Kripo ermittelt

Gewalttat vor johlenden Gaffern: Doch es melden sich keine Zeugen

Vor einer Menge von johlenden Gaffern sollen drei Unbekannte einen 15-Jährigen auf der Jahninsel zusammengeschlagen und getreten haben. Doch auf einen Zeugenaufruf der Polizei meldete sich niemand.

Über 30 Menschen beobachteten die Schlägerei auf der Jahninsel. Doch nun melden sich keine Zeugen. Symbolfoto: Aigner

Drei Jugendliche treten auf einen am Boden liegenden 15-Jährigen ein. Währenddessen feuern 30 bis 40 Gaffer die Gewalttäter an. Dieses verstörende Schauspiel soll sich laut einer Pressemitteilung der Polizeiinspektion Regensburg Nord Freitagnacht auf der Jahninsel abgespielt haben. Doch aus erster Hand hat die Polizei keinerlei Informationen.

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Täter und Gaffer machten sich vom Acker

Als mehrere Streifen, die von zwei Begleitern des jungen Mannes gerufen wurden, am Tatort ankamen, waren die drei Täter bereits geflüchtet. Auch die Schaulustigen hatten sich vom Acker gemacht. Und die Suche nach Zeugen gestaltet sich laut Polizeisprecherin Tanja Hausladen schwierig. Auf einen Aufruf, den die PI Nord am Sonntag verschickte, habe sich niemand gemeldet, so Hausladen.

Dennoch hat die Regensburger Kripo, die mittlerweile zu dem Vorfall ermittelt, zwischenzeitlich zwei Verdächtige im Visier. Täter und Opfer kannten sich offenbar. Laut bisherigen Schilderungen waren das Opfer und einer der Täter zunächst etwa gegen 21.30 Uhr in der Nähe des Neupfarrplatzes aneinandergeraten. Bereits hier habe es Schläge und Fußtritte gegeben. Später kam es zu einem weiteren Aufeinandertreffen auf der Jahninsel. Dort sei der 15-Jährige erneut von dem bislang unbekannten Angreifer attackiert worden.

Zwei Personen reichte das Zuschauen nicht

Als der Jugendliche bereits am Boden lag, habe der Täter weiter auf ihn eingetreten – angefeuert von den Umstehenden. Unter anderem habe er ihn mit dem Schienbein am Kopf getroffen und sei Nasenbein gebrochen, das später in einer Regensburger Klinik operiert werden musste. Zwei weiteren Personen genügte das Zuschauen dann offenbar nicht. Laut bisherigen Ermittlungen machten sie schließlich mit und traten ebenfalls auf das Opfer ein.

Warum genau es zu der Auseinandersetzung kam sei ebenso noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen wie der genau Ablauf, sagt Tanja Hausladen. Mit Blick auf die zwei Personen, die möglicherweise an der Tat beteiligt waren, spricht sie ausdrücklich von Verdächtigen, nicht Beschuldigten. Alles andere müssten nun die weiteren Vernehmungen ergeben.

Zeugenhinweise nimmt die Polizei unter 0941/506 2221 entgegen.

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Kommentare (23)

  • Jonas

    |

    Wundert mich jetzt nicht das man nichts mit der Polizei zutun haben will, auch als Zeuge nicht!

  • Gscheidhaferl

    |

    @Jonas
    Ich hoffe, dass sind jetzt nicht irgendwelche pseudo-kritischen Vorbehalte, die Sie zu diesem Kommentar veranlassen. Weil dann hätten Sie wirklich keine Ahnung, wie froh wir im Großen und Ganzen über unsere Polizie sein dürfen.

  • Hthik

    |

    @Jonas 11. Mai 2022 um 17:15

    Das mag gut sein, dass, wenn wir eine mehr auf objektive Ermittlung als auf “einer muss überfürt werden” ausgerichtete Polizei hätten, das größen Mithilfewillen bei der Bevölkerung erzeugen würde.

  • Mr. B.

    |

    Zu Jonas
    11. Mai 2022 um 17:15 | #

    Lieber Jonas, ich hoffe nicht, dass Sie Ihre Aussage so meinen, wie ich diese verstehe?
    Ich könnte Ihnen sonst gerne, wenn Sie Hilfe brauchen, andere Länder für Ihren dauerhaften Aufenthalt vorschlagen!!!!!

