Weitere Missbrauchsfälle – „Müller ist Teil des Problems”

Bischof Müller ist verreist. Und so blieb es seinem Sprecher Clemens Neck vorbehalten, eine Erklärung des Bischofs zu verlesen, in der dieser erklärt, dass sein eindeutiger NS-Vergleich gar kein NS-Vergleich gewesen sei. Die Nachfragen der anwesenden Journalisten dazu halten sich in Grenzen. Bei der Pressekonferenz am Montagvormittag geht es nur am Rande um den einsamen Feldzug des Regensburger Kirchenfürsten gegen die Medien, seine damit einhergehenden abstrusen Verschwörungstheorien über „interessierte Kreise” und seine wiederholten Nazi-Vergleiche.

Es geht um die Realität – den sexuellen Missbrauch von Schülern im Internat der Regensburger Domspatzen. Hier sind dem Bistum mittlerweile sieben neue Fälle bekannt, die bis in die Mitte der 80er Jahre reichen. Die sechs Täter sind noch am Leben. Es handelt sich laut Bistum um einen Pfarrer, zwei Ordensgeistliche und einen ehemaligen Ordensmann sowie zwei Klosterschwester, die mittlerweile beide „dement und kaum ansprechbar” seien, so Bistumssprecher Neck. Die Missbrauchsbeauftragte Birgit Böhm spricht von „sehr, sehr vielen” Anrufen, E-Mails und mehreren persönlichen Gesprächen. Konkrete Zahlen kann sie nicht nennen. Von Trittbrettfahrern geht Birgit Böhm nicht aus. Alles seien „glaubwürdige und ernstzunehmende Schilderungen”. Es darf insofern davon ausgegangen werden, dass in den kommenden Tagen und Wochen weitere Missbrauchsfälle bekannt werden. Vielen Opfern falle es aber sehr schwer, darüber zu reden, so Böhm. „Die Menschen nehmen oft sehr vorsichtig Kontakt auf. Sie überlegen genau, ob sie etwas sagen. Sie fragen mich, wer ich bin, wie meine Rolle definiert ist, und was ich in welcher Form weitergebe.”

„Sehr, sehr viele Anrufe. Glaubwürdige und ernstzunehmende Schilderungen.” Birgit Böhm und Clemens Neck. Fotos: as

„Konkrete Hinweise auf Straftaten geben wir an die Staatsanwaltschaft weiter – unabhängig von Verjährungsfristen”, bekräftigt Neck. Wenn die Geschädigten das nicht wollten, stehe man vor einer Güterabwägung: Auf der einen Seite die Schweigepflicht der Therapeutin, auf der anderen Seite der Schutz möglicher anderer Opfer vor dem Täter. Im Zweifelsfall bespreche man sich mit der Staatsanwaltschaft. Auch zu den Vergewaltigungen bei den Domspatzen bis 1992 hat das Bistum Birgit Böhm zufolge erste Hinweise erhalten.

Gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel hatte sich ein ehemaliger Domspatz offenbart und von Vergewaltigungen durch ältere Mitschüler berichtet. „Der Betroffene selbst hat sich nicht bei uns gemeldet, aber ich habe durch eine dritte Person davon erfahren.” Sollte das Vertrauen in die Diözese fehlen, solle sich das Opfer direkt an die Staatsanwaltschaft wenden, rät Clemens Neck. Ein Maßnahmenpaket, um den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Mitarbeiter der Kirche zu verhindern, steckt offenbar erst im Anfangsstadium. Neck und Böhm sprechen von einem „Verhaltenskodex”, Bildungsangeboten und Ansprechpartnern für Betroffene in kirchlichen Einrichtungen. Konkreter werden beide am Montag nicht. Bischof Müller, der sich offiziellen Angaben zufolge auf einer Reise nach Mittelamerika befinden soll, ist derweil zunehmend isoliert. Selbst aus dem Vatikan, namentlich von Kurienkardinal Walter Kasper, gab es Kritik für Müllers Attacken gegen die Medien. Dem Bayerischen Rundfunk sagte Kasper, die katholische Kirche solle nicht mit dem Finger auf andere zeigen.

