die Nominierungsvorgabe von 232,5 Kilo. Dabei verbesserte er seinen eigenen Deutschen Rekord innerhalb von einem Jahr um zehn Kilogramm. Dann die Olympiade. Bernhard Bachfisch von schweren Krämpfen geplagt.

Auf den Einmarsch der deutschen Athleten in das Olympiastadion von Montreal verzichtete der Kraftsportler auf Anraten des Mannschaftsarztes gerne. Schließlich musste er als der erste Gewichtheber schon einen Tag später seinen Wettkampf bestreiten. Am 19. Juli 1976 stand Bernhard Bachfisch in der Arena Saint Michel von Montreal. Knapp 7.000 Zuschauer hatten sich eingefunden. Maximal der 15. Platz wurde Bachfisch vor der Olympiade prognostiziert. Mit 242,5 Kilogramm und einer nochmaligen Steigerung seines Deutschen Rekords erkämpfte er sich den 6. Platz. „Ich war locker drauf und bin drauf los marschiert.“

Die nächsten vier Nächte konnte er vor lauter Freude nicht schlafen. Für die olympischen Spiele in Moskau, 1980, hatte sich Bernhard Bachfisch einen Podestplatz ausgerechnet. Doch durch den Olympiaboykott der Bundesrepublik zerschlugen sich seine Medaillenhoffnung. Vier Jahre später hatte Bachfisch die Olympianorm erfolgreich absolviert, musste aber wegen einer Verletzung absagen.

Nach seiner Aktivenzeit gründete er die Fitnessabteilung des SV Wenzenbach mit. Es freut Bachfisch, dass diese Abteilung floriert. Er selbst schied aus der Bundeswehr aus, lernte erst Masseur und wurde anschließend ein erfolgreicher Geschäftsmann. „Mit den Jahren wird der nostalgische Rückblick auf die Olympiade 1976 immer schöner“, stellt Bernhard Bachfisch fest. Alles was er im Leben erreicht hat, verdankt er dem Sport. So sein persönliches Fazit.

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