  • KW

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    @Jonas
    So so. Sollte sich das tatsächlich so abgespielt haben wie beschrieben, möchte ich in erster Linie nichts mit allen denen zu tun haben die scheints verschwunden sind, nachdem die Streife auftauchte.

  • Andrea Mink

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    Die Zeiten machen Angst und setzen Aggressionen frei, die dann offensichtlich Opfer für die johlende (und teils auch dabei aktive) Menge suchen und finden.
    Die Allgemeinheit sollte mehr Prävention gegen die schwelende Wut im Blick haben und nicht Ausschreitungen gegen Hassopfer, – aus eigener Verunsicherung und Verärgerung über die unsicherer Situation mit Inflation, hohen Energiekosten und Putins unsäglichem Angriffskrieg -, noch fördern, weil man sich ja sonst nicht gönnt…

  • Jürgen

    |

    Man kann nicht alles der aktuellen Situation zuschreiben.
    Ich hatte auch schon Probleme in der Vergangenheit und trotzdem niemanden zusammengeschlagen und Straftaten begannen.
    Auch eine schwere Kindheit als Grund, kann ich nicht mehr hören!

    Seit ca. 20/25 Jahren ist eine anschwellende Gewaltbereitschaft und Brutalität zu beobachten.
    Galt es zu meiner Jugend noch als extrem feige, einen am Boden liegenden Menschen zu treten, scheint es seit einigen Jahren “normal” zu sein. Damals war der “Kampf”, unter Jugendlichen wohlgemerkt, damit beendet, wenn einer sich nicht mehr wehrte. Ich glaube zu vermuten, bitte lyncht mich dafür, dass die zu beobachtende Verrohung mit dem Zuzug von Russlanddeutschen (hat nichts mit der aktuellen Weltpolitik zu tun) einher ging.
    Die feige Art der Auseinandersetzungen, wie z.B. dass man einen wehrlosen am Boden liegenden weiter schlägt oder sogar eine ganze Horde auf eine einzelne Person einschlägt, ist seither vermehrt zu beobachten.

    Zu @Jonas:
    Du meinst vermutlich, dass man die Zeugen wegen unterlassener Hilfeleistung anklagen könnte und sich deshalb niemand meldet. Das wollte ich, der hier schreibenden Meute, kurz ins Gedächtnis rufen.

  • KW

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    @Jürgen
    “lynchen”
    “Verrohung durch Zuzug von Russlanddeutschen”
    “hier schreibende Meute”
    Was soll man davon halten? Und @Jonas meinte mit seiner Aussage garantiert nicht, die Zeugen hätten Angst vor einer Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung.

  • Schwan68

    |

    @Jürgen
    Man könnte aber genauso gut glauben zu vermuten, dass die anschwellende Brutalität was mit dem Zuzug vom Balkan im Zuge der Jugoslawienkriege und mit dem Zuzug aus diversen Krisengebieten im nahen Osten und Afrika zu tun hat. Eben mit dem Zuzug aus Gebieten in denen Gewaltbereitschaft zum täglichen Leben gehört. Wo die Förderung einer starken Männlichkeit schon kulturell bedingt durch die Erziehung gefördert wird.
    Da gibt es wohl wenige Mamis, die ihren Jungs sagen: “Auf am Boden liegende tritt man nicht, das gehört sich nicht.” Was noch dazu kommt: Schauen Sie mal, abgesehen von den einschlägigen martial arts-Spielfilmen, was man seit youtube und co im Internet an Kampfsport- und Gewalt-Videos anschauen kann, und zwar jeder, ohne FSK erst ab 18.
    Googlen Sie mal nach Kampfsportschule in Regensburg und dann schauen Sie sich mal das Klientel an. Das sind sicher nicht nur Boris und Oleg, und wohl auch nicht so viele Sepps und Kurts. Und die lernen dort auch nicht nur solo absolvierte Karate-Katas.
    Ich vermute, dass diese Gemengelage zu dem geführt hat, was jetzt auf der Jahninsel zu sehen war. Glücklicherweise ist sowas in Regensburg noch relativ selten.
    Außerhalb der Kindergärten und gymnasialen Schulhöfe gabs Brutalität aber auch schon vor den von Ihnen beobachteten 20-25 Jahren, halt nicht ganz so offen und in den einschlägigen Wirtshäusern und “Kiezen”. Und dass den Niederbayern das Messer locker sitzt, ist ja eine Weisheit aus längst vergangenen Jahrzehnten.
    P.S.: Ich vermute, dass Jonas das genauso meinte, wie er es geschrieben hat.

