Missbrauchsfälle: Bischof im Clinch mit FDP

Angriff ist die beste Verteidigung. Getreu diesem Motto hat der Regensburger Bischof Gerhard Müller gestern Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger attackiert. Wenn Schnarrenberger behaupte, die katholische Kirche behindere die Aufklärung von Missbrauchsfällen, dann sage sie die Unwahrheit, so Müller. Er forderte Leutheusser-Schnarrenberger auf, für diese Behauptung zurückzunehmen und „ihre Amtsautorität nicht für derartige Übergriffe zu instrumentalisieren”. Der Regensburger FDP-Bundestagsabgeordnete Horst Meierhofer hat heute auf Müllers Anwürfe reagiert. Müller müsse „zur Kenntnis nehmen, dass es die Opfer gibt”. Ein Beweis sei damit obsolet. „Die Justizministerin missbraucht ihre Amtsautorität nicht. Im Gegenteil: sie nutzt diese, um auf einen lange vernachlässigten Missstand hinzuweisen”, so Meierhofer. „Ich bin der Ansicht, dass unabhängig von der Frage der Verjährung, sich die Kirche möglichen Entschädigungsforderungen nicht verweigern, sondern diese von sich aus anbieten und über eine angemessene Form nachdenken sollte.” Das Bistum Regensburg hat unterdessen den Rechtsanwalt präsentiert, der im Auftrag der Kirche Gerichtsakten verurteilter Missbrauchsstraftäter der 50er und 60er Jahre bei Gericht einsehen und mit den Personalakten und anderen Daten der Diözese abgleichen soll. Der Nürnberger Dr. Andreas Scheulen (Foto) ist Fachanwalt für Familienrecht, Strafverteidiger und im Sozial- und Betreuungsrecht tätig. Laut Angaben des Bistums ist Scheulen erfahren im Umgang mit Trauma-Opfern.

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Kommentare (13)

  • Joachim Datko

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    Allen Respekt vor der FDP!

    Hoffentlich gibt es noch weitere Parteien, die keine Bücklinge vor der katholischen Kirche machen.

    Meine Tipps:

    — Schüler sollten keinen katholischen Religionsunterricht besuchen. Es geht um die geistige Freiheit!

    — Austritt aus der katholischen Kirche: In Regensburg beim Standesamt (Kosten: 25 Euro, Ausweis mitnehmen)

  • Mathilde Vietze

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    Es ist immer dasselbe Lied: Entweder ist es die „kirchenfeindliche“ Presse, die das, was manche
    Oberkleriker gerne vertuschen möchten, aufklärt (die Ewiggestrigen sagen aufbauscht) oder aber
    in diesem Fall die bösen Politiker.
    Daß die Mißstände im System liegen, wollen die Herren nicht wahrhaben, denn, wenn ein ernst-
    zunehmender Christ die hinterwäldlerische Sexualmoral der katholischen Kirche kritisiert wird
    er mit dem Totschlagargument, er wolle der Zügellosigkeit das Wort reden, diffamiert.
    Dank einer mutigen Presse können auch Müller & Co nichts mehr unter den Teppich kehren.

  • Sir Sonderling

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    Die Lösung: Austreten! Packt die Schwarzkittel da, wo es Ihnen einzig weh tut: am Geld!
    Keinen Cent mehr an totalitäre Organisationen überweisen.
    Es gibt so viele humanitäre Aktionen, die Ihr Geld dringender benötigen, als um davon bizarre Kostüme für anmaßenden („im Namen Gottes“) Mummenschanz zu beschaffen!

  • Bernd Henneberg

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    Da könnte man sich doch auch mal mit dem Prälaten Hösl beschäftigen. Der hatte als Religionslehrer in der Pestalozzischule den sagenhaften Ruf als prügelnder Lehrer. Und ausserdem war er ein begnadeter Pfarrer. Als 1945 in der Furtmayerstraße 2 Häuser zerbombt waren, schickte der Blockwart die ausgebombten Familien in den Keller des daneben stehenden Pfarrhauses. Pfarrer Hösl, damals noch nicht Prälat, verwies eine Familie des Hauses mit den Worten: Sie sann doch evangelisch, sie ham hier nix zum suchen. Wenn die Mutter mit 3 kleinen Kindern damals den Blockwart davon unterrichtet hätte, hätte man den Pfarrer kurzer Hand erschossen. Sie hat es nicht getan und dafür durfte dann 40 Jahre später doch noch eine Straße nach ihm benannt werden.

  • Herbert W.

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    @ Mathilde Vietze:

    1. Glückwunsch! Sie haben soeben zum 100000 mal das Wort „ewiggestrig“ benutzt (Bei der Auswertung wurden berücksichtigt: Dieses Forum, das eines regionalen TV-Senders sowie eine große bekannte regensburger Zeitung)

    2. „Ewiggestrig“ sind übrigens Sie. Die neue deutsche Rechtschreibung ist mit ihrer wunderbar anmutenden „ss“-Schreibung bereits seit Jahren in Kraft und gilt auch für eine Lyrikvirtuosin und „ich-wär-gern-wichtig-in Regensburg-und-hätte-gern-was-zu-Melden“- Person wie Sie.

