SOZIALES SCHAUFENSTER

Interview mit Professor Michael Sterner - Teil I

„Es braucht eine neue Form des Wirtschaftens“

Dr. Michael Sterner ist Professor für Energiespeicher an der OTH Regensburg und einer der Leiter der Forschungsstelle für Energienetze und Energiespeicher (FENES). Insbesondere bei der Entwicklung neuartiger Energiespeicherkonzepte sowie der Erforschung von synthetischen Antriebsstoffen hat Sterner mit seiner Arbeit bereits wichtige Beiträge geleistet. regensburg-digital sprach mit dem Ingenieur über notwendige Schritte in der Klimapolitik und gesellschaftliche Veränderungen, die es geben muss. Teil I unseres zweiteiligen Interviews.

Michael Sterner: „Wir müssen nicht jetzt sofort alles auf den Kopf stellen, wir müssen nur endlich die richtigen Weichen stellen.“ Foto: Bothner

Herr Sterner, Ende November hat die EU den Klimanotstand ausgerufen. Damals für viele ein wichtiges Zeichen. Doch schon die wenige Tage später abgehaltene Klimakonferenz COP25 in Madrid brachte erneut kaum brauchbare Fortschritte. Das vorgelegte Klimapaket der Bundesregierung wurde ebenfalls scharf kritisiert. Dabei werden die Warnungen der Klimaforscher immer lauter, dass uns die Zeit davon eile. Wie schlecht ist es bereits um uns bestellt?

Der Klimawandel ist traurige Realität und lässt sich auch nicht wegdiskutieren. Aber es ist auch noch nicht alles verloren. Das Gebot der Stunde lautet, endlich die Weichen zu stellen, damit wir bis spätestens 2050 den weltweiten CO2-Ausstoß auf Null bekommen. Und da liegt noch sehr viel Arbeit vor uns.

Was sagen Sie zu Behauptungen, der Klimawandel sei eine Lüge oder zumindest nicht menschengemacht, und dass es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gäbe? 

Das ist keine Glaubensfrage. Es gibt überhaupt keinen Zweifel mehr daran, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht ist. 98 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stimmen darin überein. Auch alle Experimente und Forschungen belegen das ohne jeden Zweifel. Das ist Fakt und zu akzeptieren. Der große Unterschied zu früheren klimatischen Veränderungen liegt heute darin, dass wir zum ersten Mal einen signifikanten Temperaturanstieg messen, der weltweit zur gleichen Zeit stattfindet und sich nicht nur über gewisse Regionen und einzelne Kontinente als Kalt- oder Warmzeit ausdehnt. Die Daten zeigen zudem, dass dies erst mit der Zunahme der vom Menschen ausgestoßenen klimaschädlichen Gase begonnen hat.

Wenn die Sache so klar ist, worüber diskutieren wir dann überhaupt?

Es ist eine ganz einfache Kausalkette von Ursache und Wirkung: Wir alle atmen die gleiche Luft, über die wir mit jedem Lebewesen auf der Erde verbunden sind. Und jedes Kilo CO2, das irgendwo auf der Welt ausgestoßen wird schadet dem ganzen System. Leider fehlt innerhalb der Gesellschaft aber das Bewusstsein, dass am Ende alles mit allem verbunden ist.

Es gibt derzeit zwei Seiten, die sich ausprägen: Auf der einen Seite stehen Klimawandelleugner. Sie treibt die Angst um den Verlust des Status Quo um und sehnen sich nach den alten Zeiten: Früher war alles besser. Sie wollen nicht wahrhaben, dass es dieses Früher nicht mehr gibt und uns nur das Jetzt bleibt und wir darüber die Zukunft gestalten können. Auf der anderen Seite steht der Teil um die Fridays-Bewegung. Sie wollen die Herausforderungen und die Zukunft positiv angehen. Wenngleich auch sie natürlich ihre Angst vor einem möglichen Versagen in der Klimakrise auf die Straße tragen. Anders als den Jungen viele vorgehalten haben, geht es bei den Fridays also nicht ums Schule schwänzen, sondern um Existenzängste.

Michael Sterner zusammen mit Vertreterinnen von FFF Regensburg und dem Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber.

Es ist nicht zuletzt durch die Fridays-For-Future-Bewegung, die Sie persönlich aktiv unterstützen, sehr viel Bewegung in die Diskussion über die Klimawende gekommen. Wie wichtig ist diese Bewegung?

Die Fridays sind ein ganz wichtiger Faktor. Ohne sie wären wir in der Debatte noch längst nicht soweit. Sie stellen die richtigen Fragen an die Gesellschaft und die Politik. Doch auch hier liefern viele ein falsches Bild. Denn wir müssen nicht jetzt sofort alles auf den Kopf stellen, wir müssen nur endlich die richtigen Weichen stellen und die politischen Maßnahmen für die kommenden Jahre treffen. Dazu gehört auch ein ausreichend hoher Preis auf den Ausstoß von CO2.

Wir können die Klimakrise noch abwenden. Die Sorgen und Ängste der Bürger dürfen dabei nicht klein geredet oder verneint werden. Sie dürfen aber nicht als Argumentation für politische Entscheidungen dienen, die uns, anstatt in die Zukunft, ins bekannte Desaster führen. Am Ende kommt es darauf an, dass wir den Preis der Klimaschäden in den Wirtschaftssystemen abbilden, etwa über einen entsprechend hohen CO2-Preis. Wer gegen Erneuerbare, wie Windkraft und Solarenergie ist, der ist gegen die Zukunft und verhindert wirtschaftliche Lösungen.

Das ist eine klare Aussage. Doch wie soll der Wandel stattfinden, wenn schon die Politik sich nicht einig wird und am Ende doch wieder auf die Freiwilligkeit der Bürgerinnen und Bürger hofft?

