Christoph Butterwegge in Regensburg

Worüber sich Susanne Klatten totlacht…

Beim sozialpolitischen Aschermittwoch in Regensburg geißelt der Armutsforscher Christoph Butterwegge die „politische Zivilreligion“ des Neoliberalismus und fordert eine Umverteilung des Vermögens. Im aktuellen Koalitionsvertrag sieht der 67jährige einen weiteren Beleg dafür, dass die SPD als innovative und fortschrittliche politische Kraft ausfalle und nurmehr ein Reparaturbetrieb für die eigenen Fehler sei. Wir stellen den Vortrag als MP3 zur Verfügung.

Christoph Butterwegge: „Soziale Gleichheit und Gerechtigkeit ist die Grundvoraussetzung, damit sich eine Gesellschaft demokratisch, sozial und human entwickeln kann.“ Foto: Bothner

Es wirkt wie ein Déjà-vu von vor vier Jahren – wieder ist der Saal im Leeren Beutel bis auf den letzten Platz besetzt. Wieder muss man recht intensiv suchen, um zumindest drei Stadträte unter den Anwesenden zu entdecken (Evelyn Kolbe-Stockert, Richard Spieß und Joachim Graf sind da.) und wieder liefert Professor Christoph Butterwegge eine pointierte und kenntnisreiche Analyse zur sozialen Ungleichheit in Deutschland, erklärt unter einigem Beifall, wie es dazu gekommen ist und was geändert werden müsste. Sozialpolitischer Aschermittwoch in Regensburg.

„Armut wird ideologisch entsorgt.“

Zum 20. Mal findet die Veranstaltung unter dem Schirm der „Sozialen Initiativen“ heuer statt. Ein Gegenpol zu den populistischen Aschermittwochsveranstaltungen der Parteien solle er sein und „echte Fakten statt Fakenews und Bierzeltparolen“ liefern, sagt Manfred Hellwig, einer der Organisatoren. Mit Butterwegge, 67 Jahre alt, mittlerweile emeritierter Professor, hat man einen Redner gefunden, der diesem Anspruch gerecht wird, ohne dass es langweilig wird.

Einmal im Jahr – immer wenn der Armutsbericht der Bundesregierung veröffentlicht wird – dürfe ein Armutsforscher im Mittelpunkt stehen, erzählt Butterwegge. Er werde zu Interviews und Diskussionssendungen eingeladen, eifrig befragt und könne sich in zahlreichen Interviews kritisch mit der aktuellen Politik auseinandersetzen. Die restlichen 364 Tage hingegen werde die real vorhandene Armut wieder relativiert, totgeschwiegen und „ideologisch entsorgt“. In der breiten Berichterstattung entstehe der Eindruck: „Es ist doch alles in Ordnung.“

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Der komplette Vortrag von Christoph Butterwegge zum Nachhören.

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Dabei, sagt Butterwegge, sei die Armut „längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen“. Nach Angaben des statistischen Bundesamts, „das nicht gerade in Verdacht steht, links-grün versifft zu sein“, sind fast 20 Prozent der Bundesbürger armutsgefährdet – fast 13 Millionen Menschen.„32 Millionen Menschen verfügen zudem über keinerlei Vermögen“, sagt Butterwegge. „Sie sind also nur eine Kündigung oder eine schwere Krankheit von der Armut entfernt.“

„Der tatsächliche Reichtum wird verschleiert.“

Demgegenüber stünden Menschen, die über enorme Reichtümer verfügen. Immer wieder nennt Butterwegge in diesem Zusammenhang beispielhaft die Quandt-Erben Susanne Klatten und Stefan Quandt, die 2017 von BMW über eine Milliarde Euro an Dividende erhalten haben. „Diese Zahl wird in keinem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung erwähnt.“ Es werde verschleiert. Stattdessen gelte nach der Definition der Bundesregierung bereits ein Studienrat mit einem Nettogehalt von 3.500 Euro als „einkommensreich“. „Vermögensreich“ ist nach dieser Definition jemand, der über 500.000 Euro Vermögen verfügt. „Susanne Klatten würde sich totlachen, wenn sie das wüsste.“ Der tatsächliche Reichtum werde durch solche Definitionen verschleiert. Und das sei das Problem. „Der Reichtum muss mit berücksichtigt werden, wenn man über Armut redet und wer diesen Reichtum nicht anfassen will, der kann Armut nicht wirksam bekämpfen“, sagt Butterwegge und zitiert Bertolt Brecht:

„Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
‚Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich‘.“

Deutlich erkenne man diesen Zusammenhang am Niedriglohnsektor, „dem Haupteinfallstor für heutige Kinder-, Familien- und Erwerbsarmut und spätere Altersarmut“. „Und wenn die Löhne niedrig sind, dann sind die Gewinne und Dividenden hoch.“ Der Niedriglohnsektor umfasse mittlerweile fast ein Viertel aller Beschäftigen, während sich der Reichtum zunehmend in wenigen Händen konzentriere. Selbst die Bundesregierung, deren Statistiken Butterwegge nur wenig Vertrauen schenkt, komme zu dem Ergebnis, dass zehn Prozent der Bevölkerung über 52 Prozent des Nettogesamtvermögens in Deutschland verfügen. „In Wirklichkeit ist es sicher viel mehr.“ Das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung“ gehe davon aus, dass es mindestens zwei Drittel des Gesamtvermögens seien. „Das reichste Prozent der Bevölkerung verfügt über 33, das reichste Promille über 17 Prozent des Gesamtvermögens.“ Tendenz steigend.

„Neoliberalismus ist die Triebfeder der sozialen Ungleichheit.“

Verantwortlich für diese Entwicklung macht Butterwegge die „politische Zivilreligion“ des Neoliberalismus, „eine Triebfeder der sozialen Ungleichheit“, die mit Margaret Thatcher in Großbritannien, über Ronald Reagan in den USA und schließlich mit Helmut Kohl und Gerhard Schröder ihren Siegeszug angetreten habe. Deregulierung des Arbeitsmarkts über die Förderung des Niedriglohnsektors, die Demontage des Sozialstaats und eine „unsoziale Steuerpolitik nach dem Matthäus-Prinzip ‚Wer hat, dem wird gegeben, und wer wenig hat, dem wird auch das noch genommen’“ seien die Maßnahmen, mit denen „die Spaltung in arm und reich systematisch betrieben“ worden sei.

Um diese Entwicklung zu stoppen seien nicht Rufe nach mehr Bildung die Lösung – „Das führt am Ende nur dazu, dass wir mehr Taxifahrer mit Hochschulabschluss haben“ – sondern eine Umverteilung von oben nach unten. Der Arbeitsmarkt müsse wieder rereguliert werden, auch müsse der Mindestlohn auf mindestens zwölf Euro angehoben werden, es brauche einen Um- und Ausbau des Sozialstaats – Butterwegge denkt hier unter anderem an eine solidarische Bürgerversicherung, in die alle einzahlen – und schließlich eine Steuerpolitik, die auf Umverteilung abzielt – Erbschafts- und Vermögenssteuer und die Besteuerung von Aktiengewinnen.

