SOZIALES SCHAUFENSTER

Gewerkschaft stellt „Postulat“ vor

IG Metall: Transformation nur mit Beschäftigungssicherung

Am Freitagnachmittag hat die Gewerkschaft IG Metall ein „Regensburger Postulat für die Zukunft der Arbeit“ vorgestellt. Zu den Mitunterzeichnerinnen des Papiers gehören Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und die Zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner. Beide plädierten bei einem Pressetermin dafür, dass auch in der Corona-Krise die industrielle Transformation mit Sicherung von Beschäftigung gestaltet werden müsse.

Bei der Unterzeichnung des “Regensburger Postulats zur Zukunft der Arbeit”: Jürgen Scholz, Christiane Benner und Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Foto: om

In den vergangenen Wochen machte die IG Metall Regensburg immer wieder mit Aktionen auf sich aufmerksam. Autokorso, Menschenkette, Mahnwache und kurzzeitige Arbeitsniederlegungen fanden statt. Der Grund war das angekündigte Sparprogramm des Automobilzulieferers Continental, der ab 2023 weltweit eine Milliarde Euro jährlich einsparen möchte. 30.000 Stellen stehen dabei insgesamt auf der Kippe. Von den 13.000 in Deutschland gefährdeten Arbeitsplätzen sind es in Regensburg nach Angaben der IG Metall 2.100.

IG Metall Regensburg: 3.500 Stellen in Gefahr

Doch nicht nur bei Continental und seiner Antriebssparte Vitesco fürchtet man erheblichen Stellenabbau. Auch andere in Regensburg und der Region ansässige Industrieunternehmen planen oder liebäugeln mit personellen Einsparmaßnahmen. Laut dem Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Regensburg, Jürgen Scholz, sind in der Branche in den kommenden Jahren 3.500 Arbeitsplätze in Gefahr.

Bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag nennt Scholz unter anderem Krones (80 Stellen), Webasto (80) und Mahle Behr (130). Der Gewerkschaftsfunktionär kritisiert die Arbeitgeber, die Corona-Krise zu nutzen, „um Kosten zu sparen“. Ginge es um nötige Einsparungen aufgrund von Corona, so könnten die Unternehmen das Instrument der Kurzarbeit voll ausschöpfen, was noch bis Ende nächsten Jahres möglich sei.

Vorstellung und Unterzeichnung eines „Postulats zur Zukunft der Arbeit“

Scholz fordert von den Arbeitgebern „soziale Verantwortung“. In den letzten zehn Jahren seien „fette Gewinne“ eingefahren worden, was erst durch Sonder- und Zusatzschichten, durch Flexibilität und Engagement der Beschäftigten möglich gewesen sei. Das werde ihnen nun „gedankt mit dem Verlust des Arbeitsplatzes,“ so der Vertreter der knapp 25.000 IG Metall-Mitglieder in der Region Regensburg.

Plakataktion auf der Steinernen Brücke. Foto: om

Vor der Pressekonferenz im Salzstadel übergibt die Gewerkschaft im Beisein ihrer Zweiten Vorsitzenden und Continental-Aufsichtsrätin Christiane Benner der Regensburger Oberbürgermeisterin ein Forderungspapier, das Gertrud Maltz-Schwarzfischer auf dem Hammerbeschlächt unterhalb der Steinernen Brücke unterzeichnet. Begleitet wird der symbolische Akt mit einer Plakataktion und bengalischem Feuer auf der Steinernen.

In dem „Regensburger Postulat zur Zukunft der Arbeit“ fordert die IG Metall unter anderem den Verzicht betriebsbedingter Kündigungen und die Sicherung von Arbeitsplätzen durch Kurzarbeit oder tarifliche und Betriebsvereinbarungen „zur Arbeitszeitverkürzung mit Teilentgeltausgleich“. Daneben sollen Reduzierungen von Ausbildungsplätzen zurückgenommen sowie unbefristete Übernahmen nach Ausbildung und dualem Studium garantiert werden. Der Forderungskatalog verlangt auch „Qualifizierungsangebote für alle ArbeitnehmerInnen anzubieten und umzusetzen, um die Transformation zu bewältigen.“

Von der „Boom- und Schwarmstadt“ zur gewerbesteuerlichen „Kellertreppe“

Die industrielle Transformation stellt Maltz-Schwarzfischer ins Zentrum ihrer kurzen Rede im Salzstadel. In der Vergangenheit sei in der „Boom- und Schwarmstadt Regensburg“ noch der Fachkräftemangel das Thema gewesen. Doch Digitalisierung, Transformation und Dekarbonisierung führten bereits zu einer „Delle“ bei der Gewerbesteuerentwicklung, von der 2019 der damalige Stadtkämmerer Dieter Daminger sprach.

