SOZIALES SCHAUFENSTER

17 Millionen Fördergeld

Regensburg soll smarter werden

Regensburg wird für die kommenden fünf Jahre vom Bund mit 17 Millionen Euro gefördert. Das Ziel eine Transformation zur Smart City. REGENSBURG_NEXT lautet das dazugehörige Paket. Doch was am Ende dabei herauskommen wird, bleibt oft noch vage.

Franziska Meier und Georg Stephan Barfuß sollen den Weg zur Smart City Regensburg federführend begleiten. Foto: bm

Smart City: Das Wort kursiert schon seit einigen Jahren in der Stadt. Neue technologische Möglichkeiten und clevere Abläufen sollen das urbane Leben moderner und vor allem lebenswerter gestalten. Durch einen ressourcenschonenden Einsatz von Technologie soll dem Klimawandel zudem ein Schnippchen geschlagen und der Weg in eine postfossile Gesellschaft bereitet werden. Im Ferienausschuss des Regensburger Stadtrates war man daher Ende August höchst erfreut über eine entsprechende Verwaltungsvorlage. Als eine von 28 Kommunen wird mit dem Projekt REGENSBURG_NEXT auch die Domstadt für fünf Jahre vom Bundesinnenministerium (BMI) finanziell unterstützt – mit 17 Millionen Euro.

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Regensburg als Erprobungsraum der digitalen Zukunft

Insgesamt 94 deutsche Städte hatten sich für die dritte Staffel des KfW-Förderprogramms „Modellprojekte Smart Cities“ des BMI beworben (hier geht es zu den Auswahlkriterien). Im „Sinne einer integrierten, nachhaltigen und gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung“ wolle man die 28 ausgewählten Kommunen bei der Digitalisierung „strategisch“ unterstützen, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Die Modellregionen wie nun auch Regensburg dienen dem Bund dabei als Erprobungsräume für „sektorenübergreifende digitale Strategien für das Stadtleben der Zukunft“.

So weit, so vage. Denn was das alles im Konkreten bedeutet, ist selbst Teil des Transformationsprozesses. So erklären es der Regensburger Wirtschaftsreferent Prof. Georg Stephan Barfuß und die städtische Smart City-Koordinatorin Franziska Meier. Sie spricht bei Smart City gar von ihrem „Lieblingsthema“. Auch wenn andere Städte manchmal schon ein paar Schritte weiter seien, so bedeute der Umbau zu einer smarten Stadt überall eine Mammutaufgabe. Eine Smart City werde man nämlich nicht einfach mal so. Vor allem dann, wenn die Transformation im Zusammenspiel mit den Bürgerinnen und Bürgern ablaufen soll. Und das müsse laut Meier die Basis sein. „Nur dann kann das Ganze auch sozial gestaltet werden.“

„Prozesse verstehen“ und „neue Verbindungen schaffen“

Derzeit wird an einer umfangreichen Strategie gearbeitet. In den kommenden Monaten soll die unter anderem im Rahmen von (noch nicht näher konkretisierten) Bürgerbeteiligungen weiter reifen. Auch ohne die nun zugesicherten Bundesmittel hätte die Verwaltung dieses Strategiepapier vorangetrieben, versichert Barfuß. Er gesteht aber: „Eine Verwaltung braucht immer ein wenig den Druck von außen.“ Die 17 Millionen Euro seien auch deshalb sehr willkommen. „Jetzt müssen wir liefern und ins Handeln kommen.“

Im Vergleich zum städtischen Haushalt von rund einer Milliarde Euro jährlich und einem Investitionsprogramm in Höhe von 500 Millionen Euro auf fünf Jahre, erscheine die Fördersumme womöglich gering. „Wir können mit dem Geld aber jetzt Projekte finanzieren und beginnen, die uns helfen, Prozesse zu verstehen und besser nachzuvollziehen“, erklärt Meier. Als Smart City-Koordinatorin ist sie offiziell dem Wirtschaftsreferat zugeordnet, arbeitet aber an den Schnittstellen zwischen den einzelnen Verwaltungsbereichen. „Neue Verbindungen zwischen den Ämtern schaffen“, gewohnte Abläufe einmal anders betrachten und nach alternativen, smarteren Lösungen suchen, darum gehe es.