„Soziale Gleichheit und Gerechtigkeit ist die Grundvoraussetzung, damit sich eine Gesellschaft demokratisch, sozial und human entwickeln kann“, ist Butterwegge überzeugt. Denn wenn die Armen immer mehr abgehängt werden und immer weniger zu Wahlen gehen und ein Teil der Mittelschicht aus Angst vor dem sozialen Abstieg und davor, zwischen oben und unten zerrieben zu werden, einer „gewissen Tradition in der deutschen Geschichte“ folgen, die zum Aufstieg der NSDAP im Zuge der Weltwirtschaftskrise und dem der NPD in den 60er Jahren geführt hätten. „Wenn diese Angst nicht bekämpft dadurch, dass dieses reiche Land dafür sorgt, dass alle Menschen in Würde leben können, dann muss man Entwicklungen wie Brutalität, vermehrte Kriminalität und Rassismus weiter um sich greifen.“

„…ohne oder gegen die SPD wird eine Veränderung wohl nicht funktionieren.“

Nach fast genau einer Stunde ist Christoph Butterwegge mit seinem Vortrag durch. Es gibt Applaus. Doch eine Lösung, wie seine Forderungen aktuell durchgesetzt werden könnten, hat auch der kenntnisreiche und eloquente Armutsforscher in der anschließenden Fragerunde nicht. „Wenn ich eine Antwort hätte, würde es das Problem nicht mehr geben“, lautet seine etwas resignierte Antwort gegen Ende der Veranstaltung.

Der aktuelle Koalitionsvertrag offenbare erneut, dass die SPD als als progressive und innovative Kraft derzeit ausfalle und allenfalls ein Reparaturbetrieb der eigenen Fehler sei. „Aber ohne oder gegen die SPD wird eine Veränderung wohl nicht funktionieren“, sagt Butterwegge. Und deshalb müsse man eben weiter durchhalten und einen langen Atem haben. Auch dieser, etwas blasse Hoffnungsschimmer wirkt wie ein Déjà-vu.

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Kommentare (36)

  • Joachim Datko

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    Zitat: „Immer wieder nennt Butterwegge in diesem Zusammenhang beispielhaft die Quandt-Erben Susanne Klatten und Stefan Quandt, die 2017 von BMW über eine Milliarde Euro an Dividende erhalten haben.“

    Wahrscheinlich haben die genannten Personen schon lange mit ihren Einnahmen den „Grenznutzen“ überschritten. Sie haben für ihre Lebensführung von der angegebenen Milliarde keinen Vorteil.

  • Fiedensfreund

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    Prof. Butterwegge hat zu einer Frage aus dem Publikum bzgl. dem BEG (Bedingungsloses Grundeinkommen) seine ablehnende Haltung begründet. U.a. würde es den Reichen (Arbeitgebern) rasant die Gewinne erhöhen, wenn sie nur noch einen „zusätzlichen“ Lohn zu zahlen hätten.

    …und weshalb so viele Arme und Besitzlose so wenigen Superreichen ihren „verdienten?“ Reichtum auch noch rasant vermehren lassen, darüber gibt Prof. Rainer Mausfeld, mit seiner Vortragsreihe. „Das Schweigen der Lämmer“ auch gute Antworten. –> Zur 20. Veranstaltung 2019 eine Empfehlung.
    Was noch fehlt… Leute die als eine mächtige sozialpolitisch Regierung in Berlin agieren/handeln. Die Chance wurde offensichtlich bei der letzten Bundestagswahl erneut vertan.

    Ps. Viele Stadträte waren ja mit eigenen Veranstaltungen (wie jedes Jahr) in der „Pflicht“!

  • eingeborener

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    Fundierter Bericht, im Unterschied zum Artikel in der MZ.Danke !
    Was also tun in Regensburg ? Sich engagieren für bezahlbare Wohnungen in Verknüpfung mit der Ablehnung von Bauten wie dem RKK für nur noch mehr Gewinn für die großkopferten ,das finde ich zentral. Überhaupt mehr sozialpolitisches und kulturpolitisches angebot.Alles, was den Menschen tatsächlich nutzt und sie zusammen bringt. So auch praktisch zeigen , dass die AfD-‚Heimatliebe statt Flüchtlinge‘-Propaganda nur leeres Geschwätz ist, das niemand satt macht, und so die SPD zwingen, Farbe zu bekennen, und entweder ganz abzusaufen oder Teil der sozialen Kräfte zu werden (die Hoffnung stirbt zuletzt).Bessere Ideen ?

  • Simson

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    Vieles schätze ich an Regensburg Digital.
    Die Überschrift: „worüber sich Susanne Klatten totlacht.“ finde ich wenig zielführend.
    Wenn unsere Gesellschaft auseinander driftet, was sie bereits unbestritten tut, will das sicher niemand, denn das wird langfristig das Ende einer freien Gesellschaft bedeuten. Eine Gettoisierung findet an beiden Enden der Gesellschaft statt.
    Der in der Öffentlichkeit stehende Prominente kann sich nicht frei bewegen.
    Am unteren Ende der Gesellschaft fehlt dazu schlicht das Geld, gleichzeitig fehlt aber für ein freies Leben hier auch die Zeit und die Energie, denn wenn jemand mehrere Minijobs hintereinander ausübt, hat der/die danach sicherlich weder die Kraft noch die Zeit für ein erfülltes Freizeit-Leben. (Leben)
    Und das Brecht Zitat, das tut mir wirklich etwas weh. Dieses Zitat in meinen Augen wirklich falsch gesetzt.
    „Reicher Mann und armer Mann
    standen da und sahn sich an.
    Und der Arme sagte bleich:
    ‚Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich‘.“
    Berthold Brecht war ein wunderbarer Schriftsteller.
    Aber die wahrhaftige Botschaft ist die Botschaft an die Verantwortung.
    Die Zeiten des Klassenkampfes sind zumindest in Deutschland vorbei. Hoffentlich für immer.
    Aber wir haben uns nicht bewegt, zu mindestens gedanklich sind wir immer noch in den Zeiten des kalten Krieges gefangen.
    Das geht aber leider beidseitig.
    Es gibt kein so oder so, sondern nur ein Miteinander oder dann eben einen Weg in den absoluten Abgrund
    Wir können in weiteren 20 Jahren locker die gesamte Nachkriegs-Kultur völlig zerstören, auch das relativ freie klassenlose Miteinander in Deutschland.
    Jede Relativität ist natürlich nur im Verhältnis zu anderen Ländern zu sehen.
    Gut für meine Kritik habe ich jetzt weit ausgeholt aber ich finde es wichtig nicht einfach alte Schemata weiter zu verfolgen denn die alten Schemata erreichen einfach niemand mehr.
    Deshalb haben sie in meinen Augen ausgedient.
    Wichtig und richtig fand ich den Beitrag als solchen,
    Denn diese Diskussion wird uns alle betreffen, wenn wir sie nicht intensiv führen.
    Oder überhaupt führen.

