"Ohne die Berichterstattung wäre da nie etwas vorwärts gegangen“

Fall Berlinger: AOK zahlt das komplette Krankengeld

Emanuel Berlinger beim Dreh mit dem Team des BR-Magazins Quer. Foto: privat

Das Ehepaar, das in Folge eines rechtswidrigen Bescheids der AOK Regensburg über Monate faktisch mittellos war und deshalb obdachlos geworden ist, hat nach monatelangem Ringen nun endlich eine gute Nachricht zu vermelden: Die gesetzliche Krankenkasse zahlt nun endlich das komplette Krankengeld, dass Emanuel Berlinger zusteht. regensburg-digital hatte den Fall seit August begleitet. Nun hat auch das BR-Magazin Quer darüber berichtet.

Ein weiteres Attest hat nun endlich gereicht: Nach der monatelangen Verweigerung von Krankengeld, nach einem eindeutigen Urteil des Sozialgerichts Regensburg und nach anfänglichen weiteren Nicklichkeiten hat sich die AOK Regensburg bereit erklärt, dem 29jährigen Emanuel Berlinger das ihm zustehende Krankengeld komplett auszubezahlen.

AOK gibt endlich nach

Wir hatten mehrfach über den Fall berichtet. Wegen einer Sportverletzung – eine komplizierte Fraktur im Handgelenk – ist Berlinger seit Juni 2017 arbeitsunfähig. Wegen einem Tag Lücke bei seinen Krankschreibungen, den der 29jährige nicht verschuldet hatte, verweigerte ihm die AOK über Monate das Krankengeld und warf ihn aus der Kasse. Im Zuge dessen verloren die Berlingers ihre Wohnung und leben seit Mai auf dem Campingplatz. Erst bei einer Verhandlung vor dem Sozialgericht Regensburg erkannte die AOK schließlich an, dass ihr Bescheid rechtswidrig war. Nach der anfänglichen Weigerung, Berlinger die komplette Summe zu überweisen, hat die Krankenkasse zwischenzeitlich nachgegeben und bezahlt.

Wie unsere Redaktion nun erfuhr, wurde eine entsprechende Überweisung von knapp 13.000 Euro bereits am 4. Oktober angewiesen. Bereits am 27. September hatte wir wegen der anfänglichen Weigerung nachgefragt, allerdings bis heute keine Antwort erhalten. Flankierend hatten wir einen deutlichen Kommentar zum Verhalten der AOK Regensburg veröffentlicht.

Fragwürdiger Anruf

Im Anschluss gab es nach Aussagen Berlingers zunächst einen Anruf von einem leitenden Mitarbeiter der AOK bei seinem Rechtsanwalt. Man werde die komplette Summe bezahlen, Berlinger solle aber für ein Ende der Berichterstattung über den Fall sorgen, habe es geheißen. Berlingfer lehnte diese Forderung/Bitte ab. „Ich habe einen Rechtsanspruch auf das Geld und ohne die Berichterstattung wäre da nie etwas vorwärts gegangen“, bekräftigt der 29jährige gegenüber unserer Redaktion. „Eigentlich müsste mir die AOK zusätzlich Schadenersatz für all das bezahlen, was ich wegen ihnn verloren habe.“

Während andere lokale Medien das Thema ignoriert haben, ist zwischenzeitlich das BR-Magazin Quer auf den Fall aufmerksam geworden und hat am vergangenen Donnerstag darüber berichtet. Im Nachgang hat sich nun die „Unabhängige Patientenberatung Deutschland“ an Emanuel Berlinger gewandt. Kommende Woche will man sich zum gemeinsamen Gespräch treffen, um auszuloten, welche Möglichkeiten es noch gibt, den Berlingers weiterzuhelfen.

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Kommentare (8)

  • Eingeborener

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    Super, das freut mich, dass sich öffentlich gemachter Widerstand lohnt.

  • Markus Frowein

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    „Man werde die komplette Summe bezahlen, Berlinger solle aber für ein Ende der Berichterstattung über den Fall sorgen …“

    Ich kann mir nicht helfen, aber das hört sich irgendwie fast nach Erpressung an.

  • Günther Herzig

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    Ich freue mich. Andere Versicherte sollten sich überlegen, ob sie weiter so versichert sein wollen.

  • Helmut Bieler-Wendt

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    Höchste Zeit!
    Zuweilen mahlen Behördenmühlen so langsam, dass zu schlechter Letzt die Menschen zermürbt und zermahlen sind – nicht in diesem Fall; aber das ist nicht der AOK Bayern zu danken…
    Euch danke ich für gute Berichterstattung und Hartnäckigkeit :-)

  • R.G.

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    @Markus Frowein
    schrieb: „Ich kann mir nicht helfen, aber das hört sich irgendwie fast nach Erpressung an.“
    Für mich ebenso.

    Man teilte gegen Herrn Berlinger verbal aus, aber selbst möchten die Entscheidungsträger vor der Kritik beschützt werden.

    Werte Berlingers!
    Bei Schulden, vielen enttäuschenden Erfahrungen mit Ämtern, und den Belastungen aus Enge, Hitze und Kälte, steht jede Beziehung in schwerer Bedrängnis. Ich wünsche Ihnen Zugang zu einer Paarberatung oder Therapie, falls Sie das irgendwann für sich brauchen und möchten.

    Der Start wird noch zäh, ich würde mich freuen, langfristig von einem gelungenen Weg der Wiedereingliederung ungefähr in Ihre frühere Position in der Gesellschaft zu hören.

  • Ferdi

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    Guter Job auch an Euch, die Ihr das Thema aufgegriffen und publik gemacht habt!

    Alles Gute für die Berlingers.

  • Bernd

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    Nebenbei bemerkt: Auch wieder ein Beispiel, das zeigt, dass Journalismus nicht funktioniert, wenn der Anzeigenkunde nur groß und wichtig genug ist. Von flankierender Berichterstattung im lokalen Verlagshaus habe ich nichts bemerkt. Stau im Berufsverkehr ist da wohl wichtiger.

    @all: Bitte mal wieder was an RD überweisen :-)

  • highwayfloh

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    AOK:

    „A“ alles Geld ohne weiteren Auwand zu uns … Gewinne generieren
    „O“hne lästige und zu Recht auf Ansprüche bestehende
    „K“unden.

    Mehr sog i ned!

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