SOZIALES SCHAUFENSTER

Wenig Hoffnung bei Verwaltung

Christkindlmarkt: Zeichen stehen auf Absage

Im November geht ohnehin nichts. Offiziell will die Stadt nun am Montag entscheiden, ob der städtische Weihnachtsmarkt dennoch nach dem Lockdown stattfinden kann. Doch innerhalb der Verwaltung ist man wenig optimistisch. Auch die privaten Weihnachtsmärkte von Peter Kittel und Stadtmaus wurden noch nicht genehmigt.

Es ist ein Ziel, bei dem sich im Grunde alle Parteien im Stadtrat einig sind. Die Gebühren für die Standbetreiber beim dezentral geplanten Weihnachtsmarkt in Regensburg sollen gesenkt werden. Dennoch wird am Donnerstag gut eine Stunde darüber diskutiert. Es geht zum einen darum, wer die Idee zuerst hatte. Zum anderen um das rechtlich korrekte Procedere. Die Brücke-Fraktion hatte zunächst einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag gestellt. Die Oberbürgermeisterin teilt daraufhin mit, dass sie in Abstimmung mit der Koalition bereits einen entsprechenden Auftrag an die Verwaltung erteilt habe. Und es gibt einen kleinen Schlagabtausch zwischen den Rechtsexperten der Verwaltung (Walter Boeckh und Maximillian Mittermeier) und Vertretern der Brücke darüber, ob nun die Marktgebühren- oder Sondernutzungssatzung in dieser Angelegenheit greift und was in diesem Zusammenhang möglich ist und was nicht.

Am Ende wird der Brücke-Antrag gegen 19 Ja-Stimmen abgelehnt. Er sei zwar „richtig, aber überflüssig“, sagt beispielsweise CSU-Frakktionschef Jürgen Eberwein stellvertretend für die Koalition. Doch klar ist: Eigentlich wollen alle dasselbe.

Definitiv nichts im November

Völlig unklar ist hingegen, ob überhaupt Christkindlmärkte stattfinden können. Das gilt sowohl für den städtischen, über den im Stadtrat diskutiert wird, als auch für privat organisierte wie jenen von Veranstalter Peter Kittel im fürstlichen Schlosspark oder den der Stadtmaus im Spitalgarten. Dass im November nichts geht, ist mit den Lockdown-Beschlüssen vom 28. Oktober klar. Sämtliche Veranstaltungen sind demnach in diesem Monat untersagt und darunter fallen auch die Christkindlmärkte, deren Eröffnung Ende November anstünde. Wie es im Dezember aussieht, da sitze die Stadt selbst auf glühenden Kohlen, sagt die Oberbürgermeisterin im Stadtrat.

Man warte vor einer Entscheidung noch die Regierungserklärung von Ministerpräsident Markus Söder, die Generaldebatte im Landtag und schließlich die konkreten Beschlüsse des bayerischen Kabinetts, verbunden mit der konkreten Allgemeinverfügung ab, ehe man eine endgültige Entscheidung treffen wolle, heißt es auf Nachfrage von der städtischen Pressestelle.

Noch keine Genehmigung für den „Romantischen“ 

Vor dem Hintergrund, dass mittlerweile in mehreren Städten – prominentestes Beispiel ist Nürnberg, München will am heutigen Freitag entscheiden – die Märkte bereits abgesagt wurden, geht man aber innerhalb der Stadtverwaltung eher auch von einer Absage des städtischen Weihnachtsmarktes in Regensburg aus. Die Stadt wisse, dass die Situation für die Beschicker/Veranstalter belastend sei, heißt es offiziell. „Gleich zu Beginn der kommenden Woche“ werde es dazu eine Entscheidung geben.

Während die Stadt ihren eigenen Christkindlmarkt im eigenen Ermessen absagen kann, sieht es bei privaten Veranstaltungen wie dem „Romantischen Weihnachtsmarkt“ von Peter Kittel etwas anders aus. Hier ist die Stadt Genehmigungsbehörde. Und bislang sind diese Genehmigungen noch nicht erteilt worden. Zwar soll auch hier nächste Woche eine Entscheidung fallen, allerdings muss ein Verweigern der Genehmigung ausführlich begründet werden und wäre juristisch angreifbar. Vor dem Hintergrund, dass die Aufbauarbeiten im Schlosspark bereits in vollem Gange sind, darf man auf die Entscheidung der Stadt und deren Folgen noch gespannt sein.