    3.Und jetzt mal halblang: Soweit ich das von der Homepage des Bistums( auf die sich ja wohl dieser Artikel bezieht)entnehme, bittet der Bischof anscheinend nur, die Justizministerin zu beweisen, dass die Kirche angeblich Missbrauchsfälle vertuscht. Und auf diesen Beweis bin ich übrigens auch gespannt. Polemisch herumschreien “ Die Kirche vertuscht“ oder „Die Kirche deckt Verbrecher“ oder aber “ Der Zölibat ist schuld“ kann man nämlich leicht. Aber Frau Vietze, sie in Ihrer Erfahrung und Ihrer Allwissenheit, können da bestimmt weiterhelfen. Haben Sie konkrete Beweise?? Haben sich Opfer konkret an Sie gewandt, dass das, was ihnen widerfahren wurde vertuscht wurde? Kennen Sie einen der Täterpriester, der zu Ihnen konkret gesagt hat, die Struktur der Kirche sei schuld an seinem Fehlverhalten? Nein?
    Dann würd ich mal einen Gang runter fahren und einfach mal Frühlingsgedichte schreiben. Ist doch auch was Nettes.

  • Veits M.

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    Wenn die Wahrheit an die Oberfläche drängt, die nur noch dünne Eisdecke des jahrelangen Schweigens durchbricht, braucht es dann noch irgendeines Beweises – wo die Fakten unstreitig, allgemein und amtsbekannt dahertreiben, einfach so, auch weil die Menschen Mut, Rückgrat und demnach Haltung beweisen, schon um ihrer selbst willen?

  • C.V.

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    Zu der Frau mit dem Doppelnamen: Die kann man doch nicht ernst nehmen. Sie ist doch Mitglied des Beirats der Humanistischen Union. Ist doch klar, dass die gegen die Kirche schießt. Also ist sie schon mal mehr als eingenommen.
    Achso, und was die angebliche Vertuschungssache der Kirche angeht..hm…wie war denn das mit dem Sohn der Justizministerin? Hat der nicht eine Zeit lang illegale Drogen im mütterlichen Wintergarten angebaut, ohne, dass die Öffentlichkeit bescheid wusste?

  • U. Lechte

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    Seit wann soll Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen Sohn haben? – Hat Sie nicht! Und selbst wenn Sie einen hätte, der bei Ihr im Wintergarten Cannabis o.ä. angebaut hätte, dann müsste man Ihr erst mal nachweisen, dass Sie den Acker gedüngt und selber die Gartenkralle geschwungen hätte. Was ist denn das für eine Argumentation???

    Fakt ist, dass eine vom Heiligen Stuhl erlassene, kircheninterne Regel (wohl aus dem Jahr 2001) besagt, dass Mißbrauchsfälle zunächst an die kirchlichen Institutionen und nicht an die stattlichen Behörden zu melden seien und man i.d. Regel versucht, dererlei Fälle innerhalb der katholischen Gemeinschaft zu regeln. Hierauf bezieht sich Frau SLS in Ihrer Kritik.

    Ich selber war auch auf einem katholischen Internat, dass – dem Himmel sei Dank – die Pratiken der Zucht (und des Missbrauchs) lange verbannt hatte. Habe der Kirche also einiges zu verdanken – doch nicht hörig, sondern kritisch-konstruktiv eingestellt muss ich festhalten: die Kirche ist in dem Punkt des Verschweigens schon mehrfach überführt worden (z.B. Pfarrer in Riekofen). Informationen werden nur gestellt, wenn Sie nicht mehr zurückhaltbar sind. Wenn die Kirche mit der Staatsanwaltschaft immer zusammengearbeitet hätte, bräuchten wir heute keine Diskussion über die Verjährungsfristen dieser Taten!

  • Bert

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    @c.v.

    jetzt wird’s aber ganz schön primitiv. gehen ihnen die argumente aus, weil sie mit falsch- bzw. irrelevanten behauptungen versuchen, die ministerin zu diffamieren?

  • Helmut Matias

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    Allen Respekt (nur in diesem Fall) vor der FDP, nur die ist mutig genug gegen den Frust und Kalk der kath. Kirche aufzulehnen:
    Die Katholiken sollen doch endlich aufwachen. Bischof Müller macht Fehler, Fehler, (hoffentlich) wieder auf Kosten seiner Berater. Leider glauben bestimmte Menschen alles, auch wenn es längst (wissentschaftlich) überholt ist. Denen sollte man einmal folgende Statistik vorlegen:
    Anzahl der bekannten Fälle (Misshandlung und Vergewaltigung) im Verantwortungsbereich der kath. Kirche, der ev. Kirche und in den konfessionsfreien Schulen. Vielleicht können dann die Gläubigen doch noch nachdenklich werden. (Ich kenne leider noch keine glaubwürdige Statistiken). Es ist für mich unbegreiflich, was sich der Katholizismus heute noch leisten und -die lokale Politik- beeinflussen kann.
    MfG

  • Barbara Junghans

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    @ Bernd Henneberg

    Irgendwie scheint die Stadtverwaltung kein besonders glückliches Händchen für Straßennamen zu haben. Denn wenn man Ihnen glauben darf, was ich mal annehme, dann war Pfarrer oder Prälat Hösl, der Florian Seidl als Namensgeber abgelöst hat, doch kein so würdiger Namensgeber. Pikant, pikant!

  • Joachim Datko

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    Keine „christlichen“ Namensgeber für Straßen

    Zu „Barbara Junghans 14. März 2010 um 15:36 Uhr „Denn wenn man Ihnen glauben darf, was ich mal annehme, dann war Pfarrer oder Prälat Hösl, der Florian Seidl als Namensgeber abgelöst hat, doch kein so würdiger Namensgeber.“

    Wenn man sich die verschrobenen Vorstellungen der Priester mit Teufel und Hölle ansieht, sind sie meiner Ansicht nach für Straßennamen ungeeignet. Die passen einfach nicht in eine moderne Gesellschaft, das ist tiefstes Mittelalter.

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