„Bischof Müller ist Teil des Problems”

Auch die „Schäfchen” im eigenen Bistum melden sich zu Wort. „Das Maß ist mehr als voll”, kritisiert die Laienverantwortung Regensburg e.V. Müllers „Serie von Entgleisungen bei der Aufarbeitung der sexuellen Missbrauchsskandale”. „Die Kirche von Regensburg und ihr Bischof Gerhard Ludwig Müller haben ein Problem, Bischof Müller ist Teil dieses Problems. An ihm kann man die strukturellen Probleme der Kirche, die auch die Fälle sexuellen Missbrauchs begünstigen können, gut studieren.” Seit seinem Amtsantritt 2002 habe Müller einen Konflikt nach dem anderen vom Zaun gebrochen, einen Skandal nach dem anderen provoziert. „Die Gläubigen im Bistum sind es leid.” Zur Lösung des Problems seien Mut und Neubeginn im wahrsten Sinne des Wortes notwendig. „Bischof Müller sollte von sich aus Konsequenzen ziehen, der Vatikan ist dazu (noch?) nicht in der Lage!”

Wenig überraschend ist indessen, dass Müller den Text seiner umstrittenen Predigt verfälscht ins Internet stellen ließ. „In einer großen Krisensituation haben Frauen unseres Frauenbundes sich gegen die damals triumphierende, nationalsozialistische Bewegung, diese neuheidnische Ideologie, christentumsfeindliche, menschenfeindliche Ideologie gewandt”, hatte er am Samstag im Dom gepredigt. Dieser Mut sei auch heute unabdingbar. „Auch jetzt erleben wir wieder eine Kampagne gegen die Kirche. Von so vielen Medien wird gegen die Kirche gezischt, als ob man gerade in einem Gänsestall hier die Gänse aufgeweckt hätte.”

Das Wörtchen „wieder” fehlt auf der Bistums-Homepage. Unumstritten ist indessen Müllers Aussage: „Hier kommt es darauf an, Reife des Glaubens zu haben, nicht auf all diese Schalmeien wie 1941 hereinfallen, so auch heute nicht.” Die Ausstrahlung einer Aufzeichnung der Predigt durch den Bayerischen Rundfunk, die Müllers Aussagen belegt, versuchte er zu verhindern. Vergeblich.

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Kommentare (31)

  • Ministrant

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    Kommentar gelöscht.

  • Joachim Datko

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    Mein dringende Warnung an Eltern: Halten Sie Ihre Kinder von katholischen Priestern fern!
    Siehe:
    http://www.bistum-regensburg.de/media/borMedia1150301.JPG

    Zu „Ein Maßnahmenpaket, um den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Mitarbeiter der Kirche zu verhindern, steckt offenbar erst im Anfangsstadium. Neck und Böhm sprechen von einem „Verhaltenskodex”,“

    Priester sollten sich von fremden Kindern fern halten. Katholische Priester sind meiner Ansicht nach für die geistige Entwicklung von Kindern schädlich. Ich kann aus meiner Sicht vor der katholischen Kirche nur warnen.

    Meine Bitte an Lehrer an öffentlichen Schulen:
    Lassen Sie sich nicht vor den Karren der Priester spannen!
    – Bringen Sie Kinder nicht zu Anfangs- und Schlußgottesdiensten!
    – Üben Sie keine kirchlichen Lieder ein, es gibt genug weltanschaulich neutrale Lieder

  • Immanuel K. Anti

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    Ach, Herr Aigner, ob man sagt „Auch jetzt [geschieht] wieder [etwas]“ oder man schreibt „Auch jetzt [geschieht etwas]“ macht keinen so großen Unterschied, daß man von Verfälschung sprechen müßte.
    Die Wiederholung/Kontinuität wird durch das „auch jetzt“ ausgedrückt, dahinter könnten alle möglichen Abstufungen ausgedrückt werden (schon wieder, endlich wieder, leider wieder usw. usf), aber der Nazivergleich bleibt stehen.