Peter Kittel: „Einer der sichersten Plätze überhaupt“

Veranstalter Peter Kittel hat sich zwischenzeitlich damit abgefunden, dass sein „Romantischer Weihnachtsmarkt“ nicht wie geplant am 20. November eröffnen kann. In einer Erklärung, die er über sein Mitteilungsblatt „Stadtzeitung“ heute veröffentlich hat, heißt es dass er stündlich mit einer schriftlichen Anweisung rechne. Er habe „großes Verständnis für das Handeln von Bundes- und Staatsregierung und steht solidarisch hinter den veranlassten Maßnahmen, auch wenn sie ihn in besonderem Maße treffen würden“, heißt es weiter. Sein Markt sei aber „einer der sichersten Plätze überhaupt“.

Peter Kittel (re.) mit Ministerpräsident Söder bei der Eröffnung des Museums der Bayerischen Geschichte. Man kennt sich gut. Foto: Archiv/Staudinger

Konzentriert beobachte er die aktuelle Situation und erarbeite bereits „Maßnahmen für die unverzügliche Eröffnung des Marktes nach dem Lockdown“. Ob diese überhaupt genehmigt werden wird, entscheidet sich nach dem Wochenende.

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Kommentare (18)

  • joey

    |

    so gehet nach Hause und zündet dort Kerzen an. Und wenn Ihr meint, daß das im Advent sein muß, besauft Euch und hört schmierige Lieder.

  • KW

    |

    Um den Stadtmaus-Markt im Spitalgarten wäre es mNn wirklich schade, aber da ist es wohl zu eng um das aktuell sinnvoll durchführen zu können. Leider hat Kittel mit seinem fürstlichen Mega-Kommerz tatsächlich die größten Chance einer Genehmigung, weil es dort viel Platz hat und es ein geschlossenes Gelände mit sehr gut kontrollierbarem Eintritt ist, auch wegen der Tatsache dass dafür sogar Geld fällig ist.

  • Ralf Herrmann

    |

    Hoffe zumindest Hr. Kittel darf seinen Markt abhalten, er hat als einziger ein professionelles Konzept.

  • Julian86

    |

    Merkur meldet zweierlei:
    Münchner Weihnachtsmärkte, alle abgesagt. Darf man folgern, dass R folgen wird?
    Hohe Dunkelziffer bei Kindern. Studie. Sechsmal mehr infiziert als gemeldet.

    Zur Ruhe kommt das bairische Land so, mit diesen ad-hoc-Entscheidungen nicht. Es fehlt eine Langzeitstrategie, über den November hinaus – bis nach Ostern. Schweden meldet für 2020 derzeit die drittniedrigste Todes-/Sterberate aller Zeiten. Offenes Land, die Regierenden arbeiten mit Empfehlungen.

  • wollwirker

    |

    Aus volkswirtschaftlichen Gründen wird das Infektionsrisiko in die Freizeit verlagert,
    also privatisiert.
    Die Produktion eines Autos ist wichtiger als der Kulturbetrieb.

  • wr

    |

    @wollwirker
    Können 85 Millionen von der Kultur leben ?.

  • Ralf Herrmann

    |

    Ja natürlich ist die Produktion eines Autos ist wichtiger als der Kulturbetrieb!!

  • Mr. T.

    |

    wr, 85 Millionen können sicher nicht nur von der Kultur leben. Dafür wär die Kultur allerdings nachhaltiger als die deutsche Autoindustrie.

  • Piedro

    |

    @wr
    Ist denn nur wichtig “wovon” man lebt? Und ist die Lufthansa lebenswichtig? Die hat mehr Unterstützung erhalten als “die Kultur”, Gastronomie und Soloselbstständige zusammen, obwohl bestimmt weit weniger Menschen “davon” leben.

