Wallraff nimmt XXXLutz ins Visier

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Wer hätte das gedacht. Günther Wallraff nimmt sich jetzt der XXXLutz-Gruppe an. Das hat der Undercover-Journalist vergangene Woche bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Gewerkschaft verdi in München angekündigt. Er habe gerade in den letzten Monaten „etliche Zuschriften“ von Mitarbeitern der Lutz-Möbelhäuser erhalten, so Wallraff. Er spricht von einem „System, in dem Menschen niedergehalten und entrechtet“ werden.

Der Möbelkonzern hatte im März versucht regensburg-digital.de und das Passauer Magazin Bürgerblick per Abmahnung mundtot zu machen, weil wir über Personalabbau. Gesetzesverstöße und den rüden Umgang mit Mitarbeitern berichtet hatten. Erfolglos. Bei Streitwerten von 100.000 bzw. 360.000 Euro blitzte das Unternehmen vor den Landgerichten Regensburg und Passau mit dem Versuch ab, uns diese Berichterstattung zu untersagen. „Das Verbreiten wahrer Tatsachen ist aber grundsätzlich nicht rechtswidrig”, lautet ein Satz aus dem Urteil des Landgerichts Regensburg, vor dem unsere Redaktion in allen Punkten Recht bekam.

In Passau wurde ein Vergleich geschlossen: Lutz nahm alle Klagen zurück, übernahm sämtliche Kosten und sollte im Gegenzug die Möglichkeit eines Interviews mit dem Bürgerblick erhalten. Der Konzern ging kleinlaut darauf ein. Auf ein entsprechendes Interview-Angebot von Bürgerblick-Herausgeber Hubert Denk hat Konzern-Boss Seifert im Anschluss nicht einmal geantwortet. Einige Wochen nach diesen juristischen Erfolgen sahen sich auch größere Medien veranlasst, sich den Arbeitsbedingungen bei XXXLutz zu widmen. In der Süddeutschen Zeitung wurde zuvor noch einer Möbelhaus-Eröffnung durch Schauspieler Kevin Costner ein großflächiger und wohlmeinender Bericht gewidmet – flankiert von regelmäßigen XXXLutz-Werbeanzeigen. Am Rande: Im vergangenen Jahr gab der Konzern 28 Millionen Euro für Werbung aus, eine Steigerung um fast 50 Prozent. Am 25. April erschien in der SZ nun unter der Überschrift „Die unter dem roten Stuhl“ ein ausführlicher und kritischer Bericht über die Arbeitsbedingungen bei XXXLutz.

Die Vorwürfe – Schikanen, Druck und Personalabbau – waren nicht neu und zuvor schon bei regensburg-digital und im Bürgerblick nachzulesen. Das Unternehmen selbst bleibt eher schweigsam. Das durfte nicht nur Bürgerblick-Herausgeber Denk erfahren. So erging es auch der Katholische Arbeitnehmerbewegung Bamberg, die wegen Mobbing-Vorwürfen von Lutz-Angestellten beim Unternehmen um ein Gespräch gebeten hatte. Seit November 2009 gab es dazu noch nicht einmal eine Antwort der Geschäftsführung. Immerhin: Als Reaktion auf einen Fragenkatalog unserer Redaktion zur Pressekonferenz von Günther Wallraff schickt das Unternehmen eine allgemein gehaltene Erklärung. Deutschland-Geschäftsführer Helmuth Götz spricht darin von veralteten und haltlosen Vorwürfen. Er verweist auf eine hohe Ausbildungsquote, spricht davon, dass man sich stets an die Gesetze halte und mit Betriebsräten „gut und konstruktiv“ verhandle.

Wie mit Betriebsräten und dem Arbeitszeitgesetz in Passau umgegangen wurde, lässt sich in unserem Artikel vom August 2009 nachlesen. Günther Wallraff erzählt von konstruierten Abmahnungen gegen Betriebsräte, ebenso würde strafwürdiges Verhalten konstruiert. Am Rande: Nach Angaben der Gewerkschaft verdi gibt es lediglich in den aufgekauften Möbelhäusern – etwa bei Hiendl – noch Betriebsräte. In sämtlichen anderen Häusern nicht.

