Zum Jahrestag des November-Pogroms und der Zerstörung der Regensburger Synagoge

Die Spur der Steine

Im nationalsozialistischen Regensburg gab es ein System der Bereicherung, in dem Stadtpolitik(er) und Bauwirtschaft bestens harmonierten und davon reichlich profitierten. Ein eindrückliches Beispiel für das gedeihliche Zusammenwirken von parteilicher Stadtpolitik und hiesiger Immobilienwirtschaft ist der Aufstieg des Bauunternehmers Xaver Schwarz. Der Ratsherr und NSDAP-Ortsgruppenleiter baute aus den Steinen der 1938 zerstörten Jüdischen Synagoge drei Häuser auf Grundstücken, die ihm NS-Bürgermeister Hans Herrmann zugeschustert hatte.

Die Regensburger Synagoge nach ihrer Zerstörung in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938.

Die Zerstörung der Regensburger Synagoge durch nationalsozialistische Brandstifter jährt sich am Samstag zum achtzigsten Mal. Für den Abbruch der Brandruine beauftragte die Stadtverwaltung 1938 den Bauunternehmer Xaver Schwarz, die hierbei anfallenden Kosten musste gemäß der antisemitischen Verfolgungspraxis die jüdische Gemeinde tragen. Mit den aus dem Abbruchmaterial recycelten Ziegelsteinen erbaute Schwarz, seit 1932 Leiter NSDAP-Ortsgruppe Regensburg Nord, seit 1935 Obermeister der Bauinnung und auch Ratsherr, im Jahr 1939 drei Häuser. Die dafür notwendigen Baugrundstücke schusterte ihm die Stadtverwaltung unter dem Nazibürgermeister Hans Herrmann in einem wohlfeilen Tauschgeschäft zu.

Obwohl es den Zeitgenossen seinerzeit nicht verborgen blieb, dass der Ratsherr Schwarz auf diese Weise zu außergewöhnlichem Reichtum kam, verleugnete er nach dem Ende des NS-Regimes die Herkunft des Baumaterials mehrfach. Mit Erfolg. Weder im Rahmen der Spruchkammerverhandlungen zu seiner „Entnazifizierung“ noch in den sogenannten Synagogen-Brand-Prozessen Ende der 1940er Jahre wurde er dafür zur Rechenschaft gezogen. Nächstes Jahr soll am Platz der zerstörten Synagoge eine neu errichtete eingeweiht werden. Anlass genug, die Bautätigkeiten des Ratsherrn Schwarz mit den Steinen der Synagoge zu skizzieren.

Morgensonne der Humanität?

Die in der Nacht zum 10. November 1938 mit Brandbeschleunigern angezündete Synagoge in der Schäffnerstraße hatte die jüdische Gemeinde nur 26 Jahre nutzen können. Sie war nach etwa 20 Monaten Bauzeit im August 1912 eingeweiht worden. Isaak Meyer (der Sohn des damaligen Distriktsrabbiners Seligmann Meyer) sah in seiner Chronik der jüdischen Gemeinde hoffnungsvoll einer neuen Zeit entgegen. In einer Festschrift von 1913 schrieb er:

„Die aufgehende Morgensonne der Humanität und der Toleranz hat in Deutschland längst die Fesseln beseitigt, unter denen unsere Vorfahren seufzten.“

Wie viele andere glaubte er, dass die lange Zeit der Ausgrenzung und Verfolgung vorbei sei:

„Wir errichten wieder ein neues Gotteshaus, nachdem fast vier Jahrhunderte seit der Zerstörung des ersten hier erbauten verflossen waren.“

Auch der damalige Bürgermeister Dr. Otto Geßler (1918 Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei und politisch gesehen ein rechter Monarchist) glaubte an ein friedvolles Miteinander. In seiner Ansprache (dokumentiert in der neulich erschienen Arbeit von Klaus Himmelstein, Jüdische Lebenswelten in Regensburg, 2018) zur Einweihung der Synagoge sprach er „der israelitischen Kultusgemeinde namens der Stadtverwaltung die wärmsten Glückwünsche“ zum neuen Tempel („eine neue Zierde unserer Stadt“) aus und stellte diesen gerne „unter Schutz und Schirm“ der Stadt. Wie der Isaak Meyer meinte Geßler, dass die düsteren Zeiten vorüber und freie Religionsausübung rechtlich gesichert seien. Die Geschichte der Regensburger Israeliten erzähle allerdings von „blutigem Haß und Verfolgung“ und davon, so Geßler, dass „schon einmal ein prächtiger Tempel, nicht weit von dieser Stätte, zerstört wurde.“ Den Grund für diese Verfolgung sah Geßler bemerkenswerterweise in „Ausbrüchen konfessioneller Leidenschaft“, die „allein der Fortschritt der Kultur und Gesittung in unserem Vaterlande hoffentlich für immer“ unmöglich gemacht habe.

Begründete und legitimierte den christlichen Antisemitismus: der Regensburger Bischof Michael Buchberger (um 1933). Foto: privat.

Die Hoffnung erfüllte sich nicht, traditioneller christlicher Antijudaismus und religiös motivierte Judenfeindschaft ergänzten sich problemlos mit dem rassisch begründeten Antisemitismus der Völkischen und Nazis – Gegenwehr war die Ausnahme. So begründete und legitimierte der Regensburger Bischof Michael Buchberger schon vor 1933 einen „christlichen Antisemitismus“ (zur vierteiligen Buchberger-Recherche). Der Regensburger Hochschulprofessor und Geistliche Joseph Engert machte um 1940 in Kleruskalender für alle katholischen Geistlichen Werbung für die Nürnberger Gesetze und die nationalsozialistische Rassenhygiene, es müsse „das weitere Einsickern jüdischen Blutes“ in das deutsche Volk verhindert werden, ebenso „das von Negern, Zigeunern und Bastarden.“ (zur vierteiligen Engert-Recherche) (Eine geschönte Auftragsarbeit zur NS-Geschichte der Domspatzen meint, dass mit Engert nach 1945 eine  politische „Erneuerung“ Einzug gehalten habe.)

Beim geistlichen Leiter einer katholischen Jugendgruppe, dem späteren Bischof von Regensburg Rudolf Graber, verschmolz im Sommer 1933 christliche Judenfeindschaft mit antisemitischer Volkstums-Ideologie, er betrachtete den  „Kampf gegen das Judentum“ als „instinktive Abneigung des ganzen deutschen Volkes“.

Moderne Baumaterialien ohne öffentliche Gelder

Die von den Regensburger Architekten Koch und Spiegel entworfene Synagoge bot im Erdgeschoss Platz für knapp 250 Männer und auf der Empore für etwa 200 Frauen. In der Wahl der Baumaterialien war der Tempel modern: Säulen, Decken und Empore wurde in Stahlbeton ausgeführt, die mit Kupferblech eingedeckte Kuppel von einer Stahlkonstruktion getragen. Wie die nach der Brandstiftung aufgenommenen Bilder zeigen, wurden für die Außenwände gewöhnliche Ziegelsteine verwendet, ein Baustoff, der sich auch zum Bau von einfachen Häusern eignet und gut recyceln lässt.

Der Tempel wurde von der jüdischen Gemeinde ohne finanzielle Unterstützung seitens staatlicher oder städtischer Stellen finanziert. Die reinen Baukosten betrugen laut dem 2016 verstorbenen Oberstudiendirektor a.D. Siegfried Wittmer (Regensburger Juden, 1996) etwa 300.000 Mark. Gutachter schätzten 1959 den Wert des Gebäudes, der zerstörten Inneneinrichtungen und der geklauten Kult- und Ritualgegenstände auf über 1,2 Millionen DM.