Zeigen, dass man es besser kann

Am Ende müsse dann nicht zwangsläufig eine digitale Lösung die beste sein. Vielmehr wolle die Stadt möglichst nah an der Lebensrealität der Menschen ansetzen, sie dort abholen wo sie stehen und von dort aus neue Wege gehen, sagt Meier. Smart bedeute eben nicht, Digitalisierung um jeden Preis. Das Soziale müsse eine wichtige Säule darstellen, auch bei der Schaffung moderner Stadtviertel. Ein Beispiel dafür sei das zukünftige Stadtviertel auf der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne.

Eine Blaupause der smarten Stadtentwicklung soll das Projekt werden, mit Vorbildcharakter über Regensburg hinaus. Hier wolle man „zeigen, dass wir besser bauen können“, so Barfuß’ Hoffnung. Neben Einkaufsmöglichkeiten und Nahversorgungsangeboten sollen soziale Anlaufpunkte und kreative Räume entstehen. Ein lebendiger Stadtteil, der die Bewohnerinnen und Bewohner in den Austausch direkt vor Ort bringe.

Umwelt und Geldbeutel schonen

Aber auch technisch soll es auf dem PLK-Gelände künftig intelligent zugehen. Götz Keßler, Geschäftsführer der Stadtbau, hatte unserer Redaktion bereits vor einem Jahr erklärt, wo die digitalen Raffinessen des neuen Stadtteils liegen sollen: energie-autark soll er sein, mit PV-Anlagen auf den Dächern und einem selbstlernenden KI-System (Künstliche Intelligenz) will man Klimaneutralität garantieren.

Mit dem Projekt MAGGIE wird zusammen mit der OTH derzeit in der Margaretenau an neuen Wegen der Sanierung getüftelt. Foto: bm

Ähnliches wird bereits bei der derzeitigen Sanierung der Genossenschaftswohnungen in der Margaretenau im inneren Westen erprobt. Hier kommen ein solaraktiver Außenputz und eine neuartige Hybridkombination aus Blockheizkraftwerk und Wärmepumpen-Technik zur Beheizung, Strom- und Trinkwasserversorgung zum Einsatz. Profitieren soll neben dem Klima auch der Geldbeutel der Mieter. Denn die KI soll für eine bedarfsorientierte, sparsame Energienutzung sorgen. So lautet zumindest das Versprechen.

Fünf Impulsprojekte in zwölf Monaten

Die 17 Millionen Euro an Fördergeldern sollen solche bereits laufenden Prozesse nachträglich gegenfinanzieren. „Zudem dürfen wir später noch Gelder zwischen den einzelnen Projekten umschichten“, erklärt Barfuß. Das helfe den Kommunen. In manchen Bereichen könne nämlich noch nicht genau abgeschätzt werden, wie hoch der finanzielle Bedarf tatsächlich werde.

Das Förderprogramm für REGENSBURG_NEXT ist auf fünf Jahre ausgelegt. Während die vier Projekte der Phase B ab Mitte 2022 noch nicht spezifiziert sind, steht der Plan der ersten zwölf Monate für Phase A schon fest. Zum einen soll die Smart City-Strategie vollendet werden – ein erstes Papier, das noch unter gide des früheren Umweltbürgermeisters Jürgen Huber entstanden ist, fiel eher peinlich aus. Zudem werde man fünf „Smart-City-Impulsprojekte“ realisieren. Darunter fällt ein barrierefreier Zugang zum Weltkulturerbe Regensburg. „Mittels eines Raumes, der nur aus Bildschirmen und Lautsprechern besteht, sollen die documente für alle erlebbar gemacht werden. Durch 3D-Technik kann so der Eindruck entstehen, selbst vor Ort zu sein“, heißt es dazu vonseiten der Stadt Regensburg.

Von „digitalen Zwillingen“…

Bei der Prinz-Leopold-Kaserne und der Margaretenau sollen mit den Fördermitteln sogenannte „digitale Zwillinge“ erstellt werden. Durch ein exaktes digitales Abbild der Gebäude und Systeme sollen an den Rechnern Energieströme vorab vermessen und optimal angepasst werden. Auch so könne ressourcen- und umweltschonend gebaut werden.