  • Stefan Aigner

    |

    @Jürgen

    Hier schreibt keine “Meute”. Hören Sie auf mit solchen unsinnigen Provokationen.

    Und ganz generell würde ich allen hier raten, mit Spekulation darüber, wer was warum gemacht hat, zurückhaltend zu sein. Danke.

  • Daniela

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    Das es Rivalen unter Jugendlichen gibt, diese auch einmal kräftig rum klopfen, gab es früher und auch heute. Manche sagen dazu Testosteron gesteuerte, andere einfach Pupertät…

    Das eigentlich bedenkliche ist, dass es nicht bei zwei Rivalen blieb, im Gegenteil, im Hintergrund eine anfeuernde Gruppe. In unserer Jugendzeit war das eher so, zwei gerieten in Streit und die anderen gingen dazwischen und brachten die Streithähne auseinander, den Rest erledigten die Eltern, wenn die Rübel mit blauen Augen heim kamen, mittels Erziehung.

    Das, was sich hier abspielte, liegt wohl mehr an einer Jugend, die nicht mehr gezielt geführt wird. Diese Jugend ist sehr häufig sich selbst überlassen.

  • Auch a Regensburger

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    Will festhalten, dass die Anzahl der Gewaltdelikte stetig zurück geht und es heute weniger gibt als früher. Es ist sicherer geworden!

    Am Bodenliegende zu treten ist schäbig. Das keiner Zivilcoruage gezeigt hat auch. Und dass sich keine Zeugen melden auch.
    Jedoch hat es auch das früher gegeben.

  • Ulrike

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    ‚Anzahl der Gewaltdelikte stetig zurück geht‘
    Und was hilft das dem Opfer???

  • joey

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    Völlige Sicherheit überall gibt es nicht. NoGo Areas aber müssen grundsätzlich bekämpft werden, wenn sie zeitweise entstehen. Überwachungen durch Streifen, zeitweise Video…
    Scheint mir aber auch so, daß die Täter keine Angst vor Bestrafung haben: wenn sie mich (eh nicht) erwischen, kriege ich schlimmstenfalls eine Urlaubsreise mit Sozialpädagogen.

    Wo Leute in bestimmter Erscheinung vorhanden sind, geht man halt auf Abstand. Ach ja: als ich 15 war, hatte ich zum Abendessen zuhause zu sein und anschließend / Nachts natürlich sowieso. Das Opfer ist nicht schuld an der Gewalttat, aber Vorsicht hilft trotzdem vor Verbrechen.

  • Lucia

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    Zuerst Jahninsel, dann Suffbiotop, Pinkelparadies, Gewaltviertel, no-go area. Es gibt viel zu tun, packen wir’s an.

  • Razingee

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    Kommentar gelöscht. Kein Getrolle.

  • Gonzo

    |

    @ Schwan68
    Vielleicht sollten sie Mal eine Kampfsportschule in Regensburg besuchen. Die meisten Schulen werden sie nach einem geäußerten Wunsch zur Straßengewalt, aus der Akademie schmeißen oder ein ernsthaftes Gespräch mit ihnen führen. Kein Kampfsportler, außer die verrückten, lässt sich auf öffentliche Prügeleien ein, weil Mensch weiß was schief gehen kann.
    Aber ja das narrativ, das von ufc, one Championship, usw. Vertreten wird, kann uns ein verzehrtes Bild vermitteln. Kampfsportschulen, spielen eine große Rolle, Leute wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen.
    Mfg Gonzo

  • spaziergängerin

    |

    Ich hab heut gegen zwölf die Jahninsel von Oben betrachtet. Das beginnt, ein bißchen hässlich zu werden an diesem wunderbaren Ort. Ich find das wunderbar, dass im Herzen der Stadt mitten im Fluss gefeiert wird, sich verliebt, die Schönheit der Nächte genossen. Aber kann auch kippen, weil die Feiernden nicht mehr in der Lage sind, ihren Dreck aufzuräumen oder halt ihre Mama am nächsten Tag zu holen, die das scheinbar daheim für sie macht, weil sie das selbst nicht mehr schaffen. Ich war auch mal jung, find das richtig gut, dass man da abfeiert, aber dann sich so dichtmachen, Müll produzieren und das Maul nicht aufkriegen, wenn so was passiert, ist peinlich. Für die, die da dabeistanden.