  • BarnieGeröllheimer

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    Doch, Susanne Klatten lacht sicht tot: Über die Borniertheit eines Butterwegge.
    Diese Butterwecke tut gerade so, als würde Frau Klatten -natürlich als Stellvertreter der mehr als Grundsicherung Besitzenden- Geld horten und täglich in duckscher Manier darin baden. Vergessen, oder viel wahrscheinlicher aus politischer Agitation (deutsch: Hetze, normal anderer politischer Couleur unterstellt) verschweigen, tut Butterwegge, dass die Gewinne reinvestiert werden und damit Arbeitsplätze geschaffen oder zumindest erhalten werden. Wir haben momentan Vollbeschäftigung, und die ist nicht aus der Umverteilung und der sozialen Aufzehr von Investivkapital entstanden.

    In einem Punkt gebe ich Butterwegge recht: Die SPD als regulierende Kraft ist ein Totalausfall. Den an der Spitze stehenden Personen – im Großen, wie im Kleinen – geht es ausschließlich um Pfründe- und Statussicherung. Diesem Verfall aber nur mit einem langen Atem entgegetreten zu wollen, zeigt dass es Butterwegge nur um Agitation geht und nicht um reale politische Veränderung.

  • erich

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    Kommentar gelöscht. Keine Gewaltaufrufe.

  • Schwalbe

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    @BarnieGeröllheimer
    Bloß mal einige Zahlen zur Veranschaulichung: die Anzahl der offizielle Arbeitslosen beträgt derzeit in Deutschland 2,3 Mio, dazu kämen eigentlich noch die sog. „Unterbeschäftigten“, die zwar auch arbeitslos sind, aber aus ästhetischen Gründen aus der Statistik herausgerechnet werden, gut 1 Mio, dann gibt es ca. 1,3 Mio Aufstocker, also Menschen, die zwar Arbeit haben, aber nicht einmal den AlgII Satz damit verdienen, erwähnt sei auch die 1 Mio Rentner, die Grundsicherung erhalten, die haben zwar nichts mit der Arbeitslosenstatistik zu tun, sind aber auch ein trauriges Ergebnis der von Ihnen so gefeierten „Vollbeschäftigungspolitik“; insgesamt gibt es laut Bundesanstalt für Arbeit zurzeit 7,3 Mio Geringverdiener in D.
    Nun steht es Ihnen selbstverständlich frei, das alles als Vollbeschäftigung zu bezeichnen, für einen besonders intensiven Kontakt zur Wirklichkeit spräche das jedoch nicht.
    Auch wenn Sie es sich nicht vorstellen können, dass Frau Klatten „Geld horten und täglich in duckscher Manier darin baden (würde)“ , genau so ist es; es war im Artikel von der Dividende die Rede, die Frau Klatten – sie wurde beispielhaft genannt – bekommen hat, das ist Geld, das ein Konzern nach Abzug etwaiger Investitionen an seine Aktionäre auszahlt; „reinvestiert“ wird davon nichts mehr, das wird entweder in puren Luxus umgesetzt oder zum zocken auf den Finanzplätzen der Welt verwendet, denn die sind ja genau dafür erfunden worden.
    Ich erspare es mir, über Ihren Stil, bzw. den Mangel daran, ein Wort zu verlieren, das spricht ja alles für sich…

  • Barnie Geröllheimer

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    Beeindruckende Zahlen! Ich nehme den letzten Satz auch nicht persönlich. Es bestärkt mich.
    Wer von den sog. Unterbeschäftigten ist wirklich unterbeschäftigt, weil er keine andere Arbeit -mangels Angebot, Fähigkeit- oder eigener Gestaltung- findet?
    Können die Herren Albrecht sofort umswitchen und Lidl kaufen? Wohl kaum. Deren zugerechnetes Geld steckt in Läden und Waren, die beruflich unselbständigen Menschen Arbeit und ein Auskommen bieten. Das ist sozial.
    Menschen, die ihr Vermögen -nicht nur das Geldvermögen, sondern auch ihr Wollen und Können- für die Anderen einsetzen, und diesen Arbeit und Einkommen bieten, als Ausbeuter zu bezeichnen, ist sozialistisch.
    In diesen Kontext sollten alle Betriebe an die Arbeiter und Ihre Ständevertretung übergeben werden, damit endlich die überaus erfolgreiche Wirtschaftsform der DDR zurückkehren kann. Die möglichen Dividenden zur Vornahme eines duckschen Bades entstehen gar nicht erst, weil diese per Sofortverzehr am Arbeitsplatz entnommen werden. Halleluja!

  • Markus Frowein

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    @ Barnie Geröllheimer (17. Februar 2018 um 21:54)

    1. Die DDR war weder demokratisch, noch sozialistisch, sondern eine Diktatur.
    Nichts gehörte niemandem, jedoch den „Oberen“ das meiste vom „Kuchen“.
    2. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die Mitarbeiter im ALDI sowie in
    anderen Discountern dermaßen rennen, schuften und schwitzen? Könnte
    das daran liegen, dass die Chefs dieser Läden so unsozial eingestellt sind?
    3. Welchen Vorteil ziehen Sie daraus, die „freie“ Marktwirtschaft so zu loben?

  • Harald Klimenta

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    Danke für den guten Text! – Eine Frage: Wie hoch schätzt ihr war das Durchschnittsalter der Besucher?

    …Falls über 40: Auftrag für nächstes Jahr: Einen Referenten finden, der auf jüngere Menschen als Zielgruppe orientiert.

