SOZIALES SCHAUFENSTER

Plakate beschädigt

Wer stört sich an Plakaten für Hanauer Terror-Opfer?

Unbekannte rissen in den vergangenen Tagen mehrfach Plakate am Neupfarrplatz herunter. Diese hängen dort im Gedenken an ein Opfer des rassistischen Anschlages von Hanau und sind Teil einer Aktion im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Am Neupfarrplatz wird noch bis zum 28. März an Fatih Saraçoğlu erinnert. Foto: bm

Bereits seit dem 15. März hängen auf dem Regensburger Neupfarrplatz mehrere Plakate im Gedenken an Fatih Saraçoğlu. Der ehemalige Regensburger ist eines der neun Opfer des Terroranschlags von Hanau am 19. Februar 2020. Die Schilder sind Teil der Aktion „Saytheirnames“, die den Rahmen der diesjährigen Internationalen Wochen gegen Rassismus bildet. Doch schon kurz nachdem diese angebracht worden waren, wurden mehrere herunter gerissen und zum Teil mit rechtsextremen Stickern versehen. Der Integrationsbeirat hat mittlerweile Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Die offenbar gezielte Zerstörung war auch Gegenstand der zentralen Kundgebung zum Internationalen Tag gegen Rassismus am vergangenen Sonntag. Seit 1966 steht der 21. März im Zeichen des weltweiten Kapmfes gegen Rassismus und dient als Erinnerung an die blutige Niederschlagung der Anti-Apartheids-Proteste im südafrikanischen Sharpeville am 21. März 1960. Damals erschossen Polizisten 69 Menschen, mindestens 180 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

„Rassismus ist Alltag, auch in Deutschland“

Während diese Taten zeitlich und örtlich weit weg erschienen, so Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer am vergangenen Sonntag auf dem Neupfarrplatz, bleibe Rassismus auch in Deutschland „ein gesellschaftliches Problem“. Dies habe die Tat vom 19. Februar 2020 in Hanau gezeigt. Und das zeige auch die Zerstörung der Plakate mit dem Gesicht von Fatih Saraçoğlu. Solche Vorkommnisse würden leider immer wieder belegen, „dass Rassismus auch in Deutschland alltäglich vorkommt“, erklärte Dogan Cetinkaya, Mitglied des Integrationsbeirats.

“Das Thema präsent machen.” Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer betonte am 15. März die Bedeutung solcher Aktionswochen.

Schon am 15. März hatte Cetinkaya zusammen mit der Oberbürgermeisterin vor dem Alten Rathaus für das Motto „Solidarität. Grenzenlos“ geworben und die Aktionswochen im Rahmen eines Pressetermins eingeweiht (hier geht es zum Programm). Von der Politik, über Justiz und Polizei, hin zu jedem Einzelnen der Gesellschaft müsse rechter Gewalt und der Diskriminierung entgegengetreten werden, lautete die Forderung des Integrationsbeirats. „Vermutlich werden wir auch im kommenden Jahr wieder hier stehen“, erklärte die OB. Schließlich werde sich der Rassismus weltweit nicht ohne weiteres erledigen.

Am Mittwoch erneut Plakat herunter gerissen

Während der etwa eineinhalbstündigen Kundgebung am Sonntag dann, die neben mehreren Wortbeiträgen auch musikalisch begleitet wurde, hielten einige der rund hundert Anwesenden die heruntergerissenen Plakate in Händen. Am Schluss wurden sie gemeinsam wieder aufgehängt. Doch erneut dauerte es nur wenige Tage. Am Mittwochmorgen lag erneut eines am Boden.

Drei Tage nachdem die Plakate wieder aufgehängt worden sind, liegt eines erneut am Boden. Foto: bm

Noch bis zum 28. März sollen die Schilder hängen bleiben. Auf dem Grieser Spitz und in der Drei-Mohren-Straße wird mit der Aktion zudem an zwei weitere Personen erinnert. Die drei Orte sollen dabei stellvertretend für all jene Menschen stehen, die in Folge von Rassismus ihr Leben verloren haben, wie es in einer die Aktion begleitenden Veranstaltung am 15. März abends hieß.