Die Neue Synagoge war 1912 fertiggestellt worden.

Die 2013 veröffentlichten Recherchen der Publizistin Waltraud Bierwirth (November-Pogrom 1938) ergaben, dass die Regensburger Gemeinde vom Landesentschädigungsamt als „Entschädigung“ für den Schaden aus der Brandstiftung rund 28.000 DM erhielt. Diese Gelder wurden in den 1960-er Jahren als Zuschuss für den Erhalt des Gemeindehauses gewährt, das in der Brandnacht nicht zerstört worden war.

Die Pogromnacht

Die Ereignisse der Brandnacht und des darauf folgenden sogenannten „Schandmarsches“ von etwa 60 Juden durch die Stadt hat Waltraud Bierwirth in ihrem Buch November-Pogrom 1938 akribisch nachgezeichnet. Demnach hat der Brigadeführer des in Regensburg stationierten NS-Kraftfahrkorps (NSKK) Wilhelm Müller-Seyffert seine Mannschaften angewiesen, die Synagoge mit Benzin in Brand zu setzten. Kurz bevor alles in Flammen aufging, entwendeten die uniformiert auftretenden NSKK-Männer kostbares Inventar, Archivalien und Kultgegenstände aus dem Tempel.

Dr. Andrea Löw (Zentrum für Holocauststudien München) auf der städtische Gedenkveranstaltung 2018: Etwa 1400 Menschen starben während oder an den Folgen der Reichspogromnacht von 1938,  ca. 30.000 wurden verhaftet, etwa 1400 Synagogen und 7500 Geschäfte zerstört. Foto: Effenhauser, Stadt R.

Als die Flammen bereits aus der Synagoge loderten, fanden sich am Ort der Verwüstung neben der örtlichen NS-Prominenz, darunter Kreisleiter Wolfgang Weigert und SS-Bürgermeister Otto Schottenheim, auch Gestapoleute, SA und SS, Partei- und Stadtvolk sowie diverse Polizeieinheiten ein. Letztere hielten Gaffer zurück. Die ebenso längst informierte städtische Feuerwehr durfte auf Anweisung von Schottenheim erst eingreifen, als vom Brandherd eine Gefahr für Gebäude in der Nachbarschaft ausging und die Synagoge innen fast ausgebrannt war – am 10. November um 1 Uhr 14 rückte der Löschzug der Hauptfeuerwache aus.

Wie im ganzen Reich wurden auch in Regensburg in der sogenannten Reichspogromnacht die Geschäfte und Wohnungen von Juden und Jüdinnen gezielt angriffen und ausgeplündert – auch von Jugendlichen und gewöhnlichen Frauen. Viele ihrer Inhaber wurden misshandelt und fast alle erwachsenen Juden danach verschleppt. In dem von Müller-Seyffert am Vormittag des 10. Novembers inszenierten „Schandmarsch“ wurden etwa 60 jüdische Männer vor der städtischen Öffentlichkeit erneut gedemütigt, von Passanten teilweise geschlagen, bespuckt oder verletzt – die meisten von ihnen kamen danach ins Konzentrationslager nach Dachau. Öffentliche Proteste blieben aus.

Während das von Bischof Buchberger herausgegebene Bistumsblatt die antisemitische Juden-Boykott-Aktion von April 1933 ausdrücklich begrüßt hatte, stimmte es angesichts der Zerstörung der Synagoge, der gewalttätigen Verfolgung und der beispiellosen Demütigung von jüdischen Bürgern Regensburgs während des „Schandmarsches“ durch Stillhalten und Schweigen zu. 

Die Jüdische Gemeinde muss den Abbruch bezahlen

Bereits einen Tag später, am 11. November 1938, ordnete Bürgermeister Schottenheim an, dass ein durchaus möglicher Wiederaufbau der Synagoge „und die dazu erforderliche baupolizeiliche Genehmigung nicht in Frage kommen.“

Nazi-Bürgermeister Schottenheim ordnete am Tag nach der Brandstiftung den Abriss der Ruine an, obwohl ein Wiederaufbau möglich gewesen wäre. Foto: Hans Maar, ©Yad Vashem.

 

 

Stattdessen beauftragte das städtische Bauamt den Bauunternehmer Xaver Schwarz, den Abbruch der Brandruine vorzunehmen. Die Kosten dafür, immerhin 20.000 RM, musste die Jüdische Gemeinde aufbringen (dies geht aus den Nachkriegsprozessakten hervor, die Waltraud Bierwirth auswertete).

Bereits in dem Monatsbericht für November an die übergeordneten Nazi-Behörden konnte der Rechtskundige Bürgermeister Hans Herrmann ganz positiv gestimmt melden, der Abbruch der Synagoge schreite „flott vorwärts“. Laut aktuellen Recherchen von Waltraud Bierwirth wurde im Dezember 1938 bei den Abbrucharbeiten die Bauurkunde von 1912 gefunden und daraufhin ins städtische Museum gebracht – wo sie heute nicht mehr auffindbar ist.

In der bereits erwähnten Arbeit von Siegfried Wittmer heißt es „eine Regensburger Fima für ‚Hoch- Tief- und Eisenbetonbau‘, deren Chef am 30. November 1933 ‚zum Stadtrat berufen‘ worden war“, habe „die verwertbaren Steine der Synagogenruine, „zum Bauen von Häusern in der Nähe der Walhallaturnhalle östlich der Lappersdorfer Straße“ verwandt. (S. 332) Den Namen des Stadtrats nennt Wittmer nicht, in einer diesbezüglichen Fußnote gibt er immerhin noch die entsprechenden Adressen an: „Am Holzhof 4, 6, 8.“

Der Bürgermeister, der Ratsherr und der Bauunternehmer

Bürgermeister Hans Herrmann (um 1949) nutze die Zwangslage der Jüdischen Gemeinde aus. Foto: Staatliche Bibliotheken/ Stadt Regensburg

Ein Jahr nach der Brandnacht erwarb Bürgermeister Herrmann das Synagogen-Grundstück für die Stadt, wobei er die Zwangslage der jüdischen Gemeinde in den Preisverhandlungen ausnützte und den Großteil des Grundstücks eine Woche später, am 31. Dezember 1939, mit einem 20-prozentigen Preisaufschlag an die Reichsbank weiterreichte. Da der tatsächliche Wert des zentral gelegenen Grundstücks viel höher war, „spendete“ die Reichsbank zusätzlich einen Betrag in der Höhe rund zwei Drittel des Kaufpreises an die Stadt. Die entsprechenden Verträge beurkundete der Regensburger Notar Ernst Reiser. Derselbe Notar, der kurz zuvor vom Bauunternehmer Xaver Schwarz ein neu erbautes Haus erworben hatte, in dem Ziegelsteine aus dem Synagogen-Abbruch verbaut waren – worauf ich zurückkommen werde.

Nach den Aussagen von Xaver Schwarz soll die Baufirma Hans Schricker ebenso mit den Abbrucharbeiten an der Brandruine beauftragt worden sein. Der Mitinhaber der Firma Schricker war der damalige Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Arthur Knab. Seine Ehefrau Käte (eine geborene Schricker) und sein Schwager Paul hatten Anteile am Geschäft. Es war eines der größten in Regensburg und kam bei vielen städtischen, staatlichen und militärischen Bauten zum Zuge.