Maltz-Schwarzfischer unterzeichnet das Papier. Foto: om

„Dann kam zusätzlich noch Corona,“ so die Oberbürgermeisterin. Mittlerweile spricht man in der Stadtkämmerei nicht mehr von einer „Delle“ bei der Gewerbesteuer, sondern einer „Kellertreppe“. (Von 170 Millionen Euro im Vorjahr sacken die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt 2020 auf 89 Millionen ab.)

Maltz-Schwarzfischer betont, dass Regensburg nach wenigen schwierigen Jahren durch die Transformation sogar mehr Arbeitsplätze bekommen wolle. Sie stehe dabei an der Seite der IG Metall und biete sich bei „schwierigen Gesprächen“ zwischen der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite als Vermittlerin an.

Benner: Kein Verbrenner-Verbot 2035

Die Zweite Vorsitzende der IG Metall Benner wirbt dafür, trotz schwieriger Situation „nicht einfach industrielle Strukturen zu vernichten“. 70 Prozent der Unternehmen in der Zuständigkeit der IG Metall seien noch in Kurzarbeit und das Instrument könne auch weiterhin dazu dienen, Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern. Sie fordert Unternehmen auf, nicht nur auf „Konzernebene“ zu denken, sondern auch Verantwortung für die Regionen ihrer Niederlassungen zu übernehmen.

Christiane Benner (Zweite Vorsitzende der IG Metall) kritisiert Markus Söder wegen Verbrenner-Verbot 2035. Foto: om

Für kriselnde und von Insolvenz bedrohte Zulieferbetriebe schlägt die Gewerkschaft einen Transformationsfonds vor. Für die Transformation insgesamt brauche man jedoch „einen anderen Zeithorizont“. Sie kritisiert in diesem Zusammenhang den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der Verbrennermotoren bis 2035 verbieten möchte. „Auch gute Diesel tragen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei,“ so Benner.

In den vergangenen Tagen hat der IG Metall-Bezirk Bayern eine landesweite Aktionswoche unter dem Motto „Fairwandel statt Zukunftsangst“ veranstaltet. Dabei haben sich nach Angaben der Gewerkschaft 17.000 Beschäftigte aus 150 Betrieben an 75 Aktionen beteiligt.

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Kommentare (21)

  • joey

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    Es wird keine Transformation geben.
    Nur Deindustrialisierung Deutschlands und Abbau des Sozialsystems. Dieses verliert seine Finanzierungsgrundlagen (Mineralöl- und Einkommens- und Lohnsteuern, Kassenbeiträge) und wird durch Einwanderung gezielt überfordert.
    Verschwörungstheorie? Nein, vielleicht ist der Reichtum einigen nur zu Kopf gestiegen.

    Die Welt macht nicht, was Grüne oder gar Sozialdemokraten in Deutschland beschließen.

  • XYZ

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    Na ja, so ist es halt. Das Ende des kilmaschädlichen Verbrennungsmotors war schon lange absehbar. Eine Unternehmungsleitung hätte das schon früher ekennen müssen.

  • Piedro

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    @joey
    Auch die Welt macht nicht, was “Sozialdemokraten” oder Grüne beschließen. Erstere sind lediglich an Entscheidungsfindungen beteiligt, zweitere könnten es bald sein. Die Beschlüsse der letzten Jahrzehnte wurden durchweg von einer CDU-geführten Regierung gezeichnet.
    Sie mögen Recht haben, dass unsere Gesellschaft vor einem Umbruch steht, weil sich “die Wirtschaft” aus gegebenem Anlass ihrer “Arbeitskräfte” entledigt. Auch die so lange gesuchten Fachkräfte, die gerade in der Metallbranche begehrt waren, stehen plötzlich einem Arbeitsmarkt gegenüber, der dem industriellen Wandel angepasst wird. Dieser Wandel war vorhersehbar und wurde von Konzernstrategen mit Sicherheit schon kalkuliert. Nun wird sich zeigen, ob deren Strategien aufgehen, oder ob die Unternehmen ihre Mitarbeiter nach Belieben entsorgen können, wenn die wirtschaftliche Entwicklung das ermöglicht.