  • wr

    |

    Ich habe kein Wort von Autos geredet. Die meisten Steuereinnahmen kommen sicher nicht
    von der Kultur.

  • semmeldieb

    |

    verstehe nicht, warum angesichts der lage und simpel berechenbaren entwicklung eine sofortige absage angeordnet wird.

    hobby-darwinisten.

  • Christa

    |

    „Nehmt uns nicht noch das!“
    ABER
    Es gibt Hoffnung! Die Fürstin glaubt ans Christkind.
    Das wird schon ein Einsehen haben wenn es um die Verteidigung so fundamentaler christlicher Werte geht, wie sie sonst nirgends außer auf dem Weihnachtsmarkt speziell in den Gemäuern Ihrer Durchlaucht gelebt werden.
    Darauf ein paar eklhafte Glühbier!

  • Günther Herzig

    |

    @Christa
    Das Einsehen des Christkinds setzt doch zuerst mal voraus, dass es existiert, unabhängig davon, ob die Fürstin etwas anderes verbreitet. Die Werte, von denen die Rede ist, sind nichts anderes als soziale Regeln, die genauso in Grönland oder im Amazonasurwald entwickelt worden sein konnten, ohne die Hilfe eines Gottes!

  • Stefan Egeli

    |

    Abgesehen davon, dass leider viele Menschen die Einnahmen brauchen würden, haben die Absagen evtl. doch was Gutes. Man kann Alles wieder zurückzufahren um sich zu besinnen. Denn wenn man in der Vorweihnachtszeit die Innenstädte sieht, in denen sich die Menschen mit Plastiktüten beladen wie von Sinnen durch Fußgängerzonen und Geschäfte schieben und sich dann am total überfüllten Christkindlmarkt zu zweit oder mit Freunden Glühwein in Keramikbechern aus China reinzuschütten, während “Last Christmas” in der Endlosschleife dudelt, wir immer wieder klar, dass Kommerz und Konsum längst Überhand genommen haben.

  • H. Müller

    |

    Es ist absolut unverständlich, wie in dieser Lage überhaupt noch über so etwas wie Weihnachtsmärkte diskutiert wird.

    Angesichts der ansonsten fehlenden Möglichkeiten würde sich der Event- und Party-affine Teil der Bevölkerung nicht nur aus dem hiesigen Einzugsgebiet, sondern auch aus München und Nürnberg auf engem Raum drängen. An- und Abfahrt in Gruppen und dazugehöriges kämen natürlich dazu.

    Ausbaden würden die Folgen dieser „weihnachtlichen“ Vergnügungs- und Bespaßungskultur (bei der der Anlass eigentlich sowieso egal ist), wieder einmal die vulnerablen Personen, die Schüler und Lehrer, das Pflegepersonal und Ärzte, und all jene, die mit viel Mühe und unter strengen Hygienekonzepten um ihre Existenz kämpfen, z.B. in Kultur und Gastronomie, und alle anderen, die schwer mit den Folgen dieser Pandemie zu kämpfen haben, obwohl sie sich ständig verantwortungsvoll zurücknehmen und einschränken.

  • Mr. T.

    |

    Na ja, bis jetzt konnte noch keine einzige Infektion auf einen Weihnachtsmarkt zurückgeführt werden. Auf die Gastronomie schon zwei oder drei ;-)

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu “H. Müller” – Ich teile voll Ihre Meinung. Haben denn die Leute in dieser schwierigen
    Zeit keine anderen Sorgen als den Weihnachtsmarkt, die “events” und dergleichen.
    Das Wichtigste ist momentan, daß wir und unsere Lieben gesund bleiben, alles andere
    kann nachgeholt werden. Offenbar aber sind manche Leute so ideenlos, daß sie ständig
    Ablenkung brauchen, um ihre auch so langweilige Zeit totzuschlagen.

  • R.G.

    |

    Bitte bedenken wir alle, dass Adventmärkte Arbeitsplätze bieten.
    Wer von kleinen Gehältern abhängig ist, spürt den Verlust des Einkommens besonders schwer.

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