  • erik

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    mit der Agenda 2010 bzw. den Hartz-Gesetzen wurde das Grundgesetz für Teile der Bevölkerung ausser Kraft gesetzt! Von fordern und fördern so gut wie keine Spur mehr, es geht nur noch um fordern bzw. einsparen um Mittel für andere und anderes frei zu machen (wie zB. eine Summe von 1,5 Milliarden Euro, die die Jobcenter in den letzten drei Jahren aus dem Hartz IV Fördertopf umgeschichtet haben um damit ihre eigenen Verwaltungskosten und Tariferhöhungen ihrer eigenen Mitarbeiter zu finanzieren) , quasi eine Enteignung durch die Hintertür.
    Ergebnis: die Verarmung und Verelendung ganzer Landstriche und Bevölkerungsgruppen! Der Umbau des Gesundheitswesen und die damit verbunden Streichungen von Leistungen der gesetzlich Versicherten kommt da noch erschwerend oben drauf! Daran ändern auch manipulierte Statistiken (wie z.H. die Arbeitslosenstatistik, Statistiken zur Vermögensverteilung uvm.), die von der Medien-Mafia gebetsmühlenartig verbreitet werden, nichts! Ein System in dem die Mittelschicht ihr Vermögen loswerden und zur Unterschicht werden muss damit sie überhaupt Leistungen erhält, was so an bürgerfeindlicher Bürgerverelendungs und Verarmungspolitik in Europa wohl einmalig ist!
    Die Folge für die Zukunft ist ein Zunami an Altersarmut dieser prekär Beschäftigten und von längerer Zeit von Arbeitslosigkeit betroffener Menschen, was die Politiker die dafür verantwortlich sind aber nicht mehr interessieren wird, weil sie dann selbst schon selbst mit feudalen Altersbezügen im Ruhestand sind. Auch Weise, Alt und Becker, Clement, Müntefering, Stoiber und die anderen wird es nicht mehr interessieren weil sie dann unter ähnlichen Konditionen wie zB. Intendant des WDR (rund 370000 Euro im Jahr verdient er und außerdem hat die Anstalt bereits 2,9 Mio für seine Pension abgezweigt) sich in den Ruhestand verabschiedet haben oder werden. Zurück bleibt das Prekariat das Flaschen sammelt, unter den Brücken haust, in Mülleimern wühlt und bei den Tafeln gefüttert werden damit sie nicht auf andere Gedanken kommen.
    Welche Ausmaße diese Politik der wirtschaftlichen und sozialen Ausgrenzung inzwischen angenommen hat war kürzlich auf HartzIV org zu lesen, nämlich wie z.B.
    Hartz IV Sanktionen gnadenlos – auch gegen Familien mit Kindern
    oder
    Kein Hartz IV Schonvermögen: Eltern müssen Haus verkaufen
    oder
    Laut einer Meldung (basierend auf einer Berechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsfoschung) verzichten 3,1 – 4,9 Millionen Antragsberechtigte auf Hartz IV und leben so in verdeckter Armut und erscheinen in keiner Statistik mehr.
    oder
    In Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die in Armut leben. Dabei sind nicht nur Erwerbslose stark von Armut betroffen, sondern auch immer mehr Alleinerziehende.
    oder
    Nur noch 53 Prozent der Beschäftigten mit Tarifvertrag: „Gesellschaftlicher Skandal“

  • erich

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    kürzlich war zu lesen:
    Vermögensschock: Die Deutschen sind die armen Würstchen der EU
    Der Welt-Reichtums-Report zeigt, wie arm die meisten Deutschen wirklich sind. Von den Ländern der alten EU liegt nur Portugal hinter Deutschland. In den meisten Ländern besitzen die Bürger mehr als doppelt so viel Vermögen wie hierzulande.
    Der Medianwert des geldwerten Vermögens für die Erwachsenen liegt in Deutschland bei 47.000 Dollar. Schon im krisengebeutelten Griechenland sind es mit 55.000 Euro 8000 Euro pro Nase mehr. Dass die unmittelbaren Nachbarn – Holländer (94.000), Dänen (87.000 Dollar), Belgier (168.000 Dollar) – reicher als die Deutschen sind, kann kaum verwundern. Man sieht es bei jedem Besuch. Erstaunlich allerdings, dass Franzosen (120.000) und Italiener (125.000) mehr als doppelt so reich wie die Deutschen sind. Lichtenstein (168.000) und Schweiz (229.000) bilden erwartungsgemäß die Spitze.
    Quelle:Stern
    „Die soziale Marktwirtschaft existiert nicht mehr“, sagt DIW-Chef Marcel Fratzsche.
    Fratzschers These: „Die soziale Marktwirtschaft existiert nicht mehr“. Die Ungleichheit in Deutschland habe in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Die reichsten zehn Prozent besitzen inzwischen zwei Drittel des Vermögens, die ärmere Hälfte habe dagegen praktisch nichts. In keinem anderen Land der Euro-Zone sei die Vermögensungleichheit höher, kritisiert der DIW-Chef.

    Diese Entwicklungen sind von diesen Parteien SPD CDU CSU zu verantworten, da sie seit Gründung des Landes in Regierungsverantwortung standen und stehen.

  • Clara

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    Alles wunderbar, was Butterwegge sagt. Aber solange die Armen zu faul sind zum wählen, dürfen sie sich nicht wundern, dass die Wahlen zugunsten der Wohlhabenden ausgehen, die eben zum Wählen gehen. Da gibt es für mich aber auch gar keine Entschuldigung. Was nützt die beste Partei und kompetenteste Politikerin – wie etwa S. Wagenknecht – wenn der Mob entweder gar nicht zur Wahl geht oder AFD wählt.
    Welche Partei rackert sich denn für eine Klientele ab, die nicht mal zur Wahl geht. Das ist doch menschlich nachvollziehbar.
    Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

  • Schwalbe

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    @ BarnieGeröllheimer
    “ Ich nehme den letzten Satz auch nicht persönlich. Es bestärkt mich.“
    Worin? Auch weiterhin unbelastet von jeglicher Sachkenntnis Ihre Phrasen in die Welt zu blasen?
    Und: Wie Sie den Satz nehmen ist Ihre Sache, aber gemeint ist er natürlich persönlich, wie denn sonst? Schließlich sind Sie es „persönlich“ der diesen zusammenhanglosen Unfug schreibt und dabei auch noch – in Ermangelung von Kenntnissen oder Argumenten – den Referenten verunglimpft.
    Was beispielsweise „Unterbeschäftigte“ in diesem Zusammenhang heißt, wissen Sie offebar nicht, Sie informieren sich aber auch nicht, was in wenigen Minuten zu machen wäre, sondern schwadronieren erst mal munter und wie immer diffamierend drauf los.
    Aber Schwamm drüber, da zeigen sich eben die Schattenseiten des Internets.
    @Clara
    Sie irren in jeder Hinsicht.
    Nehmen Sie die Bundestagswahl 1998, fast 50% wählen spd und Grüne, sicher nicht mit der Erwartung, dass diese dann Politik für die Reichen machen sollten, genau das tun die aber; sind daran die Wähler schuld, oder die Nicht-Wähler?
    Oder 2013, eine Mehrheit im Bundestag für spd, Grüne und Linke; was machen die daraus? Bekanntermaßen nichts.
    Abgesehen davon gehört es doch wohl zu den Aufgaben von Parteien, die Lebenssituation der Menschen zu erfassen und in politische Ziele und Programme umzusetzen, anhand derer die Wähler ihre Entscheidung treffen können. Welche Partei hat den – sagen wir mal großzügig – 40 % am wenigsten Wohlhabenden ein Angebot in diesem Sinn gemacht? Sie nennen die Linke; ja, die einzige Partei, die noch Reste ehemaliger sozialdemokratischer Inhalte im Progrmm hat. Und ich kann Ihnen an dieser Stelle insofern folgen, als ich auch nur schwer verstehen kann, warum nicht mehr Menschen gemäß ihrem ureigensten Interesse entscheiden. Nur: die einzige Partei, die realistischerweise für die Übernahme der Regierung aus dem (ehemaligen) linken Lager in Frage kommt, ist nun mal die spd; und warum die immer weniger Leute wählen kann ich wiederum sehr gut verstehen.
    Übrigens: ein Grund dafür, dass so wenige von den materiell Schwachen (die fälschlicherweise immer „sozial Schwache“ genannt werden) nach links tendieren, könnte auch in der Verachtung liegen, die ihnen von dort entgegenschlägt, leider auch in Ihrem Beitrag.

