Fall Eisenberg: Unabhängige Ermittler gefordert

Die scharfe Kritik an den Ermittlungsbehörden ist das eine, die Forderung nach einer grundsätzlichen Reform der juristischen Strukturen in Deutschland das andere. Zur Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft im Fall Tennessee Eisenberg meldet sich nun die Grüne Jugend Oberpfalz in einer aktuellen Pressemitteilung zu Wort. Die Entscheidung von Generalstaatsanwalt Klaus Hubmann, die Einstellung des Verfahrens in Regensburg abzusegnen, habe das Vertrauen in die bayerische Justiz „wieder einmal erschüttert”, so die Generalsekretärin der Grünen Jugend Oberpfalz, Ursula Herrmann. „Es scheint so als wären Widersprüche und wichtige Fakten nicht berücksichtigt worden. Diese Ermittlungen waren eine Farce.“ Der Vorsitzende Stefan Christoph hofft auf einen Erfolg des Klageerzwingungsverfahrens als „letzte Chance” für die bayerische Justiz, „ihre Fehler wieder gut zu machen”. Doch Christoph geht noch einen Schritt weiter „Wir benötigen unabhängige Ermittler, die Fälle von Polizeigewalt übernehmen.” Bereits 1996 habe der UN-Menschenrechtsausschuss auf dieses Problem hingewiesen, so Christoph. „Eine unabhängige Kontrolle der Polizei findet in der Bundesrepublik Deutschland nicht statt“, heißt es wörtlich in dem entsprechenden Bericht des Ausschusses. Verlässliche Zahlen über polizeiliches Fehlverhalten in Deutschland gibt es indessen nicht. Eine verlässliche Statistik fehlt, trotz entsprechender Aufforderungen durch den Menschenrechtsausschuss, das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter und NGOs wie Amesty International. Auch der Regensburger Strafrechtler Professor Henning Müller hat im Januar angeregt, eine unabhängige Ermittlungskommission nach dem Vorbild der IPCC in Großbritannien einzurichten. Zwar sei die dortige Struktur nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar, „aber dennoch sollte man die Schaffung einer Institution mit ähnlichen Aufgaben, gerade auch im Interesse der Polizei und des öffentlichen Vertrauens in ihre Arbeit, ernsthaft in Betracht ziehen”. Zum Anlass nimmt er neben Tennessee Eisenberg den Fall von Ouri Jallow, der, gefesselt in der Zelle, während eines Brandes in einem Dessauer Polizeirevier ums Leben kam. Erst der BGH hob den Freispruch gegen die wegen fahrlässiger Tötung angeklagten Polizeibeamten auf.

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Kommentare (7)

  • Neuromancerr

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    Da soll sich mal keiner der Illusion hingeben wir würden in einem Rechtsstaat leben.

  • Joachim Datko

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    Eine unabhängige Untersuchung ist immer notwendig. Wenn Kollegen betroffen sind, sind Behörden parteiisch.
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    Mein Beitrag vom 3. Mai 2009 um 8:45 Uhr siehe:
    http://www.regensburg-digital.de/polizist-erschiest-24jahrigen/30042009/

    „Unabhängige Untersuchung notwendig?
    Von einer Untersuchung durch die Kripo Amberg und das Landeskriminalamt erwarte ich ich keine neutrale Darstellung des Vorgangs. Notwendig wäre eine unparteiische Untersuchung, eine Behörde dürfte daran nicht beteiligt sein.“
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    Man denke nur an den altehrwürdigen „Scotland Yard“ und die prügelnden Polizisten bei den G-20-Protesten.
    Siehe: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,620122,00.html
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    Die juristische Betrachtungsweise der tragischen Umstände ist aber unzulänglich, wir sollten einen Schritt weiter gehen.

  • Ano

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    *Mein Beitrag vom 3. Mai 2009 um 8:45 Uhr siehe:*

    Nein, Datko, bitte nicht schon wieder. Deine Behördenphobie ist doch nun wirklich bekannt.

  • hans

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    Lieber Ano, laß den Herrn Datko bitte seine sachliche Meinung sagen ohne so dermaßen unflätig dazwischen
    zu reden, das ist unhöflich! Und wenn Du nichts zur Sache beitragen kannst oder willst dann verschone mich damit!

  • Ano

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    Selber lieber Hans,

    du entscheidest selber, ob du hier liest und/oder antwortest. Und ich nehme mir das selbe Recht. Achja, zum Thema „verschonen“. Auf Beiträge wie den deinigen, kann ich gerne verzichten.

  • Jens

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    Nein, Ano, bitte nicht schon wieder. Deine Datko-Phobie interessiert nur dich selbst.

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