    Und sicher, das Sozialsystem wird abgebaut, weil es gezielt mit Einwanderern überfordert wird. Der putzige Populistenklassiker, der sich so leicht empirisch widerlegen lässt. Das hohe Lied der Stimmungsmache, ganz gleich ob Migration überhaupt eine Rolle spielt, um diese Herausforderung zu gestalten.

    Auf der einen Seite wird der industrielle Wandel erwartet, auf der nächsten kapitalistisch kalkuliert, aus einer Investorenperspektive, in der es nicht mal annähernd nationale Interessen gibt, oder gar soziale, und auf ihrer Seite wird der negiert, da zählt vor allem was Grüne und “Sozialdemokraten” beschließen, um das Land zu deindustrialisiere, vermutlich auch die systemische Überforderung der Strukturen durch Migranten. Fehlt noch, dass die Covid eingeschleppt haben, damit der Plan auch aufgeht.

    Gruselig.

    Die Forderungen der Gewerkschaft klingen jedenfalls nicht nach Deindustrialisierung.

  • Piedro

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    @XYZ
    Die Konzerne wissen schon lange wo es langgeht. Jetzt müssen sie sich nur noch abputzen. Die Teilefertigung ist schon lange ausgelagert, in alle möglichen Produktionssegmente. Der Auftrag geht an einen Konzern, der die Fertigung dann auf seine Unternehmen überträgt. Daneben gibt es die kleineren Fertiger, die ihrerseits einen Vertrag erfüllen um Kontingente zu liefern.
    Direkt betroffen ist auch ein weiteres Segment, der Maschinenbau. Die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen, sei es mit Palettenwechsler und allem drum und dran für die Serienprodruktion, oder als Präzisionsmaschine im Werkzeug- und Formenbau, lässt schon lange nach. Auf dem Binnenmarkt. In anderen Ländern gehen die Geschäfte weiter, zumal die “lange Werkbank” gerade in diese Länder verlängert wird. Was hier produziert wird muss ja nicht nach D-Land gehen. Die Konzerne sind darauf längst eingestellt, die sind nicht überrascht. Die Gewerkschaften sollten es auch nicht sein. Und dem Arbeiter oder Angestellten hilft es gar nix, wenn er einen Schuldigen benennt, ganz nach Belieben “die Migranten” oder “den Kapitalismus”.
    Die Parteien haben sich hier noch nicht Positioniert. Die Interessen der Konzerne zeigen sich klar, wenn zugleich Kurzarbeit verfügt und Dividenden ausgezahlt werden, um dann nach staatlicher Unterstützung zu rufen, während sie profitable Standorte schließen, um zukünftige Verluste zu minimieren oder in andere Standorte investieren zu können.

    Die Gesellschaft muss nun zweierlei herausfinden. Zum einen, ob diese Konzerne das so einfach dürfen, und ob das auch noch gefördert und akzeptiert werden soll. Zum anderen, und das ist viel unmittebarer, wie der Staat mit den plötzlich Erwerbslosen verfahren soll. Die stehen ja nicht im Ruf des Hartzes, der einst multimedial von Arno Dübel und Pannama-Bildheld begründet wurde und bis heute über Reality-Formate verfestigt wird. Diese Klientel ist bereits mit dem derzeitigen System aus Bürokratie und Gerichten ausgesetzt, den “neuen” hat man das volle Programm bisher erspart, aber es rollt bereits an. Die eilige Verfügung der Regierung, dass die Vermögensprüfung und Angemessenheit der Miete für ein weiteres, halbes Jahr ausgesetzt wird, aber das verstehen viele Jobcenter bereits so, dass bei der inzwischen eingereichten Weiterbewilligung schon alles eingereicht und nachgeholt und entsprechend abgelehnt wird. Wer noch irgendwas hat kriegt bis auf weiteres gar nix. Das sieht der Gesetzgeber bisher ja auch so vor.

    Nun ist dieses System nicht mal im Ansatz dazu geeignet weitere Millionen auch nur adäquat zu verwalten, geschweige denn zu fördern oder gar zu vermitteln. Es ist auf eine permanente Unterdeckung ausgerichtet und von Willkür geprägt. Der Umgang mit den Behörden erfordert ein Grundwissen, das nicht vermittelt wird, wenn man sich nicht darum bemüht.