Wir müssen den Menschen deutlich machen, dass die notwendigen Veränderungen nicht über Freiwilligkeit zu regeln sind. Das wird nicht funktionieren. Wir brauchen eigentlich vernünftige Ordnungsvorgaben und Regeln zu Umwelt- und Klimastandards, die wir uns als Gesellschaft selbst setzen müssen und nach denen sich der Markt dann richtet. Der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer hat mir in dem Punkt mal vehement widersprochen, als ich auf einem Podium mit ihm behauptet habe, „der Markt richtet das“. Die Politik hat die Aufgabe, Anreize zu schaffen, damit alle mitziehen wollen und können. Wir haben uns an luxuriöse und bequeme Zustände gewöhnt, doch genau das steht aktuell zur Debatte. Bundeskanzlerin Merkel sagte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wörtlich zum Ziel des klimaneutralen Europas im Jahr 2050: „Diese Transformation heißt im Grunde, die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten 30 Jahren zu verlassen.“

Die Grafik zeigt einen Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und CO2-Konzentration auf der Erde.

Zu dieser Transformation gehört auch eine neue Art des Denkens der Mobilität. Eine Autobahn ohne Tempolimit ist nicht mehr zeitgemäß – gerade weil wir in Europa die letzten ohne Tempolimit sind. Über das Aufstellen von wenigen Straßenschildern kann hier sehr günstig Klimaschutz realisiert werden und die Sicherheit des Straßenverkehrs deutlich gesteigert werden. Damit hätten auch Rettungskräfte und Polizei weniger Arbeit, weshalb selbst die Gewerkschaft der Polizei dieses Tempolimit befürwortet.

Damit fassen Sie nun aber ein sehr heißes Eisen an. Zwar hinterfragt mittlerweile sogar der ADAC seine Haltung zu einem generellen Tempolimit, doch versteht sich Deutschland nach wie vor als Auto-Nation. Auch in Regensburg löst das Thema autofreie Altstadt hitzige Debatten aus.

Wir stecken bereits mitten drin in den klimatischen Veränderungen. In den kommenden Jahren wird es durch den Klimawandel bedingte gesellschaftliche Umbrüche geben in Europa und weltweit. Denn diese Veränderungen werden dafür sorgen, dass immer mehr Menschen aus den besonders stark betroffenen Gebieten vor allem Richtung Norden wandern werden. Da reden wir am Ende nicht nur von den bereits jetzt stark betroffenen Gebieten in Nordafrika oder dem Nahen Osten. Das wird auch Spanien, Griechenland oder Italien betreffen. Schon jetzt gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass es mehr Klimaflüchtlinge als Kriegsflüchtlinge gibt. Und die Weltbank rechnet mit 140 Millionen Klimaflüchtlingen bis 2050. Es geht hier also um viel mehr, als um die Frage, wer wo in der Stadt Auto fahren darf.

Nun sagten Sie bereits wir haben nur noch bis 2050 Zeit, um vollständig klimaneutral zu werden. Können Sie das konkretisieren? Welches CO2-Kontingent haben wir denn noch?

Nur für Deutschland haben wir noch maximal 9,2 Gigatonnen CO2 zur Verfügung und zwar insgesamt. Wollen wir 2050 CO2-neutral sein, sind das noch drei Tonnen pro Jahr und Person.

„Wollen wir 2050 CO2-neutral sein, haben wir in Deutschland nur noch drei Tonnen pro Jahr und Person zur Verfügung.“

 Das ist nicht allzu viel, wenn man bedenkt, dass jeder Einzelne im Schnitt derzeit zehn bis zwölf Tonnen im Jahr weitgehend unbewusst die Atmosphäre entsorgt. Zudem zeigen die Daten, dass wir unter den aktuellen Gegebenheiten und mit den bis dato getroffenen Maßnahmen das Ziel weit verfehlen werden. Tatsächlich haben wir unser Budget in Deutschland in neun Jahren aufgebraucht, wenn wir nichts ändern. Nach wie vor scheitert es am politischen Willen und natürlich in Teilen an der gesellschaftlichen Akzeptanz.

Im zweiten Teil unseres Interviews geht Michael Sterner auf die bereits vorhandenen technischen Möglichkeiten ein und nennt Beispiele, wie in Regensburg effiziente Klimapolitik aussehen könnte.

 

 

Anmerkung der Redaktion:

Eine frühere Version des Interviews trug den Titel „Mobilität, Strom und Konsum sind ganz klarer Luxus.“ Dieses Zitat bezog sich auf folgende Textstelle.

Die Politik hat die Aufgabe Anreize zu schaffen, damit alle mitziehen wollen und können. Doch aktuell passt das Handeln der Politik nicht zu dem was dort gesagt wird. Und die Bürger wiederum haben es sich in ihrer Bequemlichkeit der letzten Jahrzehnte gut eingerichtet. Genau das steht aktuell jedoch zur Diskussion. Denn Mobilität, Strom und Konsum sind unter dem Strich ganz klarer Luxus.

Herr Sterner hat uns nach Veröffentlichung des Artikels gebeten dieses Zitat entsprechend der aktuellen Version abzuändern und zu entschärfen. Durch diese Änderung musste ebenfalls die Überschrift geändert werden, da dieses Zitat nun nicht mehr enthalten ist. Wir haben das Zitat auf Wunsch von Herrn Sterner entfernt, da er dieses noch nicht endgültig freigegeben hatte.

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Kommentare (39)

  • Mr. T.

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    Greta Thunberg macht nichts anderes als zu sagen, dass man doch bitte mal auf so helle Köpfe wie Professor Sterner hören soll. Und dann wird sie nur von irgendwelchen Vollidioten, die meinen, sich die Realität so herbeiphantasieren zu können, wie sie sie gerne hätten, dafür diffamiert.
    Die Kernaussage ist „Sie wollen nicht wahrhaben, dass es dieses Früher nicht mehr gibt und uns nur das Jetzt bleibt und wir darüber die Zukunft gestalten können.“
    Leute, die so denken, gefährend unsere gesamte Welt! Und das sind nicht nur die exemplarisch genannte NSAfD, sondern auch viele andere Ewiggestrige (im vollen Sinne des Begriffs). Es muss alles getan werden, um sie in ihre Schranken zu verweisen.

  • GSH

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    Wenn, entgegen jeglicher Vernunft, immer noch über das Ja/Nein zum Tempolimit auf Autobahnen diskutiert wird, „Geiz ist Geil“ bei Lebensmitteln und die Größe der Anbaufläche bei der Lebensmittelherstellung für Subventionen zählt, wird sich nix ändern.