  • Barnie Geröllheimer

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    Booah Ey, bevor beim Aldi jeden Tag ein Rettungswagen und wieder einen, vor lauter Überarbeitung zusammengebrochen Angestellten abholt, und ganze Landstriche wegen Hartz IV verarmen schwöre ich lieber der Marktwirtschaft ab und fordere alle Betriebe in die Hände der Gerechtigkeit Fordernden zu übergeben, damit endlich Gerechtigkeit herrschen kann. Steht so ähnlich in Büchern aus dem vorletzten Jahrhundert.

    Wer eine Dienstleistung kauft hat künftig dafür zu sorgen, dass der Dienstleister exakt denselben Stundenlohn wie er selbst erhält. Liefert ein Paketfahrer jetzt ein Paket bei einem Automobilarbeiter ab, so bekommt der Paketfahrer denselben Lohn, wie der Automobilarbeiter. Dieser wiederum zahlt statt 5,90 für das Amazon Paket 25 € Versandgebühr, da der Paketfahrer für diese Ablieferung eben jetzt auch brutto 30€ in der Stunde bekommt. Gleiches gilt im Taxi: Lohnzettel vorzeigen, passenden Tarif eingeben und schon geht´s los. Bloß wohin?

    Merkt Ihr was? Es geht nicht um arm oder reich, sondern es geht darum niemanden wegen eines zu geringen Lohns arm werden zu lassen. Wenn ich akzeptiere, dass ein Anderer, der mir eine Dienstleistung erbringt, weniger Stundenlohn hat als ich selbst, fange ich an diesen auszubeuten. Jetzt die Politik für diese Mißstände verantwortlich zu machen ist Pharisäertum. Ihr seid diejenigen, die immer mehr Leistung für immer weniger Geld haben wolltet und wollt.

  • Markus Frowein

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    @ Barnie Geröllheimer (18. Februar 2018 um 18:31)

    Da Sie es immer noch nicht verstanden haben, will ich es Ihnen noch mal kurz erklären,
    denn ich habe eine Menge Geduld. Bezug nehme ich auf Ihre letzten Anmerkungen:

    Früher gab es einen einzigen Postboten, der für weit über 20,- DM Stundenlohn ganz
    locker und entspannt Ihre Pakete gebracht hat. Ebenso hat der Lokführer der Bundes-
    bahn Sie ganz locker von A nach B gebracht, zu einem ähnlich guten Stundenlohn.
    Heute kommen mindestens drei verschiedene Briefträger und mindestens vier Paket-
    fahrer durch die Straße und müssen allesamt für einen wirklich geringen Lohn von
    früh bis spät durch die Gegend hetzen, damit sie vor zwanzig Uhr Feierabend haben.
    Auch den Lokführern verschiedenster privater Anbieter geht es nicht viel besser.
    Das liegt Ihrer Meinung nach nicht an dem wahnwitzigen Projekt der Politik, auch
    jedweden Bereich zu privatisieren und den neoliberalen Aasgeiern zum Fraß vorzu-
    werfen, sondern einzig und allein daran, dass manche Leute sozial eingestellt sind?
    Schauen Sie sich mal beispielsweise die Infrastruktur der Bahn an, dann wissen Sie
    erstens ganz genau, in welche Taschen die ganzen Gelder verschwinden und zwei-
    tens, wer dafür aufkommt, wenn eines Tages diese Infrastruktur zusammenbricht.
    Aber jammern Sie hinterher bloß nicht, dass es Ihnen damals keiner erzählt hätte …

  • Landkreisbewohner

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    Und genau das wollten doch alle. Privatisierung auf Teufel komm raus.
    Wie hatte man über die Beschäftigten der Bahn, Post und öffentlichen Dienst etc. gemotzt. Faul, uneffektiv, spießig, altmodisch und zu bürokratisch. Privatisierung war das Zauberwort.
    So und genau das haben wir jetzt. Jammern gilt nicht, genauso wollte es die Mehrheit. Weg mit den Beamten, hin zum Kapitalismus. Und ja, es war auch die Bevölkerung, die das wollte oder, man hat es ihr zumindest so eingeredet. Die EU tat ihr Übriges dazu. Wenn es nach dem Willen der EU geht, sollen noch viel mehr Bereiche privatisiert werden. Ganz weg vom Staat hin zur Marktwirtschaft.

  • Markus Frowein

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    @ Landkreisbewohner (19. Februar 2018 um 08:25)

    Wer bitte genau aus der Bevölkerung wollte die Privatisierung der Post und Bahn?
    Ich kenne ausschließlich Politiker (z.B. Heinz Riesenhuber, CSU), die das wollten.
    Erzählen Sie hier doch nicht die Mär vom Schaf und der Schlachtbank, ich habe selbst
    damals bei der Post gearbeitet, weder Mitarbeiter noch sonst jemand wurden gefragt.

  • Piedro

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    BarnieGeröllheimer
    17. Februar 2018 um 13:34 | #

    Doch, Susanne Klatten lacht sicht tot: Über die Borniertheit eines Butterwegge.
    Diese Butterwecke tut gerade so, als würde Frau Klatten -natürlich als Stellvertreter der mehr als Grundsicherung Besitzenden- Geld horten und täglich in duckscher Manier darin baden. Vergessen, oder viel wahrscheinlicher aus politischer Agitation (deutsch: Hetze, normal anderer politischer Couleur unterstellt) verschweigen, tut Butterwegge, dass die Gewinne reinvestiert werden und damit Arbeitsplätze geschaffen oder zumindest erhalten werden. Wir haben momentan Vollbeschäftigung, und die ist nicht aus der Umverteilung und der sozialen Aufzehr von Investivkapital entstanden.

    ***

    Ktitik an der Vermögensverteilung und deren Auswirkungen sind keinesfalls Hetze, Herr Barnie. Es gibt gesicherte Zahlen darüber, und gesicherte Vergleiche zu der Entwicklung in anderen EU-Ländern. Es stünde Ihnen frei sich darüber zu informieren, worüber Herr Butterwege tatsächlich spricht.

    ***

    BarnieGeröllheimer
    17. Februar 2018 um 13:34 | #
    In einem Punkt gebe ich Butterwegge recht: Die SPD als regulierende Kraft ist ein Totalausfall. Den an der Spitze stehenden Personen – im Großen, wie im Kleinen – geht es ausschließlich um Pfründe- und Statussicherung. Diesem Verfall aber nur mit einem langen Atem entgegetreten zu wollen, zeigt dass es Butterwegge nur um Agitation geht und nicht um reale politische Veränderung.