Immobilien- und Baupolitik in eigener Sache

Knab, seit 1935 Ratsherr und Träger der Naziparteiauszeichnung „Bronzene Medaille“, betrieb wie Xaver Schwarz Immobilien- und Baupolitik in eigener Sache. So verwundert es nicht, dass der vormalige Ratsherr Arthur Knab laut einer Bilanz der Spruchkammer II von 1947 unter anderem etwa ein Dutzend Immobilien und diverse Firmenanteile besessen haben soll. Am Abende des 9. November 1938 saß das ehemalige Mitglied des rechtsextremen Freikorps Bund Oberland Knab zusammen mit anderen „alten Kämpfern“ und seinem Duzfreund Otto Schottenheim beim Umtrunk im Ratskeller, wo die Details der Brandstiftung an der Synagoge gerade verabredet wurden.

Nazi-Oberbürgermeister Otto Schottenheim verbot der Feuerwehr beim Synagogenbrand 1938, rechtzeitig einzugreifen. Foto: privat.

Arthur Knab, geb. am 1. April 1893 in Nürnberg, trat schon vor seiner IHK-Präsidentschaft als offener Antisemit auf. In seinem IHK-Amt war er an der als „Arisierung“ verbrämten Enteignung und Liquidierung der jüdischen Geschäfte und Firmen maßgeblich beteiligt – wie Waltraud Bierwirth in ihrer Arbeit „Die Firma ist entjudet“ (hier zur Rezension) aufzeigt. Dabei haben sich, wie die Magisterarbeit von Eva Schmidt zur NS-Geschichte der IHK ausführt, Regensburger Funktionäre persönlich bereichert. Mitte Mai 1939 tönte Knab im IHK-Beirat stolz:

„In unserem Kammerbezirk … darf die Entjudung als vollkommen durchgeführt betrachtet werden“.

Der Bauunternehmer Knab hatte eine Vielzahl von Ämtern und Funktionen bei der Stadt, der Partei und in staatlichen Stellen inne – unter anderem war er Parteimitglied, Kreisamtsleiter, Sturmführer und Vertreter beim NSKK, Leiter der örtlichen Dienstelle der Gauwirtschaftskammer, Verwaltungsrat in städtischen Einrichtungen, Kreiswirtschaftsberater, Wehrwirtschaftsführer.

Arthur Knab, ein anständiger und sozialer Nazi?

Nach dem Ende des NS-Regimes löste die US-Militärregierung die Gauwirtschaftskammer, hervorgegangen aus der IHK, auf und stellte Knabs Vermögen unter Treuhänderschaft. Ob er interniert wurde, geht aus den im Amberger Staatsarchiv liegenden Spruchkammerakten eigenartigerweise nicht hervor. In seinem schriftlich, also nicht öffentlich geführten Entnazifizierungsverfahren (worauf sein Verteidiger großen Wert gelegt hatte) von 1948 ließ Knab den Vorhalt bestreiten, Steine aus dem Synagogen-Abbruch verwandt zu haben, und bot dafür eine Vielzahl von Zeugen auf. Ein Schricker-Ingenieur sagte aus, „dass beim Abbruch der Synagoge keinerlei Vorarbeiter oder Arbeiter der Firma Schricker beschäftigt waren und dass die Steine weder für die Firma noch in irgendeiner Form verwendet wurden.“ Fast gleichlautend äußerte sich der Leiter der Buchhaltung.

IHK-Präsident Arthur Knab rühmte sich 1939 mit der „Entjudung“ des Kammerbezirks, Foto: IHK.

Aus seinen Spruchkammerakten geht nicht hervor, wer Knab in Sachen Synagogen-Abbruch beschuldigte. Ebenso wenig, dass Xaver Schwarz in dieser Sache von der Spruchkammer III ebenfalls zur Rede gestellt wurde. Andererseits hatte Knab viele Gutachten und Fürsprecher aufgeboten. Unter anderem erklärten 33 Schricker-Angestellte eidesstattlich, sie könnten mit gutem Gewissen erklären, „daß sich uns gegenüber Herr Knab als anständiger, sozial gerecht denkender Arbeitgeber gezeigt“ habe.

Knab wurde am 27. Januar 1948 von der Spruchkammer II unter dem Vorsitz von Georg Löffler als Minderbelasteter (Gruppe 3) eingestuft und zu einem einmaligen Sühnebeitrag von 1.200 RM an den Wiedergutmachungsfond verurteilt. In der Bewährungszeit von sechs Monaten durfte er kein Unternehmen leiten, erwerben, kontrollieren oder beaufsichtigen. Die Spruchkammer folgte diversen Gutachten zur Verteidigung Knabs und hielt ihm kurioser Weise sogar zugute, dass „der Betroffene aktiven Widerstand (ge)leistet“ habe, etwa weil er den Befehl, „die Zuckerfabrik vor dem Einmarsch der Amerikaner zerstören zu lassen“, nicht ausgeführt habe.

Nach einem ebenso schriftlich, sprich unter Ausschluss der Öffentlichkeit, geführten Wiederaufnahmeverfahren (wegen „großer Unbilligkeit und persönliche Härte“) wurde der Nazi-Multifunktionär Knab mit Bescheid vom 12. Mai 1948 sogar in die Gruppe IV der Mitläufer eingereiht und konnte sich somit wieder ungestört seinen Geschäften widmen. Nicht zuletzt, weil die Verhandlungen zur Weißwaschung Knabs nicht öffentlich geführt wurden, erschienen dazu, soweit bekannt, keine Zeitungsberichte. Nach derzeitigem Recherchestand kann nicht ausgeschlossen werden, dass Arthur Knab tatsächlich am Abbruch der Synagoge beteiligt war und daraus Profit gezogen hat. Soweit aus den Akten ersichtlich, geht der Hinweis, dass er beteiligt gewesen sein soll, allein auf seinen Parteigenossen Xaver Schwarz zurück. Dieser hatte die recycelten Ziegelsteine von der Brandruine in die Lagerhalle seiner Firma in der Lappersdorfer Straße verbringen lassen.

Xaver Schwarz – ein katholischer „alter Kämpfer“ der NSDAP

Xaver Schwarz wurde am 22. November 1904 in eine katholische Bauunternehmerfamilie von Regensburg/Steinweg geboren. Nach seiner Ausbildung als Maurer bei der Firma Tausendpfund (deren Inhaber Ferdinand Tausendpfund seit 1935 NSDAP-Mitglied war) kehrte er in den Betrieb seiner Eltern Franz Xaver und Maria Schwarz zurück. Seinen Angaben im Entnazifizierungsverfahren zufolge war er dort ab 1932 als Polier, ab 1938 als Bauführer und seit 1943 als Geschäftsführer tätig. In die NSDAP trat er im Jahr 1931 ein (Mitgliedsnummer 577593) und leitete die Ortsgruppe Regensburg-Nord von 1932 bis 1934. Die entsprechenden Versammlungen leitete er unter anderem in der Wirtschaft Colosseum in Stadtamhof (ab Frühjahr 1945 KZ-Außenlager von Flossenbürg) Zu erwähnen ist noch, dass Schwarz ab August 1943 für neun Monate als Pionier in die Wehrmacht eingezogen wurde.

Wie seine Ehefrau Centa bekannte, lebte ihr Mann gemäß den römisch-katholischen Pflichten, dementsprechend seien sie 1940 auch kirchlich getraut worden. Weiter gab seine Ehefrau an, dass ihr Ehemann, „an der Zerstörung und Inbrandsetzung der hiesigen Synagoge … weder direkt noch indirekt beteiligt“ gewesen sei, „nicht einmal Zuschauer bei diesem Zerstörungswerk“ will er gewesen sein. Er sei in der fraglichen Zeit zu Hause in seiner Wohnung gewesen, was seine Angehörigen bestätigen könnten. Ist dies glaubhaft?