Das „Co-Creative-Lab“ als weiteres Impulsvorhaben soll aus Leerständen in der Stadt mit der Kreativwirtschaft „gemeinsame Zukunftsräume“ entwickeln. Ein „mobiler Inkubator in Containerbauweise“ soll als Ausgangspunkt dienen, um Immobilien mit der „Innovationskraft der Kreativwirtschaft“ neu zu denken, heißt es wortreich.

…und cleveren Straßenlaternen

Ein weiteres Projekt trägt den Namen „Smart Move“. Mithilfe digitaler Technik soll hier die Mobilität und Serviceleistung der Stadtverwaltung nachhaltiger und smarter werden. „Angebotsübergreifende Mobilitätsplanung“, „datenbasierte Bewirtschaftung und Instandhaltung der Straßeninfrastruktur” und eine bedarfsorientierte „Winterdienstleistung zur Sicherung von Mobilität“ nennt die Stadt. Was sich dahinter verbergen könnte, erklärt Barfuß anhand von Straßenlaternen.

An den Laternen verbaute Sensoren – eine wichtige Ressource smarter Cities – könnten die Bodentemperatur messen. Anhand der ausgewerteten Daten könne die Verwaltung dann bedarfsorientiert Räumfahrzeuge aussenden. Das spare Streugut und steigere die Effizienz, ist Barfuß überzeugt.

Zum Einsatz kommt diese Technik bereits in Darmstadt. Die hessische Stadt wurde 2017 als Digitalstadt ausgezeichnet und ist Regensburg einige Schritte voraus. Mit rund 160.000 Einwohnern sind beide Städte gut vergleichbar. Bei rund 126.000 Pendlern täglich ist Darmstadt dabei aber fast doppelt so stark von einfallendem Verkehr betroffen. Diesem Problem begegnet man dort ebenfalls mithilfe von künstlicher Intelligenz. Im Sekundentakt werten Kameras im gesamten Stadtgebiet den Verkehrsfluss aus. Je nach Lage soll das System Ampelschaltungen automatisch aufeinander abstimmen und so für fließenden Verkehr sorgen.

Vom fließenden Verkehr zur Überwachungsstadt?

Dass (nicht nur) bei solchen technischen Möglichkeiten auch eine Vielzahl von Daten erhoben und verarbeitet werden müssen, rief im Ferienausschuss Linken-Stadträtin Irmgard Freihoffer auf den Plan. Wie schon des öfteren bei dem Themenkomplex Smart City fordert die Lehrerin mehr Sensibilität im Umgang mit den Daten der Bürger. Die Pläne rund um Regensburg_NEXT seien noch immer zu unpräzise, bemängelt Freihoffer. Wie die Stadt für den Datenschutz garantieren wolle, bleibe unklar.

Auch ein klares Bekenntnis zu Open Source vermisst die Stadträtin. Die Oberbürgermeisterin versichert: „Ich glaube nicht, dass jemand Angst haben muss, dass wir negative Auswirkungen für unsere Stadtentwicklung und die Menschen in die Wege leiten.“ Die Verwaltung habe das „schon im Blick“. Explizit erwähnt werden die Themen Datenschutz und Open Source in der Verwaltungsvorlage aber lediglich am Rande.

Während Freihoffer im Regensburger Ferienausschuss allein ist mit ihren Bedenken, gibt es andernorts durchaus Skepsis. Immer wieder machen Datenschützer auf die enormen Möglichkeiten aufmerksam, die mit immer mehr Daten unausweichlich einhergehen. Von der Idee, Verkehrsströme zu koordinieren, sei der Schritt zu Bewegungsprofilen nicht mehr weit, so (etwas vereinfacht) die Befürchtungen. Die Smart City könne schnell zur Überwachungsstadt werden, wenn die Verantwortlichen dem nicht entgegenwirkten.

