SOZIALES SCHAUFENSTER

Nach Bericht von regensburg-digital

McDonald’s will zu Unrecht gekürztes Weihnachtsgeld nachzahlen

Nach unserem Bericht über die tarifwidrigen Kürzungen des Weihnachtsgeldes reagiert das Unternehmen von McDonald’s-Lizenznehmer Frank Mosher nun. Man werde „die Ausschüttung der Weihnachtsgelder überprüfen und berichtigen“.

Erst keine, jetzt eine schnelle Reaktion: „Burgermeister“ Frank Mosher will „selbstverständlich“ die Ausschüttung des Weihnachtsgeldes „korrigieren“. Foto: pm/McDonald’s Regensburg

„Die Firma Frank Mosher Restaurants e.K. hat sich mit ihrer Rechtsbeistand ausführlich und intensiv beraten lassen. Es stellte sich heraus, dass die vorhandene Betriebsvereinbarung nicht mehr gültig ist. Daher wird die Firma Frank Mosher Restaurants e.K. selbstverständlich und auch unverzüglich die Ausschüttung der Weihnachtsgelder überprüfen und berichtigen.“

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So lautet das knappe Statement, dass die Direktorin und Prokuristin von „Burgermeister“ Frank Mosher heute an unsere Redaktion geschickt und zuvor schon als Kommentar im Forum veröffentlicht hat.

Tarifwidrige Vereinbarung seit 2007

Wie berichtet, hat das Unternehmen des CSU-Stadtratskandidaten Frank Mosher, der allein Regensburg sieben McDonald’s-Filialen als Lizenznehmer betreibt, seinen Beschäftigten in der Vergangenheit das Weihnachtsgeld gekürzt, wenn sie eine bestimmte Zahl von Krankheitstagen überschritten hatten. Bisweilen wurde der ohnehin geringe Betrag (zwischen 415 bis maximal 560 Euro nach neun Betriebsjahren) bis auf null gekürzt.

Begründet wurde dies mit Vereinbarung, die man im Jahr 2007 mit dem Betriebsrat geschlossen hatte. Die Regensburger Jusos hatten diese Vereinbarung als tarifwidrig kritisiert – und damit hatten sie recht. Wie Rainer Reißfelder, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG, gegenüber regensburg-digital erläutert, sieht der entsprechende Tarifvertrag mit dem Bundesverband Systemgastronomie eine Kürzung des Weihnachtsgeldes wegen Krankheitstagen nicht vor. So etwas gebe es zwar bei manchen anderen Branchen, aber hier sei das ausdrücklich nicht vorgesehen. „Es gibt auch keine Öffnungsklausel, die eine Abweichung von dieser Regelung zulässig machen würde.“

Betriebsrat wollte von nichts wissen

Den Betriebsrat hat Reißfelder in der Vergangenheit bereits mehrfach darüber informiert – ohne irgendeine Reaktion. In Moshers Unternehmen – zumindest bei der Lohnbuchhaltung – war man sich aber offenbar schon in der Vergangenheit darüber bewusst, dass die Betriebsvereinbarung vor Gericht keinen Bestand haben würde. „Immer wenn wir für Kolleginnen und Kollegen dagegen vorgegangen sind, wurde das volle Weihnachtsgeld am Ende ohne Murren ausgezahlt“, berichtet Reißfelder.

Wie viel will Mosher „zurück geben“?

Nimmt man die heute verschickte Presseerklärung des Unternehmens, soll diese Praxis künftig der Vergangenheit angehören. Zunächst hatte Mosher seit vergangenen Freitag nicht auf eine Anfrage und die Bitte um Stellungnahme reagiert. Nach unserem Bericht vom Mittwoch ging es nun sehr schnell. Eine Rückfrage dazu, für welchen Zeitraum er bei seinen Beschäftigung „die Ausschüttung der Weihnachtsgelder überprüfen und berichtigen“ lassen will, ließ seine Prokuristin bislang unbeantwortet. „Tarifwidrig waren die Kürzungen von Anfang an, also seit 2007“, sagt Gewerkschaftsvertreter Reißfelder. Rein rechtlich ließen sich aber nur noch die einbehaltenen Gelder für das vergangene Jahr zurückfordern.