  • Spaziergängerin

    |

    Also, tut was, traut euch vielleicht was und rettet die Jahninsel als geilen Ort zum Feiern in diesen schönen Sommernächten. Ansonsten haltet die Klappe und dann wirds halt eine Müll- und Schlägerkippe. Viel Spass dabei.

  • Schwan68

    |

    @Gonzo
    Das ist mir bekannt. Der Wunsch wird so sicher nicht geäußert werden und ich spreche auch nicht von ernsthaften “Kampfsportlern”. Wobei die Schulen auch von was leben wollen.
    Was die mangelnde Motivation zur Aussage angeht: Vielleicht wissen die Täter ja von den
    Zeugen “wo deren Haus wohnt”. Es sollen auch schon Richter und Anwälte im Rahmen von diversen Verfahren bedroht worden sein.

  • Hthik

    |

    @Schwan68 12. Mai 2022 um 10:23

    “Da gibt es wohl wenige Mamis, die ihren Jungs sagen: “Auf am Boden liegende tritt man nicht, das gehört sich nicht.””

    Hab ich von meiner Mutter allerdings auch nie gehört. Für solche Abgrenzungen innerhalb gewalttätigen Tuns hätte es auch keinen Anlass gegeben, da Gewalt insgesamt verpönt war.

    Spielt allerdings wohl sowieso keine groß Rolle. da der Einfluß der Clique dominiert. Daher das Interesse der pazifistischen Linken Jugendlichen Entfaltungsmöglichkeiten mit Begleitung anzubieten. Jugendzentren etwa. In Burgwenting etwa.

    “Was noch dazu kommt: Schauen Sie mal, abgesehen von den einschlägigen martial arts-Spielfilmen, was man seit youtube und co im Internet an Kampfsport- und Gewalt-Videos anschauen kann, und zwar jeder, ohne FSK erst ab 18.”

    Nicht die Videospiele vergessen.

    “Und dass den Niederbayern das Messer locker sitzt, ist ja eine Weisheit aus längst vergangenen Jahrzehnten.”

    Ok, wenn die Ausländerdefinition bei den Niederbayern beginnt, dann können wir über Migrationsbeschränkungen nochmal reden.

  • Luck

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    @ Hthik:
    Es gibt aber auch Niederbayern, die einen der Oberpfälzer Dialekte besser drauf haben als viele Regensburger. Und was macht man mit dem ehemaligen niederbayerischen Markt Schierling, wo auch schon mal ein Messer etwas lockerer gesessen haben soll? Und nach dem Krieg soll eine kleine Messerstecherei durchaus zur Wirthauskultur nicht nur in Niederbayern gehört haben. Die 68er waren damals noch weit entfernt und viele Niederbayern nahmen erst nach der Wende davon Kenntnis oder begriffen, was damit vielleicht gemeint sein könnte.
    Volker Tretzel weiß es anscheinend immer noch nicht so ganz, weil er sich ja als 68er geoutet hat, aber sich nicht so benimmt, wie es ein anständiger 68er eigentlich tun sollte. Die mediokre Logik dahinter ist vielleicht direkt proportional zu dessen unternehmerischen Fähigkeiten, wenn man die Sache mit regensburg digital als Basis hernimmt. Ich gebe dabei gerne zu, nicht so konsequent geschrieben zu haben, wie ich es vielleicht meinen könnte.

  • johannesleo

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    Der Elefant, der bei derartigen Vorkommnissen immer im Raum steht – und der bei einigen Kommentaren auch angedeutet wird – ist immer, inwieweit Täter (und in diesem Fall auch die anfeuernde Menge) Migrationshintergrund haben oder nicht. Falls nicht, könnte man mit einem Vorurteil aufräumen. Falls ja, müsste man das Thema Integration und Wertevermittlung stärker in den Fokus nehmen.

    Noch etwas anderes: im Artikel wird ja erwähnt bzw. vermutet, dass sich Täter und Opfer kannten. Hoffentlich führt dies zur Aufklärung. Besonders hoffe ich, dass die beiden Mittäter gefasst werden, die scheinbar beim Zuschauen soviel Spaß hatten, dass sie gleich noch mitmachten mussten. Das ist schon eine besondere Qualität von Aggression.

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drin