    ***

    Welch putzige Schlussfolgerung. Die geübte Kritik soll nicht der politischen Veränderung dienen. Sie ist aber immerhin Agitation (die natürlich nichts mit politischer Veränderung zu tun hat – denken AfD-Sympatisanten tatsächlich so?). Wieder ist ein gestörtes Verhältnis zur deutschen Sprache zu erkennen, Herr Barnie. Wenn Sie die Bedeutung eines Wortes nicht kennen stehen ihnen vom Duden bis zu Wikipedia verschiedene Quellen zur Verfügung. Bei Wikipedia können Sie lesen:

    Die politische Agitation (lat. agitare ‚aufregen‘, ‚aufwiegeln‘) steht für:

    (abwertend) die meist aggressive Beeinflussung anderer in politischer Hinsicht. Der Begriff wird in der Umgangssprache, aber auch in journalistischen Kommentaren bisweilen abwertend benutzt. Der Agitator wird oft gleichgesetzt mit einem Aufwiegler, Anstifter, Hetzer und Unruhestifter (siehe Demagoge);
    politische Aufklärungsarbeit oder Werbung für politische oder soziale Ziele.

    Ein Agitator will insbesondere durch motivierende, anspornende oder aufrührerische Reden und Veröffentlichungen eine größere Anzahl an Menschen zu einer gemeinsamen Aktion oder Reaktion bewegen (meist im Hinblick auf einen politischen Gegner).

    Man kann Herrn Butterwege mit Fug und Recht einen Agitator nennen, er versucht zu informieren und zu motivieren sich mit den Zusammenhängen auseinander zu setzen. Ihm Agressivität vorzuwerfen wäre wohl auch für Sie zu deppert, oder nicht? Sie mögen ihm absprechen, dass er an politischer Veränderung interessiert ist, Sie brauchen sich nicht mal bemühen diese Ansicht zu begründen. Sie äußern ihre Meinung. Das können Sie, seit sie als kleiner Bua an der Supermarktkasse der Meinung waren irgendwass müsste dem Buam ungebingt gekauft werden. Dereinst Butterkeks, heute Butterwege.

    Herr Barnie, keiner könnte Ihnen absprechen unterhaltsam zu sein, aber es braucht Humor um mit Ihrer Argumentation zurecht kommen. Da lacht sich nicht nur Klatten tot.

  • Markus Frowein

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    @ Landkreisbewohner

    Eine Frage habe ich noch vergessen:
    Sie wollen jetzt nicht wirklich „die EU“ mit der deutschen Bevölkerung gleichsetzen?

    Sie haben ja gar keine Ahnung, wie das ist, wenn man als Postbeamter jahrelang
    Angst gemacht bekommt wegen der Verhältnisse, die nach einer „Privatisierung“
    auf einen zukommen. Übrigens, die einzigen, die zu meiner Zeit (bis 2004) die Post
    noch halbwegs am Laufen gehalten haben, waren die „Alt-„Beamten, die man bis da
    noch nicht herausgeekelt/-gelockt hatte, nämlich durch Entschleunigung und indem
    man Geld in die Hand nahm, um die Personaleinsparpolitik aufzufangen, während
    u.a. gewisse neoliberale Steuerhinterzieher namens Dr. Klaus Zumwinkel belohnt
    wurden, nachdem sie sowohl den Ruf der Post als auch die Arbeitsbedingungen,
    die heute eher denen einer Drückerkolonne gleichen, vollends ruiniert hatten.
    Hier wirkte ein Zusammenspiel aus CDU/CSU-Politik mit vielen Wirtschaftsaasgeiern.
    Nur weil etwas schon 30 Jahre lang her ist, muss man die Fakten nicht umdrehen …

  • erik

    |

    Ruheständler in Österreich bekommen im Schnitt 60 Prozent mehr Rente als deutsche.
    Die Zahlen sind eindeutig: Bei 1231 Euro liegt die monatliche Durchschnittsrente in der Alpenrepublik. Rechnet man ein, dass sie zudem 14 Mal ausbezahlt wird, kommt man sogar auf 1436 Euro. Dem gegenüber stehen in Deutschland nur 909 Euro. Zudem gibt es – anders als in Deutschland – eine Mindestrente.
    Im Gegensatz dazu Deutschland, kürzlich war zu lesen:
    Nur noch 53 Prozent der Beschäfrigten mit Tarifvertrag: „Gesellschaftlicher Skandal“.
    Aufgrund der Politik der letzten Jahre insbesondere die Agenda 2010 bzw. die Hartz-Reformen ( z.B. Streichung von Rentenbeiträgen im Zuge des Haushaltsbegleitgesetzes 2011 für Arbeitslosengeld-II-Bezieher) ist in Zukunft mit einem Zunami an Altersarmut zu rechnen! Was die verantwortlichen Politiker nicht mehr interessieren wird, da sie sich mit königlich, kaiserlich feudalen Altersversorgungen in den Ruhestand schon verabschiedet haben bzw. verabschieden werden.
    Durchschnittshöhen der Altersbezüge 2012
    Altersversorgung in Deutschland (brutto)
    Euro/Monat
    Rente
    West
    Männer 985
    Frauen 484
    Witwer 223
    Witwen 579
    Ost
    Männer 1079
    Frauen 715
    Witwer 268
    Witwen 616
    Beamten-Pensionen
    Bund
    Ruhegehalt 2750
    Witwengehalt 1580
    Länder
    Ruhegehalt 2940
    Witwengehalt 1690
    Gemeinden
    Ruhegehalt 2840
    Witwengehalt 1060
    Bahn
    Ruhegehalt 1930
    Witwengehalt 1060
    Post
    Ruhegehalt 1900
    Witwengehalt 1050
    Abgeordneten-Pensionen
    Bundestag
    Pensionäre 3011
    Witwen 1996
    Minister-Pensionen
    Bund
    Pensionäre 5673
    Witwen 3369
    Quelle: Alterssicherungsbericht des Bundessozialministeriums

  • R.G.

    |

    @erik:

    In Österreich gibt es vielmehr eine große Zahl Mini-Renten- bzw. Pensionsbezieher, die Anspruch auf Ausgleichszulage haben KÖNNEN.
    Diese orientiert sich an einem Mindestsatz des Lebensnotwendigen.

    Nicht der Ausgleichszulage bedürftig sein können Menschen mit privaten Renten oder Erwerb aus Verpachtungen, Leibrenten, Fruchtgenüssen, Waisenrenten u.v.a.m…
    Das wird im Einzelfall geprüft und muss durch Beibringung von Unterlagen nachgewiesen werden.

