Fall Eisenberg: Tat wird nachgestellt

eisenberg-demoDie Regensburger Staatsanwaltschaft hat bei den Ermittlungen zum Tod des Studenten Tennessee Eisenberg eingelenkt. Wie der zuständige Oberstaatsanwalt Edgar Zach gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte, sollen Ermittler die Tat nun vor Ort nachstellen. Damit ist die Staatsanwaltschaft auf eine Forderung eingegangen, die von den Rechtsanwälten der Familie bereits im September erhoben wurde. Hintergrund sind die unterschiedlichen Ergebnisse, zu den das bayerische Landeskriminalamts einerseits und der Gutachter Dr. Bernd Karger andererseits kommen. Das LKA hatte Blutspritzer ignoriert, die Karger maßgeblich für die Rekonstruktion der Tat herangezogen und damit die Notwehr-These weitgehend entkräftet hatte. Nun sollen diese Widersprüche vor Ort geklärt werden. Laut SZ kündigte Edgar Zach zudem an, dass es „demnächst” eine Stellungnahme geben werde, aus der hervorgeht, ob nun Anklage gegen die beiden Schützen erhoben wird oder nicht. Wie aus Kreisen der Regensburger Staatsanwaltschaft zu erfahren ist, fiel die Entscheidung für eine Tatrekonstruktion vor Ort kurz nach der Demonstration von über 500 Regensburgern für eine unabhängige Aufklärung (Foto). Dabei wurde am 14. November symbolisch ein offener Brief an Justizministerin Beate Merk am Justizgebäude eingeworfen. Gestern fand an der Universitätskapelle eine Gedenkandacht für Tennessee Eisenberg statt, die von Sprecherrat, Evangelischer Studenten- und katholischer Hochschulgemeinde initiiert wurde. Dieser „Arbeitskreis Zivilcourage“ fordert ebenso wie die Demonstranten eine unabhängige und rasche Aufklärung des Falls und hat es sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere Studierende über den Fall Tennessee Eisenberg aufzuklären. Der Musikstudent wäre am Montag 25 Jahre alt geworden.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (12)

  • spielehippi

    |

    Wie sieht den so eine Tatrekonstruktion normalerweise genau aus, welche Personen sind dann anwesend? Alle am Einsatz beteiligten?

    Grüße

  • Pessimist I.

    |

    Eine längst überfällige Entscheidung egal wie sie ausgeht.
    Der Skandal ist einfach die lange Verzögerung , das wäre bei einem „normalen“ Fall nie paassiert. Aber welche Krähe……

  • hans

    |

    Es heißt „Ermittler sollen die Tat nachstellen“.
    Wird denn dort nach Regie der Staatsanwalschaft ein Theaterstück aufgeführt?
    Oder erfolgt ernsthafte Aufklärung und die tatsächlich bei der Tat beteiligten Polizeibeamten sind dabei um ihre eigenen Erinnerungen und Eindrücke möglichst wahrheitsgemäß zu rekonstruieren? Falls es zum erstgenannten „Theaterstück“ kommt, so werden die Rufe nach Aufklärung bestimmt nicht leiser werden!

  • Fritz

    |

    Nun mal langsam. Ich glaube fest daran das Dr. Bernd Karger daran teilnehmen darf. Auch die Rechtsanwälte sollten ein Recht haben der Nachstellung beizuwohnen.
    Sollte das nicht so sein würde ich als Rechtsanwalt die Staatsanwaltschaft darum bitten.
    An der Antwort könnten man die Ernsthaftigkeit des Aufklärungswillen abmessen.
    Wo ist eigentlich Ruckdäschel verblieben. Wurde der heimlich still und leise nach oben befördert?

  • Fritz

    |

    Nachtrag
    Es wäre sicherlich um vieles besser gewesen die Tat im Mai nach zustellen.
    Sofern es noch nicht passiert ist sollte Ruckdäschel aus meiner Sicht gerügt werden.
    Die Beamten aus Amberg sollten die Regensburger spielen. Es versteht sich von selbst das keiner der damals anwesenden Helden mitspielen darf. Von denen sollte man genügend Tathergangs Protokolle und nahezu ähnliche Aussagen haben. Schließlich ist man ja Kollege.
    Normalerweise dürfte sich das Puzzle nicht zusammenfügen lassen und das müsste Konsequenzen haben!

  • eduard buchinger

    |

    an @all ;-(

    Warum eigentlich nicht gleich so …?“ Eine sofortige Tatnachstellung wäre doch das selbstverständlichste und zielführenste gewesen.
    ABER vergesst nicht wer uns hier in BAYERN seit
    50 Jahren regiert, ganz einfach: „Wie der Herr…, so das Gescher!“
    UND noch was, was für den ehemaligen Verteidigungsminister F.J. Jung gut ist, kann
    für „unseren LOSTA“ G. Ruckdäschel schon gar nicht schlecht sein, will heißen: STRAFANZEIGE
    wegen Strafvereitelung im Amt (gegen beide
    Schreibtischtäter) …versteht sich, oder?