„Den Mund abwischen und weitermachen.“

Barfuß sieht das Thema hingegen gelassener und verweist auf die von vielen Menschen gelebte Daten-Freizügigkeit. „Wenn dann die öffentliche Hand kommt, dann sind die Schreie aber laut.“ Den Menschen müsse allerdings offen gesagt werden, was mit den erhobenen Daten passiert, fügt Meier an. Transparenz sei wesentlicher Bestandteil einer Smart City. „Dann kann man den Bürgern das auch gut vermitteln und erklären, was da überhaupt passiert.“

Barfuß und Meier schwebt auch eine Digitalisierung der Verwaltung vor. E-Government ist in einigen europäischen Ländern, insbesondere dem Baltikum, bereits seit mehreren Jahren erfolgreich im Einsatz. Von dort könne sich Regensburg einiges abschauen. Es gehe aber auch darum, herauszufinden, wie der Begriff der Smart City auf Regensburg angepasst werden könne, zu sehen, was es hier braucht, sagt Meier. „Was in anderen Städten gut funktioniert, kann hier auch genau das Gegenteil bewirken.“

Da müsse man manchmal auch mutig ausprobieren, ergänzt Barfuß. Dass man dabei „gegen die Wand krachen“ werde, ist für den Wirtschaftsreferenten fest eingeplant. „Den Mund abwischen und weitermachen“, so seine Devise. Aus Fehlern könne man schließlich oft mehr lernen als aus Erfolgen. Bei all der Euphorie, die durchaus vorhanden sei, müssten aber auch Ängste vor dem Unbekannten ernst genommen werden. Meier: „Manche haben Sorge, abgehängt zu werden und bei den immer schnelleren Entwicklungen am Ende auch den Job zu verlieren.“

Smart City: „Eine Frage der Überzeugung“

Fortbildung und Informationsaustausch stehen deshalb laut Meier neben einer effizienteren Energieversorgung, einer intelligenten, bedarfsorientierten Mobilität und dem sogenannten E-Government auf der Tagesordnung. Letzteres bedeute auch eine transparentere Verwaltung. Barfuß kann sich hier zum Beispiel eine digitale Aufbereitung des städtischen Investitionsprogramms (IP) vorstellen, das zudem Rückblicke gewährt, wie sich das IP entwickelt hat, was rausgefallen oder reingekommen ist. Den Haushalt „verständlich und dynamisch“ bereitzustellen, sei eine gewisse Herausforderung, die sich aber lohnen könnte, meint Barfuß. In der Vergangnheit waren entsprechende Vorstöße, etwa der früheren Piraten-Stadträtin Tina Lorenz auf eher verhaltenes Interesse der Verwaltung gestoßen.

Doch Barfuß war damals noch nicht im Amt. Für ihn ist Smart City letztlich „eine Frage der Überzeugung. Wollen Sie das oder nicht?“ In Regensburg will man, meint der Bund. Dessen 17 Millionen Euro sollen nun helfen, endlich deutliche Schritte nach vorne zu machen. Und vielleicht wird es irgendwann auch etwas weniger nebulös und vage.

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Kommentare (16)

  • Joachim Datko

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    Geregelte Ampelanlagen imponieren mir!

    Zitat: ” Von der Idee, Verkehrsströme zu koordinieren, sei der Schritt zu Bewegungsprofilen nicht mehr weit, so (etwas vereinfacht) die Befürchtungen.”

    Die herkömmlichen Ampelanlagen haben keine Möglichkeit den Verkehrsfluss zu messen und takten so vor sich hin. Was zu unnötigen Wartezeiten führt.

    Ich wünsche mir Ampelanlagen, die über das aktuelle Verkehrsaufkommen durch Messtechnik informiert sind und entsprechend die Grün- und Rotphasen schalten. Das würde uns viel Zeit sparen und auch den Energieverbrauch senken.

  • Robert Fischer ÖDP

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    Aus meiner Sicht wären auch Schnittstellen und APIs sehr wichtig. Stichwort Open Knowledge.
    Also alle Daten, die relevant sind einfach und aktuell strukturiert abrufbar machen.

    Zum Beispiel hat jemand nur Anhand des MC Donalds Bestellprozesses eine App entwickelt, die abfragt, ob die Eismaschine in der jeweiligen Filiale funktioniert oder nicht.

    Menschen, die gerne programmieren sind kreativ genug, um Anwendungen zu schaffen, an die man jetzt gar nicht denkt. Nur weil die Daten zur Verfügung stehen.