Nein, nicht zuletzt weil die Ehefrau Centa diese Angaben, die sie bereits Ende 1945 in einer Bitte um Haftentlassung des Ehemanns vortrug, selber weder bezeugen wollte noch später wiederholte, sind sie als unglaubwürdige Schutzbehauptungen einzustufen (zumal sie hinsichtlich des Datums sachlich falsch sind). Bezüglich des städtischen Auftrags zum Abbruch der Brandruine äußerte sich die Ehefrau des Ratsherren Schwarz mit einer bizarren und doch entlarvenden Logik: Der „rein geschäftliche Auftrag der Stadtverwaltung“ zum Abbruch habe „mit der Zerstörung der Synagoge nicht das geringste zu tun“ gehabt. Dass ihre persönlichen Vorteile geradewegs aus dem Schaden, der rechtswidrigen und existenziellen Verfolgung der Regensburger Juden und Jüdinnen erwachsen sind, zu dieser Erkenntnis gelangte die sich katholisch präsentierende Unternehmers-Gattin offenbar nicht.

Ein Nazi profitiert von öffentlichen Aufträgen

Vor allem seine Parteizugehörigkeit qualifizierte Schwarz für den Stadtrat, in dem er ab Herbst 1935 als Ratsherr das städtische Bau- und Immobiliengeschäft zu seinen Gunsten mitgestaltete. Auf diesem Wege konnte Schwarz sein regelmäßiges Jahreseinkommen in den Jahren von 1932 bis 1942 um den Faktor 17 auf 27.090 Reichsmark steigern – zwischenzeitlich erworbener Immobilienbesitz noch nicht berücksichtigt. Diese Zahlen gehen aus den Angaben des Finanzamts im Zuge seines Entnazifizierungsprozesses von 1947 hervor. Der Aufstieg des Bauunternehmers Xaver Schwarz in die Stadtpolitik ist ein eindrückliches Beispiel für das gedeihliche Zusammenwirken von parteilicher Stadtpolitik und hiesiger Immobilienwirtschaft, das die Zeiten und Gesellschaftssysteme in Regensburg anscheinend überdauert hat.

Schwarz baute die Villa für NSDAP-Kreisleiter Wolfgang Weigert, im Bild leitete er am 10. November 1938 die Deportation von Juden nach Dachau.

Tätig werden durfte die Baufirma Schwarz etwa für den Bau der Villa des NSDAP-Kreisleiters Wolfgang Weigert am Pfaffensteiner Hang und bei der Vergrößerung des Anwesens des Nazibürgermeisters Schottenheim. Oder bei staatlichen Aufträgen in Linz und Passau, die er in den 1940er Jahren unter anderem mit polnischen Zwangsarbeitern ausführte. Zu diesem Zweck empfahl sich Schwarz auch direkt bei staatlichen Stellen, wenn er eine politische Bevorzugung wollte. So beispielsweise in einem Schreiben vom 31. Januar 1942 an den Präsidenten der Reichsbahndirektion Linz, in dem Schwarz anlässlich der Vergabe von Bauarbeiten ins Feld führte: „dass ich alter Kämpfer bin und in den Jahren vor der Machtübernahme als Ortsgruppenleiter der Ortsgruppe Regensburg-Nord von allen öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen war“.

Ebenso kam Schwarz beim Bau der Hans-Schemm-Volkschule in der nach dem SS-General Otto Schottenheim (Mehr über Schottenheim) benannten Nazi-Mustersiedlung im Regensburger Norden zum Zuge (Mehr zur Schottenheim-Siedlung). Hierbei kam ihm seine privilegierte Stellung als Obermeister der Bauinnung zugute, dem die Zuteilung der ab 1936/1937 rationierten Baumaterialien, vor allem Zement und Baustahl, oblag.

Vorzeigeprojekt des NS-Regimes: die Schottenheim-Siedlung 1936. Foto: privat.

Der Mangel an Baustoffen führte Ende 1938 zu einem generellen Neubauverbot – danach durften nur noch bereits begonnene Projekte abgeschlossen und Heeresbauten für den geplanten Krieg errichtet werden. Laut dem Regensburger Baurat Albert Kerler sei seinerzeit „kein einziger Sack Zement im freien Handel erhältlich“ gewesen. Dieser Mangel führte in Regensburg zu Verzögerungen und Einstellung unter anderem bei der Erbauung des Arbeitsamts, der Kinderklinik, des Nazi-Siedlungsbaus, wie der Historiker Helmut Halter in seinem Standardwerk „Stadt unterm Hakenkreuz“ detailliert schildert.

Für den Nazi- und Innungsfunktionär Xaver Schwarz galt dieses Neubauverbot freilich nicht. Im Mai 1939 erbaute er Am Holzhof drei neue Häuser auf Grundstücken, die aus einem Tauschgeschäft mit der Stadt stammten.

Wie kam die Familie Schwarz zu den Baugrundstücken?

Aus den Akten des Regensburger Grundbuchamtes ergibt sich, dass die Verlagerung und Vergrößerung des Bauunternehmens Schwarz (mit Sitz Rabenkellerweg 1) Mitte der 1930er Jahre mit einer Zwangsversteigerung begann. Damals ersteigerten die Eheleute Schwarz sen., die Eltern von Xaver, in der Lappersdorfer Straße das Anwesen mit der Hausnummer 14, zu dem auch ein nördlich direkt an der Straße gelegener Baugrund gehörte.

Auf einem dieser Grundstücke ließ Xaver Schwarz jun. dann im August 1936 als Bauherr und Baufirma ein großes Wohn- und Geschäftshaus erbauen, das Ende 1937 bezogen wurde. Mit einem für Schwarz äußerst lukrativen Grundstückstausch zwischen seinen Eltern und der Stadt (Stadtbaurat Schipper und Bgm. Hans Herrmann) ging das Wohnhaus mit der Hausnummer 14 an die Stadt und die Äcker und Felder östlich und nordöstlich des Geschäftshauses an die Familie Schwarz (Vertrag vom 16.6.1937, Notar Fr. Schoder). Aus den nordöstlich vom Firmensitz gelegenen Feldern entstanden die bereits erwähnten Baugrundstücke Am Holzhof.

Der Anfang der Sackgasse Am Holzhof mit Walhalla-Turnhalle 2018, , Foto R. Werner

Doch auch das Schwarzsche Firmengelände konnte mit dem Tausch vergrößert werden: Auf einem östlich vom Geschäftshaus gelegenen Acker erbaute Xaver Schwarz noch im November 1937, ohne Genehmigung, eine große Lagerhalle mit Grundfläche von 25 mal fünf Metern (die im Nachkrieg von der BayWa genutzt wurde). Erst nach mehreren Aufforderungen und einer Strafandrohung reichte er entsprechende Pläne zur Genehmigung nach.