Auch am Grieser Spitz wird Opfern gedacht

Christian Kraus vom aaa (Arbeitskreis Ausländischer Arbeitnehmer_innen) stellte damals zunächst noch einmal Fatih-Saracoglu vor. Ein weiteres Schicksal eines ehemaligen Regensburger schilderte dann Gotthold Streitberger von der BI Asyl. Er selbst hatte den 1968 in Äthiopien geborenen Johannes Alemu begleitet, nachdem dieser 1993 nach Deutschland geflohen war. Nach seinem Studium habe der zunächst für die Regierung in Äthiopien gearbeitet. „Kurz darauf wurde er Mitglied einer oppositionellen amharischen Volksorganisation, benutzte interne Informationen aus dem Finanzministerium für seine politische Tätigkeit und verfasste unter Pseudonym regierungskritische Schriften.“ Schließlich sei er im Februar 1993 verhaftet und gefoltert worden.

In Deutschland seien seine Asylanträge dann immer wieder abgelehnt worden und „seine Glaubwürdigkeit wurde immer wieder angezweifelt“, wie Streitberger erklärt. Dieser „institutionelle Rassismus“ habe Alemu 1995 letztlich in den Suizid getrieben. „So wie 10.000 andere Menschen auch, die bis heute am deutschen Asylrecht zerbrochen sind.“ Am Grieser Spitz ist deshalb noch bis zum Sonntag sein Gesicht zu sehen.

AG fordert weiter Umbenennung in May-Ayim-Straße

Auch May Ayim, deren Leben von Quirin Quansah von der AG Straßenumbenenuung vorgestellt wurde, beging im August 1996 Suizid. Zwar sei damals eine psychische Erkrankung und Multiple Sklerose diagnostiziert worden, wie Quansah erzählt. „Aber sie litt auch ihr ganzes Leben an dem vorgelebten weißen Ideal.“ So habe sie als Kind versucht, ihre Haut weiß zu schrubben und aß dazu auch Seife. „Jeder Anteil an schwarz galt als schlecht.“

Schon während ihres Studiums in Regensburg engagierte sich Ayim gegen Rassismus und schrieb später mehrere Bücher. Nachdem ihre Diplomarbeit von einem Regensburger Professor abgelehnt worden sei, „da es angeblich keinen Rassismus in Deutschland gebe“, zog sie nach Berlin, wo sie 1996 Suizid beging. Die AG fordert seit vergangenem Sommer die Umbenennung der Drei-Mohren-Straße. Dort hängen derzeit Informationstafeln über May Ayim.

Plakatgegener bislang unbekannt

„Jeder einzelne Name in dieser Aktion bezeugt mit seiner Geschichte die Relevanz des gemeinsamen Kampfes gegen Rassismus“, betonten die Veranstalter am 15. März. Die Aktion sei dabei auch mit der generellen Forderung verbunden, solche Persönlichkeiten im Stadtbild stärker zu repräsentieren.

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Kommentare (32)

  • Günter

    |

    Leben wir nicht in einer Stadt, die erst ein Buch in Auftrag gibt und dann den ungemutluchen Teil zur Judenverfolgung über die Jahrhunderte zensiert? Da wundert es mich nicht, dass die Saat des Rassismus gemütlich gedeihen kann.

  • Privatfrau

    |

    Wer stört sich an Plakaten für Hanauer Terror-Opfer?