    @Ministrant:
    Die sexuelle Orientierung einer Person des öffentlichen Lebens ist deren Privatsache. Niemand würde sich entblöden, einem Hetero wegen eines Photos mit einem Mädchen irgendetwas ans Zeug flicken zu wollen.

    (ICH HABE GERADE DEN BISCHOF VERTEIDIGT!!!)

    Sich mit Kindern volkstümelnd vor der Kamera zu inszenieren, läßt in meinen Augen meist auf ein sehr schlichtes Gemüt schließen. Oder den Verdacht aufkommen, daß die Person ihre Zielgruppe für sehr sehr einfach gestrickt hält.

  • Matthias Breitfeld

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    Lieber Bischof,
    Sie sind überflüssig, wie ein Kropf, die Welt geht auch ohne Sie weiter. Sie haben nie ernsthaft gearbeitet, auch wenn Sie es leugnen. Sie parasitieren sich durch die Welt. Die Mißbrauchsfälle sind passiert, es gibt sicher auch Fragen, warum jetzt eine solche Verdichtung der Fälle ankommt. Auch Medien haben hier ihre Ziele. Für mich gibt es ein anderes Problem. Ausgerechnet die katholische Kirche, welche gegen Unmoral und lockere Gesellschaft stets Bannerträger sein will, mißbraucht Kinder. Dabei melden sich nur die alten, nicht die Kinder von heute, die können das noch nicht. Weiß der Himmel, wievielen Papst Benedikt nicht nur gutes angetan hat. Heute, im 21. Jahrhundert, wo Kirche keinerlei Macht mehr haben sollte, wo bewiesen ist,, daß es keinen Gott gibt, maßt sich eine arbeitsfauler Mensch, der Bischof wurde, an, due Aufklärer zu geißeln. Schickt den Burschen mit Schaufel und Spaten zur Arbeit, dann fällt ihn der Blödsinn nicht mehr ein.
    Es ist kein Eklat gegen die katholische Kirche, die katholische Kirche selbst und alle Religionen sind ein Eklat gegen die Vernunft. Sie gehören allesamt in den Privatbereich. Wer als Krichenmitglied Geld und Macht verdient (die entsprechenden Hierarchiestruktuen) soll Verantwortung tragen oder gehen. Die Kirche gehört nicht ins 21. Jahrhundert, bestenfalls als Märchen.

  • Thomas Pfeiffer

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    Hallo,

    warum bezieht sich Müller den explizit auf das Jahr 1941? Was ist da besonderes passiert, was er vergleichen will?

  • Ministrant

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    @ Immanuel:

    Die sexuelle Orientierung ist Privatsache, ja. – Aber: Homosexualität ist ein Risikofaktur für Kindesmissbrauch, zumal die Missbrauchsfälle, um die es geht, mehrheitlich Knaben betreffen.
    Wer behauptet, Homosexualität und Päderastie hätten nichts miteinander zu tun, der lügt.

    Müller ist nicht einfach gestrickt. Er war Professor für Dogmatik an der Uni München.

  • Immanuel K. Anti

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    @Ministrant:
    Daß Päderastie etwas mit Sexualität zu tun hat, darauf können wir uns sicher einigen, aber daß es unter den Homosexuellen diese Veranlagung mehr gibt als unter den Heteros, das streite ich vehement ab.
    Die Mehrzahl der Taten findet in der Familie statt, der typische Täter ist hetero.
    Männer an sich sind der Risikofaktor.

    Ich persönlich finde das Verhalten des Bischofs äußerst einfach gestrickt. Kindliches Rumgetrotze.

