Stadtjugendring fordert Sozialticket

Der Forderung nach einem Sozialticket für Bedürftige in Regensburg hat sich nun auch der Stadtjugendring angeschlossen. „Der Stadtjugendring appelliert an die Verantwortlichen der Stadt, das Sozialticket schnellstmöglich einzuführen”, heißt es in einer Erklärung des Vorstands. Bis Ende 2005 gab es in Regensburg bereits einen RVV-Sozialtarif, der mit der Hartz-IV-Reform abgeschafft wurde. „Mobilität ist heute eine Grundvoraussetzung für die allermeisten Formen gesellschaftlicher Teilhabe“, gibt nun die Vorsitzende Daniela Kronschnabl zu bedenken. Dass es in Regensburg kein Sozialticket gebe, bezeichnet der Vorstand des Stadtjugendrings als „nicht länger tragbar”. Laut Angaben der ARGE Regensburg sind in Regensburg knapp 2.700 Hartz IV-Empfänger unter 18. Weitere 1.100 sind zwischen 18 und 26 Jahren. „Zusammen sind das 30 Prozent aller Leistungsempfänger”, so Vorstandsmitglied Florian Gmeiner. „Es liegt in unserer Verantwortung, diesen jungen Menschen die Chance auf eine bessere Zukunft zu ebnen.“ Seit bald zwei Jahren schwelt die Diskussion um ein Sozialticket für Regensburg. Die Linke hatte im September 2008 einen entsprechenden Antrag im Stadtrat vorgelegt, dann aber zurückgezogen, nachdem Sozialbürgermeister Joachim Wolbergs zugesagt hatte, bis Dezember ein Konzept vorzulegen. Der Termin wurde mehrfach verschoben. Ein Konzept gibt es bis heute nicht. „Auf der Suche nach einer Arbeits- oder Ausbildungsstelle ist heute Mobilität besonders gefordert“, erläutert der stellvertretende Vorsitzende des Stadtjugendrings, Detlef Staude. „Die oft unverschuldet benachteiligten jungen Menschen können ihre Notsituation nur dann überwinden, wenn ihnen die notwendigen Mittel, etwa ein bezahlbares Busticket, zur Verfügung stehen“. Seit Februar 2009 verhandeln auch die Sozialen Initiativen mit der Stadt über ein Sozialticket – ebenfalls ergebnislos. Seit kurzem werden deshalb Unterschriften gesammelt. Beide – Stadtjugendring und Soziale Initiativen – fordern das Sozialticket sowohl für Asylbewerber wie auch für Hartz IV-Empfänger. Die Sozialen Initiativen hatten einen Preis von zehn Euro für Hartz IV-Empfänger, Kleinrentner und Geringverdiener ins Gespräch gebracht. Für Asylbewerber, denen im Monat lediglich 40 Euro „Taschengeld” zur Verfügung stehen, soll das Ticket einen Euro kosten. RVV-Geschäftsführer Karl Raba hatte zuletzt gegenüber unserer Redaktion erklärt, dass man der Stadt ein Angebot vorgelegt habe und nun auf Antwort warte. Joachim Wolbergs hatte die Kosten für ein Sozialticket zwischen „300.000 und 600.000 Euro” jährlich taxiert. Zu viel für die Stadt Regensburg, befindet Joachim Wolbergs. Als Begründung muss die „momentane Haushaltslage“ herhalten.

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Kommentare (9)

  • Der Besserwisser

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    Und wer erklärt dann denjenigen, die knapp über der Hartz IV Grenze liegen, dass sie ein Vielfaches für die gleiche Leistung berappen müssen?

  • Die Besserwisserin

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    @Der Besserwisser:
    Erste Zeile: „Der Forderung nach einem Sozialticket für *Bedürftige* hat sich nun auch der Stadtjugendring angeschlossen“ (Hervorhebung von mir). Was genau verstehen Sie daran nicht?

    Es gibt diverse Städte, in denen es ein städtisches Ermäßigungssystem für Geringverdiener und sozial Bedürftige gibt. Die Leistungen beziehen sich dann auf städtisch betriebene Einrichtungen (Schwimmbäder, Museen, Bibliotheken) und bspw. auf städtische Verkehrsbetriebe. Man sollte meinen, dass ein solches Modell, bezogen auf Einrichtungen und Gesellschaften, an denen die Stadt Regensburg beteiligt ist, keinen finanziellen Ruin für die Beteiligten bedeuten kann, sondern Menschen einbeziehen würde, die sonst außen vor blieben.