    Einfache Antwort: Die üblichen Vollidioten :-(

  • Kernel

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    @ Privatfrau: Wahrscheinlich kann man es nicht einfacher und besser ausdrücken.
    Ich hätte mir aber auch eine bessere Aufklärung über die Aktion gewünscht – ich habe von den Aktionswochen nichts mitbekommen und mich über die Plakate gewundert. Die Plakate haben mich nicht gestört, konnte diese aber auch nicht recht einordnen.
    Vielleicht hätte RD mal eher darüber berichten sollen :-)

  • joey

    |

    “Der Hanau” ist als Beispiel für Rassismus nicht besonders geeignet. Der Täter hat eine lange Krankenakte.

  • Petr

    |

    Stört mich nicht, kann mit dieser Aktion aber auch nichts anfangen

  • Mr. T.

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    joey, eine Krankenakte entschuldigt keine rassistische Motivation. Ohne eine gewisse mentale Einschränkung kann man eh nicht so rassistisch sein.

  • auch_ein_regensburger

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    @ joey
    Schon klar, Rechtsterroristen sind prinzipiell geistig verwirrte Einzeltäter. Brav aufgesagt.

  • joey

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    @auch_ein_regensburger
    nein Rechtsterroristen sind nicht prinzipiell… habe ich nicht gesagt und deute ich auch nicht an.
    Rassismus sollte man da bekämpfen, wo er bewußt läuft. Da bringt das dann auch was.
    Diesen Täter holt ein durchschnittlicher Verteidiger raus.

  • Mathllde Vietze

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    Wenn jemand seine psychische Krankheit dazu mißbraucht, Straftaten zu begehen,
    gehört er in die Psychiatrie.

  • Tobias

    |

    Ich versuche es jetzt mal in eine grobe Richtung zu lenken, die durchaus ein Erklärungsversuch darstellen kann.

    Ich spreche jetzt auch mal für mich, aber ein überwiegender, absoluter Großteil in diesem Land sind keine Rassisten. Und vieles, was als “Rassismus” betitelt wird, ist keiner. “Ich wurde an der Disco nicht reingelassen” oder “Ich habe die Wohnung nicht bekommen” betrifft buchstäblich JEDEN, auch Erfahrungswerte – ein wertvoller Schatz, über Jahre aufgebaut – spielen eine Rolle, dies nennt sich nun neudeutsch negativ “Framing”.

    Die Leute, die dort erschossen worden sind, sind Opfer eines Einzeltäters geworden, genauso wie man bei den LKW-Anschlägen auch keinen Generalverdacht anbringen darf. Mir persönlich gehen diese Aktionen langsam auf den Nerv. Der Grund ist einfach: Öffentliche Plätze mit irgendwelchen Namen zu dekorieren – ob das jetzt diese Alan-Kurdi-Brücke oder eben diese Plätze – ist eine zunehmend dreiste Kollektivschuld. Als ob “wir” zur Waffe griffen oder als ob “wir” uns in Seenot begeben hätten, um in “Germoney” ein einfaches leben zu führen. Diese Debatten müssen öffentlich und auf hohem Niveau geführt werden. Was wäre, wenn man anfangen würde, die Wohnungstüren von den Häusern der Initatoren vollzukleben mit all den Toten dieser Welt – mit getöteten Menschen jeglicher Farbe und Rasse, und immer implizierend, “DU!!” wärst Schuld. Das ist billig. Im Oktober wurde in Frankreich Nizza drei Menschen niedergemetzelt, von einem islamischen Extremisten (bzw. Rassisten) – ja, dem Ort an dem auch der LKW von einem Rassisten über die Promenade in Menschenmassen gesteuert worden ist. Soll ich jetzt täglich ein Bild davon an Ihr Treppenhaus schlagen und behaupten, Sie wären indirekt dafür verantwortlich?Was halten Sie davon?

    Die meisten hier möchten ihr Leben leben und nicht ständig mit Schuldkult überschüttet werden. Wenn ich, als absolut normaler Mann in einer Gillette-Werbung indirekt als “toxisch-maskulin” dargestellt werde, nur, weil ich ein Mann bin ist das genauso verwerflich wie diese plumben Aktionen. Lasst ordentliche Haftstrafen sprechen – bei Extremismus jeglicher Art. Dann wird was erreicht.