  • Veronika

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    Spitzenmässig! Vielleicht ist man sich mittlerweile im Ordinariat einig, dass dieser Bischof das Problem ist. Nicht böse sein, aber wer hätte dem Bischof (als dem Höchstverantwortlichen in dieser Diözese) seit Jahren zuarbeiten sollen? Nur der Bischof selbst? Diese Diözese Regensburg wurde über Jahre hinweg auf die Missbrauchsfälle von Ende der 1950er Jahre bis in die 70er aufmerksam gemacht. Schon unter einem Bischof Manfred Müller wussten ziemlich viele höhere Geistliche in dieser Diözese, was hier nicht gesagt werden soll. Da bin ich mir sehr sicher!
    Natürlich sind diese Verknüpfungen von NS-Zeit mit aktuellen Dingen nicht zu dulden, schon gar nicht aus dem Munde eines kath. Bischofs; schon gar nicht gegen Journalisten.
    Aber mal ehrlich (und hier nochmals erwähnt): Leitet ein Bischof allein die Diözese, oder gibt es hier nicht vielleicht auch noch einige andere Personen, die dafür genügend Geld erhalten?
    Sicher hat man versucht die aufgezeichnete Predigt nicht veröffentlichen zu lassen, aber wenn man dies gewollt hätte, hätte dies sicher auch geklappt. Da kennt man die Diözese R. seit Anfang der 1980er Jahre sehr gut. Fazit: Müller selbst ist das Problem, denn er hat seine Diözese nicht im Griff. Ohne ihn in Schutz nehmen zu wollen, hat er die Wölfe, die nach seinen Schäflein äugen nicht ausserhalb, sondern innerhalb seines Systems zu suchen. Aktuell denke ich, ist er abgetaucht, um sich – so bleibt zu hoffen – mit Leuten in südlichen Gefilden zu beraten.

  • Veits M.

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    Eine Doku aus dem Jahre 2002 – http://www.wir-sind-kirche.de/files/75_wsk_doku.pdf – zeigt auf, wie in all den Jahren Wesentliches versäumt wurde. Der HINTERGRUND – dradio.de vom 22.März, 18.40 Uhr – informiert vertiefend auch darüber, dass die Kirche kein Staat im Staate ist; dort wird auch ausgeführt, wie die Staatsanwaltschaft mit dem Legalitätsprinzip umgegangen ist, um die Kirche zu schützen.

    DIe seit unvordenklichen Zeiten bestehenden Probleme sind also auch ganz entscheidend struktureller Art; sie haben auch mit dem Funktionieren demokratischer Institutionen zu tun.

  • Sir Sonderling

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    Und wieder frage ich mich, was die Laiengschaftler eigentlich in dieser Kirche wollen?

    Der Bischof handelt doch voll im Einklang mit seinem totalitären Boss.

    „Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation“.

    Wer zu einem Gott betet, der solche Racheschwüre von sich gibt kann in meinen Augen einfach nicht bei Trost sein. Ich denke, dass vor allem bei den modernen, aufgeklärten Laien ein großer Selbstbetrug im Gange ist. Nicht der Häkelspitzengewandete Bischof ist der Misston – die „engagierten“ Christen sind die, die in diesem Club fehl am Platze sind.
    Letztlich bleibt nur eine Lösung: Austreten!

    Servus,
    Sir

  • Mathilde Vietze

    |

    Herr Datko, als ernsthafte, aber kritische Katholikin wehre ich mich gegen Ihren
    Pauschal-Vorwurf. Um der vielen untadeligen Priester und Ordensleute willen,
    müssen diejenigen Übeltäter, die der Kirche Schaden zugefügt haben, und
    auch die, die an der Vertuschung eifrig mitgewirkt haben, zur Verantwortung
    gezogen werden.

  • Joachim Datko

    |

    Kirchensteuer reduzieren oder gleich Kirchenaustritt ?

    Zu 23. März 2010 um 8:58 Uhr
    „Und wieder frage ich mich, was die Laiengschaftler eigentlich in dieser Kirche wollen?“

    Es sind die Mitläufer, die „Gläubigen“, die eine Organisation stark machen. Wahrscheinlich zahlen Tausende in Regensburg die hohe Kirchensteuer ohne entsprechend Leistungen in Anspruch zu nehmen.