Die Quote von Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten bei XXXLutz ist überdurchschnittlich hoch. Billige Azubis ersetzen langjährige Mitarbeiter. Verdi verzeichnet bei Auszubildenden Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz im dreistelligen Bereich. Die Bezahlung liegt – mit Ausnahme der aufgekauften Neubert-Möbelhäuser – weit unter Tarif. Gewerkschaftsangaben zufolge liegt der jährliche Durchschnittsverdienst eines Möbelmonteurs mehr als 7.000 Euro unter Tarif. Wallraff, der schon in zahlreichen Unternehmen undercover recherchiert und zum Teil menschenunwürdige Arbeitsbedingungen aufgedeckt hat, bezeichnet XXXLutz als „einen Extremfall“. „Jetzt kommt der Konzern auf den Prüfstand. Der Druck wird erhöht“, so seine Ankündigung vergangene Woche. Man darf gespannt sein, wann es etwas Neues über XXXLutz zu erfahren gibt.

Mehr Infos: Eine Übersicht der Gewerkschaft verdi zur XXXLutz-Gruppe

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Kommentare (19)

  • Verdi-Mitglied

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    Ein großes Lob für Günther Wallraff!
    Bei seiner Recherche sollte er auch mal dem unsäglichen und unerträglichen „Kabarettisten“ Ottfried
    Fischer, der – nur um seines Profits willen – Reklame für diese asoziale Firma macht, kräftig eins auf
    die Mütze geben.

  • Fonse

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    @Verdi-Mitglied:

    Aber Du kennst doch den Spruch: „Wessen Brot ich ess´, dessen Lied ich sing´…“
    Der „Otti“ muss doch viel verdienen, weil er viel essen muss, was kümmert da offenbar selbst einen „Linken“ dass ihm ein klassischer Ausbeuter das Brot bezahlt.

  • StuhloderSessel

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    Ah Ok, jetz weis ich auch warum mir letztens beim Stuhl bzw. Sessel kaufen die Kollegin an der Kasse so bekannt vorkam…

    Ach ja: wenn Otti n Linker ist, dann ist Steinmeier ein Revolutionär und Franz Maget der legitime Nachfolger Ernesto „Che“ Guevaras. ;-)

  • Sensimy

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    Drecksladen!!! Sorry, aber das ist so!

  • Barbara Junghans

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    Ich weiß garnicht, warum Sie sich aufregen! Der Otti befindet sich doch in bester Gesellschaft! Denken Sie nur an unseren Ex-Kanzler Schröder, der seinen früheren Job bei Gazprom vergoldet bekommt oder unseren ehemaligen Außenminister ohne abgeschlossene Ausbildung, der jetzt an einer amerikanischen Universität Vorlesungen hält (was nicht unbedingt für deren Niveau spricht). Und das sind keineswegs die einzigen.

    Wasser predigen und Wein trinken ist halt allemal leichter, als die hehren Ziele, die man auf der Fahne vor sich her trägt, dann auch in die Tat umzusetzen.

  • Grüne Pappnase

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    @Barbara Junghans
    Nur keinen Neid gegen den elder statesman Josef Martin Fischer! Der hat wohl immerhin den Personenbeförderungsschein gemacht, als Taxifahrer. Falls er ihn hat und nicht „schwarz“ Taxi chauffierte. Nun gut, an ein Jodeldiplom kommt so ein Befähigungsnachweis nicht ran. Aber besser so etwas, als ein abgebrochenes Studium wie der grüne Vollmond aus Augsburg als Ausbildungsabbrechernachweis vorzu-weisen hat. Und Ihre Abfälligkeiten gegen US-amerikanische Universitäten sollten Sie auch überdenken. Schließlich ist Europa und insbesondere unser Land, ist es das eigentlich noch, geprägt von jener Überkultur, zumal der derzeitige, der nobelitierte Friedensbringer, und der vorherige Präsident jenes Kulturhegemonistans akademische Absolventen ihrer „High“-School-Universitäten waren/sind: yes we gähn. Und endlich zeugt es von allergrößter Begabung mit null Abschlüssen (Personenbeförderungsschein?) es zu einer monatlichen Pension von mindestens EUR 9.000,– zu bringen. Also Respekt vor dieser Lebensleistung! Selber schuld, wenn Sie nicht so erfolgreich gelebt haben.