  • Ronni

    |

    @Tobias

    Unfassbarer Bullshit was du schreibst, mehr kann man dazu einfach nicht sagen.

    Gut das Menschen mit deiner Denkweise immer weniger werden!

  • xy

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    Der Anschlag in Hanau hatte mit Rassismus wirklich wenig zu tun, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_in_Hanau_2020. Wenn man insoweit mit Grund protstieren will, dann dagegen, dass im Internet so viel Unsinn produziert wer, dem Idioten auf den Leim gehen, dagegen, dass offensichtlich jeder idiotische Hinz und Kunz Waffen erwerben kann und dagegen, dass man gegen gefährliche Idioten behördlicherseits nicht früher einschreiten kann, weil dann wieder alle Welt auf die Barrikaden steigt und z. B. gegen das bayPAG demonstriert, das gerade solche “Gefährder” ins Visier nimmt. Es sind die gleichen Leute, die an einem Tag gegen das PAG demonstrieren und am nächsten Tag gegen Anschläge, die wegen des gewünscht-laschen Polizeirechts nicht nicht verhindert werden konnten. Ich fasse mich ans Hirn vor so viel selbstgerechten und gedankenlosen Unverstands solcher “Antirassisten”. Herr, lass Hirn regnen, Bildung schneien und Vernunft hageln!

  • Senfdazugeben

    |

    An Tobias und XY:

    Wie Sie zu der bemerkenswerten Annahme kommen, die Taten von Hanau hätten keinen rassistischen Hintergrund, erschließt sich nicht. In dem verlinkten Wikipedia-Artikel steht doch eindeutig: „Das BKA bewertet die Tat als eindeutig rechtsextremistisch. Die Tatbegehung beruhte auf rassistischen Motiven.“ (BKA-Präsident Münch). Auch das Bundesjustizministerium und zahlreiche weitere Stellen sprechen von einem rassistischen Anschlag. Wer sich mit dem Pamphlet des Täters beschäftigt und auf die Opfer blickt, der wird keinen anderen Schluss ziehen können. Die Tat ist im übrigen nicht auf ein zu lasches Polizeigesetz zurückzuführen sondern (das wurde mittlerweile von den Angehörigen gut herausgearbeitet) u.a. auf behördliches Versagen. Viel spannender ist doch die Frage, warum sich Personen die überhaupt nicht betroffen sind aufregen, wenn der Vorwurf Rassismus im Raum steht. Niemand hat gesagt wir alle sind Rassistinnen. Aber rassistsiches Denken ist sicherlich Teil der Gesellschaft.

  • Mr. T.

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    Für manche ist wohl alles, was nur zu 99% rassistisch ist nicht reinrassig rassistisch und damit nicht rassistisch.

    Auch lustig, wenn manche Gottheiten um Hirnregen bitten, bislang aber anscheinend bei jedem kleinsten Hirnnieseln in den Luftschutzbunker geflohen sind.

  • xy

    |

    @Senfdazugeben, wenn man bei Wikipedia nicht nach dem ersten Satz zu lesen aufhört, würde man lesen: “Ähnlich wie Anders Breivik und Stephan Balliet hatte R. seine eklektizistische Ideologie wahllos aus Versatzstücken aus dem Internet zusammengefügt… Kernelemente seiner Äußerungen waren: Rassismus…, Verschwörungstheorien…, Frauenhass…, Verfolgungswahn…” Also einer dieser typischen Internetpsychoten, wie man sie heute überall wie Sand am Meer findet.

  • auch_ein_regensburger

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    @ Tobias
    Wie kann man sich von Protest gegen Rassismus angegriffen fühlen, wenn man kein Rassist ist?