    Spartipp?
    Bitten Sie zumindest um Reduktion der Kirchensteuer, geben Sie an, wie wenig Leistung Sie in Anspruch nehmen.
    http://www.kirchensteuern.de/Texte/AkademischerSteuertip1.htm

    (Austritt beim Standesamt für 25 Euro + 6 Euro für eine schriftliche Bestätigung, Ausweis nicht vergessen, ab 14 Jahren möglich)

  • Immanuel K. Anti

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    @Matthias Breitfeld

    Wenn Sie die NS-Vergleiche des Bischofs tatkräftig untermauern wollten, dann kann ich Ihnen nur gratulieren! Mission erfüllt!
    Ihr Geseihere von wegen parasitärem und arbeitsscheuem Dasein, das Sie mit Zwangsarbeit kurieren möchten, ist bestenfalls unüberlegt, im Wesentlichen aber leider doch nur faschistoides Geplärre.
    Mit Vernunft hat diese Forderung nichts, aber auch garnichts zu tun. Und in einer „lockeren“, also toleranten und aufgeklärten Gesellschaft ist sie vollkommen fehl am Platz.

  • Joachim Datko

    |

    Priester manipulieren meiner Ansicht nach Kinder und Jugendliche, sie verfolgen eigene Interessen und tun so, als wollten sie die Menschheit retten! Je früher sie Kindern ihr Weltbild einprägen können, desto zufriedener sind sie. Die Priester sollen fremde Kinder in Ruhe lassen.
    =====
    Zu Mathilde Vietze 23. März 2010 um 11:44 Uhr „Herr Datko, als ernsthafte, aber kritische Katholikin wehre ich mich gegen Ihren Pauschal-Vorwurf. Um der vielen untadeligen Priester und Ordensleute willen,“
    =====
    Ich bin Atheist und halte vom katholischen Weltbild nichts. Dies sollte auch leicht nachvollziehbar sein, wenn man an die katholische Hölle und den Teufel denkt.

    Wenn jemand versucht solche Dinge schon kleinen Kindern in das Gehirn einzuprägen, dann halte ich ihn für gefährlich. Er macht sich meiner Ansicht nach der Manipulation schuldig. Natürlich mag da jeder seine eigene Meinung haben.

  • Barbara Junghans

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    @Ministrant

    Sie wissen schon, dass Sie sich mit Ihrem 1. Satz aufs Glatteis begeben?

    Sicher teilen sehr viele Menschen Ihre Überzeugung (!), aber Sie müssen das im Ernstfall (sollte der hochwürdige Herr Sie vor den Kadi zerren) auch beweisen können. Sonst hilft Ihnen dann auch der beste Anwalt nichts. Ich will Sie nicht tadeln, nur warnen, denn Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

  • Veronika

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    So, jetzt gab es den lange (von Einigen wohl seit Jahrzehnten) erwarteten Bericht der Diözese, was nun/ tun?
    Eigentlich wird es jetzt so richtig interessant, da der Bischof noch nicht da ist und jetzt eigentlich sein „alter ego“ weiter handeln muss/ müsste. Als „Ersatzhirte“ ist jetzt übrigens WB Pappenberger dran. Bin jetzt echt mal interessiert was die manchen, wenn der Bischof so schnell nicht wiederkommt.
    —–
    Habe mich nämlich über meine frühere Diözese mal schlau gemacht, und die Zeit seit Gerhard Ludwig Müller pressemässig durchforstet. War da als erster Kindsmissbrauch einer in der Nördlichen Oberpfalz, und dann der in Riekofen? Hatte nun dieser aktuelle Bischof diese beiden Priester (wieder)einstellen lassen, oder war dies nicht vielleicht zu der Zeit geschehen, als Müller noch gar nicht auf den Regensburger Bischofsstuhl berufen war.
    —–
    Oh, je, Herr Bischof GLM: Da wollen Sie offiziell nicht zum WERK, wird sogar eine Frau Kuby ohne ihr Wissen eingeladen, um Sie gefügiger zu machen. Als das alles nichts hilft, und sie das im eigenen Hause „auskehren“ wollen, kommt neben der Jahrzehntelang in der D.R. verschwiegenen S..ereien auch noch Kinofilm-Persiflagen wie „Des Papstes Bruder (schlägt)“ und „Das Schweigen der (Lämmer)Hirten“ ins bischöfliche Privatkino.