Es folgten weitere Tauschverträge im direkten Umfeld des Firmensitzes von Schwarz. So etwa einer vom 18. November 1938, wiederum zwischen den Eltern von Schwarz und Stadtbaurat Schipper/Hans Herrmann. Bei dieser für Schwarz sehr günstigen Gelegenheit trat er 5.360 Quadratmeter Ackerland an die Stadt ab und erhielt im Gegenzug 12.820 Quadratmeter, die das Firmengelände östlich nochmals erweiterten (und heute von der „Bayerwald-Siedlung“ überbaut sind). Wohl aus formal-rechtlichen Gründen wurde der Wert beider Tauschgrundstücke gleich hoch, auf 150 RM taxiert, wobei das größere mit den Gleisen einer Werk-Eisenbahn der nahegelegenen Ziegelei belegt war. Aus dem notariellen Kaufvertrag geht hervor, dass dem Kauf eine „Beratung der Ratsherren vom 4. Dezember 1936“ vorausgegangen ist – die Parteigenossen und Xaver Schwarz selbst haben also zu seinem Gunsten städtische Grundstücke verscherbelt und der dienstbare Bürgermeister Hans Herrmann (Mehr zu Hans Herrmann) hat diese Schiebereien nazirechtlich ordnungsgemäß vollzogen.

Alle Deals waren zum kaum zu überschätzenden Nutzen des Ratsherren Xaver Schwarz und seiner Familie. Ob Xaver Schwarz in anderen Straßen- und Stadtteilen weitere Grundstücke ertauschte oder erwarb, ist ungeklärt, die vorliegende Recherche befasst sich nur mit den Vorgängen in der Lappersdorfer Straße und Am Holzhof.

Die Neubauten Am Holzhof

Am Holzhof ist eine kurze Sackgasse, die in die Lappersdorfer Straße mündet. Sie liegt zwischen dem damaligen Geschäftshaus des Ortsgruppenleiters Xaver Schwarz (Nr. 18) und der Walhalla-Turnhalle (Nebenbei: Diese Turnhalle war ein vom damaligen NSDAP-Schulrat Wolfgang Weigert vorangetriebenes Projekt, das im August 1935 eingeweiht und 1942 als Lagerraum benutzt wurde für sogenanntes „Judengut“: wie Möbel, Kleidung, Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, die im Zuge der sogenannten „Aktion III“, der Enteignung von entrechteten und deportierten Regensburger Juden und Jüdinnen, geraubt und an Volksgenossen verscherbelt wurden.)

Turnhalle der Turngemeinde Walhalla 1935 bei der Einweihung, 1942 wurde darin „Judengut“ gelagert.

Als Schwarz im Juni 1937 die drei Baugrundstücke Am Holzhof durch Tausch erwarb, stand in der Sackgasse nur ein Haus, das mit der Nummer 2. Am 29. November 1938, als seine Firma noch mit dem Abbruch der brandruinierten Synagoge beschäftigt war, reichte Schwarz deckungsgleiche Neubaupläne für die Errichtung von drei Häusern (Nr. 4, 6 und 8) ein. Xaver Schwarz firmierte dabei als Bauherr und Baufirma zugleich.

Aus dem Akt des Anwesens mit der Hausnummer 8 geht weiter hervor, dass der eingereichte Plan leicht modifiziert und am 14. April 1939 von Bürgermeister Schottenheim genehmigt wurde. Trotz des generellen Neubauverbots und der Baumaterialrationierung war der Obermeister der Bauinnung Schwarz bestens auf seinen Neubauten vorbereitet. Laut Bauplan waren als Baumaterialien ein „Betonmauerwerk“, eine „Leragmassiv-Decke“ und ein „Backsteinmauerwerk in verlängertem Zementmörtel“ vorgesehen – in eben diesem Backsteinmauerwerk wurden die Ziegelsteine aus dem Abbruch der Synagoge verbaut. Ein derzeitiger Hausbesitzer, der mit der Familie Schwarz nicht verwandt ist, bestätigte gegenüber regensburg-digital, ohne von den Hintergründen gewußt zu haben, dass diese Baustoffe tatsächlich benutzt wurden.

Gelagert hatte Schwarz die recycelten Ziegelsteine zuvor in der noch 1937 erbauten Lagerhalle, die direkt an die Neubaugrundstücke angrenzte. Die drei Neubauten scheinen noch im Jahr 1939 weitestgehend abgeschlossen worden zu sein. Eines davon, das Anwesen mit der Hausnummer 6, wurde bereits im August 1939 für 22.363 RM an den bereits erwähnten Notar Ernst Reiser verkauft. An jenen, der vier Monate später den Zwangsverkauf des Synagogen-Grundstücks beurkunden sollte. So schließt sich der Kreis der Verfolgungs- und Vertreibungsgewinnler.

Was geschah mit Xaver Schwarz nach der Zerschlagung des NS-Regimes?

Die bislang ausgewerteten Akten legen den Schluss nahe, dass Xaver Schwarz sich nach dem Ende der NS-Herrschaft nach Augsburg-Göggingen absetzte, jedenfalls gab er 1946 diesen Ort als seine Meldeadresse an. Verhaftet wurde er am 30. November1945 von einer US-Spezialeinheit, der 970 CIC Regensburg, die führende Nazifunktionäre und Kriegsverbrecher aufspürte. Die goldenen Zeiten waren für Schwarz damit zunächst vorbei, nicht zuletzt weil man ihn mit dem gleichnamigen Sohn des Reichsschatzministers der NSDAP Wagner verwechselte und entsprechend belangen wollte.

So kam es, dass Schwarz auch mit einer Schlüsselfrage der US-Ermittler konfrontiert wurde: „Haben Sie oder ihre Angehörigen jemals Besitz erworben, welcher anderen Personen aus politischen, rassischen oder religiösen Gründe entzogen oder anderen enteignet wurde?“ Trotz oder wegen seiner verneinenden Antwort wurde er weiter gefangen gehalten. Nach seiner Haft im „Internment Camp No.15“ der US-Armee kam er ins Internierungslager nach Moosburg, wo Ende 1947 ein gegen ihn gerichtetes Entnazifizierungsverfahren eingestellt wurde. Wegen „Haftunfähigkeit“ wurde Schwarz von dort am 12. November 1947 nach Regensburg mit Meldeauflagen entlassen. Als Entlassungsadresse wird Regensburg, Am Holzhof 8 genannt.

Die in einem eigenen Verfahren ermittelnde Spruchkammer III in Regensburg fällte am 18. März 1948 unter dem Vorsitzenden Kaunzinger ihr Urteil: Sie reihte Schwarz in die Gruppe III für Minderbelastete ein und verurteilte ihn zu einer einmaligen Strafe von 500 RM, zu zahlen an den Wiedergutmachungsfond. In der sechsmonatigen Bewährungszeit durfte er keine Firma leiten und nicht selbständig oder als Lehrer arbeiten.

Der öffentliche Ankläger der Regensburger Spruchkammer Schmid forderte hingegen die Verurteilung in die Gruppe II für Belastete. Schmid gab zu Protokoll, er könne nicht anders, obschon er einen guten Eindruck von Schwarz habe. Zu dem milden Urteil trug auch die weißwaschende Stellungnahme der Stadt Regensburg vom 21. März 1947 bei, der zufolge in der Causa Schwarz „politisch und strafrechtlich Nachteiliges nicht bekannt geworden“ sei. Auch der eidesstattliche Persilschein des Pfarrers von Regensburg/Steinweg dürfte hilfreich gewesen sein.

Brachte Xaver Schwarz seinen Schwager ins KZ Dachau?

In den Spruchkammerakten von Xaver Schwarz deutet sich ein weiteres in Regensburg kaum aufgearbeitetes Kapitel nationalsozialistischer Verfolgungspraxis an. Es geht um den Tod seines Schwagers Georg Schützenmeier (geb. 19. Juni 1900 in Regensburg). Diesen soll Schwarz (laut einem anonymen Schreiben vom 8. Januar1948 an die Spruchkammer) „ins KZ Dachau gebracht“ haben, wo er sich erhängt habe. Der Tod von Georg Schützenmeier wurde im Spruchkammerverfahren nicht wirklich – besser: nur scheinbar – behandelt.