    Ist es unsere Umwelt nicht Wert, dass wir max. 130 fahren? Ist es unsere Umwelt nicht wert, dass wir endlich der Massentierhaltung Einhalt gebieten? Nicht nur nach der Politik schreien. Jeder von uns hat es in der Hand. Verkehr: Wie, nahezu angenehm, ist es auf österreichischen Autobahnen zu fahren. Ab Passau beginnt dann bei der Einreise der Krieg. Sicherheit & Klima würden es danken. Warum tun wir es nicht?

  • GSH

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    Zum Thema Strom: Wir haben uns im Jahr 2005 ganz bewußt für eine Wärmepumpe mit Flächenkollektoren entschieden. Seit 2005 ist der Heizstromstrompreis um mehr als 150% gestiegen (sowohl HT als auch NT).

    Schön langsam wird Strom wirklich zum Luxus und wir werden dafür bestraft, kein CO2 zu produzieren. So stelle ich mir in etwa den Umstieg auf Elektromobilität auch vor. Falls jemand meint, dass Selbstnutzung mit Kollektoren die Lösung gewesen wäre: Das war 2005 noch nicht erlaubt.

  • FfF Regensburg

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    Lieber Michael Bothner,

    danke für das Interview! Hier zur Info: Die nächste Demo von Fridays for Future in Regensburg ist wieder ein Schüler*innenstreik, Treffpunkt ist am Freitag 7.2. um 11:15 am Neupfarrplatz. Natürlich sind aber alle aufgerufen sich Schilder zu basteln und zu kommen!

    Am Freitag 13.3. finden dann bayernweit Demonstrationen vor der Kommunalwahl statt. In Regensburg wird der Treffpunkt um 16 Uhr, ebenfalls am Neupfarrplatz, sein.

    Viele Infos gibt es auf unserer Webseite: http://www.futureforregensburg.de

    Wir sehen uns auf der Straße!

  • Peter Kern

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    Eben habe ich einen CO2-Rechner bemüht.
    Allein mit einem Amerika-Flug steigt mein Verbrauch von guten 9.000 auf über 16.000 Tonnen.
    Und dann bin ich noch nicht mal mit dem Zug nach Berlin gefahren.
    Dafür kann man heizen, bis die Wände glühen.
    (Oder die Rechner rechnen sehr falsch, kann ja auch sein.)

    Globalisierungsirrsinn abschaffen, und gut ist es erst mal.
    Alles, worin Palmöl enthalten ist, um 2 Euro teuerer machen. Das schont den Regenwald und die Verdauung blüht auf. Palmöl z.B. zerstört soviel Natur und bringt noch nicht einmal Luxus, weil es der billigste Ersatzstoff für gesundheutsschädlichen Genuss ist. Wieso kann man das Zeug nicht mit so hohen Zöllen belegen, dass es keiner mehr haben mag? Und dabei fehlt noch keinem etwas, außer dem Palmölplantagenkonzern natürlich.
    Austausch von Lebensmitteln ist sinnvoll, wenn irgendwo eine große Knappheit besteht, aber doch bitte nicht um Billigschokolade zu verfüttern. (Ich ess sie selber, – bisher)
    Die Welt überhitzt, wie die Finanzmärkte, weil die Großkonzerne Kohle machen wollen, die dann im Ofen der Dummheit verfeuert wird. Bildung sollte da helfen, heißt es immer, ich kann das nicht erkennen.

    Die letzten drei FFFler, mit denen ich gesprochen habe, und die mich der Weltzerstörung bezichtigten, erzählten in anderen Gesprächen, dass sie in ein paar Wochen nach – USA, – Spanien, -Israel fliegen werden.
    Ich mach im Sommer eine Fahrradtour.

    Die Diskussion ist gut und wichtig, den technischen Fortschritt muss man nicht aufhalten, aber die Lösung liegt an anderer Stelle. Fortschritt um doof bleiben zu können, ist in meinen rehbraunen Augen nicht erstrebenswert. Jede neu entwickelte Maschine verbraucht CO2 und andere wertvolle Bodenschätze. Und Schätze soll man hüten, und nicht für kurzlebigen Konsumluxus vergeuden. Und kommt mir jetzt keiner mit Recycling, denn bislang ist diese ganze Wirtschaftstechnik zu unfähig, um auch nur unsere Joghurtbecher zu recyceln. Die werden ins Meer geschüttet und werden zu Fischfutter. Ach.

  • Robert Fischer

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    Danke für das Interview. Auch zu empfehlen sind die öffentlichen Vorträge von Herrn Prof. Sterner. Letztes mal war ich zum Beispiel bei Nacht schafft Wissen in seinem Vortrag. Sehr anschaulich und mitreißend vorgetragen.

  • R.G.

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    Kann mir bitte jemand das Diagram „CO2 Konzentration und Temperatur so erklären“, dass ich es selbst verstehen kann?
    Mir fehlt da eine Legende.

  • Thomas J.

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    Jetzt sind es schon 98 % der Wissenschaftler. Einstein stand damals auch komplett alleine mit seiner Theorie. Es gab sogar folgendes Schriftstück: 100 Autoren gegen Einstein. Und am Ende hatte er doch Recht.

  • Tobias

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    Ich bin 29 und habe keinen Führerschein. Damit bin ich jetzt schon einer der größten Klimaschützer hier in der Kommentarspalte. Ich nutze einen Sodastream (keine Plastikflaschen), ich habe Heizkosten von 198€/Jahr (da ich klein und sparsam wohne), trinke keinen Kaffee, Rauche nicht, konsumiere kein Soja, habe alles LED und kein Smartphone. Ich bin noch nie geflogen und mangels Führerschein fahre ich viel mit der Bahn, bin seit 2001 mit dem RVV unterwegs und gut durchtrainierte Schenkel :) Damit bin ich mehr Klimaschützer als 80%* der FFF-Kinder – und der Kommentarspalte hier.

    Dennoch ist es doch klar, dass Greta Thunberg diese Bewegung nur gestartet hat, weil ihre mentale Störung eingekickt ist. Hätte sie eine Doku über Tierversuche gewesen, wäre sie mit einem Plakat „Skolstrejk mot djurförsök“ dort gesessen.