  • Veronika

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    @Herr Datko:
    Geben Sie mir hier vielleicht Recht?

    Während der Regensburger Bischof heruntergekanzelt wird und das gesamte Biotop „Ordinariat“ schweigt, stattdessen nur Laien (Böhm & Neck) zu Wort kommen lässt, wird in der Diözese Passau Bischof Schraml jetzt öffentlich der Rücken gestärkt.
    Jemandem, wie ich jetzt erfahren habe, der vorher Weihbischof in der Diözese Regensburg gewesen ist, und auch hätte wissen müssen, was da bei den Domspatzen etc. abgelaufen ist.
    Ausserdem soll es da noch einen emeritierten WB namens Guggenberger geben, der ebenfalls etwas gewusst haben muss.
    ——————————
    Herr Datko, ist es nicht schön dass man jetzt ein einziges Feindbild, nämlich Bischof Gerhard Ludwig Müller einführt, weil man Angst hat es könnte noch mehr ans Tageslicht kommen. Etwas, dass man mit der Trennung von sog. „forum internum“ und „forum externum“ ganz und gar nicht öffentlich machen will?
    Was halten Sie davon?

  • tommy

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    @ veronika
    Da ist natürlich was dran.
    Der reaktionäre Müller ist der perfekte Abfangjäger, der an der Front die unverschämtesten Schweinereien raushaut.
    Im kirchlichen Hinterland geschieht derweilen in aller Ruhe dass, was immer geschah und wofür die Kirche als Organisationsform und gesellschaftlicher Machtfaktor auch, nicht nur historisch, steht: Manipulation, Unterdrückung, staatlich-kirchlich organisierte Esoterik, Gewalt und Hierarchie, als Tradition verkleideter Nationalismus und Kulturimperialismus, usw. usf.

    Die logische Konsequenz der katholischen Organisierung ist letztendlich natürlich der direkte, gewaltätige Übergriff von, natürlich nicht allen, Kirchenangestellten auf vermeintlich Schwächere. Sexualisierte Gewalt war dabei schon immer eines der beliebtesten „Züchtigungsmittel“ der moralischen Instanz.

    All das funktioniert gesamtgesellschaftlich und natürlich im Speziellen in den diversen Einrichtungen und Erziehungslagern der katholischen Kirche.

    Dementsprechend sollte eine Kritik und Empörung an den angeblich erst jetzt bekannt gewordenen Gewaltexzessen auch nicht bei einzelnen Priesterchauvinisten aufhören. Will mensch zukünftig weitere, massenhafte Erniedrigungen von Menschen an Schwächeren eindämmen, muss in 2010 die Kirche als Institution und ihre gesellschaftliche Rolle zurückgedrängt und skandalisiert werden.

    Mit der Kritik am Glauben verschiedener Menschen an diverse Götter oder andere HeilsbringerInnen hätte eine solche Kritik im Übrigen nichts zu tun.
    Wenn christlicher, oder wie auch immer ausgeprägter, Glauben, aber auch diverse Esoterik endlich Privatsache der Menschen wäre, dann könnte mensch auch in Ruhe und zwanglos in Gespräch, Debatte und Kritik über Religion und Aberglaube übergehen.