    Das sind interessante Erfahrungen, die sich gesellschaftlich auswirken müssen. Die Konzernstrategen interssiert sowas nicht. Die Politik sollte es langsam mal interessieren, der Gesellschaft bleibt gar nix anderes über.

  • Richard Spieß

    |

    Söders Forderung nach einem Verbrennerverbot 2035 ist das übliche Politikergeschwafel eines Möchtegernkanzlers. Schon 2008 forderte er das Ende des Verbrennungsmotors für 2020, um dann alles zu tun, um das zu verhindern. Es wird einfach so sein, dass 2035 niemand auf die Idee kommen wird noch einen Verbrenner zu kaufen. Diese Technologie ist Schnee von gestern und Verbrennungsmotoren werden noch in ein paar Nischen ihre Berechtigung haben aber nicht mehr den PKW von morgen antreiben. Das Festhalten an dieser Technik durch Gewerkschaftsfunktionäre ist die hilflose Art ihren Mitgliedern zu suggerieren, „wir tun was“. Es wird allen Konzernen, die nicht schnellstens umdenken, so ergehen wie Kodak oder Nokia, die auch gedacht haben, mit ihrer Marktmacht und ihrem Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger, auf der sicheren Seite zu sein. Sie wurden von der neuen Technik überrollt und verschwanden da, wo alte Hüte eben verschwinden. Die Gewerkschaften erweisen ihren Mitgliedern einen Bärendienst, wenn sie mit den Aktionären an einem Strang ziehen, die einfach noch das letzte Quäntchen Gewinn aus der alten Technik pressen wollen, um sie dann links liegen zu lassen und sich neuen, gewinnbringenden Märkten zuzuwenden. Wer sich in Ländern umsieht, deren Entscheidungen nicht von einer mächtigen Autolobby beeinflusst wird kann sehen wie sich der Markt radikal verändert. In Norwegen, ist bereits jeder zweite PKW ein Elektroauto. Es wird sehr schnell gehen und die Dummen, werden die Arbeitnehmer sein, weil ihre Betriebe nicht schnellgenug reagiert haben. Die Gewerkschaften sollten für eine schnelle Umstellung auf die neue Technik eintreten, um zukunftsfähige Arbeitsplätze zu sichern und nicht auch noch auf der Bremse stehen, die das Aus für diese Technik nicht aufhalten kann.

  • CK

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    Leider haben die Gewerkschaften beim Thema Klimawandel die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt. Das Verbrennungsmotoren eines der Hauptprobleme bei der Klimaerwärmung sind ist seit 30 Jahren bekannt und es wurde ignoriert. Dieses Problem jetzt nochmal länger als 15 Jahre aufzuschieben wäre fatal. Insbesondere deshalb weil der Wirtschaftsstandort Deutschland hierdurch endgültig den Anschluss an Zukunftstechnologien verlieren würde, was zwangsläufig den noch wesentlich stärkeren Abbau von Arbeitsplätzen verursachen dürfte.

  • auch_ein_regensburger

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    @ joey
    „wird durch Einwanderung gezielt überfordert“. Ich fühle mich durch Einwanderung keineswegs überfordert. Was mich allerdings zunehmend nervt, ist das penetrante Gemammel von Leuten, die überfordert sind damit, mit Veränderungen klarzukommen.

  • Joachim Datko

    |

    Sprüche klopfen hilft nichts!

    Zitat: “„Regensburger Postulat für die Zukunft der Arbeit“”

    In der Automobilindustrie fallen im großen Umfang Arbeitsplätze weg. Das sollte möglichst schnell durchgeführt werden. Unsere Industrie steht im weltweiten Wettbewerb. Wenn heute keine Anpassung erfolgt, sind morgen die Kosten zu hoch. Übermorgen brechen dann wegen der zu hohen Kosten Umsätze weg. Es entsteht eine Mitkopplung, die Probleme werden dadurch größer.

    Noch dazu stören unterbeschäftigte Mitarbeiter den Betriebsablauf. Die ehemalige DDR sei uns da ein warnendes Beispiel. Ein reales Beispiel, wie man mir es bei einem Seminar erzählt hat. Eine Arbeitsgruppe hatte anstatt der 8 notwendigen Mitarbeiter 10 Mitarbeiter. Die beiden unterbeschäftigten Mitarbeiter haben die anderen gestört.