    @FfF Regensburg, wo wart ihr denn am 31.12. um gegen den Feinstaub durch Silversterböller zu demonstrieren? Außerhalb Euere Komfortzone, keine Kameras oder doch selber fleißig geböllert? (Diese Frage wurde auch in der MZ-Leserspalte gefragt; bisher keine Antwort :))

    *Sage ich mal so, aber meine Liste ist schon eindrucksvoll, nicht wahr? Beim Smartphone und Kaffe habe ich doch locker diese 80% überholt.

  • joey

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    „Gesellschaftliche Akzeptanz“ (selbst wenn) in Deutschland hilft gar nichts, wenn in den maßgeblichen Märkten nach wie vor fossil gewirtschaftet wird. Wenn alternative Treibstoffe (ganz ohne Strafbesteuerung oder Subventionierung) global billiger sind als fossile, dann geht das. So lange aber Öl und Kohle einen Wert haben, wird dieser Wert realisiert, also das Öl gefördert.
    Wer den Arabern und Russen das verbieten will, muß dort (Irak, Donetzk, Libyen…) einmarschieren … mit Radfahrertruppen ohne Luftwaffe.
    Gazprom Schröder oder Pipeline Fischer würden lachen: der „Professor aus Regensburg“.

  • Eingeborener

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    Liebe @ Fridays, ob ich weiterhin bei euren Demos mitgehe -eher nicht mehr. Mir fehlt ein Konzept von euch. Zum Beispiel: Wie nehmt ihr Einfluss auf den Wahlkampf ? Dass von der CSU u der ,bunten Koalition‘ inklusive den GRÜNEN Schläfern nichts zu erwarten ist, ist offensichtlich. Eure handzahmen Gespräche mit dem Autokonzern – Lobbyisten MdB Aumer, gähn. Ja, die Umweltzerstörer sind skrupellos nach dem Motto ,nach uns die Sintflut,‘ und ihr ? Macht ein bisschen Krach und das wars.

  • Piedro

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    @Tobias
    So ganz schlau werde ich aus Ihren Beitrag nicht. Ich versuche mal zu resümieren.
    1. Sie sind ein Vorbild, fast schon ein Held.
    2. Sie erheben sich über Kinder. Was 1. negiert.
    3. Sie reduzieren GT auf ihre Beeinträchtigung. Ungeachtet dessen, dass diese kognitive Fähigkeiten nicht beeinträchtigt, sondern sogar sehr befördern kann, schmälern Sie ihr Engagement als Ursache einer „Störung“.
    4. Sie formulieren eine Erwartung an besagte Kinder, die Sie mit Abwertung und Unterstellung garnieren.

    Als Fazit bliebe mir nur eine Charakterbetrachtung, aber Sie sind ja nicht Gegenstand des Disputs. Zu diesen tragen Sie einmal mehr gar nichts bei. Dabei denke ich, dass Sie intellektuell befähigt sind sich mit den genannten Fakten, Zusammenhängen und den resultierenden Notwendigkeiten auseinander zu setzen.

    Es ist schon seltsam, dass es dieses schwedische Mädchen gebraucht hat, um wissenschaftliche Tatsachen in den öffentlichen Disput zu befördern, die schon seit Jahrzehnten publiziert und von kompetenter Seite regelmäßig angemahnt wurden. Dieses Mädchen hat es es geschafft, dass diese Notwendigkeiten weltweit in den Fokus rücken, ihre Unterstützer, nach Ihrer Lesart allesamt unwissende, unzureichende Kinder, haben sogar Auswirkungen auf die Politik unseres Landes. Das scheinen Sie irgendwie übel zu nehmen, aber es ist eine Leistung, die sich nicht bestreiten lässt. Durch FfF kann die Politik sich nicht mehr mit lauwarmer Luft und Worthülsen völlig aus der Verantwortung stehlen.

    Ihre vorbildliche Lebensweise wird nichts an den Notwendigkeiten ändern. Man könnte darüber diskutieren, ob da überhaupt noch was zu ändern ist, aber das ist ja nicht Ihr Ansatz. Sie ignorieren alles, was im Artikel kommuniziert wird, trotz der Kompetenz des Interviewpartners, und begnügen sich mit Eigenlob und Kinderdissen. Wirklich schade. Ändert aber nichts daran, dass noch die Möglichkeit besteht schlimmen, globalen Schaden von der Menschheit abzuwenden, durch Technik, Zusammenarbeit und dem, was Sie eh schon betreiben (abgesehen von Ihrer Agitation gegen Kinder, natürlich). Das könnte helfen, dass Sie ihren Lebensstandard halten können.

    Ich bin gespannt auf den zweiten Teil.

  • Piedro

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    @R.G.
    Die Grafik zeigt deutlich den permanenten Zusammenhang zwischen CO² in der Atmosphäre und Temperatur. Ganz hinten zeigt sie, wie sich in kurzer Zeit die CO²-Konzentration gestiegen ist, und in gleichem Verhältnis die Temperatur. Beide Werte liegen im gleichen Verhältnis zueinander wie zuvor, wobei die CO²-Konzentration auf einen Wert gestiegen ist, der in 400.000 Jahren nicht vorlag.
    Der zeitliche Maßstab zeigt nicht, wann die bisherige Skala gesprengt wurde, aber das lässt sich in anderen, leicht zugänglichen Darstellungen ablesen.
    Ein Hinweis auf die Datenbasis wäre nett, aber aussagekräftig ist das auch so.

  • Julian86

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    Zurecht zitiert auch der Professor der Kanzlerin Rede in Davos:
    „Diese Transformation heißt im Grunde, die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten 30 Jahren zu verlassen.“

    Die letzten 15 Jahre war sie Regierungschefin. Schon davor junge Umweltministerin. Sie hatte es als Umweltchefin und als Inhaberin der Richtlinien-Kompetenz in der Hand, die vom Prof. angesprochenen gesetzlichen Rahmenbedingungen umzusetzen, zudem ist sie als Physikerin vom Fach. Fehlanzeige. Versagen auf ganzer Linie.

    10 Jahre CSU-Verkehrsminister. Auf diesem Sektor haben sich die Umweltgase sogar erhöht. Und was macht die Kanzlerin: Sie lobt Minister Scheuer. Das verstehe wer kann.