    Abgesehen davon: Man würde allerhöchstwahrscheinlich bei den allermeisten islamistischen Terroristen genauso Hinweise auf irgendwelche psychichen Störungen finden, wenn man denn überhaupt auf die Idee käme, danach zu suchen. Aber da reicht eben die Erklärung „Islamist“. Bei Rechtsterroristen taugt im Gegensatz dazu regelmäßig jeder Ansatz von psychischer Störung dazu, den Täter als geistig verwirrten Einzeltäter abzutun. Hauptsache, man muss sich mit dem Thema Rechtsextremismus und Rassismus überhaupt nicht erst auseinandersetzen.

  • Gscheidhaferl

    |

    nicht nur @Tobias

    Es gibt Menschen, die sich einfach sicher sind, dass mit ihnen alles in Ordnung ist (oder sie setzen das mal einfach voraus, weil sie eine andere Vorstellung von sich nicht aushalten würden). Das ist nicht schlimm. Viele sind so.

    Und viele von ihnen würden auch sofort zustimmen, dass Rassismus nicht in Ordnung ist.

    Und jetzt stellen einige von diesen Leuten eine scheinbar logische Überlegung an: Wenn ich in Ordnung bin und Rassismus nicht in Ordnung ist, dann kann ich kein Rassist sein. So weit so falsch.

    Schlimmer, weil bedrohlicher, für jene Denker ist aber der Rückschluss: Wenn Rassismus nicht in Ordnung ist und ich Rassist bin, dann bin ich nicht in Ordnung. Eine unerträgliche Vorstellung, die unbedingt zurückgewiesen werden muss. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Aber auch all jenen, die dem Rückschluss spontan zustimmen würden, sei ein wenig spielverderberisch ins Stammbuch geschrieben werden: Nur weil der Rückschluss jemandem besser in den Kram passen würde, heißt das nicht, dass er stimmt. Er unterliegt dem selben Mangel, wie schon die erste pseudo-logische Aussage: Sie greift zu kurz.

    Aber was ist nun von der Sache zu halten? Gibt es etwa Rassisten, die in Ordnung sind? Und sind wirklich alle in Ordnung, die keine Rassisten sind?

    Greifen wir zur Auflösung des Rätsels auf ein Wortspiel zurück, das sich wohl in der Zeit des Nationalsozialismus einer gewissen Beliebtheit erfreute. Demnach konnte jeder Mensch grundsätzlich mit drei Begriffen beschrieben werden, wobei zwei davon immer den jeweils dritten ausschlossen: Anständig, intelligent, Nazi. Also: War man anständig und intelligent, dann konnte man demnach kein Nazi sein. War man Nazi und intelligent, dann konnte man nicht anständig sein. Aber eben auch diese Variante war denkbar: War man anständig und Nazi, dann konnte man unmöglich intelligent sein.

    Es ist also tatsächlich eine Variante vorstellbar, in der sich ‘in Ordnung / anständig sein’ mit ‘Rassist / Nazi sein’ in Einklang bringen lässt (wobei ich nicht unbedingt von Dummheit im engeren Sinne ausgehen würde): Wenn die betreffende Person nicht in der Lage ist, sich selbst zu erkennen. Das muss – wie gesagt – nichts mit Dummheit zu tun haben. Tragisch ist es aber in jedem Fall. Und für uns alle letztlich ein Problem, dem wahrscheinlich nur mit viel Anstrengung und Ausdauer begegnet werden kann. Und wenn alle Beteiligten den naheliegenden einfachen (und in der Regel falschen) Antworten widerstehen. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und hoffe mich meinem Pseudonym würdig erwiesen zu haben.

  • xy

    |

    Der Blick hinter die Kulissen sollte immer selbstverständlich sein, bei Rassisten wie bei Islamisten, es sei denn, man will ein Leben mit Abziehbildern mit der Lebenswirklichkeit aus ZDF-Vorabendserien.