  • Dieter

    |

    @Markus Frowein:
    Natürlich wurden die Postler nicht gefragt, ob sie die Privatisierung wollen. Aber gab es ernsthaften Widerstand oder ging die Bevölkerung dagegen auf die Straße?
    Damit meine ich nicht Sie persönlich, sondern uns alle.

    Nur auf die Politiker zu zeigen und alle anderen aus der Verantwortung zu ziehen, ist mir zu einfach. Am Wahlverhalten hat sich kaum etwas verändert, im Gegenteil. Die einzige Partei die eine andere Wirtschaftspolitik fordert sind die ‚bösen Sozialisten‘. Die meisten nicken doch lieber bei Sprüchen wie ’sozial ist was Arbeit schafft‘.

  • Landkreisbewohner

    |

    @Markus Frowein
    Sie haben nicht verstanden, was ich geschrieben habe bzw. was ich aussagen wollte.
    Als die ersten Privatisierungen vollzogen wurden, gab es durchaus genügend positive Berichterstattung in den Medien und auch positives Feedback in der Bevölkerung. Es galt als modern und en vogue. Das habe ich damals genau verfolgt, war ich doch selbst im öffentlichen Dienst beschäftigt. Auch im eigenen Bekanntenkreis kamen damals überwiegend positive Kommentare in Sachen Privatisierung. Das hatte mich damals sehr geärgert, weil ich selbst betroffen war.
    Und natürlich hatte und hat die EU ein Interesse an Privatisierungen, siehe hier:
    https://www.boeckler.de/22126_22129.htm
    Zitat: „Bis Mitte der 1970er-Jahre bauten die damaligen Mitgliedsländer der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ihre öffentliche Infrastruktur aus – ohne dass europäische Institutionen daran Anstoß genommen hätten. In den 80er-Jahren schwenkte die EU-Kommission um. Die bis dahin akzeptierte Sonderrolle von Post, Verkehrswesen, Wasser- und Stromversorgung oder Schienenverkehr wurde infrage gestellt.“

    Also, wie gesagt, Sie haben mich definitiv missverstanden. Ich wollte nur ausdrücken, dass es eben sehr wohl genügend Menschen in der Bevölkerung gab, die damals pro Privatisierung der Post, der Bahn etc. waren und die jetzt genau das beklagen.

  • R.G.

    |

    @Landkreisbewohner
    “ Ich wollte nur ausdrücken, dass es eben sehr wohl genügend Menschen in der Bevölkerung gab, die damals pro Privatisierung der Post, der Bahn etc. waren und die jetzt genau das beklagen.“

    Sie haben richtig beobachtet.
    Man wird langsam aus Schaden klüger.

  • Markus Frowein

    |

    @Landkreisbewohner

    Ich hatte mich nur ein wenig daran gestört, dass Sie es so hingestellt haben, als wenn
    die ganze Bevölkerung aktiv daran beteiligt gewesen wäre, diverse Privatisierungen in
    die Wege zu leiten, als wenn quasi die Politik erst durch die Bevölkerung auf dieses
    Thema aufmerksam geworden wäre. Doch in Wahrheit war es genau andersherum.
    Hinzu kommt, dass sich damals niemand hat vorstellen können, wie sich solch eine
    Privatisierung auswirkt, zumal es ja keine Erfahrungen diesbezüglich gab.
    Und ja, Sie haben völlig Recht, aus der Politik (auch aus der EU) schwappte förmlich
    eine Propagandawelle über das Land, die Ihresgleichen suchte.
    Und dann gab es noch die Masse der Neider und der Gehässigen, die selbst einen
    schlechten Job in der Privatwirtschaft hatten und denen nicht einfiel, Solidarität zu
    zeigen und mit den Beschäftigten auf die Straße zu gehen, sondern die sich freuten,
    dass es anderen genau so schlecht ergehen würde, wie ihnen selbst.
    Aber ich bin sicher, dass – außer Barnie Geröllheimer – fast alle dieser Gehässigen
    und Mitgefühlslosen von damals gemerkt haben, dass diese Strategie falsch war.

  • R.G.

    |

    @Markus Frowein

    Schon damals wurden die Gruppen gegeinander ausgespielt, Arbeitnehmer aus Privatbetrieben gegen Öffentlich Bedienstete, und so fort.
    Die große Zustimmung im Volk zu den Privatisierungen erlebte ich als willkommene Bestrafungsaktionen gegen die, die sich zu lange vermeintlich ungleich mehr aus dem Topf geholt hätten.

    Bei der Wahl wurde und wird ebenfalls in Bestrafungsmanier gegen die bisherigen Regierungsparteien das Kreuzerl bei der Oppposition gemacht, egal welche verbalen Entgleisungen sie hören lässt – man wählt sie meistens ohnehin nur vorübergehend, zur Bestrafung der Großen, damit die endlich den Hintern hockriegen und wieder SOZIALES Programm machen.

    Aber die beschimpfen, solange der Trog für die eigenen Funktionäre noch gefüllt ist, statt zu begreifen, welche Lektion ihnen gelesen wird, die abtrünnigen Wähler als dumm, rassistisch oder faschistisch, und treiben sie erst damit den Extremen gänzlich in die Arme.

    Sie, Herr Frowein, schreiben:
    „Aber ich bin sicher, dass – außer Barnie Geröllheimer – fast alle dieser Gehässigen
    und Mitgefühlslosen von damals gemerkt haben, dass diese Strategie falsch war.“

    Man kann ein paar Privatisierungen nicht isoliert von der gleichzeitigen Schlechterstellung aller anderen Arbeitnehmer betrachten.

  • Markus Frowein

    |

    @ R.G. (21. Februar 2018 um 13:47)

    „Man kann ein paar Privatisierungen nicht isoliert von der gleichzeitigen
    Schlechterstellung aller anderen Arbeitnehmer betrachten.“

    Es ging in diesem Falle ja lediglich um einen Einzelaspekt unter vielen anderen.
    Wir können ja noch über einen anderen Aspekt reden, nämlich dass Helmut Kohl,
    wie böse Zungen behaupten, ausschließlich so ein großes Interesse an der Öffnung
    der innerdeutschen Grenze hatte, damit seine „Bekannten“ aus der Wirtschaft
    (Stichwort: Ehrenwort) genügend „Frischfleisch“ aus Ostdeutschland und -europa
    bekommen, um im Westen die Löhne auf unter die Hälfte drücken zu können …

    Wenn ich darüber nachdenke, kann ich nur sagen: Das hat wirklich prima geklappt.