  • Veronika

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    @tommy:

    Also wo ich Ihnen uneingeschränkt Recht geben muss (Ich bin nämlich gerne Mitglied der Kath. Kirche!) ist die Tatsache, dass die Katholische Kirche vor allem in Deutschland ein eben nicht kontrollierbarer und damit von Staats wegen in dieser Hinsicht auch nicht duldbarer Machtfaktor ist.
    Der Blick nach Rom zeigt, dass hier wenn vielleicht ebenfalls nicht unbedingt ganz koschere Leute, zumindest nicht mit Staatsgeldern Staatsbürgerinnen und -bürger an die Kandarre genommen werden.
    Ist ja fast schon lachhaft, wenn die Diözese Regensburg als sog. „Peterpfennig“ für 2009 etwas über 123.000.– Euro eingesammelt und nach Rom überwiesen hat.
    Bereits Erstsemester in Regensburg wissen, dass die Diözese nicht nur diverse Firmenbeteiligungen hat, sondern auch so ganz gut im Geschäft ist. Will mal vermuten, dass der Bischof von vielen dieser Dinge gar nichts weiss, wie wohl auch die damalige „Kneitinger-Sache“ schön verschwiegen wird. Dies war eine „Glanzleistung“ besonderer Güte, bei der ein Bischof Manfred ebensowenig wusste, weil in Regensburg wohl seit einem kränklichen Bischof Rudolf Graber ein ganz besonderes „Biotop“ herrscht.
    So Gott will gibt es die Kirchensteuer bald sowieso nicht mehr, dann wird bald jeder wissen, wieviel Geld die Kath. Kirche in Deutschland tatsächlich hat, denn das Problem mit der Kirchensteuer wird nicht sein, dass so kein Geld mehr reinkommt, sondern dass wohl kaum ein Geistlicher auf Gehaltsansprüche verzichten wird.
    Soll dann mal einer von „oben“ sagen, dass wegen der Kirchensteuer kein Geld mehr da ist, dann ist das Schweigen vieler Pfarrer – die ja ebenfalls um Vieles wissen – sehr schnell gebrochen.
    Wenns um den eigenen Geldbeutel geht, werden viele Pfarrer auch nicht mehr schweigen.
    Keine regelmässige Pfarrhofsanierung unmittelbar nach Zuzug in eine neue Pfarrei (Einbauküchen hat S.E. GLM übrigens schon mit seinem Amtsantritt von den erstattungsfähigen Kosten ausgenommen!!!), da werden manche Hochwürden sehr schnell Hocherzürnte.

  • Matthias Breitfeld

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    Für was, in aller Welt, benötigen wir eine Kirche. Einen Gott gibt es nicht, wofür dann die Kirche

  • Matthias Breitfeld

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    Lieber Imanuel,
    Sie haben offensichtlich gar nichts verstanden und das Vokabular „Geseihere“ beweißt Ihre Unvernunft. Nein, ich will keine Zwangsarbeit und „faschistoid“ ist meine Bemerkung schon gar nicht, noch dazu, weil ich bekennender Gegner aller Diaktaturen bin. Ich weiß nur eines aus guter Quelle, ein großer Teil religiöser Würdenträger wissen nicht was Arbeit ist, da könne Sie noch so von aufgeklärter Gesellschaft reden. Die religiös verpflichtende Steuer erlaubt vielen- nicht allen-Würdenträgern der Kirchen ein durchaus beschauliches und wie es sich herausstellt fast unantastbares Leben und das im 21. Jahrhundert. Ich leugne nicht die z.T. aufopfernden Taten von auch organisierten Christen, welche dort helfen, wo andere nicht sind. Das hat aber mit den kirchlischen Wüdenträgern herzlich wenig zu tun. Und Sie dürfen mir freilich faschistoide Gedanken vorwerfen, auch „Geseihere“ (mailen Sie mir, was Sie damit meinen), die Realität zeigt ein System der Kirchen, welches im Jahr 2012 eigentlich Vergangenheit sein sollte.
    Ich habe tolerante Gespräche mit Pfarrern geführt, mit Christen und Atheisten. Ich habe meine eigene Meinung und toleriere andere Meinungen, auch ihre, ich kann nicht allen ernstes tolerieren, das kirchliche Würdenträger völlig ungestraft Gesetze brechen und ungestraft Menschenrechte mißachten, nur weil Sie der Herrgott (im 21. Jahrhundert sind wir) dazu befugt und da können Sie mich auch mit verbalen Entgleisungen nicht daran hintern. Im übrigen wünsche ich Ihnen aber dennoch Weitsicht, Sachverstand und bin Ihnen natürlich nicht böse.

