SOZIALES SCHAUFENSTER

Baumfällungen

„Quartierszentrum“: Jetzt werden Fakten geschaffen

Auf der Fläche des früheren Wirtschaftsgebäudes auf dem Nibelungenkasernenareal beginnen erste Arbeiten. Im Zuge eines Antrags auf Teilbaugenehmigung hat die Stadt die Erlaubnis für Baumfällungen erteilt, die noch in dieser Woche durchgeführt werden. Das sogenannte „Quartierszentrum“ wird im Wesentlichen Büros beherbergen.

Die Stadt Regensburg hat das ehemalige Wirtschaftsgebäude auf der Nibelungenkaserne und das umliegende Grundstück verkauft – jetzt entstehen dort zwei Bürogebäude statt eines tatsächlichen Quartierszentrums. Foto: as

Allen Protesten und Bestrebungen, die Debatte um das „Quartierszentrum“ auf der ehemaligen Nibelungenkaserne noch einmal neu aufzurollen zum Trotz wird nun mit den Bauarbeiten für die derzeit bekannten Pläne begonnen. Wie die Stadt Regensburg am Dienstag mitgeteilt hat, wird der Grundstückseigentümer noch in dieser Woche mehrere Bäume auf der Fläche fällen. Die entsprechende Genehmigung dafür sei bereits erteilt worden, um die Abholzungen noch vor dem 1. März – Beginn der gesetzlich geschützten Vogelbrutzeit – durchführen zu können. Die Baumfällungen stünden in Zusammenhang mit einem „Antrag auf Teilbaugenehmigung“, heißt es.

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Wunsch und Wirklichkeit

Wie berichtet klaffen die Pläne für das „Quartierszentrum“, die der Nürnberger Investor unter dem Titel „Nibelungenterassen“ veröffentlicht hat, und die Vorstellungen von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie dem Architekturkreis, dem Bürgerverein Süd-Ost und den Sozialen Initiativen diametral auseinander. Während sich die erwähnten Vereine mehr öffentliche Nutzung in dem denkmalgeschützten früheren Wirtschaftsgebäude fordern, werden dort laut den aktuell bekannten Plänen – neben 1.500 Quadratmetern Einzelhandel und einem Gastrobetrieb (rund 800 Quadratmeter) – ausschließlich Büroflächen entstehen.

Die ursprüngliche Vorgaben der Ausschreibung anlässlich des Verkaufs des 12.300-Quadratmeter-Grundstücks, zumindest in dem großen Veranstaltungssaal die Möglichkeit für öffentliche Nutzung zu bieten, scheiterten an Fehlern im Planungsreferat, über die der Stadtrat zunächst nur nebenbei, in einer nichtöffentlichen Sitzung des Grundstücksausschusses informiert wurde. Die Vorgabe, vergünstigt anmietbare Räume (300 bis 500 Quadratmeter zu acht Euro der Quadratmeter) für das Projekt „Technik for Kids“ unterzubringen – öffentlich nutzbare Räume, war irgendwann nach der 2016 durchgeführten Ausschreibung als Kriterium ersatzlos gestrichen worden. Ende 2018 ging der Verkauf zu einem kolportierten Preis von rund drei Millionen Euro über die Bühne.

Erste Büros bereits vermietet

Trotz breiter Kritik und allfälligen Bedauerns lautete zuletzt das Fazit der Verwaltungsspitze, dass dies zwar alles ärgerlich sei, man daran aber leider nichts ändern könne. Ernsthafte Konsequenzen hielt die Oberbürgermeisterin zuletzt nicht für notwendig.

So sehen die Pläne des Nürnberger Investors aus. Screenshot: www.nibelungen-terrassen.de

Insgesamt 28 Bäume werden nun auf der Fläche gefällt werden. Deren Gesundheitszustand werde durch einen Baumgutachter durchweg als „schlecht“ und ihre weitere Lebenserwartung als „gering“ eingeschätzt, heißt es in der städtischen Pressemitteilung. Insgesamt werden in dem früheren Wirtschaftsgebäude und einem flankierenden Neubau rund 10.000 Quadratmeter Bürofläche entstehen. Laut der Seite des Nürnberger Investors sind davon bereits jetzt etwas mehr als 2.000 Quadratmeter vermietet.

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Kommentare (17)

  • Christian

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    Kleiner Tippfehler: Bürios

  • Solitär

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    Wer SPD wählt, bekommt die CSU. Und wer die SPD/CSU einmal an der Backe hat bekommt ein Investoren-Paradies.
    Egal ob nun Schaidinger/Freudenstein, Söder oder Seehofer: Soziales (Bauen) ist das letzte, das denen in den Sinn kommt. Und die SPD ist sowieso schon seit längerem sehr unsinnig.

  • Mr. T.

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    Wahrscheinlich wird man immer noch darüber streiten, was hier passieren soll, während ein Teil der Büros schon lange leer steht.