Ilse Danzinger von der Jüdischen Gemeinde forderte 2018 auf der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht, dass die Zivilgesellschaft gegen die Diskriminierung von Minderheiten jedweder Art vorgehen und das Stadtmuseum den Verbleib der Bauurkunde von 1912 und die Herkunft von Raubkunst aufklären müsse. Foto: Effenhauser, Stadt Regensburg

Seine Ehefrau Franziska, die Schwester von Xaver, bestritt in einer eidesstattlichen Erklärung, dass ihr Bruder und Ortsgruppenleiter Xaver Schwarz, ihren verstorbenen Ehemann „ins KZ Dachau“ gebracht habe. Dieser sei im KZ Mauthausen 1939 verstorben, es sei ihr nicht bekannt, „auf welche Art und Weise mein Mann in das KZ gekommen sein soll.“

Recherchen in den Gedenkstättenarchiven von Dachau und Mauthausen haben ergeben, dass Georg Schützenmeier am 28. Dezember 1939 in Mauthausen verstarb. Seine Meldekarte der Stadt Regensburg ist mit „1938 in Dachau KZ“ fett überschrieben, sie weiß von früheren Verhaftungen und einer Festnahme vom 19. April 1939 wegen „asozialen Verhaltens“, als Beruf nennt sie „Bierführer“. Im Häftlingsverzeichnis der KZ-Gedenkstätte Dachau taucht Schützenmeier einen Tag später auf, am 27. September 1939 wurde er, Beruf: „Musiker“, entlassen und wohl direkt nach Mauthausen überführt. Als „Haftkategorie“ wird bei Schützenmeier „Arbeitszwang, Gemeinde“ genannt.

Nach Auskunft des Dachauer Archivs bedeutet diese Eingruppierung in der Regel, dass der Häftling auf Anweisung de Heimatgemeinde eingewiesen wurde – sogenannte „Asoziale“ und Alkoholiker konnte diese Verfolgungspraxis treffen. Der Arzt und Bürgermeister Otto Schottenheim wollte sich im damaligen Nazireich mit der Verfolgung von „Asozialen“ und Alkoholikern profilieren, der Bauunternehmer und Ratsherr Schwarz dürfte ihm dabei zumindest stramm gefolgt sein, der Ehefrau scheint es egal gewesen zu sein, warum ihr Mann Georg Schützenmeier ins Konzentrationslager kam.

Spruchkammer ohne Aufklärungsinteresse

Bemerkenswerterweise stufte die Spruchkammer Schwarz deshalb nicht als Unternehmer ein, weil sein Handwerksbetrieb weniger als zehn Beschäftigte gehabt haben soll, was für die NS-Zeit sicherlich nicht stimmte. In der Begründung des Urteils hieß es, Schwarz sei kein Nutznießer des NS-Regimes.

 

Abbruch der Synagoge durch die Firma Schwarz nach dem 11. November 1938. Foto: Hans Maar, ©Yad Vashem.

 

In der explizit, aber mit fehlendem Ausklärungsinteresse verhandelten Frage nach dem Verbleib der Steine aus dem Synagogen-Abbruch folgte der Spruchkammervorsitzende nicht den Belastungszeugen. Etwa dem Anonymus, der angab, Schwarz habe aus der Synagogenruine Baumaterial und Kupferblech für seine Neubauten bekommen. Auch nicht der Stellungnahme des Ortsvorstands der Regensburger SPD, Fritz Enderlein, der angab, dass Schwarz die Abbruchsteine tatsächlich für den Bau seiner Häuser verwendet habe. Zum selben Ergebnis kam der Ermittler der Spruchkammer Richard Beimer, der 1948 in der Lappersdorfer Straße und Am Holzhof recherchierte und zu Protokoll gab: „wie schon bekannt“, habe sich Schwarz von den Abbruchsteinen der Synagoge ein Haus erbaut.

 

Stattdessen akzeptierte die Spruchkammer die Lüge, die Schwarz in der Verhandlung vortrug:

„Der Synagogenbrand war in der Nacht vom 8. auf 9. 11 1938, mein Haus war im Jahre 1937 fertigt gebaut. … Er waren Bruchsteine, mit denen nichts mehr anzufangen war. … Ich selbst erhielt keine Steine der Synagoge.“

Im Übrigen, so Schwarz, sei er „nicht judenfeindlich eingestellt, da ich noch bis zum Jahre 1937 bei 2 Juden Bauten und Bauarbeiten verrichtete.“ Die Aussage des Zeugen Max Dieser, der zwölf Jahre als Vertreter bei der jüdischen Landmaschinenfirma Fa. Baier & Co. (Stadtamhof) arbeitete und von Schwarz in der NS-Zeit deshalb als „Judenknecht“ verunglimpft wurde, ignorierte die Spruchkammer offenbar. Ebenso, dass Schwarz die fraglichen Häuser mit den Synagogen-Steinen erst im Frühjahr 1939 erbaute.

Ungesühnte Bereicherung Vieler

Waltraud Bierwirth hat in ihrem 2017 erschienenen Buch den gesetzlich geregelten Raubzug an den Regensburger Juden aufgearbeitet.

Aus den hier beispielhaft nachvollzogenen anrüchigen Grundstücksdeals und den regen Bautätigkeiten wird deutlich, dass es im nationalsozialistischen Regensburg ein System der Bereicherung gegeben hat, in dem Stadtpolitik(er) und Bauwirtschaft bestens harmonierten und davon reichlich profitierten. Auch wenn der Materialwert der Ziegelsteine aus der Synagoge nicht an erster Stelle rangiert, ist festzuhalten, dass der Bauunternehmer Xaver Schwarz ohne das für ihn kostenlose Raubgut wohl nicht hätte bauen können, vor allem nicht so gewinnbringend.

Von der Entrechtung und Enteignung der Regensburg Juden und Jüdinnen profitierten neben dem Bauunternehmer Schwarz, vor allem seine Familie, aber auch die Stadt und der NS-Zwangsverkäufe beurkundende Notar. Niemand wurde diesbezüglich zur Rechenschaft oder Entschädigung herangezogen. Doch auch gewöhnliche Regensburger „Volksgenossen“ sahnten anlässlich der Vertreibung und Enteignung der jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen ab.

Aus den nur spärlich erhaltenen Akten des Stadtarchiv zum sogenannten „Judengut“ (hier aus der Liste Judenaktion vom 30. Mai 1941) ergibt sich etwa, dass das Regenburger Pfandamt rund 300 Brillant- und Perlenschmuckstücke versteigerte, die Juden zuvor zwangsweise abgeben mussten. Aus einer Zusammenstellung mit 260 Posten (Betreff: Gegenstand: Zahlung des Kaufpreises aus der Aktion III vom 1. Dezember 1942) geht hervor, dass Regensburger Bürger und öffentliche Einrichtungen, wie etwa das Stadttheater, für 8.650,9 RM eine Vielzahl von Möbel, Kleidungen, Kunstwerken, Einrichtungs-, und Gebrauchsgegenständen günstig erwerben konnten, die von geflohenen und deportierten Juden stammten.

