SOZIALES SCHAUFENSTER

Beiträge mit Tag ‘Walter Boll’

Die Büste von Walter Boll im Treppenhaus des Historischen Museums Regensburg. Foto. R.W.

Die schon vor Jahren angemahnte wissenschaftliche Untersuchung des Regensburger Ehrenbürgers Dr. Walter Boll lässt weiter auf sich warten. Der ehemalige Museumsdirektor und Kulturreferent hat wie kaum ein anderer die Entwicklung Regensburg gestaltet. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus. Nach wie vor prägen wohlwollende Erzählungen und immer wieder wiederholte Legenden das Bild. Recherchen von regensburg-digital in bislang nicht ausgewerteten Akten zeigen nun, dass Boll als Emporkömmling des NS-Regimes immer im Sinne des Nationalsozialismus funktionierte und sich nach Kriegsende als Nazi-Gegner ausgab.

Besucher des Historischen Museums treffen im Treppenhaus auf die Büste eines Ehrenmanns. Auf die des ehemaligen Museumsdirektors und Kulturreferenten Dr. Walter Boll, der vor 71 Jahren das Amberger Zuchthaus verlassen und wie kaum ein anderer die Entwicklung Regensburg gestaltet hat. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus. Der derzeit noch amtierende Kulturreferent Klemens Unger lobt seinen Vorgänger bei jeder Gelegenheit, kehrt dessen Verdienste gerne hervor.

Recherche

Wie Walter Boll zum Widerständler wurde

Er war unter anderem Kulturdezernent, Gründer der Ostdeutschen Galerie, des Historischen Museums und des Amtes für Denkmalpflege: Walter Boll. Im „Regensburger Almanach“ wurde r zudem als Retter jüdischen und Freimaurer-Eigentums während der NS-Zeit, als Mann mit widerständigem Geist und „staatsfeindlicher Haltung“ zum NS-Regime gezeichnet.  Was ist dran an solchen Erzählungen? Wie sind sie entstanden? worden? Und was hatte der Lizenzinhaber der Mittelbayerischen Zeitung Karl Esser damit zu tun? Eine Recherche auf Basis der Spruchkammerakten von Bolls Entnazifizierungsverfahren.

Fragwürdige Rolle bei "Arisierungen"

Stadtverwaltung überprüft Ehrenbürger Walter Boll

Im städtischen Diskurs gilt er als ehrenwerter und unbescholtener Mann, als „Boll-Werk“ gegen den Ungeist der Nazis und als Bewahrer der Altstadt: Walter Boll, unter anderem Kulturdezernent, Leiter der Ostdeutschen Galerie, des Stadtarchiv und des Amtes für Denkmalpflege. Seine Rolle während der NS-Zeit wird meist mit den „Zeitumständen“ entschuldigt. Recherchen der Autorin Waltraud Bierwirth zeichnen ein deutlich anderes Bild, vor allem von Bolls Mitwirken bei der „Arisierung“ jüdischen Eigentums. Ein Vortrag im Runtingersaal machte selbst Stadtheimatpfleger Werner Chrobak fast sprachlos.

„Verzeihen Sie mir, das ist Geschichtsklitterung“

Experten üben deutliche Kritik an Museum, Stadtarchiv und städtischer Erinnerungskultur

Das von der Stadt in Auftrag gegebene „Konzept zur Gedenk- und Erinnerungskultur“ fordert eine deutliche Neuausrichtung von Stadtarchiv und Stadtmuseum. Damit kommt eine lange ignorierte Kritik nun auch aus berufenem Munde und wird zur Handlungsanweisung für die Verwaltung. Das gefällt nicht jedem.

Ein Platz für Boll?

Wie ein ostfriesischer Omnibus – so ist, nach den Worten von Hans Schaidinger, die Liste mit den Namensvorschlägen für Straßenbenennungen in Regensburg gestaltet: 20 Meter breit und nur zwei Meter lang, „damit alle neben dem Fahrer sitzen können“. Was das heißen soll? Alle Namensvorschläge, 200 sind es nach Schaidingers Worten derzeit, stehen gleichberechtigt nebeneinander. So […]

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