SOZIALES SCHAUFENSTER

"Entscheidend ist die Lautstärke"

Treffen wegen DJs: Gastro-Vertreter geben Entwarnung

Folgt man einer heute verschickten Pressemitteilung der Stadt zu einem gemeinsamen Gespräch mit Gastro-Vertretern, dann gibt es auch nach deren Einschätzung keine generell härtere Gangart gegen DJs, sondern lediglich „Missverständnisse“.

Musik in Kneipen? „Entscheidend ist die Lautstärke“, sagen nun auch Vertreter der Gastronomie. Foto: Archiv/Martin Mayer

Empfindlich reagiert hat man bei der Stadt Regensburg, wenn das Wort „Krisengipfel“ in Zusammenhang mit einem Treffen verwendet wurde, das am vergangenen Montag stattfand. Von einem „Krisengipfel“ könne keine Rede sein, hieß es auf Nachfrage. „Es handelt sich um ein informelles Gespräch zwischen der Bürgermeisterin, dem Rechtsreferenten und Kneipenbetreibern.“ Hintergrund: Die Debatte um eine vermeintlich härtere Gangart in Zusammenhang mit DJs in Kneipen und Wirtshäusern.

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Alles schiedlich-friedlich?

Folgt man einer heute verschickten und – nach Auskunft der städtischen Pressestelle – mit allen Teilnehmern abgestimmten Erklärung, scheint sich nun alles schiedlich-friedlich zu legen. Selbst Gastro-Urgestein Karin Griesbeck (u.a. Alte Filmbühne), die zunächst ebenfalls Kritik an der Stadt geübt hatte, und Karl von Jena, Sprecher der Altstadt-Gastronomie kommen nach dem Treffen mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und den beiden Referenten Dr. Walter Boeckh (Recht) und Wolfgang Dersch zu dem versöhnlichen Schluss, dass „Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden“ konnten:

„Primär geht es um die Lautstärke. Der Stadt Regensburg geht es natürlich um den Schutz der Anwohner. Werden diese nicht gestört, spielt es zunächst keine Rolle, ob die Musik vom Band kommt oder ein DJ auflegt. Entscheidend ist die Lautstärke. Auch musikantenfreundliche Wirtshäuser, in denen spontan Musiker aufspielen, haben keine Sanktionen zu befürchten.“

„Kein generelles Verbot“

DJs sollen laut den Statements der städtischen Vertreter also „nicht generell verboten werden“. Entscheidend für die Beurteilung von DJ-Auftritten – und anderen musikalischen Darbietungen wie Livekonzerten – in Gaststätten sei jedoch die jeweilige genehmigte Betriebsart. „Um in Gaststätten, die auch baurechtlich dahingehend geprüft wurden, regelmäßig musikalische Veranstaltungen durchführen zu können, sei der Einsatz von DJs unproblematisch und könnte täglich erfolgen.“ Beim überwiegenden Teil der Altstadtkneipen handle es sich jedoch um so genehmigte „Schank- und/oder Speisewirtschaften“.

Hier ist die Anzahl der Veranstaltungen, die dem Ordnungsamt angezeigt werden müssen, aus Rechtsgründen „grundsätzlich auf maximal 24 im Jahr beschränkt“, heißt es nun. „Außerhalb der angezeigten Veranstaltungen darf die Musik, speziell auch von DJs, nur als Hintergrundmusik laufen.“ Laut Rechtsreferent Boeckh habe das Ordnungsamt die Praxis in diesem Zusammenhang nicht geändert „und auch die Kontrollen wurden nicht ‚verschärft‘“.

Weiteres Treffen geplant

Damit bleibt der Status Quo, den es in der Altstadt schon seit längerem gibt: Es gibt Kontrollen und dabei ausgeübte Ermessensspielräume, innerhalb derer die Grenzen zwischen dem, was man als problemlos zulässige Hintergrundmusik im Wirtshaus wahrnimmt und was als anzeigenpflichtige Veranstaltung, fließend und offen für Interpretation sind. Und es wird auch weiterhin immer mal Reibereien geben.

Immerhin: Nach der Kommunalwahl soll es ein weiteres Treffen mit interessierten Kneipen-Betreibern geben, um auch künftig „Missverständnisse auszuräumen“. Das dürfte dann vor allem für die drei Lokale von Bedeutung sein, die aktuell Ärger mit dem Ordnungsamt hatten, und an deren Situation sich die Debatte entzündete.

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Kommentare (12)

  • Mr. T.