    Joachim Datko – Ingenieur

  • Mr. T.

    |

    Wie Richard Spieß richtig schreibt, ist es ein Irrsinn, sterbende Technologien durch politische Einflußnahme weiter künstlich zu beatmen. Statt dessen, sollten die Unternehmen bei der Transformation zu zukunftsträchtigen Technologien unterstützt werden. Ansonsten kommt das böse Ende nur umso schlimmer. Den Anschluss verschlafen wir im Moment ohnehin schon. Jeder Cent, der jetzt noch in den Verbrennungsmotor gesteckt wird, mah zwar die nächsten Quartalszahlen der Konzerne noch etwas aufhübschen, wirft sie aber immer weiter zurück im internationalen Rennen.
    Söder weiß das sicher auch, aber seine eigene Zukunft und die seines Klientels sind ihm eben auch wichtiger, als die von Bayern und Deutschland. Nur so lassen sich seine spagatären Forderungen erklären. Den wohlwollenden Landesvater mit besorgter Mine spielt unser Sinisterpräsident auch nur solange es ihm nützt.

  • Klaus Kerber

    |

    Rund 60% der Deutschen leben in Miete, soll man hier 2035 etwa mit Verlängerungskabeln von den einzelnen Wohnungen die E-Karren anschließen? Bei Ladeboxen braucht man bekanntlich die Genehmigung der Stromlieferer sonst fliegen alle Sicherungen und die gibts selten.
    Soviel vom Schnee von gestern.

  • KW

    |

    @Klaus Kerber
    Das sind wieder die typischen, aus Halb- oder Nichtwissen entstehenden Aussagen.
    1. Es soll durchaus auch Mieter geben, die über Lademöglichkeiten verfügen, andererseits aber auch Eigentümer die keine Lademöglichkeit haben. Zugegeben sieht es in Mehrfamilienhäusern in der Stadt ggf. aktuell da nicht so gut aus. Aber die Ladeinfrastruktur bleibt nicht auf dem Stand von heute stehen. Und der ist beispielsweise in Regensburg schon aktuell durchaus nicht schlecht.
    2. “Ladeboxen” sind bis 11kW nur anzeige- nicht genehmigungspflichtig, und mehr als 11 kW braucht es zuhause nicht. Nahezu jedes BEV (Batterie Fahrzeug) oder PHEV (Plugin Hybrid) lässt sich übrigens auch mit 6A oder 10A Ladestrom (1,4 bis 2,3kW) an normalen Schuko Steckdosen laden. Es muss nicht immer voll sein und da es sich bei fast allen Fahrzeugen in der Regel zumindest nachts um Stehzeuge handelt, stört es nicht wenn der Ladevorgang mehrere Stunden dauert.

  • joey

    |

    In Deutschland ist der Verbrenner die Cashcow des Sozialsystems. Wenn das verboten ist, fehlt viel Geld. Darauf hat der wortreiche Piedro keine Antwort.

  • semmeldieb

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    hm? ich werde als gewerbetreibender steuerzahler bis zum elenden zusammenbruch den diesel noch gute zehn jahre als die einzig praktikable und finanzierbare möglichkeit unterstützen. .. äh, achso es geht um “gewerkschaften” – was ist das? wer zahlt das?

  • Roche-Dirac

    |

    Herr Spiess, ich kann ihnen nur zustimmen was ihre Einschätzung zu den Gewerkschaften betrifft. Die betreiben mittlerweile eine 100%ige reine Klientelpolitik und schützen die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder mit aller Macht. Gut, es sei ihren Mitgliedern gegönnt, dass sie noch überwiegend tariflich bezahlte und damit ziemlich gut bezahlte Arbeitsplätze haben. Ist ja mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr.

    Letztlich befördern die Gewerkschaften damit aber auch das Geschäft der Arbeitgeber indem sie Subventionen für Arbeitsplätze fordern von denen natürlich auch die Arbeitgeber ordentlich profitieren.

    Echte Signale wie es zukünftig arbeitsmarktpolitisch weitergehen soll, kommen von den Gewerkschaften schon lange nicht mehr.
    Die Gewerkschaftsspitzen sollten mal überlegen, ob es wirklich sinnig ist auf Teufel komm raus Arbeitsplätze in untergehenden Industrien zu verteidigen oder nicht vielleicht doch besser wäre Arbeiter/Angestellte zu schützen.
    Das ist ein Unterschied! Der wird oftmals übersehen.