  • joey

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    @auch_ein_regensburger
    Islamist ist die sprachliche Verrenkung in Deutschland. Andere Staaten in Europa verwenden “politischer Islam” und treffen das Problem damit besser.
    Auch hier gibt es “gerne” Einzeltäter mit psychischen Störungen, z.B.
    https://www.focus.de/politik/deutschland/messerangriff-in-hamburg-innensenator-mutmasslicher-taeter-war-behoerden-als-islamist-bekannt-und-psychisch-labil_id_7412760.html
    googeln Sie einfach die beiden Begriffe.

    Hanau: Es hätte auch sein Haß auf Außerirdische sein können, leider hat er in der Fußgängerzone keine gefunden.

  • Gondrino

    |

    Die Aktion ist eine Aktion gegen das Vergessen. Niemanden soll hier eine Schuld aufgedrängt werden. Vielmehr soll diese Aktion zum Nachdenken anregen, über den eigenen Altagsrassismus, über rassistische Tendenzen in der Gesellschaft, die immer mehr zunehmen. Das kann man überall sehen, wenn man die Augen auf macht und nicht den Kopf in den Sand steckt und irgendwas von Schuldkult schwurbelt, um sich mit diesen Problemen nicht auseindersetzen zu müssen. Und ja, es ist für mich erschreckend, wie viele Nazis sich hier durch die Stadt bewegen, wie sie immer dreister werden und wie das anscheinend die Mehrheit der BürgerInnen kaum stört.

  • Hthik

    |

    @xy 25. März 2021 um 16:45

    “Also einer dieser typischen Internetpsychoten, …”

    Wie typisch er ist, weiß ich nicht, aber jedenfalls ist er rassistisch. Wenn er zudem Frauenhasser ist, dann ist er zudem Frauenhasser aber das macht ihn nicht weniger rassistisch. Das ist doch bei Rechten und ihren Ideologien nicht unüblich, sich verschieden Versatzstücke von Unsinn zusammenzuschrauben. Alter Blödsinn stirbt nicht aus, er wird lediglich neu kombiniert, vgl. etwa Germanenorden -> Thule-Gesellschaft -> NSDAP.

  • Mr. T.

    |

    Gscheidhaferl +1

    Es ist übrigens nicht so problematisch rassistisch zu sein, es ist problamtisch rassistisch zu agieren, zu sprechen, zu handeln. Genauso wie es eine sehr hohe Form der Intelligenz ist, deren Grenzen genau zu kennen, ist es auch beim Rassismus wichtig, seinen eigenen zu erkennen, und entsprechend dagegen zu agieren. Dabei ist es wichtig, nicht nur nicht mehr so rassistisch zu sein, sondern antirassistisch. Wir sind hier fast alle privilegiert aufgewachsen und haben gewisse Vorurteile angelernt bekommen und entwickelt. Die müssen wir eben jetzt mühsam los werden.
    Solche Aktionen wie diese gegen das Vergessen der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau helfen dabei.

  • Taxifahrer

    |

    Was waren das besorgte Bürger.

  • Gscheidhaferl

    |

    @ Mr. T.

    Ich fürchte, die Differenzierung (‘Rassist sein ist okay, man darf halt nicht so agieren’) funktioniert nicht. Und von der möchte ich mich auch ausdrücklich distanzieren.

    Wer sich dogmatisch / fanatisch einer Ideologie verschreibt, deren Grundsätze verabsolutiert und ihre Unzulänglichkeiten ausblendet, tut der Realität wohl immer unangemessen Gewalt an. Besonders übel, wenn das dann auch noch Gewalt gegen Mitmenschen beinhaltet. Das Potential dazu hat letztlich jeder “-ismus” (jede Ideologie), die auf die Spitze getrieben wird.

    Ich hab einfach zu oft gesehen, wie z.B. rot in braun gekippt ist. Von schwarz ist der Weg oft eh nicht so weit. Und jüngst lässt sich auch immer wieder mal beobachten, wie sogar grün in braun abgleiten kann.

