Sofortige Stilllegung gefordert

Krematorium: Woher kamen die Giftschläuche?

In einem Raum, aus dem die Frischluft für die Trauerhalle im Regensburger Krematorium kommt, wurden „zufällig“ mehrere Säcke voller Filterschläuche mit giftigen Rückständen gefunden. Das hat die Stadt Regensburg zwischenzeitlich eingeräumt. Wie diese Schläuche dorthin kamen, „entzieht sich unserer Kenntnis“, heißt es auf Nachfrage. Stadtrat Christian Janele fordert nun die sofortige Stilllegung des Krematoriums.

Der Skandal um das Krematorium Regensburg hat viele Facetten. Foto: rw

Sie lesen sich wie Schlagzeilen der Satire-Seite „Der Postillion“: „Einbeiniger besucht sein Amputat am Grab“ oder „Mann, der Totalsanierung des Krematoriums plant sagt, dass das Krematorium völlig vorschriftsmäßig funktioniert“ oder „Stadt investiert über drei Millionen in problemlos funktionierendes Krematorium“. Doch in Regensburg ist all das keine Satire, sondern Realität und die neuste Schlagzeile könnte lauten: „Stadt weiß nicht, wie Giftschläuche aus ihrem Krematorium in ihr Krematorium kamen“. Doch von Anfang an.

Seit fast zwei Jahren ermittelt zwischenzeitlich die Staatsanwaltschaft wegen mehrerer Vorwürfe: Verbrennung von Pathologieabfällen mit den – fast möchte man sagen – Bestattungsopfern, Unterschlagung von Kollektegeldern, Betrug bei den Abrechnungen, illegale Müllentsorgung und Körperverletzung. Ein langjähriger früherer Mitarbeiter, der seine eigene Beteiligung an Straftaten offen eingeräumt hat, belastet auch Führungskräfte in der Regensburger Stadtverwaltung.

Dass das Krematorium in vielfacher Hinsicht in der Vergangenheit belegbar nicht vorschriftsmäßig funktioniert hat (Lesen Sie dazu unsere große Recherche vom vergangenen Jahr.), wird sowohl von der Stadt als auch vom mit der Totalsanierung beauftragten Ingenieur ebenso ignoriert wie die Aussagen des früheren Mitarbeiters. Offiziell existiert dieser Mann nicht. Unter der Hand tut man das Ganze als Kampagne der Konkurrenz ab.

Entsorgte Schläuche tauchen plötzlich wieder auf

Durch einen Bericht der Rundschau wurde nun vor zwei Wochen ein weiterer Vorwurf öffentlich. In einem Raum, aus dem die Frischluftzufuhr für die Trauerhalle kommt, wurden mehrere Säcke mit ausrangierten Filterschläuchen eingelagert. Eine Gesundheitsgefährdung für Trauernde?

Laut Auskunft der Stadt Regensburg müssen die Schläuche der Filteranlage im Krematorium im Schnitt alle acht Jahre ausgewechselt und entsorgt werden. Zuletzt sei dies 2012 erfolgt, heißt es auf Nachfrage. „Hierfür liegen der Stadt Entsorgungsnachweise vor.“

Nur einen Monat eingelagert? Das Foto zeigt laut eidesstattlicher Versicherung die Müllsäcke mit den Filterschläuchen in dem Raum, aus dem die Frischluftzufuhr für die Trauerhalle kommt.

Dennoch gibt es Fotos, die circa 15 bis 20 Müllsäcke mit Filterschläuchen zeigen, die in besagtem Raum im Krematorium lagern. Bei der Stadt Regensburg räumt man ein, dass man jene Säcke im September 2017 „zufällig gefunden“ habe. Allerdings sei der Raum noch einen Monat zuvor – am 2. August 2017 – von einer Fachfirma im Rahmen der jährlichen regelmäßigen Wartung überprüft worden. „Der vorliegende Regiebericht dieser Fachfirma enthielt keinen Hinweis auf Säcke/ Filterschläuche, so dass davon ausgegangen werden kann, dass diese am 2. August 2017 dort noch nicht lagen“, heißt es von Seiten der Stadt.

Stadt schließt Gesundheitsgefährdung aus

Bislang gab es „lediglich“ den Vorwurf, dass Mitarbeiter des Krematoriums wegen austretender Rauchgase einer Gesundheitsgefährdung ausgesetzt gewesen seien. Im Fall der eingelagerten Filterschläuche, die von giftigen Stäuben verunreinigt waren, wäre auch die Trauerhalle und damit ein weitaus größere Anzahl von Personen betroffen.

Die Stadt schließt eine Gesundheitsgefährdung aus. Einerseits wegen der (angenommenen) relativ geringen Einlagerzeit von einem guten Monat. Andererseits schätzt man die möglich Gefährdung generell eher als gering ein: „Die Filterreste in den Schläuche werden beim Wechsel vor dem Ausbau durch eine Fachfirma mittels Druckluft abgelöst. Die dann trotzdem noch verbleibenden geringen Reste in den Schläuchen können sich nicht ohne weiteres vom Filtermaterial lösen.“

Woher kamen die Säcke? „Das entzieht sich unserer Kenntnis.“

Doch woher kamen die Säcke mit den Filterschläuchen, wo doch für 2012 ein Entsorgungsnachweis vorliegt? Wer hat sie dort eingelagert? Das „entzieht sich unserer Kenntnis“, so die Stadt. Man habe die Schläuche nach dem Fund ordnungsgemäß entsorgt, heißt es lapidar.