OB Hans Herrmann blockierte Rückerstattungen

Als nach dem Krieg einige Überlebende ihr Hab und Gut zurückhaben oder entschädigt werden wollten, sperrte sich die Stadtverwaltung nach Kräften dagegen. Insbesondere der ab 1952 wieder amtierende Bürgermeister Hans Herrmann. Der vormalige Förderer der SS und spätere CSU-Politiker ging sogar soweit, dass er ein gerichtliches Urteil der Wiedergutmachungsbehörde jahrelang nicht umsetzte und die Stadtkasse letztendlich zusätzlich Verzugszinsen zahlen musste.

Ebenso torpedierte Herrmann die Rückerstattung, der auf Grund der sogenannten Judengesetzgebung an die städtischen Leihämter abgeführten Gegenstände (so lautet der Betreff seines Schreibens vom 11. Dezember 1952 an den Bundesfinanzminister). Seine Begründung: Die Rückerstattung beruhe auf der „besonderen, dem deutschen Rechtsempfinden fremden Auslegung gesetzlicher Bestimmungen“.

 

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Kommentare (21)

  • Angelika Oetken

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    „Die Spur der Steine“: in dem berühmten Film von Frank Beyer, einer DDR-Produktion mit Manfred Krug in der Hauptrolle, dreht sich alles um Willkür, allerdings auf der anderen Seite des späteren Zauns. Insofern passt der Titel gut zum Artikel über die Verstrickungen und die Komplexkriminalität Regensburger Funktionäre während der Nazizeit.

    Die Rolle des Bistums bzw. weiterer Kirchenfunktionäre ist auch unter einem Gesichtspunkt interessant, den Herr Werner in einem früheren Artikel beschreibt
    https://www.regensburg-digital.de/hitlers-liebster-knabenchor/22102012/. Denn schon 1933, fünf Jahre vor den Pogromen, witterte Theobald Schrems die Chance, mit den Nazis ins Geschäft zu kommen, indem er die Vorlieben ihres obersten Anführers ausnutzte. Ob Bischof Buchberger damals den Kontakt vermittelt hat? Oder gab es andere Bekanntschaften zum Gröfaz?

  • joey

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    in Bezug auf das, was den Opfern alles geraubt und persönlich angetan wurde, erscheint mir das Baumaterial der Synagoge eher unbedeutend.

  • Markus Frowein

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    @ joey (9. November 2018 um 21:17)

    Anhand des von Ihnen als unbedeutend eingestuften Baumaterials lässt sich sehr gut
    ablesen, wie das damalige Sytem vernetzt war, inwieweit einzelne Akteure profitiert
    haben und, was mir auch wichtig erscheint, wie ungeschoren sie später davonkamen.
    Ich finde, dass sich an „unbedeutenden“ Details eine Menge ablesen lassen kann.
    Vielen Dank, Robert Werner, für diesen wirklich phantastisch geschriebenen Artikel,
    der in weiten Teilen dafür sorgte, dass ich mich mitten drin im Geschehen wähnte.

  • Angelika Oetken

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    Ähnlich wie Hans Herrrmann wurden nach Ende des zweiten Weltkrieges Nazis an Schlüsselpositionen gesetzt. Nicht nur im Westen, sondern auch im Osten Deutschlands. Robert Werner hat mit seinem sorgfältig recherchierten Artikel deutlich gemacht, mit was für einer Sorte Mensch diese Seilschaften bestückt waren. Die Nazinetzwerke wirken bis heute nach, teils wird von den Neuen Rechten wieder daran angeknüpft. So ist zu erklären, warum bis heute echter Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit so viel Widerstand entgegen gebracht wird. Ein Beispiel: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/verwaltungswissenschaft-ns-belastung-ist-immer-noch-ein-heisses-eisen-15172929.html.

    Schon biografische Aspekte liefern viele Indizien. Wie ging es z.B. nach 1945 mit allen Personen weiter, die via Bistum Regensburg von ihren engen Verbindungen zu den obersten Funktionären der Nazidiktatur profitiert hatten?

  • Friedmann

    |

    Eine der subtilsten und nachhaltigsten Möglichkeit heutzutage eine Synagoge dauerhaft zu Schänden ist, wenn der Staat Antisemiten (Rechtsextremisten, Neonazis) für den Bau der Synagoge bezahlen lässt. https://www.mittelbayerische.de/region/regensburg/stadtteile/judenhasser-muss-fuer-synagogenbau-zahlen-21345-art1410602.html Wer möchte schon in einem Haus wohnen das, auf welche Art und Weise auch immer, zwangsfinanziert wurde. Nicht nur Juden, jeder der die Synagoge betritt, wird daran erinnert, von Generation zu Generation, dass Menschen vom Staat genötigt wurden für unser Gotteshaus Geld zu entrichten.

    Diesem staatlichen Verhalten gegenüber stehen die tatenlosen Worte von Oberbürgermeistern und anderen Politikern, an Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Nationalsozialismus. Bundeskanzlerin Merkel erklärte in ihrer Rede am 9. November 2018:
    „Der Staat muss entschlossen und konsequent gegen Verunglimpfung, Ausgrenzung, Antisemitismus, Rassismus und Rechtsradikalismus vorgehen. Ebenso muss der Staat konsequent handeln, wenn Hass auf Juden und Hass auf Israel verbal und nonverbal von in unserem Lande lebenden Menschen ausgeht, die von einem anderen religiösen und kulturellen Hintergrund geprägt worden sind. Konkret: So wie es niemals einen Generalverdacht gegen muslimische Menschen geben darf, wenn im Namen ihrer Religion Gewalt verübt wird, so ist zugleich klar, dass sich jeder, der in unserem Land lebt, zu den Werten unseres Grundgesetzes bekennen muss.“

  • Markus Frowein

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    @ Friedmann (10. November 2018 um 12:29)

    Sie bezichtigen die Staatsanwaltschaft der Nötigung?

    Nur zum Verständnis: Hier geht es um Wiedergutmachung wegen einer Straftat.

    Ich finde es richtig, solche Straftaten auf diese Weise sühnen zu lassen, denn für
    mich ist es so eine Art (sehr späte) Rückerstattung aus rechtsradikalen Kreisen.
    Ansonsten empfinde ich Ihren Kommentar als subtile Relativierung von Straftaten
    sowie als Verunglimpfung sowohl des Rechtsstaats als auch seiner Mitarbeiter.

  • Janin E

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    Es stimmt mich sehr traurig zu erfahren, dass Geld von Antisemiten für den Bau der Synagoge verwendet wird. Ich schäme mich zutiefst dafür.

  • Eingeborener

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    Nachfrage : Ist die derzeitige Wohnbau Regensburg GmbH Tausendpfund,deren GF Frank Tausendpfund in der vorletzten rundschau als Brutalo-Vermieter benannt wird, quasi ein Nachfahre des im Artikel erwähnten Altnazi Ferdinand Tausendpfund und seiner Baufirma ?

  • Lothgaßler

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    Diese Geschichte ist ja tatsächlich so geschehen, aber eine in ihrer Gänze noch nicht erzählte. Insofern finde ich die Spur der Steine schon interessant, zudem dabei noch andere Spuren aufgezeigt werden. Auch die alten Seilschaften in ihrem Treiben aufzudecken ist nicht nur Unterhaltung der Leserschaft.
    Warum dieser Hass bis zur Ausgrenzung, Vertreibung und Mord häufig in der Geschichte die Juden trifft, das ist mir ein Rätsel. Nachdem „Jude sein“ nichts zu tun hat mit Geburt, Heimatland oder Genetik, bleibt nur die religiös begründete Sozialisierung. Auch sind die allermeisten Juden weder reich noch mächtig, können somit keine Weltverschwörung anzetteln. Was bleibt sind Kleinigkeiten im anders Leben.
    Die Motivation bei diesen Hassverbrechen mitzumachen lag, zumindest bei einigen, auch in der Möglichkeit finanziell zu profitieren. Das Nazi-Regime wollte sicher auch an das Vermögen ran, Krieg verschlingt Unsummen. Niedrige Beweggründe also, folglich keine Gründe milde mit den Tätern umzugehen. Dementsprechend sollten heutzutage Hassverbrechen für die Täter auch finanziell schmerzhafte Folgen zeitigen.
    Sollte der Hass religiös begründet sein, dann muss sich unser Staat dann doch mal dazu bequemen dieser religiösen Hassbotschaft einen strafrechtlichen Riegel vorzuschieben. Dazu gehört auch der Vollzug von Konsequenzen, nicht nur deren Androhung.