    @Klaus Kerber
    Sie haben haben einen Punkt. Richtig, Mieter aber auch “Selbstbewohner” von Eigentumswohnungen dürften Probleme haben, was die eigene E-Auto-Ladestation betrifft. Soviele öffentliche Ladestationen können wir gar nicht bauen, dass wir die alle vernünftig versorgen können, zumindest nicht in den nächsten 10 Jahren.

  • Mr. T.

    |

    Klaus Kerber, keine Angst, wir haben erst 2020. Während einige hier stark an der Vergangenheit zu kleben scheinen, fühlen Sie schon 15 Jahre im Voraus.
    Nicht jeder tauscht morgen seinen Verbrenner gegen ein Elektroauto. Bei manchen ist es das nächste, bei anderen vielleicht das überübernächste Auto. Verbrenner verlieren mit der Zeit an Bedeutung und Elektrofahrzeuge profitieren mit steigender Nahchfrage von den Fortschritten bei Kosten, Rohstoffen, Speicherkapazität, Ladung und Versorgung.
    Geschichte wiederholt sich und bei der Erfindung des Verbrennungsmotors hat es sicher auch einige Schlaumeier gegeben, die gefragt haben, wo denn der ganze Sprit herkommen soll, und vorgerechnet, dass man gar nicht so viele Tankstellen bauen kann, wenn auf einmal jeder seinen Ochsen oder sein Ross gegen ein Auto tauscht. Die haben sich sicher auch Sorgen um die Zukunft der ganzen Mitarbeiter in den Ochsenkarrenfabriken oder die Dampfmaschinenhersteller gemacht. Aber Denkmäler dieser Propheten sieht kaum mehr welche.

  • joey

    |

    @Mr.T.
    Ochsenkarren und Dampflokomotiven wurden ersetzt, weil Benzinmotoren günstiger waren. Es ging also marktwirtschaftlich fast von selber.

    Sozialistische Regime wurden ersetzt, weil sie in Kombination von Zentralkomitees und Wissenschaft Pläne und Vorschriften ersonnen, die dann nicht funktionierten. Millionen verhungerten. “Der große Sprung nach vorn” ging in den Abgrund.

    Förderungen und Vorschriften können einer technischen Entwicklung einen kleinen Vorsprung geben. Sie können aber die technische Entwicklung nicht bestimmen. Anders: der Befehl zu fliegen wird nicht realistischer, indem man den Menschen vom Turm stößt.

  • Joachim Datko

    |

    Die deutsche Automobilindustrie hat einen riesigen Umsatz!

    Zu
    joey 20:44 “In Deutschland ist der Verbrenner die Cashcow des Sozialsystems. Wenn das verboten ist, fehlt viel Geld.”

    Hier ein paar Zahlen, um die wirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie für Deutschland zu verdeutlichen:

    Maschinenbau ungefähr 230 Milliarden Umsatz pro Jahr
    Chemieindustrie ungefähr 200 Milliarden Umsatz pro Jahr
    Elektroindustrie ungefähr 190 Milliarden Umsatz pro Jahr

    Automobilindustrie ungefähr 440 Milliarden Umsatz pro Jahr

    Daimler erwartet ein positives Geschäftsjahr 2020. Daimler ist der zweitgrößte deutsche Automobilhersteller.

    VW erwartet 2020 ein positives Ergebnis im operativen Geschäft. VW ist der größte deutsche Automobilhersteller und auch weltweit die Nummer 1.

  • Piedro

    |

    @joey
    “Darauf hat der wortreiche Piedro keine Antwort.”
    Das mag sein, aber Sie haben gar keine Frage gestellt. Sie haben Behauptungen aufgestellt. Sie meinten es gäbe keine Transformation, nur Deindustrialisierung Deutschlands und Abbau des Sozialsystems, das durch Einwanderer gezielt überfordert wurde. Alles fraglos ohne Frage. Auch, dass Grüne und Sozialdemokraten nicht beschließen, was die Welt tut, oder umgekehrt…

    Auch, dass “der Verbrenner” “die Cashcow des Sozialsystems” sei, ist doch nur eine Behauptung. Die Vision, Deutschland könnte kein Sozialstaat mehr sein, wenn hier keine Verbrennungsmotoren fossile Brennstoffe für die Fortbewegung verbrennen, ist kein Zeugnis von Weitsicht.