    Die weiteren Argumente bringt der Vorstand des Stadtjugendrings ansonsten sehr gut auf den Punkt.

  • Joachim Datko

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    Für mich wäre es ärgerlich, wenn ich für ein und dieselbe Leistung mehr zahlen müsste als andere.

    Da kann ich mich nur an die FDP halten, es sollte nicht sein, dass die Selbstzahler benachteiligt sind.

  • sundown

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    Wer 10 bis 15 % über Hartz IV liegt ist so wie so der Gebissene,
    – keine Berechtigung für die Tafel,
    – kein Schulmaterialgutschein für die Kindern,
    – volle Zahlung in den Bädern,
    – volles zahlen im ÖPNV – denn er gezwungener Maßen ja für den Weg zur Arbeit braucht,
    – kein Umweltticket, weil das ja erst ab 9.00 Uhr gilt, da zahlt der den Vollzahlertarif usw. usw.

    Wenn man diese sonstigen „Vergünstigungen“ für Hartz IV Empfänger noch mit einrechnet kann man mit zwei Kindern als „normaler Arbeiternehmer“ (Handwerk, Dienstleister, Einzelhandel) fast nicht mehr soviel verdienen, dass es sich noch lohnt im Sinne von angemessenem Mehrerlöß gegenüber Hartz IV.

    In diesem ganzen System stimmt es nicht mehr. Ohne Mindestlöhne wird sich daran auch nichts ändern. Man darf das Pferd nicht von hinten (Hartz IV-Sätze) her aufzäumen. Man muss beim Mindestlohn anfangen und von dem ausgehend angemessene und auskömmliche Hartz IV-Sätze mit besonderer Berücksichtigung des Bedarfs von Kinden ermitteln.

  • Die Besserwisserin

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    Ich weiß jedenfalls nicht, worum ich Hartz-IV-Empfänger beneiden sollte – schon garnicht um einen Tafel-Berechtigungsschein. Es handelt sich dabei nicht um die Berechtigung zum „kostenlosen Einkauf“ mit toller Auswahl – es gibt dort nämlich das, was anderswo übrig bleibt und ist für die Bedürftigen eine Möglichkeit, arm satt zu werden..

    In einer Stadt, in der regelmäßig Gelder in Projekte gesteckt werden, die wenigen Priviligierten zu Gute kommen, sollten die Menschen sich doch erst recht für ein gutes gesellschaftliches Miteinander und bessere Voraussetzungen für alle einsetzen.

  • Veits M.

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    DIE LINKE sollte ihren Antrag wieder ausgraben, mit weiteren Argumente (Urteil des BVerfG) ausstatten und mit dem Hinweis, sie fühle sich von BM Wolbergs, der sein gegebenes Versprechen nicht einhält, getäuscht, erneut einbringen, wobei der Antrag vollständig auf r-digital veröffentlicht wird.

    „Würde statt Abstellgleis“ – so ein SZ-Artikel – ist keine Lösung.

    Mit einem Sozialticket würde man den Betroffenen ein Stück ihrer Würde zurückgeben, sie ein wenig besser in den Stand setzen, der Ausgrenzung zu entgehen und sich bietende Chancen leichter ergreifen zu können.

    „Wir wollen mehr Demokratie wagen!“

    Im Zweifel ohne SPD und ohne CSU, deren demokratie-unfreundliche Haltung zuletzt bei der Verweigerung der Einsichtnahme in das bekannte Gutachten – fehlende Transparenz – mehr als deutlich wurde.

  • gifthaferl

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    Die Besserwisserin, 8. März 2010 um 15:30 Uhr

    „Ich weiß jedenfalls nicht, worum ich Hartz-IV-Empfänger beneiden sollte“

    Ja Sie!

    Wie man aber auch hier sieht, gibt es Leute, die schon bei der Vorstellung jemand könnte einen angewelkten Salatkopf „umsonst“ abkriegen, Schreikrämpfe kriegen.
    Das muss ja nicht heißen, dass sie ihn essen würden, oder sich nicht einen frischen leisten könnten ……………….

    Die, die wirklich wirklich drauf angewiesen sind, und ja kaum einer freiwillig, neiden anderen Leuten in der Regel nicht die Haare auf dem Kopf – ausgenommen unfreiwillige Glatzenträger – aber das ist eine andere Geschichte……..

  • Bernd Henneberg

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    @besserwisser:Und wer erklärt dann denjenigen, die knapp über der Hartz IV Grenze liegen, dass sie ein Vielfaches für die gleiche Leistung berappen müssen?
    Derjenige, der gegen einen Mindestlohn ist!

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