    Wieder etwas näher an den Artikel gerückt: Wer reißt also solche Plakate runter?

    Ja, ich denke auch, dass die Frage mit ‘die üblichen Vollidioten’ grundsätzlich ziemlich gut beantwortet ist. Aber zum einen können hinter dem Etikett verschiedene Gruppen zusammengefasst werden. Und zum anderen ist das Etikett kein geeigneter Einstieg, um ggf. ins Gespräch mit ihnen zu kommen. Überheblichkeit hilft da einfach nicht weiter.

    Machen wir uns doch bitte nichts vor: In Deutschland zu leben, heißt automatisch in Verhältnissen zu leben, die sich (wenigstens) rassistisch auswirken. Wenn wir – heute im Schulterschluss mit den anderen europäischen Staaten – anderen Teilen der Welt (deren Bewohner wir gerne anderen ‘Rassen’ zuordnen) nicht in diesem Ausmaß die Ressourcen wegnehmen würden, dann könnten bei uns z.B. nicht so billig Server betrieben werden, dass auf ihnen ein Blog wie r-d erscheinen könnte.

    Der springende Punkt ist für mich, inwiefern jemand bereit ist, sich dem zu stellen. Und welche Konsequenzen er/sie daraus zieht.

    Eine mögliche Variante ist, alles was einen unangenehm an die eigene unverdiente Privilegierung erinnert, runter zu reissen.

    Das finde ich zum Teil sogar gar nicht so schlecht. Weil das zeigt ja, dass da wohl ein (noch) empfindlicher Nerv getroffen wurde. Wenn ich da an all die Schulterzucker denke, die sich oft nicht mal mehr zu einem “Mei, des is halt so.” aufraffen können…

    Und ehrlich, ich mag auch die nicht, die ganz begeistert von sich selbst sind, weil sie entsprechende Plakate aufhängen, um vor allem ihren ‘unzulänglichen Mitmenschen’ (aber ausdrücklich nicht auch sich selbst) einen Spiegel vorzuhalten. Und sich dann vielleicht umgegend in den Fernflieger in die USA setzen (wer sich jetzt fragt, was das miteinander zu tun haben könnte, hat eine spannende Gedankenreise vor sich. Also dran bleiben!).

    Wer reißt also solche Plakate runter? Vielleicht Leute, die zwar die Handlungsaufforderung solcher Plakate verstanden, die aber dann leider ignorant-bequem (=kontraproduktiv) umgesetzt haben.

  • Mr. T.

    |

    Gscheidhaferl, ich glaube, ich habe mich nicht klar ausgedrückt und Sie haben mich da etwas mißverstanden. Ich meinte natürlich nicht “Personen, die sich dogmatisch / fanatisch einer Ideologie verschreiben, deren Grundsätze verabsolutiert und ihre Unzulänglichkeiten ausblendet”. Ich meinte viel mehr die stinknormalen Durchschnittsbürger, die sich als ganz normal wahrnehmen, obwohl auch sie die üblichen, gewohnten Alltagsrassismen in sich tragen. Die z.B. zwar kein Problem damit haben, wenn eine PoC in die Wohnung nebenan einzieht und schon gar nichts dagegen tun würden, sich doch aber bei Menschen ihrer Ethnie weniger Gedanken machen würden. Die dann bei einem zweiten Mal Nachdenken ihre Vorurteile beiseite schieben, die sie im ersten Gedanken hatten.

    Ansonsten gebe ich Ihne auch recht.

  • joey

    |

    @Gscheidhaferl
    wir nehmen den anderen “Rassen” die Ressourcen weg? Na, dann sollten Sie Ihre Lebensmittel selbst anbauen und Medikamente selbst pflücken, denn jeder Handel ist für Sie eine Wegnahme.
    Den Menschen in Afrika (vermutlich meinen Sie diese “Rasse”) nehmen Afrikaner den Gewinn weg. Diktatur, Korruption und innerafrikanischer Rassismus (z.B. Hutu/Tutsi) sind die wirklichen Probleme.