Bei der Staatsanwaltschaft will man sich nicht zu konkreten Einzelheiten beim Komplex Krematorium äußern. Es gebe mehrere Ermittlungsverfahren und Vorermittlungen in der Sache, so ein Sprecher. Zu diesen dürfte sich nun auch die Causa Filterschläuche gesellt haben. Nach Auskunft eines Informanten liegen sowohl die Fotos als auch eine eidesstattliche Versicherung des früheren Mitarbeiters bei der Staatsanwaltschaft, der offenbar aussagt, dass die Schläuche über mehrere Jahre in dem Raum gelegen seien.

Stadtrat fordert sofortige Stilllegung 

Christian Janele hat sich nun des Krematoriums angenommen. Foto: Archiv/ Staudinger

Im Stadtrat war es zuletzt noch die CSU-Fraktion, die die Stadtverwaltung mit kritischen Nachfragen bombardiert hatte. Doch nun scheint man auch dort des Nachfragens leid geworden zu sein. Auf die aktuellen Vorwürfe hat bislang lediglich CSB-Stadtrat Christian Janele reagiert.

Er fordert in einem Antrag, der im kommenden Monat in den Ausschüssen und im Stadtrat diskutiert werden wird, bis zur Klärung aller Vorwürfe eine sofortige Stilllegung des Krematoriums. „Es ist nicht hinzunehmen, dass die Stadt seit Jahren die gravierenden Missstände, die im Krematorium herrschen, vertuscht und die Vorkommnisse gegenüber uns Stadträten verharmlost, bestenfalls lediglich in Bruchstücken informiert“, so Janele.

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Kommentare (5)

  • Rosalia Genoveva

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    Mei, wenn man die Gesamtbelastung pro gegangenen Stundenkilometern im Gegenwind eines Hochdrucksgebietes ausrechnet und durch die Anzahl der Trauernden dividiert, sieht man glei, dass das weniger wie die Aggressivität von Neophyten wie dem Bärenklau ausmacht.

    Merkts euchs, so rum grechnet ist alles OK!

  • Lothgaßler

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    Man möchte sagen: Das mit den Säcken war sicher eine Panne, die sollten doch schon lange verbrannt sein.
    Mir scheint der Betreiber des Krematoriums nicht besonders zuverlässig zu sein, kann die Betriebsgenehmigung entzogen werden?

  • Rosalia Genoveva ; )

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    Also es könnte gut sein, dass die, die was zum Überprüfen kommen täten, in der Schule keine Anatomie nicht ghabt hätten und nachher müssten sie glauben, solchene Giftschläuch sind in uns alle inwendig drinnen.

    Derweil hab ich keine, weil ich bin eine Frau.

    Ganz ehrlich, beim Fazi bin ich mir sicher, bei dem muss es entweder im Vergleich zu uns Weiber falsch dimensionierte Schläuch in seinem Bauch geben oder ein Filter in der Abgasanlage nicht richtig geplant sein vom Schöpfer.

    Wenn der Bonifaz ein Gutachter wär und Filterschläuch oder anderes stinkendes Gerümpel von einer Abluftanlage in Säcken rumliegen sehen tät, glaubert er sicher, das ist von einem Mann wie ihm.
    Er würde pietätvol ein Vater Unser über den Sachen beten und schnell den sich aufwölbenden Magen mit einem Schnäpsle beruhigen gehn.

    Schon mal dran gedenkt, liebe Dschurnaillie, dass die Säcke mit die Schläuch von einem gestandenen Mannsbild aus Pietät unberührt daglassen worden sein könnten?

  • eduardo

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    Dem Stadtrat C. Janele sollte man schleunigst hohes Lob aussprechen, weil er auf die giftigen Überreste hinwies. Um eine sog. Panne kann es sich nicht gehandelt haben; die giftige Reste lagen schon über längere Zeiträume herum.
    Und was tat die Verwaltung mit dem Herrn Dr. Schörnig an der Spitze?: NICHTS.

  • Name Stern

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    Ich gehe mal davon aus, dass diese „Genoveva-Posts“ nicht nur meine Geduld strapazieren, da der Inhalt selten bis nie das Thema (sinnvoll) auch nur streift und m.E. leider auch nicht zum Gaudium taugt. Wenn man Sie, Genoveva, im Übrigen weiterhin für eine Frau halten soll, dann empfehle ich entweder eine saubere Rasur, oder Sie lassen sich beim Schreiben in der Kneipe nicht über die Schulter schauen, gellt? Ich bin sicher: Sie bringen inhaltlich besseres zuwege. Zeigen Sie’s uns!

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