Doch wer weiß: In seinem Wahlkampf um den Einzug in den Stadtrat verspricht Frank Mosher aktuell, den Regensburgerinnen und Regensburgern „was zurückgeben“ zu wollen. Vielleicht sogar die vorenthaltenen Weihnachtsgelder seiner Beschäftigten seit über zehn Jahren.

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Kommentare (7)

  • joey

    |

    Das Licht der Öffentlichkeit…

    Den Betriebsrat sollte man nun aber auch noch prüfen. Gab es vielleicht Reisen?

  • Bürgermeister Dragoslav

    |

    Des isch korrekte Mann. Wenn verstoße gegen 11. Gebot: der Schiri derf nix sehen und wirsch trotzdem erwischt und du kriegsch gelbe Karte. Musch gefaulde Spieler spezigeste machen auf Trage helfe. Dann der Schiri is gerührt wie gute Mocca. Lebe ist einzige Fußballspiel.

  • Lothgaßler

    |

    „e. K.“ steht das nun für ehrlichen Kaufmann? Hoffentlich zahlt Mosher nicht in Gutscheinen aus. Dieser Betriebsrat ist scheinbar ein besonderer Betriebsrat, die Beschäftigten sollten das mal überdenken.

  • klara

    |

    Es ist unglaublich. Den Mitarbeitern (die meist der deutschen Sprache so gut mächtig sind) wird wahrscheinlich bei der Wahl des Betriebsrats „vorgegeben“, wo das Kreuz gemacht werden soll. Der Betriebsrat hat dies schamlos ausgenutzt und nicht die Interessen und vor allem die Rechte der Mitarbeiter vertreten. Sehr traurig. Was ein 73-jähriger Multimillionär im Stadtrat möchte? Welche Interessen welcher Regensburger Millionäre möchte er dort vertreten?

  • Piedro

    |

    @klara
    Es kann auch sein, dass die Wahl an großen Teilen der Belegschaft völlig vorbei geht und eine „treue“ Wählerschaft den inaktiven Betriebsrat gewährleistet.

    „Welche Interessen welcher Regensburger Millionäre möchte er dort vertreten?“
    So weit ich weiß setzt sich der Burger-King für Sauberkeit ein. Das liegt nicht um im Interesse von Millionären. Sauberkeit ist super, eine echt saubere Sache. Ob das jemand kann, der von einer derart unsauberen Betriebsführung profitiert, kann jeder selbst beurteilen. Vorausgesetzt, er ist über diese Causa, oder über sein „Verkehrsleitsystem“, das „willkürlich“ beanstandet wurde, informiert ist.

  • Jakob Friedl

    |

    Zum Themen-Foto: „pm/McDonald’s Regensburg“, Mosher gibt ne Runde aus, oder „Wie viele Cheesburger passen in einen Elefanten?“ eine Saubermannfrage vom Europabrunnendeckelprojekt 2010 …wegen der Verpackungen:
    https://youtu.be/-k58c3ujeMs

  • Monetäre Kriterien

    |

    Genau liebe Mc-Bedienstete, nehmt Euch einfach einen anderen Job – muss ja nicht der gleiche Sektor sein.*

    Einige werden dann andere Nahrungsquellen suchen müssen, aber Money scheint ja vorhanden zu sein. Nur Mut, das klappt schon.

    *z.B. als Arbeitsvermittler/in, der auch mal sagt: „Also diese Stelle würde ich ihnen nicht empfehlen, das ist nicht’s für sie. Aber wenn sie unbedingt wollen, dann mach‘ ich jetzt alles fertig und der Fall ist erledigt.“

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