    Beste Grüße auch an Manfred Veits ;-)

  • Selina

    |

    Zu dieser Rekonstruktion wäre es nie gekommen, wenn es (auch hier in Bayern) nicht mutige Leute wie den Arbeitskreis Zivilcourage gäbe. Hochachtung davor, dass sie und vor allem die Familie nicht aufgeben und Gerechtigkeit suchen, auch wenn es auch hier vermutlich (wieder) keine geben wird (besagte Beamte sind noch immer im Dienst …). TE stand auf der falschen Seite, denn auf der anderen (z.B. Mannichl in Passau) wurden (zunächst) keine Kosten und Mühen gescheut, um Aufklärung zu erhalten. Scheinbar kommt der Täter doch aus anderem Kreis als ursprünglich vermutet, denn seltsamerweise ist es hier mittlerweile sehr ruhig geworden …

  • Caro

    |

    Leute ich kann es nicht mehr hören und nicht mehr lesen.

    Ein anscheinend psychisch angeknackster Mensch, bedroht mit einem Messer seinen Mitbewohner und wolle sich wohlmöglich nun selbst das Leben nehmen.

    Zitat: „Nach Aussagen der am Einsatz beteiligten Polizeibeamten habe Tennessee Eisenberg, als sie die Wohnung betraten, ein Küchenmesser in der Hand gehabt. Der Aufforderung, es wegzulegen, sonst würden sie schießen, sei er nicht nachgekommen und habe in ruhigem Ton geantwortet, dann sollten sie schießen.“

    Hat einer von euch schon mal darüber nachgedacht, dass das, was passiert ist, genau das war, was er wollte, nämlich sterben?!

    Hat jemand schon einmal versucht sich das Leben zu nehmen? Es kostet wahnsinnige überwindung den letzten Schritt zu tun und vielleicht war genau das, was er nicht konnte und die Polizei hat ihm einen Wunsch erfüllt.
    Denn, es kann keiner behaupten, dass er keine Wahl hatte! Doch die hatte er! 1. hätte er nicht mit der Waffe seinen Mitbewohner bedrohen müssen, 2. hätte er jederzeit die Waffe weglegen können, aber nein, er nahm das Risiko in Kauf und hat verloren, oder gewonnen, je nach Standpunkt.

    Ihn jetzt als Märtyrer und Opfer dazustellen, von schießwütigen Polizeibeamten ist ein Armutszeugen für jeden.

    Mir tut es auch leid, dass ein Mensch so um sein Leben gebracht wurde, aber Ihr könnt dafür nicht die verurteilen, die vielleicht euer Leben damit gerettet haben.

    Was wäre denn, wenn er euch auf der Straße begegnet wäre und ohne ersichtlichen Grund nieder gestochen hätte? Dann ist es natürlich wieder gaaaaaanz was anderes oder?
    Zum Glück ist das nicht passiert, gerade weil die Poilizei ihre Arbeit gemacht hat.

    Überall liest man über die Schuld der Polizisten und was ist mit der Schuld von Tennessee? Er ist nicht so unschuldig wie ihr alle tut!

    Keiner von euch war dabei und trotzdem redet jeder, als wäre er der absolute Experte, wenn es um den Fall geht. Und dann auch noch so tolle Aussagen wie „Nazis raus“. Sorry, eine Frage, was hat DAS Thema mit dem anderen zu tun?

    Überlegt doch vorher mal bevor ihr redet/schreibt. Erkundigt doch euch erst einmal über die Fakten und bildet euch dann eure Meinung, bevor ihr aus Bruchstücken irgendetwas zusammenreimt.

    Herje, niemand sollte so Enden, aber er hat diese Wahl getroffen und das Risiko kalkuliert. Wenn ich mit einer Waffe wild in der Gegend rum fuchtel, dann muss ich mit Konsequenzen rechnen. So ist das nun mal.
    Gut, es hätten nicht gleich ein duzent Schüsse sein müssen, einer hätte wohlmöglich auch gereicht, aber das Ergebnis wäre dennoch das selbe gewesen.

    Ich für meinen Teil, bedaure zwar zu tiefst, was dem armen Kerl zugestoßen ist, bin aber froh, dass es nur einer war der gestorben ist und nicht mehrere und noch dazu völlig unschuldige.

    Seit Wochen/Monaten liest man kaum noch was anderes in den Zeitungen oder hört es in den Medien. Doch irgendwann muss damit Schluss sein, damit er endlich seinen verdienten Frieden finden kann.

    Was genau damals in ihm vorgegangen ist und warum er überhaupt so „ausgerastet“ ist, dass er mit einem Messer auf andere los geht, werden wir nie erfahren. Doch trotzdem sollte man jetzt nicht mit aller Gewalt jemanden die Schuld dafür geben wollen.

  • grace

    |

    @ Caro am 22. Dez 2009, 12:41 Uhr
    So geht das nicht, User „Caro“.

    Hier werden die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten. Wo bleibt die „Würde des Menschen“ (siehe GG)? Die gilt auch für Verstorbene!
    Wieso veröffentlicht der Hrsg. diesen „Kommentar“?

Kommentare sind deaktiviert