  • KW

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    Mit Bäume fällen kennen sie sich aus bei der Stadt Regensburg.
    Als vor ca. 20 Jahren im Zuge des Arcadenbaus die Friedenstr., frei nach dem damals noch nicht hinterfragten CSU Deppen-Motto „freie [Auto-] Fahrt für freie Bürger“, in die jetzige Monsterschneise verwandelt wurde, waren viele alte Bäume im Weg. Damit man die ungehindert entfernen konnte wurde die entsprechende Verordnung geändert und kurzerhand alles was einen Stammdurchmesser von weniger als 60cm hat, per Definition nicht mehr als Baum sondern als Gestrüpp deklariert. Schwupp waren sie weg. Die Bäume.

    Schöne vorher nachher Fotos kann man im interaktiven Stadtplan unter https://karten.regensburg.de/stadtplan/app.php/application/mapbender_regensburg_hw anschauen, da gibt es Luftbilder von 1991 mit einem sehr beeindruckenden Baumbestand entlang der Friedenstr. und welche von 2017 mit den aktuellen Streichhölzern.

  • Realist

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    Kann der Preis wirklich stimmen….3 Mio Euro für ein Grundstück mit Baurecht (inkl. Bestand) von 10.000 qm Gewerbefläche….wären ja nur 300 Euro Einstand pro qm Gewerbefläche…in dieser Lage…
    D.h. die Gesamtkosten (Grundstückskosten + Bau-/Sanierungskosten) lägen damit nur bei 2.500 – 2.700 Euro pro qm Gewerbefläche.
    Kenn hier die Historie nicht….hat die Stadt hier irgendwelche Auflagen für den Käufer gemacht…z.B. Mietdeckel etc.?

  • joey

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    Das ist jetzt nicht der Hauptskandal. Bäume kann man (nach-) pflanzen.

  • Flo

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    Es ist einfach nur zum Schämen.

  • idefix

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    Zu KW:
    Dieser Beitrag ist ein Beispiel von Agitation schlimmster Art, um einfach etwas in die Welt zu setzen, was nicht stimmt, weil der Verfasser die Fakten nicht kennt und irritierende Vergleiche anstellt. Deshalb sollte er sich den damalige Beschluss des Stadtrates zu Gemüte führen, der den notwendigen Ausbau der völlig maroden Friedensstraße, neu geliedert mit getrennten Fahrspuren als eine großzügige Allee mit Platanen im Mittel- und in den Seitenstreifen sowie getrennten Rad- und Fußwegen und Bushaltestellen zum Inhalt hat. Es wurde im Gegensatz zu früher ein mit viel mehr Grün als vorher gestalteter großzügiger Straßen- und Stadtraum für alle Verkehrsarten (Kfz, Radfahrer, Fußgänger) geschaffen. Gerade im Sommer werfen die Bäume angenehm viel Schatten und wirken der Aufheizung der Stadt entgegen. Dies war früher in diesem Umfang nicht gegeben.

    Ein weiteres Beispiel für fake news: Es ist nicht erinnerlich, dass wegen dem Fällen der vergreisten alten Bäume die Baumschutzverordnung der Stadt geändert wurde. Hier muss der Verfasser mit seiner Behauptung schon seriös den Beweis antreten.

    Zum Schluss: Der Gipfel der bedenklichen radikalökologischen Agitation ist der Vergleich der Luftbilder. Scheinbar ist jedes Mittel recht. Die Aufnahme von 1991 wurde bei Vollbelaubung der alten Bäume aufbenommen, während die von 2017 den unbelaubten Zustand der zahlreichen Alleebäume (mehr als vorher) im Herbst/Winter zeigt.

    Übrigens: Grundsätzlich ehrenamtliche Stadträte als Deppen zu bezeichnen, zeugt von einer respektlosen Kinderstube des Verfassers. Hass durch Worte zu erzeugen, ist der Beginn einer bedenklichen Agression. Unzivilisiertes radikalideologisches Verhalten spaltet die Gesellschaft und führt letztlich zur Gewalt (s. Amerika). Wehret den Anfängen!

  • Dieter

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    In anderen Städten überlegt man, ob Home Office nicht der zukünftige Standart wird und man Büro- zu Wohnflächen umfunktioniert. Meanwhile in Regensburg…

  • KW

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    @idefix
    Interessant, weil es Ihnen persönlich nicht „erinnerlich“ ist, unterstellen Sie mir mir Falschbehauptungen (Sie benutzen hier den durch Donald Trump inflationierten Modebegriff „Fake News“). Und Sie haben gewissermaßen sogar Recht! Es wurde damals der schützenswerte Baum in so Fern geändert, dass vorher ein Stammdurchmesser von 60 cm in 100 cm Höhe galt, für die Neuanlage der Friedenstr. wurde er auf 100 cm Stammdurchmesser hochgesetzt. Da irrte ich was die Zahl angeht.
    Baumschutzverodnung mit Änderungsdaten Nachzulesen hier:
    https://www.regensburg.de/stadtrecht/233891/verordnung-zum-schutze-des-baumbestandes-in-der-stadt-regensburg-baumschutzverordnung-vom-11-februar-1993.html

    Es war damals übrigens auch ein Thema in der Mittelbayerischen Zeitung falls Sie diese Quelle bevorzugen, das dürfen sie gerne selber recherchieren bevor Sie weiter so ausholen. (Zitat Idefix: „Wehret den Anfängen!“)

    Im Übrigen habe ich nicht, wie Sie behauten, pauschalisiert die damals (wie heute) CSU-dominierten ehrenamtlichen Stadträte als Deppen bezeichnet, sondern dass o.a. erwähnte Motto.