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    Eigentlich wär’s ja ganz einfach. Zahlt man für den DJ Eintritt, ist’s ne Veranstaltung. Sorgt der DJ mit seiner Musikauswahl für gute Stimmung in der Bar ist’s einfach ein toller Service des Wirts. Lärmemissionen stehen eh oben drüber. Also David Guetta darf nur alle zwei Wochen spielen, Shake, the Snake jeden Tag ;-)

  • Lothgaßler

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    Wenn man das so liest, dann scheint ja alles klar und kein Anwohner hätte jemals Grund um Rücksicht zu bitten. Warum werden nicht auch Anwohner zu diesen Gesprächsrunden eingeladen? Ich komme gerne!

  • joey

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    Das Risiko „Beschwerer“

    Es gibt ja Leute, die neben die Brenner Autobahn gebaut haben und dann gegen die Autobahn klagen… und im TV eine Tränengeschichte erzählen.
    Es sollte aber auch niemanden überraschen, daß es Lärmschutz gibt. Wie man halt auf Landstraßen auch nicht schneller als 100… wer mit mehr erwischt wird, kriegt die Folgen. Skandal?
    Ich frage mich, wo überhaupt das Thema ist.

  • R.G.

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    @Joey

    „Es gibt ja Leute, die neben die Brenner Autobahn gebaut haben und dann gegen die Autobahn klagen… und im TV eine Tränengeschichte erzählen.“
    Denken hilft.
    In engeren Tiroler Tälern musste man halt irgendwie neben einer Straße bauen, weil nur dort Baugrund zu haben war. Theoretisch kann man einen Kilometer entfernt leben, aber da wurden für Normalsterbliche keine Bauplätze neu ausgewiesen.
    Seit alters her saßen die Reichen, der Kaiser und die Kirche bzw. ihre wenigen ausgebeuteten Ober-Untertanen auf der Sonnenseite.
    Dort errichtete man möglichst die großen Straßen nicht, sondern auf die Talseite der Bevölkerung.

    Selbst wer in den 60ern bewusst neben einer Autobahn baute, obwohl er anderswo eine Möglichkeit hatte, konnte nicht mit der Vervielfachung des Verkehrs und der Abgase, mit den riesigen Lastzügen etc. rechnen. Die Leute regen sich nicht mal über notwendigen Verklehr auf, sondern über sinnlosen (Exportprämien!) und gefährlichen.
    Ich hätte mir gerne in einem Alpental meine Existenz aufgebaut, in den ländlichen Wohngebieten war mir das Echo des Lärms der Autobahnen einfach zu laut, ich musste der Ruhe wegen zurück in eine Stadt ziehen.
    Von der sicheren Ebene aus zu verhöhnen, wer in den Alpen nicht die Möglichkeit hat, seinen Beruf überall auszuüben und so zu übersiedeln, ist schäbig.

  • joey

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    @R.G.
    ich rede von einem Toskana Haus, Baujahr etwa 2010 direkt neben der Europa Brücke. Ja, da war der Baugrund fast schon „schäbig“ billig.

    Zurück zum Thema: Wer in eine Innenstadt zieht, kriegt Nachtleben. Das ist kein reines Wohngebiet, sowas gibts ja auch. In Kerngebieten gibts trotzdem noch Lärmschutz gem. TA Lärm: 45dB nachts. Das ist relativ leise.

    Ich habe selbst schon einige Male Weiherpartys angesprochen, ob die ihre Musik leiser drehen können, weil die Frau in meinem Bett früh raus (Sonntagsdienste). Meistens hilfts, die konnten nicht abschätzen, wie laut sie drüben im Wohngebiet ankommen. Manchmal brauchts die Polizei, wenn es sich um schlicht rücksichtslose Leute handelt.

  • Charlotte

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    Danke @ Lothgaßler für ihre Frage…

    Genau das fehlt mir auch… aber das ist ja nur konsequent, weder Stadtrat noch Stadtverwaltung sind interessiert an den Erfahrungen der Anwohner, besser gesagt an den Belästigungen jeglicher Art durch die Partyzone Altstadt Regensburg.

  • Lothgaßler

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    @Charlotte:
    Ich denke, wir werden nicht vertreten, also müssen wir selber ran. Alleine ist es immer müßig, dann sinds „Einzelinteressen“. Wir sollten uns organisieren.