    Weitere Beispiele lasse ich weg, verweise aber auf den heiß diskutierten Essay von

    Jonathan Franzen: Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen? Rowohlt, Hamburg 2020; 64 S., 8,– €

    der in der ZEIT ein großes Echo findet, wo ein Forist schreibt:
    „Natürlich werden wir untergehen. Die Frage ist nur wann und warum. Die langfristige Perspektive dieses Planeten ist sein Untergang aufgrund kosmischer Gegebenheiten. Kurz- und mittelfristig schaffen wir das natürlich früher, wenn wir unsere Form des Wirtschaftens und Lebens nicht zügig und gründlich im Blick auf die gegenwärtigen klimatischen Entwicklungen ändern.“

    Skepsis ist das Gebot der Stunde. Die neoliberal geprägte GroKo hat es mit der Kanzlerin in all den vielen Jahren versäumt – top down – die komplexen Rahmenbedingen für eine schrittweise Veränderung unseres Wirtschaftens in die Wege zu leiten; die Bürger haben es in gleicher Weise versäumt – bottum up – eine schrittweise Änderung ihres Lebensstils zu realisieren. Das eine bedingt das andere und umgekehrt. Nun läuft uns die Zeit davon, was wohl nach den meisten Wissenschaftlern unstreitig ist.

    Der Soziologe Ulrich Beck hat dazu ein treffliches Bild gezeichnet. Er sprach von der Notwendigkeit einer Tausendfüßler-Revolution in Gestalt eines Sandwichs (top-down / bottum up). Es geht nur gemeinsam, es klappt nur wenn viele mitmachen. Wenn die Avantgarde (20%) vorausgeht, weil sie es gut findet, genügsam(er) zu leben, ziehen die anderen 80% mit.

    Ob dieses Prinzip auch global, für die USA insbesondere, gilt, weiß ich nicht. „Heute ist der Beginn des Endes von Trump“ – saget Bernie Sanders heute beim beginnenden Caucus in Iowa. Als US-Präsident zählte er gewiss zur Avantgarde. Gegen ihn ist die Wallstreet, die Medien, auch viele deutsche MSM. Sie wollen alle gemeinsam den neoliberalen Pfad nicht verlassen, ihre wirtschaftlichen kurzfristigen Interessen beibehalten. Dieser führt aber in den Untergang. „Are we doomed?“ – um den Satz von Franzen in eine Frage umzumünzen.

    Konzerne als Klimaschänder/Menschheitsverbrechen
    Im Grunde müsste das Völkerrecht neu geschrieben werden. Wie schafft man Weltrecht, das fortgesetztes Wirtschaften der Konzerne, welches die Klimaerwärmung gegen alle Vernunft nach oben treibt, als Verbrechen gegen die Menschlichkeit deklariert.
    https://www.heise.de/tp/features/Keine-Gnade-fuer-Klimaschaender-4337947.html?seite=all

  • XYZ

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    Das Diagramm mit der historischen Korrelation zwischen CO2-Konzentration und Temperatur ist ja sehr aufschlussreich, in den letzten Jahrzehnten ein rasanter exponentieller Anstieg der Kohlenstoffdioxyd-Partikel pro sonstiger Luftteilchen: Das widerlegt anschaulich diverse wissenschaftlich unhaltbare Thesen die Misere sei halb so schlimm und nicht menschengemacht.
    Inzwischen ist aber klar, dass vereinzelte einzelstaatliche Bemühungen nicht ausreichen, u.a. klinken sich einige grosse Länder mit Kohlekraftwerken und Regenwäldern aus. Es bedarf einer internationalen und rechtlichen Struktur: etwa Auftrag des Weltklimarates der UN an die World-Trade-Organisation in Genf ein Abgabesystem zu entwerfen, das die CO2-Verursachung bei Produktion und Transport berechnet und Verbesserungen zu gute kommt, die vom Weltklimarat beschlossen werden ?

  • me

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    Ich nehme einen Widerspruch in Prof. Sterners Aussagen war:
    „Das Gebot der Stunde lautet, endlich die Weichen zu stellen, damit wir bis spätestens 2050 den weltweiten CO2-Ausstoß auf Null bekommen. Und da liegt noch sehr viel Arbeit vor uns.“
    Bei den Ausführungen zu fff dann aber nur noch mit angezogener Handbremse: „Sie stellen die richtigen Fragen an die Gesellschaft und die Politik. Doch auch hier liefern viele ein falsches Bild. Denn wir müssen nicht jetzt sofort alles auf den Kopf stellen, wir müssen nur endlich die richtigen Weichen stellen und die politischen Maßnahmen für die kommenden Jahre treffen. Dazu gehört auch ein ausreichend hoher Preis auf den Ausstoß von CO2.“
    Also einerseits gilt es sehr viel zu tun, um den CO2-Ausstoß zu senken, andererseits müsse nicht alles auf den Kopf stellen, sondern nur die richtigen Weichen stellen? Das widerspricht sich doch in gewisser Weise, oder? Oder ist hier gemeint, dass man nicht sofort alles auf individueller Ebene ändern sollte und das von anderen auch verlangen und stattdessen strukturelle Lösungen der Politik fordern?
    M.E. dürfte Prof. Sterner als Experte ruhig zu tiefgreifenden Veränderungen raten. Der demokratische Konsens wird doch ohnehin zu einer abgeschwächten Form der vorgeschlagenen Maßnahmen führen.

    Auch würde mich interessieren, warum Prof. Sterner die ursprüngliche Überschrift zurückziehen ließ: „Mobilität, Strom und Konsum sind ganz klarer Luxus.“ Was gibt’s daran zu beanstanden? Diese Einsicht ist wichtig und impliziert die Forderung nach Mäßigung, nach Suffizienz – strukturell gewährleistet durch entsprechende Verbote/Einschränkungen. Bekanntermaßen sind die V-Wörter Verzicht und Verbot politisch verbrannt. Von einem Experten dürften solche V-Forderungen aber ruhig kommen.

  • Dieter

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    @Tobias:

    Ich wüsste nicht was da eindrucksvoll sein soll außer den ganzen Rechtschreibfehlern.
    Alles andere sind irgendwelche kruden Mutmaßungen und Selbstbeweihräucherung.