    Also: Gebt die (anonymen) Daten frei!

  • Hutzelwutzel

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    Ui! Das heißt also, dass es noch mindestens 10 Jahre dauert bis Bayern’s oder sogar Deutschland’s Städte “smart” werden (dürfen)? Dann haben wir über 60% “Alte” im Land, von denen die Meisten gem. üblicher Arbeitsmarktlage keinen blassen Dunst von Computern haben, oder sich nicht mehr umgewöhnen wollen. Bravo! ;-/
    Da passt jetzt der Name eines Projektbeteiligten hervorragend: “Barfuß zur Digitalisierung!” Sorry, ist nicht abwertend gemeint.

  • Hutzelwutzel

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    Weils gar so kabarettistisch anmutet noch was aus dem Artikel. Wir sollen zu einer “post-fossilen Gesellschaft”. Lol 2040 gibts nur noch lebende Mumien im Land. Die Meisten könnte man dann des Alters wegen auch als “Fossilien” bezeichnen. ;-)

  • Lisa Erdman

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    Smart City ist letztlich nur die Möglichkeit der perfekten Überwachung des Individuums.

  • Winston Smith

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    Hola.. immer wenn man denkt, noch viel schlimmer gehts eh nimmer, kommt sowas..

    wenn mir das BMI, ausgerechnet das BMI, was verklickern will von wegen im „Sinne einer integrierten, nachhaltigen und gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung“ überkommt mich ein Drang nun endgültig meine Koffer zu packen.

  • joey

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    “bedarfsorientierte, sparsame Energienutzung”: manche heizen stärker ein als “nötig”. Manche lüften mehr als nötig. Das hat mit Smart nix zu tun, sondern mit Blutdruck und Psychologie.

    Schön, wenn die Ampeln besser gesteuert sind. Ansonsten kommen wieder Beratungsfirmen mit irgendwelchen Powerpoints für teures Honorar und viel BlaBla.

  • Joachim Datko

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    Wohin wollen Sie auswandern? Wo ist es wirtschaftlich und sozial besser und wo lässt es sich freier leben? Und abgesehen davon müsste man auch neu anfangen.

    Zu Winston Smith 22:04

    Zitat: “[…] überkommt mich ein Drang nun endgültig meine Koffer zu packen.”

    Etwas schlecht reden, geht manchen Menschen leicht von den Lippen.

    Einmal vom Wetter abgesehen, wohin wollen Sie auswandern?

    Es kommen viele Menschen aus aller Welt zu uns, sei es wegen der Freiheit, der Arbeitsplätze und damit des Einkommens oder des Sozialstaates.

    Ich wüsste keinen Staat, der mir bessere Rahmenbedingungen bieten würde. Es gibt wahrscheinlich solche Staaten, aber wer sind diese Staaten?

    Im europäischen Vergleich liegt Deutschland nach Dänemark und den Niederlanden in der Kategorie “sehr zufrieden” auf einem sehr guten Platz.

    Siehe: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/249947/umfrage/lebenszufriedenheit-der-buerger-der-europaeischen-union-nach-mitgliedsstaaten/

  • Irmgard Freihoffer

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    Zu Open Source:
    Bei der Bewerbung der Stadt für die Modellprojekte „Smart Cities“ des BMI (TOP 5, Stadtratsplenum am 25.2.21) äußerten sich die Stadtratskollegen Meierhofer und Dr. Burger zu meinem Änderungsantrag, konsequent open source einzusetzen, folgendermaßen: Meierhofer: Eine Festlegung auf open source sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht erforderlich. Dr. Burger: Zu Open Source herrschten vielfältige Ansichten. Damit müsse letztlich zweckmäßig und sachorientiert umgegangen werden. Dieser Aspekt sei im Übrigen nie ausgeschlossen worden. Doch ein pauschaler Zwang sei nicht hilfreich.

    Bei solchen Äußerungen frage ich mich, ob die Stadtratsmitglieder hier nicht möglicherweise über etwas entscheiden, dessen komplexe Auswirkungen sie auch nicht ansatzweise überblicken können. Die dringend benötigte Zeit, um sich in fachliche Grundlagen einzuarbeiten, wird den Stadtratsmitgliedern nicht eingeräumt. Hier wird hektisch einer Entwicklung hinterhergerannt.