  • Angelika Oetken

    |

    Stichwort „Problemzonen“:

    heute erschien auf Zeit-online dieser Artikel
    http://www.zeit.de/gesellschaft/2014-04/katholische-kirche-das-werk-fso

    Vom Orden „das Werk/FSO“ hatte ich vorher noch nie gehört. Aber diese kleine Gemeinschaft scheint sehr einflussreiche Förderer zu haben.

    Es werden im Beitrag genannt:

    – Johannes Paul II.
    – Benedikt XVI.
    – Pater Herman Geißler, Abteilungsleiter in der wichtigen Kongregation für die Glaubenslehre
    – Kardinal Leo Scheffczyk
    – Georg Ratzinger
    – Erzbischof Georg Gänswein,
    – Joachim Kardinal Meisner
    – Franz-Peter Tebartz-van Elst (seit 2013 residieren drei Schwestern von Das Werk in Limburg als Domschwestern)

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Veronika

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    @Angelika Oetken:

    Liebe Frau Oetken,

    besten Dank auch hier für die Dokumentation dieser Dinge!
    Hier kann man sicher FSO mit Opus Dei gleichsetzen. Die bei der „Zeit“ trauen sich nur nicht „Opus Dei“ zu schreiben, denn wie ja bekannt, klagen die seit 1980 in jedweder Hinsicht gegen jedwede frag-würdige Erwähnung deren Organisation. Grad so, als würden die seitdem einen ehem. Regensburger Bischof GLM beschäftigt haben. ;-)

    Wenigstens aber kristalisiert sich so langsam heraus, was sich zumindest seit sehr langer Zeit hinter der Kath. Kirche in Deutschland und Italien „versteckt“. Verfassungskonform scheint mir dies nicht mehr zu sein. Wer hier solchen „Kirchen“ über Sekten-/ Weltanschauungsbeauftragte entscheiden lässt, was nun „Sekte“ oder „Kirche“ ist, der kann ja gleich ….
    Wer über „Scientology“ schimpft, sollte erst einmal den Artikel vom GLMüller-verklagten Vorsitzenden der Giordano-Bruno-Stiftung, Herrn Dr. Schmidt-Salomon gelesen haben:
    http://www.schmidt-salomon.de/scientopus.htm

    Liebe Grüsse nach Berlin!

  • Veronika

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    @Angelika Oetken:

    Danke! Passt voll und ganz. Wenn es aber sogar eine, einem bayerischen Ministerium angegliederte Institution auf deren Homepage so beschreibt, warum kapieren es dann nicht die bayerischen PolitikerInnen?

  • Angelika Oetken

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    „Kein Raum für Missbrauch“… diese sehr gute Kampagne des UBSKM http://www.kein-raum-fuer-missbrauch.de/ ist wichtig.

    Offenbar wird das Prinzip beherzigt. Das bekam ein ehemaliger Kollege von Herrn Müller, der Mixa gerade zu spüren.

    http://www.nordbayern.de/region/neumarkt/mixa-spurt-gegenwind-1.3744806

    Ich finde es sehr ermutigend, dass die Angehörigen dieser Firmkinder entschlossen und verantwortungsvoll für den Schutz ihrer Kinder eingetreten sind.

    Das ist offenbar bitter nötig. Mag das Präventionskonzept der DBK sich auch noch so schön lesen… http://www.dbk.de/themen/thema-sexueller-missbrauch/

    Wir müssen anhand solcher Beispiele wie hier in Neumarkt leider erkennen, dass die Wirksamkeit von Konzepten sich immer erst in der Praxis herausstellt.

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

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