  • Lothgaßler

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    Je älter ich werde, desto weniger kann ich nass-kaltes Wetter leiden. Je wärmer, desto besser! Ok, schwül-feucht mag ichs auch nicht, aber 2-3 Grad wärmer als in meiner Jugend, das wäre ein Traum!
    Zur Thematik neue Form des Wirtschaftens:
    a) Tempolimit auf Autobahnen: bis auf wenige fahren fast alle zwischen 100 und 130 km/h, auch ohne Begrenzung. Ich wäre trotzdem für eine Begrenzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, vor allem aus einem Grund: Die Autobauer könnten endlich ihre Modelle abspecken und damit „nachhaltigere“ Modelle anbieten.
    b) 24/7/365: Rund um die Uhr alles verfügbar, samt Schichtarbeit usw. Das umzustellen wird schmerzhaft.
    c) endlich eine schon lange geforderte Einpreisung der sozialen und ökologischen Nebenkosten.
    d) Neubewertung und ggf. Streichung aller Subventionen und Förderungen.

  • R.G.

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    Bitte nochmals, ich habe schon viele Diagramme gezeichnet, aber das oberste verstehe ich NICHT.
    Könnte man so nett sein und erklären, was steht auf der linken Zeile, was auf der unteren, was auf der rechten? So ohne genauere Legende verstehe ich es nicht.
    Es sollte doch für jeden nachvollziehbar sein, oder?

  • XYZ

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    Wesentliche Aufgabe der WTO in Genf ist die Koordination der Wirtschafts- und Handels-Beziehungen der Mitgliedsstaaten, so an die 200, die Industriestaaten und zahlreiche Entwicklungs-Länder. Sie arbeitet mit der Weltbank und dem internationalen Währungsfonds zusammen. Der Klimarat der UN wäre m.E. gut beraten sich deren Erfahrungen zu bedienen: klimaneutraler Handel, wenn nicht Abgaben. Die Wirtschaft wird es letzten Endes akzeptieren da sonst die Kosten der rasanten Klima-Verschlechterung nicht mehr kalkulierbar sind.

  • joey

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    @me
    „Mobilität, Strom und Konsum sind ganz klarer Luxus. Was gibt’s daran zu beanstanden?“

    Schon vergessen? Der Sozialismus baute darauf, daß nur das Notwendige produziert wurde. „Eliten“ legten auf „wissenschaftlicher“ Basis fest, wieviel die proletarische Klasse nötig hatte.
    In Nordkorea ist das alles noch so. Da haben nur wenige ein Auto, die anderen „brauchen es nicht“.

  • Giesinger

    |

    Für R.G.

    Sie haben hier zwei Diagramme übereinandergelegt. Darum auch die zwei Farben. Einmal ein Zeit-CO2-Diagramm und dazu das Zeit-Temperatur-Diagramm. Horizontale Achse Achse ist die Zeit, vertikale-Achse ist die Temperatur (rot) und die dazugehörige CO2-Konzentration. Durch die gleichbleibenden Abstände der beiden Graphen zueinander trotz periodischer Schwankungen über die Jahrtausende, soll der Zusammenhang zwischen Temperatur und CO2-Konzentration dargestellt werden. Auf der rechten vertikalen Achse sehen Sie die Ausreißer nach oben seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts.

  • Giesinger

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    Ansonsten ist mir der Artikel zu sehr einseitig politisch.
    Darüber lese ich hinweg. Neue technische und Wissenschaftliche Erkenntnisse bringt er für mich bisher nicht. Möglicherweise aber für FFF-Jugendliche.

  • Giesinger

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    Gerade in Wahlzeiten verkümmern die Wahlparolen mancher Regensburger Parteien zu „lieber..statt“-Vergleichen.

    Ich würde sagen, vielleicht nicht nur in Ostdeutschland wäre angesagt:

    „Lieber FKK statt FFF!°

  • Julian86

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    Zum XYZ-Hinweis auf die Weltbank:

    „Allein in den letzten fünf Jahren habe die Weltbank zwölf Milliarden US-Dollar für Projekte ausgegeben, die fossile Industrien unterstützen, heißt es in der Studie. Autorin der Untersuchung ist die langjährige US-Expertin für multilaterale Finanzprojekte Heike Mainhardt, die über 675 Energieprojekte der Weltbankgruppe analysierte. Einzelheiten
    http://www.epo.dehttps://tinyurl.com/yxxlzqhr

    Bekanntlich stinkt der Fisch vom Kopf her. Der 2019 neu berufene Chef der Weltbank ist ein Trump-Mann, war schon für die Präsidenten Bush und Reagan tätig.
    https://www.spiegel.de/wirtschaft/weltbank-david-malpass-ist-neuer-praesident-a-1261583.html

    Daher: Otto Normalverbraucher sieht sich einer durch die Neokons dominierten Welt schier ohnmächtig gegenüber.

    Von daher ist Giesingers Hinweis zu verstehen:
    Gehen wir, die Spezies Mensch, so wie sich heute darstellt, also alle gemeinsam
    „demnächst“ baden? FKK oder mit Badeklamotten wäre dann Jacke wie Hose.

    Laut einer Arte-Doku über den Eingriff des Menschen in die Natur wird erwartet, dass die Erde in etwa 200 Jahren ohne Bäume ist. Die sich dadurch selbst verstärkenden Prozesse der zunehmenden Unbewohnbarkeit des Planeten kann sich jeder selbst ausmalen.

    Wird auch dieser Sommer so trocken wie 2018 und 2019 könnten wir das Sterben der bayerischen und böhmischen Bäume vor Ort begleiten.

    In seiner Rede an die Nation wird Trump auf diese globalen Entwicklungen heute gewiss nicht eingehen. Aber die Kanzlerin könnte sich am Ende ihrer politischen Karriere endlich aufraffen, in der solchen Ansprache an die Bevölkerung den Status quo unser Mit- und Umwelt ungeschönt zu beschreiben, um uns allen dann ihre konkrete Vision der im Artikel angesprochenen notwendigen Transformation unserer aktuellen Produktions- und Lebensverhältnissen zu vermitteln.

    Aber was erleben wir? Eine mutloses Weiter-so mit dem Drehen an kleinen Stellschrauben. Präventive mutige Politikgestaltung (wie einst Brandt mit seinen Ostverträgen)? Die den Menschen Mut macht und zum Mittun auffordert?

