Physik hautnah

Warum ist Mehl ein billigerer Brennstoff, als Heizöl? Wie entstehen Tornados? Und warum kann eine Bahn in der Luft schweben, ohne umzukippen? Solche Fragen und viele mehr beantworten derzeit PhysikstudentInnen im Donaueinkaufszentrum und zeigen, dass Physik außerhalb des Schulunterrichts spannend sein kann. „Die Kugel wird mittels Reibung auf 10.000 Volt aufgeladen, die dringen jetzt durch deinen Körper.“ Ich spüre im rechten Arm ein leichtes Kribbeln. Jacke, Schal und Hose heben sich vom Körper ab. „Wenn ich jetzt mit dem Stab dagegen stoße, kriegst du kleine Schocks, lass aber auf keinen Fall los, sonst tut es richtig weh.“ Johannes Wild berührt mit seinem kleinen Stab die große Kugel des Van-de-Graf-Generators. Mein Arm zuckt unfreiwillig, aber die Hand bleibt glücklicherweise liegen. Zuschauer haben sich um mich versammelt. „Zeig mal mit der Hand, nein besser mit dem Finger in die Menge“, fordert mich Julia Öller auf. Ich folge ihrem Ratschlag und nach und nach weichen alle Schockierten einen Meter nach hinten. Danach bin ich „entlassen” Wild berührt die Kugel noch einmal kurz mit seinem Stab, um sie zu entladen, danach kann ich von meinem Podest steigen und Handy und Kamera wieder einpacken. Elektrogeräte können bei dem Versuch nämlich zu Schaden kommen. „Physik Hautnah“ heißt die Ausstellung, die im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Physikgesellschaft stattfindet. Wissen spannend vermitteln, heißt das erklärte Ziel. „Vor drei Jahren war die letzte Vorstellung“, erklärt Dominik Scholz. Der blonde Doktorand ist für die Organisation verantwortlich und führt mich kurz durch die verschiedenen Projekte. Zweiter Führungspunkt ist der Glaszersingkasten. „Hier versuchen wir zu testen, ob eine Opernsängerin ein Glas zersingen kann und, ob wir das auch schaffen.“ Er stellt mich Versuchsleiter Christoph Pöllmann vor. „Um ein Glas zerspringen zu lassen, braucht es ungefähr 800 Hertz. Das schafft auch eine Opernsängerin, nur kann sie die Schwingung nicht konstant genug aufrechterhalten.“ Christoph fährt den Tongenerator hoch. „Gleich ist es so weit.“ Und tatsächlich, das Glas zerplatzt. „Möchtest du die Glasharfe sehen?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, setzt sich Christoph hinter eine Reihe von Gläsern, mit grünem Wasser gefüllt, und beginnt zu spielen. „Die haben die Domspatzen gestimmt. Damit kann man richtig gut spielen.“ Und wirklich, Christoph schafft es, aus den Gläsern eine richtige Melodie herauszuholen. Dominik führt mich weiter. Wir nähern uns einer kleinen Modelleisenbahn, die sich blitzschnell im Kreis bewegt. Dampf steigt auf. Am Glaskasten angekommen, mustere ich den Versuch. In einer unspektakulären Miniaturlandschaft fährt eine ebenso kleine Eisenbahn. Was daran wohl besonders sein soll? Versuchsleiter Herrmann Kraus und Franziska Görther merken meine Skepsis. „Schau mal unter der Lok hindurch.“ Ich gehe in die Knie und kann es kaum fassen: Die kleine, unscheinbare Papierlokomotive schwebt in der Luft. „Die Bahnstrecke besteht aus knapp 1.000 Neodymmagneten, jeder davon kann vier Kilogramm halten.“ Herrmann Kraus nimmt die Papierhülle ab und ein rechteckiger Behälter kommt zum Vorschein, in dem eine Flüssigkeit dampft. „Steck da bloß nicht deinen Finger rein. Das ist auf minus 200 Grad abgekühlter Stickstoff“, warnt Franziska. Mit Handschuhen und Kelle bewaffnet wird die Flüssigkeit aus einem Behälter geholt und in das Wageninnere gegossen. „Der Supraleiter verliert durch die Kühlung jeglichen Widerstand und verdrängt Magnetfelder aus seinem Inneren, nach außen. Beim Einfrieren merkt er sich das vorhandene Magnetfeld und möchte dorthin zurückkehren“, erklärt Hermann. Er spritzt ein bisschen Flüssigkeit auf die Bahnhofsoberfläche und weite Nebelwolken bilden sich im Glaskasten. „Kann man das auch für die echte Bahn verwenden?“, fragt eine Zuschauerin. „Theoretisch ja. Nur braucht es dann mehr als ein wenig Isoliermaterial aus dem Baumarkt. Normalerweise wird eine Vakuumschicht verwendet, aber dann geht es.“ Die Frau ist mit der Antwort von Hermann zufrieden und blickt gespannt auf die Kreisbewegungen der Magnetschwebebahn. Physik hautnah. Mehr Infos: http://regensburg10.dpg-tagungen.de 

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Kommentare (1)

  • Dominik

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    Hallo liebe Redaktion, hallo Jonas!
    Es hat uns sehr gefreut, dass ihr unsere Ausstellung besucht habt.
    Ich bedanke mich – auch im Namen meines Kollegen Michael Kugler, der mit mir gemeinsam die Ausstellung organisiert hat, sowie Josef Zweck und Jürgen Putzger, sowie aller anderen fleißigen Helfer – für eure engagierte Berichterstattung.
    Sicher hat auch dieser Artikel dazu beigetragen, dass unsere Ausstellung einen so großen Erfolg erzielen konnte. Vielen Dank an alle Besucher!
    – Bleiben Sie neugierig!

    Beste Grüße,
    Dominik Scholz

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