  • Markus Frowein

    |

    Noch was vergessen:

    Nehmen wir mal an, Helmut Kohl hätte die Ostgrenze nur wegen des Lohndumpings
    geöffnet, dann wären laut Argumentationsschiene von Dieter und Landkreisbewohner
    nicht Helmut Kohl oder seine Spezln schuld, sondern die litauischen Lastwagenfahrer, polnischen Maurer und die vielen tausend Industriearbeiter aus der ehemaligen DDR.
    Auch die westdeutsche Bevölkerung wäre daran schuld, aber kein einziger Politiker …

  • Dieter

    |

    @Markus Frowein:

    Entweder lesen Sie nicht aufmerksam genug durch oder wollen es nicht verstehen: Ich (und wohl auch nicht Landkreisbewohner) habe sicher nicht die Politiker aus der Pflicht genommen, sondern *zusätzlich* die Bürger in die Pflicht. Das ist etwas anderes als Ihr schwarzweiß Denken.
    Es sind eben nicht *nur* die Politiker schuld, sondern auch die Bürger, die a) gegen Fehlentscheidungen nicht auf die Straße gehen und b) sich soweit einlullen lassen, dass sie z.B. Privatisierungen oder Lohndumping noch bejubeln und c) die Privatisierungs-Parteien auch noch weiterhin wählen.
    Da würde mich doch glatt interessieren, was Sie die letzten Jahrzehnte gewählt haben…

  • Markus Frowein

    |

    @ Dieter (21. Februar 2018 um 17:27)

    Mit „*zusätzlich* in die Pflicht nehmen“ bin ich vollumfänglich einverstanden.
    Wenn Sie mir sagen, wen Sie gewählt haben, werde ich es Ihnen auch sagen.

  • Videohinweise am Mittwoch | NachDenkSeiten – Die kritische Website

    |

    […] Christoph Butterwegge in Regensburg Worüber sich Susanne Klatten totlacht… Von Stefan Aigner in Nachrichten, Überregional Beim sozialpolitischen Aschermittwoch in Regensburg geißelt der Armutsforscher Christoph Butterwegge die „politische Zivilreligion“ des Neoliberalismus und fordert eine Umverteilung des Vermögens. Im aktuellen Koalitionsvertrag sieht der 67jährige einen weiteren Beleg dafür, dass die SPD als innovative und fortschrittliche politische Kraft ausfalle und nurmehr ein Reparaturbetrieb für die eigenen Fehler sei. Wir stellen den Vortrag als MP3 zur Verfügung. Zitat: Der aktuelle Koalitionsvertrag offenbare erneut, dass die SPD als als progressive und innovative Kraft derzeit ausfalle und allenfalls ein Reparaturbetrieb der eigenen Fehler sei. „Aber ohne oder gegen die SPD wird eine Veränderung wohl nicht funktionieren“, sagt Butterwegge. Und deshalb müsse man eben weiter durchhalten und einen langen Atem haben. Auch dieser, etwas blasse Hoffnungsschimmer wirkt wie ein Déjà-vu.“ Quelle: regensburg-digital […]

  • A. Wiesengrund

    |

    Bertold Brecht … sollte etwa der Augsburger Stückeschreiber gemeint sein? fragt Albert W.

  • Videohinweise am Mittwoch | NachDenkSeiten – Die kritische Website - Das Pressebüro

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    […] Christoph Butterwegge in RegensburgWorüber sich Susanne Klatten totlacht…Von Stefan Aigner in Nachrichten, ÜberregionalBeim sozialpolitischen Aschermittwoch in Regensburg geißelt der Armutsforscher Christoph Butterwegge die „politische Zivilreligion“ des Neoliberalismus und fordert eine Umverteilung des Vermögens. Im aktuellen Koalitionsvertrag sieht der 67jährige einen weiteren Beleg dafür, dass die SPD als innovative und fortschrittliche politische Kraft ausfalle und nurmehr ein Reparaturbetrieb für die eigenen Fehler sei. Wir stellen den Vortrag als MP3 zur Verfügung.Zitat: Der aktuelle Koalitionsvertrag offenbare erneut, dass die SPD als als progressive und innovative Kraft derzeit ausfalle und allenfalls ein Reparaturbetrieb der eigenen Fehler sei. „Aber ohne oder gegen die SPD wird eine Veränderung wohl nicht funktionieren“, sagt Butterwegge. Und deshalb müsse man eben weiter durchhalten und einen langen Atem haben. Auch dieser, etwas blasse Hoffnungsschimmer wirkt wie ein Déjà-vu.“Quelle: regensburg-digital […]

  • Enigma76

    |

    BarnieGeröllheimer
    17. Februar 2018 um 13:34 | #

    Der Jahresüberschuss ist positive Differenz aus Erträgen und Aufwendungen einer Rechnungsperiode. Der Bilanzgewinn ergibt sich aus dem Jahresüberschuss abzgl. (Gewinnrücklagen + Verlustvortrag des Vorjahres) und zzgl. (Gewinnvortrages des Vorjahres + Entnahmen aus Kapital- und Gewinnrücklagen).
    Die Dividende ist der Anspruch der Aktionäre auf Teilhabe am Bilanzgewinn.

    Ihr Kommentar berücksichtigt nicht, dass Investitionen den Aufwendungen zufallen und bei der Bestimmung des Jahresüberschusses bereits berücksichtigt sind. Es macht weiterhin keinen Sinn, die Gewinne (nach Steuern auf Unternehmensseite) als Dividende an Aktionäre auszuschütten (Einkommenbesteuerung auf Aktionärsseite), um diese dann wieder in das Unternehmen zu „investieren“. (Siehe auch Jahresabschluss der BMW AG)

    Die sogenannte „Vollbeschäftigung“ und das gesamte Wirtschaftswachstum in Deutschland, ist auf die Verschuldung des Auslandes (Leistungsbilanzübeschuss) unter dem Schutz der Einheitswährung Euro (Währungsanpassung) und Wettbewerbsvorteile wegen zu geringer Partizipation der eigenen Bevölkerung (Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Volkseinkommen gesunken, Anteil der Unternehmens- und Vermögenseinkommen gestiegen) zurückzuführen. (Siehe Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und Finanzierungssalden der Sektorkonten (Statistisches Bundesamt DESTATIS)).

    Sie können alle angesprochenen Fakten in 5 Minuten „googeln“ und darüber reflektieren, anstatt mit abwertend benutzten Wörtern um sich zu werfen, welche etymologisch positiv besetzt sind.

  • Enigma76

    |

    erich
    18. Februar 2018 um 15:20 | #

    Der Median ist doch lediglich der Wert einer Zahlenreihe, welcher in der Mitte liegt, sagt nichts über die umliegenden Werte aus und läßt daher keine Schlussfolgerungen, wie im Artikel getroffen, zu.
    Zum Vergleich der Partizipation der Bevölkerungen an den eigenen Verhältnissen, ist eher der Gini-Koeffizient geeignet. Die Anteile am Vermögen innerhalb unserer Volkswirtschaft findet man meist nur in Dezentilen und nicht in Perzentilen.

    https://www.wzb.eu/sites/default/files/u36/dr2016_bf.pdf (Seiten 191 ff.)
    http://www.bpb.de/nachschlagen/datenreport-2016/226294/vermoegensungleichheit

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