    Der New Deal von US-Präsident Franklin Delano Roosevelt mit seiner Serie von Wirtschafts- und Sozialreformen war in den 30ern die Antwort auf die Weltwirtschaftskrise. Nicht umsonst nimmt die Kommissionspräsidentin mit ihrer Wortwahl vom Green New Deal darauf Bezug: Heute aber steht die „Weltgemeinschaft“ vor noch nie da gewesenen globalen Umbrüchen in der Umwelt-, Wirtschafts-, Sozial- und Politikgeschichte. Wenn man sich die Leader dieser Welt (Trump, Johnson, Xi Jinping und wie sie alle heißen) anschaut, dann kann man kaum Vertrauen (woraus?) schöpfen, dass diese über ihren eingeschränkten Horizont als nationale „Ego-Shooter“ hinauswachsen und sich ganz im Sinne der Darstellungen von XYZ aufraffen, das notwendige, schrittweise über Jahrzehnte zu realisierende, gemeinsame große Ganze in Angriff zu nehmen.

    Von daher neige ich der These von Jonathan Franzen zu. Gleichwohl bleibt es Aufgabe der Mehrheitsgesellschaft, sich als „Tausendfüßler“ (U. Beck) dem neoliberalen Wahn vernetzt entgegenzustellen (was immer das im einzelnen auf allen politischen Ebenen bedeuten mag).

  • joey

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    @Julian86
    das Waldsterben war schon mal da – in den Medien. Dann ist es nicht gekommen.

    Der historische Urwald ist noch recht gut auf den felsigen Hügeln des Donaustaufer Forsts erhalten: trockenresistente Steineichen. Die großen Ulmen- und Buchenwälder südlich der Donau wurden durch Abholzung (Energiekrise des späten Mittelalters) und Abkühlung (Klimawandel des Mittelalters) fast abgeschafft.
    Klöster und andere Grundherren haben den Raubbau beendet und Waldwirtschaft mit Fichten und Tannen eingeführt. Fichten sind gutes Bauholz und Tannen Brennholz.
    Mittlerweile werden Douglasien als schnellwachsendes Bauholz nachgepflanzt – ein kontrollierbarer und ökoverträglicher Neophyt.

    Kein Grund zur Panik. Vielleicht ist am nächsten Freitag wieder Biologie-, Wirtschafts- und Geschichtsunterricht.

  • XYZ

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    Julian 16.58
    IWF und Weltbank haben schon vor 15 Jahren über internationale Finanztransaktions-Steuern u.a. bei Waffen und CO2 ohne Ergebnis diskutiert. Vl. käme da die WTO besser zu Stuhle, deren primäre Aufgabe die Förderung der weltweiten Entwicklung und des Wohlstands beim Handel ist, auch i.S. von Klima und Gesundheit, Stichwort fair trade?

  • XYZ

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    Die Krönung beim internationalen Handel ist nun das corona-virus, vom lat. Siegeskranz oder Krone: es wird produziert und verschifft und gewinnbringend ins Ausland verlagert, wobei in China die Menschen schon vorher Masken trugen und die Hochhäuser im Abgas-Dunst verschwanden. Klimawandel interessiert nicht soweit es uns nicht betrifft – tut es aber nicht, die Welt ist nicht abgrenzbar.

  • Piedro

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    @joey
    „das Waldsterben war schon mal da – in den Medien. Dann ist es nicht gekommen.“
    Zu schade, was? Die gesetzten Maßnahmen, vor allem die Reduzierung von Schwefelemissionen durch bleifreies Benzin und Rauchgasentschwefelung der Kraftwerke, hat sehr bald Wirkung gezeigt. Die Schädigung von ca. 1/3 des Waldbestandes war real, und schwere Waldschäden sind es bis heute. Das lässt sich nicht mit Polemik wegwischen. Heute ist nur etwas mehr als ein Drittel der Wälder in D-Land schadensfrei. Kein Grund zur Panik, trotzdem Fakt.

    Sollte Sie das Thema interessieren, das ist ein guter Einstieg: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldsterben

  • Giesinger

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    Sorry, @ Piedro:
    Das Waldsterben lag neben der Emissionsbelastung vor allem an der Monokultur.
    Das sagt ein alter weißhaariger Mann.

  • XYZ

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    Noch eine Idee: warum verfassen die kids and parents of future nicht eine eigene Resolution an die presidents of UN und anderer internationaler Organisationen? Etwa: Wir leben in einer uralten römischen Stadt, von der richtungsweisende Beschlüsse ausgingen. Wir sind besorgt um unsere Zukunft. Auch hier macht sich der Klimawandel bemerkbar.
    Wir bitten um eine internationale Regelung der weltweiten Problematik. Details Pr.Sterner.

  • Julian86

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    In Ergänzung von XYZ :
    Und die Kids/Parents of Austria ergänzen, dass ihre neu gewählte Regierung „gegen allen Menschenverstand“ (Scheuer) agiert, und die größen CO2-Schmutzfinken privilegieren will.

    „Größte Schadstoff-Produzenten werden von CO2-Steuer ausgenommen“
    https://kontrast.at/co2-steuer-regierung-steuerreform/

    Werden die deutschen Grünen in einer potentiellen Koalition mit der Union sich auch so verhalten? Damit sie aus machtpolitischen Gründen nicht ihren grünen Pfad (?) verlassen, sollte B90/Die Grünen dann schon 2021 Mehrheitspartei werden. Ist aber noch lange hin. Wer weiß, was bis dahin alles den Bach runtergeht?!

  • joey

    |

    @piedro
    ich habe noch nie behauptet, daß es dumm wäre, etwas zu lernen. Monokulturen (derart großflächig sowieso erst nach dem 1. Weltkrieg) sind eben sehr anfällig für alles, deshalb baut man sie jetzt auch um. Man lernt (ganz kapitalistisch… und bereits seit Jahrzehnten), daß Monokulturen jedweder Art den Ertrag nicht immer steigern.

    Agrarchemie kostet viel Geld, daher hat jeder Landwirt auch ein Eigeninteresse an einer „Natur“, die ihm möglichst viel Geldertrag bringt. Wildschweine und Biber haben da ganz andere Interessen: der blanke Raubbau. Deswegen ist „Natur“ oder „Schaden“ reine Definitionssache.