  • Tommy

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    @grüne pappnase

    völlig richtig.
    Nur den sauber organisierten Angriffskrieg von `99 haben Sie geflissentlich vergessen.

    Der Wallraff war übrigens, im Gegensatz zu den meisten Schlaubergern, von Anfang an gegen diesen Mord.

    Falls noch nicht gesehen:

  • Grüne Pappnase

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    @Tommy,04.00h
    Danke fürs Stichwort! Diesen „Befreiungs- und Auschwitzwiederholungsverhinderungskrieg“ habe ich in der Tat absichtlich nicht erwähnt, weil das ein (siehe oben) guter Krieg war. Und das hat Wallraff damals, wie viele andere auch, leider nicht begriffen. Dieser Gut-Krieg war nötig, damit grüne Gutmenschen nichtgrünen Bösmenschen mit gutkriegerischen Lehrmitteln Gutmenschentum einkriegern. Dieser Gutkrieg war schon deswegen ein solcher, weil Gottes eigene Gut-Ideologie-Welthegemon-Nation das hauptsächliche Gut-Kriegsschwert schwang. Josef Martin Fischers eigene Truppe, ab 1999 Gut-Armee, die Innere Führungswehr, hätte bei allem gutgläubigen Mittunwollen doch nichts begutkriegern können. Womit denn, mit grünen Wattebäuschchen? Merke, alle Gutmenschen neigen, wenn man sie nur läßt, zur gutmenschlichen Bekehrungsgewalt: H.J.Vogel als HJ-Fähnleinführer, F.J.Strauß als (mutmaßlicher) NS-Führungsoffizier (zitiert nach B. Engelmann), G.Grass als Waffen-SS-Freiwilliger, A. Merkel als FDJ-Agit-Prop-Sekretärin, J.M.Fischer als Neo-Auschwitz-Verhinderer u. dgl. mehr. Alles gutmenschlich halt.

  • Barbara Junghans

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    @ Grüne Pappnase

    Vielleicht sah es ja wirklich wie Neid aus – ist es aber nicht. Ich wäre allerdings stärker beeindurckt von Herrn Fischers “ Lebensleistung“, wenn er sich nicht als Hausbesetzer und Steineschmeißer hervorgetan hätte. Ich bin da eben einfach pingelig – Erziehungssache! Man hat mir rechtzeitig den Unterschied zwischen mein und dein beigebracht. Abgesehen davon nehme ich mal ganz ketzerisch an, dass unser gemeinsamer Freund irgendwann geschnallt hat, auf welcher Seite das Brot gebuttert ist und dass die „grünsten“ Utopien nicht das große Geld bringen. Daher auch der Wechsel zu Anzug und Krawatte und Abkehr von schweißfußfördernden Turnschuhen.
    Übrigens, meine kritische Haltung richtete sich gegen die Universität, an der Herr Joschka derzeit lehrt. („deren“ ist auch Genitiv Singular.)

  • war mal ein xxxler

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    Hoffentlich passiert hier dann mal was !!!
    Ich selber habe Mobbing bei XXXLutz erlebt – Am eigenen Leibe und vor allem bei Azubis !!
    Es kamen immer Irgendwelche Abteilungsleiter aus anderen Filialen, sogenannte Filialbetreuer.

    Ich habe mal einen beobachtet – ausser mit dem Firmenlaptop im Internet surfen und im Resto Kaffee trinken
    und supergescheit daherreden haben die nichts können.

    Mir wurde gedroht, wenn ich keine Überstunden ( 8 Uhr bis 20 Uhr arbeiten ) mache, dann kommt nächste Woche der Oberste Abteilungsleiter mit der Kündigung in der Tasche !!