  • Rigobert Rieger

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    @ A. Oetken: Mein Gott, was für ein fürchterlicher Unsinn, die Überschrift dieses Artikels mit dem gleichnamigen DEFA-Film mit Manfred Krug zusammenzubringen! Genau so hat Robert Werner seine Überschrift sicher nicht gemeint! Aber so schnell kann man gar nicht schauen: Kaum ist von der Nazizeit die Rede, folgt unweigerlich der hanebüchene Vergleich mit der DDR. Was der DEFA-Film „Spur der Steine“ an der DDR kritisiert (wenn er überhaupt etwas kritisiert, eigentlich ist es ja nur ein amüsanter Liebesfilm), ist Pipifax. Wie ja die ganze DDR, gemessen an Hitlerdeutschland, eine einzige Lappalie ist. So viele Tote die DDR in vierzig Jahren produziert hat, so viele Tote hat Hitlerdeutschland an einem einzigen Vormittag produziert. Und beim 9. November 1938 geht es nicht um irgendwelchen Kinderkram, sondern um staatlich organisierten Massenmord. Aber man darf halt keine Gelegenheit auslassen, die Nazi-Verbrechen zu relativieren, gell, Frau Oetken!
    Wie die Überschrift dieses ausgezeichnet recherchierten und analysierten Artikels von Robert Werner gemeint ist, das ist doch sonnenklar: Selbst an den Ziegelsteinen der zerstörten Synagoge läßt sich noch ablesen, was für ein gut geöltes Rädchen in der Nazi-Mordmaschinerie die Stadt Regensburg war – und wie perfekt das alles bis zum heutigen Tag vertuscht und verleugnet wird.

  • Robert Werner

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    @ Eingeborener
    Die Firma Ferdinand Tausendpfund war in der NS-Zeit eine der größten Firmen in Regensburg, sie agierte ähnlich wie die Firmen Schricker/Knab und Schwarz, eine Vielzahl von privilegierten Grundstückskäufen und Tauschgeschäften mit der Stadt und der Stadtbau sind nachweisbar. Ein weiteres nicht aufgearbeitetes Kapitel Stadtgeschichte!

    Auf der Homepage der Firma heißt es zur Firmengeschichte: „Die besondere Stärke der Ferd. Tausendpfund-Gruppe als Familienunternehmen in der fünften Generation liegt in ihrer ausgeprägten menschlichen Unternehmenskultur. Wir denken und handeln in Generationen für Generationen. Durch die Dezentralität der Einzelgeschäfte innerhalb der Ferd. Tausendpfund-Gruppe wird diese Stärke in jeder Region und bei jedem Produkt zum Wohle unserer Kunden eingesetzt … Wir bauen. Seit über 100 Jahren .“
    http://www.tausendpfund.de/uber-uns.html

  • Eingeborener

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    @ Werner : Vielen Dank ! Im rundschau-Fall hatte Grossvermieter Frank Tausendpfund einer Familie, die sich auf Grund Empfehlung der KJP einen Therapiehund für die psychisch kranke Tochter anschaffte, mit fristloser Kündigung gedroht, Es wäre spannend zu untersuchen , wie sich bei Familienunternehmen mit Nazi- Tradition der alte menschenverachtende Geist fortgepflanzt hat.

  • R.G.

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    @Robert Werner
    Handelte es sich um Linz am Rhein oder Linz an der Donau?

    Danke für den wieder einmal sehr gut recherchierten Artikel!

  • R.G.

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    Inzwischen reiche ich zu Linz an der Donau, wo die neue Führer-Hauptstadt entstehen sollte, nach, zuerst aus Wikipedia:
    „Bereits 1938 folgten Planungen für einen neuen Standort im Zuge der Umbauten zur Führerstadt, die nie verwirklicht wurden. Damals war ein neuer Bahnhof südlich des Bulgariplatzes in etwa auf dem Areal des heutigen Wagner-Jauregg Spitals geplant.“

    Sehr wohl ausgeführt wurden in Linz große Wohnsiedlungen in mehreren Stadtteilen, und die Hermann Göring Werke bzw. Eisenwerke Oberdonau und weitere Industriebetriebe sowie die Autobahn.
    Im Gebiet der Hermann Göring Werke allein konnten über 12000 polnische Zwangsarbeiter aktuell nach Namen erfasst werden.
    https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Eisenwerke_Oberdonau
    https://sciencev1.orf.at/news/26162.html

    Noch Ende der 50er Jahre, als nach Errichtung des Staatsvertrages Heimatvertriebene aus den Lagern in und um Linz Süd Siedlungshäuser bauen durften, sollen ihnen großteils als alternativlos vorgeschriebene Grundrisspläne solche aus Regensburg vorgelegt worden sein, offensichtlich sehr ähnelnd dem Bild der Schottenheim Siedlung:
    http://www.linzwiki.at/wiki/Bukowinergasse/

  • Folger Norbert

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    Kleine Bitte, könnte mal jemand das Bild drehen:
    Die Firma Schwarz gewann Ziegelsteine aus dem Abbruch der Synagoge (um Dezember 1938). Foto: Angerstorfer.

  • ExRA

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    Danke für diesen umfang- und aufschlußreichen Artikel!

  • Dieter

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    Vielen Dank @Robert Werner für ein weiteres Kapitel der Aufarbeitung.

  • Robert Werner

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    @Folger Nobert, danke für den Hinweis, wurde gedreht.

  • Hartnäckig

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    Ein wirklich interessanter und absolut lesenswerter Artikel !
    Und was lernen wir daraus ?
    Das “ Zuschustern “ von Baugrundstücken scheint recht fest in der Regensburger Stadtgeschichte verankert zu sein, auch wenn sich die Vorzeichen verändert haben.

  • haimo

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    So entsetzlich die Zerstörung der Synagoge und das unermessliche Leid der Juden auch war so kann ich trotzdem nicht verstehen warum ausgerechnet in Regensburg bei vielen Bürgern kein Lernprozess eingesetzt hat. Leider ist dort auch heute noch ein damaliger Hitlergünstling wie Prof. T. Schrems Ehrenbürger und wird mit Strassennamen geehrt. Der Stadtrat steht dahinter und unternimmt nichts dagegen. Das kann selbst die hier seinerzeit veröffentlichte Unbedenklichkeitsbescheinigung der NSDAP nicht ändern. Bei mir in München fand nicht umsonst die grosse Demo WEHRET DEN ANFÄNGEN statt.

  • Ronald McDonald

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    @ Redaktion/Robert Werner

    Das Bild der vom Abriß betroffenen Rgbger Synagoge wurde gedreht; wann wird die Bildunterschrift – „Firma Schwarz beim Abbruch der Snynagoge [sic!] um Dezember 1938“ gedreht?

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