  • Piedro

    |

    @joey
    „ich habe noch nie behauptet, daß es dumm wäre, etwas zu lernen.“
    Das wäre auch ziemlich dumm, und dumm sind Sie ja nicht.

    „Man lernt (ganz kapitalistisch… und bereits seit Jahrzehnten), daß Monokulturen jedweder Art den Ertrag nicht immer steigern.“
    Schön wär’s. In der Forstwirtschaft ist die Umstellung inzwischen erforderlich, wegen Temperaturanstieg und weniger Regen. Hätte man schon seit Jahrzehnten umgestellt, wäre das Problem der Forstwirte weniger dringend.

    In der Landwirtschaft hat sich diese Erkenntnis gerade da nicht durchgesetzt, wo die Bewirtschaftung durch Konzerne geschieht, also vor allem in Ostdeutschland, wo echte Bauern eher die Ausnahme sind.

    „Wildschweine und Biber haben da ganz andere Interessen: der blanke Raubbau. Deswegen ist „Natur“ oder „Schaden“ reine Definitionssache.“
    Nun werden Sie mal nicht kleinlich. Der Schaden durch sauren Regen war eher nicht natürlich, der Schaden durch Wassermangel oder Temperaturanstieg ist es, gewissermaßen. Und mit Wildschweinen und Bibern müssen wir leben – und sollten das auch wollen. Diese Schäden wären zwar durch radikalen Abschuss vermeidbar, aber so weit hat sich das Wirtschaften schon umgestellt, dass die Ertragsinteressen nicht an erster Stelle stehen.

    Im Bezug auf die im Artikel eingeforderte Umstellung lässt der kapitalistische Lernprozess allerdings auf sich warten. Man hält die zu erwartenden Schäden entweder für akzeptabel, oder es ist den Strippenziehern schlicht wurscht, weil sie lieber steinreich in einem privaten Klimaressault verweilen als mit weniger Profit auf einem Planeten, der nicht für ganze Völker unbewohnbar wird. Jedenfalls hat es diesen Anschein.

  • joey

    |

    @piedro
    Ein Biber hat hier in der Nähe ein Fledermausreservat zerfressen. Dem ist Artenschutz völlig wurscht. Die Fledermäuse müssen eben mit „dem“ leben… oder sie können es halt nicht.

    Konzerne sind nicht immer schlau. Es sind ja schon viele untergegangen, besonders schnell die im Sozialismus, die die Riesenstrukturen angelegt haben. Wenn ein anderer Konzern (B) besser wirtschaftet, kriegt er mehr Investoren und frißt evtl. irgendwann (A).
    Manager, die kurzfristig abkassieren und Raubbau betreiben, sind seit Middelhoff grundsätzlich schon bekannt. Ineffiziente und korrupte Strukturen beseitigt man aber nicht mit Sozialismus, sondern mit (Investoren-) Wettbewerb. Oder können Sie mir ein Gegenbeispiel nennen?

  • Piedro

    |

    @joey
    Mei, was haben Sie denn immer mit Sozialismus? Und für was hätten Sie gern ein Gegenbeispiel? Ein regulierter Markt ist nur für Extremisten und Wirtschaftsanarchisten „sozialistisch“. Die soziale Marktwirtschaft ist per sé reguliert, in verschiedener Hinsicht, und das ist gut so. Mit der „neuen Form des Wirtschaftens“ hat Herr Sterner wohl eher keinen Sozialismus im Sinn, sondern eine Gesetzgebung, die es, möglichst global, ermöglicht die politisch bereits definierten Klimaziele zu erreichen. Dazu braucht es allerdings andere Figuren als sich derzeit im Parlament und auf der Regierungsbank aufpudeln. Mit halbgaren Versprechungen, Lobbypolitik und außenpolitischem Vollversagen geht das nicht. Da ist langsam mal Konsequenz angesagt, oder halt Konsequenzen. Und das nicht nur bei uns, der größte Flappmann sitzt in Wien. Neben einer sehr speziellen Lügenkultur agiert er auch für seine Gönner (und die seiner Partei, die dabei auch gern gegen geltendes Recht verstößt) nach Gutsherrenart. Ein so ein kurzer Wicht hat gereicht um eine europäische Finanztransaktionsregelung zu verhindern. In Austria hat er Großkonzernen Steuererlass in Milliardenhöhe verschafft (während die Mindestsicherung und Familienbeihilfen gekürzt, Förderprogramme komplett gestrichen werden), sondern auch die ärgsten Atmospährenvergifter von der C0²-Regulierung ausgenommen. Neoliberale Politik beerdigt das Sozialstaatprinzip und verhindert eine ökologische Notwendigkeit. Aber aufgeregt wird sich über FfF, weil die Kids keine Ahnung, aber die Eltern mein Auto haben. Deppentanz bis zuletzt.

    Und das mit den Fledermäusen: kann passieren. Irgendwer wird immer gefressen. Aber kein anderes Viech richtet den Planeten zugrunde, nur der mental gestörte Affe, der sich Mensch nennt.

  • Piedro

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    Nachtrag. Falls wer nachlesen will, was da in Österreich in Sachen C0² passiert: https://kontrast.at/co2-steuer-regierung-steuerreform/ . Was Klimapolitik angeht kommt dieser kurze Wicht gleich hinter Trump. Was Lügen angeht auch. Lässt sich auf dieser Plattform nachlesen.

  • Hthik

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    @Giesinger 4. Februar 2020 um 22:20

    „Sorry, @ Piedro:
    Das Waldsterben lag neben der Emissionsbelastung vor allem an der Monokultur.“

    Nur so aus dem Gedächtnis war die Kohortensenilität mitverantwortlich. Das ist Monokultur plus Anpflanzen zur gleichen Zeit. Die Bäume werden dann gleichzeitig alt und anfällig.
    Das sagt ein alter weißhaariger Mann.

  • Hthik

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    @Lothgaßler 3. Februar 2020 um 22:11

    „Je älter ich werde, desto weniger kann ich nass-kaltes Wetter leiden. Je wärmer, desto besser! Ok, schwül-feucht mag ichs auch nicht, aber 2-3 Grad wärmer als in meiner Jugend, das wäre ein Traum!“

    Das ist aber eine mittlere Erwärmung. Ein Rekordhitzewelle jährlich verteilt sich über das ganze Jahr. Daran sterben häufig Ältere.

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