    Sinnlose Selbst- und Pauschalbeschuldigungen unserer Kultur sind ein Eigentor, wenn Sie was gegen Rassismus machen wollen.

  • interessant

    |

    Gut, dass die Installationen der Diktaturen in Afrika nichts mit Europa zu tun hat.
    Zudem: es mag solchen und solchen Handel geben

  • Gscheidhaferl

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    @joey
    Schade, dass Sie mich (alten persönlichen Mustern folgend) offenbar missverstehen wollen.

    Nein, nicht jeder Handel ist unfair. Nur handeln wir selten fair. Das ‘Fairtrade’-Logo, dass in unserer Konsumwelt leider nur selten zu finden ist, zeigt das überdeutlich. Und gegenüber Schwächeren benehmen wir uns besonders gern unfair. Weil wir dabei am wenigsten riskieren.

    Zudem gibt es nicht nur die zwei Alternativen, entweder auszubeuten und im Luxus zu leben, oder auf Ausbeutung zu verzichten und in die Steinzeit zurückzukehren. Es wäre schon viel gewonnen, etwas von unserer Bequemlichkeit und Dekadenz (für die wir übrigens einen hohen Preis in Form von Zivilisationskrankheiten zahlen) aufzugeben. Ob wir dazu bereit sind, steht auf einem anderen Blatt. Nur sollten wir uns nicht wundern, wenn uns irgendwann der Reichtum, den wir nicht zu teilen bereit sind, mit Gewalt entrissen wird.

    Ich habe auch nie behauptet, dass diejenigen, die unter den jetzigen Verhältnissen leiden, es besser machen würden, wenn sie am längeren Hebel sitzen würden. Ich bin ja kein ‘Rassist’.

    Weil letztlich ist es doch global recht ähnlich: Fast überall gibt es Eliten, die auf Kosten der Mehrheit leben. Nur heißt arm sein bei uns eben etwas völlig anderes, als existenzieller Armut zu unterliegen.

    Ich betreibe keine Selbst- und Pauschalbeschuldigungen. Aber ja, solange sie im übertragenen Sinn nur ‘Plakate herunterreissen’ (=pauschal für unsinnig und sinnlos erklären) statt sich ernsthaft damit zu befassen, wird nichts vorwärts gehen. Ich weiß nicht, wie lang wir uns diese Ignoranz noch leisten können. Aber vielleicht zählen Sie sich ja ohnehin zum Kreis der hiesigen Eliten, die versuchen werden, das Bluten im Falle eines Falles dem Fußvolk zu überlassen? Oder sind sie eher jenen zuzurechnen, die dann mit als erstes geopfert werden? Ist doch auch mal eine spannende Frage, die sie sich mal stellen könnten, oder?

  • "Gefährlicher" Daniel

    |

    Mehr ist zum Text nicht zu sagen und zu den nicht of topic diskussionen dazu hier:

  • joey

    |

    @Gscheidhaferl
    Ich habe als Deutscher einen gewissen rechtsstaatlichen Schutz, nicht von Eliten geopfert oder (zu sehr) ausgebeutet zu werden. Auf Kosten der Mehrheit leb(t)en gerne die “Befreier” durch Sozialismus, die Protestierende und Fliehende (egal welche “Rasse”) schlicht erschossen haben. Da kann man nichts mißverstehen.

    Ja, ich habe schon Plakate heruntergerissen: welche von der NPD vor meinem Haus.

  • Gscheidhaferl

    |

    @joey
    Vielleicht schaffen Sie es ja mal, nicht nur die Dinge zu sehen, die sie sehen wollen. Bis dahin eine schöne Zeit.

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