    @Joey:
    Ganz so ist es nicht, die Bespielung der Altstadt als Ort des organisierten Gaudiums hat sich über die Jahrzehnte entwickelt, und es scheint so, als ob das auch mit stiller Zustimmung aus der Politik erfolgt ist. Anwohner hat keiner um ihre Meinung gefragt.
    Natürlich rede ich, soweit es geht, mit den Betreibern (ich spreche von der Mehrzahl, weil die Betreiber des Lokals um die Ecke alle paar Jahre wechseln). Aber so einfach ist es nicht, denn der wahre Wirt ist nicht immer da und das Personal schert sich mitunter wenig. Das Lokal bei mir um die Ecke war als ich einzog ein Weinlokal (Falks Weinstube), danach ein Fastfood, danach eine Pizzeria, danach ein Eventlokal (schnell wieder weg), dann eine Kneipe und jetzt offiziell „Bar + Deli/ Bar und Grillrestaurant“.
    Das waren in der Nachbarschaft schon immer Wohnungen, aber es gab früher keinen lauten Musikbetrieb.
    Das Problem ist nicht die Musik an und für sich, sondern die Lautsärke und Lärm dann bis zur Sperrstunde. Dafür ist die Bebauung nicht geeignet. Wer eine Lokation für laute Musik haben will, der muss entweder seine Lokation entsprechend ausbauen (Lärmdämmung) oder eine andere Lokation finden.

  • Mr. T.

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    Jetzt geht’s langsamm off-topic. Das eine sind Veranstaltungen in Räumen und das andere ist der Radau in der Altstadt. Ersteres ist ja mehr oder weniger geregelt. Zweiteres schwer regelbar, da hier kaum eine verantwortliche Person greifbar ist. Das sind alles einzelne Individuen, die mehr oder weniger über die Stränge schlagen – vor allem in der Masse. Das hat mit den Kneipen nichts zu tun. Die müssen alle zur selben Zeit ihre Gäste auf die Straße setzen, wo sie sich dann (lautstark) die Zeit vertreiben bis sie meinen, dass sie heim wollen. Liesse man den Wirten hier mehr Spielraum, wäre es nicht so laut auf der Straße. Die andere Möglichkeit wäre noch sämtliche Möglichkeiten zur Vergnügung aus der Altstadt raus, so dass erst gar keine Leute in die Altstadt kommen. Und auf die Bänke um den Bismarckplatz so Stachelbänder wie man sie für die Tauben auf den Fensterbrettern hat.

  • R.G.

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    “ Und auf die Bänke um den Bismarckplatz so Stachelbänder wie man sie für die Tauben auf den Fensterbrettern hat.“

    Bitte nicht, sonst wird das ein Pilgerort für Sadomaso-Paare!
    ; )

  • joey

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    @Lothgaßler

    bekannte Probleme sind auch Autoposer, die mit umbumb durch die Gassen fahren. Keine Wachposten der Polizei konnten Übeltäter dingfest machen.
    Früher wurde nicht jeder in die Stadt gelassen, man kannte sich – bzw die Wirte wußten, wer bei ihnen nächtigt. Heute darf sich jeder aus Hemau (*) vollsaufen und eine(r) in der Gruppe fährt die Bande heim.
    (*) fiktive Ortswahl. Könnte auch Regen oder Straubing oder Hagelstadt sein.

    45dB durchsetzen… wären Kameras die Lösung?

  • Charlotte

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    @ Mr. T.

    Beides verursacht alleine schon aufgrund der Masse Lärm und Probleme:
    Es gibt einmal zu viele Kneipen, Bars und Clubs in der doch kleinen Altstadt. Dadurch ist der Konkurrenzkampf groß, die Wirte glauben, dass sie ihn mit möglichst vielen Veranstaltungen gewinnen können. Viele Kneipen bedeuten automatisch viele Menschen auch auf der Straße. Vor allem im Sommer halten sich viele Kneipen eben nicht an die Lärmschutzgesetze: alle Türen und Fenster sind auf und laute Musik spielt trotzdem!

    Zum Vorschlag ‚unterschiedliche Schließungszeiten‘: Dies gab es in Regensburg schon – die längeren Öffnungszeiten waren eine Katastrophe: denn es gibt NICHT weniger Lärm, sondern Deutlich MEHR Lärm bis in die frühen Morgenstunden. Also diese Übung können wir uns sparen!

    Zur Einhaltung der Nachtruhe sind schlichtweg strengere Regeln mit konsequenter Kontrolle mit hohen Bußgeldern notwendig. Leider…

  • Andreas

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    Kann mir einer erklären was das hier bedeutet:
    „Um in Gaststätten, die auch baurechtlich dahingehend geprüft wurden, regelmäßig musikalische Veranstaltungen durchführen zu können, sei der Einsatz von DJs unproblematisch und könnte täglich erfolgen.“
    Warum? Haben Gäste bei einer Musikveranstaltung mehr bedarf an Branschutz o.ä. als Kneipengäste?

    Kann es sein, das wir hier ein Stückchen Bürokratie gefunden haben, das wir ohne Schanden einfach streichen könnten? Könnten wir einfach Gäste und Wirte entscheiden lassen wie sie Ihren Abend gestalten? Limits auf Lautstärke und Ruhestörung bleiben selbstverständlich unberührt!

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