    Es mag paradox klingen: Wenn der Quellcode der eingesetzten Software offen ist, wird Software sicherer, da es viele versierte Menschen /Fachleute gibt, die hier Sicherheitslücken zeitnah entdecken, so dass diese Fehler behoben werden können. Dies erhöht nicht nur die Datensicherheit, sondern ist auch deutlich kostengünstiger. Zudem können individuelle Anpassungen der Software einfacher und zielgenauer vorgenommen werden, sogenannte Anbieter-lock-ins, langfristige Abhängigkeiten von Firmen, vermieden werden (Abhängigkeit durch hohen Aufwand, er mit einem Anbieter-Wechsel verbunden ist). Steht die Technologie unter der Kontrolle eines einzigen Anbieters, ist der Kunde faktisch an den Anbieter gebunden und es kommt zum „Vendor Lock-In“.

    Bereits 2012 forderte die europäische Kommission alle EU-Institutionen und staatlichen Organe in der EU dazu auf, Open Standards zu verwenden, um von proprietärer Software unabhängig zu werden. Auch der Deutsche Städtetag empfiehlt Open Source in Kommunen („Die Stadt der Zukunft mit Daten gestalten“, Deutscher Städtetag, 2021, S. 60). Viele Kommunen in Deutschland, der EU und anderswo steigen auf Open Source um. München hat nun eine erneute Kehrtwende hingelegt, nachdem es 2017 den 2003 beschlossenen Umstieg vom Microsoft-Betriebssystem Windows auf Linux rückgängig machen wollte (https://www.datacenter-insider.de/muenchen-versucht-es-nochmal-mit-open-source-a-974912/).
    Um nicht falsch verstanden zu werden: Auch Open source kann keine absolute Datensicherheit herstellen, ist aber eine Voraussetzung für mehr Datensicherheit. Nach den jüngsten Recherchen und der Kritik auf heise.de bezüglich fehlender Verschlüsselung auf Back-up-Mail-Servern der Stadt Regensburg und anderer Kommunen (https://www.regensburg-digital.de/nach-kritik-von-experten-stadt-schaltet-mailserver-ab/02092021/) wird mein Vertrauen nicht gerade gestärkt, dass die Stadt es schafft, bei den in Zukunft anfallenden großen Datenmengen den Datenschutz sicherzustellen.

  • Mr. T.

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    Frau Freihoffer fragt sich, ob die Stadtratsmitglieder hier nicht möglicherweise über etwas entscheiden, dessen komplexe Auswirkungen sie auch nicht ansatzweise überblicken können.

    Das passiert doch quasi bei fast jeder Entscheidung und gilt dabei für die meisten Stadträte. Nicht jede*r hat den Ehrgeiz, den Fleiß oder den Intellekt, um sich in alle Vorlagen reinzufressen, wie es zum Beispiel Friedl immer wieder vormacht. Die meisten stört das nur und sie verlassen sich gerne auf die von ihren Parteigranden installierte Verwaltung und deren Vorlagen.

  • Irmgard Freihoffer

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    Zu den Gefahren/Problemem der Smart City siehe https://digitalcourage.de/blog/2016/smart-city-marketingparadies-mit-totalueberwachung

    Smart City als Datenkrake, siehe hier zur Verleihung des BigBrotherAwards in der Kategorie „PR & Marketing“ an das Konzept der „Smart City“ im Jahr 2018: https://bigbrotherawards.de/2018/pr-marketing-smart-city

    “Das Konzept der „Smart City“ erhält den BigBrotherAward 2018 in der Kategorie PR & Marketing. Mit dem Werbebegriff „Smart City“ versuchen Technik-Firmen, der Kommunalpolitik die „Safe City“ zu verkaufen: eine mit Sensoren gepflasterte, total überwachte, ferngesteuerte und kommerzialisierte Stadt. „Smart Cities“ reduzieren Bürger.innen auf ihre Eigenschaft als Konsument.innen, machen Konsument.innen zu datenliefernden Objekten und unsere Demokratie zu einer privatisierten Dienstleistung.”