  • Superstruture

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    @idefix
    Schon wieder geirrt: 100cm StammUMFANG in 100cm Höhe, nicht StammDURCHMESSER

  • Piedro

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    “Insgesamt 28 Bäume werden nun auf der Fläche gefällt werden. Deren Gesundheitszustand werde durch einen Baumgutachter durchweg als „schlecht“ und ihre weitere Lebenserwartung als „gering“ eingeschätzt, heißt es in der städtischen Pressemitteilung.”
    Das finde ich seltsam. Sind denn nur die Bäume, die zum Fällen vorgesehen sind, in so schlechtem Zustand, dass sie eine geringe Lebenserwartung haben? Warum mag das wohl so sein? Rund- und nebenan sind sie dann ebenso schlecht zurecht, oder sind die irgendwie völlig gesund?

  • KW

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    @Superstructure
    Sie haben natürlich Recht, um das Fällen des alten Baumbestandes entlang der Friedenstr. Anfang der 2000er zu legitimieren wurde der Umfang bei 100cm Höhe von 60cm auf 100cm erhöht.
    U = Pi * d
    Also wurde der Durchmesser, unterhalb dessen ein Baum nicht mehr als schützenswert gilt, von 19 auf 31cm erhöht. Was den eigentlichen Vorgang, auf den ich hinweisen wollte, nicht besser macht. Und natürlich insgesamt das Fällen “störender” Bäume im gesamten, eh schon recht steinernen Stadtgebiet, wesentlich erleichtert.

  • Werner Frank

    |

    Mich ärgert nicht nur dieses katastrophale Planungsversagen, das offenbar ganz ohne Konsequenzen bleibt, mich ärgert auch, dass dieser Bau, der sich so offensichtlich als Nazibau ausgibt, so ohne Weiteres wirtschaftlich genutzt werden kann, ohne dass man sich mit dessen Geschichte auseinandersetzen muss. Hat dieser Kasernenbau gar nichts mit dem Krieg im Osten zu tun? Ist er nicht programmatisch gedacht gewesen (und zeigt er das nicht auch noch heute?): als Muster für die Architektur, die die Nazis dem zu germanisierenden Osten aufsetzen wollten, und war diese Architektur in ihrer Falschheit, ihrem vermutlich gewollten Missverhältnis der einzelnen Teile zueinander – Herrenrasseklassizismus + Zipfelhaube -, also in ihrer Gewalttätigkeit, nicht am Ende ein perfides Mittel, die Menschen im “Osten” auch mental zu unterjochen?? Wurde also darüber nachgedacht? Vermutlich ebenso wenig wie darüber, was an der Stelle des projektierten Europabrunnens, wenn dieser schon nicht gebaut wurde, hätte errichtet werden müssen. (Wir haben nun diese bodenlos triviale Springbrünnchenanlage) Oder wie ein Brunnen am Dachauplatz aussehen müsste, der die Geschichte des Ortes mitdenken würde.
    Und überhaupt: Wie die Geschichtlichkeit der Stadt und der Charakter ihrer Orte gedankenlos oder doch planmäßig zugebaut wurde, das ist am Unteren Wöhrd genauso zu erfahren wie am Peterstor. Es tut weh. Die Mitglieder des Stadtrates müssten endlich erkennen, dass sie die Bürger und Bürgerinnen vertreten und dass sie ihr Mandat auch und gerade gegen die Verwaltung behaupten müssen, die ganz andere Ansprechpartner hat.

  • TVB

    |

    Es ist zum Verzweifeln, wie in unserer Stadt die Ressourcen und das Potenzial verschleudert werden und ohne große Diskussion Fakten geschaffen werden. Offensichtlich ist unsere Stadtführung und Stadtverwaltung nicht in der Lage, zu erkennen, was für diese Stadt wirklich wichtig ist. Sicherlich waren es genau Bürogebäude, die Regensburg braucht und die es voranbringen werden … .
    Ich denke nur an den damals geplanten OBAG-Turm im Stadtpark, der umgesetzt werden sollte, auch weil wirtschaftlicher Druck ausgeübt wurde. Welch ein Segen, dass der Bürger deutlich mehr Weitsicht besessen hat und diesen Schandfleck verhindert hat.

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drin