    Tatsächlich ist der Wandel, die Transformation, nicht nur notwendig, sie ist unausweichlich. Sie meinen ohne “den Verbrenner” verelende das Volk? Das wäre es dann wirklich selbst Schuld, dieses Volk. Sie meinen diese erste Welle an Entlassungen könnte vermieden werden? Wer will denn das? Grüne und Sozialdemokraten? Die “Arbeitgeber?” Die Marktwirtschaft? Ach ja, die Betroffenen. Deshalb ja diese Veranstaltung. Gewöhnen wir uns dran. Überlegen sie sich schon mal die Auswirkungen auf Büroangestellte, wenn das digitale Büro jegliche Excelschubserei unnötig macht. In den Unternehmen und in Behörden werden Sachbearbeiter mit Publikumsverkehr die Ausnahme sein, Buchhaltung ist keine Personalangelegenheit. Das ist auch für die Gewerkschaft ein Problem, weil sie auch nur in Ausnahmen Perspektiven im Angebot hat.

    Sollten sie tatsächlich Fragen haben, die ich Ihnen beantworten darf, tun sie sich keinen Zwang an.

  • Piedro

    |

    @Roche-Dirac
    “Die betreiben mittlerweile eine 100%ige reine Klientelpolitik und schützen die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder mit aller Macht.”
    Ja isses denn? Die Gewerkschaft? Sowas auch!

    Und die Mitglieder werden überwiegend übertariflich bezahlt? Obwohl die Tarifbindung immer weiter abgebaut wird? Und der Mindestlohn auch nicht gerade nur so eingeführt worden. Sind solche Arbeitnehmer überwiegend nicht in der Gewerkschaft? Sind sie nicht. Überwiegend. Ist ja auch immer weniger wichtig, in den letzten Jahren. Das könnte sich ändern.

    Subventionen für Arbeitsplätze sind jetzt auch nicht gerade neu. Sie werden auch gern ohne gewerkschaftliche Forderung erteilt. Zum Beispiel wenn es um Strukturwandel geht. So hätte man schon den Niedergang der Solarbranche verhindern können, so hätte man die industrielle Förderung der Windkraft vorantreiben können. Stattdessen hat man in Berlin einen Flugplatz gebaut.

    Und bitte, wenn der Markt Ladestationen haben will werden Ladestationen produziert und verkauft, sobald sie zugelassen sind und betrieben werden dürfen. Als wäre das ein Problem. Im Parkhaus der Zukunft hängst du Karre ans Netz ehe du zusperrst, auf der Arbeit wird das bald schon kein Problem mehr sein, da investiert der Arbeitgeber. Wo auch immer ein Kunde Geld ausgibt, und warum auch immer ein Kunde Geld ausgibt, man wird es nehmen und ihm geben was er will.

    Die Gewerkschaft trägt dazu bei, das ein Menschensegment, die Mitglieder, und natürlich die anderen, die tarifgebunden arbeiten, auch in die Tasche greifen können, sei es für den Autostrom oder sonstwas.

  • joey

    |

    @Piedro zu “cashcow”
    J. Datko hat ein paar Zahlen herausgesucht. Ohne Quellenangabe, aber trotzdem danke. Das kommt mir glaubwürdig vor.
    Zählen Sie mal durch, welche Industrien in Ostbayern nichts mit Fahrzeugen zu tun haben. Wiesenhof vielleicht nicht…

    Wir müssen uns die Zeit nehmen, tragfähige Energiekonzepte für die Welt zu entwickeln. Also umweltfreundlicher und vor allem billiger. Die “Konversion” derzeit beruht darauf, daß alles teurer oder kurzfristig verboten werden soll. Für fff kein Problem, Papi zahlt das schon, der arbeitet ja bei einer Firma für Dichtungstechnik…

  • Piedro

    |

    @joey
    Wir haben uns jede Menge Zeit genommen, nur nix getan. Das Problem ist seit den 70ern bekannt, aber “wir” haben unsere Agenda nach getürkten “Studien” der Ölindustrie ausgerichtet. Viel mehr Zeit ist nicht, sonst helfen auch die Arbeitsplätze niemandem, weder in der Lausitz noch in Ostbayern.

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