  • Hutzelwutzel

    |

    @Lisa Erdman:

    Richtig! Es kann letztendlich der totalen Überwachung dienen. Je nachdem wer es macht. ;-)
    So wollte man noch vor zwei Jahren “smarte Energiezähler” einbauen, die aber in keinster Weise dem Datenschutz entsprachen.
    Jedes Gerät hätte nicht direkt, aber über dessen Stromverbrauch identifiziert werden, die Anzahl der anwesenden Bewohner/innen detektiert werden können. Mann kann es auch übertreiben.

  • Hutzelwutzel

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    Leider noch was gefunden!
    Aussage Herr Barfuß: ” Transparenz sei wesentlicher Bestandteil einer Smart City. „Dann kann man den Bürgern das auch gut vermitteln und erklären, was da überhaupt passiert.“”
    Nee, mit Sicherheit nicht, denn Bayern hat z. B. das sog. “Informationsfreiheitsgesetz” abgelehnt, und damit u.a. auch Journalist/innen die Recherche beschnitten. So geht “Informationsfreiheit” nicht, Transparenz schon gar nicht.

  • Robert Fischer ÖDP

    |

    @Mr. T. @Fr. Freihoffer:
    Ich denke selbst, wenn die jeweiligen Abgeordneten das verstehen, wovon ich ausgehe, würden sie es ablehnen. In der Angst, man könnte nichts daran verdienen. Bei den regierenden Parteien steht Transparenz und Gemeinwohl ja nicht gerade ganz oben auf der Agenda. Am Ende profitiert die Wirtschaft gar nicht vollumfänglich von unseren Steuergeldern.

    Open Source bedeutet übrigens nicht lizenzfrei. Das müsste man zusäzlich noch herausarbeiten.

    Und danke für Ihren Einsatz Fr. Freihoffer!

  • Sebastian Weiss

    |

    @Hutzelwutzel,

    Stichwort Transparenz:

    Die einzige Möglichkeit auf Transparenz ist OpenSource.

    Ich teile zwar nicht der Ansicht, das FOSS günstiger ist aber spätestens bei machine learning Prozessen unabdingbar.
    Daher widerspricht sich der Herr Barfuss wohl selbst.

    Aber nur um mich nochmal abzuholen, wir sprechen hier von der selben Stadt, die ihre Backup Mailserver vernachlässigen und diese möchte mit BigData anfangen.
    Bin gepannt wer zuerst die Steuerungen lahmlegt

  • Irmgard Freihoffer

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    Warum Open Source-Software gegenüber proprietärer Software kostengünstiger ist:

    „Geringere Kosten mit freier Software
    Softwaremonopole diktieren den Verwaltungen die Nutzungsbedingungen. Die Behörden müssen anschaffen, was ihnen angeboten wird, sie verlieren ihre Handlungsmacht. Freie Software wirkt dem entgegen und bricht die Monopole.
    Besondere Synergie-Effekte ergeben sich bei den in der Verwaltung nötigen Fachanwendungen. Ein gemeinsam entwickelter Software-Pool bietet große Einsparpotentiale und fördert darüber hinaus regionale Entwicklerinnen und Entwickler, die mit der Programmierung oder Anpassung der Software beauftragt werden können und deren Neuentwicklungen dann bundesweit Projekten zugutekommen kann.“
    (D64, Zentrum für digitalen Fortschritt: https://d-64.org/fuenf-gruende-fuer-open-source-software/)

    „Schärfung des Bewusstseins für mögliche Abhängigkeitsproblematiken (Vendor-Lock-ins) und frühes Entgegenwirken: Setzt eine Kommune bei der Gestaltung ihrer technischen IKT-Infrastruktur auf die Technologien eines einzelnen Herstellers oder Betreibers, so kann hieraus eine Abhängigkeit entstehen, die sich auf lange Sicht Kosten- und aufwandsintensivaus wirkt. Daher sollten Kommunen in Verträgen den Aspekt der Offenheit bei der Anschaffung von Systemen und Produkten oder beim Outsourcing von Diensten berücksichtigen und sich die Auswirkungen von Vendor-Lock-ins bewusst machen“
    (Deutscher Städtetag, Die Stadt der Zukunft mit Daten gestalten, 2021, S. 71)

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