    Ich habe mehrere Azubis gesehen die in Psychatrischer Behandlung waren ( einer Ist mal regelrecht ausgeflippt )

    Ich bin zum Glück nicht mehr dabei !!! Es gibt genügend freie Stellen wo man mehr verdient als bei diesen
    Hungerlöhnen bei XXXLutz.

    Möge die Gerechtigkeit Siegen !!!

  • Roman Gast

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    Für eine öffentlich rechtliche Fernsehproduktion suchen wir noch Leute, die im Möbelhandel arbeiten und uns über ihre Erfahrungen berichten würden. Falls jemand Interesse hat, freuen wir uns über eine Mail an: ro677@gmx.de

  • xxxler

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    Also ich arbeite beim Konzern seit 6 Jahren. Habe bis jetzt keine Probleme gehabt. Habe meine Ausbildung da angefangen und mich über die Jahre hoch gearbeitet. So schnell wie da geht es fast nirgends. Jetzt bin ich Abteilungsleiter und verdiene sehr gutes Geld und das alles innerhalb von 6 Jahren. Freu mich gern auf antworten!

  • xxxluts

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    @xxxler
    ich wette mit dir das du aus einem aufgekauften haus kommst, das heisst auch sehr wahrscheinlich mit einem betriebsrat
    in solchen häusern gehts noch … und abteilungsleiter zu sein ist nicht schwer, denn es gibt ja fast nur azubis und abteilungleiter, dazwischen kommt nichts…

  • meier

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    ist der letzte Laden.Mobbing ohne Ende.Wer dort kritisch ist kann genauso gut gleich den roten Stuhl nehmen.Alle kleinen Chefs also sogar die Geschäftsführer sind nur kleine Lichter die ausgeschaltet werden ,falls sie kritisch sind.Oder sogar Mitgefühl für den Mitarbeiter haben.

  • Morkel

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    Ich wohne in Niedersachsen
    Ich habe sowas noch nicht erlebt wie hier bei Lutz mit den Leuten umgegangen wird
    Ob es alte Gebietsleiter sind oder die Hausleiter.da werden Geschichten erfunden,es wird massiv mit Abmahnung und Kündigung gedroht.
    Und es werden die Mitarbeiter persönlich angegriffen
    Wir reden auch nur noch über den Anwalt mit der Firma

    Ich danke nur Gott das wir eine Rechtsschutzversicherung haben

  • Monika

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    Ich war auch Opfer in diesem Menschenverachteten System.
    Freundlich wurde ich gezwungen einer minimum 50 Stunden Woche zu zustimmen, meistens waren es zwischen 50 bis 60; ohne Lohnausgleich.
    Liegengebliebene Arbeiten sollte ich nach der eigendlichen Arbeitszeit bearbeiten, nach 10 Stunden.
    Musste einer 6 Tage Woche zustimmen.
    Für zuviel verkaufte Werbeware bekamen wir Abmahnungen.
    Eine Kollegin bekam eine Abmahnung weil sie nur knapp ihre Sollvorgabe von 100000 Euro Umsatz verpasst hatte.
    Jeder gegen jeden; alle Kollegen konkurieren gegeneinander werden geschickt einem „Verkaufswettbewerb“ unterworfen.
    Kollegen wurden schon im ein wöchigen Krankenstand in den Laden zur „freundlichen“ Besprechung bestellt und so begrüßt „Guten Tag Frau Kranke, schön das sies einrichten konnten“
    Kollegen wurden nach Arbeitsunfällen entlassen.
    Der Umgang war die unterste Schublade was ich bisher in Firmen erlebt habe.
    In dem Laden gehts einem nur gut wenn man noch Gesund ist, jeden Tag Arbeitet und sein Privatleben ausschaltet.

  • Hans

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    Seid ihr Euch da wirklich sicher, dass Ottfried Fischer immer noch Werbung für xxxlutz macht? Oder: Ist das nicht eher eine olle Kamelle aus Hiendl-Zeiten? – Vielleicht erst mal nachprüfen…

  • Stefan Aigner

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    @Hans

    Der Bericht stammt von 2010.

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